Shitstorm für die Deutsche Bahn:
ICE-Name löst heftige Diskussion aus

Die Deutsche Bahn hat die Namen des neuen ICE 4 veröffentlicht und erntete dafür sofort einen Shitstorm von Nutzern der Social Media Plattform Twitter. Eine sechsköpfige Jury einigte sich unter anderem auf dem Namen Anne Frank für einen der Hochgeschwindigkeitszüge. Im Zusammenhang mit der Geschichte des Verkehrsunternehmens empfanden viele Menschen auf Twitter die Namenswahl als pietätlos.

 

Anne Frank, Erich Kästner und Albert Einstein

Vier Wochen lang konnten Namensvorschläge bei der Bahn eingereicht werden. Die einzige Vorgabe bestand darin, dass die Einreichungen sich an deutschen historischen Persönlichkeiten orientieren mussten. Zusammengekommen sind ganze 19.400 Vorschläge. Die endgültige Auswahl wurde von sechs Jurymitgliedern getroffen. Sie haben sich letztendlich auf Namen wie Naturforscher Alexander Humboldt, Autor Erich Kästner, die Geschwister Scholl und Anne Frank geeinigt. Die Taufe der ersten 25 Züge, die ab Dezember von Hamburg nach München und Stuttgart fahren sollen, ist für 2018 und  2019 geplant.

 

Kritische Vergangenheit der Deutschen Bahn sorgt für Shitstorm

Dass gerade die Deutsche Bahn als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn sich für Anne Frank entschieden hat, nahmen viele Nutzer auf Twitter negativ auf. Vor allem weil die Züge den Nationalsozialisten als Werkzeug zur Deportierung von Menschen in Konzentrationslager dienten. Zusätzlich will die Deutsche Bahn ein Foto verwenden, das erst vor kurzem von Ultras in Italien für rechte Hetze missbraucht wurde. „Bin ich eigentlich die einzige, die es befremdlich findet, einen Zug der Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn Anne Frank zu nennen?“, fragt eine Twitter Nutzerin. Ein anderer kommentiert ironisch im Bezug auf die noch ausstehenden Entschädigungszahlungen der Deutschen Bahn aus der NS-Zeit: „Die Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, die Zwangsarbeiter bis heute nicht entschädigt, tauft einen ICE ‚Anne Frank'“. Trotzdem gibt es auch Stimmen, die die entstandene Diskussion als “ziemlich absurdes Theater” bezeichneten und den Namen als eine “sehr gute Entscheidung” empfanden.

 

 

Symbol gegen Unmenschlichkeit des Völkermordes

Anne Frank wurde selbst erst nach Auschwitz und danach nach Bergen-Belsen deportiert. Kurz vor Kriegsende starb sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Annes Tagebücher machten sie zur Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus. Genau aus diesem Grund habe die Jury der Deutschen Bahn sich unter anderem auf sie geeinigt. “Sie steht für Toleranz und für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen, in Zeiten wie diesen, wichtiger denn je“, heißt es in einer Pressemitteilung. Weiter verteidigt sich das Unternehmen: Als Deutsche Bahn sind wird uns unserer Verantwortung bewusst und setzen uns seit unserer Gründung kritisch mit der Geschichte unserer Vorläuferorganisationen auseinander“. Die Aufarbeitung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern sei ihnen ebenfalls ein Anliegen.

 

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