Tag: #ausstellung

Kunst 3 Bilder weißer Hintergrund zum Artikelthema DAM Gallery: Zwischen Historizität und Moderne

DAM Gallery:
Zwischen Historizität und Moderne

In Berlin kann in der DAM Gallery seit dem 15. November eine Ausstellung besucht werden, die das Thema Selfies völlig neu aufgreift. Die amerikanische Künstlerin Carla Gannis erschafft darin ein perfektes Zusammenspiel aus traditionellen Bildsujets und modernen Einflüssen aus dem 21. Jahrhundert. Genauso wie bei unserem letzten Besuch in der Gallery, fanden wir auch diese       Ausstellung unglaublich eindrucksvoll.    

 

DAM Gallery präsentiert “Until the End of the World”

Die DAM Gallery präsentiert die Einzelausstellung “Until the End of the World” von Carla Gannis. Sie ist eine in Oxford geborene Künstlerin, die heute in Brooklyn, New York lebt. 52 Wochen lang hat Gannis an einer Sammlung von 52 digitalen Zeichnungen, namens “The Selfie-Drawings”, gearbeitet. Dabei machte sie 2015 über das ganze Jahr Selfies von sich und setze diese in analoge und digitale Zeichnungen um. Innerhalb dieses Prozesses setzte sich die Künstlerin intensiv mit dem Thema “Selbst” auseinander. Die ,paradoxerweise, gezeichneten Selfies wurden außerdem Gegenstand eines neuen Projektes: “A Subjekt Self-Defiend”. Jedes Bild hat durch aufwendige Augmented Reality Anwendungen seine eigene 3D Wirklichkeit bekommen. Wer die Blippar App herunterlädt und sein Handy über die Zeichnungen schweben lässt, erlebt eine dynamische Animation auf dem Bildschirm.    

 

„Golden Shower“

DAM Gallery Carla Gannis „Golden Shower“

Das Bild namens “Golden Shower” zeigt eine Frau unter der Dusche, die von Bitcoins überschüttet wird. Obwohl es so aussieht, als ob sie in Selfie von sich machen will, sieht man auf dem Bildschirm des Handys ein altes Gemälde. Dabei handelt es sich um das historisches Gemälde “Danaë empfängt den Goldregen”. Danaë entstammt der griechischen Mythologie und wird von dem olympischen Gott Zeus verehrt. Weil sie sich für Zeus aufgrund seiner vielen Liebschaften nicht interessiert, beschließt er, Danaë auf anderem Wege Nahe zu kommen. Dafür verwandelt er sich unter anderem in Goldmünzen.

 

„Origin of the Universe“

DAM Gallery Carla Gannis „Origin of the Universe“

„Origin of the Universe” ist eine Anlehnung an Gustave Courbets Meisterwerk “Ursprung der Welt” aus dem Jahr 1866. Genauso wie bei dem Original ist das Gesicht der Frau verdeckt. Um die Skulptur in das 21. Jahrhundert zu transportieren, hat Gannis einen iPod hinzugefügt. Darauf befindet sich ein Video, das sich bewegende Formen in wechselnden Farben zeigt. Der besondere Clou zeigt sich im Dunkeln: Das Kunstwerk leuchtet.

 

„Electronic Graveyard/ The Upload“

DAM Gallery Carla Gannis „Electronic Graveyard/ The Upload“

Das Bild “ Electronic Graveyard / The Upload ” erinnert stark an einen Friedhof. Anstelle der Grabsteine befinden sich Smartphones auf dem Gras. Vor einem der Smartphones, steht eine Roboterfrau. Es ist eine Anspielung auf das Zusammenwachsen aller sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Systeme der modernen Gesellschaft in eine Software. Sie ist für Gannis der unsichtbare Leim, der alles zusammenhält. Das Wort “Persona” steht für die Identität, welche Menschen im Internet annehmen und anderen präsentieren. Auf dem Bild wird die “Persona” durch die Künstlerin selbst symbolisiert.

 

Ausstellung: 15. November – 20. Dezember 2017

Hier gibt es weitere Informationen

 

große Halle weiße Wände vier Frauen

Preis der Nationalgalerie 2017:
Kunstwerke über Klimawandel und Korruption

Die diesjährige Shortlist-Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin thematisiert gesellschaftliche Probleme wie den Klimawandel, Korruption und zwischenmenschlichen Machtgefüge. Wir haben die Ausstellung besucht und berichten über den Preis der Nationalgalerie 2017.

 

Nationalgalerie ehrt Gegenwartskunst

Der Preis der Nationalgalerie ist eine seit 2000 bestehende Auszeichnung für Künstlerinnen und Künstler unter 40, die in Deutschland leben und arbeiten. Er wird alle zwei Jahre verliehen und gehört zu den wichtigsten internationalen Preisen für Gegenwartskunst. Die Nationalgalerie möchte mit der Präsentation der jeweiligen Shortlist auf innovative Strömungen in der Kunst aufmerksam machen. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Werken neue Perspektiven eröffnen und auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen. Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska sind die vier Teilnehmerinnen der Shortlist, die von einer ersten internationalen Jury ausgewählt wurden. Jede von ihnen durfte im Museum für Gegenwart ihr Kunstwerk in einer gemeinsamen Ausstellung veröffentlichen. Der Preis der Nationalgalerie 2017 geht an Agnieszka Polska mit den UHD Animationen “The New Sun” und “What the Sun Has Seen (version II).                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

 

Agnieszka PolskaWhat the Sun Has Seen (Version II), 2017HD-AnimationInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA

Für ihre Filme hat Agnieszka Polska die Figur der “Kleinen Sonne” animiert und ihr ein puppenhaftes Gesicht mit riesigen Augen gegeben. Die Bild-, Sprach- und Tonelemente wirken auf den Zuschauer mal vertraut und beiläufig, mal eigenartig und bedeutungsschwer. Daraus entsteht ein Zusammenspiel, das die emotionalen Reize stimulieren soll. Mit ihren Animationen will Polska auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Die Sonne bekommt darin zwei sich auf den ersten Blick widersprechende Rollen: der hilflose Beobachter und der unausweichlich Eingreifende in die Ereignisse.

 

 

Sol CaleroAmazonas Shopping Center, 2017Installationsansicht Hamburger Bahnhof Installationsansicht Hamburger Bahnhof Installationsansicht Hamburger Bahnhof © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor GoodTrevor / Courtesy Courtesy the artist, Laura Bartlett Gallery, London

Ähnlich wie Polska arbeitet Sol Calero mit einer dem Zuschauer bekannten Ästhetik. Sie interessiert sich für “lateinamerikanischen Identität” und kulturelle Codes, die in ihren Werken zum Ausdruck kommen. Mit der Installation “Amazonas Shopping Center” möchte Calero auf Probleme wie Korruption und die Hyperinflation in ihrem Heimatland hinweisen. Allein durch die Vielfalt an auffälligen Farben sticht das Gesamtwerk deutlich heraus. Sie sei der Meinung, dass auch Künstlerinnen und Künstler die Hochkunst betreiben, nicht automatisch auf viel Farbe verzichten müssen.

 

 

Iman IssaHeritage Studies, 2015-2017Verschiedene MaterialienInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy the artist and carlier | gebauer

Iman Issa beschäftigt sich mit der Frage nach der Relevanz und Gegenwärtigkeit von geerbter Kultur. Die Serie “Heritage Studies” besteht aus unterschiedlichen Skulpturen, die alte Kunstwerken und Kulturgüter aus ihrer heutigen subjektiven Sicht darstellen. Allein die Recherche zu diesem Projekt, die bereits 2013 startete, habe sehr lange gedauert. Auf den ersten Blick wirken die Skulpturen wie reduzierte Studien zu Form und Material. Texte an der Wand geben jedoch Aufschluss darüber, worauf sich das jeweilige Werk bezieht.   

 

 

Jumana MannaInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor Good / Courtesy the artist & CRG Gallery, New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Künstlerin Jumana Manna erkundet die Wechselwirkungen von sozialen, politischen oder zwischenmenschlichen Machtgefügen mit dem menschlichen Körper. Ihre Filme verknüpfen Fakten und Fiktion, genauso wie Autobiographisches und Archivmaterial. Dadurch untersucht Manna Überschneidungen und Konstrukte nationaler und ideologischer Narrative. Das Gesamtwerk bekommt durch das Metallgerüst einen gewollt unfertigen Charakter. Zusammen mit überdimensionalen Körperteile aus Gips und Plastikstühlen, erinnert die Installation entfernt an archäologische Ausgrabungen oder Baustellen.

 

Hier geht’s zur Ausstellung

Titelbild: David von Becker

viele Menschen viele Stühle Bilder Stehtische zum Artikelthema Sony World Photography Awards

Sony World Photography Awards 2017:
Ausstellung regt zum Nachdenken an

Im Willy-Brandt-Haus wurden die 200 Gewinner des Sony World Photography Awards 2017 ausgestellt. Professionelle Fotografen und Amateure beeindrucken mit kritischen politischen und sozialen Fotografien, die einen zum Lachen oder auch zum Nachdenken bringen.

 

Großes Interesse für die Sony World Photography Awards

Die Eröffnung der Sony World Photography Awards Ausstellung hat gestern im Willy-Brandt-Haus stattgefunden. Wie die hundert Meter lange Schlange vor der Location zeigte, war das Interesse riesig. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um den größten Fotowettbewerb der Welt. Stolze 227.000 Einreichungen aus 183 wurden von einer Fachjury begutachtet. Im Willy-Brandt-Haus in Berlin können zum ersten und einzigen Mal 200 Fotos aller Preisträger betrachtet werden. Der Fokus liegt, deutlich sichtbar, auf international politischer und sozial engagierter Fotografie. Von Naturaufnahmen, über Porträts, zu abstrakten Fotos ist alles dabei. Der Award wurde von der Sony World Photo Organisation (WPO) ins Leben gerufen. Ziel ist es, studentische Fotografie zu fördern und eine globale Plattform zur Kommunikation, Kollaboration und Präsentation aktueller Trends für die Fotoindustrie zu erschaffen.  

 

Sandra Hoyn: “Die Sehnsucht anderer” (1. Platz in der Kategorie Alltag)

“Die Sehnsucht anderer” von Sandra Hoyn

Viele der bewegenden Einreichung sprechen ethische und soziale Probleme an. Wie beispielsweise Sandra Hoyn mit ihrer Fotoserie “Das Verlangen der Anderen”. Sie bildet den “Alltag” von Sexarbeiterinnen im Kandapara Bordell ab.  Eine große Anzahl der 700 Frauen wurden von Menschenhändlern dorthin verkauft oder sind innerhalb der Mauer geboren.  Die Unterdrückung, die Gewalt und die Hilflosigkeit kann man den Frauen auf den Bildern deutlich ansehen. Es verdeutlicht auch,  dass Frauenrechte in vielen Ländern nach wie vor nonexistent sind. 

 

Yuan Peng: „Die Zwillinge und ihr Traum vom Turnen“ (1. Platz in der Kategorie Sport)

„Die Zwillinge und ihr Traum vom Turnen“ von Yuan Peng

Die zwei Mädchen auf dem Foto sind die Zwillingsschwestern Liu Bingqing und Liu Yujie. Seit ihrer frühesten Kindheit begeistern sie sich für das Turnen. Das Bild wurde in einer Sportschule in Jining, in der chinesischen Provinz Shandong, aufgenommen. Dort trainieren sie extrem hart für ihren Traum, professionelle Turnerinnen zu werden.

 

 

Christian Vizl: „Stilles Königreich“ (3. Platz in der Kategorie Natur)

„Stilles Königreich“ von Christian Vizl

Seit seiner Kindheit fühlte Christian Vizl sich zum Meer hingezogen. Er fragte sich, was sich unter den Wellen verbirgt und wie es aussehen würde, wenn das Wasser plötzlich verschwände. Mit dem Foto “Stilles Königreich” will Vizl die Essenz des Erlebnisses einfangen und in die Welt der Meerestiere eintauchen. So kann der Betrachter dessen ganze Pracht, Schönheit und wahre Natur mit eigenen Augen sehen.

 

 

Student Focus

Bilder aus der Kategorie „Student Focus“

Der Student Focus Wettbewerb ist eines der weltweit führenden Award-Programme für Studenten der Fotografie. Jeder, der in die Vorauswahl gelangt ist, bekommt eine Digitalkamera-Ausrüstung von Sony und einen Flug nach London, um an der Preisgala der Sony World Photography Awards teilzunehmen. Der Sieger gewinnt Foto-Equipment von Sony im Wert von 30.000 US-Dollar für seine Hochschule.

 

 

Carloman Macidiano Céspedes Riojas: „Zufallsbekanntschaft“ (1. Platz beim National Award)

„Zufallsbekanntschaft“ von Carloman Macidiano Céspedes Riojas

Riojas hat bei diesem Bild auf eine Beschreibung verzichtet. Es ist überwiegend in dunkle Farben getaucht. Die zwei Männer sind die einzigen Lichtpunkte in dem Foto. Als Betrachter fragt man sich, ob der Mann im Vordergrund über diese „Zufallsbekanntschaft“ wirklich glücklich ist oder ob er diese eventuell sogar bereut.  

 

 

Hier gibt es weitere Informationen zu der Ausstellung

 

große Halle bunte Leinwände Menschen schwarzer Hintergrund

Von Monet bis Kandinsky:
VISIONS ALIVE lädt zum Träumen ein

Die dritte Multimediale Bildershow von VISIONS ALIVE zeigt das Best-Of der 16 bekanntesten Künstler des 19./20. Jahrhunderts. “Von Monet bis Kandinsky” ermöglicht eine ganz neue moderne Perspektive auf die Kunst.

 

Jutebeutel und teure Teelichter

Wer die Multimedia-Ausstellung “Von Monet bis Kandinsky” sehen will, muss sie erst einmal suchen. Da sie sich in einem, nicht besonders schönen, Hinterhof befindet, ist die Ausstellung schwer zu finden. Die grünen Pfeile auf dem Boden, die später mit rotfarbigen Pfeilen überklebt wurden, helfen auch nur bedingt weiter. Wer aufgrund der berühmten Künstler einen einladenden Eingangsbereich erwartet hat, der wird spätestens beim Betreten der Location enttäuscht. Die Ausstellung besteht aus vier Räumen: zwei Informationsräumen und zwei Ausstellungsräumen, in denen die Video-Projektionen laufen. Informationstafeln geben Aufschluss über das Leben der Künstler. Die Bilder auf den Tafeln passen nur leider nicht zu den Informationen. Als interessierter Betrachter fragt man sich also, warum nicht das Porträt gezeigt wird, das Monet berühmt gemacht hat, sondern ein völlig zusammenhangloses Werk. Was auffällt ist, dass fast alle 16 Künstler zu Lebzeiten arm waren und aufgrund einer schlimmen Krankheit gestorben sind.  Der andere Teil des Raumes ist der Verkaufsbereich. Hier kann man Jutebeutel mit Van Goghs Gesicht und Teelichter für 30 Euro kaufen.

 

Man muss Kunst nicht verstehen

In beiden Ausstellungsräumen läuft die 60-minütige Videoshow in Endlosschleife. Man kann zwischen Stühlen, Bänken und Sitzsäcken wählen. Innerhalb dieser Stunde werden Werke der Künstler auf unterschiedliche Weise dargestellt. So werden Bilder von Edgar Degas gezeigt, der eine Schwäche für das Ballett hatte. Dementsprechend  wurden animierte Balletttänzerinnen, bestehend aus glitzernden Lichtpunkten, gezeigt. Claude Monets Abschnitt dreht sich um die Schönheit der Blumen, welche er als Impuls für seine Künstlerkarriere ansieht. Besonders herausstechend ist ein fast schon hektisch animiertes Labyrinth, bestehend aus der abstrakten Kunst von Wassily Kandinsky. Die erste halbe Stunde wird es dem Zuschauer nicht leicht gemacht. Vor allem weil kurze Zitate der Künstler der einzige Kontext sind, den der Betrachter bekommt. Irgendwann erscheint ein Zitat von Claude Monet, in dem er verkündet, dass man Kunst nicht verstehen, sondern einfach nur lieben muss. Inspiriert von dieser Aussage, bekommt die Ausstellung plötzlich eine ganz andere Wirkung.      

 

VISIONS ALIVE erschafft Traumwelt

Je länger man sich die Videoshow ansieht, desto mehr kann man sich gedanklich von der gezeigten Kunst in eine andere Welt tragen lassen. In den Sitzsäcken liegend, verwandelt sich der Ausstellungsraum in einen realen Traum. Vor allem die wunderschön abgestimmte Musik trägt einen großen Teil zu diesem Gefühl bei. Viele Besucher haben sich auf den Boden gelegt und die Videoshow teilweise dreimal in Folge angeschaut. Sobald man aufhört das Gezeigte verstehen zu wollen, beginnt erst die Fantasiereise, die einen Raum und Zeit vergessen lässt. Der kleinere Ausstellungsraum ist zwar weniger eindrucksvoll aber dafür hat man dort einen besseren Überblick über alle gezeigten Kunstwerke. “Von Monet bis Kandinsky” ist, im Gegensatz zum ersten Eindruck, eine Ausstellung für jedermann: egal ob Kunstkenner oder interessierter Laie. Es ist quasi ein digitalisiertes und animiertes Museum mit den Werken von bekannten Künstlern. Oder auch modern aufbereitete Kunst, die die Emotionen der Betrachter einfängt.

 

 

Ausstellung: 21. Juli 2017 bis 28. Januar 2018

Hier gibt es weitere Informationen
Titelbild: iVision Entertainment GmbH

 

70 Jahre
Komische Oper Berlin

Wie die Zeit vergeht! Die Komische Oper Berlin feiert mit einer Online Ausstellung ihr 70-jähriges Bestehen. Seit 1947 begeistert das Moderne Theater seine Zuschauer mit avantgardistischen Interpretationen von Opern, Tanzshows, Musicals und Vorträgen. Für die Macher der Online Ausstellung ist dieses Jubiläum aber nicht nur ein Blick in die Vergangenheit sondern vor allem ein Blick in die Zukunft.

 

Die Komische Oper Berlin blickt zurück

Die Komische Oper steht für allem für eins: echte Musiktheatertradition. Trotzdem ist es den Initiatoren der Institution ein wichtiges Anliegen, Tradition mit Zukunftsfähigkeit und Aktualität zu verbinden. Aus diesem Grund funktioniert die digitale Ausstellung “70 Jahre Zukunft Musiktheater” als ein Zusammenspiel zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Alte Exponate werden im Internet veröffentlicht, sodass Menschen auf der ganzen Welt sie sehen können. Es gibt verschiedene digitale Räume, wie beispielsweise die Künstlergarderobe, die Bühne oder das Foyer, die Interessierte zum Durchstöbern einlädt.   

 

Einmal um die ganze Welt

In 70 Jahren ist die Komische Oper Berlin bereits in über 70 Städten und 33 Ländern aufgetreten. Mit der digitalen Weltkarte kann man sehen, wo genau die einzelnen Aufführungen stattgefunden haben. Die Künstlerinnen und Künstler führten bereits Schwanensee in Sydney, Ritter Blaubart in Budapest und die Zauberflöte in Peking auf. Seit der Gründung der Oper hat sich einiges verändert. Wie Plakate von damaligen Aufführungen aussahen, zeigt der digitale Raum “Schaukasten”. Dort kann man sich von traditionellem Theaterflair inspirieren lassen. Genauso wie mit Videozusammenschnitten aus früheren Inszenierungen unter dem Bereich “Bühne”.

 

Auf weitere 70 Jahre Komische Oper Berlin  

Die Slideshow, in der frühere Bilder des Theaters und das heutigen Gebäude nebeneinander gestellt werden, versetzt den Betrachter in Nostalgie. Ein bewegliches Namenskarussell gibt Aufschluss darüber, wer alles in der Komischen Oper gesungen, dirigiert und inszeniert hat. Der Kommentarbereich, in dem Zuschauer ihre Glückwünsche zum 70-jährigen Bestehen posten können, verleiht der Online Ausstellung eine persönliche Note. Die komische Oper ist bereits ein wichtiges Kulturgut in Berlin und die innovative Angehensweise aller Mitwirkenden ist ein Garant für ein erfolgreiches Bestehen in der Zukunft.

 

 

Hier geht’s zur Online Ausstellung

 

Titelbild: @Gunnar Geller

 

Top 10 Berlin Events
im November

Wir bewegen uns immer schneller auf die kalte Jahreszeit zu. Umso schöner ist es, sich (warme) Theateraufführungen, Kunstausstellungen oder Festivals anzusehen. Der November hat in Sachen Berlin Events nämlich einiges zu bieten: Egal ob Nachtflohmarkt, Märchenstunde oder Museumsbesuch im Dunkeln – hier werdet ihr sicher fündig!

 

Märchenhaftes Schauspiel: Berliner Märchentage

Die diesjährigen Berliner Märchentage verzaubern uns unter dem Motto “Die Liebe ist eine Himmelsmacht” mit Geschichten, die sich mit Liebe und Hass auseinandersetzen. Sie sollen verdeutlichen, dass vor allem das Thema Liebe in Zeiten von Völkerwanderungen, Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzungen unverzichtbar ist. Die Märchen werden in Bibliotheken, Buchhandlungen, Schulen und vielen weiteren Orten stattfinden.

 

Wo: verschiedene Orte in Berlin

Wann: 09. – 26.11.2017

Zum Event 

 

3 Tage Kunst: Messe für Gegenwartskunst

Wie der Name der Messe schon verrät, stellen professionelle Künstlerinnen und Künstler, die im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf leben und arbeiten, für drei Tage ihre Werke aus. Dafür wurden 28 Kunstschaffende von einer unabhängigen Fachjury ausgewählt. Die Veranstaltung findet in der Kommunalen Galerie Berlin statt. Die Genres der Werke reichen von Fotografie über Druckgrafik bis zu Malerei. Der Eintritt ist frei.

 

Wo: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10613 Berlin

Wann: 03.-05.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Schöneberger Art 2017 Galerierundgang & offene Ateliers

Dieses Jahr feiert der Galerierundgang und die zugehörigen offenen Ateliers ihr 10-jähriges Jubiläum mit 78 Künstlerinnen und Künstlern und 15 Galerien. Das Kunst-Event wurde 2008 mit dem Ziel gegründet, die Vielfalt und die Professionalität der Künstler in Schöneberg zu stärken. Gleichzeitig sollte die Kunst einem breiten Publikum nahe gebracht werden. Tatsächlich steigen jedes Jahr die Besucherzahlen und der Rundgang erfreut sich einer immer größer werdenden Bekanntheit.

Wo: Grunewaldstraße 79, 10823 Berlin

Wann: 04.-05.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Schnäppchen jagen bei Nacht: Yaam Nachtflohmarkt 

Shoppen, Tanzen, Schlemmen: das alles bietet der Yaam Nachtflohmarkt. Bei Mondschein kann alles ge- und verkauft werden, was sonst in Kellern oder Dachböden verstaubt. Außerdem erwarten einen verborgene Musikschätze aus der Perlentruhe und kulinarische Köstlichkeiten aus Brasilien oder der Karibik. Besonderes Highlight: die anschließende Aftershowparty!

 

Wo: An der Schillingbrücke 3, 10243 Berlin

Wann: 10.-11.11.2017

Zum Facebook-Event

 

LOST WORDS – Installation in der Nikolaikirche

Das Innere der Nikolaikirche wird dank der Rauminstallation von Künstlerin Chiharu Shiota in einen neuen Assoziations- und Denkraum verwandelt. Anlass des Events ist das 500-jährige Jubiläum der Reformation, zu deren Zentren auch die Berliner Nikolaikirche zählte. Schwarze Fäden, in die Bibelseiten in verschiedenen Sprachen eingewoben sind, symbolisieren die globale Verflochtenheit der Reformation und der biblischen Botschaft. Shiota spricht mit LOST WORDS aktuelle Debatten um Migration und Integration an.

 

Wo: Nikolaikirchplatz 1, 10178 Berlin

Wann: 18.10-19.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Insekten auf Leichen: Dr. Mark Benecke

Halloween ist dann zwar schon vorbei, aber wer sich weiter gruseln möchte, ist bei diesem Event genau richtig. Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke widmet sich skurrilen Fragen über die Existenz von den unterschiedlichsten Kriechtieren an Tatorten und wie diese dabei helfen können, Mörder zu entlarven. Ein spannender Einblick in das Leben eines Kriminalbiologen, dessen Job nicht der Tod sondern das Leben nach dem Tod ist.

 

Wo: Huxleys Neue Welt, Hasenheide 107, 10967 Berlin

Wann: 17.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Eröffnung: Ausstellung 2017 Sony World Photography Awards

Einer der größten Fotowettbewerbe der Welt bietet Besuchern zum dritten Mal eine unfassbare Vielfalt an Fotografien, die zum Lachen oder auch zum Nachdenken anregen. Egal ob ruhige Landschaftsbilder aus abgelegenen Regionen der Welt oder Fotoserien über das Leben von Sexarbeiterinnen in Indien – Diese Ausstellung ist für Fotografie Liebhaber ein Muss.

 

Wo: Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin

Wann: 07.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Taschenlampenführung für Erwachsene

Als ob ein 13 Meter großes Dinosaurierskelett nicht schon bei Tag furchteinflößend genug wäre, gibt’s das ganze jetzt auch im Dunkeln. Das Museum für Naturkunde Berlin lädt zu einer nächtlichen Tour durch die dunklen Museumsräume und die wissenschaftlichen Sammlungen ein. Teilnehmer können das Museum dabei auf eine ganz neue Weise erleben. Taschenlampe nicht vergessen!

 

Wo: Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin  

Wann: 04.11.2017

Zum Event

 

interfilm Festival: Eject XX

Das kurioseste Filmfest des Jahres, oder auch Allerzeiten, findet erneut auf der Berliner Volksbühne statt. Während die Teilnehmer versuchen sich gegenseitig mit den verrücktesten Einreichungen zu übertrumpfen, hat am Ende allein das Publikum in der Hand wer den Sieg mit nach Hause nimmt.

 

Wo: Volksbühne Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz, 10178 Berlin

Wann: 24.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Call for Performers Luftartistik Gala

Am 11. November führen Artisten eine atemberaubende Show in luftiger Höhe im Rahmen der Luftartistik Festspiele Berlin vor. Wer nicht nur zugucken sondern auch mitmachen will: Es werden regelmäßig Workshops angeboten, in denen man in die Welt der Luftartistik hineinschnuppern kann.   

 

Wo: Pfefferberg Theater, Schönhauser Allee 176/Haus 15, 10119 Berlin

Wann: 11.11.2017

Zum Facebook-Event

 

Schwimmendes Museum
verschönert die Spree

Das neue Hafenprojekt in Berlin soll ein Stück Geschichte begehbar machen. Was damalige Exilsuchende in der DDR vor der Flucht abhielt, wird jetzt zu einer Art Kunstwerk. Und das, obwohl das Projekt schon kurz vor dem Aus stand. Glücklicherweise bekommt Berlin nun doch die Chance, Nostalgie mit Moderne zu verbinden.

 

Ausstellung auf dem Wasser

Der historische Bröckel-Steg wird zum Zentrum des neuen Hafenprojekts in Berlin-Treptow. Geplant ist der Bau eines 220 Quadratmeter großen, schwimmenden Museums, in dem Ausstellungen über Berlins Binnenschifffahrt gezeigt werden. Bis 2022 will der Senat 4,7 Millionen Euro in das Projekt investieren. Der 480 Meter lange Betonsteg ist die letzte Erinnerung an die Wassergrenze zwischen dem seinerzeit getrennten Berlin. Zu DDR-Zeiten sollte er Menschen an der Flucht über das Wasser hindern. Vor einigen Jahren stand der historische Steg kurz vor seinem Abriss. Der Abtransport von 2.300 Tonnen Stahlbeton ist bereits in Auftrag gegeben worden, was jedoch mithilfe von Protesten verhindert werden konnte. Seitdem steht das Berliner Monument unter Denkmalschutz.

Stärkung der regionalen Wirtschaft

Mitinitiator Rainer Klemke freut sich sehr, dass die Finanzierung jetzt stehe. Neben dem Museum wird ein neuer Wasserweg mit Schautafeln gebaut. Außerdem sind Ausflugsdampfer und eine Museumslinie mit der “Heinrich Zille”, Baujahr 1896, geplant. Der Landzugang wird sich neben der Arena in Treptow befinden. Ein weiteres Highlight soll das begehbare Dach werden. Ganze 16 Museumsschiffe sollen die Anlage schlussendlich umrahmen. Tatsächlich ist das aufwendige Hafenprojekt nur ein Anfang, um die regionale Wirtschaftsstruktur zu unterstützen. 100 Millionen Euro von Bund und Land hat der Senat bereits an weitere Projekte verteilt. Eines davon ist beispielsweise der Umbau des ehemaligen US-Krankenhauses in Dahlem in ein Gründerzentrum für stolze 48,7 Millionen Euro.

 

Ed Atkins Installation

Old Food von Ed Atkins:
Über Digitalträume & Wirklichkeitsabzocke

Schauen wird in Kapital konvertiert. Youtube vergütet tausend Views mit etwa einem Dollar – im Fernsehen liegt der Wert viel höher. Die Schlingranken des Marketings wuchern via Mail, Tracking, setzen Cookies, streuen Krümel wie Hänsel und Gretel, um dir zu folgen. Atkins’ Ausstellung ist der Köder, dich in den Museumskörper zu locken, mit seinen Sälen, Magen und Verdauungstrakt, deren Wände dich still durchkneten, Laser, die dich wie Zilien forttragen und einfangen – Zitat Ende. 

Mit diesen Worten werden die Besucher der heute begonnenen Ausstellung „Old Food“ von Ed Atkins  im Martin-Gropius-Bau begrüßt. Und tatsächlich: Der Künstler schafft es, den Betrachter mit seiner bildgewaltigen Installation emotional einzufangen, nur um ihm anschließend gerade dadurch wieder ein mumliges Gefühl einzuverleiben.

Ed Atkins und seine spezifische Videoästhetik

Der gebürtige Brite lebt momentan in Berlin und ist mit seinen experimentellen, computergenerierten Filmen, Animationen und Bildwelten ein Star in der jungen Kunstszene. Atkins beschäftigt sich mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien. Bekannt wurde er durch Videoinstallationen mit CGI-Avataren. Diese animierte er mittels Motion-Capture-Technik und versah sie mit der Stimme des Künstlers.

Old Food: Digital einbalsamiertes Gammel-Essen?

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Für den Martin-Gropius-Bau und das Programm Immersion kreierte der Künstler nun seine bisher größte Installation: „Old Food“ . Wer jetzt denkt es gehe dabei um vergammeltes Essen, der irrt. Vielmehr erforscht der Künstler weiterhin die neuen Medien und versetzt den Betrachter in Gemütlsagen zwischen Verträumtheit  und Desillusionierung, Ekel und Nüchternheit. 

Museumsräume erzeugen bizarre Gefühlswelten

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Die Ausstellungsräume umgibt hingegen sehr wohl eine bizarre  Stimmung. Größeren und kleineren Videoinstallationen stehen jeweils zahlreiche Kostüme aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin gegenüber: Von  Don Carlos bis hin zu Aida. Das können die Besucher übrigens vom ersten Augenblick und vom ersten Raum an „riechen“. Viel seltsamer mag es für die Betrachter jedoch sein, auf Bildwelten zu treffen, die zunächst sehr idyllisch anmuten. Da steht ein Klavier inmitten einer grünen Blumenwiese, in einer Berghütte knistert der Kamin vor sich hin und es blicken einen altertümliche Wesen und niedliche Kinderaugen an.

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Doch nun kommt es: Die Figuren weinen, wirken verzweifelt, ihre Haut scheint sich zu verflüssigen. Auf dem Klavier spielt eine Hand, die sich durch diverse Plessuren von der sich im Instrument spiegelenden Natur abhebt. Seine Figuren sind in einer ewig langen Leidensgeschichte gefangen – ohne Anfang, Spannungsbögen und ohne Ende. Zugleich verwirrt die akustische Komponente: Es erklingen Kompositionen von Jörg Frey, die so gar nicht den klassischen Harmonien entsprechen. Die Disharmonien in Dauerschleife tragen ebenfalls dazu bei, dass die scheinbare Idylle aufgehoben wird. Den Besuchern überkommt ein ähnlich unwohles Gefühl wie bei der Betrachtung von verschimmeltem Essen. Nur mit dem Zusatz, dass sie sich ihrer eigenen Rolle in den neuen Medien und einer kommerzialisierten Welt bewusst werden. 

Ed Atkins möchte genau dies mit seiner Installation zeigen. Er erzeugt künstliche Digital-Romantik, um sie im nächsten Moment wieder zu zerstören. Dabei bezieht er sich auf die Hoffnungen, die in die CGI-Technik gelegt werden. Mit ihrer Hilfe sollen unsere Träume „real“ werden. Täuschend echte Figuren wirken dann aber doch wieder deratig aalglatt, dass sie ihre Wirkung selbst aufheben. Der ultimative Burger und die perfekte Bikini-Figur: Mit der Realität haben schmackhaft kreierte Photoshop-Werbebilder oft wenig zutun. Ed Atkins entblößt das Streben nach Perfektionismus, indem er der digital erzeugten Romantik auf bizarre Weise die Romantik nimmt (die sie ja eigentlich nie war).

Die Ausstellung läuft noch bis zum 07. Januar 2018.

Titelbild: @Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Vogelperspektive auf Berlin im Herbst, Straße des 17. Juni; zum Artikel Top 10 Berlin Events im Oktober

Top 10 Berlin Events im Oktober

Wilhelm Busch dichtete einst: “Der schöne Sommer ging von hinnen, der Herbst, der reiche, zog ins Land. Nun weben all die guten Spinnen so manches feines Festgewand.” Das Wetter hat uns in diesem Jahr tatsächlich des Öfteren im Stich gelassen. Auch wenn Hoffnung auf einen goldenen Herbst besteht, wird es Zeit für Indoor-Kultur im Festgewand. An dieser Stelle möchten wir euch Kunstleben Berlin empfehlen – ein Netzwerk von Kunstschaffenden, die kulturelle Higlights sowie aktuelle Events vorstellen. Hier lassen auch wir uns gerne inspirieren. Inspirierend sind allerdings auch die Berlin Events im Oktober.

Kürbis hier, Kürbis da, Kürbis-Tralala

Herbstzeit ist Kürbiszeit! Schöneberg huldigt das Gewächs mit einem Kürbisfest und hochwertigen Produkten.  Es mag zunächst an ein Dorfritual mit Kürbiskanone erinnern, hat jedoch echten Kiezcharakter. Kunsthandwerker, Designer, Händler und Gastronomen widmen sich mit einem vielfältigen Angebot, bestehend aus 12.000 Kürbissen in verschiedensten Sorten, voll und ganz den großen und kleinen Gewächsen. Es wird Kürbismarmelade, Kürbiskuchen, Kürbissuppe, Kürbissekt sowie Kürbislasagne geben – eben alles, was das Kürbisherz begehrt. Die Schlemmermeile wird zudem von Musik begleitet.

Wo?  Akazien und Belziger Straße, Berlin

Wann? 30. September – 01. Oktober

Zum Facebook-Event

Moralische Anstalt 2.0 – Theater trifft politische Bildung

Was passiert, wenn Theater auf Politik trifft? Mögliche Antworten lassen sich in dem Mobilize-Event “Moralische Anstalt 2.0” finden. Hier werden an insgesamt drei Abenden drei verschiedene Sichtweisen auf “die Potentiale des politisch involvierten Theaters” geworfen: Die politischen, pädagogischen und sozialen Effekte der Theaterkunst. Mit von der Partie sind unter anderem Kay Voges, (Intendant Schauspiel Dortmund), Dr. Ellen Ueberschär (Vorstand Heinrich-Böll-Stiftung) sowie Ulrich Khuon (Präsident des Deutschen Bühnenvereins).

Wo? Heinrich-Böll-Stiftung, Schumannstraße 8, 10117 Berlin

Wann? 01. – 03. Oktober

Zum Facebook-Event

The Independent Photographer: Berlin Photo Exhibition

“The Independent Photographer” ist ein Online-Netzwerk von Fotografen, welches unter gleichem Namen die besten Fotografen mit einem Award kürt. Die Werke sollen internationale Aufmerksamkeit erfahren. In der Berliner Eigenheim Galerie, werden die Bilder der Talente des Jahres aus über 35 Ländern ausgestellt. Der Eintritt ist frei.

Wo? Galerie Eigenheim Weimar/Berlin, Linienstrasse 130, 10115 Berlin

Wann? 05. – 09. Oktober

Zum Facebook-Event

Berlins erster Spöti

Im Sissi und Franz-Gewand geht es mit Falco im Ohr und Mozartkugel als Proviant in das Schillerkiez nach Neukölln. Denn dort verwandelt sich vom 5. bis zum 7. Oktober der „Kiezladen“: Ein Späti wird dann zu einem “Spöti”. Neben Tabak, Bier und Zeitung, gibt es typisch österreichische Musik, Drinks und Snacks, feines Backwerk und Kaffee. Der temporäre Österreich-Hotspot verrät außerdem Insider-Tipps für Reisende und ergründet den durchaus einzigartigen österreichischen Wortschatz. Auf dem Programm steht unter anderem die Pöetry-Slam-Comedy-Show „The Ultimate Schnitzelfication / Oba sowas von Schnitzel!“. Hier geben die Comedians und Poetry Slammer Bastian Mayerhofer, Georg Kostron und Samson den Humor der Österreicher zum Besten. Am Freitagabend tritt dann um 20 Uhr „Holler my dear“ mit der österreichischen Sängerin Laura in einem exklusiven Spöti-Konzert auf. Ihre Musik ist eine Mischung aus Akustik-Pop, Swing und Funk. In den kommenden Tagen werden auf der Veranstaltungsseite weitere Veranstaltungsdetails veröffentlicht. Vielleicht ist ja am Ende sogar ein gscheider Abschiedsbusserl drin?

Wo? Schillerpromenade 28, 12049 Berlin

Wann? 05. -07. Oktober

Zum Facebook-Event

Stadtrundfahrt mit Jazzbrunch

Beim Bahnfahren aus dem Fenster gucken und den Ausblick genießen. Macht das heute eigentlich noch Jemand? Die meisten starren doch auf Smartphone, Tablet und Co. und sehen das Verkehrsmittel eben lediglich als Mittel zum Zweck. Ein Ausblick kann sich jedoch lohnen. Insbesondere bei der Sonderfahrt der historischen Diesellok 119 158. Diese wird sich am 07. Oktober das vorerst letzte Mal in Bewegung setzen. Bei einer Stadtrundfahrt quer durch Berlin und das Umland, lässt sich die Stadt neu entdecken. Nebenher gibt es ein Berliner Brunchbuffet sowie spannende Streckengeschichten. Uncool? Wir finden: kultig.

Wo? Berlin macht Dampf, Betriebsbahnhof Schöneweide, 12439 Berlin

Wann? 07. Oktober

Zum Facebook-Event

Songslam statt Poetryslam

Poetryslam war gestern, am 11. Oktober heißt es im Heimathafen Neukölln: Songslam! Denn auch Lieder können Poesie sein und sich einen musikalisch-literarischen Schlagabtausch geben. Im Heimathafen Neukölln stellen sich insgesamt neun Songwriter und Musiker dem Urteil einer Jury. Casting-Show-Charakter? Nein, laut den Veranstaltern “zählt nur der Vortragende mit seinem Instrument und seinem eigenen Werk: keine Begleitung vom Band, keine Showtänzer und erst recht kein Dieter Bohlen der nach jedem Vortrag noch einen dummen Spruch macht.”

Wo? Heimathafen Neukölln, Karl-Marx-Straße 141, 12043 Berlin

Wann? 11. Oktober

Zum Facebook-Event

The Readymade Century 1917 – 2017

Readymades sind – wie das Wort bereits sagt -Alltagsgegenstände, die ihrem eigentlichen Kontext entnommen werden und dann wild  neu kombiniert werden. Geprägt wurde der Begriff von dem französischen Künstler Marcel Duchamp. Er wollte Werke schaffen, die keine Kunstwerke sind. Dafür trug er Gegenstände zusammen, die er ohne ästhetische Berücksichtigungen auswählte: „Ich schuf sie ohne Absicht, ohne jede andere Absicht, als Ideen abzustoßen. Jedes Readymade ist verschieden. Zwischen den […] Readymades findet man keinen gemeinsamen Nenner, außer daß sie manufakturierte Waren sind. Was das Aufspüren eines Leitgedankens betrifft: nein. Indifferenz. Indifferenz gegenüber dem Geschmack: Weder Geschmack im Sinne der fotografischen Reproduktion noch Geschmack im Sinn des gut gemachten Materials. Der gemeinsame Punkt ist Indifferenz.“ Demnach kommt es weniger auf den Gegenstand als auf die Idee dahinter an. Diese Ansichten nahmen viele weitere Künstler in ihrem Schaffen auf. Doch was bedeutet Ready-Made im Lichte der digitalen und globalen Veränderungen des 21. Jahrhunderts? Braucht es ein Update? Im Haus der Kulturen der Welt wird diesen und weiteren Fragen nachgegangen.

Wo? Haus der Kulturen der Welt, John-Foster-Dulles-Allee 10, 10557 Berlin

Wann? 12. – 13. Oktober

Zum Facebook-Event

The analogueNOW! Photo Weekend 2017

Die Fans der analogen Fotografie oder die, die es noch werden wollen, können sich im Oktober auf ein ganzes Analog-Wochenende freuen. analogueNOW! präsentiert Show & Tell-Runden, Workshops, Portfolio-Reviews, Netzwerktreffen und Konzerte. Für die meisten Programmpunkte ist eine vorherige und zumeist kostenpflichtige Anmeldung notwendig.

Wo? BLO-Ateliers, Kaskelstr. 55, 10317 Berlin

Wann? 13. – 15. Oktober

Zum Facebook-Event

Gaumenschmaus: Berlin Food Week

In der Woche vom 14. – 21. Oktober 2017 wandelt sich Berlin zur Food-Metropole. Da wird probiert, experimentiert und geschlemmt was das Zeug hält. Zur kulinarische Reise laden unter anderem Berliner Köche, Gastronomen, Food-Entrepreneure und Manufakturen mit verschiedenen Veranstaltungen. Beispielsweise wird es ein House of Food oder ein Stadtmenü mit Pilz-Parade geben.

Wo? In ganz Berlin verteilt

Wann? 14. – 21. Oktober

Zum Facebook-Event

Donald Trump als Schauspieler

Wusstet ihr, dass sich Donald Trump bereits einen Namen in der Filmbranche gemacht hat? Der amerikanische Präsident trat seit 1981 immerhin in 25 Film- und TV-Produktionen auf. Er gewann sogar einen Filmpreis. Der Haken an der ganzen Sache: Es handelt sich dabei um die Goldene Himbeere für die schlechteste männliche Nebenrolle. Der Filmwissenschaftler Urs Spörri analysiert in einem filmwissenschaftlichen Vortrag die schauspielerische Performance des mächtigsten Mannes der Welt. Im Anschluss zeigt das City Kino Wedding die Trump-Doku „Kings of Kallstadt“.

Wo? City Kino Wedding, Müllerstraße 74, 13349 Berlin

Wann? 18. Oktober

Zum Facebook-Event

Masken-Kunst: "data masks" von Sterling Crispin

Digitale Geister:
Gesichtserkennung als Masken-Kunst

Das Phantom der . . . des Internets! Welches Bild haben Google, Facebook und Co. von ihren Nutzern? Wie sieht der digitale Mensch aus? Zugegeben, wie eine Mischung aus Lavalampe, Meteoroid und Tropfsteinhöhle. Der amerikanische Künstler Sterling Crispin hat im Rahmen seines Projektes “Data Masks”, digitale Gesichter in analoge Gips-Maskierungen verwandelt. Die Grundlage für diese Masken-Kunst bilden Gesichtserkennungs-Algorithmen, deren Analysen vom Menschen selbst, nicht mehr viel erkennen lassen: „Vor den Linsen der Maschinen verwandeln wir uns in digitale Geister“ erklärt der Künstler.

Die Beobachtung des Menschen als digitales Gesicht

Face Detection Masks: Zuck-Blister; Künstler: Sterling Crispin

Gesichtserkennungssoftwares, die mit lernfähigen Algorithmen arbeiten, gibt es seit den 90er Jahren. Seitdem werden diese immer wieder weiterentwickelt und optimiert. Eingesetzt werden die Programme unter anderem von der Privatwirtschaft und Geheimdiensten wie der NSA und der Privatwirtschaft. Dort durchforsten sie Bild-Datenbanken nach bestimmten Merkmalen und prägen sich die Details der menschlichen Gesichter ein. Die Maschinen lernen kontinuierlich dazu und werden immer besser in der Nachahmung des digitalen Ich’s.

Blick in den digitalen Spiegel: Wer oder was sind wir?

Face Recognition Masks: Obama; Künstler: Sterling Crispin

Sterling Crispin ist für seine unkonventionellen Kunstwerke bekannt und arbeitet viel mit digitalen Mitteln. Dabei versucht er stets, abstrakte Konstrukte visuell zu konkretisieren. So auch in “Data Masks”. Mit diesem Projekt möchte er gleichzeitig die Öffentlichkeit für das Thema des “Gläsernen Menschen” (Metapher des Datenschutzes) sensibilisieren: „Ich möchte, dass wir über unsere digitale Darstellung reden. Und das gelingt eher, wenn wir sie sehen und greifen können“. Dem Künster sind digitale Datensammlungen, Gesichtserkennungssoftwares und Kameraüberwachungen sowohl online als auch offline unheimlich. Sein kritischer Blick richtet sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Verwendung von Gesichtserkennungsprogrammen, welche damit konsequent Ziele verfolgen, die nicht unbedingt immer in unserem eigenen Interesse liegen. Deshalb findet Crispin es „wichtig, dass wir ein Bewusstsein für unser Cyper-Ich bekommen. Und dass wir nicht nur irgendein Ding in den Weiten des Netzes sind, sondern Personen“. Eine von Ihnen: Obama, dessen Gesicht ebenfalls in einer digitalen Algorithmus-Maske Ausdruck findet.

Vom Fitness-Algorithmus zur Masken-Kunst

Doch von vorn: Hinter den Masken steckt ein komplizierter Prozess. Mit Hilfe eines frei verfügbaren sogenannten Fitness-Algorithmus durchsuchte Crispin zunächst eine riesige Bild-Datenbank mit menschlichen Gesichtern. Seinen Namen hat dieser Algorithmus, weil er ständig trainiert. Er lernt die menschliche Mimik kennen und vereint dieses Wissen im Anschluss auf einer abstrakten Ebene. Der Fitness-Algorithmus sortiert beispielsweise nicht nach Auge oder Ohr sondern nach Pixeln und Farbverläufen. Sterling Crispin nutzt den Algorithmus in seiner eigenen, speziell für das Projekt entwickelten, Software. So will er der Funktionsweise von Gesichtserkennungs-Algorithmen auf die Schliche kommen. Mit Hilfe seines Programms moduliert der Künstler 3-D Formen, die eine schädelähnliche Form haben. Per Zufall entstehen auf deren Oberfläche diverse Hervorhebungen. Jedes Mal, wenn sich die Schädel verändern, gleicht Crispins selbstentworfenes Programm diese mit den von dem Fitness-Algorithmus vermerkten Daten ab. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis der Algorithmus ein Gesicht erkennt. Mit der Zeit kristallisieren sich die eingangs beschriebenen Tropfsteinhöhlen-Gesichter heraus. Der Prozess vom Fitness-Algorithmus bis hin zu Crispins Programm wird als genetischer Algorithmus umschrieben. Er entspricht jedoch nicht exakt den Algorithmen von Facebook und Co., denn diese sind geheim. Da sich die Bilddatenbanken jedoch ähneln, lässt sich erahnen, welches Bild die digitalen Maschinen von uns Menschen konstruieren. Die finalen 3-D Entwürfe werden im Anschluss in Gips gegossen.

Data Masks in Dresdner Ausstellung “Das Gesicht”

Den digitalen Masken kann aktuell auch in Deutschland begegnet werden. In Dresden werden sie im Rahmen der Sonderausstellung “Das Gesicht” im Deutschen Hygiene-Museum bis Februar 2018 gezeigt. Darin geht es um die Geschichte des menschlichen Antlitzes von den Porträts der alten Künstler bis hin zu medienübergreifenden Kunstwerke und Installationen, die sich mit der digitalen Verfügbarkeit und medialen Präsenz von Gesichtern beschäftigen.

„Die automatische Gesichtserkennung greift um sich – manche kaufen sich Masken, um die Algorithmen zu verwirren. Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden untersucht, was das für unsere Kultur bedeutet.“ Bernd Graff, Süddeutsche Zeitung