All articles written by: Nora

Stühle in der Luft

Design oder nicht sein:
Das ist hier die Frage!

Ein Interior Blog jagt den Nächsten, skandinavisches Design gibt es jetzt in allen Möbelhäusern – von extra günstig bis viel zu teuer ist alles dabei. Dieses Jahr Urban Jungle, kühle Farben – nächstes Jahr dann vielleicht wieder gemütlicher Landhausstil? Wir wissen es nicht. Fakt ist: Der Möbeltrend wandelt sich ebenso schnell wie der Trend um Kleidung und Technik. Was bedeutet das für unsere Umwelt? Jährlich produzieren wir Unmengen an Müll, weil der Industrial Blumenhocker oder der Vintage Sessel vom letzten Jahr nicht mehr zeitgemäß sind. Und bei aller Ästhetik – wie steht es eigentlich um unsere Wohngesundheit? Materialien und ihre Verarbeitung spielen häufig eine untergeordnete Rolle bei der Kaufentscheidung für ein Möbelstück. Dass Kleber, Lacke und andere Schadstoffe die Raumluft beeinträchtigen und damit auch unsere Gesundheit, verdrängen wir gerne. Was wir bei Lebensmitteln so langsam verstanden haben, gilt aber auch für den Interior Bereich. Es geht um das Bewusstsein für nachhaltige Möbel.

Kreativ werden für die Nachhaltigkeit

Gemeinsam mit UNIVERSAL haben wir den Interior Design Award „Ideen für die Umwelt“ ins Leben gerufen. Hiermit laden wir alle Kreativen, Designer, Innenarchitekten, Künstler, Handwerker, Heimwerker, Interior-Blogger, DIY-Spezialisten und Ökofreunde ein, mit ihrem Design zu zeigen: Umweltbewusstsein und Nachhaltigkeit sind die Grundpfeiler des modernen Möbelbaus. Die Wettbewerbsaufgabe besteht in der kreativen Umsetzung der Leitidee von nachhaltigem Interior, das natürlich auch schick sein darf!

Upcycling, Recycling oder alles neu: Die Welt steht dir offen!

Interior Design Award

Welche Idee auch immer in dir herumschwirrt – sende sie ein! Wir freuen uns auf deinen Entwurf von einem Möbelstück, in welchem du möglichst viele nachhaltige Aspekte von Materialien über Herstellung bis hin zu Verpackung und Transport berücksichtigst. Du siehst Nachhaltigkeit eher in der Wiederverwertung alter Möbelstücke? Auch super! Zeig uns, wie du alte Materialien oder Baustoffe zu einem Möbelstück up- oder recyclest. Egal ob Hobby-DIY-Anleitungen, fortgeschrittene Handwerker oder Interior-Spezialisten: Alle haben die gleiche Aufgabe: Kreativ sein für unsere Umwelt.

Entwerfen, einsenden, gewinnen!

Unsere Fachjury aus Interior und Nachhaltigkeit wird alle Einsendungen sichten und die besten Designs ermitteln. Dabei zählen die Umsetzung der Aufgabenstellung, die Kreativität und die praktische Umsetzbarkeit der Idee. Es gibt mehrere Tausend Euro zu gewinnen – aber nur, wenn du pünktlich bist. Einsendeschluss ist der 01. Februar 2018.

Alle aktuellen Informationen rund um die Wettbewerbsaufgabe, die Teilnahmebedingungen und Fristen findest du in der offiziellen Wettbewerbsausschreibung.

Wir freuen uns auf eure Ideen. Viel Erfolg!

Graffiti zeigt Frau mit Sonnenbrille

Regen, Sonne, Regen, Sonne:
Hauptsache Sommer in Berlin

Graffiti – ist das nun Kunst oder kann das weg? Da spalten sich die Geister. Wir finden: Was schön aussieht, soll stehen bleiben. Denn Kunst an Häuserwänden verschönert oft nicht nur die graue Tristesse eines längst sanierungsüberfälligen Gebäudes, sondern transportiert auch Vibes, nach denen wir manchmal verzweifelt suchen. Zum Beispiel den Geschmack von Sommer. 2017 gehört nicht zu den „6-Wochen-40-Grad-Am-Stück“-Jahren. Überflutungen, Gewitter und viel zu graue Wochenenden lassen uns in Urlaubserinnerungen schwelgen und schüren vor allem eins: Sommerweh. Dabei versteckt die Stadt mit ihrer Kunst so viele Sommerdetails, denen das Wetter ziemlich egal ist. Das erkennen auch die aufmerksamen Instagrammer. Wir zeigen euch unsere 5 liebsten Streetart Motive, bei deren Anblick der Sommer in Berlin immer um die Ecke lauert.

Streetart Berlin beweist: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert!

Berlinstreetartguide zeigt Flamingo Graffiti
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Aruba-Feeling am Nordbahnhof: Blauer Himmel, Sonnenschein und der derzeit sehr beliebte und omnipräsente Flamingo aus der Karibik – und das mitten in der Stadt. Wir freuen uns über die Besiedlung des Flamingos im mitteleuropäischen Großstadtraum.

Berlinstreetartguide zeigt Eis Graffiti
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Solero XXL: Wo Eiscreme ist, da ist auch Sommer. Und wo das Eis glücklich aussieht, ist der Sommer besonders schön – ob im Regen, bei Sturmflut oder im Gewitter.

Berlinstreetartguide Graffiti zeigt Person, die sich erfrischt
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Kopfüber und verkehrt herum? Sieht auf jeden Fall ganz nach einer gelungenen Erfrischung in der Kreuzberger Hitze aus. Da bekommen wir direkt Lust auf Siesta!

Graffiti aus dem Teufelsberg zeigt schwimmenden Elefanten
Quelle @ninuda (Instagram)

Graffiti Museum auf dem Teufelsberg: Da freut sich ein Elefant über seine Abkühlung im kalten Wasser, bevor er wieder in die staubtrockene Savanne auftaucht. Sowieso ist man auf dem Teufelsberg der Sonne immer ein Stück näher.

Graffiti zeigt tanzende Frau in Berlin Mitte
Quelle @neoavantgarde

Von wegen Festivals und Open Airs fallen bei schlechtem Wetter ins Wasser: Ein Graffiti bei uns um die Ecke beweist das Gegenteil. Wer Sommer im Herzen hat, der tanzt auch bei Regen. Davon schneiden wir uns gerne eine Scheibe ab.

…und davon gibt es sicher unzählig viele Kunstwerke. Auch wenn Graffities natürlich – so wie alles – bei Sonne am schönsten anzusehen sind, treffen wir sie auf unseren Wegen das ganze Jahr über. Was sagt uns das? Der Sommer ist überall, man muss nur genau hinsehen.

Habt ihr Lust auf mehr Streetart? Dann schaut euch unseren Artikel zum App GIF-ITI Viewer an!

Love out loud Buchstaben auf Papier aufgestellt auf zwei Treppen

Die re:publica 2017

Die Messe re:publica verspricht den Schwerpunkt auf genau genau das Thema zu setzen, das sich auch NeoAvantgarde zum Motto gemacht hat: digitale Gesellschaft und digitale Kultur. Unsere Redakteure Nora und Marie waren deshalb vor Ort und haben sich mit Ausstellern, Besuchern und Speakern unterhalten. Unsere Highlights haben wir für euch zusammengefasst.

Das Motto und Design

“Love Out Loud” lautete das Motto der re:publica 2017. Die Devise war also die Liebe, was zwar nicht gerade neu und innovativ wirkt, in Kombination mit dem LOL-Wortspiel und aktuellen Debatten über Hasskommentare in Sozialen Netzwerken aber den Zeitgeist trifft. Der Fokus der re:publica lag, wie die Organisatoren selbst sagen, darauf, Initiativen gegen Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit zu präsentieren und zu unterstützen. Viele Vorträge drehten sich dementsprechend um Themen wie “Digital Equality”, “Fake News” oder “Berichterstattung für Flüchtlinge”, wobei der Leitsatz “positiv nach vorne denken” immer mitschwang. Viele Missstände wurden scharf kritisiert und trotzdem schwebte über der Messe eine positive Grundstimmung, die etwas verändern möchte – dabei aber dennoch für die Zukunft nicht schwarz sieht. Nicht nur das Motto, auch die Gestaltung der Messe traf den Zeitgeist unserer digitalen Gesellschaft. Insgesamt war es sehr bunt und ein auch bisschen selbstgebastelt. Damit setzte sich die re:publica von sterilen Messen ab und wirkte modern. Überall waren farbenfrohe, teils schrille Plakate, Aufsteller und Luftballons zu sehen. Auch an Discokugeln, Lichtern, Herzen und Einhörnern mangelte es nicht. Zusätzlich wurde dem Motto “Laugh out Loud” ein ganzer, sehr stylisch dekorierter Treppenaufgang gewidmet: Reichlich Material also für die nächste Instagramstory.

Virtual Reality

Ein Stichwort, das zwar jeder schon einmal gehört hat, aber die wenigsten schon einmal erlebt haben, wurde gleich von mehreren Ausstellern vorgestellt. Wir haben uns beim ZDF vorgestellt, sind ins Gespräch mit den Mitarbeitern gekommen und standen danach plötzlich auf einem Hochhaus, mussten springen und gleich darauf standen wir in einem römischen Kolosseum zwischen zwei Gladiatoren (am Ende wurde natürlich darauf aufmerksam gemacht, dass das Kolosseum heute als Monument gegen die Todesstrafe dient – Love Out Loud!). Wir waren sehr beeindruckt, wie immersiv Virtual Reality schon jetzt ist. Mitten auf der Messe, Menschenmassen um uns herum, die Kollegin macht einen Boomerang nach dem anderen, und trotzdem haben wir alles um uns herum vergessen und waren mitten in einem Gladiatorenkampf. Der Film hatte eine Länge von zehn Minuten, wurde zwei Monate lang produziert und lässt Virtual Reality nicht mehr als allzu ferne Zukunft erscheinen. Mindestens genauso beeindruckend war für uns der Sprung vom Hochhaus. Nachdem wir schon einige Zeit beobachteten, wie Besucher für Besucher den Sprung vom auf dem Boden liegenden Holzbrett abgebrochen hatten, wollten wir es erst recht wissen: Wie kann es sein, dass die Hürde zum Sprung so unüberwindbar ist, wenn doch rational klar ist, dass es sich um einen ‘Messestreich’ handelt? Brille auf, Kopfhörer auf die Ohren und schon standen wir in einem Aufzug, der uns ganz hoch auf ein Hochhaus brachte. Die Türen gingen auf und wir waren ausgesetzt auf einem Dach, hunderte Meter rechts und links von uns nichts als der tiefe Abgrund und ein schmales Holzbrett. Und tatsächlich: Eine von uns ist gesprungen, die andere hatte sich nicht getraut. Das ZDF präsentierte sich alles in allem auf der re:publica definitiv als innovatives und modernes Unternehmen. 

Podcasts als neues Contentformat

Nachdem wir den Dschungel an Veranstaltungen und Ausstellern sortiert hatten, entschieden wir uns für einen Vortrag zum Thema Podcast. Vincent Kittmann von den Online Marketing Rockstars erklärte in einer einstündigen Rede, wie viele Potenziale Deutschland aktuell in der Podcast Landschaft entgehen. Einer Onlinestudie von ARD und ZDF zufolge hören 13% der Online-Nutzer in Deutschland Podcasts, was solide ist, bedenkt man, dass 64% Audiofunktionen im Netz nutzen. Vor vier Jahren waren das noch 51%, was zeigt: Das Medium Audio kommt – und mit ihm die Podcasts. Klar, im Vergleich zu den USA, die bereits 300 Millionen Euro jährlich in die Vermarktung von Podcasts investieren, ist Deutschland in den Early Days, aber es deutet sich ein Medientrend in diese Richtung an. Hier ergibt sich ein riesiger Markt für Werbetreibende, die die Chance haben, die Stärken der Podcasts als erste zu entdecken und mit vergleichend wenig Aufwand und Budget einen Effekt bei dem Zuhörer zu hinterlassen. Spannend für uns ist, ob wir 2017 noch mehr Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben in eigenen Podcast-Formaten sehen werden, wie sich die Produktion von Podcasts entwickeln wird, wenn sich Profis ans Werk machen und welche Formate in den Charts ganz oben ranken werden.

Zum Abschluss noch ein kurzes Resümee: Wir waren beeindruckt von der Dominanz an Institutionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf der re:publica, die sich allesamt als kreative Unternehmen präsentiert haben und viele technische Innovationen vorgestellt haben. Etwas weniger innovativ waren die großen Player, Google hat die Einstellungen bei “Mein Konto” erklärt und Microsoft Buttons gedruckt. Alles in allem haben wir trotz kurzer Zeit viel Inspiration mitgenommen, waren überfordert mit den vielen spannenden Vorträgen und sind am Ende des Tages erschöpft, glücklich und vollgepackt mit Messe-Goodies nach Hause gefahren.

Sprayer mit Kapuze sprüht Blumen Kunstwerk an die Wand express your cult it's about you

Design Wettbewerb zum Thema Textilien und Kultur

Kulturen sind bunt, einzigartig, vielseitig, fluide, wandelbar, greifbar, manchmal undurchsichtig, oftmals eindrucksvoll. Kulturen schaffen Kunst und Kunst schafft Kulturen. Sie sind eine unerschöpfliche Quelle der Kreativität, die sich in Musik, Glauben, Kleidung und Lebensart wiederspiegelt. Durch Farben, Muster und Beschaffenheit werden Stoffe und Textilien Träger kultureller Identität. Mittels Kleidung schafft Kultur ein Zusammengehörigkeitsgefühl, das gleichzeitig Platz für Individualität lässt. Wohntextilien wie Teppiche werden zu Zeugnissen traditioneller Kulturerzeugnisse. Die Kommunikation von Kultur durch Stoffmuster ist ein wunderbar vielfältiges Ausdrucksfeld von kulturellem Verständnis.

Express your Culture – It’s About You

Wir möchten dieser Vielfalt eine Bühne schenken und Kultur ein Gesicht geben. Dein Gesicht. Unter dem Motto „Textilien als Ausdruck der Kulturen“ laden wir gemeinsam mit ABOUT YOU Kreative aus Mode- und Interior Design, Grafiker, Künstler, Interessierte aus Kunst und Kultur und Studenten aus den entsprechenden Studienrichtungen ein, uns Ihr Bild einer Kultur als textiles Muster vorzustellen.

Deine Wahl – welcher Entwurf soll es sein?

Es kann aus zwei Aufgabenstellungen gewählt werden. Zum einen gilt es, ein Textilmuster für ein Kleidungstück zu entwerfen. In einem begleitenden Konzept soll außerdem die Idee hinter dem Muster beschrieben werden. Zum anderen kann ein Textilmuster für ein frei wählbares Wohntextil entworfen werden. Auch hier vervollständigt ein Konzept zum Entwurf die Aufgabe. Bewertungskriterium ist auch, inwieweit das kulturspezifische Muster mit dem Kleidungsstück harmonisiert beziehungsweise sich optisch in einen Wohnraum einfügen kann.

Meet the Experts

Für die Auswertung der eingesendeten Entwürfe haben wir eine hochkarätige Fachjury aus Grafikern, Designern und Illustratoren gewonnen, die die Konzepte mit ihrer Expertise bewerten. Die ersten drei Platzierungen werden mit einem Preis bedacht. Der Teilnahmeschluss ist der 1. August 2017. Wir freuen uns über eine rege Teilnahme und wünschen allen Kreativen viel Erfolg!

Du willst mehr erfahren? Dann findest du hier alle Angaben und Informationen rund um den Wettbewerb.

Text digital bot allowed control if

Bot Accounts: Stimmungsmacher unserer Zeit

Wenn im Netz über ein Thema debattiert wird, dann entstehen leicht hitzige Kommentarverläufe, gemeine Tweets und jede Menge radikale Aussagen. Dass diese Inhalte nur von menschlichen Nutzern stammen, war einmal. Heute diskutiert noch jemand oder besser etwas Anderes mit – Social Bots. Mit provokanten Kommentaren mischen sie den öffentlichen Diskurs im Netz auf und bleiben dabei immer öfter unerkannt.

Social Bots – Meinung als Massenprodukt

Unter einem Social Bot – abgeleitet von Social Robot – versteht man eine autonom agierende Software, die eigenständig Kommentare und Tweets erstellt. Diese Fake-Accounts folgen anderen Nutzern und haben selber Follower. In ihren Anfängen waren Bots meist leicht zu enttarnen: Sie posteten 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und das nicht selten mit fehlerhaften Sätzen und unverständlichen Aussagen. Es brauchte nicht viel um festzustellen, dass hier kein Mensch hinter dem Profil steht. Inzwischen hat sich die Situation zugespitzt und die Enttarnung ist wesentlich schwieriger geworden. Verbesserte Algorithmen machen es möglich, dass Social Bots heute in der Lage sind, ihr menschliches Gegenüber zu täuschen. Für ihre Beiträge nutzen sie alle im Netz verfügbaren Informationen über Satzbau, geeignete Formulierungen und eingängige Keywords. Insbesondere auf Twitter ist es inzwischen eine echte Herausforderung die Bots zu identifizieren. Schätzungen zufolge könnten hinter bis zu 20 Prozent der Twitter-Nutzer keine Menschen, sondern eine Software stehen. Für die Erstellung braucht es nicht einmal mehr eine Person: Social Bots sind in der Lage, sich selber zu erstellen – und verwenden für ihr Profil unter anderem Bilder echter Nutzer.

Eine Software wird zum politischen Akteur

Social Bots sind insbesondere dort problematisch, wo sie Meinungen stärken und im schlimmsten Fall sogar formen. Vor allem im politischen Kontext können sie gezielt für Propaganda genutzt werden. Personen, die eine gefestigte Meinung vertreten, werden so durch Social Bots in ihrer Meinung bestärkt. Wenn eine solche Vielzahl an Nutzern der Ansicht ist, dass diese und jene Partei vertretbar ist und eine andere nichts taugt, wird das schon richtig sein – so der Gedanke. Ein Paradebeispiel dafür, wie ein Wahlkampf aussehen kann, der nicht nur durch menschliche Akteure geleitet wird, konnte im vergangenen Jahr eindrücklich in den USA beobachtet werden. Nach dem TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten Clinton und Trump war mehr als ein Drittel aller Tweets mit Bezug auf das Duell computergesteuert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Oxford University, die sich schon seit längerer Zeit mit der Problematik der Fake-Accounts auseinandersetzt. Eine weitere Größe: Jeder dritte Follower der Kandidaten soll kein Mensch gewesen sein. Das Bild, dass dadurch über die Supporter der beiden Präsidentschaftsanwärter entsteht, ist in jedem Fall ein verzerrtes. Offen bleibt, ob und welchem Ausmaß die Social Bots Einfluss auf die Wahlentscheidung der US-amerikanischen Bevölkerung genommen haben.

Ist ein Verbot unumgänglich?

2017 werden auch in Deutschland die Wahllokale geöffnet. Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion um Social Bots aktueller denn je. Nun wird darüber beraten, ob es den Parteien gesetzlich verboten werden sollte, Social Bots für ihren Wahlkampf zu nutzen. Dieser Ansatz ist sicherlich wichtig, reicht aber möglicherweise nicht weit genug. Denn wer kann schon kontrollieren, ob die Parteien die Erstellung von Social Bots selber in die Hand nehmen oder beauftragen. Wahrscheinlich ist, dass die Supporter einer Partei diese Aufgabe vielmehr auf eigene Initiative hin übernehmen und die Möglichkeit nutzen, um ihre Partei durch software-gesteuerte Accounts zu unterstützen. Nicht zuletzt, haben Social Bots nicht allein in der Politik einen wachsenden Einfluss. Auch in der freien Wirtschaft, im Hinblick auf Werbung und Imagebildung privater Unternehmen und Personen können sie einen Beitrag leisten. Insbesondere die Enttarnung der falschen Accounts stellt eine Herausforderung dar. Zurzeit untersucht unter anderem das Projekt Social Media Forensics der Universität Siegen die Manipulation durch Social Bots und den sich daraus ergebenen Schaden.

Foto: @pixabay

Reis wird in silberne Schüssel geschüttet

Die App, die den Hunger stillt

Wie wäre es, wenn man mit einer App den Hunger in der Welt bekämpfen könnte? Sebastian Sticker und Bernhard Kowatsch haben es ausprobiert und mit ihrer App „Share The Meal“ 2014 den Versuch gestartet, die praktische Onlineanwendung für einen guten Zweck einzusetzen. Die Idee: Mit wenigen Klicks auf dem Smartphone einen kleinen Betrag spenden und so einem hungernden Kind zu einer Mahlzeit verhelfen. Und das Konzept geht auf. Heute, nur knapp 2 Jahre später, beläuft sich die Zahl der gespendeten Mahlzeiten bereits auf weit über 8 Millionen. Ein unglaublicher Erfolg und ein Hinweis darauf, dass die Spendenkultur einen Wandel durchläuft.

Hunger ist real – aber das Problem ist lösbar

Weltweit leiden 795 Millionen Menschen an Hunger – das ist etwa jeder neunte Mensch. Dabei braucht es nur rund 40 Cent pro Tag, um ein hungerndes Kind zu ernähren. Der Großteil der Spender, die regelmäßig eine Hilfsorganisation unterstützen, sind Personen über 40 Jahre. Junge Leute investieren wesentlich seltener in den guten Zweck. Zu aufwendig und teuer scheint ein Spenden-Abo oder das Ausfüllen eines Spendenbelegs. Die Digital Natives erreicht man nicht mit Spendenaufrufen, die mit der Post ins Haus kommen. Sie leben in einer mobilen Welt, kommunizieren und agieren online und tragen ihr Smartphone stets bei sich.

Sebastian Sticker und Bernhart Kowatsch haben das erkannt und eine App entwickelt, mit der die Nutzer in wenigen Schritten eine kleine Spende von 40 Cent tätigen können.  Runterladen, registrieren, spenden – und schon bekommt ein hungerndes Kind eine Mahlzeit. Überwiesen wird ganz einfach per Kreditkarte oder PayPal. Statt also nur durch einen Like bei Facebook zu zeigen, dass einem ein Hilfsprogramm gefällt oder man der Meinung ist, dass eine Organisation unterstützt werden sollte, bietet Share The Meal seinen Nutzern die Möglichkeit, tatsächlich aktiv zu werden. Die Verknüpfung mit Facebook ist trotzdem möglich. So können Nutzer über ihre sozialen Netzwerke Freunde dazu einladen, ebenfalls zu spenden. Und wenn man bedenkt, dass es 20 Mal mehr Smartphone-User als hungernde Kinder gibt, dann zeigt sich schnell, welches Potential an helfenden Menschen über die App erreicht werden könnte.

Über alle Grenzen hinaus

Inzwischen ist die App weltweit verfügbar, ermöglicht die Anzeige in neun Sprachen und Spenden in 27 verschiedenen Währungen. Mit 30 Prozent stellen die Deutschen momentan noch den größten Anteil der Nutzer dar. Aber die App gewinnt international zunehmend an Aufmerksamkeit und wird stetig ausgebaut. Zu den neuesten Überarbeitungen gehört beispielsweise ein Newsfeed, der den Nutzer über den Einsatz seiner Spende informiert. Durch persönliche Stories, Bilder und Geotags kann der Nutzer mitverfolgen, was seine Spende bewirkt. Denkbar ist in Zukunft auch die Einbindung von Virtual Reality-Material, das es ermöglichen wird, dem Spender einen Einblick in das Leben der Menschen zu geben, für deren Versorgung er spendet. Inzwischen informiert Share The Meal auch über Facebook, Twitter und Instagram über Neuigkeiten. Der Nutzer soll sich verbunden fühlen und einbezogen werden.

Wissen, dass es ankommt

Share The Meal ist eine Initiative des UN World Food Programme (WFP). Die Organisation erreicht jährlich 80 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe und ist damit die größte humanitäre Einrichtung, die sich gegen den Hunger engagiert. Finanziert wird die Arbeit der WFP ausschließlich durch Spenden. Nach Abzug der Verwaltungskosten werden 90 Prozent der gespendeten Gelder für die Versorgung von Hungernden mit Lebensmitteln eingesetzt. Share The Meal hat es sich als Teil der WFP zum aktuellen Ziel gesetzt, 58 000 Schulkinder in Zomba für ein Jahr mit Essen zu versorgen. Die Kinder, die zwischen sechs und 13 Jahre alt sind, werden in ihrer Schule mit einem besonders nahrhaften Essen versorgt. Damit wird zum einen erreicht, dass die Schüler nicht mit knurrendem Magen am Unterricht teilnehmen müssen, zum anderen, dass mehr Kinder tatsächlich die Möglichkeit von Schulbildung wahrnehmen.

Darf helfen so einfach sein?

Mit dem zunehmenden Erfolg der App werden auch die ersten Stimmen der Kritik laut. Zu simpel sei das Prinzip. Eben beim Mittagessen 40 Cent gespendet und schon ist das Gewissen beruhigt. Anstatt das Geld in Nahrungsmittel zu investieren, sollte es eher in Forschungsprogramme fließen, die Möglichkeiten untersuchen, beispielsweise Getreide hitzebeständiger zu machen, sodass es auch in sehr trockenen, heißen Gegenden wachsen kann. Damit wäre der Welt auf lange Sicht mehr geholfen. Oder die allgemeinere Problematik, dass Spenden und Hilfen von außen letztlich nur dazu führen, dass Regierung und Bevölkerung die Verantwortung abgeben.

Und trotzdem: Wer Geld spendet, um einem Kind eine Mahlzeit zu schenken, der sollte dafür keine Kritik einstecken müssen. Auch eine kleine Spende ist eine Spende und in jedem Fall besser als keine. Und feststeht, dass Share The Meal eine ganz neue Zielgruppe zum Spenden animiert, was allein schon ein Erfolg ist.

Foto: @pixabay

Macbook neben Notizheft und Stift

Unternehmenskommunikation à la Zuckerberg

Mit 1,7 Milliarden angemeldeten Nutzern ist Facebook die größte Online-Plattform weltweit. Sie ermöglicht die Kommunikation mit Freunden und bietet die Möglichkeit Fotos, Videos und andere Beiträge online zu teilen. Dabei wird die Plattform vor allem für das Privatleben genutzt. Facebooks neues ambitioniertes Ziel ist es nun, auch in der Kommunikation von Unternehmen den führenden Service zu bieten.

Was lange währt, wird endlich gut

Nach 20 Monaten in der Beta-Phase veröffentlichte Facebook in der letzten Woche seine erste Plattform für Unternehmen. Workplace heißt die App, die weltweit die Unternehmenskommunikation vereinfachen und optimieren soll. Über 1000 Unternehmen testeten die Anwendung, die zunächst unter dem Namen „Facebook at Work“ eingeführt wurde. Darunter namenhafte Global Player wie der Lebensmittelkonzern Danone, die Hilfsorganisation Oxfam und der Reiseanbieter Booking.com. Eine direkte Verbindung zum Social Network Facebook besteht dabei nicht. Die Anmeldung erfolgt über die E-Mail-Adresse des Unternehmens, sodass Nutzer auch ohne Facebook-Profil von dem Angebot profitieren können. Was gleich bleibt, ist das bereits bekannte Layout von Facebook. Lediglich Logo und Farbe unterscheiden sich von der Facebook-Optik. Der Vorteil: Viele Angestellte nutzen privat bereits Facebook und finden sich so problemlos auf der neuen Plattform zurecht.

Das bietet Workplace

Workplace soll die interne Kommunikation eines Unternehmens und den Kontakt zu anderen Firmen erleichtern und optimieren. Ähnlich der bekannten Funktionen, die Facebook bietet, finden sich auch bei Workplace ein Chat, Gruppen und ein Newsfeed. Aber auch Audio- und Videoanrufe gehören zu der Anwendung. Dazu kommen verschiedene Analyse-Tools, mit denen die Aktivität der Mitarbeiter aufgezeichnet werden kann. Besonders praktisch ist zudem, dass Workplace auf allen mobilen Endgeräten funktioniert. So können auch Berufstätige, die sich wenig am Arbeitsplatz direkt aufhalten, problemlos mit ihren Kollegen und Unternehmenspartnern in Kontakt stehen – und das alles über eine einzige App. Momentan zählen die USA, Indien, Frankreich, Norwegen und Großbritannien noch zu den Top-Usern. Abzuwarten bleibt, wie und ob sich Workplace auch in Deutschland etablieren wird.

Kosten unterwandern die Konkurrenz

Workplace berechnet die Kosten der Anwendung in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße. Dabei fallen für Firmen mit bis zu 1000 Mitarbeiter monatlich etwa drei Euro Gebühren an, für solche mit bis zu 10 000 Angestellten zwei Euro. Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von über 10 000 Euro zahlen nur noch einen Euro pro Nutzer. Zusätzlich bietet Workplace eine Besonderheit: Es wird nur das bezahlt, was auch wirklich genutzt wird. Die monatlichen Kosten werden erst dann fällig, wenn ein Nutzer Workplace mindestens einmal geöffnet hat. Für Universitäten und Nichtregierungsorganisationen ist der Online-Dienst zudem kostenlos. Damit unterscheidet sich Workplace klar von seinen Konkurrenten, wie Slack und Yammer, die bis zu 6-mal höhere Kosten berechnen.

Sicherheit geht vor

Wenn es um Datenschutz geht, hat Facebook vor allem in vielen europäischen Ländern einen schweren Stand. Im Laufe der letzten Jahre gerieten die Datenschutzpraktiken des Unternehmens immer wieder in die Kritik, weil sie nicht den deutschen und europäischen Vorgaben entsprachen. Insbesondere die Verwendung von Nutzerdaten ließ das Vertrauen in das Unternehmen sinken. Gesichtserkennung und personalisierte Werbung beflügelten die Kritik noch zusätzlich. Facebook reagierte mit wiederholten Anpassungen der Privatsphäreeinstellung. Dennoch – Vertrauen gehört bis heute nicht zum Image des Unternehmens. Jetzt, mit der Einführung von Workplace, stellt sich erneut die Frage nach der Sicherheit der angegebenen Daten. Dieses Mal – so scheint es – garantiert Facebook für den gesetzmäßigen Datenschutz. Das Unternehmen ist bezüglich der Anwendung dem Privacy Shield Abkommen beigetreten, das seit Juli dieses Jahres das Datenschutzrecht zwischen den USA und Europa regelt. Unternehmen, die dem Privacy Shield beitreten, versichern, Daten nach den europäischen Vorgaben zu sichern. Da trotzdem eine Übertragung der Daten in die USA stattfindet, empfiehlt es sich, im Zweifelsfall die Regelungen zu prüfen.

Fazit

Das größte Social Network ist Facebook bereits. Ob es eine gleiche oder ähnliche Position auch im Bereich der Unternehmenskommunikation erreichen kann, wird sich zeigen. Durch die bekannte Aufmachung ist das Angebot für viele Nutzer leicht zu verstehen und problemlos anzuwenden. Es verspricht für einen vergleichsweise niedrigen Preis eine perfektionierte Kommunikation, die auch mobile Endgeräte einschließt. Aufgrund seines schlechten Images in Sachen Datenschutz ist es dennoch denkbar, dass die Anwendung in Deutschland einen schweren Start haben wird.

Foto: @pixabay

schwarz-weiß Tastaturtasten eingewachsen in Hände auf Handrücken

Ein kurzer Blick auf: Virtuelle Realitäten

Vorsätze wurden gefasst, Pläne sind geschmiedet und langsam aber sicher kommen wir im Jahr 2016 an. Der perfekte Zeitpunkt, einmal wieder die Glaskugel auszupacken und einen Blick in die uns bevorstehende technische Zukunft zu werfen. Dieses Mal: Virtuelle Realität(en).

Virtual reality..

Was vor vier Jahren mit dem ersten Vorläufer von Oculus Rift begann, ist zum neusten Hype der Technikszene geworden. Ein head mounted display, das den Träger komplett in eine andere, virtuelle Welt entführt. So besucht man täuschend echte Unterwasserwelten oder darf in schwindelerregender Höhe über ein Seil balancieren – das Zusammenzucken, wenn man von einem Hai angegriffen wird und der Schweißausbruch wegen der Höhenangst inklusive. Die erste Umsetzung einer solchen “betretbaren” Realität schlug in der Technikwelt große Wellen. Angestachelt von den zu verzeichnenden Erfolgen des Start-Ups Oculus, zogen nach und nach auch Marktführer im Bereich der VR nach. Morpheus bei Sony, Vive von HTC oder HoloLens bei Microsoft – immer mehr namhafte Hersteller investieren in die neue Technologie. Virtuelle Realitäten sollen massentauglich gemacht werden und schon in naher Zukunft ihren Einsatz in den unterschiedlichsten Feldern unserer Gesellschaft finden.

.. und wie wir sie nutzen können.

Doch in welchen Bereichen kann man sich virtual reality überhaupt vorstellen? Der offensichtlichste Einsatz der neuen Technologie liegt mit der Gaming Szene schon fast auf der Hand – nicht umsonst entsprang die erste VR Brille einem Start Up aus dieser Branche. Auch im Medienbereich entsteht ein reges Interesse in Bezug auf virtuelle Realitäten. Erst kürzlich entschied sich die ProSieben Sat1 Media AG und der Springerverlag dazu, in das Start-Up Jaunt VR zu investieren. Eine Firma, die sich auf die Erstellung und Verbreitung von Virtual-Reality-Inhalten spezialisiert hat. Denn besonders das Medium Fernsehen könnte auf diese Weise revolutioniert werden. Aber nicht nur die Entertainment Branche wird gehörig aufgewirbelt. Auch ein entsprechender Einsatz in der Arbeitswelt wäre durchaus denkbar. Hier können beispielsweise Alarm oder Krisenszenarien vor allem im technischen Bereich nachgestellt werden. In einem geschützten Umfeld können Mitarbeiter auf diese Weise dann den Ernstfall proben oder die Bedienung bestimmter Instrumente üben. So können auch in der medizinischen Ausbildung Operationssituationen simuliert, aus komplett neuer Perspektive gezeigt und somit besser erlernt werden. Bereits jetzt wird die virtuelle Realität in der Medizin gezielt eingesetzt und ist vor allem im Bereich der Psychologie eine große Hilfe. Durch das Hineinversetzen in verschiedene Szenarien kann mit dem Patienten sehr konkret an Ängsten und Phobien gearbeitet werden. Erste Erfolge lassen sich auch im Bereich der Schmerztherapie verzeichnen, bei der Patienten durch besonders eindrucksvolle Bilder so gut wie möglich von ihrem Leiden abgelenkt werden.

Die Möglichkeiten, virtuelle Realität einzusetzen, sind schier unerschöpflich und sie werden den Technologie Sektor der kommenden Jahre mit Sicherheit enorm prägen. Zwar lässt sie sich für den kleinen Mann aktuell noch nicht entsprechend umsetzen und aufbereiten – hierfür ist das Konzept zu kompliziert, arbeitsaufwendig und damit zu teuer – aber die ersten Weichen sind gestellt.

Bild: pixabay.

Volles Bücherregal

Wie Medien abstraktes Denken beeinflussen

Mensch und Kultur befinden sich in einem ständigen Wandel ohne Ende. Mit den neuen Möglichkeiten ändern sich nicht nur Lebensstil und Ansprüche, sondern auch die Kompetenzen einer Gesellschaft. Der Geisteswissenschaftler Henry Jenkins brachte es auf den Punkt: „In einer Jäger-und-Sammler-Gesellschaft spielen die Kinder mit Pfeil und Bogen. In einer Informationsgesellschaft spielen die Kinder mit der Information.“ Im Falle des Informationszeitalters sind wir alle Kinder, welche sich vor allem durch neue mentale Fähigkeiten zu profilieren scheinen.

Medien sind nicht nur Trägersysteme für Information, sondern schaffen Kultursysteme für ihre Nutzer. Mit den Innovationen wachsen die Bedeutungsräume einer Gesellschaft, in welchem kulturelles Verhalten und Denken geprägt werden. Ein solcher Bedeutungsraum ist zum Beispiel Facebook. Wissen wird geteilt, digitale Umgangsformen entwickeln sich und werden in die reale Welt integriert. Der Mensch ist nicht mehr nur Mensch, sondern User. Was er in der realen Welt tut, geschieht vor dem Hintergrund einer digitalen Welt, welche er mit eigenen Inhalten bespielt, gestaltet und für seine Interessen benutzt. Der Blick auf das Leben wird von unseren Erfahrungen im Web gefiltert. Ein übertragener Hashtag „Nofilter“ ist für die Perspektive auf das reale Leben genauso Retro wie der Sepia-Filter auf Instagram. So vernetzen wir die verschiedenen Ebenen des Lebens und erlernen eine Kommunikation, die in sich geschlossen und medienübergreifend ist.

Der User hat gelernt, seine Gestaltungsräume zu nutzen, um seine Geschichte zu erzählen. Er springt von einem Kanal zum nächsten, ist wandelbar und mobil. Seine Message bleibt dieselbe und ist crossmedial – sollte sie zumindest sein. Andernfalls steht die Authentizität in Gefahr, das höchste Charakter-Gut aller Influencer. Die Medienkompetenz befindet sich vom Kinogang bis zum Tweet in einem ständigen Wandel. Henry Jenkins definiert unter dem Schlüsselbegriff Medienkompetenz X.0 elf Fähigkeiten, die sich unter den Nutzern ausprägen. So bezeichnet er zum Beispiel mit „Play“ die Fähigkeit des spielerischen Umgangs der Menschen mit ihrer Umgebung, um kreativ nach Lösungen zu suchen – eine Art Gamification des realen Lebens. „Performance“ bedeutet, dass der Mensch zunehmend fähig ist, sich in alternative Identitäten zu versetzen. Dies ist hilfreich, um neue Erfahrungen zu machen, sich auszuprobieren und zu improvisieren. Ebenso die Fähigkeit zur Simulation oder kollektiven Intelligenz: Die sich weiterentwickelnden Medienkompetenzen prägen unser Selbstverständnis und den Umgang mit unserer Umwelt.

Schon Kinder lernen mithilfe von Geräten, mittlerweile auch Software, ihre mentalen Fähigkeiten zu erweitern. Gleichzeitig stärken sie mit dem Heranwachsen ihr Urteilsvermögen gegenüber verschiedenen Informationsquellen. Die Vielseitigkeit und Varianz der Kommunikationsmöglichkeiten erfordert Multitasking. Das Scannen der Umgebung und die bei Bedarf notwendige Verlagerung der Aufmerksamkeit auf einzelne Details sind zu alltäglichen Prozessen geworden. Die Anforderungen einer digitalen Gesellschaft an das Individuum setzen das Potential von mentalen Fähigkeiten frei, welche zwar schon immer da waren, jedoch nicht in dieser Intensität benötigt wurden. Abstraktes Denken arbeitet die Mechanismen der Informationskultur heraus und überträgt sie auf konkrete Prozesse. Die Weiterentwicklung führt jedoch auch zu neuen Bedürfnissen. Die komplexen Anforderungen machen den Menschen unabhängiger, können ihn aber auch isolieren. Social Media kann den zwischenmenschlichen Kontakt nicht ersetzen. Der Informationsaustausch durch Trägermedien wird oft mit einem persönlichen Dialog verwechselt. Doch je mehr eine digitale Interaktion stattfindet, desto mehr benötigen die User echte Beziehungen. „Soft Touch“ ist schließlich ein menschliches Grundbedürfnis, welches nicht nur die mentale Gesundheit, sondern auch die Qualität der Kommunikation langfristig bestimmt.

Bildquelle: kazuend, Unsplash