HAU Berlin:
“Endgame” Review

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Ist es gerechtfertigt, im Namen der Demokratie zu unlauteren Mitteln zu greifen? Das partizipative Theaterstück “Endgame” im HAU Berlin von machina eX wirft diese ethisch-moralische Frage bei seinen Zuschauern auf. Wir haben die Vorstellung besucht und berichten euch in diesem Artikel darüber.

 

Start-Up gegen Rechte

In dem Game-Theater “Endgame” von machina eX im HAU Berlin bekämpft ein Start-Up eine neurechte Bewegung mit dem Ziel, die Demokratie zu verteidigen. Weil die Bewegung sich mit zeitgemäßen Marketingstrategien auskennt, gewinnt sie immer mehr Anhänger dazu. Die Gründer des Unternehmens fühlen sich sowohl von der Politik als auch von dem Rechtssystem im Stich gelassen. Im Kampf gegen die Rechten haben sie sich ein 30-köpfiges Team zusammengestellt. Diese Rolle übernimmt das Publikum im Rahmen des interaktiven Theaters. Der Auftrag besteht in der Recherche von potenziellen rechten Mitgliedern in sozialen Netzwerken. Im besten Fall führt die Informationssuche nicht nur zu Beweisen für eine Anzeige, sondern schwächt auch die gesamte Bewegung.

 

Partizipatives Theater

Von Anfang an werden die Zuschauer in das Theaterstück integriert. Zu Beginn findet eine Aufteilung des Publikums in drei Gruppen statt. Jede Gruppe wird danach einem Teamleiter zugeteilt. Diese feuern ihre Mitglieder derart intensiv an, dass man das Gefühl bekommt man sei in einer religiösen Sekte. Die Teams müssen am Computer kleine spielerische Aufgaben lösen. Dazu gehört beispielsweise das Herausfinden von Identitäten der Bewegung, deren Geräte zu hacken um Informationen zu bekommen und die anschließende Kontaktaufnahme mit der Zielperson. Am Anfang waren die Spiele noch unterhaltsam aber spätestens nach dem dritten Aufgabe haben sie ihren Reiz verloren. Die wirklich gute schauspielerische Leistung der Darsteller ist dadurch leider in den Hintergrund geraten.

 

Begehbares Computerspiel

Machina eX besteht aus Anna Fries, Clara Ehrenwerth, Lasse Marburg, Mathias Prinz, Philip Steimel, Robin Hädicke und Yves Regenass. Seit 2010 arbeiten sie an der Kombination aus Theater und Computerspiel. Das Medientheaterkollektiv ist aus kulturwissenschaftlichen Studiengängen der Universität Hildesheim hervorgegangen. Bei dem partizipativem Game-Theater werden moderne Technologien mit Mitteln des klassischen Illusionstheaters verbunden. Auf diese spannende Weise entstehen spielbare Theaterstücke und begehbare Computerspiele. “Endgame” überzeugt nicht nur mit politischer Aktualität, sondern beleuchtet auch die dunklen Kampfzonen des Internets. Ganz anders als gewohnt nutzten die vermeintlich “Guten” die Anonymität in sozialen Netzwerken aus, um ihre Ziele zu erreichen. Wir finden: Ein neues, modernes Format mit viel Potential!

 

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