All articles written by: Julia

Digitales Schachbrett auf der Documenta 2017

Documenta 2017: Eine digitale Schachpartie
zwischen Athen und Kassel

Schachmatt – heißt es auf der Documenta 2017. Zum ersten Mal findet die Ausstellungsreihe in zwei Städten statt – Kassel und Athen. Wir berichteten bereits darüber. Der Künstler Bili Bidjocka thematisiert diese Aufteilung spielerisch in seinem Werk “The Chess Society”. Darin lässt er die Städte in einer Schachpartie gegeneinander antreten. Auch ihr könnt mitspielen, denn: Das Duell ist webbasiert.

Ein Flop unter dem Weihnachtsbaum

Bili Bidjocka ist ein zeitgenössischer Künstler, der für seine Skulpturen und Installationen bekannt ist. Geboren ist er in Kamerun, aufgewachsen in Frankreich – wo er auch heute noch arbeitet. Darüberhinaus hat es den Künstler nach Brüssel und New York verschlagen. Einige seiner Werke stellte er bereits im „New Museum of Contemporary Art“ aus. Bili Bidjocka kam schon früh und zunächst unfreiwillig mit dem Strategiespiel in Verbindung. Die Überraschung und Enttäuschung war groß, als er und sein Bruder in Kindertagen ein Schachspiel als Weihnachtsgeschenk erhielten. Sie kannten weder die Regeln, noch wussten sie so recht etwas anderes damit anzufangen. Doch die beiden freundeten sich zunehmend mit einem Match an und spielten hin und wieder eine Partie. Das digitale Schach-Kunstwerk widmet Bili Bidjocka seinem Bruder.

Die Installation einer virtuellen Schacharena

Den Eröffnungszug der Kunstausstellung, im Rahmen der Documenta 2017, durfte Athen setzen. Dort ist die Installation mittlerweile beendet. In Deutschland kann das Duell nach wie vor in einer Industriehalle auf dem Gelände der Universität Kassel bestaunt werden. Die Installation setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. Auf einem Vorhang aus Fäden ist zu lesen: “J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage“ (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann). Hinter dem Schleier verbirgt sich ein abgedunkelter Raum mit einem tiefschwarzen Wasserbecken. In dessen Mitte wird ein gigantisches Schachspiel projiziert. Es scheint, als würde das Brett auf der Wasseroberfläche schweben. Wer den Prozess live vor Ort nicht nur beobachten, sondern selbst in den Genuss einer Partie kommen möchte, kann sich in einem abgetrennten Bereich an echte Schachbretter setzen.

Documenta 2017: Online-Demokratie am Zug

Das digitale Spielfeld speist sich aus den virtuellen Zügen, die Nutzer aus Athen und Kassel, beziehungsweise Griechenland und Deutschland, auf der Website von “The Chess Society” bestimmen. Alle 24 Stunden hat man die Möglichkeit, den nächsten Zug anzubieten. Die finale Handlung richtet sich dann – ganz demokratisch – nach der Mehrheit der Vorschläge. Die bisherigen Sätze und Ergebnisse sind ebenfalls im Internet einsehbar. Zusätzlich können sich die Nutzer austauschen und das Spiel in einem Chat kommentieren. Runde eins hat Athen gewonnen. Das zweite Match endet heute. Also haltet Euch ran und entscheidet die aktuelle Partie für Kassel.

Digitales Schachbrett auf der Documenta 2017
Bili Bidjocka, The Chess Society J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann), 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht, Gottschalk-Halle (Universität Kassel), Kassel, documenta 14, © Bili Bidjocka/VG Bild-Kunst, Foto: Mathias Völzke

 

Installation The Chess Society Schachbrett in Bonn
Bili Bidjocka, The Chess Society
J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage
(Ich glaube, es gibt eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen Schwarzen, der putzt), 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht, Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA) – Pireos-Straße („Nikos-Kessanlis“-Ausstellungshalle), documenta 14 © Bili Bidjocka/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Stathis MamalakisBead curtain, chess board, chess tables, chairs, chess pieces and clocks, web-based game

 

Titelbild: @Bili Bidjocka, The Chess Society
J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann), 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht, Gottschalk-Halle (Universität Kassel), Kassel, documenta 14, © Bili Bidjocka/VG Bild-Kunst, Foto: Mathias Völzke

Gitarrist und Musiker auf Bühne mit Smartphone gefilmt zum Artikel: Jeden Tag ein neues Musikvideo dank künstlicher Intelligenz

Jeden Tag ein neues Musikvideo
durch künstliche Intelligenz

Ihr neues Musikvideo zur Single Dig Down hat die britische Rockband Muse mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz generieren lassen. Es ist damit der erste Musikclip dieser Art. So werden Obama, Clinton, Trump, Snowden, David Bowie, George R.R. Martin, ein Sky-Reporter sowie Kate und William Teil von ein und der selben Darstellung, die sich jedoch jeden Tag wandelt. Das erste Artificial Intelligence Musikvideo nutzt die neue Technologie und huldigt damit die gegenwärtige Remix-Kultur.

Ein Computer als Regisseur

Das Lyric-Video setzt sich aus zahlreichen Videoausschnitten und Soundschnipseln aus dem Internet zusammen. Diese wurden aus hunderten Stunden Videomaterial ausgewählt und in die neueste künstliche Intelligenz Software eingespeist. Unter den zusammengepuzzelten Szenen befinden sich unter anderem Nachrichtensendungen, Pressekonferenzen von Politikern, Interviews mit Prominenten oder diverse Youtube-Clips. Die Software wählte die Clips vor allem nach gesprochenen Wörtern aus, die im Text von Dig Down vorkommen. Im Anschluss wurden die Ausschnitte maschinell so aneinandergereiht, dass das Video und der originale Songtext im Takt aufeinanderpassen.  In Dig Down wird dadurch jedes Wort von einer anderen Person gesprochen. Statt der Stimme des Frontmanns Matthew Bellamy, füllen Stars und Politiker den Liedtext in einer Playback-Version des Songs. Die künstliche Intelligenz merkt sich diesen analytischen Prozess und kann ihn problemlos sowie abgewandelt wiederholen. Weil das so einfach ist, erscheint nun jeden Tag eine neue Version des Musikvideos – quasi immer wieder exklusiv.

Remix-Kultur durch automatisierte Produktion

Muse’s neues Musikvideo reiht sich in die heutige Remix-Kultur ein. Zwar gibt es auch ein klassisches Musikvideo zur Single, mit der Online-Variante gibt die Band jedoch einen Teil des künstlerischen Schaffens in die Hände eines Computers. An dem Video war weder ein Regisseur noch ein Drehbuchautor beteiligt. Laut eines Statements des Artificial-Intelligence-Entwicklers Branger Briz, ist es den Machern ein Anliegen ”eine öffentliche Debatte über die Vorteile und Gefahren dieser neuen und unglaublich einflussreichen Technologie zu führen”.

Lichterkette-Berlin-Events

Die Top 5 Berlin Events im August

Die Tage werden wieder kürzer, draußen herrscht Dauerregen und ehe man sich versieht ist  der Spätsommer am Start. Als sei dies noch nicht genug, befinden wir uns mitten im berühmten Sommerloch. Was treiben wir jetzt, wo Theater und Co. eine Pause einlegen? Keine Zeit zum Trübsal blasen: Wir haben Euch die besten Berlin Events in Sachen Kunst und Kultur im August zusammengetragen – gute Laune garantiert!

Tanz im August: TALOS

TANZ IM AUGUST ist ein Internationales Festival des zeitgenössischen Tanzes, welches vom 12. August bis zum 4. September stattfindet. Das umfangreiche Programm spielt sich auf zahlreichen Bühnen in unterschiedlichen Locations ab.

Im Rahmen des Festivals wird das Solo TALOS uraufgeführt. Darin beschäftigt sich der israelische Choreograf Arkadi Zaides mit Migrationsbewegungen, sowie der Zukunft der Grenzen. Die Darstellung bezieht sich auf das EU-geförderte Technologieprojekt “TALOS”. Dies ist ein mobiles Robotersystem, das einen illegalen Grenzübertritt erkennen und verhindern soll. Der Choreograf und sein interdisziplinäres Team verdeutlichen mithilfe von Interviews, Filmmaterial und Dokumenten die Auswirkungen des Konzeptes und werfen dabei ethische Fragen auf.

Wann? 30. August – 02. September Wo? Haus der Berliner Festspiele

Zum Facebook-Event

Das Pop-Kultur Festival

Bei dem internationalen Pop-Kultur Festival, einem Projekt der Musicboard Berlin GmbH, ist der Name Programm. In der Kulturbrauerei werden über 70 Konzerte, DJ-Sets, Ausstellungen, Installationen, Talks und Filme rund um die Themen Popkultur und Popmusik stattfinden. Den Veranstaltern ist es wichtig, neue experimentelle Produktions-, Arbeits- und Aufführungspraktiken sowie Performances zu integrieren. Unter den Künstlern befinden sich auch viele Newcomer.

Wo? Berlin Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin 

Wann? 23. August – 25. August; 18:00 Uhr – 06:00 Uhr 

Wer? u.a. Alexis Taylor (Hot Chip), Komponistin Anna Meredith, Entertainer Erobique, Liars, Newcomerin Ilgen-Nur, Grime-Queen Lady Leshurr, Mercury-Music-Prize-Träger Young Fathers

Zum Facebook-Event

Klunkerkranich: Berlin Sessions X

In der Hoffnung auf eine laue Sommernacht, veranstaltet Klunkerkranich die sechste Fortsetzung der musikalischen Reihe Berlin Sessions X. Mit einem Drink in der Hand und guter Musik im Ohr kann der Ausblick über die Hauptstadt genossen werden. Voraussetzung: Das herbeigesehnte Ende der Berliner Sintflut-Tage sowie Sommer, Sonne,  Sonnenschein!

Wo? Klunkerkranich, Karl-Marx-Str. 66, 12053 Berlin

Wann? 23. – 24. August, 16:00 Uhr – 02:00 Uhr 

Wer? Lion Sphere, Unknown Neighbour and Påla

Zum Facebook-Event

20 Jahre Lange Nacht der Museen

80 Museen, 800 Events, 1 Ticket – die lange Nacht der Museen ist jedes Jahr aufs Neue ein Highlight des Berliner Kultursommers. Auch in anderen Städten und Ländern öffnen sich für eine Nacht die Türen dieser kulturellen Orte – inklusive spannender Aktionen, Führungen, Darbietungen sowie musikalischer Untermalung. Und wo wurde die Idee vor 20 Jahren erfunden? Na klar, in Berlin. Anlässlich dieses Jubiläums steht die Veranstaltung 2017, vom 19. – 20. August, unter dem Motto „Made in Berlin“. Passend dazu ist das Programm in diesem Jahr von berühmten Berliner Persönlichkeiten sowie Erfindungen geprägt und zeigt den Facettenreichtum der Stadt. Die Initiatoren versprechen Eindrücke “von Karl Friedrich Schinkel bis Käthe Kollwitz, von Marlene Dietrich bis Uli Richter, von KPM bis Currywurst”. Für Filmliebhaber lohnt sich außerdem ein Besuch der Open-Air-Filmreihe mit Künstlerporträts im schönen Hof des Podewils in Berlin-Mitte.

Die Anfahrtswege dürften ebenfalls kein Problem darstellen: Nachtschwärmer können mit dem Eintrittsticket alle öffentlichen Verkehrsmittel, inklusive extra eingesetzter Shuttles, nutzen. Die Website der Langen Nacht hilft bei der Vorbereitung eines Besuches. Dort kann nach Zeiten, Veranstaltungen, Museen, Themen und vielem mehr gefiltert und so eine persönliche Route zusammengestellt werden. Die Tickets sind seit kurzem erhältlich. Bis zum 07. August gibt es das Ticket sogar zum Sparpreis.

Zur Website – Lange Nacht der Museen

Die UFA Filmnächte

“Kinogeschichte unter freiem Himmel mit Live-Musik” heißt es bei den UFA Filmnächten im August 2017. Zum siebten Mal zeigen Bertelsmann und UFA vom 22. bis zum 25. August 2017 teils rekonstruierte und digitalisierte Kino-Klassiker der Stummfilmzeit mit musikalischer Live-Begleitung – inklusive Orchesterbühne, DJ und Großleinwand. Eingebettet in den historischen Veranstaltungsort, dem Kolonnadenhof des Weltkulturerbes Museumsinsel, wird die Filmnacht so zu einem ganz besonderen kulturellen Ereignis. Anlässlich des 100sten Jubiläums der UFA wird außerdem der neuere Kinoerfolg “Der Medicus” von 2013 vom Neuen Kammerorchester Potsdam bespielt. Jeder Film wird von einem prominenten Paten aus der Branche eingeführt. Der Ticketvorverkauf läuft bereits. Wer am Eröffnungsabend nicht dabei sein kann, hat die Möglichkeit, das Event live und online auf arte zu verfolgen.

Wo? Kolonnadenhof der Museumsinsel Berlin Wann? 22. – 25. August, Einlass jeweils um 20:30 Uhr

Bild der Selfie Ausstellung London

Von Rembrandt bis Kardashian:
Eine Selfie Ausstellung

Selfies umgeben uns tagtäglich. Selbst wenn wir keine schießen, sehen wir zumindest an jeder Ecke immer wieder einen Smartphone-Besitzer in typischer Selfie-Pose. Umso verwunderlicher, dass ein Museum in London nun die weltweit erste Ausstellung über das Selfie initiiert hat. Angefangen von den Selbstporträts der alten und ebenso berühmten Maler, über Alltags-Aufnahmen und Fotografien zeitgenössischer Künstler, bis hin zu den Promi-Selfies à la Kim Kardashian – die Ausstellung „From Selfie to Self-Expression“, gibt einen spannenden Einblick in die Geschichte des Selbst- und Fremdbildes.

Gab es das Selfie schon immer?

Einer der bedeutendsten und berühmtesten Maler des Barocks, Rembrandt van Rijn, fertigte zahlreiche Selbstporträts an – mit unterschiedlichen Gesten, Gesichtsausdrücken, Kulissen, Rollen und Farben. Mal als Radierung, mal als Zeichnung. Warum tat er das? Wahrscheinlich hatte er eine ähnliche Intention wie die meisten Smartphone-Nutzer des 21. Jahrhunderts, die dem Selfie zwar zunehmend kritisch gegenüber stehen, aber am Ende doch nicht die Finger davon lassen können: Sich selbst inszenieren, ein Denkmal setzen, Erinnerungen festhalten, der Außenwelt das Selbstbild präsentieren oder es gar abändern und so die eigene Wahrnehmung der Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Vielleicht aber auch einfach nur, um sich selbst zu finden?

From Selfie to Self-Expression

Jeden Tag werden ca. 93 Millionen Selfies geschossen. Damit sind die Smartphone-Bilder fester Bestandteil unserer visuellen Landschaft. In London präsentiert nun die Saatchi Gallery, eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst, die erste Ausstellung weltweit, welche sich mit der Geschichte des Selfies befasst. Mit der Expression „From Selfie to Self-Expression“ hebt die Galerie Smartphone-Fotografien damit in künstlerische Sphären. Aufgrund des großen Besucherandranges und der vielen Interessenten, wurde die Schau bereits zum zweiten Mal verlängert. Noch bis zum 06. September kann auf zwei Etagen kostenlos die Welt der Selbstinszenierung bestaunt werden. Außerdem wird auf die medialen Effekte in den Bereichen Gesellschaft, Politik und Konsum eingegangen.

Die Ausstellung zeigt sowohl die alten Werke berühmter Künstler wie Frida Kahlo, als auch zeitgenössische Selfie-Kunstwerke. Die Art der Präsentation zieht sich wie ein roter Faden durch die Räume. Jede Abbildung ist in den typischen schwarzen Instagram-Rahmen, inklusive Like-Button eingebettet. Diesen kann der Besucher, wie im virtuellen Raum auch, je nach Geschmack betätigen. Bei den Gefällt mir Angaben lag Frida Kahlos „Selbstporträt. Gewidmet Dr. Eloesser“ von 1940 zeitweise ganz vorne. Die Ausstellung macht den Facettenreichtum von Selbstbildnissen sichtbar und begegnet diesen ganz offen. Von ironischen, ernsthaften oder waghalsigen Bildern, bis hin zu durch die Presse gejagten Promi-Gruppenselfies ist alles dabei. Ähnlich wie bei Rembrandt variieren auch hier die Darstellungsformen: Es wird mit zahlreichen Video-Installationen, Statuen, Porträts und natürlich Fotografien gearbeitet. Indem Nutzer ihre Selfies mit zahlreichen Filtern und Bearbeitungen überoptimieren, werden diese zunehmend zu einem Konstrukt und einem Werk. Einer der Unterschiede zu den alten Gemälden liegt darin, dass sich die Selbstdarstellungen massenhaft reproduzieren und teilen lassen. Christopher Bakers Installation „Hello World! Or: How I Learned To Top Listening And Love The Noise“ zeigt tausende von Online-Video-Tagebüchern, verteilt über drei gewaltige Leinwände, die die Bilderflut 2.0 unterstreichen. Die Ausstellung zeigt, dass Selfies in ihrer Grundform nicht unbedingt etwas Neues sind. Die Menschen porträtieren ihr eigenes Ich schon seit Jahrhunderten.

Durch einen Wettbewerb zum Galeristen werden

Im Jahre 2017 kann im Prinzip jeder Smartphone Besitzer zu einem Selfie-Kreateur werden. Diesem Motto folgend, startete die Galerie gemeinsam mit dem Sponsor der Ausstellung Huawei den Wettbewerb „#SelfExpression“. Im Rahmen dessen wurden insgesamt ca. 14.000 Smartphone-Bilder aus 113 Ländern eingereicht und die besten 10 künstlerischen Smartphone-Bilder ausgewählt. Der Gewinner hat die Aussicht auf eine eigene Ausstellung in der Saatchi Gallery. Dies entspricht dem Leitgedanken des Museums: Die Kunst einer breiten Masse zugänglich machen. Das Rennen machte Dawn Woolley aus Cambridge. Der Künstler fotografierte sich selbst im Bikini, reproduzierte sich und legte sich mit dem Ausschnitt seiner selbst in anziehender Pose auf eine Wiese. Diesen Moment hielt er wiederum auf dem Sieger-Selfie fest. Dawn beschreibt seine Arbeit und die Idee dahinter: “In the work I create a photographic copy of myself and place it in the real world instead of me. By creating artwork that establishes me as an object it could be argued that I produce photographs that reinforce stereotypical images of the female body, but with apparent exhibitionism. I create a substitute that renders my real body invisible”.

Mit sich selbst führt man die längste Beziehung

Selfies – gab es es sie nicht schon immer? Sind die alten Porträt-Malereien berühmter Künstler nicht auch irgendwo Selfies? Können Smartphone-Bilder Kunst sein? Und kann eine Selbstpromotion Kunst sein? Oder sind Selbstdarstellungen am Ende immer nur kommerzialisierte und das Ego polierende Profilierungen? Darauf gibt die Ausstellung keine direkten Antworten. Viel mehr regt sie zu weiteren Fragen an. Zumindest haben die Self-Expression-Selfies der Smartphones und die Selbstporträts der alten Meister einen gemeinsamen Nenner: Sie drehen sich um das Bedürfnis nach Selbstdarstellung, dem Umgang mit der eigenen Identität und der ewigen Suche nach Antworten auf die Fragen: Wer bin ich und wer will ich sein?

Titelbild:

Juno Calypso
Honeymoon Suite
2015
Archival Pigment Print
52 x 102 cm
Edition of 5 + 2 AP
Image courtesy of the artist
and TJ Boulting Gallery

Das war der UdK Rundgang 2017

Jedes Jahr öffnet die Universität der Künste, pünktlich zum Kultursommer Berlins, ihre Türen und lädt zum Rundgang. So konnten Kunstinteressierte auch am vergangenen Wochenende, vom 21. bis 23 Juli, wieder die Werkstätten, Ateliers, Studios und Proberäume der vier Fakultäten Bildende Kunst, Musik, Gestaltung und Darstellende Kunst sowie des Berlin Career College besichtigen. Das UdK Rundgang Motiv wurde in diesem Jahr von der Grafik- und Kommunikationsdesign-Studentin Lena Drießen entworfen. Es ist geprägt von blauen Tapes, welche sich in verschiedensten Klebevarianten durch die Gebäude ziehen, Kunstwerke verbinden und so “für eine gelebte Vielfalt des künstlerischen Schaffens an der Universität” stehen. Von dieser bunten Mischung konnten wir uns bei unserem Besuch selbst überzeugen. Zwar war die Präsentation digitaler Kunstwerke recht übersichtlich, digitale Elemente waren jedoch an jeder Ecke zu finden.

UdK-Rundgang-2017
UdK Tag der offenen Tür 2017 – Informationsstand mit Rundgang-Plakaten

Installation “Great Days” – wie leben wir?  

Great Days: Installation Vorderseite

In ihrer Installation “Great Days”, welche aus drei Videoarbeiten besteht, beschäftigt sich Tingwei Li mit Fragen wie: “Are we getting ready for the great days or are we living in the great days, or would the great days never come back again”? Die Künstlerin verweist in ihrem Werk auf eine Welt mit schier endlosen Möglichkeiten, in der der Mensch zunehmend zur Ware und Informationen massenhaft vervielfältigt werden. Auf einem Mac zeigt sie sechs verschiedene Video-Episoden. Darüber der Schriftzug “Come and choose your very own narratives”. Besucher können eines der Videos anklicken. Es erscheinen Alltagsaufnahmen. Im Hintergrund sind eigene Gedanken zu den besagten Themen zu hören. Ein Beispiel:

“Actually life can produce its own without external force. Your life seems like taking your chance. Progress extending far into the future. Dams and aqueducts. The amazing strength. Organizing our deepest wishes as a mother foresightedly visits a store that will be closed tomorrow. Contemporary life is so good. Glitches in the system as yet unapprehended. People can brainwash themselves. The greatest days are waiting for us. For I do not deny that I am a little out of temper.

Die Rückseite der dahinterstehenden weißen Wand ist grün gestrichen. An ihr ist ein Smartphone befestigt. Auf dem Display spielt eine Animation, in welcher ein grüner Apfel geschält wird, von dem am Ende eine graue Hülle übrig bleibt. Hinter der Trennwand befinden sich auch die entsprechenden Schäler, welche selbst mit Hilfe eines 3D-Druckers entstanden sind. Zu dem Werk gehören außerdem vier Plakate mit Apfelscheiben und Apfelschäler im Werbestil. Auf einem der Plakate ist die Frucht in den Schäler geklemmt und bereit zur Verarbeitung. Darunter steht: “Forward moving”. Als ergänzendes Element ist ein Video zu sehen, in welchem die Künstlerin mit dem Smartphone durch die Stadt läuft. Der Bildschirm bleibt dabei konstant grün.

1 + 1 = 1

Video-Installation „Putri Ayu Lestari vs. DWARPHS. If you don’t know ayu now you do“, Liesel Burisch

In der Werkstatt für digitale Medien präsentiert Liesel Burisch ihre Abschlussarbeit: eine Video-Installation mit Live-Performance. Auf zwei Leinwänden werden separat, aber nebeneinander, gleichzeitig zwei Filme abgespielt. Der Raum wurde abgedunkelt und mit zahlreichen Lautsprechern versehen. Auf dem rechten Video ist ein Pärchen auf einem durch Gassen, Städten und Landschaften fahrenden Moped zu beobachten. Auf der linken Seite bespielt eine Band mit lautem Sound und tiefen Bässen das erste Video. Mit vollem Körpereinsatz beobachten die Musiker das Video und erzeugen durch die musikalische Unterlegung neue Dynamiken des rechten Videos. Den Künstlern bei diesem Prozess zuzusehen, ist ebenfalls interessant zu beobachten.

Handyfotos vom Winde verweht

„Mein Vater“, Handyaufnahme 2017, Agrina Vllasaliu

Agrina Vllasaliu kombiniert die neue mit der älteren Technik und erzeugt so einen eigenen Charme. An der Wand ist ein alter Videoprojektor angebracht. Dieser wirft verschiedene Bilder, die die Künstlerin mit dem Handy geschossen hat, auf eine dünne milchige Folie. Das A5-Blatt hängt von der Decke und bewegt sich mit dem Wind. Dadurch widerfährt den projizierten Bildern eine immer neue Darstellungsweise: Mal sieht man sie ganz, mal etwas verzerrt, mal nur halb, schwächer oder stärker. Unterstreicht dies die Flüchtigkeit im Universum der tausenden von Smartphone-Bildern?

Broken Google Earth 3D

Maike Gerten macht aus Google Earth (3D) Kunst, indem sie die Oberflächen von derartigen Darstellungen durchbricht. In dem Video “Space in between” spaltet sie den Grenzzaun zwischen Mexiko und den USA auf, dekonstruiert ihn und lässt eine Kamera durch eben diese Linie fahren, die dem Grenzverlauf folgt. Gerten: “Wird diese Oberfläche durchbrochen, befindet man sich innerhalb des konstruierten Objekts, das von innen durchsichtig ist”.

„Boder Line“ (Video auf Tablet, lackierter Tisch), Maike Gerten

In einem weiteren Video “Border Line” zieht Maike Gerten eine digitale Grenzlinie per Hand. Die Künstlerin sagt zur Entstehung: “Die Grenzziehung fand vor dem Set eines Greenscreens statt, sodass die Linie auf verschiedenen Orten gezogen werden kann. Der grüne Tisch, auf dem das Video gezeigt wird, verweist auf dessen Entstehung”.

Konsumkultur vs. Realität

Video-Installation, Svenja Grothusen

Auf zwei Screens stellt die Künstlerin Svenja Grothusen der scheinbar perfekten, in Wirklichkeit aber optimierten und bearbeiteten, Welt der Konsumbranche die Bilder der Wirklichkeit gegenüber. So ist beispielsweise neben Werbe- und Musikvideo-Ausschnitten, neben einer sich räkelnden Jennifer Lopez, eine junge Frau vor dem Wandspiegel eines Badezimmers zu sehen. Etwas überspitzt dargestellt, versucht sie sich Haarteile mehr oder weniger gekonnt um den Kopf zu wickeln.

Eine schlafende Frau im Bett, eine sowjetische Tischkultur-Ecke, ein Tampon-Vorhang, Kupferstich, Lithografiewerkstatt und vieles mehr findet ihr in unserer Galerie zum UdK Rundgang.

UdK Rundgang: Bereich Kunst im Kontext; Installation mit Fotostreifen; Projekt mit Bernauer Schülern; "Ver(sch)wende deine Zeit! Fotografie, Narration und Theater der Unterdrückten" - Katrina Blach

 

Titelbild: Kennet Lekko

Skizze von Kanzlerin Merkel zum Artikel Wahlkampf 2017

Wahlkampf 2017:
Kreatives Ping Pong und digitale Zukunft

So langsam fahren die Parteien ihre Geschütze auf und werden im Wahlkampf 2017 online durchaus kreativ. Die Bürger können sich in zahlreichen TV-Gesprächen, Live-Events und Online-Befragungen ein Bild über die jeweiligen Ansichten verschaffen. In den sozialen Netzwerken sticheln sich die Parteien gerne gegenseitig ins Aus. Digital wollen sie alle sein.

Was gibt es Neues der Parteien im Wahlkampf 2017?

CDU: Digital und an der Ostsee


Lässig und mit Technik-Brille lächelt Angela Merkel für den digitalen Fortschritt in die Kamera. Die CDU geht thematisch in Richtung Digitalisierung und möchte unter anderem mit einem elektronischen Bürgerkonto punkten. Unter dem Motto “Chancen im digitalen Zeitalter nutzen”, wird der technologische Fortschritt zur Chefsache erklärt. So soll ein „Staatsminister für Digitalpolitik“ die digitale Zukunft Deutschlands gestalten.

Ansonsten ist auf Facebook der seltsame Hashtag #fedidwgugl (zur Kampagne „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“) immer noch präsent. Angies Geburtstag wird auch gefeiert und das CDU-TV begleitet sie auf ihrer Sommertour an der Nord- und Ostsee. Zwischen Strandmuschel und Hafen möchte die Kanzlerin mit den Urlaubern in entspannter Atmosphäre über die Themen des Regierungsprogrammes sprechen. Ihrer Meinung nach ist dieser Rahmen dafür besonders geeignet, da die Menschen in ihrem Urlaub über das Leben und ihre Zukunft nachdenken. Weiterhin haben diese wohl “etwas mehr Muße auch über diese Dinge nachzudenken, ruhig zuzuhören”. Auch hier verweist die Partei auf Facebook immer wieder auf die politischen Erfolge der letzten Jahre. Dabei wird auf Artikel der eigenen Website verwiesen. Das CDU-TV hat auch ein paar, natürlich ausschließlich positive Stimmen, von dem doch eher älteren Publikum eingefangen.

Auf kritische Stimmen zur Flüchtlingsthematik kontert die CDU fokussiert und sachlich: “Der Schutz der Außengrenzen Europas steht in unserem Regierungsprogramm. Nachzulesen auf Seite 56 zum Beispiel. Auch haben wir in der fast hinter uns liegenden Legislatur viel dafür getan – bei gleichzeitiger Verantwortung für Flüchtlinge!”. Doch hey, was ist denn das? Wir haben auch mal witzige Reaktionen der Social-Media-Verantwortlichen entdeckt, sogar ein Meme war dabei. Unter dem Post zur Wohnungsbauförderung und Mieter-Entlastung kommentiert der Nutzer Andre Schwirz: “Ja ist klar! Alles wegen unseren neuen ’Facharbeitern’! Vorher war kein Geld da! Komisch! Denke an Mütterrente etc. Was hat da die CDU gejammert!!! Also mit der Heuchelei seid ihr ‘SPITZE’! Unglaublich”. Die CDU kontert mit einem The Muppets-Meme in welchem die Figur Beaker sein bekanntes MIMIMI von sich gibt.

Die CSU: #CSUtv-Tipp, #graphicdesignismypassion #Familiengarantie

“Ois guade!” wünscht die CSU der Kanzlerin auf Facebook. Zum Thema Fernsehen hat die CSU ebenfalls einiges mitzuteilen. Ob Bayerns Finanzminister im ZDF, Angela Merkel in der ARD oder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im BR – Die CSU verteilt fleißig TV-Tipps. Außerdem verdeutlicht sie in Fotocollagen, welche Punkte sie in den nächsten Jahren in einem Regierungsvertrag verankern möchte. Jedes der Bilder wird mit einem entsprechen “Garantiestempel” versehen. Unter “Familiengarantie” findet sich beispielsweise ein Versprechen auf Kindergelderhöhung.

In einem Post kommt besonders gut zur Geltung, dass sich die CDU offenbar dem Hashtag #graphicdesignismypassion verschrieben hat – klassische Ein- und Überblendungen, minutiös ausgeschnittene Gesichter und das Logo der Partei hinter dem Grafik-Schein der aufgehenden Sonne.

SPD: “Das moderne Deutschland”

Im Fokus der SPD stand die Veranstaltung “Das moderne Deutschland. Zukunft – Gerechtigkeit – Europa”, bei der Martin Schulz und die Partei ihren Zukunftsplan vorstellten.  Dabei ging es unter anderem um die Chancen der digitalen Revolution. Das Event wurde live auf Facebook übertragen. Hier postet die SPD seitdem immer mal wieder einige von Schulz Statements als kurze Videos. In seiner Rede spielt er bewusst mit Aussagen der Kanzlerin. Auf Facebook werden die Formulierungen dann gegenübergestellt. Zum Beispiel: “Nicht fehlendes Geld ist das Problem, sondern die langsame Planung” (Merkel) vs. “Wenn es den Schulen ins Dach rein regnet, dann brauchen sie kein Planungsverfahren, dann brauchen sie einen Handwerker” (Schulz).

Die SPD weiß auch den Zwist der Schwesterparteien CDU und CSU für sich zu nutzen. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, dachte sich die Partei wohl im folgenden Video:

FDP: Uni-Veranstaltung eskaliert – das Netz feiert Lindners Reaktion

Es ist kein Geheimnis, dass Christian Lindner das Zugpferd der FDP ist. In ihn setzen die Parteimitglieder die Hoffnung, wieder voll durchstarten und modernen Wind in die Fraktion bringen zu können. Seine Schlagfertigkeit bewies er erst kürzlich auf einer Veranstaltung der Uni Bochum.

Hier störten einige Studenten seine Rede, indem sie mit Transparenten in der Hand die Bühne stürmten und mit lauten Zwischenrufen ihrer Meinung Luft machten. Sie protestierten gegen die Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer in Nordrhein-Westfalen. Der Parteivorsitzende ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, konterte geschickt und ließ das Thema einer gesunden Diskussionskultur aufkommen. So erinnert er die Protestler an das Prinzip der Toleranz gegenüber anderen Meinungen: “Wo kommen wir denn da eigentlich hin, dass ihr nur glaubt, andere Argumente niederbrüllen zu können? Wir sind in einer Demokratie. Da lassen wir uns nicht niederbrüllen”. Die Demonstranten blieben hartnäckig und fuhren Lindner immer wieder ins Wort. “Jetzt mal still. Wir sind hier nicht in Hamburg”, so der FDP Vorsitzende. Als die protestierenden Studenten einige Zeit später von der Bühne gehen, merkt Lindner an: “Wollt ihr nicht oben bleiben? Jetzt aber mal Durchhaltefähigkeit. Ich habe Toleranz gegenüber eurer Meinung, aber dass ihr euch eine andere Meinung noch nicht einmal anhören wollt, sondern gehen wollt, spricht nicht für euch. Ihr könnt euch ja abwechseln, die Plakate hoch zu halten, aber nicht runter gehen. Wenn man schon Veranstaltungen stören will, dann bitte richtig”. Es folgte Applaus und lautes Gelächter. Darüberhinaus entgegnet Lindner dem Protest mit sachlichen Argumenten und lenkt den Fokus auf das allgemeine Gerechtigkeitsproblem in Sachen Hochschulzugang. Er verweist darauf, dass Kinder, deren Eltern über weniger finanzielle Mittel verfügen, gegenüber Akademiker-Kindern schlechtere Chancen auf einen Studienplatz hätten. Die protestierenden Studenten wurden immer ruhiger, Zwischenrufe seltener. Nun meldet man sich oder schreibt die Anliegen auf die vorhandene Tafel.

Im Internet und in den Medien wurde seine Reaktion gefeiert, das dazugehörige YouTube-Video bislang über 300.000 Mal aufgerufen.

Witzig ist auch eine scheinbar neue Video-Reihe, welche die FDP in ihren Social-Media Kanälen teilt. Darin kritisiert die Partei die für den normalen Bürger offensichtlich unlesbaren und unverständlichen Gesetzestexte. Lindner befragt Alexa, den digitalen Amazon-Sprachassistenten, in Folge 1: “Was ist das Katasterfortschreibungsgebührenwiedereinführungsgesetz?”. Die FDP schreibt dazu “Wenn selbst Alexa Christian Lindner keine Antwort darauf geben kann, müssen nicht wir nachsitzen, sondern die Gesetzgebung”.

Die Linke: Wenig Online-Wahlkampf und dennoch stärkste Facebook-Partei

Sarah Wagenknecht stellte sich in dem neuen Social-Media-Format zum Wahlkampf “Frag selbst” bereits den Fragen der Nutzer. Das Gespräch ist online abrufbar. Ansonsten kritisiert die Partei  vor allem CDU und SPD für die Entwicklungen der letzten Jahre und die aktuellen Programme, schließt aber nach eigenen Angaben auch andere Parteien mit ein. Die Lösungsvorschläge der Linken werden mit Collagen illustriert. Eine davon: auf der Facebook Seite springt einem sofort ein Cannabis-Blatt ins Auge. Darunter das von Zigarettenschachteln bekannte Warnhinweiskästchen mit der Inschrift: “Die Erlaubnis zum Konsum von Cannabis gefährdet die Geschäfte der Drogenmafia”.

Da die Partei nach eigener Aussage keine Spenden von Unternehmen und Lobbyisten annimmt, ruft sie online außerdem zur Spende von 10 Euro auf. Von den gewünschten 10.000 Euro sind bisher 22%, genauer gesagt 2.209 Euro zusammengekommen.

Den Linken wirft man immer wieder einen desillusionierten, naiven, besserwisserischen, wenn auch wohlmeinenden, Glauben an das Steuerbare in der Welt vor. Die Welt titelt beispielsweise: “Die Linke, selbstgerecht wie der deutsche Spießer”. Die Zeit veröffentlichte nun online den Artikel“Warum es eine Linke braucht”. In einem Video plädiert der ehemalige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi für mehr Kompromissfähigkeit der Partei und sieht genau darin den Schlüssel für einen erfolgreichen Wahlkampf.


All zu aktiv scheint die Partei in Sachen Online-Wahlkampf nicht werden zu wollen. „Ich bin kein Online-Fanatiker“, erklärte Matthias Höhn, der Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter der Linken. Von dem Wahlkampfbudget in Höhe von 6,5 Millionen Euro sind für Online-Kampagnen nur 450.000 Euro vorgesehen. Ansprechen wolle man damit gut gebildete Großstädter unter 30. Diese bilden allerdings nur 6 % der Wählerschaft. Vom Medium Fernsehen versprechen sich die Verantwortlichen mehr. Dennoch ist man stolz darauf, die Partei mit den meisten Facebook-Fans zu sein.

Die Grünen: Winter is leaving und intelligent vernetzte Mobilität

Die Fraktion greift den aktuell wieder aufgeflammten Hype um die amerikanische Serie Game of Thrones auf, um spielerisch auf den Klimawandel und den notwendigen Schutz aufmerksam zu machen. So nimmt die Partei den Start, der von vielen so herbeigesehnten, neuen Staffel zum Anlass auf Facebook zu titeln: “Winter is leaving, Klimaschutz jetzt”.


Neben Forderungen zum Klimaschutz, dem Tierschutz und der Agrarpolitik, präsentiert die Partei ihr Konzept eines grünen Mobilpasses. In einem Erklärvideo zeigen sie wie ÖPNV, das Fahrrad und Auto miteinander verknüpft werden sollen und sie so für mehr Mobilität sorgen möchten. Eine App zeigt in Echtzeit Verbindungen mit allen für den Trip benötigten Verkehrsmitteln an. Diese sind dann in einem Schritt buchbar. Schüler, Senioren, junge Familien und Menschen mit wenig Einkommen sollen zusätzliche Vergünstigungen erhalten.

Die Grünen kündigen außerdem ihren Haustürwahlkampf an und laden zur Teilnahme ein.

 

Und so verteilen sich die aktuellen Likes auf Facebook:

CDU: 137.418 Personen

CSU: 178.488 Personen

SPD: 145.321 Personen

DIE GRÜNEN: 144.577 Personen

DIE LINKE: 199.391 Personen

FDP: 99.074 Personen

 

Zerbrochenes Glas zum Artikel Wie ein Selfie Kunst zerstört

Säule für Säule, Krone für Krone:
Wenn ein Selfie Kunst zerstört

Eine junge Frau schaut sich in Los Angeles die Ausstellung “Hypercaine” des Designers Simon Birch an und verwüstet dort mit einem Selfie Kunst. Doch von vorn: Zum Andenken ihres Besuches bittet das Mädchen eine Freundin, ein Foto von sich vor den Exponaten zu schießen. Als Hintergrund wählt sie ein Werk, welches sich aus zahlreichen Säulen zusammensetzt, auf denen jeweils eine Krone liegt. Während sie sich in Position bringt, passiert es: Die junge Frau stößt mit dem Rücken an die erste Säule und löst so einen unaufhaltsamen Dominoeffekt aus. Säule für Säule, Krone für Krone, kippen die edlen Stücke um. Wie sich herausstellt, war das ein sündhaft teures Missgeschick. Der Schaden beläuft sich auf ca. 200.000 US-Dollar (ca. 175.000 Euro). Das Ganze wurde auf einer Überwachungskamera festgehalten und ging nun viral.

Verschwörungstheoretiker: Mutwillige Zerstörung!

Das Netz wäre nicht das Netz, wenn es nicht andere Erklärungen für den Vorfall finden würde. Nach der Theorie einiger Nutzer könnte dies die Aktion einer Viral-Kampagne gewesen sein. Nicht ganz abwegig, wenn die Organisatoren der Ausstellung kommentieren:  „Besucht die ’14th Factory‘, bevor sie Ende Juli schließt oder noch mehr Ausstellungsstücke zu Bruch gehen“. Vielleicht haben die Initiatoren aber auch nur aus der Not eine Tugend gemacht und wussten den Schreck gut zu verarbeiten. Was die Vermutung der User allerdings unterstützt ist die Tatsache, dass der Künstler als Teil seiner Schau bereits einen Ferrari 308 im Wert von 40.000 Euro zerstörte.

Dem Video nach zu urteilen, wusste das arme Mädchen jedenfalls von nichts. Sympathisch, dass sie im Nachhinein noch versucht die Säulen wieder herzurichten – so als wäre nichts passiert.

Schwarz weiß Porträt zum Artikel Top 5 Instgram Fotografen aus Berlin

Die Top 5 Instagram Fotografen aus Berlin

Berlin ist vieles, nur nicht langweilig. Die Stadt und ihre Menschen sind kreativ und wandelbar wie ein Chamäleon. Kein Wunder also, dass sich die Berliner Instagram Fotografen von ihrer Umgebung inspirieren lassen. Ob professionell oder auf dem täglichen Weg zur U-Bahn, zeigen sie das Großstadtleben in all seinen Facetten und teilen ihre Berlin Fotografie mit der Netzgemeinde. Wir haben für Euch 5 der besten und interessantesten Künstler auf Instagram ausfindig gemacht.

Artur Kowallick: Instagram Charme mit historischer Kamera

Der Fotograf Artur Kowallick zeigt, wie alte und neue Medien Hand in Hand gehen. Auf seinem Instagram-Account finden sich Fotografien, welche mit einer originalen Camera Minutera geschossen wurden. Mit dem historischen Aufnahmegerät haben Fotografen im letzten Jahrhundert in vielen Ländern versucht, Kunden auf der Straße zu gewinnen. Denn die Kamera ermöglicht die Erstellung von großformatigen Porträts in kurzer Zeit. Mit seinem Instagram-Account gibt er der alten Handwerkskunst eine Plattform und ruft die einzigartige Schönheit dieser Aufnahmen ins Gedächtnis der Betrachter zurück. Im Fokus der Ablichtungen steht allein die jeweilige Person. Und dennoch erzeugen die Werke durch ihre Machart einen Charme und zeigen Persönlichkeiten – klar und doch tiefgründig. Wer möchte, kann auch sich selbst mit der Camera Minutera ablichten lassen. Auf Instagram ist auch ein Blick hinter die Kulissen möglich. Der Fotograf postet Bilder von seinem Marktstand und dem Handwerkszeug, das es für die Entwicklung braucht.

Follower: 438 / Beiträge: 132

Jörg Nicht: Alles eine Frage der Perspektive

Jörg Nicht lässt sich von Spiegelungen und Geometrie inspirieren. Auf seinem Instagram-Account experimentiert er mit Licht, Schatten, Perspektive und Bildsprache. Durch seine Fotografien kann man Berlin aus einem ganz neuen Blickwinkel erleben. Das Thema seiner Bilder sind die Bewegungen der Großstadt und ihrer Menschen. Als Motiv wählt er häufig lange Gassen, Straßenbilder und Gebäude unterschiedlicher Art. Selbst bekannte Sehenswürdigkeiten erhalten durch die interessanten Blickpunkte eine neue Eigenheit.

Follower: 553k / Beiträge: 6493

Konrad Langer: Das i-Tüpfelchen der Berlin Fotografie

up and away w/ @vomstreunern – #berlin #socialnetwalk @shutocrew

A post shared by konrad | berlin (@konaction) on

Architektur wird in den Bildern des Ur-Berliners Konrad Langer groß geschrieben: Berliner Häuser, Wolkenkratzer, alte und neue Gebäude – grau, bunt, klein, groß, davor, darunter und dazwischen. Mit dabei sind auch Motive anderer Städte wie München, Cottbus oder Chicago, doch sein Lieblings-Hashtag ist und bleibt #Berlin. Was besonders auffällt: Bewegung findet man hier kaum. Dafür können Besucher in den zahlreichen Betonlandschaften immer mal wieder, scheinbar wohl platziert und doch irgendwie spontan, eine junge Frau entdecken. Na gut, manchmal auch eine männliche Person. Menschen werden in jedem Fall spärlich eingesetzt, so als wären sie das i-Tüpfelchen architektonischer Meisterwerke.

Follower: 138 k / Beiträge: 2218

Michael Schulz: Mit Liebe zum Detail

Stay gold. #Berlin

A post shared by Michael Schulz, Berlin (@berlinstagram) on


Ob Konfetti auf nassem Asphalt, Bewohner auf der Fensterbank des dritten Stockes, eine All-Hausfassade oder ein Mann, verloren auf dem Rasenmäher eines Fußballfeldes: Die Bildlandschaften von Michael Schulz sind detailverliebt. An jeder Ecke gibt es Neues zu entdecken. Wie Forrest Gump schon zu pflegen sagte, erkannte auch Schulz, dass das (Berliner) Leben wie eine Pralinenschachtel ist. Von beeindruckenden Landschaften, über Wolkenkratzer, bis hin zu den Geschichten kleiner Hinterhöfe, ist alles dabei. Zwar finden sich hier auch viele schöne Reisefotos, doch mit den Bildern Berlins zeigt er, wo das Herz der Stadt pulsiert.

Follower: 474k / Beiträge: 6588

Benyamin Rahmani: Zwischen Kaisers und Museen im Großstadtdschungel

Benyamin Rahmani ist mittendrin im Großstadtdschungel. Zwischen einer vollkommen überfüllten U-Bahn, der Tristesse unterirdischer Kanäle, einem bunten Straßenleben, den grünen Ecken Berlins, zwischen Museen und einem Supermarkt, fängt der Fotograf tolle Momentaufnahmen ein. Dafür greift er vereinzelt auch zur Bildbearbeitung. Wenn er nicht gerade über Berlin postet, dann veröffentlicht der Künstler auch Porträts und travel photography. Da stellt sich eigentlich nur noch die Frage, warum er noch so wenig Follower hat. Wir finden: Daumen hoch!

Follower: 303 / Beiträge: 341

_____________________________
Titelbild: @Artur Kowallick

Wenn ein Museum digital Kunstwerke verschickt, sind vor allem Herzen gefragt.

Ein Museum digital erleben:
Kunstwerke per SMS

Im Archiv des Museum of Modern Art in San Francisco (SFMOMA) schlummern mehr als 34.000 wahre Schätze. Umso trauriger, dass die Besucher von der Kunstwerksammlung bisher nur etwa fünf Prozent zu sehen bekamen. Die Ausstellungsräume bieten einfach nicht genügend Platz. Mit dem Projekt „Send Me SFMOMA” wollen die Verantwortlichen diesen Umstand ändern. Die Idee ist es, das Museum digital erlebbar zu machen, indem Kunstwerke per SMS verschickt werden. Gleichzeitig möchte man auf eine „lustige, neue und sehr persönliche Art” den Zugang zur Archiv-Kunst ermöglichen.

Send me sunshine!

Wer in den USA eine SMS mit dem Stichwort „send me” sowie einem Schlagwort, einer Farbe oder einem Emoji versendet, der erhält ein Foto eines dazu passenden Kunstwerks aus der Museumssammlung direkt auf das eigene Smartphone. Die SMS-Antwort auf ein rotes Herz kann beispielsweise ein herzförmiges Werk des US-Pop-Art-Künstlers Jim Dine sein. Einen “Kaffee” gefällig? Die Antwort: Die Fotografie “Where we come from (Marie-Therese)” von Emily Jacir. Die Abbildung zeigt eine gesellige Kaffeerunde. Auf die Kurznachricht „Schick mir deutsche Kunst“, wird mit einem Poster des Grafikdesigners Otl Aicher von der Münchner Olympiade reagiert. Selbst bei einer Nachricht wie “send me something pink” lässt sich ein Kunstwerk mit pinken Einflüssen finden. Zum Großteil erhält das Museum Anfragen rund um positive Themen wie Liebe und Glück. In Sachen Emoticons sind vor allem Tiere, Regenbögen, Blumensträuße und Roboter vertreten.

Als das Museum digital ging, wurde es zum SMS-Hit

Die Kunstaktion, welche vor wenigen Wochen startete, ist erfolgreicher als von den Initiatoren zunächst angenommen. Bereits in den ersten vier Tagen gingen etwa 12.000 SMS ein. Mittlerweile hat das Museum mehr als zwei Millionen Kunstwerke digital verschickt. Ziel sei es nicht, jeder Person jedes einzelne Werk vorzustellen. Vielmehr geht es bei der Kunstidee darum, unentdeckte Werke spielerisch zu verbreiten und neue Netzwerke entstehen zu lassen: “What we have seen, and hope to continue to see, are thousands of people connecting with artwork in fun, new, and very personal ways“.

Unikate von Unikaten

Dass jede SMS somit etwas Besonderes, fast ein Unikat ist, beschreibt das Museum auf der Projektseite: “When you say ‘Send me a landscape’ you won’t get 791 landscapes, you’ll get a landscape chosen just for you. You may one day be able to visit your landscape in SFMOMA’s galleries, or you may be the only person to see it for years to come”.

Keine Außerirdischen im Museum of Modern Art

Doch die Suche ist nicht immer erfolgreich. Eine SMS mit dem Inhalt „Wir konnten nichts Passendes finden” erhält man sogar bei Künstlernamen wie Picasso – obwohl sich seine Werke in der Museumssammlung befinden. Und auch ein Alien-Emoticon kann nicht zugeordnet werden. Doch dazu gibt es tatsächlich nichts Geeignetes im Universum des Museums of Modern Art: „Wir haben buchstäblich keine Außerirdischen in unserer Kunstsammlung”, sagte der Mitarbeiter Winesmith der „New York Times”. Trotzdem: Dass das Museum digital agiert, ist modern, bringt frischen Wind in die Museumslandschaft und erzeugt Aufmerksamkeit.

Web: sfmoma.org
Bild: @pixabay

blaue Rubbellose in einem Automat mit dem Gewinn von Followern zum Artikel Likes kaufen

Von einer Kunstaktion zur Realität:
Mit einem Automaten Likes kaufen

Hauptgewinn: 25.000 Follower. Der Künstler Dries Depoorter möchte Kritik am Selbstdarstellungswahn nehmen und kreierte einen Rubbellosautomaten, bei welchem man die Chance hat, Follower für seine Social-Media-Accounts abzusahnen. Eine Kunstaktion, die nun – etwas abgewandelt – bittere Realität geworden ist. In einem Moskauer Shoppingcenter steht ein Automat, mit dem man Follower und Likes erwerben kann. Die Einkaufsliste für das Wochenende: Bananen, Taschentücher, das hübsche Hemd aus dem Schaufenster, Salz, Zucker, eine Zahnbürste und . . . ein paar Herzen und Follower, per App zum Mitnehmen? Sich Ansehen und Beliebtheit quasi im Vorbeigehen erwerben zu können, ist erschreckend. Für die einen sind diese Mitbringsel eine gelungene Investition, für uns ein Fehlkauf.

Ausbleibende Bestätigung in Zeiten von Social Media

Location und Outfit sind gewählt, das Licht passt, das perfekte Foto ist geschossen, mit einem idealen Filter veredelt, dazu eine Prise Hashtags und eine schmissige Beschreibung. Das Ganze zur richtigen Uhrzeit “gegart”, hochgeladen – und fertig ist das Social Media optimierte Foto. Da kann es ja nur “Gefällt mir” – Angaben regnen. Vielleicht springen ja auch ein paar neue Follower dabei heraus. Nachdem einige Minuten, sogar Stunden, vergangen sind und die Likes ausbleiben, stellt sich bei dem ein oder anderen schnell ein leises Grummeln in der Magengegend ein. Der Social Media und Selfie-Optimierungswahn führt dazu, dass ausbleibende “Gefällt mir” – Angaben bereits reichen, um am Selbstwertgefühl der Nutzer zu kratzen.

Kunstaktion übt mit einem Rubbelllosautomaten Kritik

Automat mit dem man sich Rubbellose ziehen kann. Gewinn: Follower; zum Artikel über Likes kaufen

Einige User versuchen, dies zu kompensieren, indem sie sich Likes und Follower kaufen. Der Medienkünstler Dries Depoorter wollte diese Möglichkeit in das Bewusstsein der Menschen rufen und konzipierte dafür eine Follower-Maschine. An dem im Trademark kunstenfestival in Belgien aufgestellten „Scratch and be popular!“-Automaten können Rubbellose gekauft werden. Als Gewinn winken Follower für Twitter und Instagram.  Neben dem Hauptgewinn gibt es auch Preise die 100 oder 1000 Follower umfassen. Das Kunstwerk impliziert Kritik an der Kapitalisierung des Sozialen.

Mit Snatap-Automaten Follower und Likes kaufen

Was in Belgien als eine Kunstaktion begann, wurde in Russland nun erschreckende Realität: Ein Snatap-Automat, an dem man sich im Einkaufscenter Likes und Follower für Instagram und das russische Facebook-Pendant VKontakte erwerben kann. Ausgestattet mit einem 42-Zoll-Display gibt die Maschine einen Überblick über die eigenen Fotos und Posts auf den entsprechenden Plattformen.

Die Konditionen für die neuen Freundschaftsdienste: 150.000 Follower und 1500 Likes pro Post für 850 Dollar. 100 Likes sind somit schon für umgerechnet 77 Cent, 100 Follower für nur 1,50 Euro erhältlich. Die Ergebnisse können direkt nach der Transaktion begutachtet werden. Aufgestellt werden die Automaten von der gleichnamigen Firma Snatap. Laut Unternehmen stecken hinter den Accounts keine Fakes, sondern echte Menschen, welche dafür entweder Geld oder Likes als Gegenleistung erhalten. Die Entwickler gehen deshalb nicht davon aus, dass dies gegen die Nutzungsrichtlinien der Sozialen Plattformen verstößt.

Polaroid-Maschine und Werbemittel

Der Verkauf von Herzchen und Likes macht aber nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus. Zusätzlich können Nutzer von Instagram und anderen Netzwerken mithilfe des Automaten Fotos im Polaroid-Stil ausdrucken und auf Magnettäfelchen produzieren lassen. Zum Geschäftsmodell von Snatap gehört es, die Automaten zu vermieten. Einerseits sollen sie als Verkaufsstandort, anderseits als Marketing-Instrument dienen. Laut Pedestrian Daily liegt der Haken für die Nutzer darin, dass nach Anmeldung die eigenen Freunde hinzugefügt und Anfragen verschickt werden.

Bald auch in Deutschland?

Nach Angaben des Unternehmens existieren in Russland bereits etwa 20 Snataps, drei in der Ukraine, einer in Ägypten und einer im kanadischen Toronto. Noch in diesem Jahr sollen je zwei Automaten in den USA, Polen und ja, auch bei uns in Deutschland folgen. Wo genau ist noch unbekannt und möchte das Unternehmen nicht mitteilen.

Kapitalismus at it’s best and beyond

Eigentlich wollen wir das auch gar nicht wissen. Der Ausdruck von Social-Media Fotos im angesagten Polaroid-Look mag ja noch ganz nett sein, aber der Handel mit Likes und Followern gibt zu denken. Es ist nicht verwunderlich, dass das Geschäft nun eine Debatte auslöst. Ist es wirklich erstrebenswert, sich Anerkennung und Selbstdarstellung zu erkaufen? Ist es nicht viel schöner, Herzen zu erhalten, die auch von Herzen kommen? Der Optimierungswahn wird gefördert, Selbst- und Fremdwahrnehmung verzerrt und der Geldbeutel geschmälert. Das Geschäft mit sozialer Zustimmung mag lukrativ sein, ethisch ist es aber ein Reinfall.

Der Erwerb von Likes und Followern ist eigentlich nichts Neues. Mit dem Aufstellen von Snatap-Automaten eröffnet sich jedoch eine weitere Dimension: Soziale Zustimmung kann in sekundenschnelle, zwischen Toilettenpapier und Smoothie, erkauft werden. Der Mensch und seine Beziehungen werden nach diesem Prinzip zur schnellen Ware. Der russische Journalist Wassily Sonkin beschreibt diese Entwicklung wie folgt: „Willkommen in einer neuen Phase des Kapitalismus”. Traurig, aber wahr.

Bilder: @Kristof Vrancken (Fotograf), @Dries Depoorter (Künstler)

Video: @Louise Matsakis (YouTube)