Kategorie: Berlin

DAM Gallery: Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg; Kunstwerk Tank A Tank B

DAM Gallery:
Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg

Mit der Ausstellung “Mirror Finish” startet der New Yorker Künstler Siebren Versteeg morgen in der DAM Gallery sein Berlin Debüt. In den digitalen und internetbasierten Bildschirm- und Leinwandarbeiten setzt er sich mit den Verhältnissen von Mensch, Medien und Technologien auseinander. Dabei arbeitet Versteeg in erster Linie mit Algorithmen und Programmierungen. Unter diesen Rahmenbedingungen basieren viele seiner Werke demnach auf Zufällen. Was passiert, wenn ein Miniaturbild von Donald Trump nicht nur auf programmierte Pinselstriche, sondern auch auf Nacktbilder aus dem Netz trifft? Und welche Wirkung entfaltet diese Kombination auf Leinwand? Ist die Leinwand überhaupt eine Leinwand, oder ist all das nur eine digitale Illusion?

Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror)

Siebren Versteeg; Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror), 2017

Kann Google als ein Spiegel dienen? “Double Vision” besteht aus zwei Bildschirmen mit jeweils einer darüber montierten Kamera. Stellen sich die Besucher davor, wird in bestimmten Abständen ein Foto von ihnen aufgenommen und in die Google Bildsuche in Echtzeit eingegeben. Google Images ist die größte Bildsuchmaschine der Welt. Sie liefert nicht nur Fotografien auf bestimmte Stichworte. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch Bilder mit Bildern suchen. Ist das effektiv? Versteht die Maschine mit ihren Algorithmen unsere Bilder? Versteht sie uns? Zeigt man Google auf dem Foto beispielsweise ein Peace-Zeichen, erscheinen mehr oder weniger erwartbare Ergebnisse, wie Hände, Finger und Beine. Dass die Technik den menschlichen Blick letztendlich dann doch nicht vollends nachahmen kann, beweisen Googles Nacktbilder-Antworten auf eine Frau in einem beigen Trenchcoat. Der Künstler geht noch weiter: Der gleiche Vorgang wiederholt sich auf einem zweiten Bildschirm, nur mit dem Unterschied, dass die Aufnahmen von der russischen Suchmaschine Yandex abgeglichen werden. Und tatsächlich ist es so, dass Google und Yandex, thematisch gesehen, tendenziell unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Zufall und Spiegel der Gesellschaft zugleich

Siebren Versteeg; Split Open and Melt und Rust Sleeping; Algorithmically generated image printed on canvas, epoxy resin; 2017

Das Kunstwerk “Fake News”, zeigt in einem Bildschirm verschiedene neutrale Galerieräume. In sie werden Leinwände hinein projiziert, welche sich wiederum spontan, zufällig und in Echtzeit aus dem Netz sowie programmierten Vorgaben speisen. Es handelt sich um eine Bildsynthese, die individuelle und digital erzeugte Pinselstriche mit Bildschnipseln aus dem Internet kombiniert. Ähnlich gewollt spontane Mischungen ließ der Künstler in der Reihe “Today Series” auf Leinwände drucken. Einigen von ihnen stülpte er sogar erst im Nachhinein digital eine Leinwand-Optik über. So entsteht eine interessante Kombination. Die Bilder wirken in jeder Position des Betrachters neu.

Vom Digitalen ins Reale und zurück: Die DAM Gallery

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der kann noch bis Anfang November die DAM Gallery besuchen und weitere Werke von Siebren Versteeg bestaunen. Auf Basis eines 1998 gegründeten virtuellen Digital Art Museums, rief Wolfgang Lieser in Berlin die Galerie ins Leben  und schuf mit ihr eine Bühne für digitale Kunst und Kultur. Von den Pionieren der digitalen Gestaltung der 60er Jahre, über Netzkunst, bis hin zu aktuellen virtuellen Arbeiten: In regelmäßig stattfindenden Ausstellungen werden die Werke von verschiedenen internationalen Digitalkünstlern präsentiert. Gleichzeitig ist sie ein Ort des Austausches und Dialoges. Fand die digitale Kunst anfangs noch kaum Beachtung, steht sie heute sowohl in der Kunstszene, als auch bei Kunstinteressierten hoch im Kurs.

Wie werden digitale Medien in der Kunstproduktion noch genutzt? Wir werden Euch auch zukünftig von den Schätzen der DAM Gallery berichten.

Wo? DAM Gallery, Berlin; Seydelstr. 30, 10117 Berlin

Wann? 20. September bis 4. November 2017

Öffnungszeiten? Mittwoch – Freitag: 13 – 18 Uhr; Samstag: 12 – 16 Uhr und nach Vereinbarung

 

Titelbild: Künstler Siebren Versteeg: Tank A, Tank B; Fine Art Print, each Edition 5, 2017

Das Futurium Berlin: Ein Blick in die Zukunft

Am Wochenende blickten die Berliner für einen Tag in die Zukunft – als das Futurium im Regierungsviertel erstmalig seine Türen öffnete. Es soll Bühne, Museum, Labor und Forum der Zukunft sein und Politik, Wissenschaft, Wirtschaft, Kunst und Gesellschaft unter einem Dach vereinen. Gefeiert wurde die bauliche Fertigstellung des Hauses in der Nähe des Hauptbahnhofes. Mit dabei war die erste Roboterband der Welt, ein Virtual-Reality-Flugsimulator, experimentelle Musiker, ein Roboter, der dem Publikum die Zukunft erklärt und mit ihm interagiert, sowie rund 15.000 Besucher, die neugierig darauf waren, was die Zukunft so mit sich bringt.

Architektonische Besonderheit mit Blick über Berlin

Quadratisch, praktisch gut – so wirkt die minimalistische Architektur des Futurium-Hauses auf den ersten Blick. Doch befindet man sich im Gebäudeinneren, stellt man schnell fest, dass es einem weitläufigen und modernen Labyrinth gleicht. Über drei Etagen erstrecken sich hier große Flure, verwinkelte Räume, futuristische Wendeltreppen, Anhöhen mit riesigen Fensterglasscheiben, Panoramafenster, raketenantriebsförmige Lampen, pinke, schwarze ausgeklügelte und schlichte Betonwände zugleich. Ein echtes Highlight ist das begehbare Dach. Vom Zoo, über den Reichstag bis hin zum Fernsehturm und dem Gasometer Schöneberg: Auf der spektakulären Dachterrasse konnten die Besucher in einem sogenannten “Skywalk” einen 360-Grad-Rundumblick über Berlin genießen. Auf dem Gebäude befinden sich außerdem zahlreiche Solarzellen, welche das Haus auch in Zeiten, in denen keine Sonne scheint, mit Energie versorgen sollen. Bei der dunklen Verglasung und den großen Panoramafenstern des Hauses, orientierte man sich an der Funktion einer Sonnenbrille: Sie sollen Licht, aber keine Wärme hereinlassen. Konzipiert hat das Gebäude das Berliner Architekturbüro Richter Musikowski und der Landschaftsarchitekt Juca. Sie gewannen den zuvor international ausgeschriebenen Architekturwettbewerb und setzten sich mit ihrem Entwurf gegen 160 Konkurrenten durch.

Finale Eröffnung des Futuriums im Jahr 2019

Die Auftaktveranstaltung markierte den Beginn eines mehrstufigen Eröffnungsplanes. Im Jahre 2018 stellen die Initiatoren dann die drei geplanten Ausstellungsschwerpunkte, die sich mit unserem Verhältnis zur Technik, zur Natur und zu uns selbst beschäftigen, in interdisziplinären Programmwochen vor. Im Futurium Lab – einer Art Experimentierlabor – können Besucher dann selbst Hand anlegen. Die finale Eröffnung des Zukunftshauses ist für das Frühjahr 2019 geplant.

Das Futurium ist ein gemeinsames Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung und Wissenschaftsorganisationen und Firmen. Das Haus will Zukunftsszenarien bündeln, Forschung und Innovation fördern und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

 

Futurium 2017: Virtual-Reality-Flugsimulator

Kunstwerk Berlin Art Week

Techno-Tempel, Galerie, Performance:
Top 5 (digitale) Berlin Art Week Highlights

Die Berlin Art Week ist aktuell in vollem Gange und lädt noch bis zum 17. September in der ganzen Stadt zu Ausstellungseröffnungen, Galerien, Messen, Preisverleihungen und künstlerischen Projekten. Für all diejenigen, die die Woche der Berliner Kunstszene bislang noch nicht erkundet haben, stellen wir in unserem Artikel die Top 5 Highlights digitaler Werke zusammen.

12×12. Der BB Videoraum in der Berlinischen Galerie

Amie Siegel, Genealogies, 2016, HD video, © Amie Siegel, Courtesy Simon Preston Gallery, New York

Um innovative Filme und Videos geht es im BB Videoraum. Hier zeigen innerhalb eines Jahres 12 nicht nur zeitgenössische, sondern auch junge Künstler ihren experimentellen Umgang mit dem Bewegtbild. Im Rahmen der Art Week ist Amie Siegel mit ausgewählten Arbeiten vertreten, die das Verhältnis von Original und Kopie behandeln. Sie beschäftigt sich mit der Bedeutungsaufladung von Alltagsdingen und dem damit einhergehenden kulturellen Gedächtnis. Wird dies dadurch selbst wieder zum Produkt? Die Künstlerin nutzt in ihrem Schaffen Film, Video, Performance, Fotografie und Sound.

Wo? Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin

Wann? 23. August – 02. Oktober 2017

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Ausstellung: Thank You for Sharing

artburst berlin e.V.

Thank You for Sharing ist eine Ausstellung des Berliner Kunstvereins artburst und widmet sich künstlerisch dem Thema der informationellen Selbstbestimmung: Was passiert mit unseren eigenen Daten? Wer sammelt sie, in welchem Maße und zu welchem Preis? Und welche Rolle spielt dabei die staatliche Überwachung? Die Künstler beschäftigen sich mit diesem Spannungsfeld und werfen die Frage auf, ob eine digitale Abstinenz die einzige Alternative ist.

Wo? Organ kritischer Kunst/Raum 29, Prinzenallee 29, 13359 Berlin

Wann? 9. September – 1. Oktober 2017

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Moving is in every direction. Environments – Installationen – Narrative Räume

Pipilotti Rist, Remake of the Weekend, 1998, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 2014 Schenkung der Friedrich Christian Flick Collection, © Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, SMB, Schenkung der Friedrich Christian Flick Collection / Jan WindszusCourtesy Pipilotti Rist, Hauser & Wirth und Luhring Augustine

Ein Raum, in dem leise der Schnee rieselt, während an der Wand eine Videoinstallation läuft. Die Künstlerin Bunny Rogers arbeitet darin das nationale Drama eines Amoklaufs in einer amerikanischen Schule auf. Viele weitere Künstler entführen in der Ausstellung auf ca. 3.500 Quadratmeter Fläche, in unterschiedliche kleine Welten und bieten nachdenkliche sowie sinnliche Erlebnisse. Die Rauminstallationen präsentieren die Geschichte der Installationskunst von den 1960er-Jahren bis heute. Der Fokus liegt auf erzählerischen Strukturen.

Wo? Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

Wann? 17. März – 24. September 2017

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Medienübergreifend: Galerie Jaguars and Electric Eels

Julia Stoschek Collection Berlin, Installationsansicht der Ausstellung JAGUARS AND ELECTRIC EELS, 2017, Foto: Simon Vogel

Der Naturforscher Alexander von Humboldt brach zwischen 1799 und 1804 zu zwei Expeditionen ins Grüne auf. 1853 wurden seine Aufzeichnungen und Eindrücke der neu entdeckten Welt unter dem Titel Jaguars and electric eels als Sonderausgabe veröffentlicht. In der gleichnamigen Ausstellung in Berlin untersuchen nun zahlreiche Künstler in überwiegend medienbasierten Werken, die heutige Realität, in derer die Grenzen zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit verschwimmen. Der Eintritt kostet 5 Euro. Für 10 Euro kann man sogar zusätzlich an einer Führung teilnehmen.

Wo? Julia Stoschek Collection, Leipziger Straße 60
10117 Berlin

Wann? Sonderöffnungszeiten vom 14. – 17.  September:
12—20 Uhr

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KW Berlin: Performance Free Wifi 3

Live-Streaming-Apps finden eine immer größere Beliebtheit. Periscope ist eine von ihnen. Die Künstlerin Nina Könnemann nutzt sie für ihre Performance im Rahmen der Berlin Art Week. Auf der Plattform werden Texte und Live-Videos mehrerer Teilnehmer in Echtzeit zu einer filmischen Montage zusammengestellt. Ein Teil der Performance ist inszeniert, vieles entsteht allerdings spontan durch Zufälle oder technische Störungen. In der Projektbeschreibung heißt es: “Alle Live-Videos der Performance werden von Orten gesendet, die kostenlosen Zugang zum Internet anbieten. Öffentliche und kommerzielle Bereiche, wie Warteräume, Coffeeshop-Filialen und Bibliotheken verschmelzen zu einem imaginären WLAN-Kontinuum. Während öffentliches Internet durch die Verbreitung privater Datenverträge zunehmend überflüssig wird, bleibt es doch weiterhin von Bedeutung für Obdachlose, TouristInnen und digitale Nomaden”.

Wo? KW Institute for Contemporary Art, 1. Stock, Auguststraße 69, 10117 Berlin

Wann? 17 September, 20 Uhr

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Zum Ausklang: Postbahnhof wird zum Temporary Techno-Tempel

flickr: mightymightymatze

Und was bietet das Abendprogramm? Zum Beispiel eine Techno-Kirche. Am Wochenende verwandelt sich der Postbahnhof für kurze Zeit in einen Techno-Tempel. Der Name wird dort zum Programm: Spezielle Lichttechniken sollen in Kombination mit den Sounds ein einzigartiges und sakrales Ambiente schaffen. Im Rahmen der Art Week präsentiert die Berliner Liste Musik von Rødhåd und Kobosil.

Wo? Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, 10243 Berlin

Wann? 14.–17. September 2017, ab 19 Uhr

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Nach der Berlin Art Week, ist vor der Berlin Art Week: Weitere spannende Events im September finden sich in unseren Top 10 September Events in Berlin.

 

Titelbild: @Berlin Art Week; Sammlung Boros, Privatsammlung / Private Collection, Katja Novitskova, Pattern of Activation, 2014 © NOSHE

Graffiti zum Thema Urban Nation Museum

Urban Nation:
In Berlin eröffnet erstes Museum für Streetart

Kreativität kennt keine Grenzen, auch keine räumlichen. Die Berliner Straßenkunst ist mit ihren zahlreichen Graffitis, Aufklebern und Bemalungen das beste Beispiel hierfür. Ob an Laternen, Fassaden, Mauern oder auf Gehwegen – überall finden sich urbane Kunstwerke. In der Bülowstraße bündeln sich viele von ihnen, sodass Spaziergänger zu Galeriebesuchern werden. Der Ort ist demnach prädestiniert dafür, ein Aushängeschild der Berliner Straßenkunst zu sein. An diesem Wochenende eröffnet dort das Künstlerkollektiv Urban Nation das erste Museum für Streetart. Das Projekt begann laut Initiatoren im Jahr 2016 mit der „Vision einer weltweiten Urban-Art-Community, eines Netzwerks ohne Grenzen“. Mit dem neuen „Museum for Urban Contemporary Art„, wird dieser Traum nun Realität. Zelebriert wird das Ereignis vom 16. bis zum 17. September mit einer großen Kunstmeile.

Das Museum, das es gar nicht geben dürfte

Das „Museum for Urban Contemporary Art“, ist mehr als nur ein klassisches Museum.  Neben ständigen, teilweise sogar interaktiven Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops, wird selbstverständlich auch die Hauswand zur Leinwand. In der Bülowstraße findet Streetart in, an und um das umgebaute vierstöckige Wohn- und Geschäftshaus aus der Gründerzeit ein kleines Zuhause. Das Gebäude mit der Nummer 7 sticht schon von weitem heraus, da die Fassade in ein riesiges Mural verwandelt wurde. Dieses wird mit der Zeit von verschiedenen Künstlern immer wieder neu gestaltet. Und auch die Architektur ist besonders: Die Straße wird buchstäblich in die Räume verlagert. So gibt es beispielsweise eine Trasse und einen Galeriesteg, die sich durch das Innere ziehen. Dies ermöglicht, die ausgestellten Arbeiten von nah und fern betrachten zu können.

Die künstlerische Leiterin beschreibt das Museum in einem Interview mit Radio Eins als eine Art Archiv, welches Berlinern und Touristen die Bedeutung und Relevanz der Straßenkunst näher bringen soll. Darüber hinaus wird die Galerie ein Ort des Austausches, der Inspiration und Wissenschaft – für Künstler, Kunstinteressierte und die allgemeine Öffentlichkeit.

Das große Streetart-Fest von Urban Nation

Am Wochenende kann das Museum nun erstmalig besucht und dabei die Werke von über 130 internationalen Künstlern bestaunt werden. Zwischen dem U-Bahnhof  Nollendorfplatz und der Frobestraße, wird es zudem ein Straßenfest mit verschiedenen Aktionen, Wandgemälden, Kunstinstallationen, Showacts sowie einer Community Wall und einem Skaterpark geben. 

Hinter Urban Nation steht die Stiftung Berliner Leben, gegründet von der Gewobag.  Bereits seit Jahren gestalten sie Berliner Fassaden in riesige Outdoor-Kunstwerke und organisieren entsprechende Streetart-Projekte um Menschen und Künstler miteinander zu verbinden.

Ein Museum kann mehr, als ein Raum voller Bilder sein.

Wo? Urban Nation, Bülowstraße 7, 10783 Berlin

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Zettelhochburg Berlin:
Joab Nist über seinen Blog Notes of Berlin

Optimismus heißt umgekehrt Sumsi mit Po. Das sollte mal gesagt werden, steht auf einem der vielen Zettel die Joab Nist tagtäglich auf seinem Blog Notes of Berlin digital konserviert. Ob überklebte Straßennamen, behangene Postkästen, bemalte Toilettenkabinen, oder Notizen an Haustüren und Klingelschildern: In der Stadt Berlin herrscht die reinste Zettelwirtschaft. An kaum einem anderen Ort hinterlassen Menschen so viele Botschaften auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wir haben mit Joab über die Faszination der lustigen Zettel gesprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen “Stadt-Zettel” zu sammeln und sie dann in einem Blog zu veröffentlichen?

Ich bin selber vor 12 Jahren von München nach Berlin gezogen. Ich fand es aufregend, durch die Kieze zu gehen und zu gucken, ob man da was findet, was Berlin für einen charakterisiert. Bei diesen Spaziergängen sind mir immer wieder solche Botschaften, meist Zettel, aufgefallen. Einige von denen waren für mich wie ein AHA-Effekt: Ja stimmt, genau das ist für mich Berlin. Das passt genau hier her! Das war für mich wie ein kleiner Reiseführer durch die Stadt – nur auf eine andere Weise erzählt.  Ich wollte immer mehr von diesen Zetteln entdecken. Dann habe ich mir gedacht: Wie spannend wäre das eigentlich, wenn ich Zettel finden und dokumentieren kann, die auch aus den Ecken der Stadt kommen, in denen ich mich nicht herum treibe? Da braucht es Mitstreiter. Außerdem fand ich, dass die Zettel eigentlich eine größere Öffentlichkeit verdienen. Die hängen ja nur kurz da und sind dann für immer weg. Eigentlich sind sie Originale und Unikate, wo irgendjemand eine Geschichte erzählt. Sie sollen relativ ungefiltert zeigen, was die Menschen hier bewegt. Dass das sehr oft skurril ist, liegt daran, dass die Protagonisten, die so einen Zettel schreiben, in dem Moment nicht so viel nachdenken. Es kommt halt einfach raus und das ist dann halt oft komisch, aber authentisch.

Was sind das für Botschaften?

Eigentlich die komplette Alltagskultur. Also alle Dinge, die einem so täglich in der Großstadt begegnen. Dass jemand gerade verzweifelt einen Job sucht oder jemanden irgendwo gesehen hat und ihn wiedersehen möchte. Die Stadt ist zu groß dafür, er muss einen Zettel schreiben. Oder man beschwert sich über seinen Nachbarn, der sehr skurril ist. Ganz viele Zettel kommen aus Hausfluren und großen Mietshäusern. In Berlin ist es irgendwie gang und gäbe, dass man nicht klingelt, sondern sich Zettel schreibt, um sich über etwas zu beschweren oder um eine Party anzukündigen. Auf der Straße ist auch die Liebe ein ganz großes Thema. Ganz viele Menschen sehen sich irgendwo, haben die Nummern nicht ausgetauscht, sich nicht angesprochen und wollen sich wiederfinden. In einem Ballungsraum wie Berlin musst du dann halt zum Beispiel einen Zettel schreiben und den da aushängen, wo du die Person das letzte mal gesehen hast, damit du sie wiederfinden kannst. Da bringt dir auch ein Post auf Facebook nichts. Du erreichst mehr Leute, aber nicht die Person, die zufällig auch in diesem Kiez wohnt. Neben Diebstahl ist Sex ein riesen Thema. Wir haben wahnsinnig viele Zettel, wo man die Nachbarn rummachen hört. Es gibt auch politische Botschaften. Lost and found ist natürlich auch ein Klassiker.

Hast du ein paar Beispiele beziehungsweise Highlights, die dir spontan einfallen?

Wenn jemand seinen Stoffbären verloren hat und dann steht auf dem Zettel: “Finderlohn 500 Euro”, dann denkst du dir: War das was drin? Oder ist der was wert? Es gibt auch genau das Gegenteil: “Katze verloren. Finderlohn: Sieben Euro”. Warum Sieben? Ist dir dein Tier nicht mehr wert? Der eine verliert sein Geld, der andere seine Steuererklärung, der Dritte seinen Hamster, den er kurz bei der Bushaltestelle abgesetzt hat, um mal eben in den Späti zu gehen. Dann war der Hamster weg.

Warum gibt es so viele Zettel in Berlin, obwohl vieles nur noch digital stattfindet? Wo liegt der Reiz?

Es ist ein Kommunikationsmedium, was du heute trotz Internet quasi als Gegenentwurf noch nutzt. Wenn du zum Beispiel jemanden suchst und im Internet postet, bringt dir das ja nicht so viel. Wenn du nur deine Leute im Kiez ansprechen möchtest – im Sinne von “mein Fahrrad wurde gestohlen, bitte haltet die Augen offen”. Dann macht es einfach Sinn, das noch auf die alte Art und Weise zu kommunizieren. Ich glaube trotz Apps und der Digitalisierung, sind wir ja alle noch mit Papier und Stift aufgewachsen. Und das wird auch die nächsten Jahre noch so sein und das sollten wir auch nicht verlernen. Ich glaube, dass sich das auch ein bisschen initiiert und zum Mitmachen einlädt. Es hat auf jeden Fall eine viel persönlichere Note, als wenn du einfach irgendwo bei WG-Gesucht dein Inserat aufgibst oder einen Facebook-Post machst. Und es sind die Themen, die wir alle kennen: Fahrraddiebstahl, Liebeskummer, nervende Nachbarn. Das ist eines der Geheimnisse, warum das Projekt so gut funktioniert: Man kann sich damit sehr einfach identifizieren. Du brauchst kein großartiges Vorwissen. Du musst auch gar nicht aus Berlin kommen. Du musst Berlin auch nicht mögen, du kannst Berlin hassen. Denn diese Themen gibt es  teilweise auch in anderen Städten. Die Idee ist aber schon, damit Berlin zu charakterisieren und nicht die Zettel an sich. Deshalb ja Notes of Berlin.

Warum denkst du, dass ausgerechnet Berlin so zugekleistert wird?

In Gesamtdeutschland ist Berlin das Mecker der Zettelwirtschaft. Im öffentlichen Stadtbild kann man hier und da mal etwas hinterlassen, ohne, dass das Ordnungsamt gleich um die Ecke kommt. Das ist in München zum Beispiel anders. Das ist eine sehr saubere Stadt. Da siehst du nicht an irgendwelchen Laternen oder Ampelmasten Sachen kleben. Das ist auch verboten. Hier in Berlin sind ja quasi Schichten von Jahren, die sich außen herumwickeln. Es gibt Streetart, Graffiti, Guerilla Gardening – alles so Sachen, wo man auch im öffentlichen Raum mitgestaltend tätig ist. Das prägt glaube ich auch schon so ein bisschen das Gefühl “okay ich kann dort auch einen Zettel hinkleben. Das macht doch jeder”. Alle machen hier irgendetwas. Und das hast du im Vergleich mit anderen deutschen Städten nicht in dem Ausmaß.

Was verraten die Notizen über die Menschen in Berlin?

Es gibt dir einen Einblick: Wovor haben die Menschen Angst? Was treibt sie um? Ist es die Wohnungsnot? Es gibt auch Leute, die sich darüber beschweren, dass das Haus immer internationaler wird. Dann kriegt man auch oft den Eindruck, Berlin ist die Stadt der Singles, Berlin ist einsam und anonym: Wieso suchen die sich alle? Wieso sprechen sie sich nicht an? Wieso hat niemand irgendjemanden? Man merkt auch, dass viele schon manchmal ein bisschen gestresst sind. Man reagiert oft ein bisschen über,  man toleriert vielleicht viel, aber irgendwann reicht es einem. Und man nimmt einfach kein Blatt vor den Mund. Wenn du irgendetwas zu sagen hast, dann sagst du es – auch ungefragt.  Und ich glaube das ist auch wichtig in so einer Großstadt wie Berlin, dass man sich halt irgendwie Gehör verschafft, auch wenn es anonym ist. Dass du irgendwie raus kannst, du brauchst irgendein Ventil.

Und das ist dann der Zettel?!

Genau, vor allem wenn wir von Beschwerden sprechen. Es zeigt aber auch, wie kreativ Berlin ist. Es gibt Zettel, die sind unfassbar talentiert gezeichnet, geschrieben, richtig um die Ecke gedacht und mit so viel Leidenschaft verfasst. Auch die Leute, die mit einem gewissen Ideal hier herkommen oder einen gewissen Lebensstil leben wollen, spiegeln sich in den Zetteln wieder. Und Naivität. Deswegen ist es wie ein Querschnitt durch all die verschiedenen Bezirke und Mietshäuser. Es sind nicht nur die Hipster aus Neukölln oder Kreuzberg, die da Texten. Was auch wieder zeigt, dass es nicht nur ein Phänomen von jungen oder alten Leuten ist, so einen Zettel zu schreiben. Es ist ein Gesellschaftsding.

Du verbreitest die Zettel auch auf Instagram und Facebook. Warum teilen die Nutzer deine Blog-Inhalte dort so leidenschaftlich?

Weil du die Situation oft nachvollziehen kannst. Das sind so radikale Alltagsthemen, eines davon trifft dich immer irgendwie. Dann willst du das auch mit anderen teilen. Deswegen läuft das so gut auf den sozialen Netzwerken. Leute kommentieren auch viel. Bei manchen Posts entstehen ganz lange Kommunikationsstränge. Das ist auch ziemlich spannend, weil du siehst, was die Menschen umtreibt. Sonst gibt es keine Möglichkeit oder keinen Grund, über solche Themen zu sprechen, weil es keine Plattform dafür gibt. Und weil es eigentlich zu alltagsbezogen ist. Wenn du aber Zettel quasi als Auslöser hast, dann kannst du das Thema auch ein bisschen mehr aufmachen. Deswegen ist es auch oft so, dass so ein Zettel manchmal eine Initialzündung ist. Da kommentieren auf einmal 50 Leute zum Thema zugezogen in Berlin oder zur Ghettofizierung, obwohl das gar nicht impliziert war.

Es gibt bereits Bücher und Kalender über das Zettelphänomen. Und auch ein Film wird kommen. Hast du noch weitere Zukunftspläne?

Neuerdings mache ich Live-Lesungen, mit einem „Best of“ der Zettel. Die werden auf Leinwand projiziert und ich interpretiere sie ein bisschen. Mir macht das auch noch mehr Spaß als zu posten, weil ich ja die Reaktionen der Menschen sehe. Dann wird es auch wieder Offline-Ausstellungen geben. Zum Beispiel hat das “The House” Projekt stattgefunden. Das war ein großes urban art Event in Berlin. Da hatte ich zweieinhalbtausend Zettel ausgedruckt und alle in einem Raum an die Wand geklebt. Was sehr spannend war, weil man den Zettel offline wieder dahin bringt, wo er eigentlich herkommt, er durch den Ausdruck wieder haptisch wird. Das ist auf ganzen Wänden gebündelt und du hast nicht wie im Internet einen Zettel, auf den du klickst. Das ist toll, wenn du spürst, wie die Leute dann darüber reden, sich hier und da anstupsen. Du bewegst dich in diesem Raum und da wo dein Auge hinfällt, liest du ein bisschen was, du musst aber auch nicht alles lesen. Du bist dann in so einem Kosmos gefangen.

Hier eine kleine Auswahl an amüsanten Zetteln:

Titelbild: @Leon Kopplow

Zwei Bierflaschen stoßen an vor dem Sonnenuntergang zum Artikel Top 10 September Events in Berlin

Top 10 September Events in Berlin

Der Sommer neigt sich zwar langsam dem Ende zu (habt ihr schon die Lebkuchen im Supermarkt gesehen?), doch der Herbst ist noch längst nicht da. Lasst uns die letzten Sonnenstrahlen ausnutzen und das Berliner Stadtleben genießen. Ob in Sachen Food, Kunst, Musik, Geschichte oder Zukunft: Wir haben für euch die Top-Events in Berlin für den Monat September zusammengetragen.

Das Berlin Coffee Festival 2017

Wer die heutige Nacht durchzecht, der muss den morgigen Tag noch lange nicht im Bett verbringen. Denn beim Berliner Coffee Festival 2017 vom 01. bis zum 04. September heißt es: Kaffee für alle! Kaffee ist mehr als ein Grundnahrungsmittel: Es ist ein Genussmittel. Dementsprechend wird dem Getränk am Freitag und Samstag in der ganzen Stadt mit Cuppings, Workshops und vielem anderen die Ehre erwiesen. In der Markthalle Neun bedienen dann am Sonntag Berliner Röstereien mit internationalen Gästen und verschiedenen Röstungen die Geschmacksknospen der Besucher. Von Espresso bis hin zu Nitro Coffee: Es wird probiert und ausgetauscht. Wo liegt der Ursprung des Kaffees, wie kann der Weg in die Kaffeetasse fair gestalteten werden und was ist die perfekte Röstkurve?

Wann? 01. – 04. September

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East Side Music Days: Berlin Street Music Stage

Mit dem Kaffee in der Hand könnte es dann am Wochenende zu den East Side Music Days gehen. Hier kommen einige von Berlins besten Straßenmusikern zusammen und zeigen ihr Können. Da der Straßenmusik oftmals viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und Politik sowie öffentlichen Regulationen sie teilweise sogar einschränken, stellt die Veranstaltung auch ein Statement dar. Für unentdeckte Talente eröffnet sich eine musikalische Plattform.

Wann? 02. – 03. September

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Die Berlin Design Night

Am 08. September ist die Lange Nacht der Kreativwirtschaft. Die Berliner Designwelt legt dann eine Nachtschicht ein und öffnet ihre Türen: Agenturen, Studios, Ateliers, Showrooms und Werkstätten geben Einblicke in ihr Schaffen. Mit dabei sind unter anderem AJ&Smart, Akademie für Illustration und Design Berlin, ART+COM Studios, KPM Berlin, lukkizzi, URBAN INDUSTRIAL BERLIN und völlig ohne.

Wann? 08. September

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Tag des offenen Denkmals im Stadtbad Lichtenberg

Spannend und interessant kann es beim Tag des offenen Denkmals im Stadtbad Lichtenberg werden. Das Interesse an einer Führung durch das stillgelegte Gebäude war so groß, dass die Tickets bereits nach einem Tag ausverkauft waren. Der ehrenamtliche Förderverein vom Stadtbad Lichtenberg zeigte sich überrascht über den großen Andrang. Aufgrund dessen stellte man auf der Facebook-Seite die Aussicht auf zwei weitere Begehungen am 23. und 24. September. Die Genehmigungen stehen allerdings noch aus.

Wann? 09. September; evtl. 23. und 24.  September

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Berlin Art Week

Während der Berlin Art Week wird der zeitgenössischen Kunst mit zahlreichen Ausstellungen und Messen ebenfalls ein gestalterischer (Frei-)Raum gegeben. Von bekannten Künstlern wie Monica Bonvicini und Danny Lyon, bis hin zu bislang unentdeckten Kreativen ist alles dabei. Das Programm ist international, genre- und themenübergreifend und findet an verschiedenen Standorten in Berlin statt.

Wann? 13. – 17. September

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The African Market: Streetfood & Nightmarket

Afrika in der Köpenickerstraße: Wer den Horizont seiner Geschmacksknospen nicht nur erweitern, sondern auch bereichern möchte, der ist beim afrikanischem Streetfood & Nightmarket genau richtig. Neben gutem Essen wird es auch andere Angebote rund um die afrikanische Kultur geben.

Wann? 16. September

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Ein Tag Zukunft: Open House im Futurium 

Das Futurium ist eine Initiative der Bundesregierung gemeinsam mit Wissenschafts- und Wirtschaftsverbänden. Es soll ein Ort sein, der die Zukunft erforscht und die Ergebnisse mit seinen Besuchern interaktiv teilt. In der Projektbeschreibung heißt es: “Unter einem Dach entstehen hier eine Ausstellung mit lebendigen Szenarien, ein Mitmachlabor zum Ausprobieren und ein Veranstaltungsforum als Ort des Dialogs”. Am 16. September wird das Futurium-Haus fertiggestellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Zu diesem Anlass gibt es Tanzeinlagen der Flying Steps Academy, einen Virtual-Reality-Simulator mit dem man wie ein Vogel durch die Lüfte fliegen kann, Zukunftsszenarien, Roboter, futuristische Vorträge und Diskussionen von selbstfahrenden Autos bis hin zur künstlichen Intelligenz. Kinoliebhaber kommen mit Klassikern des Sci-Fi-Genres auf ihre Kosten. Entspannt werden kann dann in der Panorama-Bar mit Live-Musik. Im Fokus steht aber das Haus an sich, welches nur an diesem Tag in dieser Form zu sehen gibt. Die Architektur des Hauses ist laut Initiatoren von der Batman-Reihe inspiriert: “Erleben könnt ihr die Ausstellungsfläche mit ihren meterhohen Fensterfronten, gerahmt von dunkelgrauen Betonwänden, das begehbare Dach mit Ausblick von der Reichstagskuppel bis zum Zoo, den lichtdurchflutete Veranstaltungsbereich und den sogenannten Cave mit raketenantriebsförmigen Lampen”.

Wann? 16. September

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Recycled Creativity Festival 

Das Recycled Creativity Festival widmet sich unter dem Motto “(re)plan(t) our future!” unserer Erde. Wir alle hören ständig vom ‘grünen Konsum’, von Nachhaltigkeit und recycelten Kleidungsstücken. Bio ist zum Trend geworden, doch kann das alles auch wirklich unseren Planeten retten? Das Festival stellt sich diese Frage und sucht Lösungen – durch Aktivität statt Passivität. In der Veranstaltungsbeschreibung heißt es: “ALLE sind eingeladen, gemeinsam zu erforschen, wie wir auf kreative Weise eine Grundlage für eine ‘nachhaltige Zukunft’ schaffen können, mit den Materialien, Ideen und Erfahrungen, die uns hier und jetzt zur Verfügung stehen”.

Wann? 21. – 23. September

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Das Gin Tonic Festival

Gin Tonic – ein Klassiker. Und wie eine amerikanische Studie kürzlich herausfand: Sogar gut für Allergiker. Zumindest wird Gin Tonic von diesen besser vertragen, da er zu den klaren Alkoholika zählt. Der Longdrink aus Gin und Tonic Water wird nun mit einem Gin Tonic Festival gewürdigt. Präsentiert werden laut Angaben der Veranstalter die beeindruckendsten Gin-Sorten der Welt von verschiedensten und erlesensten Destillateuren. Musik, Essen, Masterclasses, Samplings und Special Deals runden das Gin & Tonic Festival ab.

Wann? 23. September

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Die Bowie Berlin Week

Letztes Jahr ist wieder einer der ganz Großen unter den Musikern gegangen: David Bowie. Anlässlich der Veröffentlichung der „David Bowie Box – a new career in a new town (1977 – 1982)“ am 29. September findet zu Ehren des Sängers die Bowie Berlin Week statt. Das Programm wird Anfang September veröffentlicht. Als eine Besonderheit wird David Bowies ehemaliger Tonmeister in den Hansa Studios – Eduard Meyer – zu Gast sein.

Wann? 25. – 30. September

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Sitzreihen eines Theaters zum Start der Theaterspielzeit

Theaterspielzeit 2017/2018 in Berlin: Das erwartet uns

Endlich eröffnen sie langsam: Die Kassen der Berliner Theater. Höchste Zeit, denn der Sommer in Berlin war auch wirklich nicht leicht. Die ein oder andere Flut legte den Verkehr lahm, das Wetter war eher wechselhaft als sommerlich, die Touristen strömten in die Stadt, weil gefühlt jedes Bundesland immer wieder Feiertage hat – nur eben Berlin nicht. Jetzt kommt immerhin das Theater zurück, die Sommerpause ist überstanden! Was erwartet uns in der Theaterspielzeit 2017/2018? Hier eine kleine Auswahl der vielen Berliner Häuser.

Volksbühne Berlin – alles neu

Ja – so heißt sie jetzt, die Volksbühne. Zwar mag die Namensänderung nicht dramatisch sein, aber sie verdeutlicht noch einmal den Umschwung. Chris Dercon ist jetzt der neue Intendant der Volksbühne und startet die Theaterspielzeit mit einem Tanzmarathon am Tempelhofer Feld. An dem Flughafen soll auch eine mobile Bühne für die Volksbühne Berlin gebaut werden. Dercon sagt hierzu: „Ich wünsche mir die Volksbühne als einen öffentlichen, durchlässigen Ort, der Raum lässt für ganz verschiedene Formen von darstellender Kunst, wo Disziplinen aufeinander reagieren und interagieren können. Ein Stadttheater ohne Grenzen“ So kann zum Beispiel das Stück „Iphigenie“ am 30. September von dem syrischen Schriftsteller Mohammed Al Attar im „Hanger 5“ betrachtet werden. Unterstützt wird das Stück von einem Chor mit syrischen Frauen. Hier wird die aktuelle Bedeutung des Ortes als Unterkunft geflüchteter Menschen hervorgehoben und auf die Bühne gebracht.

Die Schaubühne – digitale Elemente auf der Bühne

In der Schaubühne wird wieder mit den Medien gespielt und auf digitale Elemente gesetzt. Zumindest hört es sich bei dem neuen Stück „Rückkehr nach Reims“ von Thomas Ostermeier so an: Es geht um den Dreh eines Films und um die gesellschaftliche Gegenwart. Die Bilder verraten, dass mit einem Bildschirm gearbeitet wird, der vermutlich live auf der Bühne mit Aufnahmen einer Kamera gefüllt wird. Inhaltlich geht es um die Auseinandersetzung eines Intellektuellen mit seiner Heimat. Das Bürgertum, die kommunistische Arbeiterklasse und die Rechtspopulisten sind Teile der Gesellschaft, die in dieser soziologischen Analyse betrachtet werden. Der Text wird übrigens erstmals auf Deutsch aufgeführt und stammt im Original von Didier Eribon. Wer die Verbindung von Theater, Schauspiel und digitalen Elementen sehen will, kann zur Premiere am 24. September gehen.

Das Deutsche Theater – „Welche Zukunft“ ist das Motto der Theaterspielzeit

„Welche Zukunft“ titelt das Deutsche Theater in dem Heft für die Spielzeit 2017/2018. Ulrich Khuon, Intendant des DT, beschreibt die Fragen, die das Motto stellt: „Wie können wir welche Zukunft gestalten? Wie könnte eine Zukunft aussehen, oder welche Zukunft wollen wir?“ Und da wir uns diese Fragen immer aus der Gegenwart heraus stellen, wie Khuon betont, kommt schnell die Figur Donald Trump ins Spiel. „It can’t happen here“ nach dem Roman von Sinclair Lews wird von Christopher Rüping inszeniert. Wie das Programmheft betont, schossen die Verkaufszahlen dieses Werkes nach der Wahl von Trump in die Höhe. Kein Wunder – es gibt unzählige Parallelen. Auch das Deutsche Theater führt das Stück unter dem Motto „Welche Zukunft“ auf. Die Premiere ist am 20. September.

Auf welche Stücke freut ihr euch in dieser Theaterspielzeit? Schreibt uns eure Tipps ins Kommentarfeld. Wir freuen uns!

Die Ars Electronica besucht Berlin

Jetzt mal unter uns, so von Angesicht zu Angesicht: Was “wenn ich kein Mensch wäre? Sondern ein Roboter, ein Chatbot, oder ein selbstlernender Algorithmus?” Dies fragt uns auch die Ausstellung der Ars Electronica in Berlin. Ars Electronica ist ein internationales Festival für Medienkunst aus Linz. Ausgehend von der digitalen Revolution, ist der Ursprungsgedanke der Veranstalter, die Schnittstellen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft zu erforschen. Die Veranstaltung erhält jedes Jahr auf’s Neue ein übergeordnetes Thema. In diesem Jahr findet sie vom 11. bis zum 19. September unter dem Motto „Artificial Intelligence – Das Andere Ich” statt.

Einen Vorgeschmack darauf, gibt es nun in der Export-Ausstellung in Berlin. Das Thema hier: “Begegnungen”. Ist es möglich, dass Mensch und Maschine ein gegenseitiges Vertrauen füreinander entwickeln? Inwieweit verschwimmen die Grenzen zwischen menschlicher Natur und Technik? Und welche Auswirkungen haben künstliche Intelligenzen oder robotische Implantate auf den Körper? Die Werke sind nicht immer komplex, haben aber eine umso größere Ausdruckskraft und schaffen vor allem ein Bewusstsein für die Entwicklungen unserer Zeit. NeoAvantgarde hat für euch ein paar Eindrücke festgehalten.

Spieglein, Spieglein an der Pinnwand

Nonfacial Mirror / Shinseungback Kimyonghun (Foto: Ars Electronica / Florian Voggeneder)

Es scheint, als würden die Besucher der Ausstellung von ihrem eigenen Spiegelbild begrüßt werden. Doch sobald man sich dem auf einem Podest befindlichen Standspiegel nähert, wendet sich dieser von einem ab. Der sogenannte “Nonfacial Mirror” meidet Gesichter mittels eines Gesichtserkennungsalgorithmus‘: Er dreht sich, sobald die integrierte Kamera die jeweilige Person erkennt. Nur wenn man sein Gesicht verdeckt, bleibt die Position unverändert. Im Prinzip kann man sich nur sehen, wenn man sich nicht sieht. Doch dann sieht man natürlich: NICHTS. Dementsprechend möchte der Künstler Shinseungback Kimyonghun in Anlehnung an künstliche Intelligenzen unsere Wahrnehmung hinterfragen: “Was ist wahrer: Das, was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht”?

Wenn Daten hörbar werden

CLOUD 2017 / Christina Kubisch (Foto: Christina Kubisch)

Kann man Cloud-Daten hören? Ja! Und wie klingt das dann? Nun ja: ganz oldschool wie eine Empfangsstörung im Radio – aber im Sound durchaus variabel. Die Klang-Installation “Cloud 2017” der Künstlerin Christina Kubisch ist ein großes herabhängendes Drahtgeflecht aus 1.500 Metern Kupferkabel. Die ausgesendeten Signale sind durch magnetische Kopfhörer sowie elektromagnetische Wellen wahrnehmbar. Der Klang stammt von elektromagnetischen Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken, welche unter anderem in Europa, Kanada und den USA entstanden sind. Je näher der Besucher dem Geflecht dabei kommt, desto stärker und durchgehender werden diese Töne. Demnach können Töne auch gemischt werden. Wer eine kreative Ader hat und beweglich ist, kann sich ja mal als Daten-DJ versuchen.

Tanz durch 3D-Druck-Geflechte

toki- series_#03 / Akinori Goto (Foto: Akinori Goto)

Die “toki- series_#03” verzaubern. In einem tiefschwarzem Raum befinden sich drei rotierende Zeitskulpturen, die mittels 3D-Druck entstanden sind. Es handelt sich um weiße Geflechte, in denen menschliche Silhouetten zu erahnen sind. Verschiedene Lichtstrahlen und Bewegungen eröffnen dabei immer neue Perspektiven. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie kleine Figuren mittels Licht und Bewegung durch das Skelett tanzen, sich vermehren, um dann wieder zu verschwinden. Der Künstler Akinori Goto hat die zweidimensionalen Bewegungen von Videosequenzen in dreidimensionale Figuren übersetzt. Das japanische Wort Toki steht für „Zeit“ oder „Moment”. Der Künstler macht die Zeit sichtbar.

Mehr als ein Accessoire: Touchpoint Haut

Das Projekt “DuoSkin” hebt Bodyart in neue Sphären. Es handelt sich um einen technologischen Herstellungsprozess, der quasi die Haut digitalisiert. Mit Gold-Metall-Plättchen werden ästhetisch technologisierte Muster produziert, die wie ein Tattoo auf die Haut aufgetragen werden. Diese Art von individueller Körperkunst macht den menschlichen Körper zum Touchpoint: Sie ermöglicht die Steuerung externer Geräte durch Berührung der Haut und damit verbunden das Speichern und Anzeigen von Informationen.

Ist das Kunst?

Body Paint / Exonemo (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)

“Body Paint” besteht aus zwei bemalten Screens. Jeder von ihnen zeigt eine nackte und rasierte Person, die in der jeweils gleichen Farbe angestrichen ist. Dadurch verschwimmen die Grenzen: Es wirkt als handele es sich um zwei Kunstwerke auf Leinwand. Doch die porträtierten Figuren bewegen sich, da sich dahinter eben LCD-Bildschirme verbergen. Der Künstler Exonemo möchte die Existenz des Individuums in den Medien hinterfragen und spielt auf unsere permanente aber immaterielle Online-Präsenz an: ”Die Lebensdauer des menschlichen Körpers ist mehr oder weniger bekannt, aber das Fortleben von Daten, Farbe und Kunst ist nicht definiert. Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen für Körperkunst, figurative Malerei und Medienkunst verbinden sich jedoch in diesem Projekt miteinander, da die Arbeit einen gemeinsamen Nenner in der Gegenwart und der Existenz selbst sucht”.

In Berlin ist die kuratierte Export-Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017 geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

“Alles hängt von Ihnen ab. Um mitbestimmen zu können, in welche Richtung Sie sich selbst und unsere Welt verändern, brauchen Sie Offenheit und Neugierde. Wissen und Kritikfähigkeit. Mut und Optimismus. All das, was Sie eben zum Menschen macht” – so das Resümee der Kuratoren. Dem können wir uns nur anschließen.

 

Titelbild: @Florian Voggeneder

Straßenkunst Berlin: Graffiti Bär

Schau mir in die Augen Kleines:
Neues aus der Straßenkunst Berlin

Haltet die Augen offen: Dann blickt ihr in Berlin vielleicht schon bald in die blinden Augen der stylischen Streetart-Wesen des französischen Künstlerduos Kam und Laurene. Bei den Kunstwerken handelt es sich um bunte, augen- und mundlose, jedoch keineswegs ausdruckslose Gestalten. Ob man sie nun hübsch, niedlich oder eher gruselig findet – liegt wie so oft – im Auge des Betrachters! Der Großteil von ihnen wurde mit einem modernen Kurzhaarschnitt versehen und ist, wie es die Herkunft ihrer Gestalter vermuten und erwarten lässt, ganz en vogue gekleidet. Gepaart mit einer meist starren und unmotivierten Haltung, wirken die Figuren sehr minimalistisch und erhalten einen einzigartigen Stil.

Straßenkunst Berlin: Stylische Bezirks-Figuren


Doch auch die Umgebung, in die sie eingebettet sind, macht sie so einzigartig. Man erkennt die tendenziell eher kleinen Figuren auf dem Weg durch die Stadt nicht sofort. Erst, wenn man nicht immer nur bis zur nächsten Straßenecke schaut und den Blick auch mal nach oben oder in kleine Ecken schweifen lässt, wird man den kleinen Kunstwerken begegnen. Kamlaurene-Wesen luken aus Büschen hervor, drängen sich an Bordsteinkanten, auf Fensterbänke, hässliche U-Bahnfliesen, Dielenböden oder agieren plötzlich mit alten Graffitis als ein neues Gesamtkunstwerk. Auf seinem Instagram Account zeigt das Künstlerduo ausgewählte Werke in verschiedenen Städten. Neben Paris zählt dazu vor allem Berlin: Von Prenzlberg über Friedrichshain bis Kreuzberg, von Hauseingängen über S-Bahn-Stationen bis hin zu Stromkästen. Seht selbst:

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Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff