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Mattresses of Berlin:
Interview mit Andreas Gebhard

Na, habt ihr am World Mattress Day auch euren Matratzen gedacht? Nein? Solltet ihr aber, findet Andreas Gebhard. Er ist nicht nur Mitbegründer der Internetkonferenz re:publica, sondern hat auch den Weltmatratzentag erfunden, der immer am 9. Juni stattfindet. Warum Matratzen im öffentlichen Raum sein Interesse geweckt haben und einen Instagram-Account verdienen, hat er uns in diesem Interview erklärt.

Wie kamen Sie auf die Idee, den World Mattress Day ins Leben zu rufen?

Vor einigen Jahren sah ich in Neukölln eine gebrauchte, zurückgelassene Matratze auf der Straße auf der “Half Ghost” geschrieben stand. Das hat mich damals fasziniert – denn entweder ganz oder gar nicht Geist. Deshalb habe ich von dieser Matratze ein Bild gemacht. Später vielen mir immer mehr Matratzen im öffentlichen Raum auf. Von diesen hab ich dann immer Fotos gemacht. Irgendwann kam die Idee die auch online zu posten.
 
Danach habe ich viel über Matratzen nachgedacht. Warum werfen Menschen diese einfach auf die Straße? Wie kann es sein, dass man das Ding, mit dem man die meiste Zeit seines Lebens verbringt, so achtlos wegwerfen kann. Warum baut man zu diesem Gegenstand keine persönliche Beziehung auf? Mit meinem Lieblingspulli würde ich das ja auch nicht machen. Ich finde, dass ist schon eine eher grundsätzliche Frage. Parallel dazu habe ich auf Instagram weitere Accounts gefunden, die Matratzen im öffentlichen Raum zeigen. Wirklich richtig viele. Mittlerweile kenne ich weltweit bestimmt 200 oder mehr! Ein globales Phänomen!
 
Als ich dann nachgeschaut habe ob es denn nicht einen jährlichen Tag der Matratze gibt – schließlich gibt es ja für alles so einen Tag – habe ich keinen gefunden. Dann hab ich den kurzerhand ausgerufen im Jahr 2017 am 09. Juni.

Was ist das Ziel des World Mattress Day?

Erst mal ist es eine interessante Frage, warum wir uns so wenig mit diesem sehr persönlichen und intimen Möbelstück identifizieren. Es gibt in dem Bezug extrem viele Aspekte über die man nachdenken kann. Im Jahr 2015 gab es dazu auch eine Tagung in Bremen aus der ein Buch entstanden ist.
Irgendwie wurde das Thema immer größer für mich. Der World Mattress Day ist aber eher ein kleines Projekt. Ich nehme das zum Anlass jedes Jahr zum 9. Juni eine Ausstellung mit den Bildern zu machen, die ich auf diesem Instagram-Account veröffentliche. Diese Bilder werden mir mittlerweile von ganz vielen Leuten zugeschickt. Es entstand eine kleine Community. Wer einmal über eine Matratze im öffentlichen Raum nachgedacht hat, sieht dann überall welche.

Was ist das Besondere an Matratze im im öffentlichen Raum?

Der intimste Ort (über Jahre) wird von einem Tag auf den anderen in die Öffentlichkeit gezogen. Wird dadurch anonym. Ich finde diesen Sprung spannend!

Inwiefern sehen Sie die Matratze als Kommunikationsmittel?

Matratzen fungieren als diverses Kommunikationsmittel, ob verbal oder nonverbal. Wir kommunizieren und tauschen innige Erfahrungen auf ihnen aus. Durch diese Intimität animieren Matratzen uns auch zu lockeren Gesprächen und schaffen eine Aura der ungefährdeten, gleichberechtigten Begegnung mit anderen. Gleichzeitig können Matratzen auch als aktives Mittel zur Blockade und zur Besetzung von Räumen und Orten verstanden werden. Und nicht zuletzt als Argumentationsgrundlage in Bezug auf das Aufzeigen von Mängeln im öffentlichen urbanen Raum. Die Funktionalität, Art und Weise sowie die Nutzung und Benutzung von Matratzen ist so vielfältig und kann individuell gestaltet werden. Es gibt viele Leute, die auf Matratzen im öffentlichen Raum etwas malen, schreiben oder dieser durch eigenen kreativen Aktivismus eine neue Bedeutung geben. Sie dient also als Leinwand. Leute bleiben stehen und bewunderten das, woran sie zuvor einfach vorbeigegangen wären. Auch wieder ein interessantes urbanes Phänomen.

Wie entsorgen Sie ihre alten Matratzen?

Mit der BSR.

Wenn Ihre Matratze sprechen könnte, was denken sie, würde Sie erzählen?

Das müsst ihr sie selber fragen. Aber, nein, ich glaube nicht, dass ich ihr die Erlaubnis für ein Interview geben würde.

 
Und so sehen die “Mattresses of Berlin” unter anderem aus – folgen lohnt sich!
 

Danke Ralf! #Berlin #Matratze #mattress #worldmattressday

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Kreuzberg. Merci @mareicares #Matratze #mattress #worldmattressday #Berlin

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Danke Rio!

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Installationskünstler

Hinter den Kulissen von “The Arch”:
Im Gespräch mit dem Installationskünstler Ian Brill

Technologie und Kunst können zu einem beeindruckenden Mix verschmelzen – der Installationskünstler Ian Brill hat damit schon so einige Erfolge verzeichnen können. Seine Installationen, Performances und Texte lassen die Zuschauer in eine Welt voller Eindrücke, Lichter und Geräusche eintauchen. Denn erst durch die Beachtung der immersiven Bedeutung von Technologie, können interaktive, performative und multisensorische Umgebungen erschaffen werden. Ians Kunst umfasst dabei oftmals mehrere Tausende LED-Leuchten.

Die Symbiose von Kunst und Technologie

Anfang der 2000er hat Ian angefangen, mit vielen Performance Künstlern und Ingenieuren zusammen zu arbeiten, bis er sich dazu entschied, seine eigenen Projekte zu entwickeln. Er selbst nennt sich einen “New Media Artist”. Mit seinem Projekt “The Arch” hat er sich mit Mozilla zusammengetan, um eine neue multisensorische, audiovisuelle Erfahrung zu schaffen, die eindrucksvolle Kunst und offene Technologien von Mozilla zusammenbringt.
 
“Wie lange der Aufbau einer Installation dauert, hängt vor allem davon ab, wie viele Hände mithelfen und wie groß die Motivation ist. Diese kann ganz unterschiedlich ausfallen – je nachdem, ob man nur mit Pizza bezahlt wird“, sagt Ian und lacht. Früher war er ein absoluter Perfektionist, heute kann er sich jedoch damit begnügen, etwas imperfekt zu lassen. Was ihm jedoch viel bedeutet, ist, wenn Menschen kleine Unreinheiten mitbekommen: “Ich liebe es, Leute zu treffen, die sich dafür interessieren – sie sind unglaublich unterhaltsam!”.

Ein Browser regelt die technische Umsetzung

Seine Ausstellungspremiere hat “The Arch” bei der JSConf EU am zweiten und dritten Juni gefeiert. Auf der Website der Konferenz konnten die Zuschauer bei der Installation selbst aktiv werden und Rust-Module kreieren, die dann schlussendlich mit WebAssembly “The Arch” in Echtzeit verändert haben. Dabei ist die gesamte technische Umsetzung im Browser erfolgt. Die Installation ist somit ein Zusammenspiel aus dem Erlebnis, das Ian kreiert hat, den Technologien von Mozilla und den Zuschauern, die das Kunstwerk mitgestalten konnten. “The Arch” ist somit ein tolles Beispiel dafür, dass Künstler, Unternehmen und Zuschauer zusammen beeindruckende Erlebnisse kreieren können.
 

 
 

ey alter

Die Ausstellung EY ALTER – Du kannst dich mal kennenlernen:
Impressionen & Interview

Fühle ich mich jung oder alt heute?

Bevor ich die Ausstellung EY ALTER betreten darf, habe ich bereits die Qual der Wahl: Wie fühle ich mich heute – alt oder jung? Ich stehe vor zwei Eingängen, die mich beide in die Ausstellung führen können. Ich entscheide mich für jung – und werde prompt beim Durchlaufen mit Vorurteilen bombadiert: “Chaot!”, “Dir fehlt die Erfahrung” und “Nee, La Traviata ist nicht von Beyoncé” ertönt es von links und rechts. Na, hat der ein oder andere von euch sowas nicht auch schon zu hören bekommen?

Kollektiv senil oder lebenslang mobil?

Es ist nicht zu bestreiten, dass wir uns gerne davor drücken, über das Alter(n) zu sprechen. Zwar kommt es unweigerlich auf uns zu, doch bis es soweit ist, schieben wir das Thema gemütlich vor uns her. Ein Fehler, dachte sich Mercedes-Benz – und entschied sich, eine Ausstellung rund um das Thema ins Leben zu rufen. Diese soll den Defizitmodellen des Alters entgegenwirken, wissenschaftliche Fakten klären und für Altersdimensionen sensibilisieren.

 

“EY ALTER!” ist der Titel der Ausstellung, die mit einem Augenzwinkern den demographischen Wandel anspricht und Impulse zum Alter, Alltag und zur Arbeitswelt gibt. Denn der Altersbegriff ist so individuell wie wir selbst und trägt vielfältige Chancen mit sich. EY ALTER verdeutlicht eindrücklich, dass wir nie zu alt oder zu jung sind zum lernen – und dass es die Aufgabe der ganzen Gesellschaft ist, den Paradigmenwechsel voranzutreiben.

Ey Alter, kennst du dich überhaupt?

Die Hauptattraktion von EY ALTER ist das Spiel:  20 Mitmachstationen, die sich in die vier Bereiche “Alles Kopfsache”, “Dein Alter”, “Dein Potenzial” und “Dein Team” unterteilen lassen, helfen einem dabei, sich spielerisch selbst besser kennenzulernen. Daher bekommt der Gast beim Eintritt auch eine Karte, auf der er seine besten Ergebnisse speichern kann und zum Schluss sogar in einer Urkunde zusammengefasst bekommt. Von der Reaktionsfähigkeit, der Lebenserwartung, der Wahrnehmung komplexer Signale bis zur geistigen Denkfähigkeit kommt hier die Wahrheit ans Licht – und die unterschiedlichen Altersdimensionen, die wir alle in uns tragen.
 

Vor allem in dem Bereich “Dein Potenzial” kann man zupacken: Hier kann man messen, wie fest der eigene Händedruck ist, wie hoch man springen kann und wie gut die Reaktionszeit und der Gleichgewichtssinn sind. Mein persönliches Highlight war die “Aufmerksamkeitsübung”: Mit einem Stirnband werden die Strömungen im Gehirn gemessen, durch die man einen Ball eine Linie entlang führen soll. Je intensiver man sich auf den Ball konzentriert, desto stärker sind die Strömungen und der Ball bewegt sich tatsächlich in die gewollte Richtung! 
 

Im Gespräch mit Frank Weber

Frank Weber ist Mitarbeiter im Team Strategisches Resource Management bei Mercedes-Benz und Berater von Führungskräften zum Thema Alter und Demographischer Wandel. Mit ihm habe ich über die Vorteile im Alter, Unsterblichkeit und die Digitalisierung gesprochen.

Es gibt ja das Sprichwort “Age is just a number”. Stimmen Sie dem zu?

Vollkommen! Das Alter sagt nichts über einen aus – weder über seine Stärken, Talente, Verfassung oder auch Begeisterung. Age is just a number – yes.

Defizitmodelle des Alters sind weit verbreitet. Was können wir Ihrer Meinung im Alter besser als in den jungen Jahren?

Im Alter lässt sich eine sogenannte Alters-Gelassenheit erkennen – die nichts mit Gleichgültigkeit zu tun hat – jedoch dafür sorgt, dass man nicht gleich in Panik gerät, wenn außergewöhnliche, unvorhersehbare Dinge passieren. Das ist eine Ruhe, die ältere Herrschaften haben und für junge Menschen oftmals schwer zu erreichen ist, sich jedoch als unglaublicher Vorteil darstellt. Auch das Thema Erfahrung baut darauf auf: Dinge betrachten zu können, ohne sie im einzelnen analysieren zu müssen, jedoch zu 70 – 80% zu wissen, wo es so grob langgeht. Das erfährt man nun mal erst, wenn man erfahren ist.

Unsere Gesellschaft ist sehr jugend-fixiert und die Wissenschaft beschäftigt sich weiterhin viel mit lebensverlängernden Mitteln oder gar der Unsterblichkeit. Wären Sie gerne unsterblich?

Nein, niemals. Ich mag auch gar nicht so denken, denn wenn ich plötzlich unsterblich wäre, würde ich einige schöne Dinge verpassen – vor allem die, die ich erst im Alter erfahren kann. Wenn ich das, was Leben ausmacht – von der Geburt bis ins hohe Alter, bis letztendlich zum Tod – gar nicht mehr erfahren könnte, weil es es nicht mehr gäbe, dann würde mir aus der heutigen Anschauung, was ich hinter mir und vor mir habe, gar nicht mehr so viel Freude bereiten.

Welche Vorteile kann die Digitalisierung Ihrer Meinung nach haben, wenn wir immer länger erwerbstätig sein müssen oder werden?

Digitalisierung gehört zu den Megatrendthemen des 21. Jahrhunderts. Wer sich nicht darum kümmert – bald kümmert – wird auf jeden Fall im Nachteil sein. Digitalisierung im Zusammenhang mit Alter ist sehr wichtig, wir haben das im Zuge der Industrialisierung schon erfahren, dass vieles dem Menschen erleichtert wurde: So wurden das Fließband und Hebehilfen eingeführt. Roboter waren im Zuge der Industrialisierung sehr umstritten, weil man Angst hatte, dass sie uns die Arbeitsplätze klauen. Letztendlich haben wir heute viel mehr Arbeitsplätze als damals, trotz Roboter. In der Montage bei Mercedes haben wir auch eine Mensch-Roboter-Kooperation auf engstem Raum, sodass der Roboter ergonomisch schwierige und auf Dauer ungesunde Aufgaben übernimmt und der Mensch das macht, wo er seinen Geist einsetzt. Ich denke, da liegt die Chance der Digitalisierung. Wir sind in erster Linie geistige Wesen und genau diesen Vorteil können wir in Zukunft besser nutzen, wenn die harte körperliche Arbeit nicht mehr getan werden muss.

Nun könnte man natürlich auch sagen, dass die künstliche Intelligenz irgendwann unsere kognitiven Fähigkeiten ersetzen wird – viele Philosophen gehen auch soweit zu behaupten, dass es irgendwann keine Jobs mehr geben wird und wir ein bedingungsloses Grundeinkommen benötigen. Stimmen Sie dem zu oder sehen Sie dies eher als Schwarzmalerei?

Das ist schwierig – da ist man schnell am vermuten und philosophieren. Das Thema wird auf jeden Fall auf uns zukommen, auch viele negative Auswirkungen – dennoch glaube ich, dass es genauso wie im Alter Chancen gibt. Wenn wir die wenigen Regeln, die wir haben, gut machen und es dann internationale Standards dafür gibt, kann man das Thema sicher beherrschen.

In Unternehmen prallen ja auch oft Generationen aufeinander. Was ist Ihr Vorschlag, wie man es in Unternehmen schaffen kann, dass diese Mitarbeiter möglichst viel voneinander lernen?

Das ist die Aufgabe von Führungskräften: Zum Beispiel wenn ein älterer Kollege noch mit Karteikarten hantiert und gefühlt niemals den Rechner anbekommt, dann ist das die Aufgabe der verantwortliche Führungskraft, das mitzubekommen. Dann muss sie – insbesondere wenn sie weiß, was die Wissenschaft bereitstellt – intervenieren. Das heißt, dass sie die Mitarbeiter motivieren muss, sich gegenseitig zu helfen und sie aktiv zusammen bringen muss. Das fängt schon bei der Sitzordnung an: Warum sollen die ewig Gestrigen aus der Sicht der Jungen, hinten rechts sitzen und die jungen Bullen sitzen hinten links? Man muss Begegnungsstätten in den Arbeitsstätten schaffen und die Menschen erfahren lassen, dass sie gemeinsam erfolgreicher sind, als wenn man alles altersbegrenzt lässt. Man muss also dafür werben, sensibilisieren und Vorbild sein.

Eine letzte Frage, Herr Weber:  Wie alt fühlen Sie sich?

Heute Anfang 40. Das sind schon mal zehn Jahre weniger als mein biologisches Alter!

 

Und wie siehst du dich selbst, in deinem Alter? Bis zum 19. Januar 2019 hast du täglich die Chance, die Ausstellung im Gasometer zu besuchen!

 

WG Zimmer in Berlin

Interview mit WOVIVI:
Mit einem Video-Portrait das richtige WG Zimmer in Berlin finden

Es scheint schon ewig her zu sein, als Berlin als Mietparadies betitelt werden konnte. Denn die Suche nach einem WG Zimmer in Berlin gleicht mittlerweile einem nervenaufreibenden Bewerbungsgespräch (wenn man denn eingeladen wird): Man muss sich nicht nur von seiner besten Seite zeigen, sondern auch von den anderen Bewerbern absetzen, um dann einer Antwort entgegen zu zittern – so läuft das Spiel. Nach dem Statistikportal statista liegt Berlin derzeit im ersten Quartal des Jahres 2018 auf Platz 8 der teuersten Mieten – auf den ersten drei Plätzen reihen sich noch München, Frankfurt und Stuttgart.
 
Schlechtere Nachrichten sind jedoch zu befürchten, denn nach einer Studie des “Global Residential Cities Index” sind in keiner Stadt weltweit (!) die Preise für Immobilien so krass gestiegen wie in Berlin: Unter den 150 untersuchten Städte ist Berlin die einzige, in der Angebotspreise für Wohnimmobilien mehr als 20 Prozent über denen des Vorjahres liegen. Na dann, Halleluja.

I’ve been looking for a room, I’ve been looking so long

Desireé und Anne (Image by Sophie Werche)

Doch wenn die Freunde schon scherzhaft Fragen, welche Brücke es denn heute wird und die Eltern vorschlagen, wieder nach Hause zu ziehen, sollte man wirklich kreativ werden. Denn die Suche kann erwiesenermaßen von ein paar Tagen bis zu ein paar Monaten dauern.
 
Kreativ waren auch Desireé und Anne als sie ihr Startup “WOVIVI” gründeten. Hier muss man keine ellenlangen Texte über sich verfassen, sondern darf sich direkt mit einem Lächeln vorstellen.

Was ist an der WG Suche über euer Startup anders?

WG-Suchende bekommen bei uns die Chance, einen echten ersten Eindruck von sich zu vermitteln. Es werden keine selbstbeschreibenden Bewerbungstexte verfasst und per ,,copy-and-paste’’ an jede nur annährend passende WG verschickt, sondern es wird mit einem knackigen Video-Portrait gepunktet. Ohne Vorbereitung beantworten die WG-Suchenden hierfür Fragen zu ihrer Person – die auch mal ganz aus dem Kontext gerissen sein können und bei denen dann vielmehr die Reaktion des WG-Suchenden entscheidend ist.

Wie seid ihr auf die Idee eures Startups gekommen?

Wir waren selbst auf Wohnungs-Suche in Berlin, um gemeinsam eine WG zu gründen. Nachdem viel Zeit ins Land gezogen ist, wollten wir es anders machen. Wir kamen auf die Idee eine Videobewerbung zu drehen, bei der wir von Anfang an mit unserer Persönlichkeit punkten können. Bei einem Gläschen Wein haben wir uns später gefragt, warum wir es nicht für Jedermann da draußen möglich machen, sich mit einem Video für seine zukünftige Wohnung oder WG zu bewerben!

Welche Zielgruppe wollt Ihr mit eurem Startup ansprechen und wer ist Eure größte Konkurenz?

Unsere Zielgruppe sind vor allem junge und junggebliebene Menschen, denen es wichtig ist, sich in ihrer WG Zuhause zu fühlen. Und unsere größte Konkurrenz ist WG-Gesucht – der bisherige Marktführer, was die Vermittlung von WG-Zimmern angeht. Wir sind die persönlichere Alternative dazu.

Welche Erfolge konntet Ihr seit eurer Gründung verzeichnen und wie viele Suchende konnten seitdem eine Bleibe finden?

Echte Dankbarkeit von den Menschen zu spüren, die über uns ihre passende WG gefunden haben, ist der größte Erfolg! Und von unseren 19 portraitierten WG-Suchenden sind bereits 11 vermittelt.

Was ist euer Tipp für Leute, die neu in Berlin sind und ein WG Zimmer in Berlin suchen?

Nutzt Eure Persönlichkeit für die Suche nach der passenden WG und stellt Euch in einem Video-Portrait vor! Somit wird die passende WG dann auf Euch zukommen.

Interview über die re:publica 18:
Highlights, Veränderungen und Ausblick

Es ist schon fast einen Monat her, jedoch nie zu spät, um an das größte Klassentreffen der digitalen Gesellschaft in Berlin zu erinnern: Unter dem Motto “POP” waren bei der re:publica in diesem Jahr neben Platzhirschen, Bloggern und Wissenschaftlern auch eine Whistleblowerin dabei. Wir haben uns mit Carolin Heim unterhalten, die in den letzten zwei Jahren für die re:publica schon bei unzähligen PR-Terminen dabei war und dieses Jahr das Partnermanagement des Netzfestes betreut hat.

Eine Frage vorweg: Wie gefällt es dir, Teil der digitalen Gesellschaft zu sein?

Der digitalen Gesellschaft kann man sich heutzutage kaum entziehen – auch ich bin mit ihr aufgewachsen. Das Netz ist mittlerweile eine fester Bestandteil unserer Alltags und wir alle sind Teil des Netzes. Dies kann einerseits sehr nützlich sein, indem es vieles vereinfacht und man sich weltweit vernetzten, organisieren und austauschen kann (z.B. über den Arabischen Frühling). Für andere ist es eine Notwendigkeit und Teil ihrer Lebenswirklichkeit zur digitalen Gesellschaft dazu zu gehören. Dieser Umstand kann auch für politischen Aktionismus, Fake News oder Schnellschüsse missbraucht werden. Es ist somit eine Medaille mit zwei Seiten. Ich persönlich ziehe in meinem Alltag die reale Welt, also den direkten Kontakt, der digitalen Welt im Netz vor.

Was war für dich dieses Jahr das Highlight der re:publica?

Eine absolutes Highlight und etwas ganz Besonderes für mich war das Gespräch “Opening Fireside Chat” mit Chelsea E. Manning und meinen lieben Kolleginnen Geraldine de Bastion (re:publica) und Theresa Züger (MediaConvention). Auch die Vorfreude auf Chelsea Manning war bei allen – Publikum, Journalisten, Fotografen – spürbar: Es klatschten tausend Paar Hände als die Moderatoren sich bei Manning für ihren Besuch bedankten. Sie sagten damit: Danke für deinen Mut, für deinen Idealismus und moralische Verantwortung und dafür, dass du die Welt ein kleines bisschen besser machst und auf die Missstände, die Verschlusssache waren, aufmerksam gemacht hast. Womöglich veränderte sie den Lauf der Geschichte, als sie hunderttausende von Regierungsdokumenten leakte. Die Atmosphäre war atemberaubend und es war ein ganz besonderer Moment, den ich live erleben durfte. Manning erzählte auf der re:publica neben aktuellen Entwicklungen der digitalen Gesellschaft auch über ihr neues Leben als freier Mensch, den zivilen Ungehorsam, die radikale Politik und diskutierte über die Folgen einer unkontrollierbaren Staatsmacht. Ich fand das alles sehr spannend, aber gleichzeitig auch beunruhigend, wenn man das Netz aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet.
 
Darüber hinaus gab es für mich viele weitere große und kleine persönliche Highlights: z.B. die Session über “Reconquista Internet” mit Rank Anders (Journalist, Armes Deutschland), Patrick Stegmann (Journalist, Filmemacher Kooperative Berlin und Regisseur bei “Lösch Dich”), Jan Böhmermann (Moderator, Neo Magazin Royale) und Sibel E. (Filmemacherin, Trollerin). Im April veröffentlichte funk und das Neo Magazin Royale ihre Recherchen zum rechtsextremen Troll-Server Reconquista Germanica. In der Session berichtet Jan Böhmermann von seinem eigenen Discord-Server, Reconquista Internet, den er als Reaktion auf die rechten Netzaktivisten gründete und der bereits mehr als 40.000 Mitglieder verzeichnet. Aus dem funk-Recherche-Team berichten außerdem Rayk Anders, Patrick Stegemann und Sibel von ihrer einjährigen Undercover-Recherche für die Doku “Lösch dich: So organisiert ist der Hass im Netz.” Die Session fand ich sehr unterhaltsam, aber auch inhaltlich sehr spannend, das Thema wurde kritisch sehr gut beleuchtet. Was ebenfalls sehr unterhaltsam war und für eine sehr gute Stimmung in der Mittagssonne sorgte, war der Auftritt von Dr. Motte am zweiten Veranstaltungstag im Innenhof. Fast wie damals auf der Loveparade.

Du warst die letzten Jahre ja auch schon bei der re:epublica dabei. Welche Veränderungen sind dir dabei aufgefallen?

Für mich war es  bereits das dritte Jahr bei der re:publica. Besonders toll finde ich, wie die re:publica mit dem Feedback aus der Community umgeht und direkt in die Veranstaltung mit einfließen lässt. Dies wird bei den GründerInnen und dem Team der re:publica sehr ernst genommen. Neben inhaltlichen Veränderungen und Erweiterungen im Programm ist eine große Veränderung der letzten zwei Jahre die Internationalisierung der re:publica in andere Städte mit re:connecting EUROPE. Ich selber war letztes Jahr in Thessaloniki dabei und konnte mich von der tollen Stimmung vor Ort und dem Wunsch nach regelmäßigen Austausch mit anderen aus der digitalen Gesellschaft – auch außerhalb von Berlin- überzeugen.
 
Eine weitere große Veränderung ist, dass sich die re:publica dieses Jahr mit dem “Netzfest” zum ersten Mal für das Massenpublikum geöffnet hat. Das erste digitale Volksfest war gratis, draußen und für alle zugänglich. Mit Workshops, spannenden Vorträgen und Mitmach-Aktionen rund um digitale Themen, Live-Musik und vielem mehr machte die re:publica das Netz für alle erlebbar. Das Programm richtete sich an die BerlinerInnen – ob jung oder alt – mit digitalem Grundwissen. Die GründerInnen der re:publica möchten damit die digitale Entwicklungen auf eine leicht verständliche Art und Weise näherbringen und die BürgerInnen wortwörtlich „netzfest“ machen.

Welche Themen würdest du dir für die nächste Republica wünschen?

Ich wünsche mir, dass sich die re:publica weiterhin in Themen engagiert, wie sie es bereits die letzten zwei Jahre mit re:learn, sub:marine, re:health, #fashiontech LAB, sciene:lab, re:cord musicday oder wie in diesem Jahr mit den Fachkonferenzen der dfv Gruppe getan hat. Das Symposium bietet ein einzigartiges Setting, um sich branchenintern in den Bereichen experience marketing, digital food, digital retail und woman in fintech auszutauschen. Spannend ist sicherlich auch etwas in Richtung digitale Kunst, sprich visual/ 3D arts zu machen – wer weiß, vielleicht ist das ein Thema für 2019.
 
Foto von Gregor Fischer/re:publica (CC0 Public Domain)

Buch in Hand

Psychedelisch unterwegs:
Der Buchladen Kali in Friedrichshain

Buchläden hatten schon immer eine besondere Anziehung auf mich: Die Vorstellung, wie viel Wissen, Fantasie und Zeit nötig ist, um eines der Regale zu füllen, bringt mich immer wieder ins Staunen. Der im Februar neu eröffnete Buchladen Kali in Friedrichshain bedient jedoch ein ganz spezielles Genre, das in vielen Buchläden gar nicht zu finden ist: Hier geht es vor allem um psychedelische Substanzen, die das Bewusstsein erweitern.

Eine kreative Idee wurde Realität

 Auf die Idee kamen die beiden Inhaber Norman und Vanessa, weil sie schon immer künstlerisch interessiert waren und nicht noch eine Bar oder Café im Südkiez aufmachen wollten. Die Literatur in ihrem kleinen Laden handelt jedoch nicht nur von Psychodelika, sondern gibt auch Tipps zur richtigen Aufzucht von Pflanzen, Yoga, Traumatherapien und anderen Spektren.

 

 

 

Der Buchladen Kali: Ein buntes Wunderland

Dieses Buch wurde im Kali bisher am meisten verkauft.

Norman und Vanessa haben sich mit ihrem Laden ihr ganz eigenes Wunderland geschaffen, mit bunten Mustern an den Wänden (keine Tapete!) und einer Leseecke. Auch Veranstaltungen, wie offene Diskussionen und Workshops, finden im Kali statt. Da den beiden die (Selbst-)Heilung durch Drogen am Herzen liegt, besprechen sie hier in offenen Diskussionsrunden positive sowie negative Erfahrungen mit Drogen und möchten so einen Raum für offene Kommunikation schaffen. Sie wollen keinesfalls Drogenkonsum verherrlichen – viel mehr sehen sie ihren Buchladen als Teil der Aufklärung.

“Es geht uns um Selbstheilung, aber auch um Selbstermächtigung: Dass man selbst bestimmen darf, was man isst und was nicht – und dabei lernt, was in der Natur überhaupt alles essbar ist”, sagt Norman. In vielen der Bücher erfährt man auch, was auf dem wissenschaftlichen Gebiet momentan passiert, erklärt Vanessa: “In der Schweiz ist man mit der Forschung schon sehr viel weiter, wie uns beispielsweise auf der 75 Jahre LSD Konferenz deutlich wurde. Dort wurden auch viele Erfolge besprochen, wie die Anwendungen psychodelischer Substanzen bei Depressionen und anderen psychischen Problemen und so mit ein paar Sitzungen aufgehoben werden konnten.”

Lesen in entspannter Atmosphäre bei einer Tasse Tee

In den Regalen sind auch viele Werke bereits bekannter Autoren zu finden: Michael Ende, Hermann Hesse oder Aldous Huxley sind dabei. Vanessa verrät mir, dass “Die Enzyklpädie der psychoaktiven Pflanzen” ein Standardwerk und eins ihrer Lieblinge ist. Weitere Bücher mit Titeln wie “Nazis on Speed” (über den Drogenkonsum im dritten Reich) oder “Psychedelische Tomaten und andere Geschichten aus dem Schatten der Nacht” reihen sich in die Regale ein. Der Laden versteht sich auch als Teestube: Über 20 leckere Sorten kann man hier bekommen, doch sie kommen nicht – wie in manch anderen Artikeln behauptet – aus China.

Dass Alkohol als Volksdroge Nummer eins an jeder Ecke zu bekommen ist und gesellschaftlich akzeptiert ist, ist für die beiden jedoch immer noch unverständlich: Ihrer Meinung nach ist Alkohol der Hauptverursacher für viele Gewalttaten. “Ich finde, Drogenillegalisierung ist absoluter Quatsch, denn so gibt man den den Dealer der Milieus erst die Chance, die Leute zu vergiften – durch Streckmittel, die schlussendlich zu Fehldosierung führen“, sagt Vanessa. Denn auch die Pharmaindustrie profitiere natürlich davon, die Natur als Feind darzustellen. “Dabei ist es doch realitätsfern Pflanzen und Pilze aus der Natur zu verbieten, die schon vor uns da waren. Außerdem sind wir Menschen auch Teil der Natur”, fügt Norman hinzu.

Schlemmen im Hinterhof

Vanessa hat eine Skizze von der Knoblauchsraute gemacht.

Im Anschluss führt Vanessa mich in den Hinterhof und zeigt mir verschiedene Pflanzen, von denen ich gar nicht wusste, dass sie essbar sind. Dass man mit Gänseblümchen und Löwenzahn den Salat aufpeppen kann, war wahrscheinlich dem ein oder anderen bekannt, dennoch kann man sich tatsächlich fast durch den ganzen Hinterhof schlemmen. Vanessa lässt mich Knoblauchsrauke probieren: Schmeckt nach Knoblauch, aber man riecht angeblich nicht danach. Da kann man den Kollegen im Büro nur noch die Daumen drücken.

 

Drehort Herr der Ringe zum Artikel: Andrea David über Ihren Reiseblog: Die Welt der Drehorte

Andrea David über ihren Reiseblog:
Die Welt der Drehorte

In welchen Berg wirft Frodo den Ring der Ringe? Ist es wirklich so kalt in Winterfell? Von welchem Dach sprang James Bond? Und auf welcher Feuerleiter küssten sich Julia Roberts und Richard Gere im Happy End von Pretty Woman? Andrea David geht diesen und vielen weiteren Fragen auf ihrer Website und ihrem Reiseblog “Filmtourismus – Die Welt der Drehorte” nach. Mit dem Projekt verbindet die studierte Tourismusmanagerin ihr Interesse für fremde Orte und Länder mit ihrer Leidenschaft für Filme. Vom Großstadtrevier, über Walking Dead und Pumuckl, bis hin zu Game of Thrones : Andrea David sammelt seit 2014 in einer Art Online-Datenbank Drehortinfos zu mittlerweile mehr als 500 Filmen und Serien. Und die Reise geht weiter. Uns hat sie von der Idee erzählt und verrät wie magisch Filmorte wirklich sind.

Welche Filmschauplätze gehören zu deinen Lieblingsdrehorten und warum?

Besonders spannend finde ich die Orte, die auch nach Jahrzehnten noch Filmfans anziehen, zu meinen Favoriten gehören daher das Hotel aus „Dirty Dancing“, die Kleinstadt in der „Rambo“ einst einen Krieg mit dem Sheriff führte, und der Ort, in dem „Grüne Tomaten“ gedreht wurde. So unterschiedlich die Orte auch sind, alle drei profitieren auch heute von ihrer filmischen Vergangenheit.

Wie bist du auf die Idee einer Website und eines Blogs über Filmdrehorte gekommen?

Ich habe Tourismusmanagement studiert und als Filmfan meine Abschlussarbeit über Filmtourismus, also genauer gesagt den Einfluss von Filmen auf die Wahl der Reiseziele, geschrieben. Durch die vielen Recherchen und Praxisbeispiele bin ich auf den Geschmack gekommen und bin im Laufe der Zeit selbst zur begeisterten Filmtouristin geworden. Irgendwann wollte ich meine gesammelten Infos zu Drehorten bekannter Filme mit anderen teilen und habe hobbymäßig mit dem Blog begonnen. Als die Nutzerzahlen immer weiter steigen – heute sind es über 125.000 Leser im Monat – hatte ich vor vier Jahren schließlich den Mut aus meinem Hobby einen Beruf zu machen. Neben dem Reiseblog berichte ich heute auch auf Facebook und Instagram über Reisetipps für Filmfans.

Wonach wählst du die Filme und Serien aus?

Auf Filmtourismus.de geht es vor allem um spannende Drehorte von Kinofilmen und Serien. Fernsehfilme behandle ich aufgrund der Masse nicht, außer es handelt sich um bekannte TV-Reihen wie Tatort oder gut gemachte Dreiteiler. Nicht alle Filme spiegeln dabei meinen persönlichen Geschmack wieder, sondern sind vielmehr eine Auswahl an Filmklassikern und aktuellen Streifen, die hinsichtlich ihrer Schauplätze und möglichen Reisen dahin interessant sind. Neue Filme schaue ich mir nach Möglichkeit schon vor dem Kinostart in der Pressevorführung an und entscheide dann, ob sie auf die Seite passen oder nicht. Hin und wieder kommen aber auch alte Produktionen hinzu, z.B. wenn ich die Drehorte unterwegs entdeckt habe oder besonders viele Anfragen von Nutzern dazu bekomme.

 

Wo recherchierst du nach Informationen zu Drehorten? Ist es schwierig an diese Daten zu kommen?

Wenn ich Glück habe, bekomme ich Input zu den Drehorten von Tourismusverbänden, Sendern und Filmverleihern, mit denen ich häufig bei der Reiseplanung zusammenarbeite. Wenn es keine öffentlichen Informationen dazu gibt, ist es jedoch richtige Detektivarbeit: Filmstills mit Google Streetview vergleichen, immer wieder die Szenenfotos nach markanten Hinweisen absuchen und vor Ort viele Leute fragen. Netterweise schicken mir auch die Leser hin und wieder Infos zu Drehorten, die sie selbst entdeckt haben oder falls sich zwischenzeitlich etwas geändert hat, zum Beispiel ein Hotel oder Restaurant geschlossen hat. Das hilft mir die Seite aktuell zu halten.

Im Filmtourismus treffen Fiktion und Wirklichkeit aufeinander. Ist die Magie eines Films vor Ort zu spüren oder handelt es sich oft eher um eine Desillusion?

Da ich vor jeder Reise viel Zeit mit Recherchen verbringe, gibt es eigentlich selten große Enttäuschungen vor Ort, außer dass ich ab und zu mal vor Absperrungen stehe, wo ich nicht weiter kann oder darf. Meine Erfahrungen, was noch vom ursprünglichen Drehort zu sehen ist und was nicht, gebe ich direkt an den Leser weiter. So kann jeder selbst entscheiden, ob sich die Reise für ihn lohnt. Aber Gebäude und Landschaften, mit denen man eine vertraute Geschichte verbindet, haben einfach eine besondere Aura, sind sozusagen filmisch aufgeladen. Vor Ort erlebt man ein schönes „Wie-im-Film”-Gefühl, vorausgesetzt man lässt die Illusion auch bewusst zu und hat ein gewisses Maß an Vorstellungskraft. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, dass jedes Detail genauso wie im Film aussieht.

Welche Drehorte möchtest du unbedingt noch besuchen?

Ganz oben stehen die Mittelerde-Schauplätze in Neuseeland, die alten „Star Wars“-Drehorte in Tunesien und die Movie Ranch auf Hawaii, die man vor allem aus „Jurassic Park“ kennt. Die Liste ist insgesamt noch sehr lang und ständig landen auch wieder neue Orte darauf.

Ihr seid auf den Geschmack gekommen? Lasst Euch von Andrea David’s Blog inspirieren.

bunte Farben zum Artikelthema Interview mit Andreas Fischer: Wie Digitalisierung den klassischen Kunstbegriff aufbricht

Interview mit Andreas Fischer:
Wie Digitalisierung den klassischen Kunstbegriff aufbricht

Andreas Fischer ist ein Künstler mit Sitz in Berlin, der sich auf digitale Kunst spezialisiert hat. In unserem Interview berichtet er über seine Zusammenarbeit mit Samsung für die IFA, wie eine Agentur seine Arbeit kopiert hat und warum der Trend zur Virtualisierung auch wieder zurückgehen wird.

 

Seit wann arbeitest du hauptberuflich als Künstler?

Ich würde sagen dass das ein langwieriger Prozess ist. Ich habe an der Universität der Künste Berlin studiert. In einer digitalen Klasse mit den Professoren Joachim Sauter und Jussi Ängeslevä. Das ist an sich ein Design Studium, beziehungsweise ein Teil von dem Grafikdesign Studium. Die haben eine Fachklasse mit Ausrichtung auf digitale Medien. Ich habe mich eigentlich gleich nach dem Studium selbstständig gemacht und angefangen zu freelancen. Gleichzeitig hatte ich eigene Arbeiten und Ausstellungen. Wobei ich am Anfang als Motion Designer gearbeitet habe. Es dauert ja auch eine Weile bis man eine Linie gefunden hat. Es wurde dann immer mehr eigene Projekte. Aber es hat schon ein paar Jahre gedauert.

 

 

Ilaria Nistri X ANF A/W 15/16 collection

 

Du hast schon mit vielen Marken wie zum Beispiel Samsung zusammengearbeitet und für eine Modedesignerin Stoffmuster entworfen. Wie sind diese Kooperationen entstanden?

Das meiste ist über das Internet gekommen weil Marken irgendwann meine Arbeiten finden und dann auf mich zukommen. Dann kommt man ins Gespräch und schaut was möglich ist. Ich mache kaum direkte Akquise oder sowas. Das heißt ich habe meine Online-Präsenz, meine Ausstellungen und Social Media aber ansonsten mache ich echt nichts. Die Kunden kommen eigentlich zu mir und das läuft ganz gut.

 

Was war das größte Projekt, das du gemacht hast?

Die Arbeit mit Samsung 2016 für die IFA war eins der Highlights und eines der größten Dinge, die ich gemacht habe. Da muss man dazu sagen, dass ich das nicht alleine gemacht habe. Sondern in Zusammenarbeit mit der Postproduktion und einem Designstudio. Ich war für einen Teil des Kreativen verantwortlich, also der Medienbespielung. Meine Aufgaben waren Konzeption und Art Direction, die Geschichte der visuellen Bespielung zu entwickeln und einen Teil der Produktion.

 

 

Photo by Christopher Bauder

 

Was steht bei dir in nächster Zeit Neues an?     

Über mein neues Projekt darf ich noch nicht so viel sagen. Ich arbeite mit einem Hersteller für Computerprozessoren zusammen, der auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist. Die produzieren riesige Datensätze und es geht darum, diese in eine Form zu bringen und zu visualisieren.

 

Wie lange arbeitest du an einem Projekt?

Das kommt ganz drauf an. Es gibt kommerzielle Projekte, die nur ganz kurz sind. Bei eigenen Projekten verhält es sich meistens anders. Es kann sein, dass man in ein paar Tagen ein Konzept macht oder auch ein halbes Jahr an etwas arbeitet. Es gibt bestimmte Themen, die mich interessieren und Werkreihen, die ich immer weiter entwickle. Das hat keinen Anfang und auch kein Ende. Wofür ich mit am bekanntesten bin, sind diese generativen Zeichnungen und Videoinstallationen. Die Reihe heißt “Schwarm” und “V0ID” ist eine Weiterentwicklung davon. Ich habe vor zehn Jahren angefangen diese Software zu entwickeln. Einmal im Jahr oder wenn ich Lust darauf habe, setze ich mich hin, schreibe ein paar Sachen und produziere wieder neue Arbeiten. Im Moment mache ich viele Videos. Das Ganze basiert auf einer Software. Also ich filme, drehe und animiere nichts, sondern es ist eine rein textbasierte Software, die ich ablaufen lasse und mit der ich Videos erzeuge. In diesem Projekt ist die meiste Kontinuität drin. Das ist irgendwie ein Thema, das mich nicht so richtig los lässt oder wo ich immer wieder neue Facetten entdecke. Ich möchte eine andere visuelle Qualität aus dem gleichen System holen.

 

Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken?

Das ist was womit ich mich immer ein bisschen schwer tue. Es gibt keinen konkreten Hintergrund. Was mich an meiner Arbeit fasziniert ist das, was man generatives System nennt. Da geht es nicht darum eine einzelne Arbeit zu machen, sondern darum ein System zu schaffen, das potenziell eine endlose Reihe an Arbeiten selber produzieren kann. Es ist ein Algorithmus, den ich vorgebe und innerhalb dieses Regelwerks hat die Software einen gewissen Entscheidungsfreiraum. Jeder Sekundenbruchteil wird ein kleiner Schalter umgelegt oder wird nicht umgelegt. Ich habe ein paar Millionen von diesen kleinen Schaltern und gebe eine Regel vor, wie die sich zu verhalten haben. Dadurch entsteht ein kohärentes Bild. Dieses Phänomen nennt man Emergenz. Das heißt, wenn man sich einen einzelnen Partikel angucken würde und der zeichnet eine Linie, dann sieht man halt eine Linie. Aber dadurch dass man eben so viele von diesen Partikeln hat, entsteht ein großes Ganzes. Das System wird dann erst sichtbar. Die Schwarm- und die V0ID-Reihe haben die gleiche Basis, die ich immer weiterentwickle. Ich nehme dann andere Farbkomponenten, neue Wege wie gezeichnet wird. Es ist nicht immer das gleiche aber eine Weiterentwicklung von dem Grundprinzip.

 

Könnten andere dieses Konzept kopieren?

Mich hat mal eine Agentur angefragt. Dann hat sie sich aus irgendeinem Grund dagegen entschieden mit mir zu arbeiten. Ein paar Monate später habe ich dann gesehen, dass sie meine Arbeit einfach kopiert haben. Man kann das System an sich nachprogrammieren aber was die Leute eben nicht schaffen, ist die gleiche visuelle Qualität zu erzeugen. Es ist ja auch sehr viel abhängig von der Farbgebung und welche Bilder man aus dem System auswählt. Also das kuratieren der eigenen Arbeit ist sehr wichtig. Das System spuckt sehr viel aus aber es hat nicht alles einen hohen ästhetischen Wert, was produziert wird. Ich suche aus was ich für gelungen halte – das ist dann die Arbeit an sich. Dafür bin ich in dieser Szene der digitalen Kunst letzten Endes auch bekannt. Aber diese Algorithmen sind nichts was ich erfunden habe, sondern es ist nur eine Variation und Weiterentwicklung davon.

 

 

V0ID V 02 by ANF

 

Ist man dann mehr Programmierer als Künstler? Was würdest du zu Leuten sagen, die meinen dass digitale Kunst keine Kunst ist?

Der Kunstbegriff ist eigentlich vollkommen aufgebrochen. Wenn man sich die zeitgenössische Kunst anschaut, geht es ja gar nicht mehr ums Handwerk. Das Handwerk machen andere. Natürlich gibt es noch Maler und Leute, die das alles selber machen aber da geht es eigentlich nicht mehr drum. Es geht um das Konzept und die Idee, die dahinter steckt und nicht mit welchem Werkzeug das jetzt erzeugt wurde. Video ist ein Thema, das stärker geworden ist in den letzten Jahren weil es mehr Displays und mehr Möglichkeiten gibt diese zu zeigen. Nicht nur Online sondern auch im Raum.             

 

Glaubst du digitale Kunst in ein Trend, der wieder abnimmt?

Durch die Digitalisierung ist man immer weiter von der Realität und dem Handwerklichen entfernt. Die meisten Leute verbringen den ganzen Tag damit auf den Display zu gucken, benutzten nur drei ihrer Sinne und gucken auf Sachen, die simuliert werden. Die sind natürlich in irgendeiner Form da, aber haben nichts mehr mit der physischen Realität zu tun. Dadurch entsteht bei den Menschen wieder das Bedürfnis zurück zum selbst machen, zum Erdigen und Natürlichen. Das kann ich beides nachvollziehen und das wird weiterhin parallel existieren. Die Virtualisierung greift weiter um sich und die Qualität der Simulation wird besser. Bis man irgendwann ein Implantat hat, das die Bilder direkt auf der Retina erzeugt und man kein Display mehr dafür braucht. Aber gleichzeitig haben wir noch unseren physischen Körper und unsere Sinne. Es ist ein biologisches Bedürfnis sich mit Menschen zu umgeben. Wenn man das nicht macht wird man unglücklich. Man ist immer noch ein Primat, zwar sehr hoch entwickelt aber nach wie vor durch Enzyme gesteuert. In jedem von uns steckt diese evolutionsbiologische Subroutine und die wird man nicht rausbekommen, auch nicht mit mehr Digitalisierung. Je weiter sie voranschreitet, desto mehr entfernen wir uns von dem Urzustand, auf den wir programmiert sind.   

 

 

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Bäume Äste Grüne Blätter Sonnenstrahlen zum Artikelthema Ich lebe grün! Blog gibt Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil

Ich lebe grün!
Blog gibt Tipps für einen nachhaltigen Lebensstil

Lisa Albrecht hat zusammen mit ihrem Mann Paul den Blog Ich lebe grün! gegründet. Seit 2010 erfreut sie ihre Leserinnen und Leser unter anderem mit leckeren veganen Rezepten und Inspirationen für eine bewusste Lebensweise. In diesem Interview verrät uns Lisa wie sie auf die Idee gekommen ist, einen grünen Blog zu gründen und wie sich Nachhaltigkeit in das Familienleben integrieren lässt.

Wie bist du auf die Idee gekommen einen Blog zu dem Thema “Nachhaltiger Lebensstil” zu gründen?

Die Idee kam nicht von heute auf morgen, sondern sehr schleichend. Unseren Blog Ich lebe grün! gibt es schon seit Oktober 2010. Mit der vegetarischen und später veganen Ernährung habe ich mich immer mehr für den nachhaltigeren Lebensstil interessiert. Da dieser Bereich sehr umfassend ist, wollte ich meine Entdeckungen gerne mit anderen Menschen teilen. So entstand der Blog, aus purer Leidenschaft und Neugierde. Der Markt war damals nicht so gut mit grünen Alternativen ausgestattet – ich war immer froh, wenn ich in ähnlichen Blogs Tipps bekam. Heute freue ich mich sehr, dass es deutlich einfacher geworden ist, auf nachhaltige Produkte umzusteigen. Es gibt ja auch so viele Informationen im Internet. Jetzt sehe ich meine Aufgabe darin, nicht nur meine Erfahrung weiterzugeben, sondern auch spannende Produkte und grüne Inspirationen für den Alltag aus der Masse herauszufiltern, auszuprobieren und wenn sie mir gefallen vorzustellen.

Seit wann lebst du nachhaltig und vegan?

Ich lebe nachhaltig immer nach meinen aktuellen Möglichkeiten, man lernt nie aus und es gibt immer Luft nach oben. Mit 17 Jahren wurde ich Vegetarierin, von heute auf morgen. Ich fragte mich damals auch, warum ich das nicht schon früher gemacht habe. Der Schritt zur komplett pflanzenbasierten (also veganen) Ernährung kam etwas später, im Sommer 2013. Vegetarierin war ich aus ethischen, Veganerin zuerst aus gesundheitlichen Gründen geworden. Aber als ich mich dann mit der Thematik richtig beschäftigt habe, war mir schnell klar, dass der Kuhmilchkonsum für mich nicht vertretbar ist. Das gleiche gilt auch für Eier. Ernährung ist ja schon ein großer Schritt in Richtung Nachhaltigkeit. Ich habe immer mehr Bio eingekauft, dann interessierte ich mich mehr für nachhaltig produzierte Mode und Naturkosmetik. So integrierte ich immer mehr Bereiche in mein Leben, die ich bis heute versuche möglichst nachhaltig zu gestalten.

Wo bekommst du die tollen Rezept-Ideen für deinen Blog her?

Die Rezepte sind alle in meiner Küche entstanden – durch das einfache Experimentieren. Ich koche und backe sehr gerne, das entspannt und macht mich glücklich. Wenn dabei geschlemmt werden kann – umso schöner. Seit drei Jahren veröffentliche ich überwiegend vegane, vollwertige, glutenfreie und zuckerfreie (damit meine ich den üblichen Haushaltszucker) Rezepte. Nicht nur der Geschmack, sondern auch die Nährwerte stehen bei mir an erster Stelle.

Ist es schwieriger einen nachhaltigen bzw. veganen Lebensstil mit Kind zu führen?

Nein, es ist nicht schwierig. Die Frage ist immer – wie bequem man ist bzw. wie gerne man etwas Neues ausprobieren möchte. Die meisten haben vielleicht gleich einen riesigen Berg an Wegwerfwindeln im Kopf, wenn sie an ein kleines Kind denken. Es gibt jedoch tolle Alternativen, wie z.B. richtig niedliche Stoffwindeln (die perfekt funktionieren und noch schicker als die typischen Windeln aussehen) oder auch Windelfrei (einfach danach bei mir im Blog suchen). Wir haben beides gemacht. Das hat super geklappt und wir hatten richtig tolle Ergebnisse. Bei uns gibt es auch Plastik im Kinderzimmer, jedoch schauen wir auf die Qualität und kaufen gerne Second Hand. Vegane Ernährung funktioniert sehr gut, wenn man sich vorher informiert und das Kind nicht einseitig ernährt. Aber das gilt für jeder Ernährungsform. Es gibt heute tolle Bücher zum Thema “Vegane Kinderernährung”. Da stehen alle wichtigen Tipps drin.

Du hast auch einen YouTube-Kanal. Wird es bald neue Videos geben oder konzentrierst du dich lieber auf den Blog?

Ich überlege in der Tat in der letzten Zeit häufiger, was ich mit meinem YouTube-Kanal nun machen soll. Der Blog ist definitiv mein Baby und da stecke ich sehr viel Zeit rein. Ich bin mit meinem Blog selbstständig, er hat im Moment die höchste Priorität. YouTube habe ich damals ausprobiert und irgendwann aus Zeitgründen aufgehört. Ich liebe Videos zu produzieren, jedoch fehlt mir aktuell die Zeit dazu. Den Kanal einfach zu schließen finde ich zu früh.Im Kopf drehe ich das eine oder andere Video noch und vielleicht lasse ich mir da bald etwas spannendes einfallen. Gerne würde ich meinen Blog mit YouTube so verbinden, dass ich beides auch realisieren kann.

Hast du kleine & einfache Tipps, wie man seinen Lebensstil nachhaltiger gestalten kann?

Der einfachste Tipp ist, weniger zu konsumieren – wenn man jedoch etwas braucht, sollte man weniger und dafür hochwertige Sachen kaufen. Beim Essen könnte man ohne Mehrkosten auf Bio umstellen – es gibt tatsächlich sehr günstige Produkte in Bio-Qualität auf dem Markt. Hier lohnt sich der Vergleich. Vegan muss man nicht sofort werden, aber weniger Fleisch zu essen, wäre sehr umweltfreundlich. Second Hand ist eine tolle Sache. Ich finde es so schade, dass Menschen immer mehr wegwerfen, obwohl die Sachen alle noch richtig gut sind. Das Gleiche gilt auch für Gebrauchsgegenstände, wie Möbel oder Geräte. Was wir jetzt immer mehr machen: Dinge reparieren lassen und weiter benutzen. Grundsätzlich gilt bei einer nachhaltigen Lebensweise, alles zu hinterfragen und sich Zeit zu nehmen kurz zu recherchieren, wie man dies oder jenes nachhaltiger gestalten kann. Für fast alle Bereiche gibt es eine nachhaltigere Lösung ohne große Kompromisse. Man muss es einfach nur wollen und dann natürlich auch machen.

 

Lisa Albrecht

Bloggerin & Autorin

 

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