Kategorie: Berlin

Kunst 3 Bilder weißer Hintergrund zum Artikelthema DAM Gallery: Zwischen Historizität und Moderne

DAM Gallery:
Zwischen Historizität und Moderne

In Berlin kann in der DAM Gallery seit dem 15. November eine Ausstellung besucht werden, die das Thema Selfies völlig neu aufgreift. Die britischen Künstlerin Carla Gannis erschafft darin ein perfektes Zusammenspiel aus traditionellen Bildsujets und modernen Einflüssen aus dem 21. Jahrhundert. Genauso wie bei unserem letzten Besuch in der Gallery, fanden wir auch diese       Ausstellung unglaublich eindrucksvoll.    

 

DAM Gallery präsentiert “Until the End of the World”

Die DAM Gallery präsentiert die Einzelausstellung “Until the End of the World” von Carla Gannis. Sie ist eine in Oxford geborene Künstlerin, die heute in Brooklyn, New York lebt. 52 Wochen lang hat Gannis an einer Sammlung von 52 digitalen Zeichnungen, namens “The Selfie-Drawings”, gearbeitet. Dabei machte sie 2015 über das ganze Jahr Selfies von sich und setze diese in analoge und digitale Zeichnungen um. Innerhalb dieses Prozesses setzte sich die Künstlerin intensiv mit dem Thema “Selbst” auseinander. Die ,paradoxerweise, gezeichneten Selfies wurden außerdem Gegenstand eines neuen Projektes: “A Subjekt Self-Defiend”. Jedes Bild hat durch aufwendige Augmented Reality Anwendungen seine eigene 3D Wirklichkeit bekommen. Wer die Blippar App herunterlädt und sein Handy über die Zeichnungen schweben lässt, erlebt eine dynamische Animation auf dem Bildschirm.    

 

„Golden Shower“

DAM Gallery Carla Gannis „Golden Shower“

Das Bild namens “Golden Shower” zeigt eine Frau unter der Dusche, die von Bitcoins überschüttet wird. Obwohl es so aussieht, als ob sie in Selfie von sich machen will, sieht man auf dem Bildschirm des Handys ein altes Gemälde. Dabei handelt es sich um das historisches Gemälde “Danaë empfängt den Goldregen”. Danaë entstammt der griechischen Mythologie und wird von dem olympischen Gott Zeus verehrt. Weil sie sich für Zeus aufgrund seiner vielen Liebschaften nicht interessiert, beschließt er, Danaë auf anderem Wege Nahe zu kommen. Dafür verwandelt er sich unter anderem in Goldmünzen.

 

„Origin of the Universe“

DAM Gallery Carla Gannis „Origin of the Universe“

„Origin of the Universe” ist eine Anlehnung an Gustave Courbets Meisterwerk “Ursprung der Welt” aus dem Jahr 1866. Genauso wie bei dem Original ist das Gesicht der Frau verdeckt. Um die Skulptur in das 21. Jahrhundert zu transportieren, hat Gannis einen iPod hinzugefügt. Darauf befindet sich ein Video, das sich bewegende Formen in wechselnden Farben zeigt. Der besondere Clou zeigt sich im Dunkeln: Das Kunstwerk leuchtet.

 

„Electronic Graveyard/ The Upload“

DAM Gallery Carla Gannis „Electronic Graveyard/ The Upload“

Das Bild “ Electronic Graveyard / The Upload ” erinnert stark an einen Friedhof. Anstelle der Grabsteine befinden sich Smartphones auf dem Gras. Vor einem der Smartphones, steht eine Roboterfrau. Es ist eine Anspielung auf das Zusammenwachsen aller sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Systeme der modernen Gesellschaft in eine Software. Sie ist für Gannis der unsichtbare Leim, der alles zusammenhält. Das Wort “Persona” steht für die Identität, welche Menschen im Internet annehmen und anderen präsentieren. Auf dem Bild wird die “Persona” durch die Künstlerin selbst symbolisiert.

 

Ausstellung: 15. November – 20. Dezember 2017

Hier gibt es weitere Informationen

 

Beleuchtetes Tropenhaus im Botanischen Garten Berlin zum Artikel "Wie im Märchen: Der Christmas Garden Berlin"

Wie im Märchen:
Der Christmas Garden Berlin

Weihnachtszeit ist Märchenzeit. In Berlin verwandelt sich der Botanische Garten vom 16.11.2017 bis 7.1.2018 in einen Christmas Garden. In die vielfältige Natur zaubern zahlreiche Lichtinstallationen eine magisch-weihnachtliche Atmosphäre. Die Reise durch den Winterwald dürfte nicht nur Kinderaugen zum Leuchten bringen: Zu entdecken gibt es beispielsweise eine funkelnde 100-jährige Hängebuche, schwebende Sterne, einen schimmernden Schneeflockenteich und einen Hafen der Wünsche. Wer sich Weihnachts-, Winter- und Märchengeschichten nicht nur anschauen, sondern in sie eintauchen möchte, sollte sich seine Liebsten schnappen und dem Christmas Garden einen Besuch abstatten.

Die Reise durch einen funkelnden Märchenwald

Es war einmal…, Jonas Werner

Mit einem Glühweinpunsch in der Hand, geht es auf einem rund zwei Kilometer langen Rundweg vorbei an insgesamt 30 individuellen Lichtinstallationen mit Millionen von Lichtpunkten. Frostbeulen können sich an Feuerstellen oder in der “Santa Clause” aufwärmen. Mit zahlreichen regionalen und kulinarischen Gerichten wird hier auch für das leibliche Wohl gesorgt. Sogar ein Weihnachtsmenü kann reserviert werden. Unter den funkelnden Bäumen des Botanischen Gartens, darf eine Schlittschuhbahn natürlich ebenfalls nicht fehlen.

Lichtverzauberte Gärten: Eine Idee aus England

Kristallweg, Sven Bayer

Vorreiter und Ideengeber sind die Royal Botanic Gardens in Kew, London. Dort erstrahlen die winterlichen Gärten seit 2013 alle Jahre wieder in einer funkelnden Märchenlandschaft, die bereits mehr als eine halbe Million Besucher bestaunt haben. In Berlin feierte der Christmas Garden im vergangenen Jahr Premiere und wurde von der Presse und den Besuchern hoch gelobt. Auf Instagram tummelten sich etwa 4000 Fotos mit zahlreichen funkelnden Eindrücken. Nun soll der Erfolg fortgesetzt werden.

 

Aber Achtung: Um jedem Einzelnen einen besinnlichen Spaziergang ohne Hektik und Gedränge zu ermöglichen, gibt es Einlasszeiten im Einstundentakt mit einer begrenzten Aufnahme von Personen pro Stunde. Tickets können online gebucht werden.

 

Titelbild: Tropenhaus, @Sven Bayer

große Halle weiße Wände vier Frauen

Preis der Nationalgalerie 2017:
Kunstwerke über Klimawandel und Korruption

Die diesjährige Shortlist-Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin thematisiert gesellschaftliche Probleme wie den Klimawandel, Korruption und zwischenmenschlichen Machtgefüge. Wir haben die Ausstellung besucht und berichten über den Preis der Nationalgalerie 2017.

 

Nationalgalerie ehrt Gegenwartskunst

Der Preis der Nationalgalerie ist eine seit 2000 bestehende Auszeichnung für Künstlerinnen und Künstler unter 40, die in Deutschland leben und arbeiten. Er wird alle zwei Jahre verliehen und gehört zu den wichtigsten internationalen Preisen für Gegenwartskunst. Die Nationalgalerie möchte mit der Präsentation der jeweiligen Shortlist auf innovative Strömungen in der Kunst aufmerksam machen. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Werken neue Perspektiven eröffnen und auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen. Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska sind die vier Teilnehmerinnen der Shortlist, die von einer ersten internationalen Jury ausgewählt wurden. Jede von ihnen durfte im Museum für Gegenwart ihr Kunstwerk in einer gemeinsamen Ausstellung veröffentlichen. Der Preis der Nationalgalerie 2017 geht an Agnieszka Polska mit den UHD Animationen “The New Sun” und “What the Sun Has Seen (version II).                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

 

Agnieszka PolskaWhat the Sun Has Seen (Version II), 2017HD-AnimationInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA

Für ihre Filme hat Agnieszka Polska die Figur der “Kleinen Sonne” animiert und ihr ein puppenhaftes Gesicht mit riesigen Augen gegeben. Die Bild-, Sprach- und Tonelemente wirken auf den Zuschauer mal vertraut und beiläufig, mal eigenartig und bedeutungsschwer. Daraus entsteht ein Zusammenspiel, das die emotionalen Reize stimulieren soll. Mit ihren Animationen will Polska auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Die Sonne bekommt darin zwei sich auf den ersten Blick widersprechende Rollen: der hilflose Beobachter und der unausweichlich Eingreifende in die Ereignisse.

 

 

Sol CaleroAmazonas Shopping Center, 2017Installationsansicht Hamburger Bahnhof Installationsansicht Hamburger Bahnhof Installationsansicht Hamburger Bahnhof © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor GoodTrevor / Courtesy Courtesy the artist, Laura Bartlett Gallery, London

Ähnlich wie Polska arbeitet Sol Calero mit einer dem Zuschauer bekannten Ästhetik. Sie interessiert sich für “lateinamerikanischen Identität” und kulturelle Codes, die in ihren Werken zum Ausdruck kommen. Mit der Installation “Amazonas Shopping Center” möchte Calero auf Probleme wie Korruption und die Hyperinflation in ihrem Heimatland hinweisen. Allein durch die Vielfalt an auffälligen Farben sticht das Gesamtwerk deutlich heraus. Sie sei der Meinung, dass auch Künstlerinnen und Künstler die Hochkunst betreiben, nicht automatisch auf viel Farbe verzichten müssen.

 

 

Iman IssaHeritage Studies, 2015-2017Verschiedene MaterialienInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy the artist and carlier | gebauer

Iman Issa beschäftigt sich mit der Frage nach der Relevanz und Gegenwärtigkeit von geerbter Kultur. Die Serie “Heritage Studies” besteht aus unterschiedlichen Skulpturen, die alte Kunstwerken und Kulturgüter aus ihrer heutigen subjektiven Sicht darstellen. Allein die Recherche zu diesem Projekt, die bereits 2013 startete, habe sehr lange gedauert. Auf den ersten Blick wirken die Skulpturen wie reduzierte Studien zu Form und Material. Texte an der Wand geben jedoch Aufschluss darüber, worauf sich das jeweilige Werk bezieht.   

 

 

Jumana MannaInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor Good / Courtesy the artist & CRG Gallery, New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Künstlerin Jumana Manna erkundet die Wechselwirkungen von sozialen, politischen oder zwischenmenschlichen Machtgefügen mit dem menschlichen Körper. Ihre Filme verknüpfen Fakten und Fiktion, genauso wie Autobiographisches und Archivmaterial. Dadurch untersucht Manna Überschneidungen und Konstrukte nationaler und ideologischer Narrative. Das Gesamtwerk bekommt durch das Metallgerüst einen gewollt unfertigen Charakter. Zusammen mit überdimensionalen Körperteile aus Gips und Plastikstühlen, erinnert die Installation entfernt an archäologische Ausgrabungen oder Baustellen.

 

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Titelbild: David von Becker

Straße Farbe T-Shirt Mann zum Artikelthema Raubdruckerin

Die Raubdruckerin:
Kunst von der Straße

Wer glaubt, dass Gullideckel nichts schönes an sich haben, der kann sich von der Raubdruckerin eines besseren belehren lassen. Seit 2006 werden urbane Flächen, innerhalb des Street-Printing-Projekts zur Druckvorlage für Kleidungsstücke und Taschen. Begonnen in Berlin reist das Team mit Farbe und Malerrolle in alle Metropolen der Welt.   

 

Gullideckel-Hoodies

Die Künstlerin Emma-France Raff ist die Gründerin des experimentellen Druckprojekts “Raubdruckerin”. Dabei werden Muster von Gullideckeln, Gittern und anderen Architekturelementen aus Großstädten genutzt, um sie als Druckplatte für Stoffe und Papier zu verwenden. Neben ihrer Heimatstadt Berlin, Barcelona, Amsterdam, Lissabon und vielen mehr, sind seit kurzem auch noch Wien und Budapest dazugekommen. Die Oberflächen der Städte dienen der Raubdruckerin als frei zugängliche Druckplatte. T-Shirts, Hoodies, Gym Bags, Tote Bags und Poster bekommen auf diese Weise einzigartige graphische Muster. Wie ein Blick auf den Onlineshop verrät, kommt die Streetwear-Kollektion super an: viele Teile sind bereits ausverkauft.

 

Die Raubdruckerin bei der Arbeit

Street Art mal anders

Was für eine künstlerische Bedeutung hinter der Raubdruckerin steckt, verrät Emma-France auf ihrer Website. „Die daraus entstehende, urban inspirierte Kunst ist in gewisser Weise umgekehrte Street Art, da dem städtischen Raum etwas entnommen wird und Menschen es durch die Welt tragen. Sie werden selbst Teil des Projektes.“ Alle Sachen aus dem Onlineshop wurden vorwiegend im öffentlichen Raum in einem Low-Tech-Druckverfahren hergestellt. Das bedeutet, dass außer Malerrolle und Farbe keine weiteren Materialien verwendet werden. Diese Herstellungsweise macht die Produkte zu etwas Besonderem, da sie sich von der typischen Massenware abheben.     

 

Bedrucktes T-Shirt aus Budapest

 

Raubdruckerin hat Blick für Details       

Der Fokus des Projekts liegt auf der Entdeckung von Flächen in der Stadt. Dinge, die von den meisten Leuten übersehen werden, stellen sich als urbane Designerstücke heraus. Viele unbeachtete Teile von Städten, stecken auf den zweiten Blick voller Geschichte, Vielfalt und Kreativität. Das Team von der Raubdruckerin verwandelt Details in ein Image, das Menschen gerne in Form von Streetwear tragen wollen. Trotzdem ist die Idee, die Stadt als Druckfläche zu benutzen, nicht neu. Bereits Ende der 80er Jahre haben die Künstler Andreas und Mathias Pohlmann die Technik für Papierdrucke genutzt. Auch heute setzen mehrere Künstler wie Ruppe Koselleck, die Stadt als Druckplatte für ihre Werke ein.

 

 

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Bilder: Raubdruckerin

 

Kinder Dreirad an Laterne angeschlossen auf dem Bürgersteig zum Thema Berliner Kindheitsgeschichten

Berliner Kindheiten:
Ein Blog von Johannes Zillhardt

Die Berliner beklagen ja immer, dass es keine Berliner mehr gibt und, dass sie die letzten ihrer Art sind – so Johannes Zillhardt. Dem möchte er mit seinem Blog Berliner Kindheiten entgegenwirken. Hier sammelt Johannes die Kindheitsgeschichten der Stadt. Johannes Zillhardt ist freier Redakteur und Dozent für kulturelle Bildung an einer Berliner Berufsschule. Er selbst kommt aus Essen, lebt aber aktuell in Wedding. Uns hat er von den Erinnerungen und Wohnzimmergesprächen der Stadt erzählt.

Wie bist Du auf die Idee gekommen Berliner Kindheitsgeschichten zu sammeln?

Ich habe früher in der Böckhstraße in Kreuzberg gewohnt. Meine Nachbarin war Frau Gasche, Jahrgang 27. Sie ging zwei Mal am Tag mit ihrem Hund Janni Gassi. Auf dem Rückweg hat sie jedes Mal geklingelt oder geklopft und einen Vorwand gefunden, warum jetzt ganz dringend jemand hoch kommen müsste. Ich war eigentlich jeden Tag einmal bei ihr. Sie war eine süße Frau und irgendwie auch einfach cool. Wir hatten Briefkästen, wo die Post direkt in die Wohnung geworfen wird. Sie hat dann den Briefkastenschlitz immer hochgeklappt und ”huhu Hannes bist du da? Ich brauche was, ick seh Euch doch, ick seh Euch doch” gerufen. Irgendwann hat sie mir die Story erzählt, dass sie in meiner Küche geboren ist und, dass sie in ihrem ganzen Leben quasi nur ein Mal ein Stockwerk nach oben gezogen ist. Sie hat als Näherin für H&M am Heinrich-Heine-Platz gearbeitet, aber ansonsten fand eigentlich alles in diesem Haus statt. Dann haben wir uns zum Kartenspielen verabredet. Sie hat von ihrer Kindheit erzählt und davon, wie Kreuzberg früher aussah. Die Kamera lief die ganze Zeit mit. Nach und nach hat das dann immer lauter gerufen “mach was damit”. Und dann habe ich angefangen andere Kindheiten zu sammeln und habe bei Leuten rumgefragt, ob sie in Berlin geboren sind. Weil die Berliner beklagen sich ja immer, dass es keine Berliner mehr gibt und, dass sie die letzten ihrer Art sind. Gut, dachte ich – dann werden die jetzt gesammelt.

Gibt es eine Geschichte, die Dich besonders gepackt hat?

Ich mag die Storys alle gerne. Es gibt keine spektakulären Geschichten. Es sind alles eher alltägliche Sachen. Es gibt Personen, die mir sehr am Herzen liegen. Zum Beispiel eben Frau Gasche. Die hat eigentlich eine ganz harte, triste Kindheit gehabt. Keiner wollte sie. Sie wurde immer abgeschoben, aber es war eine extrem witzige und lebensfreudige Frau. Im Interview mit Wolle, habe ich ihn gefragt, ob er ein eigenes Kinderzimmer hatte. Da sprang er sofort in die Szene rein und spielte seinen Vater: “Wie? Eigenes Zimmer? Du? Hast ja wohl nen Schatten oder wat?”. Solche Personen berühren mich. Die Geschichten selber sind auch toll, aber noch mehr mag ich die Art der Leute, wie sie die Storys erzählen.

Warum hast du Dich für einen Blog als Medium der Veröffentlichung entschieden? Oder hattest du auch noch andere Ideen?

Die Kernidee war eigentlich kein Block. Es gibt einen Amerikaner, „Studs“ Terkel, der hat ziemlich dicke Bücherbände über Amerika verfasst. Der eine Band heißt „Work“. Da erzählen 200 Amerikaner von ihrer Arbeit. Der andere Band heißt „Dreams“. Da erzählen 200 Amerikaner von ihren Träumen. Es gibt verschiedene Bände, wo er ganz verschiedene Leute in Amerika thematisch ‘abinterviewt’. Da kann man Ewigkeiten mit verbringen, weil man da ganz toll amerikanisches Alltagsenglisch lernen kann. Es hat mich immer geärgert, dass es das im deutschen Raum nicht gibt. Das war mein ganz privater Säulenheiliger. Die Idee war von Anfang an so ein Lesebuch zu haben, aus 100 Jahrgängen und aus jedem Jahrgang einen zu finden, der seine Kindheit erzählt und, dass neben 80-Jährigen auch 16-Jährige erzählen. Der Blog ist jetzt eher so dazwischen. Das ist wie so eine lange Werbekampagne für das Buch irgendwann, aber der Blog bringt im Augenblick extrem viel Spaß. Seitdem ich es online gestellt habe, haben mir bestimmt schon 500 Leute gemailt, die so etwas schreiben wie: „Hey das würde ich auch gerne machen“, oder „ich erinnere mich auch“, oder „kannst du mal bei Frau so und so nachfragen, ich habe mal in der gleichen Straße gewohnt – erinnert die sich auch an folgende Sache?“. Auf einmal hast du ein Vielfaches an Kommunikation oder an Anstößen. Es wächst und das ist das Entscheidende.

Zeichnen sich zwischen den Bezirken Unterschiede ab?

Man merkt, wo die Leute herkommen. Das ist auch von den sozialen Lagen in den Bezirken und der Zeit, in der sie dort gelebt haben, abhängig. Wolle zu Beispiel, ein Arbeiterkind aus dem Wedding, der Berlinert ganz anders, sitzt nie still und raucht. Und dann ein Steglitzer, Akademiker-Sohn, bürgerlich, der sitzt mit einer ganz anderen Haltung da. Der ist gesetzter und nicht so impulsiv. Schon bevor das Interview losging, hat er sich ein paar Punkte gesetzt, die er auf hochdeutsch erzählt. Das ist auch spannend, aber eben eine ganz andere Welt.  Auch das Alter hat einen Einfluss. Umso jünger die Leute sind, desto mehr muss ich dabei helfen zu erinnern. Mit 20 denkt man noch nicht so viel über die Kindheit nach, sondern ist eher noch dabei das eigene Leben selbst aktiv zu gestalten. Ab 80 haben die Leute richtig Spaß daran da einzusteigen. Da merkst du auch: Die gucken anders. Irgendwann schweifen die Blicke an die Zimmerdecke ab und du merkst die sind jetzt nicht mehr bei dir, sondern in der Wohnung, von der sie gerade erzählen, oder sehen die Leute live vor sich. Das ist eine schöner Moment im Interview: Wenn du merkst, die sind wirklich in der Szene drin. 

Was ist typisch für die Berliner Kindheit?

So eine Art Standardkindheit gibt es eher nicht. Eigentlich haben alle einen gewissen Berlin-Stolz. Für viele ist es etwas Besonderes Berliner zu sein. Auch innerhalb von Berlin herrscht ein Kietzstolz. Es gibt natürlich ein paar historische Marken, die viele erlebt haben. Bei einigen ist es der Mauerbau oder das Kriegsende, bei anderen der Mauerfall, die Wende. Die Loveparade ist bei den Jüngeren ein Fixum, das sie miterlebt haben. Die Erlebnisse in der Stadt sind meistens sehr entscheidend in der Erinnerung.  Ich finde die älteren Generationen der Westberliner sind immer spezieller, weil die noch ein starkes gemeinsam geteiltes Inselgefühl haben. Die Ostberliner teilen häufig die zwei Identitäten. Das merkt man schon, dass das teilweise zwei voneinander getrennte Blöcke sind.

 
Und was sagt Wolle zu der Idee? Ihm hat die digitale Konservierung seiner Kindheit Spaß gemacht: „Das ist ein Projekt, dem ich uneingeschränkt zustimmen konnte. Da kam er dann an, mit seiner Kamera und hat die aufgebaut und los ging es.  Auf manche Sachen wäre ich so auch nicht gekommen, so Fragen wie, an welchen Geruch oder welches Geräusch erinnerst du dich?“

Bist Du selbst Berliner, oder kennst jemanden, der ein waschechter Ur-Berliner ist? Dann melde Dich bei Johannes  auf facebook oder per Mail an: berliner.kindheiten@gmail.com. Zur Zeit werden insbesondere noch Berliner aus den 1910er und 1920er Jahrgängen, sowie aus Ost-Berlin gesucht. 

viele Menschen viele Stühle Bilder Stehtische zum Artikelthema Sony World Photography Awards

Sony World Photography Awards 2017:
Ausstellung regt zum Nachdenken an

Im Willy-Brandt-Haus wurden die 200 Gewinner des Sony World Photography Awards 2017 ausgestellt. Professionelle Fotografen und Amateure beeindrucken mit kritischen politischen und sozialen Fotografien, die einen zum Lachen oder auch zum Nachdenken bringen.

 

Großes Interesse für die Sony World Photography Awards

Die Eröffnung der Sony World Photography Awards Ausstellung hat gestern im Willy-Brandt-Haus stattgefunden. Wie die hundert Meter lange Schlange vor der Location zeigte, war das Interesse riesig. Kein Wunder, schließlich handelt es sich um den größten Fotowettbewerb der Welt. Stolze 227.000 Einreichungen aus 183 wurden von einer Fachjury begutachtet. Im Willy-Brandt-Haus in Berlin können zum ersten und einzigen Mal 200 Fotos aller Preisträger betrachtet werden. Der Fokus liegt, deutlich sichtbar, auf international politischer und sozial engagierter Fotografie. Von Naturaufnahmen, über Porträts, zu abstrakten Fotos ist alles dabei. Der Award wurde von der Sony World Photo Organisation (WPO) ins Leben gerufen. Ziel ist es, studentische Fotografie zu fördern und eine globale Plattform zur Kommunikation, Kollaboration und Präsentation aktueller Trends für die Fotoindustrie zu erschaffen.  

 

Sandra Hoyn: “Die Sehnsucht anderer” (1. Platz in der Kategorie Alltag)

“Die Sehnsucht anderer” von Sandra Hoyn

Viele der bewegenden Einreichung sprechen ethische und soziale Probleme an. Wie beispielsweise Sandra Hoyn mit ihrer Fotoserie “Das Verlangen der Anderen”. Sie bildet den “Alltag” von Sexarbeiterinnen im Kandapara Bordell ab.  Eine große Anzahl der 700 Frauen wurden von Menschenhändlern dorthin verkauft oder sind innerhalb der Mauer geboren.  Die Unterdrückung, die Gewalt und die Hilflosigkeit kann man den Frauen auf den Bildern deutlich ansehen. Es verdeutlicht auch,  dass Frauenrechte in vielen Ländern nach wie vor nonexistent sind. 

 

Yuan Peng: „Die Zwillinge und ihr Traum vom Turnen“ (1. Platz in der Kategorie Sport)

„Die Zwillinge und ihr Traum vom Turnen“ von Yuan Peng

Die zwei Mädchen auf dem Foto sind die Zwillingsschwestern Liu Bingqing und Liu Yujie. Seit ihrer frühesten Kindheit begeistern sie sich für das Turnen. Das Bild wurde in einer Sportschule in Jining, in der chinesischen Provinz Shandong, aufgenommen. Dort trainieren sie extrem hart für ihren Traum, professionelle Turnerinnen zu werden.

 

 

Christian Vizl: „Stilles Königreich“ (3. Platz in der Kategorie Natur)

„Stilles Königreich“ von Christian Vizl

Seit seiner Kindheit fühlte Christian Vizl sich zum Meer hingezogen. Er fragte sich, was sich unter den Wellen verbirgt und wie es aussehen würde, wenn das Wasser plötzlich verschwände. Mit dem Foto “Stilles Königreich” will Vizl die Essenz des Erlebnisses einfangen und in die Welt der Meerestiere eintauchen. So kann der Betrachter dessen ganze Pracht, Schönheit und wahre Natur mit eigenen Augen sehen.

 

 

Student Focus

Bilder aus der Kategorie „Student Focus“

Der Student Focus Wettbewerb ist eines der weltweit führenden Award-Programme für Studenten der Fotografie. Jeder, der in die Vorauswahl gelangt ist, bekommt eine Digitalkamera-Ausrüstung von Sony und einen Flug nach London, um an der Preisgala der Sony World Photography Awards teilzunehmen. Der Sieger gewinnt Foto-Equipment von Sony im Wert von 30.000 US-Dollar für seine Hochschule.

 

 

Carloman Macidiano Céspedes Riojas: „Zufallsbekanntschaft“ (1. Platz beim National Award)

„Zufallsbekanntschaft“ von Carloman Macidiano Céspedes Riojas

Riojas hat bei diesem Bild auf eine Beschreibung verzichtet. Es ist überwiegend in dunkle Farben getaucht. Die zwei Männer sind die einzigen Lichtpunkte in dem Foto. Als Betrachter fragt man sich, ob der Mann im Vordergrund über diese „Zufallsbekanntschaft“ wirklich glücklich ist oder ob er diese eventuell sogar bereut.  

 

 

Hier gibt es weitere Informationen zu der Ausstellung

 

dunkler Hintergrund rote Leuchtbuchstaben zu dem Artikelthema Techno Club in Berlin

Neuer Techno Club in Berlin:
Das OST löst Magdalena ab

Welche Stadt ist besser für seine Techno- und Elektroszene bekannt als Berlin? Richtig, keine! Um diesem Ruf gerecht zu werden, eröffnet im November ein neuer Techno Club in Berlin-Friedrichshain. Das OST trumpft nicht nur mit einer besonderen Location, sondern auch mit einem vielversprechendem Soundsystem auf.

 

Techno Club in Berlin erregt Aufmerksamkeit

Am 4. November eröffnet in Friedrichshain nämlich ein neuer Club: das OST. Es befindet sich auf dem ehemaligen Gelände des legendären Magdalena zwischen Treptower Park und Ostkreuz. Eigentlich ist es nichts neues, dass Berlin ein Mekka für Elektro- und Technoliebhaber ist und trotzdem bekommt die Eröffnung mehr Aufmerksamkeit als sonst. Das liegt nicht zuletzt an der Wahl der Location. Der Club zieht in das Gebäude ein, in dem vorher die Berliner Institution „Magdalena“ beheimatet war. In den Neunzigern hieß das Magdalena noch Maria am Postbahnhof. Später musste der Club mehrfach den Standort und den Namen ändern. Im Juni 2016 meldeten die Betreiber Insolvenz an, was in einem erbitterten Rechtsstreit endete.

 

Bekannte Gäste und perfekter Sound

Der Club hat das Pioneer Pro Audio Soundsystem des Magdalena übernommen, was einzigartig in Berlin ist. Für den perfekten Bass zum Techno und den richtigen Sound ist damit auf jeden Fall gesorgt. Das alte Kraftwerk aus dem Jahr 1903 bietet viel Platz zum Tanzen und Party machen. Weitere Details, außer dass es mehrere Floors gibt, sind bisher nicht bekannt. Ob der Außenbereich an der Spree auch bespielt wird, wurde ebenfalls noch nicht bestätigt. Für den Eröffnungsabend sind Vakula, LA-4A, John Osborn und Jennifer Touch angekündigt. Der Eintritt kostet zehn Euro.

 

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Top 10 Berlin Events
im November

Wir bewegen uns immer schneller auf die kalte Jahreszeit zu. Umso schöner ist es, sich (warme) Theateraufführungen, Kunstausstellungen oder Festivals anzusehen. Der November hat in Sachen Berlin Events nämlich einiges zu bieten: Egal ob Nachtflohmarkt, Märchenstunde oder Museumsbesuch im Dunkeln – hier werdet ihr sicher fündig!

 

Märchenhaftes Schauspiel: Berliner Märchentage

Die diesjährigen Berliner Märchentage verzaubern uns unter dem Motto “Die Liebe ist eine Himmelsmacht” mit Geschichten, die sich mit Liebe und Hass auseinandersetzen. Sie sollen verdeutlichen, dass vor allem das Thema Liebe in Zeiten von Völkerwanderungen, Unruhen und kriegerischen Auseinandersetzungen unverzichtbar ist. Die Märchen werden in Bibliotheken, Buchhandlungen, Schulen und vielen weiteren Orten stattfinden.

 

Wo: verschiedene Orte in Berlin

Wann: 09. – 26.11.2017

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3 Tage Kunst: Messe für Gegenwartskunst

Wie der Name der Messe schon verrät, stellen professionelle Künstlerinnen und Künstler, die im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf leben und arbeiten, für drei Tage ihre Werke aus. Dafür wurden 28 Kunstschaffende von einer unabhängigen Fachjury ausgewählt. Die Veranstaltung findet in der Kommunalen Galerie Berlin statt. Die Genres der Werke reichen von Fotografie über Druckgrafik bis zu Malerei. Der Eintritt ist frei.

 

Wo: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10613 Berlin

Wann: 03.-05.11.2017

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Schöneberger Art 2017 Galerierundgang & offene Ateliers

Dieses Jahr feiert der Galerierundgang und die zugehörigen offenen Ateliers ihr 10-jähriges Jubiläum mit 78 Künstlerinnen und Künstlern und 15 Galerien. Das Kunst-Event wurde 2008 mit dem Ziel gegründet, die Vielfalt und die Professionalität der Künstler in Schöneberg zu stärken. Gleichzeitig sollte die Kunst einem breiten Publikum nahe gebracht werden. Tatsächlich steigen jedes Jahr die Besucherzahlen und der Rundgang erfreut sich einer immer größer werdenden Bekanntheit.

Wo: Grunewaldstraße 79, 10823 Berlin

Wann: 04.-05.11.2017

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Schnäppchen jagen bei Nacht: Yaam Nachtflohmarkt 

Shoppen, Tanzen, Schlemmen: das alles bietet der Yaam Nachtflohmarkt. Bei Mondschein kann alles ge- und verkauft werden, was sonst in Kellern oder Dachböden verstaubt. Außerdem erwarten einen verborgene Musikschätze aus der Perlentruhe und kulinarische Köstlichkeiten aus Brasilien oder der Karibik. Besonderes Highlight: die anschließende Aftershowparty!

 

Wo: An der Schillingbrücke 3, 10243 Berlin

Wann: 10.-11.11.2017

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LOST WORDS – Installation in der Nikolaikirche

Das Innere der Nikolaikirche wird dank der Rauminstallation von Künstlerin Chiharu Shiota in einen neuen Assoziations- und Denkraum verwandelt. Anlass des Events ist das 500-jährige Jubiläum der Reformation, zu deren Zentren auch die Berliner Nikolaikirche zählte. Schwarze Fäden, in die Bibelseiten in verschiedenen Sprachen eingewoben sind, symbolisieren die globale Verflochtenheit der Reformation und der biblischen Botschaft. Shiota spricht mit LOST WORDS aktuelle Debatten um Migration und Integration an.

 

Wo: Nikolaikirchplatz 1, 10178 Berlin

Wann: 18.10-19.11.2017

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Insekten auf Leichen: Dr. Mark Benecke

Halloween ist dann zwar schon vorbei, aber wer sich weiter gruseln möchte, ist bei diesem Event genau richtig. Kriminalbiologe Dr. Mark Benecke widmet sich skurrilen Fragen über die Existenz von den unterschiedlichsten Kriechtieren an Tatorten und wie diese dabei helfen können, Mörder zu entlarven. Ein spannender Einblick in das Leben eines Kriminalbiologen, dessen Job nicht der Tod sondern das Leben nach dem Tod ist.

 

Wo: Huxleys Neue Welt, Hasenheide 107, 10967 Berlin

Wann: 17.11.2017

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Eröffnung: Ausstellung 2017 Sony World Photography Awards

Einer der größten Fotowettbewerbe der Welt bietet Besuchern zum dritten Mal eine unfassbare Vielfalt an Fotografien, die zum Lachen oder auch zum Nachdenken anregen. Egal ob ruhige Landschaftsbilder aus abgelegenen Regionen der Welt oder Fotoserien über das Leben von Sexarbeiterinnen in Indien – Diese Ausstellung ist für Fotografie Liebhaber ein Muss.

 

Wo: Willy-Brandt-Haus, Wilhelmstraße 140, 10963 Berlin

Wann: 07.11.2017

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Taschenlampenführung für Erwachsene

Als ob ein 13 Meter großes Dinosaurierskelett nicht schon bei Tag furchteinflößend genug wäre, gibt’s das ganze jetzt auch im Dunkeln. Das Museum für Naturkunde Berlin lädt zu einer nächtlichen Tour durch die dunklen Museumsräume und die wissenschaftlichen Sammlungen ein. Teilnehmer können das Museum dabei auf eine ganz neue Weise erleben. Taschenlampe nicht vergessen!

 

Wo: Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin  

Wann: 04.11.2017

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interfilm Festival: Eject XX

Das kurioseste Filmfest des Jahres, oder auch Allerzeiten, findet erneut auf der Berliner Volksbühne statt. Während die Teilnehmer versuchen sich gegenseitig mit den verrücktesten Einreichungen zu übertrumpfen, hat am Ende allein das Publikum in der Hand wer den Sieg mit nach Hause nimmt.

 

Wo: Volksbühne Berlin, Rosa-Luxemburg-Platz, 10178 Berlin

Wann: 24.11.2017

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Call for Performers Luftartistik Gala

Am 11. November führen Artisten eine atemberaubende Show in luftiger Höhe im Rahmen der Luftartistik Festspiele Berlin vor. Wer nicht nur zugucken sondern auch mitmachen will: Es werden regelmäßig Workshops angeboten, in denen man in die Welt der Luftartistik hineinschnuppern kann.   

 

Wo: Pfefferberg Theater, Schönhauser Allee 176/Haus 15, 10119 Berlin

Wann: 11.11.2017

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Schwimmendes Museum
verschönert die Spree

Das neue Hafenprojekt in Berlin soll ein Stück Geschichte begehbar machen. Was damalige Exilsuchende in der DDR vor der Flucht abhielt, wird jetzt zu einer Art Kunstwerk. Und das, obwohl das Projekt schon kurz vor dem Aus stand. Glücklicherweise bekommt Berlin nun doch die Chance, Nostalgie mit Moderne zu verbinden.

 

Ausstellung auf dem Wasser

Der historische Bröckel-Steg wird zum Zentrum des neuen Hafenprojekts in Berlin-Treptow. Geplant ist der Bau eines 220 Quadratmeter großen, schwimmenden Museums, in dem Ausstellungen über Berlins Binnenschifffahrt gezeigt werden. Bis 2022 will der Senat 4,7 Millionen Euro in das Projekt investieren. Der 480 Meter lange Betonsteg ist die letzte Erinnerung an die Wassergrenze zwischen dem seinerzeit getrennten Berlin. Zu DDR-Zeiten sollte er Menschen an der Flucht über das Wasser hindern. Vor einigen Jahren stand der historische Steg kurz vor seinem Abriss. Der Abtransport von 2.300 Tonnen Stahlbeton ist bereits in Auftrag gegeben worden, was jedoch mithilfe von Protesten verhindert werden konnte. Seitdem steht das Berliner Monument unter Denkmalschutz.

Stärkung der regionalen Wirtschaft

Mitinitiator Rainer Klemke freut sich sehr, dass die Finanzierung jetzt stehe. Neben dem Museum wird ein neuer Wasserweg mit Schautafeln gebaut. Außerdem sind Ausflugsdampfer und eine Museumslinie mit der “Heinrich Zille”, Baujahr 1896, geplant. Der Landzugang wird sich neben der Arena in Treptow befinden. Ein weiteres Highlight soll das begehbare Dach werden. Ganze 16 Museumsschiffe sollen die Anlage schlussendlich umrahmen. Tatsächlich ist das aufwendige Hafenprojekt nur ein Anfang, um die regionale Wirtschaftsstruktur zu unterstützen. 100 Millionen Euro von Bund und Land hat der Senat bereits an weitere Projekte verteilt. Eines davon ist beispielsweise der Umbau des ehemaligen US-Krankenhauses in Dahlem in ein Gründerzentrum für stolze 48,7 Millionen Euro.

 

U-Bahn Station Friedrichstraße Kunst in Berlin

U6 & U8:
Unterirdische Kunst in Berlin

Normalerweise ist das Berliner U-Bahn-Leben geprägt von wartenden Fahrgästen mit Smartphone-Scheuklappen, Menschenströmen und einem hektischem Gewusel vor dem Hintergrund kalter Fliesenwände. Zwei besondere Kunstprojekte wollen diese Einbahnstraße nun aufbrechen und laden dazu ein, einmal inne zu halten, nach links und rechts zu schauen und dem Stadttrubel für einen Augenblick zu entfliehen. Während das studentische Werk “moving – images –underground” zwischen bekannten Werbeanzeigen im U-Bahnhof Friedrichstraße für Irritation sorgt, lichtet der Fotograf Leon Kopplow in seinem Projekt Personen aus der U8 ab. Kann Kunst unterirdisch sein? Und ob!

Mit Charmehaaren datenlos durch die Nacht

 

Auf dem Bahnsteig der U-Bahn-Linie 6 können sich die Fahrgäste  ihre Wartezeit bis zum 31. Oktober mit den Videoarbeiten von Studenten der Universität der Künste verkürzen. “Moving – images –underground” lautet der Titel des Projektes der Fachbereiche Visuelle Kommunikation und Kunst und Medien. Das Projekt entstand durch eine Kooperation zwischen der Universität und der Wall GmbH. Die Werke erscheinen immer mal wieder zwischen den klassischen Werbeanzeigen auf den Reklame-Projektionsflächen. Sie sorgen so nicht nur für eine erfrischende Abwechslung, sondern auch für Verwirrung. Trotzdem die Videos jeweils sehr kurz sind, gelingt es den Künstlern die Beobachter zum Nachdenken anzuregen. Dabei fallen Stichworte wie “Charmehaare”, “Dieser Spot ist keine Kunst” oder “#stayimperfect”. Die Auswahl der gezeigten Arbeiten erfolgte durch eine Jury aus UdK- und Wall-Mitarbeitern.

Wer sitzt da eigentlich neben mir? Kunst in Berlin

In der U-Bahn zeigt sich immer wieder das gleiche Bild: Alle starren auf ihr Smartphone. Und wenn nicht, dann lesen sie zumindest in einer Zeitung, hören mit geschlossenen Augen Musik oder schlafen. Jeder ist in eine Sache vertieft und dadurch irgendwie isoliert. Kaum jemand schaut sich noch um. Dabei kann es durchaus interessant sein, den Sitznachbarn einmal zu beobachten. Dies soll keine Anregung zum Stalking sein, sondern vielmehr dazu anregen, dass sich ein Blick für die Mitmenschen lohnen kann. Dies dachte sich auch der Fotograf Leon Kopplow in seinem interessanten Fotoprojekt. Er sprach ihm wildfremde Personen in der U8 an und fotografierte sechs Tage lang über 100 Fahrgäste. Um die Vielfalt der Linie darstellen zu können, konzentrierte er sich dabei auf die U-Bahnhöfe Weinmeisterstraße in Mitte und Boddinstraße in Neukölln. Die Fotos entstanden nicht direkt in der U-Bahn sondern in kleinen, sich in der Nähe befindlichen Räumlichkeiten. Die Bilder zeigen die Vielfalt der Berliner Fahrgäste und lassen hinter die Fassade blicken: „Der Moment auf dem Bahnsteig wird konserviert und der Mensch bekommt durch die bildliche Isolation vor Weiß eine ganz neue Qualität.  Jeder Mensch, jedes Gesicht enthüllt etwas geheimnisvoll Eigenes, vielleicht sogar Verletzliches, dass nur in der Ruhe des Fotos zum Vorschein tritt“, so Leon Kopplow über sein Fotoprojekt.

 

Fotoprojekt von Leon Kopplow