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Mädchen mit Zöpfen und Kussmund zum Artikel Vorher-Nachher-Bilder: Wild fremd geknutscht!

Vorher-Nachher-Bilder:
Wild fremd geknutscht!

Wie verändern sich die Gemüter der Menschen, nachdem sie geküsst wurden? Das fragte sich die Fotografin Johanna Siring in ihrer Fotoserie “Kiss of a stranger”. Dafür besuchte die Künstlerin ein Festival und knutschte vor Ort wildfremde Personen – unabhängig von Geschlecht und äußerlichen Merkmalen. Was das Kunstwerk so interessant macht ist, dass sie diese vor und nach dem Lippenbekenntnis ablichtete. Da verwandeln sich die coolsten Poser zu gelösten und strahlenden Gesichtern, die den Moment offenbar einfach nur genießen.

Vorher-Nachher-Bilder geknutschter Festivalbesucher

Johanna Siring ist gebürtige Norwegerin und lebt aktuell in New York. Ihre Liebe zur Festival-Atmosphäre, verband die Künstlerin mit einem spannenden Foto-Experiment. Auf dem dänischen Roskilde sprach sie ihr fremde Besucher an und fragte, ob sie damit einverstanden wären, geküsst und fotografiert zu werden. Die Personen wurden dann vor und nach dem intimen Moment porträtiert. Dabei reagierte jeder Kusspartner anders: „Einige habe mich nur kurz geküsst und sind danach in Gelächter ausgebrochen, andere haben direkt mit mir rum gemacht“, sagt die Fotografin dem Magazin i-D.

Wie die Fotos zeigen ist das was sie eint, die verwandelte Mimik, Gestik und Aura. Auf den Vorher-Bildern merkt der Betrachter, dass sich die Person über ihre eigene Wirkung Gedanken macht, dass sie versucht ein ganz bestimmtes Bild von sich nach Außen zu tragen. Manche schauen gekonnt lässig, andere versuchen das süße Mädchen zu mimen. Wie die Nachher-Fotos zeigen, ist vieles davon nur Fassade. Johanna Siring findet jeden Menschen fotogen und interessant. Sie möchte die Einzigartigkeit und das wahre Wesen eines Menschen ergründen und fotografisch festhalten.

Zu Risiken & Nebenwirkungen eines Kusses fragen Sie ihren Arzt oder Körper

Der Knutscher zauberte fast allen Geküssten ein natürliches Lächeln ins Gesicht. Doch mit Magie hat das (auch wenn es noch so schön klingt) gar nicht so viel zu tun. Berühren sich die Lippen, werden deren Nervenenden angeregt. Durch einen Kuss schüttet der Körper Dopamin aus, welches wiederum den Oxytocin-Spiegel ansteigen lässt. Stresshormone weichen Glückshormonen. Und die wollen schließlich irgendwo hin. Kein Wunder also, dass die abgelichteten Festivalbesucher auf den zweiten Porträts Funken versprühen.

Menschen durch einen Knutscher kennenlernen

Gleichzeitig nimmt ein derartig intimer Moment die Anspannung und Unsicherheit gegenüber dem Fremden und schafft eine emotionale Bindung. Dem Magazin i-D beschreibt die Künstlerin diese Beziehung zum scheinbar Fremden: „Nach dem Kuss hatte ich interessanterweise das Gefühl, dass ich sie ein bisschen besser kennengelernt habe. Und dieses wird in den zweiten Porträts sichtbar. Am wichtigsten dabei ist es, dass man offen ist und den Leuten mit Respekt begegnet, unabhängig vom Hintergrund der Person. Man kann immer gegenseitig voneinander lernen. In der heutigen Zeit, in der Hass die Schlagzeilen bestimmt, ist es umso wichtiger zu kommunizieren, dass wir alle nur Menschen sind. Und dass wir zeigen, wie einfach es sein kann, den anderen kennenzulernen”.

Die etwas anderen „Kussszenen“ zeigt die Künstlerin auf ihrem Instagram-Account. Klickt Euch einfach durch die einzelnen Slideshows für den Vorher-Nachher-Effekt:

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Reise-Collage, in welcher ein Paar die Arme um sich legt; aus der Fotokunst von Half Half Travel

Half Half Travel: Eine Fernbeziehung
als Fotokunst auf Instagram

Getrennt und doch zusammen: Die Fotografen Rebecca Siegel und Dan Gold führen eine Fernbeziehung, die es in sich hat. Beide umreisen die Welt – jedoch nicht zusammen, sondern voneinander getrennt. Eine Liebe auf Distanz aufrechtzuerhalten, ist alles andere als einfach. In ihrem Blog und gleichnamigen Instagram Account „Half Half Travel“, zeigt das Paar eine kreative Möglichkeit mit der räumlichen Trennung umzugehen. Die beiden lichten sich jeweils an dem Ort, an dem sie sich gerade befinden ab, halbieren die Fotografien in der Mitte und fügen die Hälften zu einem neuen Bild zusammen. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Darstellung der unterschiedlichen Aufenthaltsorte, erschaffen sie so gemeinsam einzigartige Collagen.

Die Sehnsucht nach der Ferne

Rebecca und Dan lernen sich im Dezember 2015 in New York kennen und lieben. Beide haben den Wunsch für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Er will ein Jahr lang durch Europa, Afrika und Südamerika reisen und dabei jeden Monat eine neue Stadt entdecken. Rebecca lebt aktuell in New York. Nachdem sie fast drei Jahre lang in Hongkong und China verbrachte, möchte sie nun noch mehr vom Rest der Welt sehen und diese auf eigene Faust erkunden. Zwei Menschen, zwei unterschiedliche Lebenspläne: Ist die junge Liebe dadurch von vornherein chancenlos?

Getrennt reisen, zusammen fotografieren

Für Rebecca und Dan nicht. Die beiden möchten – trotz der räumlichen Trennung – weder sich als Paar, noch ihre individuellen Träume und Wünsche aufgeben. In der heutigen Zeit hilft ihnen dabei das World Wide Web. Auf kreative und bezaubernde Art und Weise zeigen sie online, dass Liebe keine Grenzen kennt. Sie bedienen sich ihrer Reisebildarchive, wählen zueinander passende Fotografien aus und fügen diese durch digitale Bildbearbeitung liniengetreu zu einem neuen Motiv zusammen. Indem sich die Atmosphären der unterschiedlichen Orte zu einer Einheit verbinden, entstehen interessante Kombinationen. Was Rebecca und Dan über ihre Beziehung hinaus offensichtlich vereint, ist die Liebe zur Fotografie und zum Reisen. Was sie trennt, sind eben genau diese 1000 Kilometer Entfernung. In den Bildern verbinden sich die Welten von Rebecca und Dan. Durch ihre Fotokunst kommen sich die beiden wieder ein Stück näher.

Die Fotografin Cindy Sherman
inszeniert Selfie-Wahn mit trashigen Grimassen

Ob Kim Kardashian-West in Selfish, Buzz Aldrin im Weltall, Weltstars bei der Oscar Verleihung oder der Otto Normalverbraucher in sozialen Netzwerken: Selfies sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Eine Vorreiterin der Selbstporträts ist Cindy Sherman, eine der erfolgreichsten und teuersten Künstlerinnen der Welt. Sie wurde vor allem durch ihre feministisch provokanten Bildnisse bekannt. Jetzt ist die Fotografin mit über 600 Bildern auch auf Instagram aktiv. Scrollt man durch ihren Account so könnte man denken, in der Selfie-Hölle gelandet zu sein: Lauter verzerrt groteske Gesichter und Selbstinszenierungen. Eine Kritik am Schönheits- und Selbstoptimierungswahn? Wie provoziert eine Cindy Sherman 2.0?

Provokante Porträts damals und heute

Seit dem Vormarsch der Fotografie ist die Königin der Selbstdarstellung Cindy Sherman. Bekannt wurde die mittlerweile 63-Jährige US-Amerikanerin mit einer Serie von Schwarzweiß-Fotografien, den ‘Untitled Film Stills’ (1977). Jedes einzelne dieser 69 Fotos zeigt sie selbst, Cindy Sherman. Und doch könnten die Fotos nicht unterschiedlicher sein. Bild für Bild, Foto für Foto nimmt die Künstlerin eine andere Frauenrolle an. Mal ist sie Cindy, das trotzige Kind, mal Cindy, die Stenotypistin, mal Cindy, die Bibliothekarin. Auf diese Weise thematisiert sie neben der Identitätsfindung, den Feminismus und die Gender-Diskussion. Mit ihren Fotografien rückt sie außerdem das Spannungsfeld zwischen Künstlichkeit und Wirklichkeit in den Fokus: Was ist wahr und was Illusion?

Cindy Sherman übt Selfie-Kritik auf Instagram: Gruselig oder langweilig?

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Was damals bereits als provokant galt, wirkt im Lichte der von Cindy Sherman neu veröffentlichten Bilder harmlos. Auf ihrem kürzlich gestarteten Instagram-Account springen einem zahlreiche verzerrte Gesichter entgegen. Viele von ihnen wirken wie die Ergebnisse missglückter Schönheitsoperationen. Sherman nutzt diverse Bildbearbeitungsapps und dreht den Spieß um: Eigentlich sollen die Anwendungen Bilder optimieren, eine nachträgliche Modellation und das digitale Auftragen von künstlichem Make-Up ermöglichen. Indem die Fotografin die Bilder nun ausgerechnet mit einer Schönheitsapp entstellt, übt sie Kritik am Optimierungswahn und macht sich über den Selfie-Kult lustig. Auf einem der Bilder zerfällt ihr Gesicht in Einzelteile, auf dem Nächsten liegt sie im Krankenhausbett und sieht aus, als sei sie in den Schminktopf gefallen. Große Augen, kleine Ohren, verzerrte Lippen: Manche Selfies sind witzig, die meisten jedoch sehr verstörend – was typisch für die Werke der Künstlerin ist.

Selfies zwischen Kult und Narzissmus

Für einen gelungenen Schnappschuss muss man längst kein Experte mehr sein. Mit Smartphone und diversen Bildbearbeitungsprogrammen kann das digitale Selbstporträt im Handumdrehen erstellt, bearbeitet und geteilt werden. Doch woher kommt das allzu selbstdarstellerische Bedürfnis? Was bewegt Menschen dazu, mitten auf der Straße ihre Arm gen Himmel zu strecken, ein krampfhaft wirkendes Lächeln aufzusetzen und dabei beinahe den nächsten Laternenmast zu streifen? Selfies können schöne Momente festhalten, die man mit anderen oder mit sich selbst verbracht hat. Doch Fakt ist auch, dass das Schönheitsideal der heutigen Zeit immer mehr Menschen dazu verleitet, das eigene Bild perfektionieren zu müssen – sei es durch Schönheitsoperationen, Diätpläne, materielle Besitzgüter oder eben durch und mit einem Selfie.

Auch wenn Cindy Shermans Instagram-Bilder verstörend sind, so sind die Kritik-Momente an sich eigentlich nichts Neues. Deshalb erntet die Künstlerin auch kritische Stimmen. Das Fazit des Magazins monopol lautet deshalb beispielsweise: eher uncool. Und zum hübsch Ansehen sind sie schließlich nicht gedacht. Oder doch?

 

Titelbild: @Jan Zuppinger, flickr

Afrikanische Kunst GIF’s
als digitale Illustrationen

Mit seinen animierten und dynamischen Illustrationen schafft Vince Fraser unverwechselbare Werke. Der Künstler beschreibt seinen Instagram Account als ein “Diary of digital and sometimes analogue behaviours”. Fraser nimmt die statischen Bilder einzigartiger Fotografen und transformiert sie in bewegliche digitale Illustrationen. Indem er einzelne Bildelemente animiert, entstehen so hypnotisierende GIF’s.

Statischen Bildern wird Leben eingehaucht

 

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Bevor er sich der digitalen Kunst widmete, arbeitete der in London lebende Künstler im Interior Design. Beide Bereiche sind für ihn miteinander verknüpft.  Seine GIF’s wirken wie zusammen gepuzzelt und doch als Einheit. Auf die einzigartigen Illustrationen von Vince Fraser wurden bereits große Firmen wie British Airways, BBC, T-Mobile und Adidas  aufmerksam, welche die Designs im Werbe-, Lounge- und Immobolienbereich  integrierten. Auch Hugo Boss und Nike gestalten bereits mit ihm ihre Kampagnen.

Im Gespräch mit Konbini erklärt der Illustrator den sowohl farblich als auch inhaltlich einheitlichen Stil seiner Werke: “I’m very particular about which images I use as they need to have the correct balance of light, shadow, contrast and composition for it to work well together. Black and White is also very classic and timeless which can let the audience focus more on the subjects matter without colour distraction“.

Digitale Illustrationen erwecken Kultur zum Leben

Inspiration zieht Fraser nach eigenen Angaben aus der afrikanischen Kunst. Deren kulturelle Elemente sind ein fester Bestandteil seiner Motive: “I draw inspiration from everything around me focusing mainly on black art and culture. In particular, traditional African art, from wooden tribal face masks, figurative sculptures and other decorative objects from West and Central Africa“.

 

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GIF’s können mehr sein als witzige Animationen, die wir mit unseren Freunden im Chat teilen. Wir lieben die Kurzclips auch als Kunstwerke:  30 Jahre GIF-Kunst: Ein Bildformat schreibt Geschichte.

Titelbild: Photographer @LYRA OKO / Make up Artist @MDEIZIMAKEUP  / Model @ANJILILAURA

Free the nipples: Eine liegende weibliche Silhouette, die sich die Hände vor die Brust hält

Free the Nipples:
Mit Kunst der Instagram-Zensur entgehen

Oberkörperfreie Männer sind auf Instagram zahlreich vertreten, oben ohne Fotos von Frauen eher seltener – diese werden zensiert. Nacktheit wird schnell als pornografisch empfunden, dabei kann sie sensibel und einzigartig schön sein. Die Kunst schafft nun unter dem Hashtag free the nipple nackte Tatsachen und zeigt, dass Brüste – ob nun groß oder klein, ob weiblich oder männlich – die schönste Leinwand der Welt sein können.

Nackte Doppelmoral auf Instagram

Ja – es gibt Millionen andere wichtige Themen auf dieser Welt als eine endlose Diskussion darüber, ob Nippel auf Instagram nun gezeigt werden dürfen oder nicht. Doch Gleichberechtigungs- und Gender-Fragen liegen auch vielen Nutzern, im wahrsten Sinne des Wortes, am Herzen. Schließlich zeigt sich Instagram mit seinen Richtlinien in Sachen Nacktheit nicht gerade fortschrittlich. Es mutet doch schon sehr skurril und antiquiert an, dass Männer auf dem Portal ihre Brustwarzen zeigen dürfen und Frauen nur nach einer Mastektomie und beim Stillen. Alles andere wird von dem Portal gelöscht. Auf Instagram gehen User wie auch Künstler mit dieser Einschränkung kreativ um und präsentieren auf ihren Accounts menschliche Kunstwerke – Nippelblitzer inklusive!

Free the nipples: Brustwarzen-Kunst auf Instagram

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Die Künstlerin Claudia Sahuquillo schmückt in ihrem Projekt „Skin is the new canvas“ (Deutsch: Haut ist die neue Leinwand) weibliche Körper mit Bodypaintings. Die Frauen sind nackt und wirken dennoch angezogen – jedoch nicht bekleidet sondern irgendwie umhüllt – in ihrer Natürlichkeit eingebettet. Damit zeigt Sahuquillo  die Ästhetik individueller Körper.

Kreative Instagram-Nutzer

Auf dem Instagram-Profil genderless nipples art findet sich eine Sammlung kreativer Brustwarzen-Kunstwerke. Ob mit oder ohne Piercing, ob behaart oder rasiert – hier werden Nippel bemalt, frisiert, umrandet und beklebt, was die Brust hält. Und jeder kann seinen Teil dazu beitragen, indem er oder sie die eigene Nippeltransformation einsendet.

 

Blitzeblank

Die Aktivisten versuchen es auf Instagram ebenfalls mit geschlechtsneutralen Brustwarzen. Dabei posten sie ausschließlich Nippel, die beispielsweise durch Zoom und Haarentfernung keinen Rückschluss auf das Geschlecht zulassen. Durch diese Reduzierung wird versucht, Instagram im Unklaren darüber zu lassen, ob es sich nun um männliche oder weibliche Brüste handelt. Durch die Verwirrung ist eine Zensur nach den Richtlinien der Plattform Ansichtssache.

Durch dieses – paradoxerweise – Nacktmachen sowie diverse Umstylings der intimen Zone, ensteht eine Legitmität für Instagram. Halleluja!

Aus“free the nipples“ ist eine ganze Bewegung  mit eigenem Instagram-Account geworden.

Artur Kowallick fotografiert mit Camera Minutera; Artikel über analoge und digitale Fotografie

„Eine andere Magie“:
Artur Kowallick über analoge und digitale Fotografie

Bildermacher – so nennt sich der Fotograf Artur Kowallick, welchen wir Euch bereits in dem Artikel Die Top 5 Instagram Fotografen aus Berlin vorgestellt haben. Bei ihm ist der Name Programm: Er macht Bilder – mit der Camera Minutera, einem alten fotografischen Apparat. Sie ermöglicht die mobile Aufnahme von Porträts auf der Straße. Die Fotos können in wenigen Minuten entwickelt werden. Die entstandenen Werke veröffentlicht Artur unter anderem auf seinem Instagram-Account. Uns erzählt er von dem Zauber, den diese Kamera umgibt und was analoge und digitale Fotografie voneinander unterscheidet. Der Fotograf liebt sein iPad und spricht der Digitalfotografie ihre Daseinsberechtigung zu, sieht aber in den haptischen Bildern eine alte neue Wertigkeit.

Was ist die Camera Minutera und wofür wurde sie ursprünglich hergestellt?

Die Camera Minutera  ist über 100 Jahre alt. Seitlich sieht man die die Originalfotografien aus den 40er Jahren in Südfrankreich. Ursprünglich kommt sie aus dem indisch-afghanischen Raum. Die Kamera hat schon mindestens zwei Kriege erlebt. Was die auch schon an Menschen gesehen haben muss. Und das finde ich so schön, dass ich jetzt auch ein Teil dieser Geschichte bin. Und die Kamera nicht zum Beispiel bei einem Sammler gelandet ist, sondern ich sie dafür nutze, wirklich auf der Straße Bilder zu machen. Sie wird heute noch in Indien und Afghanistan verwendet, um Passfotos zu machen. Früher wurden zum Beispiel Touristen fotografiert. Man hat ganz gezielt Touristenattraktionen gesucht und die Leute dann dort fotografiert. Ich kenne auch einen Fotografen, der wohnt in Paris und der stellt sich beispielsweise vor das Centre Georges-Pompidou. In Berlin darfst du das aber nicht. Ich würde keine Genehmigung bekommen mit dieser Kamera in Berlin zu arbeiten, weil ich dann genauso unter Straßenhändler falle. Und das finde ich so absurd, weil ich glaube, das wäre so eine Bereicherung für das Stadtbild, wenn man sich vor das Brandenburger Tor stellt oder irgendwo anders und die Leute fotografiert. Das ist ja nicht Trash. Ich finde es schade. 

Ich wollte schon immer so eine Kamera haben. Ich fand einfach die Idee schön, zu sagen, ich kann jetzt hier auf der Straße stehen und ich kann Fotos machen, sie entwickeln und dir gleich geben, ich kann im Dschungel sein, ich kann in der Wüste sein. Am Anfang dachte ich mir so: “die Kamera ist der Star”, was sie immer noch ist. Und dann habe ich aber gemerkt, dass es mir auch keinen Spaß macht, nur nette Bilder zu machen. Es wird immer mehr zu meinem Projekt.

Wie kommen die Fotografien bei den Menschen an?

Über 90 Prozent der Leute sind total happy mit diesen Dingern. Was für eine Faszination das ist, das ist ganz komisch. Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, sind da teilweise Trauben von Leuten, die da rumstehen und gucken und etwas über die Kamera wissen wollen.

Manchmal habe ich auch Leute, die als Zuschauer stehen. Ich nehme immer eine Person, die ich for free als “face of the day” fotografiere. Wenn mir ein Gesicht einfach auffällt. Und das sind Sachen, die immer 100 Prozent klappen. Einmal hat mich sogar ein Mädchen gefragt “kann ich face of the day bei dir werden”? Ich finde das so niedlich und auch die Begeisterung der Leute für dieses Analoge. Und vor allem: Das findet ja in dieser Kamera statt. Das heißt, die Leute wissen eigentlich gar nicht genau, also wenn sie sich damit nicht auskennen, was dort eigentlich passiert. Und du holst dann nach so zweieinhalb Minuten plötzlich ein Negativ heraus. Das wird dann noch einmal abfotografiert. Und insgesamt 5 Minuten später ist dieses Bild fertig. Egal ob das Kinder sind, Erwachsene oder Jugendliche, das hat einfach eine ganz andere Magie, als wenn ich ich zum Beispiel mit dem Smartphone jetzt ein Foto von dir mache, dir das schicke und auf Instagram packe. Und das ist auch so ein unmittelbarer haptischer Vorgang. Ich selber fühle ja, gehe in die Chemikalien rein. Du riechst es ja auch.

Analoge vs. digitale Fotografie: Was macht für dich den Unterschied aus?

Ein Hauptargument dafür, dass die Bilder anders aussehen ist, dass ich zum Beispiel ganz bewusst möglichst lange Verschlusszeiten wähle. Bei den ersten Fotografien hatte man zwischen 15 und 30 Minuten Belichtungszeit. Das heißt du musstest eine Position einnehmen, die du halten kannst. Und ich mache das auch so , dass ich zwischen einer und  vielleicht sechs Sekunden belichte, den Leuten ganz klar sage, sie sollen nicht lächeln, sie sollen straight in die Kamera gucken und sich möglichst auch dessen bewusst sein, dass sie fotografiert werden. Ein Selbstbewusstsein in einem anderen Sinne, im Sinne von sich seiner selbst bewusst zu sein. Und das ist ja etwas anderes, als wenn ich digital oder mit dem Handy knipse. Zwei Freunde fotografieren sich: Smiley machen, in die Kamera gucken und das ist nice. Wenn die Leute fragen, warum sie nicht lächeln dürfen, sage ich: “Wenn du so ein Foto möchtest, dann kannst du es mit deinem Handy machen”. Ich möchte ganz klar ein anderes Foto. Es macht ja keinen Sinn zu mir zu kommen und die selben Bilder zu machen, die ich selber eigentlich machen würde. Die Leute haben ja meistens auch eine Erwartung, ein Bild von sich wie sie glauben, auszusehen.  Und ich versuche da eigentlich ein bisschen gegen zu bürsten. Manche wissen im ersten Augenblick auch gar nicht so recht wie sie es finden. Dann sage ich: “gucke es dir Zuhause einfach mal in Ruhe an. Du wirst schon noch verstehen worum es geht”. Beim Digitalen ist es so, dass man viel zu viel macht, gerade was Instagram anbelangt: Es ist einfach inflationär. Wenn ich ein Bild betrachte oder poste, guck ich es mir – wenn überhaupt – fünf Sekunden an. In dem Augenblick habe ich schon wieder die nächsten 100 neuen Bilder, die kommen usw.. 

Du beschreibst, dass mit einem klassischen Fotoapparat oft mehr starke Bilder entstehen, als unter 1000 Digitalfotos zu finden sind. Woran liegt das?

Du hast in einem Film 36 Bilder, der auch was kostet. Das heißt du wirst dir, auch wenn du vielleicht nicht viel Geld hast, pro Monat beispielsweise vielleicht zwei Filme kaufen. Du weißt du musst mit diesen beiden Filmen klar kommen. Dann hast du ja immer noch zwischen jedem Bild dieses Transportieren. Das ist nicht nur einfach drauf los knipsen. Und dann ist der Film ja auch irgendwann einmal fertig und dann musst du, wenn du den abgibst, zwei, drei Tage warten oder du entwickelst es selber. Viele freuen sich so diebisch, dass sie warten müssen. Mir hat mal ein junges Mädchen gesagt: “Ich freue mich, dass ich wieder warten muss”. Die treffen sich ja teilweise zum Filme abholen und sind total happy, diese Papierbilder in der Hand zu haben. Das ist ja was anderes, wenn ich diese “real pictures” in der Hand halte, oder ob ich mich mit Freundinnen treffe und wir switchen jetzt mit dem iPad hin und her. Das kennt man auch von früher, von den Eltern zum Beispiel: Wenn man sich getroffen hat und Bilder angeguckt hat, wurden die Bilder so rumgereicht. Man kommt zusammen und sagt „hier guck mal da und dies und jenes“. Und du hast auch wirklich was in der Hand. Ich liebe auch mein iPad, aber das ist einfach was anderes. Was ich auch am Film mag, ist, dass du den ja entwickelst und dann machst du diese Dose auf und hast einfach ein Negativ in der Hand und nicht irgendeine Speicherkarte. Wenn man das Samsung-Handy aufschraubt, sind die Bilder ja nicht wirklich da. Solange du digitale Dateien nicht ausdruckst, ist das ja sowieso verloren, weil man das in so und so vielen Jahren wahrscheinlich gar nicht lesen wird. Ein Bekannter von mir, der auch Fotografie und digital unterrichtet, der rät: Gib jeden Monat 50 Euro aus und printe die Bilder aus. Mache wenigstens Ausdrucke daraus, sodass du wirklich was in der Hand hast, pack es in den Schuhkarton und vergiss es. 

Vielleicht bekomme ich nur zwei, drei Bilder, wenn überhaupt, vielleicht auch nur ein Bild. Und dann habe ich aber ein Bild, das meiner Meinung nach viel stärker sein wird, als wenn ich, was weiß ich, nicht wie viele Fotos mache. Weil es einfach wieder konzentrierter ist. Das heißt, du überlegst dir zwischen jeder Aufnahme: Drücke ich ab? Drücke ich nicht ab? Gerade die Beschränkung: Wenn du dir nur zwei Filme im Monat  leisten kannst, gehst du damit ganz anders um, weil das bekommt ja wieder einen Wert.

Denkst du, diese Art alte Fotografie zu nutzen, erlebt ihren zweiten Frühling?

Ja, es gibt einen ganz klaren Trend. Und wenn ich auch bedenke, wie viele, gerade auch junge Leute, wieder analog fotografieren. Zum Beispiel die Polaroid-Geschichte, aber auch mit normalen analogen Kameras, Mittelformatkameras, Kleinbildkameras. Es gibt auch sehr viele junge Leute, die das teilweise auf dem Flohmarkt kaufen, vom Opa oder Vater geschenkt bekommen und es einfach geil finden.

Woran liegt das?

Ich glaube, dass es auch etwas damit zu tun hat, dass die Fotografie eine lange Geschichte hat. Gut man kann sagen, das ist jetzt ein anderer Träger geworden. Aber es ist etwas anderes. Ich glaube, dass die das Gefühl haben, dass es so “real stuff” ist. Das ist wie wenn du mit einer Frau zusammen bist, die perfekt und schön aussieht oder eine Frau die natürlich ist. Ich würde mich nie in das Perfekte verlieben. Du hast eine Vorstellung, aber: Du lernst eine Frau kennen und dann denkst du dir irgendwie “die ist es”. Das ist dieses Authentische. Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol, es ist alles nur noch light und politisch korrekt und so weiter. Und Film hat ja auch so eine bestimmte Ästhetik und das gehört auch dazu. Beim Digitalen ist es, finde ich persönlich, sehr glatt. Und was ich ganz absurd finde ist, wenn Leute versuchen, mit irgendwelchen Photoshop-Plugins die analogen Filme zu simulieren, also das Korn, die Farbe. Aber da frage ich mich: Warum nehmen die denn nicht den richtigen Film? Wenn ich es fake, ist es ja nicht das Richtige. Das versucht was zu imitieren, was es nicht ist. Mich hat einmal ein Bekannter gebeten, ob ich für ihn eine Belichtung machen kann, dass er eine graue Fläche fotografiert hat, dass er das Korn nehmen kann von dem Film, um es über seine digitalen Bilder zu legen. Ich habe gesagt: “Warum fotografierst du denn nicht auf Film?”. Da hat er keine Zeit. Ich finde, wenn es digital ist, dann kann es doch digital aussehen. Dann hat das einen bestimmten digitalen Look. Dann ist es ja auch okay. Das wäre genauso, wie wenn du anders herum versuchen würdest, analog digital zu imitieren. Das ist einfach nicht das Richtige. Es ist ja was Haptisches und im Labor riecht es nach Entwickler, nach Fixierer, du arbeitest bei so rotem Licht und entwickelst zum Beispiel deine Filme und nimmst sie aus der Spule raus und hast dann diese Negative. Ich mache das ja 30 Jahre, aber ich finde es immer noch magisch.

Ich habe auch die Serie “happy client”, worauf man ein wenig dieses vorher/nachher und den Vergleich zwischen digitalem und analogem Foto sieht. So sehen die Leute in real aus. Ich finde es auch schön, wenn ich diese Repro mache, dann hat man auch noch diesen Rahmen von den Repro-Stellen noch zu sehen. Das heißt, man hat praktisch so ein Bild im Bild. Und es ist dann auch wirklich nur mit dieser Kamera gemacht worden und nicht mit anderen. Dann hat es noch einmal sowas Einmaliges. Das Schöne bei den Kameras ist auch, dass sie nicht in Serie gebaut wurden. Das heißt, es gab dieses Modell wirklich nur einmal. Es gibt keine Marke.

Findest du auch, dass die Kamera bestimmte Charakterzüge herauskitzelt – obwohl sie nicht wie die hochauflösenden aktuellen Apparate arbeitet?

Ja, es bekommt eine ganz komische Tiefe finde ich. Ich bin oft wirklich baff, ehrlich gesagt. Ich weiß eigentlich vorher, ob es gut wird, aber wie es dann 100% konkret aussieht, lässt sich sehr schwer abschätzen. Es verstärkt so sehr Charaktere und wirkt fast so, als ob es gemeißelt wäre. Es hat so eine ganz andere Präsenz.  Beim Digitalen müsstest du das erst manipulieren oder nachträglich was rausholen. Ich finde es aber auch schön, dass du die Bilder nicht manipulieren kannst. Die kommen so raus wie sie rauskommen. Ich kann sie vielleicht ein bisschen heller oder dunkler machen, wenn ich will. In der Dunkelkammer kann ich aber nicht wie bei Photoshop einzelne Partien bearbeiten. Das Bild kommt so raus wie es ist. Bis zu einem gewissen Grad bin ich offen für Kritik, wenn jemand sagt es gefällt ihm nicht. Dann mache ich es auch noch einmal. Aber ab einem gewissen Punkt sage ich den Leuten “es ist so wie es ist”. Jeder hat eine Vorstellung davon, wie man aussehen möchte, wo man sich gut fühlt, wo man seine Schokoladenseite hat.  Man möchte einfach einem Bild entsprechen, dass man von sich hat. Und ich sage häufig zu den Leuten, dass sie das möglichst als Bild, als eigenständige Fotografie sehen sollten und nicht unbedingt als Bild von sich selbst. Dann kriegst du glaube ich mehr Abstand zu dem, was du dort siehst und kannst es glaube ich auch eher annehmen. Ich habe einmal einen Mann fotografiert, der sich sein Foto angeguckt hat und meinte: “Sehe ich wirklich so aus?“ Also er sah auf dem Foto wirklich fertig aus. Er sah grundsätzlich fertig aus, aber auf dem Foto sah er noch 10 Jahre fertiger aus. Aber ich habe ihm auch gesagt “guck es dir Zuhause ab und zu mal an. Das Bild ist viel stärker als du”.

Und so ist es bei vielen dieser Fotos. Die Fotografien sind stärker. Das heißt nicht zwangsläufig, dass die Leute diese Präsenz im wirklichen Leben haben. Aber in diesem Moment bekommen sie mit dieser Kamera diese Präsenz, diese Kraft und diesen Ausdruck. Den müssen sie nicht zwangsläufig haben und das müssen sie auch gar nicht sein. Und das finde ich faszinierend, dass ich praktisch damit die Leute irgendwie überhöhe und zu etwas mache, was sie, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar nicht sind. Das ist ganz eigenartig, aber es funktioniert irgendwie. Und das liebe ich.

Das ist das Interessante. Wenn man Fotos bekommt, so wie man aussieht: Das macht ja keinen Sinn, finde ich. Also wenn ich das als Fotograf mache. Wenn ich Schnappschüsse für meine Freundin oder meinen Freund mache, dann ist das ja auch gut. Dann muss es ja nicht mehr sein. Aber wenn du nachher auf den Bildern etwas siehst, was viel stärker ist als was du sonst glaubst. Irgendwo bist du das ja auch. Ich verstehe immer nicht wie das funktioniert, aber es ist so. Manchmal komme ich mir bei meiner eigenen Arbeit auch so vor, dass es eher mit Modellieren zu tun hat. Ich arbeite ja auch viel mit Tänzerinnen und Schauspielerinnen zusammen. Dadurch arbeitet man auch sehr körperlich. Ein Tänzer reagiert ganz anders als ein Normaler. Wenn man digitale Fotos machen würde, würdest du ständig alle paar Schüsse mit dem Modell auf das Display, den Rechner gucken und würdest gleich korrigieren usw.. Und so passiert es einfach. Man arbeitet drei, vier Stunden und hat erst einmal null Ergebnisse. Das heißt, du siehst gar nichts – außer, dass ich weiß, dass es im Kasten ist – aber auch wieder nicht. Und dann dauert die Entwicklung manchmal drei oder sechs Monate.

Es ist nicht das Eins zu Eins. Es geht darum, andere Ergebnisse zu bekommen.



Titelbild: @Andreas Waldeck

Graffiti zeigt Frau mit Sonnenbrille

Regen, Sonne, Regen, Sonne:
Hauptsache Sommer in Berlin

Graffiti – ist das nun Kunst oder kann das weg? Da spalten sich die Geister. Wir finden: Was schön aussieht, soll stehen bleiben. Denn Kunst an Häuserwänden verschönert oft nicht nur die graue Tristesse eines längst sanierungsüberfälligen Gebäudes, sondern transportiert auch Vibes, nach denen wir manchmal verzweifelt suchen. Zum Beispiel den Geschmack von Sommer. 2017 gehört nicht zu den „6-Wochen-40-Grad-Am-Stück“-Jahren. Überflutungen, Gewitter und viel zu graue Wochenenden lassen uns in Urlaubserinnerungen schwelgen und schüren vor allem eins: Sommerweh. Dabei versteckt die Stadt mit ihrer Kunst so viele Sommerdetails, denen das Wetter ziemlich egal ist. Das erkennen auch die aufmerksamen Instagrammer. Wir zeigen euch unsere 5 liebsten Streetart Motive, bei deren Anblick der Sommer in Berlin immer um die Ecke lauert.

Streetart Berlin beweist: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert!

Berlinstreetartguide zeigt Flamingo Graffiti
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Aruba-Feeling am Nordbahnhof: Blauer Himmel, Sonnenschein und der derzeit sehr beliebte und omnipräsente Flamingo aus der Karibik – und das mitten in der Stadt. Wir freuen uns über die Besiedlung des Flamingos im mitteleuropäischen Großstadtraum.

Berlinstreetartguide zeigt Eis Graffiti
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Solero XXL: Wo Eiscreme ist, da ist auch Sommer. Und wo das Eis glücklich aussieht, ist der Sommer besonders schön – ob im Regen, bei Sturmflut oder im Gewitter.

Berlinstreetartguide Graffiti zeigt Person, die sich erfrischt
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Kopfüber und verkehrt herum? Sieht auf jeden Fall ganz nach einer gelungenen Erfrischung in der Kreuzberger Hitze aus. Da bekommen wir direkt Lust auf Siesta!

Graffiti aus dem Teufelsberg zeigt schwimmenden Elefanten
Quelle @ninuda (Instagram)

Graffiti Museum auf dem Teufelsberg: Da freut sich ein Elefant über seine Abkühlung im kalten Wasser, bevor er wieder in die staubtrockene Savanne auftaucht. Sowieso ist man auf dem Teufelsberg der Sonne immer ein Stück näher.

Graffiti zeigt tanzende Frau in Berlin Mitte
Quelle @neoavantgarde

Von wegen Festivals und Open Airs fallen bei schlechtem Wetter ins Wasser: Ein Graffiti bei uns um die Ecke beweist das Gegenteil. Wer Sommer im Herzen hat, der tanzt auch bei Regen. Davon schneiden wir uns gerne eine Scheibe ab.

…und davon gibt es sicher unzählig viele Kunstwerke. Auch wenn Graffities natürlich – so wie alles – bei Sonne am schönsten anzusehen sind, treffen wir sie auf unseren Wegen das ganze Jahr über. Was sagt uns das? Der Sommer ist überall, man muss nur genau hinsehen.

Habt ihr Lust auf mehr Streetart? Dann schaut euch unseren Artikel zum App GIF-ITI Viewer an!

Instagram Star: Avocados kunstvoll auf dem Brot drapiert als neuer Fototrend

Instagram Star: Die Avocado

Hipsterfrucht und jetzt auch Instagram Star: Die Avocado hat schon seit mehreren Jahren unser aller Herz erobert. Ob auf dem Brot, im Salat oder als Dip: sie ist fester Bestandteil unserer Ernährung. Dabei zögern wir nicht, mal den einen oder anderen Euro mehr auszugeben. Schließlich handelt es sich um Superfood!

Avocado wird zu Kunst geschnitzt

Die grüne Frucht kann aber weit mehr, als nur lecker zu schmecken und ein sich endgültig durchsetzender Foodtrend zu sein. Auch Kunst lässt sich hervorragend daraus schnitzen. Diesen Sommer entsteht ein regelrechter Hype auf Instagram, der zeigt, wie schön die Avocado in Szene gesetzt werden kann. Fein geschnittene Scheiben mit Schnittlauchringen und Sesambröseln waren gestern: Jetzt wird in die Frucht zu einer Skulptur. Der Hashtag avocadoart zählt 3.433 Beiträge. Die beliebtesten Posts bekommen mindestens ebenso viele Herzen. Wir haben für euch die Favoriten gesammelt.

avocadocarving asanohapattern #カービング#avocado#avocadolover #avocadotoast#avo#carving#food#art#artist #green#vegetable

Ein Beitrag geteilt von gaku carving (@gakugakugakugakugaku1) am

gakugakugakugakugaku1 nennt sich ein User, der es sich “Thaicarving” auf die Fahne schreibt, also das kunstvolle Schnitzen von Obst und Gemüse in der ganzen Welt zu verbreiten. Beim Chinesen wird die geschnitzte Tomate am Rand des Tellers von den meisten hippen Großstädtlern normalerweise eher belächelt. Doch mit der Avocado scheint es anders zu sein. Zahlreiche Influencer teilen die Avocado-Bilder von gakugakugakugakugaku1. Avocadokitsch liegt voll im Trend.

Bei dem australischen Blog cookrepublic geht es Gott sei Dank etwas geometrischer zu. Die Bloggerin ist bekannt für gesunde und moderne Küche. Da darf die Avocado natürlich nicht fehlen. Die feinen Würfel scheinen auf den ersten Blick auch weniger kompliziert zu sein. Beim nächsten Kauf müssen wir das natürlich unbedingt mal ausprobieren, um den neuen Instagram Star gebührend zu feiern.

Auch die kreative Szene hat Gefallen an dem Instagram Star gefunden. Als neue Idee wird hier nicht das Fruchtfleisch in Szene gesetzt. Der Kern lässt sich ebenso gut bearbeiten. Ein Fabelwesen meditiert mit viel Gelassenheit in der Avocado.

Mehr zum Thema Trends auf Instagram gibt es in unserer Rubrik „News und Trends“ und aktuell auch zum Thema Regenbogendorf in Indonesien.

Bild der Selfie Ausstellung London

Von Rembrandt bis Kardashian:
Eine Selfie Ausstellung

Selfies umgeben uns tagtäglich. Selbst wenn wir keine schießen, sehen wir zumindest an jeder Ecke immer wieder einen Smartphone-Besitzer in typischer Selfie-Pose. Umso verwunderlicher, dass ein Museum in London nun die weltweit erste Ausstellung über das Selfie initiiert hat. Angefangen von den Selbstporträts der alten und ebenso berühmten Maler, über Alltags-Aufnahmen und Fotografien zeitgenössischer Künstler, bis hin zu den Promi-Selfies à la Kim Kardashian – die Ausstellung „From Selfie to Self-Expression“, gibt einen spannenden Einblick in die Geschichte des Selbst- und Fremdbildes.

Gab es das Selfie schon immer?

Einer der bedeutendsten und berühmtesten Maler des Barocks, Rembrandt van Rijn, fertigte zahlreiche Selbstporträts an – mit unterschiedlichen Gesten, Gesichtsausdrücken, Kulissen, Rollen und Farben. Mal als Radierung, mal als Zeichnung. Warum tat er das? Wahrscheinlich hatte er eine ähnliche Intention wie die meisten Smartphone-Nutzer des 21. Jahrhunderts, die dem Selfie zwar zunehmend kritisch gegenüber stehen, aber am Ende doch nicht die Finger davon lassen können: Sich selbst inszenieren, ein Denkmal setzen, Erinnerungen festhalten, der Außenwelt das Selbstbild präsentieren oder es gar abändern und so die eigene Wahrnehmung der Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Vielleicht aber auch einfach nur, um sich selbst zu finden?

From Selfie to Self-Expression

Jeden Tag werden ca. 93 Millionen Selfies geschossen. Damit sind die Smartphone-Bilder fester Bestandteil unserer visuellen Landschaft. In London präsentiert nun die Saatchi Gallery, eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst, die erste Ausstellung weltweit, welche sich mit der Geschichte des Selfies befasst. Mit der Expression „From Selfie to Self-Expression“ hebt die Galerie Smartphone-Fotografien damit in künstlerische Sphären. Aufgrund des großen Besucherandranges und der vielen Interessenten, wurde die Schau bereits zum zweiten Mal verlängert. Noch bis zum 06. September kann auf zwei Etagen kostenlos die Welt der Selbstinszenierung bestaunt werden. Außerdem wird auf die medialen Effekte in den Bereichen Gesellschaft, Politik und Konsum eingegangen.

Die Ausstellung zeigt sowohl die alten Werke berühmter Künstler wie Frida Kahlo, als auch zeitgenössische Selfie-Kunstwerke. Die Art der Präsentation zieht sich wie ein roter Faden durch die Räume. Jede Abbildung ist in den typischen schwarzen Instagram-Rahmen, inklusive Like-Button eingebettet. Diesen kann der Besucher, wie im virtuellen Raum auch, je nach Geschmack betätigen. Bei den Gefällt mir Angaben lag Frida Kahlos „Selbstporträt. Gewidmet Dr. Eloesser“ von 1940 zeitweise ganz vorne. Die Ausstellung macht den Facettenreichtum von Selbstbildnissen sichtbar und begegnet diesen ganz offen. Von ironischen, ernsthaften oder waghalsigen Bildern, bis hin zu durch die Presse gejagten Promi-Gruppenselfies ist alles dabei. Ähnlich wie bei Rembrandt variieren auch hier die Darstellungsformen: Es wird mit zahlreichen Video-Installationen, Statuen, Porträts und natürlich Fotografien gearbeitet. Indem Nutzer ihre Selfies mit zahlreichen Filtern und Bearbeitungen überoptimieren, werden diese zunehmend zu einem Konstrukt und einem Werk. Einer der Unterschiede zu den alten Gemälden liegt darin, dass sich die Selbstdarstellungen massenhaft reproduzieren und teilen lassen. Christopher Bakers Installation „Hello World! Or: How I Learned To Top Listening And Love The Noise“ zeigt tausende von Online-Video-Tagebüchern, verteilt über drei gewaltige Leinwände, die die Bilderflut 2.0 unterstreichen. Die Ausstellung zeigt, dass Selfies in ihrer Grundform nicht unbedingt etwas Neues sind. Die Menschen porträtieren ihr eigenes Ich schon seit Jahrhunderten.

Durch einen Wettbewerb zum Galeristen werden

Im Jahre 2017 kann im Prinzip jeder Smartphone Besitzer zu einem Selfie-Kreateur werden. Diesem Motto folgend, startete die Galerie gemeinsam mit dem Sponsor der Ausstellung Huawei den Wettbewerb „#SelfExpression“. Im Rahmen dessen wurden insgesamt ca. 14.000 Smartphone-Bilder aus 113 Ländern eingereicht und die besten 10 künstlerischen Smartphone-Bilder ausgewählt. Der Gewinner hat die Aussicht auf eine eigene Ausstellung in der Saatchi Gallery. Dies entspricht dem Leitgedanken des Museums: Die Kunst einer breiten Masse zugänglich machen. Das Rennen machte Dawn Woolley aus Cambridge. Der Künstler fotografierte sich selbst im Bikini, reproduzierte sich und legte sich mit dem Ausschnitt seiner selbst in anziehender Pose auf eine Wiese. Diesen Moment hielt er wiederum auf dem Sieger-Selfie fest. Dawn beschreibt seine Arbeit und die Idee dahinter: “In the work I create a photographic copy of myself and place it in the real world instead of me. By creating artwork that establishes me as an object it could be argued that I produce photographs that reinforce stereotypical images of the female body, but with apparent exhibitionism. I create a substitute that renders my real body invisible”.

Mit sich selbst führt man die längste Beziehung

Selfies – gab es es sie nicht schon immer? Sind die alten Porträt-Malereien berühmter Künstler nicht auch irgendwo Selfies? Können Smartphone-Bilder Kunst sein? Und kann eine Selbstpromotion Kunst sein? Oder sind Selbstdarstellungen am Ende immer nur kommerzialisierte und das Ego polierende Profilierungen? Darauf gibt die Ausstellung keine direkten Antworten. Viel mehr regt sie zu weiteren Fragen an. Zumindest haben die Self-Expression-Selfies der Smartphones und die Selbstporträts der alten Meister einen gemeinsamen Nenner: Sie drehen sich um das Bedürfnis nach Selbstdarstellung, dem Umgang mit der eigenen Identität und der ewigen Suche nach Antworten auf die Fragen: Wer bin ich und wer will ich sein?

Titelbild:

Juno Calypso
Honeymoon Suite
2015
Archival Pigment Print
52 x 102 cm
Edition of 5 + 2 AP
Image courtesy of the artist
and TJ Boulting Gallery