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Außenansicht der Uffizi Gallerie in Florenz zum Artikel Übersetzungsapps in Museen

Die Kunst der Sprache:
Übersetzungsapps in der Uffizi Galerie

Es ist August und wie jedes Jahr lockt die Toskana Touristenmassen aus aller Welt an. NeoAvantgarde war mit dabei und hat neben imposanter Kunst und leckerem Wein auch neue Übersetzungsapps entdecken können.

Ein Besuch in der Galerie der Uffizien

Es ist 8 Uhr, die Uffizi Galerie in Florenz soll in 15 Minuten öffnen. Der Innenhof ist bereits gefüllt mit zahlreichen Touristen aus aller Welt, Militär und einigen Mitarbeitern, die versuchen, schon mal etwas Ordnung zu bringen. Eine Sicherheitskontrolle und eineinhalb Stunden später bin ich drin. Gemeinsam mit den Massen ströme ich in die mit Gold verzierten Hallen der Galerie. Von ihren Wänden schauen die Ahnen der Medici-Familie auf einen herab. Los geht es im zweiten Stock, hier wird sich von oben nach unten gearbeitet. Die bekanntesten Künstler Italiens und der Welt hängen und stehen hier teilweise auf engstem Raum. Zu den Stars der Ausstellung gehören Botticelli’s Venus, der Medici-Liebling Michelangelo, Leonardo da Vinci und Caravaggio. Die Leute drängen sich mit ihren iPads, iPhones und Spiegelreflexkameras vor die Meisterwerke um diese festzuhalten: Für sich und ihre Facebook-Profile. Es ist fast eine Art Hobby von mir geworden, in Museen und Galerien nicht nur die Werke zu betrachten, sondern auch die Besucher zu beobachten. Neben einfarbig angezogenen Hipstern und Prada-Intellektuellen gab es auch einige asiatische Reisegruppen.

Übersetzungsapps in einem Museum – das neue Zeitalter der Kommunikation

Vor der besagten Venus von Botticelli konnte ich deshalb beobachten, wie eine Frau aus Korea ihr Smartphone zückte und es auf den Erklärungstext neben dem Bild hielt. Wir dachten zunächst, dass sie (wie erstaunlich viele Besucher) nun den Text abfotografiert. Dann bemerkte ich allerdings, wie sich der eingescannte Text auf dem Bildschirm ihres Smartphones, Zeile für Zeile in koreanische Schriftzeichen verwandelte. Am Ende eines jeden Satzes stellten sich die Satzzeichen dann in die (scheinbar) richtige Reihenfolge um. Sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich starrte wie gebannt auf den Bildschirm. Die App erkennt die Wörter und kann sie dann sinngemäß umstellen und richtig übersetzen. Einen ähnlichen Moment hatte ich in Rio, wo mir die Google-Sprach-App gezeigt worden ist. Diese erkennt das gesprochene Wort und gibt es dann in der gewünschten Sprache durch den Lautsprecher wieder. So steht dem Turm zu Babel heute wohl nichts mehr im Wege.

Solltet ihr demnächst auch mal auf eine internationale künstlerische oder kulturelle Erkundungstour gehen, dann geben wir euch folgende Apps mit an die Hand:

Mehr als nur Übersetzungsapps

Korean Talking Translator

Es klingt zwar so, als würde die App Korean Talking Translator nur koreanisch übersetzen, tatsächlich erkennt sie aber über 30 (Fremd)Sprachen. Zwischen ihnen lässt sich intuitiv und schnell wechseln. Außerdem ist eine Spracherkennung und Grammatikkorrektur integriert. On top gibt es immer ein Wort des Tages, wobei einem täglich aus jeder Sprache ein neuer Begriff, inklusive Beispielsatz, vorgeschlagen wird. Trotz kleinerer Übersetzungsmängel bei einzelnen Worten, ist diese Anwendung alles in allem eine umfassende und praktische Möglichkeit, fremdsprachliche und besonders auch umfassende Texte schnell und einfach entziffern zu können.

Scanner- & Übersetzer-App

Die App Scanner & Übersetzer kommt bereits in ihrem Namen auf den Punkt: Sie scannt via Foto alle gedruckten Schriftstücke mit Textbausteinen. Dies können zum Beispiel Dokumente, Urkunden, Bücher, Schilder oder Anleitungen sein. Die Worte werden dann automatisch erkannt und je nach Wunsch in eine von 90 Sprachen übersetzt.

Wie speziell für Museen entwickelte Apps einen Galeriebesuch nicht nur erleichtern, sondern auch highlighten, könnt ihr in unserem Artikel „Galerie to go: Wenn Museen digital gehen“ nachlesen.

Unser neues E-Book:
Kommunikation zwischen Eltern und Baby

Die Bindung zwischen einem Säugling und seinen Eltern ist etwas ganz Besonderes. Sie beginnt bereits im Bauch der Mutter und entwickelt sich mit der Kommunikation nach der Geburt weiter. Dabei übertragen sich die Verhaltensweisen von Mutter und Vater auf das Kind. Umso wichtiger ist es, nicht nur die Bedürfnisse des Neugeborenen zu erkennen, sondern sich ebenfalls eigener Handlungen bewusst zu werden. Idealerweise überträgt sich eine innere Ausgeglichenheit auf das Kind.

Als Familie und frischgebackene Eltern bestehen nicht selten Unsicherheiten bezüglich der neuen Situation. Kommen wir mit den neuen Aufgaben als Familie zurecht? Wie lese ich Babygebärden richtig? Ab wann ist das möglich? Wo kann ich mich bei Schwierigkeiten hinwenden? Antworten auf diese und viele weitere relevante Fragen findet ihr in unserem neuen E-Book “Kommunikation zwischen Eltern und Baby”. Darin geben die Kinderpädagogin Julia Strohmer und die erfahrene Expertin für Säuglingssprache Vivian König wertvolle Ratschläge und praktische Tipps in Sachen Bindungs-und Beziehungsfragen.

Baby-Signale richtig deuten

Schreit ein Baby, so muss dies nicht zwangsläufig etwas Negatives bedeuten. Das Kind baut dadurch Spannungen und Stress ab. In erster Linie werden damit jedoch Hunger, Übermüdung oder Reizzustände zum Ausdruck gebracht. In dem E-Book geben wir euch Methoden an die Hand, mit denen ihr Auslöser erkennen und euer Kind beruhigen könnt. Die grundlegenden Bedürfnisse eines Säuglings umfassen das Essen, das Trinken, das Schlafen sowie saubere Windeln. Hinzu kommen natürlich Liebe und Zuwendung. Doch was genau das Baby in einem bestimmten Moment braucht, ist nicht immer leicht zu erkennen. Was will mir mein Kind sagen? Wie lese ich die Gebärden meines Kindes richtig?

Die Zwergensprache als eigene Kommunikationsweise

Die deutsche Pionierin für die sogenannte Zwergensprache, Vivian König, erklärt in einem Interview die kreative Sprachentwicklung sowie Gebärdensprache von Säuglingen. Die deutsche Gebärdensprache bildet die Grundlage der Handzeichen, da sich die Sprache kulturell unterscheidet. Die Bewegungen der Zwergensprache müssen dem Baby richtig vermittelt und beigebracht werden, damit diese Kommunikationsweise angenommen und als Baby-Sprache umgesetzt wird.

Außerdem berichten in unserem E-Book Familien und Kursleiter von ihren Erfahrungen mit der sogenannten Zwergensprache und erzählen von ihren Alltagsanekdoten.

Die Neurologie-Kultur:
Wie der Mensch Geschmack und Identität durch das Internet neu programmiert

Die Neurologie-Kultur steht am Anfang der Kulturprodukte einer Gesellschaft. Kunst entsteht aus dem Denken des Menschen.  Was ist meine Identität? Was ist meine Rolle in der Gesellschaft? Was ist mein Wert? Während diese und andere Fragen in der Vergangenheit vorrangig im zwischenmenschlichen Umgang beantwortet wurden und sich in einem öffentlichen Meinungsbild einer Gesellschaft wiederfanden, funktioniert die Suche nach Antworten heute anders. Das soziale Verhalten und somit die Identitätsfindung werden durch die Digitalisierung neu definiert, denn Information sowie Informationstechnologie sind demokratisiert.

Der Neurowissenschaftler Gary Small von der Universität Los Angeles geht davon aus, dass durch die Kommunikation im Rahmen einer digitalen Vernetzung und das Internet bestimmte neuronale Bahnen gestärkt und andere geschwächt werden. Laut Smalls führt der verstärkte Umgang mit digitalen Medien zu einer “Schwächung der neuronalen Schaltkreise, die für den zwischenmenschlichen Kontakt zuständig sind“. Auf der anderen Seite profitiert der menschliche Verstand von der Mediennutzung: Die mentale Kapazität und die Schnelligkeit von Gehirnprozessen steigern sich. Inwieweit sich welche Charakteristiken bei dem einzelnen Menschen ausbilden, hängt von sozialen, emotionalen und genetischen Prädispositionen ab. In jedem Fall ist die Kunst um ein Motiv reicher geworden: Gemeinschaft in Zeiten der Isolation.

Es ergibt schon Sinn: Junge Menschen mit einem mangelndem Selbstbewusstsein suchen nach Bestätigung – und zwar dort, wo sich die eigene Peergroup aufhält. Und zwar am besten anonym und unnahbar. Der amerikanische Psychologe E. M. Clerkin erkennt in der Suche junger Menschen nach Anerkennung in den sozialen Medien einen Teufelskreis. Einerseits wird nach Bestätigung gesucht, andererseits wird durch die Isolation ein mangelndes Selbstwertgefühl verstärkt. Dass Menschen den sozialen Kontakt brauchen, um glücklich zu sein, hat bereits Susan Pinker in ihrem Buch “The Village Effect” öffentlichkeitswirksam festgehalten und kurzerhand die Botschaft verkündet: Das gute Leben liegt offline. Ebenso erklärt Small, dass eine übermäßige Nutzung digitaler Medien den Menschen in eine soziale Unbeholfenheit steuern würde; der Mensch verlerne, Informationen von anderen Menschen gleichermaßen anzunehmen, und Gesichtsausdrücke sowie Körpersprache zu interpretieren. Eine noch stärkere Isolation sei die Folge.

Die Hirnforschung hat längst erkannt, dass die kognitive und affektive Auseinandersetzung mit bestimmten Inhalten zur Manifestation von neuen Gedankenmustern führt. Dabei spielt nicht nur das Was, sondern auch das Wie eine wesentliche Rolle bei der mentalen Verarbeitung von Emotionen. Ohne ein soziales Netzwerk vergrößert sich die Dissonanz zwischen sozialem Bedürfnis und Verhalten. Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl sind besonders anfällig für ein starkes, emotionales Echo in den sozialen Medien, welches den Mangel an sozialen Kontakten kompensieren soll. Eine digitale Abwärtsspirale ist die Folge. Mit der Entwicklung neuer Gedankenmuster verändert sich die Wahrnehmung und Bewertung von Inhalten, Informationen und Ästhetik. Die Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer; lediglich Inhalte, welche die Gedankenmuster bedienen, sind inspirierend. Trends müssen entsprechende Stimuli bieten, um sich dann zu einem kurzweiligen Hype zu entwickeln.

Wenn Kunstwerke Kulturprodukte einer Gesellschaft sind, welche dessen Werte und Weltbilder darstellen, dann spiegeln sie ebenso die menschliche Identität der jeweiligen Generation wieder. Mit der Digitalisierung ist die Sinnsuche individualisiert worden, die Wege der Meinungsbildung sind vielfältig. Jeder kann schreiben, sagen und ausstrahlen was und wo immer er will. Zeitgleich haben alle Kulturprodukte eines gemein: Der Mensch im Kontext seiner Umwelt. Sozialkritische und flüchtige Kunst ist das Ergebnis – so zum Beispiel bei Banksy oder Marina Abramović. Nicht nur in Social Media, sondern der Kommunikation insgesamt stellt sich das Bedürfnis nach wahrhaftigen Emotionen in den Vordergrund. Fakten geraten in den Hintergrund. Stattdessen dominiert das Empfinden bei der Wahrnehmung als Indikator für den Wahrheitsgehalt und die Relevanz einer Information. Gleiches scheint sich auch in der Politik widerzuspiegeln. Doch wie bei jeder Bewegung wird es vermutlich auch hier ein nüchternes Erwachen geben.