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Sonnenfinsternis zum Artikel: "Die Google Suchanfrage nach der Sonnenfinsternis in den USA: 'my eyes hurt'"

Die Google Suchanfrage nach der
Sonnenfinsternis in den USA: „my eyes hurt“

HA HA HA – Ich habe die Sonne geblockt. Mach Platz für den Mond, twitterte am Montag  die NASA im Namen des Mondes. Für die Amerikaner war sie die erste Sonnenfinsternis seit ca. 100 Jahren. Kein Wunder also, dass der ein oder andere den Fehler beging und ungeschützt in die Sonne blickte. Oder ist es nur ein Zufall, dass die Kurve der Google Suchanfrage zu “solar eclipse” in den Google-Trends 2017 gleichzeitig mit der Kurve zum Stichwort “my eyes hurt” anstieg?

Google Suchanfrage: Wer sehen will…muss fühlen!?

Google Trends: Anzahl der Suchanfragen „solar eclipse“ und „my eyes hurt“ in New York am 21. August 2017

Google Trends ist ein Tool, das aktuelle und vergangene Google Suchanfragen analysiert und vergleicht. Wie „The Next Web“ berichtete, stiegen die Suchanfragen zu „my eyes hurt“ parallel zur und auch nach der Sonnenfinsternis in den USA fortwährend an. Werden beide Grafen übereinander gelegt, wird deutlich: Kurz nachdem die Suche nach „solar eclipse“ ihren Höhepunkt erreichte und allmählich wieder abflaute, erlangte die Suche nach den Augenschmerzen ihren Höchstwert. Insgesamt googelten nichtsdestotrotz mehr Amerikaner nach „solar eclipse“. Ob eine tatsächliche und fundierte Korrelation besteht, ist ungewiss – aber durchaus denkbar.

Trump in der Erleuchtung

Denn vielleicht folgten sie dem schlechten Vorbild von Donald Trump. Dieser sah trotz der allgemein bekannten Warnungen und erneuten Hinweise seiner Mitarbeiter, für einige Augenblicke ungeschützt Richtung Himmel. Die Medien ließen es sich natürlich nicht entgehen und hielten die – wenn auch kurze – Situation auf Fotos fest. Die New York Daily News titelte „Nicht allzu hell“ und auch das Netz spottete.

Letztlich klappte es dann auch im Weißen Haus noch:

Auch die Sonne zeigte sich nach dem Spektakel versöhnlich und twitterte: „Ich habe die Blockade im Himmel und auf Twitter wieder aufgehoben.“

Falls nun doch noch Fragen zur Sonnenfinsternis offen sein sollten, hier ein anschauliches Erklärvideo im Cat-Content-Style:

 

Und so wunderschön sieht das dann „in Echt“ aus:

Wahlkampf 2017: Wenn Politiker chatten
und Merkel ihr Lieblings-Emoji verrät

Eine neue WhatsApp-Nachricht von Katrin Göring-Eckardt oder eine neue Facebook- Nachricht vom CSU-Chat-Bot Leo: Politiker setzen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mal mehr und mal weniger auf Chatrooms. So auch im Wahlkampf 2017. Das Potential sozialer Netzwerke liegt in der Interaktion mit den potentiellen Wählern. Doch wird dieses auch wirklich ausgeschöpft? Heiß diskutiert wurde in dieser Woche außerdem das YouTube-Interview mit Angela Merkel, in welchem sie ihr Lieblings-Emoji verrät.

Wie interaktiv sind die Parteien auf sozialen Netzwerken im Wahlkampf 2017?

Schaut man sich die Social Media-Profile der Parteien an, so lässt sich feststellen, dass der Großteil von ihnen – bis auf einige Kommentar-Reaktionen – eher publiziert als interagiert. Dabei liegt genau darin der Mehrwert sozialer Medien, der somit ungenutzt bleibt: „Da haben die deutschen Parteien nicht verstanden, dass im Web 2.0 nicht einfach nur Platz für Pressemitteilungen ist, sondern, dass dort Gespräch stattfindet sollte“, sagt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler und Wahlkampf-Experte von der Universität Hohenheim. Natürlich ist klar, dass es Personal und Kosten erfordert, interaktiver zu werden. Es braucht große Teams, die sich mit den Fragen und Anregungen der Nutzer beschäftigen. Doch diese Investition könnte sich auszahlen.

Gute Ansätze, schwache Umsetzungen

Katrin und Cem als WhatsApp-Kontakte

Die Grünen rücken die Nummern von Katrin: +49 176 34365582 und Cem: +49 176 34345240 raus. Die potentiellen Wähler werden eingeladen, mit den Spitzenkandidaten per WhatsApp zu chatten, Fragen zu stellen und Anregungen zu hinterlassen. Wir haben es mal ausprobiert, Katrin in unser Telefonbuch eingespeichert und das Gespräch – wie angegeben – mit einem “Start” begonnen. Wir erhalten direkt eine Begrüßungsnachricht von ihrem Team zurück. Eher eine Art Newsletter? Auf Fragen um die Bedeutung der sozialen Medien für die Partei, wird aber leider nur auf das Programm verwiesen. Und Cem hat unsere Statement-Bitte bezüglich eines Digitalministers bislang noch nicht einmal gelesen. Die grauen Häkchen verraten es: Er ist die ganze Zeit online, aber schreibt nicht. Anlass genug, um beleidigt zu sein?

CSU-Leo im Facebook-Messenger-Chat

Dann unterhalten wir uns doch einfach mal mit dem Chat-Bot der CSU: Leo. Leo wird als kleiner blauer Roboter im Messenger Chat von Facebook vorgestellt – natürlich im gewohnt modernen “graphic-design-is-my-passion-Look”. Nutzer können ihm Fragen zur Partei stellen. Leider erkennt er aber die Wenigsten davon. Hinter dem Ganzen sitzt ein Team, welches im Vorfeld Antworten auf bestimmte Stichwörter programmiert. Irgendwie werden wir nicht warm miteinander. Um uns besser kennenzulernen, schlägt Leo mir ein Speedinterview vor. Na dann mal los. Auf mein Lieblingsessen folgt “I mog a g’scheite Schweinshaxn”, auf die Lieblingssendung ein “Also ich schaue am liebsten politische Talkshows, da geht’s immer richtig zur Sache 😉” und musikalisch gesehen kriege ich dann die Bayernhymne präsentiert. Kritik an der politischen Konkurrenz bleibt ebenfalls nicht aus: Fragt man nach einer anderen Partei, bekommt diese via Memes und GIF’s ihr Fett weg.

 

Durch stetiges Nachfragen, wird auch zu politisch relevanten Themen-Antworten geleitet. Die Reaktionen verweisen auch auf andere Accounts der Partei – wie zum Beispiel Instagram. Insgesamt eher eine vorgefertigte nette Spielerei als eine wirkliche Interaktion.

Die Technik steht in Sachen automatischer Antworten-Generierung aber auch noch am Anfang. Eine umfassende zukünftige Nutzung von Social Bots lehnen CSU und andere Parteien hingegen ab.

Neues Format: YouTuber fragen…die Kanzlerin

Am Mittwoch stellte sich Angela Merkel den Fragen von vier jungen YouTubern – live aus dem YouTube-Space in Berlin. MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik bringen darin Themen zur Sprache, die sowohl eine politische Relevanz haben als auch die eigenen Erfahrungen abdecken. Durch YouTube will die Kanzlerin mit der Jugend ins Gespräch kommen.

Man sprach über ernste Themen und zog eine Schnute:

Und über Smileys:

“Haben Sie einen Lieblings-Emoji?” Merkel lächelt: “Smiley! Wenn es mit Hut kommt, dann noch ein kleines Herzchen dran. Und wenn mal nicht sowas Gutes war, dann kann man auch eine Schnute nehmen”.

Steht gerade mal kein Treffen mit der Kanzlerin an,  dann geben die YouTuber in ihren Videos Shopping-, Lifestyle- oder Technik-Tipps. Wie Merkel diesen Job auffasst, wird in folgender Anmerkung deutlich. Eine Twitter-Nutzerin kommentiert das Ganze dann auf ihre Art:

 

Twitter-Reaktionen als Bestandteil des Interviews

Unter dem #DeineWahl konnte auf Twitter und YouTube fleißig mitdiskutiert werden. Zwischen den Gesprächen haben die Moderatoren ausgewählte und auch kritische Kommentare vorgelesen und stellten die Ergebnisse, der von den Projektinitiatoren veranlassten, Online-Umfragen vor. Diese wurden dann wiederum im Gespräch mit Merkel aufgegriffen.

Hier merkt eine Userin ebenfalls an, dass die Partei zwar neue Medien nutzt, um jüngere Generationen anzusprechen, aber dort keine wirklichen Inhalte platziert. Die Bundeskanzlerin bestätigt diese Zunahme und ermuntert dazu, sich auf Instagram oder Facebook zu melden, wenn Inhalte nicht ausreichen. Es kriegt fast jeder eine Antwort, der sich bei der Bundesregierung meldet, heißt es weiter.

„Deine Wahl“ zwischen Innovation und Kritik

Die Nutzerkommentare des YouTube-Interviews explodierten. In dem über 60-minütigen Video wurden allerdings nur wenige ausgewählte präsentiert. Bislang wurde das Video 1.175.103 Millionen mal aufgerufen. Das neue Format kommt bei einigen Nutzern gut an, wird allerdings vor allem von den Medien auch kritisiert. Bestand doch die Hoffnung, dass das Live-Event zu einem mutigen Kreuzverhör junger Menschen mutiert, so entpuppten sich die Fragen als Standardinhalte, die man auch tagtäglich im Fernsehen oder in der Zeitung zu sehen bekommt – so deren Fazit. Zwar ist das Format ähnlich innovativ, wie die von uns vorgestellte Gesprächsrunde „Frag selbst„, weil es User-Kommentare direkt mit einbezieht sowie Interview, Video-Kommentar und Meinung bündelt. Der Großteil der Fragestellungen sei aber bereits vielfach diskutiert worden und nichts Neues. Lieblings-Smiley und Lieblings-T-Shirt-Druck bildeten die Ausnahmen, waren aber eher unterhaltend als nützlich.

Und was sagt es uns, dass genau diese Fragen am meisten kommentiert wurden?

 

Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff

Monoton, modern, moralisch fragwürdig:
Die Wahlplakate zur Bundestagswahl 2017

Auch wenn ihr ihnen vielleicht noch nicht begegnet seid: Spätestens in den kommenden Wochen werden euch wieder an zahlreichen Straßenecken Politiker von ihren Wahlplakaten entgegen lächeln. Zwar versuchen die Parteien die Gunst der Wähler zunehmend auch durch Online-Aktivitäten zu gewinnen, hauptsächlich setzt man aber immer noch auf die klassische Wahlkampfwerbung. Wir zeigen euch die doch erstaunlich aufschlussreichen Wahlplakate der Fraktionen und die bisherigen Reaktionen der Netzgemeinde.

CDU/CSU – alles beim alten

Im “real life” besucht die CDU momentan eine sechsstellige Zahl an Wahlberechtigten. Eine eigens dafür entwickelte Software zeigt der Partei an, wo sich ein Besuch lohnt. Was den Werbe-Etat betrifft, hält sich die Union bedeckt. In Sachen Plakatwerbung geht die CDU gewohnte Wege: Man nehme immer mal wieder ein Merkel-Porträt, die Kampagnen- und Deutschlandfarben schwarz-rot-gold und einen vertrauensvollen und netten Spruch wie „Sicherheit und Ordnung“, „eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit“ oder „mehr Respekt vor Familien”. Der CDU-Slogan zur Bundestagswahl 2017 “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist ebenfalls auf vielen Plakaten zu finden. Die Abbildungen vermitteln den Eindruck, dass alles seinen gewohnten und bewährten Gang geht. Ob das nun gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn die Kanzlerin im Fokus steht, darf ihre berühmte Halskette natürlich nicht fehlen. Auf einem der Plakate trägt sie schwarz-türkis-violette Quarzsteine! Dabei mag Schwarz für die Union stehen, Türkis vielleicht für die CSU. Nur, was hat es mit der Farbe Violett auf sich?

SPD – nah am Menschen

Für den Bundestagswahlkampf 2017 engagierte die SPD die Werbeagentur KNSK, zu deren Kunden unter anderem Evonik und der BVB zählen. Die Agentur begleitete bereits den Europa-Wahlkampf von Martin Schulz. Tobias Nehren ist verantwortlich für die Digitalkampagne, in der auch aktuelle Netztrends aufgegriffen und gekonnt für die SPD verarbeitet werden sollen. Um eine breite Masse zu erreichen, setzt auch die SPD nach wie vor auf klassische Werbung. Von TV-Auftritten über Kundgebungen, bis hin zu einer großen Haustürwahlkampfaktion, wird das gesamte Spektrum bedient. Auf den Themenplakaten der SPD dominieren Menschen: Arbeiter, Kinder und Rentner in Großaufnahmen. In der heißen Phase soll Martin Schulz mit dem Motto „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt“ in den Fokus gesetzt werden. Die SPD versucht mit Plakaten wie „Die Zukunft braucht neue Ideen“ und mit einem freundlich dreinschauenden Kanzlerkandidaten Sympathiepunkte zu sammeln. Auch die SPD macht keine näheren Angaben zum Werbebudget.

DIE GRÜNEN – hip statt Hippie?!

Eigens für den Wahlkampf der Grünen schlossen sich erfahrene Werber zu der Agentur “Ziemlich beste Antworten” zusammen. Das Budget umfasst 5,5 Millionen Euro. Den digitalen Wahlkampf will man insbesondere in der heißen Schlussphase noch einmal richtig ankurbeln. Zuvor wird unter anderem durch Wahlplakate versucht, eine breite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Vergleich zu 2013 verdreifachen sie die Zahl der großflächigen Plakate.

In Sachen Neon-Design sind die Grünen Vorreiter. Die Partei präsentiert sich peppig und modern. Auch textlich gelingt es, ernste Botschaften spielerisch zu verpacken. Mit dem Hippie-Image wird aufgeräumt. Die junge Zielgruppe diskutiert schließlich eher digital über Genderfragen, Cannabis-Legalisierung, Tinder und Co.. Der zentrale Wahlkampf-Slogan fehlt selbstverständlich auch auf den Plakaten nicht: „Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts“. Damit besinnt sich die Partei auf ihren Ursprungsgedanken und verpackt diesen modern.

DIE LINKE – kurz und bündig, aber auch anders?

Die Linke, will nach eigenen Angaben, neue Wege gehen und Überraschungsmomente kreieren. Passend dazu ist auf dem ersten Großplakat zu lesen: „Keine Lust auf Weiterso – Die Linke“. Leitagentur ist DiG Trialon. Der Wahlkampfetat beträgt 6,5 Millionen Euro, von denen 450.000 Euro für den Online-Wahlkampf eingesetzt werden. Die insgesamt geplanten 400.000 Plakate behandeln thematisch das Programm der Partei: Kinderarmut, gute Löhne, Frieden, Renten, Pflege und Gesundheit, bezahlbare Mieten, gegen Hetze von rechts sowie Pro-Millionärssteuer. Mit Großbuchstaben, Balken, bunten Farben und schmissigen Symbolen versucht man, die Themen-Agenda und Partei-Versprechen mit klaren Aussagen publik zu machen.

FDP – très chic

Ein Mann posiert mit Dreitagebart und weißem Hemd mal mit, mal ohne Sakko – in jedem Falle ohne Krawatte – auf einem schwarz-weiß-Foto. Huiuiui, eine neue Hugo Boss Werbung? Nein – ein FDP-Wahlplakat! Modisch, smart und kompetent – so präsentiert die Partei ihren Spitzenkandidaten Christian Lindner. Dieser ziert die Plakate wie ein bekanntes Model. Lindner soll der moderne und modische Held sein, der die FDP voranbringen soll. Für die Liberalen arbeitet die Werbeagentur Heimat. Ist Lindner mal nicht präsent, so gibt es beispielsweise eine Darstellung mit der Aufschrift „Denken wir neu“. Der Hintergrund füllt sich mit dem gesamten und kleingedruckten FDP-Programm. Auch die FDP bleibt bei Neonfarben und unterstreicht mit digitalen Bezügen und frischen Gestaltungsideen ihre Modernität sowie den Fortschrittsgedanken. Auf einem der Plakate heißt es: “Die Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?” Daneben: eine Auflistung digitalisierter Lebensbereiche und der zentralen Botschaft: Politik muss auch digital denken. Das Ganze wirkt wie die Rückseite eines Albumcovers – natürlich inklusive dem modischen Macher Christian Lindner.

AFD – ohne Worte

Von der AfD ist man ja schon einiges gewohnt – oder auch nicht. Mit ihren aktuellen Plakaten hat die Partei abermals bewiesen, dass sie nie müde wird, Debatten auszulösen. Auf einer der Abbildungen posiert Frauke Petry mit ihrem frisch geborenen Kind im Arm. Das Baby ist darauf deutlich zu erkennen. Dies löste im Netz eine Diskussion um die Persönlichkeitsrechte von Kindern und die Instrumentalisierung des Nachwuchses aus. Ein himmelblauer Farbverlauf und eine schützende Frauke Petry kommen zunächst im unschuldigen Gewand daher. Insbesondere die dazugehörigen Sprüche „Was ist Ihr Grund, für Deutschland zu kämpfen?“ und “Trau dich, Deutschland” bereiten vielen ein flaues Gefühl im Magen. In einem weiteren Plakat fordern sie ihre Wähler sogar dazu auf, die „neuen Deutschen“ lieber selbst zu machen.

Die Netzgemeinde reagiert entsetzt. Einige Nutzer versuchen, dem Ganzen mit Humor entgegenzutreten: “Sollte die Dame nicht hinter dem Herd stehen? Nach dem Wahlprogramm soll doch der Mann das Geld nach Hause bringen”. Die aus dem Fernsehen bekannte Deko-Queen Tine Wittler äußert sich auf Facebook ebenfalls kritisch: „Eine Instrumentierung, die wie in diesem Fall durch die etwaige familiäre Verbindung mit der abgebildeten Mutter ggf. auch noch nach vielen Jahren eine Identifizierung des Kindes möglich macht und im engen Zusammenhang mit einer politischen Haltung steht, die gelinde gesagt polarisiert, ist aber meiner Meinung nach von der Sache her problematischer […]“. „DIE PARTEI“ reagiert mit einer satirischen Nachstellung des Plakates, auf dem es nun heißt: “Irgendwas mit Deutschland”.

Die Kampagne unter der Überschrift „Trau dich, Deutschland!“ stieß sogar parteiintern auf Kritik. Die Spitzenkandidatin Alice Weidel empfand die Aussage dann doch als zu hart. Nach einer Auseinandersetzung im Bundesvorstand hat man beschlossen, unterschiedliche Plakatreihen zu entwickeln.

Pussy Riot Anhänger vor Gerichtsgebäude in bunte Kleidung verhüllt; Bild zum Artikel über immersives Theater - die Geschichte der Band

In ein russisches Gefängnis eintauchen:
Pussy Riot – Geschichte als immersives Theater

Sich für einen Moment in die Lage eines russischen Regimekritikers versetzen, in der Kirche vor einem Altar protestieren, vor Gericht angeklagt und in ein russisches Gefängnis eingesperrt werden – das alles könnten die Besucher durch ein geplantes immersives Theater bald hautnah miterleben. Die Kreml-kritische Punkband Pussy Riot möchte dem Publikum ihre Geschichte erlebbar machen und konzipierte ein immersives und experimentelles Theater-Projekt mit dem Titel „Inside Pussy Riot“.

Politische Kritik durch immersives Theater

Die Band ist für ihre regimekritischen Auftritte bekannt. Insbesondere das Punk-Gebet in einer Moskauer Kirche sorgte 2012 für weltweite Aufmerksamkeit. Pussy Riot protestierte dabei vor dem Altar gegen die Allianz von Kirche und Staat. Die Aktion kostete die Bandmitglieder zwei Jahre Haft. Die Frauen wurden jedoch vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Nach ihrer Inhaftierung kritisieren sie die dort vorhandenen schlechten Lebensbedingungen für Frauen und plädieren für einen humaneren russischen Strafvollzug. Mit einem immersiven Theaterstück möchte die Band nun zeigen, “was es bedeutet in Russland Regimekritiker zu sein“ – so Pussy-Riot-Mitglied Nadeschda Tolokonnikowa. Den Frauen ist es ein Anliegen zu verdeutlichen, warum es so wichtig ist, die eigenen Freiheiten zu schützen. Dies erzielen sie, indem sie ihre Erlebnisse mit den Zuschauern ungeschönt teilen: „Wir nehmen euch mit auf eine Reise, die vom Kirchenaltar bis in die Tiefen des Kremls selbst führt. Hoffentlich ist das eine Reise, die ihr nur einmal in eurem Leben machen müsst“.

Sich wie ein Angeklagter und Gefangener fühlen

Die Immersivität des Stückes, also die Partizipation des Publikums, wird weniger durch die Technik als durch eine Live-Performance erzeugt. Die in kleine Gruppen aufgeteilten Zuschauer werden in den nachgestellten Umgebungen, basierend auf den Erfahrungen der Band, wie russische Regimekritiker behandelt – inklusive Prozess im Gerichtssaal und Inhaftierungen in einsamen Gefängniszellen. Die Band erhofft sich durch die neue Plattform und die damit verbundene Abkehr von einer rein passiven Rezeption, ihre Anliegen in neue Dimensionen heben zu können:  “What if we combined the aesthetic effect of the immersive theater with our activist approach? Could it actually enhance our political agenda?”.

Auf, statt vor der Bühne

Inspiration holten sich die Mitglieder bei konzeptionellen Künstlern, wie Ilya und Emilia Kabakov, welche dem westlichen Publikum sowjetische, kommunale Lebensbedingungen aufzeigten. Auch der Künstler Ai Wei Wei und die Nachstellung seiner Gefangenschaft, gaben den russischen Musikerinnen Impulse für ein derartiges Projekt. Nicht zuletzt war das immersive Theaterstück ‚Sleep No More‘ aus New York eine große Inspirationsquelle. Bei dieser Aufführung fällt eine klassische 4-Wand-Raumaufteilung weg und der Zuschauer bewegt sich spielerisch in und mit den Kulissen.

Die interaktive Darstellung „Inside Pussy Riot“ soll gemeinsam mit der Theatergruppe Les Enfants Terribles entstehen und im November in der Saatchi Gallery in London aufgeführt werden. Das Projekt kann auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützt werden. Von den erhofften 60.000 Pfund, kamen bis jetzt 38.347 Pfund zusammen. Inwieweit die realen Bedingungen durch immersives Theater nachgestellt und nachempfunden werden können, bleibt abzuwarten. Die Idee klingt in jedem Fall spannend.

Skizze von Kanzlerin Merkel zum Artikel Wahlkampf 2017

Wahlkampf 2017:
Kreatives Ping Pong und digitale Zukunft

So langsam fahren die Parteien ihre Geschütze auf und werden im Wahlkampf 2017 online durchaus kreativ. Die Bürger können sich in zahlreichen TV-Gesprächen, Live-Events und Online-Befragungen ein Bild über die jeweiligen Ansichten verschaffen. In den sozialen Netzwerken sticheln sich die Parteien gerne gegenseitig ins Aus. Digital wollen sie alle sein.

Was gibt es Neues der Parteien im Wahlkampf 2017?

CDU: Digital und an der Ostsee


Lässig und mit Technik-Brille lächelt Angela Merkel für den digitalen Fortschritt in die Kamera. Die CDU geht thematisch in Richtung Digitalisierung und möchte unter anderem mit einem elektronischen Bürgerkonto punkten. Unter dem Motto “Chancen im digitalen Zeitalter nutzen”, wird der technologische Fortschritt zur Chefsache erklärt. So soll ein „Staatsminister für Digitalpolitik“ die digitale Zukunft Deutschlands gestalten.

Ansonsten ist auf Facebook der seltsame Hashtag #fedidwgugl (zur Kampagne „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“) immer noch präsent. Angies Geburtstag wird auch gefeiert und das CDU-TV begleitet sie auf ihrer Sommertour an der Nord- und Ostsee. Zwischen Strandmuschel und Hafen möchte die Kanzlerin mit den Urlaubern in entspannter Atmosphäre über die Themen des Regierungsprogrammes sprechen. Ihrer Meinung nach ist dieser Rahmen dafür besonders geeignet, da die Menschen in ihrem Urlaub über das Leben und ihre Zukunft nachdenken. Weiterhin haben diese wohl “etwas mehr Muße auch über diese Dinge nachzudenken, ruhig zuzuhören”. Auch hier verweist die Partei auf Facebook immer wieder auf die politischen Erfolge der letzten Jahre. Dabei wird auf Artikel der eigenen Website verwiesen. Das CDU-TV hat auch ein paar, natürlich ausschließlich positive Stimmen, von dem doch eher älteren Publikum eingefangen.

Auf kritische Stimmen zur Flüchtlingsthematik kontert die CDU fokussiert und sachlich: “Der Schutz der Außengrenzen Europas steht in unserem Regierungsprogramm. Nachzulesen auf Seite 56 zum Beispiel. Auch haben wir in der fast hinter uns liegenden Legislatur viel dafür getan – bei gleichzeitiger Verantwortung für Flüchtlinge!”. Doch hey, was ist denn das? Wir haben auch mal witzige Reaktionen der Social-Media-Verantwortlichen entdeckt, sogar ein Meme war dabei. Unter dem Post zur Wohnungsbauförderung und Mieter-Entlastung kommentiert der Nutzer Andre Schwirz: “Ja ist klar! Alles wegen unseren neuen ’Facharbeitern’! Vorher war kein Geld da! Komisch! Denke an Mütterrente etc. Was hat da die CDU gejammert!!! Also mit der Heuchelei seid ihr ‘SPITZE’! Unglaublich”. Die CDU kontert mit einem The Muppets-Meme in welchem die Figur Beaker sein bekanntes MIMIMI von sich gibt.

Die CSU: #CSUtv-Tipp, #graphicdesignismypassion #Familiengarantie

“Ois guade!” wünscht die CSU der Kanzlerin auf Facebook. Zum Thema Fernsehen hat die CSU ebenfalls einiges mitzuteilen. Ob Bayerns Finanzminister im ZDF, Angela Merkel in der ARD oder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im BR – Die CSU verteilt fleißig TV-Tipps. Außerdem verdeutlicht sie in Fotocollagen, welche Punkte sie in den nächsten Jahren in einem Regierungsvertrag verankern möchte. Jedes der Bilder wird mit einem entsprechen “Garantiestempel” versehen. Unter “Familiengarantie” findet sich beispielsweise ein Versprechen auf Kindergelderhöhung.

In einem Post kommt besonders gut zur Geltung, dass sich die CDU offenbar dem Hashtag #graphicdesignismypassion verschrieben hat – klassische Ein- und Überblendungen, minutiös ausgeschnittene Gesichter und das Logo der Partei hinter dem Grafik-Schein der aufgehenden Sonne.

SPD: “Das moderne Deutschland”

Im Fokus der SPD stand die Veranstaltung “Das moderne Deutschland. Zukunft – Gerechtigkeit – Europa”, bei der Martin Schulz und die Partei ihren Zukunftsplan vorstellten.  Dabei ging es unter anderem um die Chancen der digitalen Revolution. Das Event wurde live auf Facebook übertragen. Hier postet die SPD seitdem immer mal wieder einige von Schulz Statements als kurze Videos. In seiner Rede spielt er bewusst mit Aussagen der Kanzlerin. Auf Facebook werden die Formulierungen dann gegenübergestellt. Zum Beispiel: “Nicht fehlendes Geld ist das Problem, sondern die langsame Planung” (Merkel) vs. “Wenn es den Schulen ins Dach rein regnet, dann brauchen sie kein Planungsverfahren, dann brauchen sie einen Handwerker” (Schulz).

Die SPD weiß auch den Zwist der Schwesterparteien CDU und CSU für sich zu nutzen. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, dachte sich die Partei wohl im folgenden Video:

FDP: Uni-Veranstaltung eskaliert – das Netz feiert Lindners Reaktion

Es ist kein Geheimnis, dass Christian Lindner das Zugpferd der FDP ist. In ihn setzen die Parteimitglieder die Hoffnung, wieder voll durchstarten und modernen Wind in die Fraktion bringen zu können. Seine Schlagfertigkeit bewies er erst kürzlich auf einer Veranstaltung der Uni Bochum.

Hier störten einige Studenten seine Rede, indem sie mit Transparenten in der Hand die Bühne stürmten und mit lauten Zwischenrufen ihrer Meinung Luft machten. Sie protestierten gegen die Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer in Nordrhein-Westfalen. Der Parteivorsitzende ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, konterte geschickt und ließ das Thema einer gesunden Diskussionskultur aufkommen. So erinnert er die Protestler an das Prinzip der Toleranz gegenüber anderen Meinungen: “Wo kommen wir denn da eigentlich hin, dass ihr nur glaubt, andere Argumente niederbrüllen zu können? Wir sind in einer Demokratie. Da lassen wir uns nicht niederbrüllen”. Die Demonstranten blieben hartnäckig und fuhren Lindner immer wieder ins Wort. “Jetzt mal still. Wir sind hier nicht in Hamburg”, so der FDP Vorsitzende. Als die protestierenden Studenten einige Zeit später von der Bühne gehen, merkt Lindner an: “Wollt ihr nicht oben bleiben? Jetzt aber mal Durchhaltefähigkeit. Ich habe Toleranz gegenüber eurer Meinung, aber dass ihr euch eine andere Meinung noch nicht einmal anhören wollt, sondern gehen wollt, spricht nicht für euch. Ihr könnt euch ja abwechseln, die Plakate hoch zu halten, aber nicht runter gehen. Wenn man schon Veranstaltungen stören will, dann bitte richtig”. Es folgte Applaus und lautes Gelächter. Darüberhinaus entgegnet Lindner dem Protest mit sachlichen Argumenten und lenkt den Fokus auf das allgemeine Gerechtigkeitsproblem in Sachen Hochschulzugang. Er verweist darauf, dass Kinder, deren Eltern über weniger finanzielle Mittel verfügen, gegenüber Akademiker-Kindern schlechtere Chancen auf einen Studienplatz hätten. Die protestierenden Studenten wurden immer ruhiger, Zwischenrufe seltener. Nun meldet man sich oder schreibt die Anliegen auf die vorhandene Tafel.

Im Internet und in den Medien wurde seine Reaktion gefeiert, das dazugehörige YouTube-Video bislang über 300.000 Mal aufgerufen.

Witzig ist auch eine scheinbar neue Video-Reihe, welche die FDP in ihren Social-Media Kanälen teilt. Darin kritisiert die Partei die für den normalen Bürger offensichtlich unlesbaren und unverständlichen Gesetzestexte. Lindner befragt Alexa, den digitalen Amazon-Sprachassistenten, in Folge 1: “Was ist das Katasterfortschreibungsgebührenwiedereinführungsgesetz?”. Die FDP schreibt dazu “Wenn selbst Alexa Christian Lindner keine Antwort darauf geben kann, müssen nicht wir nachsitzen, sondern die Gesetzgebung”.

Die Linke: Wenig Online-Wahlkampf und dennoch stärkste Facebook-Partei

Sarah Wagenknecht stellte sich in dem neuen Social-Media-Format zum Wahlkampf “Frag selbst” bereits den Fragen der Nutzer. Das Gespräch ist online abrufbar. Ansonsten kritisiert die Partei  vor allem CDU und SPD für die Entwicklungen der letzten Jahre und die aktuellen Programme, schließt aber nach eigenen Angaben auch andere Parteien mit ein. Die Lösungsvorschläge der Linken werden mit Collagen illustriert. Eine davon: auf der Facebook Seite springt einem sofort ein Cannabis-Blatt ins Auge. Darunter das von Zigarettenschachteln bekannte Warnhinweiskästchen mit der Inschrift: “Die Erlaubnis zum Konsum von Cannabis gefährdet die Geschäfte der Drogenmafia”.

Da die Partei nach eigener Aussage keine Spenden von Unternehmen und Lobbyisten annimmt, ruft sie online außerdem zur Spende von 10 Euro auf. Von den gewünschten 10.000 Euro sind bisher 22%, genauer gesagt 2.209 Euro zusammengekommen.

Den Linken wirft man immer wieder einen desillusionierten, naiven, besserwisserischen, wenn auch wohlmeinenden, Glauben an das Steuerbare in der Welt vor. Die Welt titelt beispielsweise: “Die Linke, selbstgerecht wie der deutsche Spießer”. Die Zeit veröffentlichte nun online den Artikel“Warum es eine Linke braucht”. In einem Video plädiert der ehemalige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi für mehr Kompromissfähigkeit der Partei und sieht genau darin den Schlüssel für einen erfolgreichen Wahlkampf.


All zu aktiv scheint die Partei in Sachen Online-Wahlkampf nicht werden zu wollen. „Ich bin kein Online-Fanatiker“, erklärte Matthias Höhn, der Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter der Linken. Von dem Wahlkampfbudget in Höhe von 6,5 Millionen Euro sind für Online-Kampagnen nur 450.000 Euro vorgesehen. Ansprechen wolle man damit gut gebildete Großstädter unter 30. Diese bilden allerdings nur 6 % der Wählerschaft. Vom Medium Fernsehen versprechen sich die Verantwortlichen mehr. Dennoch ist man stolz darauf, die Partei mit den meisten Facebook-Fans zu sein.

Die Grünen: Winter is leaving und intelligent vernetzte Mobilität

Die Fraktion greift den aktuell wieder aufgeflammten Hype um die amerikanische Serie Game of Thrones auf, um spielerisch auf den Klimawandel und den notwendigen Schutz aufmerksam zu machen. So nimmt die Partei den Start, der von vielen so herbeigesehnten, neuen Staffel zum Anlass auf Facebook zu titeln: “Winter is leaving, Klimaschutz jetzt”.


Neben Forderungen zum Klimaschutz, dem Tierschutz und der Agrarpolitik, präsentiert die Partei ihr Konzept eines grünen Mobilpasses. In einem Erklärvideo zeigen sie wie ÖPNV, das Fahrrad und Auto miteinander verknüpft werden sollen und sie so für mehr Mobilität sorgen möchten. Eine App zeigt in Echtzeit Verbindungen mit allen für den Trip benötigten Verkehrsmitteln an. Diese sind dann in einem Schritt buchbar. Schüler, Senioren, junge Familien und Menschen mit wenig Einkommen sollen zusätzliche Vergünstigungen erhalten.

Die Grünen kündigen außerdem ihren Haustürwahlkampf an und laden zur Teilnahme ein.

 

Und so verteilen sich die aktuellen Likes auf Facebook:

CDU: 137.418 Personen

CSU: 178.488 Personen

SPD: 145.321 Personen

DIE GRÜNEN: 144.577 Personen

DIE LINKE: 199.391 Personen

FDP: 99.074 Personen

 

Wahlkampf 2017:
Auf die Plätze…

Zugegeben, das Battle der Parteien zur Bundestagswahl 2017 ist im Alltag der Wähler noch nicht ganz angekommen. Der digitale Raum bildet hier keine Ausnahme. Doch die etablierten Parteien befinden sich in den Startlöchern. Mittlerweile haben fast alle ihre Wahlprogramme veröffentlicht. Heute ist der 79. Tag vor der Wahl – der Stichtag zum endgültigen Beschluss darüber, welche Fraktionen teilnehmen dürfen. Wir haben uns auf den Online-Plattformen von SPD, CDU und Co. umgeschaut und den aktuellen Stand der Dinge festgehalten.

#Ehe für alle

DAS Thema der letzten Tage ist natürlich das “Ja” der Mehrheit des Bundestages zur “Ehe für alle”. Die Freude über diesen Beschluss wird von den meisten großen Parteien geteilt und auf den Kanälen zelebriert. Da gibt Martin Schulz zum Frühstück Kuchen aus, die FDP schmeißt mit Hashtags wie #LoveisLove, #EheFürAlle, #LoveWins um sich und den Grünen ist es nochmals ein Bedürfnis, mit einem Bilderalbum zu betonen, 20 Jahre lang für diese Entscheidung gekämpft zu haben. Nur CDU und CSU strichen das Thema von der Posting-Agenda. Weder auf Twitter, noch auf Facebook sind die Parteien darauf eingegangen.

Die Online Auftritte der Parteien im Wahlkampf 2017

CDU und CSU: ein gemeinsamer Konsens

Minimalistisch und konservativ – so könnte der Social-Media-Auftritt der Parteien CDU und CSU beschrieben werden. Die CSU postet tagtäglich im blauen Look. In Sachen Wahlkampf ist hier allerdings noch nicht viel los. Ein Posting zu einer regionalen Umfrage und ein Video mit einer fünf Sekunden langen Zusammenfassung der Programminhalte ist alles, was auf Facebook zur Bundestagswahl zu finden ist. Betont wird in CSU-Tweets allerdings die Erfüllung vergangener Versprechungen sowie das zukünftige Vorhaben zur Digitalisierung und Sicherheit. Gemeinsam mit der CDU will man hier neue Wege gehen. Die CDU ist hingegen aktiver und postet in regelmäßigen Abständen Videos, in denen über das Parteiprogramm berichtet wird und sich Parteimitglieder dazu aussprechen. Die Partei präsentiert sich im Gewand der deutschen Nationalfarben. Lead-Agentur der CDU-Kampagne “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist Jung von Matt. So weit, so gut. Doch aus dem Claim ergibt sich der Hashtag #fedidwgugl, welcher im Netz, vergleichbar mit Trumps #covfefe, für Belustigung sorgte.

Einen weiteren Rückschlag in Sachen Online-Wahlkampf musste die CDU aufgrund eines Tweets des CDU-Generalsekretärs Peter Tauber hinnehmen. Dieser löste durch seine Aussage im Netz einen Shitstorm aus. Hintergrund war eine Diskussion über das Wahlprogramm von CDU und CSU mit dem Versprechen auf Vollbeschäftigung bis 2025. Ein Nutzer fragte auf Twitter: “Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?”. Taubers Reaktion fiel unglücklich aus. Er twitterte: “Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs”. Die Netzgemeinde reagierte empört, warf ihm Ignoranz und Arroganz vor. So schreibt zum Beispiel @luna_in_munich: “Wie überheblich & realitätsfern ist ihre Aussage denn bitte schön? Dass Minijobs existieren, ist das Unding!”. Der User @MagisterSinist kontert: “Sympathisch @petertauber. Es gibt Leute mit abgeschlossener Ausbildung, die in richtigen Scheißjobs stecken. Zum Beispiel in der Gastro”.

Peter Tauber entschuldigte sich nachträglich und bedauerte in einem Tweet, dass es aufgrund seiner unglücklichen Formulierung zu einem Missverständnis gekommen sei. Dass der Tweet allerdings nicht nur bei potentiellen Wählern ein grummelndes Gefühl hinterließ, sondern auch der politischen Konkurrenz unmittelbar neuen Stoff lieferte, zeigt wie machtvoll in diesem Zusammenhang auch die Online-Kommunikation von einzelnen Personen sein kann.

SPD: modern und vielfältig

Die Partei bewirbt sich und ihr Programm sehr vielfältig. Auf den Kanälen wird mit Interviews, Bildern, GIF’s und Verlinkungen gearbeitet. Im Fokus steht dabei immer wieder der Kanzlerkandidat Martin Schulz, der auch während, nach oder gar zwischen den Terminen begleitet wird.

Um sich positiv abzugrenzen, werden häufig Vergleiche zur Regierungspartei und Kanzlerin Merkel gezogen. Beispielsweise wurden in einem Bild Zeitungsausschnitte negativer Schlagzeilen zum CDU/CSU-Programm, wie “ohne neue Ideen” oder  “Trägheitsmoment”, zusammengetragen.  Zwar kommen wichtige Programminhalte zur Sprache, doch die SPD zeigt durch Out-of-the-topic-Posts ebenfalls ihren Sinn für Humor und Modernität. So denkt man hier beispielsweise mit einem Kuss-GIF-Posting an den Tag des Kusses. Die Nutzerin Manuela Kossmann kommentiert daraufhin: “In der Öffentlichkeit küsst man nicht. Es ist proletarisch, unerzogen und unhöflich”. Die SPD reagiert mit einem “Dicken Schmatzer.” Einem anderen User fehlt eine Kussszene aus “vom Winde verweht”, die die SPD doch direkt in einem GIF nachliefert. Charme zeigt auch Heiko Maas, indem er mit seinen Händen die berühmte Raute-Handgeste von Merkel zum Herz formt und dabei in die Kamera zwinkert. Dieses bunte animierte Herz ist der SPD anlässlich der “Ehe für alle”, ein Posting wert: “Wir sind für’s Herz”.

Was zusätzlich auffällt ist, dass die SPD im digitalen Raum nicht nur Wähler, sondern auch Unterstützer anwirbt. Insbesondere junge Menschen werden auf eine frische Art und Weise angesprochen, sich dem SPD-Wahlkampf anzuschließen und der Partei beizutreten.

In ihren Videos setzt die Partei außerdem auf Fraktionsmitglieder, Prominente, den ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder sowie Gespräche mit Bürgern.

Der eigens für das Wahlprogramm entwickelte Trailer setzt auf inhaltliche Keywords sowie emotionale Bilder.

DIE GRÜNEN: reaktionsfreudig und aktiv

Die Grünen sind natürlich auch online grün unterwegs. Es werden Videos, Infografiken, TV-Berichte und vor allem viele Bilder von Events und Demos geteilt.

Wie alle Fraktionen beziehen sie sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf ihre Konkurrenz. Und das auch mal mit einem zwinkernden Auge: “Liebe CDU, liebe SPD, wenn ihr alle grünen Ideen vor der Wahl abräumen wollt, haben wir da prinzipiell nichts gegen. Da wo die #ehefueralle her kommt, gibt es noch viele gute, grüne, mutige Ideen für unser Land und eine lebenswerte Zukunft! Die komplette Liste schicken wir Euch gerne zu.” Zu diesem Facebook-Post erscheint ein Bild mit einer Liste, die unter anderem Klimaschutz und Lohngleichheit beinhaltet. Es folgt ein Kommentar, der die Social-Media-Aktivität der Partei kritisiert: “Euer Social Media Fuzzi macht viel, leider auch viele Sachen schlecht. Wenn ihr schon die CDU & die SPD direkt via FB ansprechen wollt, dann verlinkt sie doch entsprechend. Und euer Hashtag bringt auch nur was wenn euer Konto mit Twitter verbunden ist – dies ist leider auch nicht der Fall. Mann Mann Mann. #LegalizeIT, aber Dalli.”

Auch die Grünen finden ein GIF sagt mehr als tausend Worte und reagieren auf den Vorwurf mit einer ironisch klatschenden Jennifer Aniston.

Der Trailer zum Wahlprogramm der Grünen fokussiert das Spitzenduo und präsentiert sich dynamisch sowie bunt und modern.

DIE LINKE: straight

Auf der Facebook-Seite der Linken wird viel mit Infografiken, Hashtags und Bildern gearbeitet. Meist sind dort jedoch nur Politiker oder Statements abgebildet. Es wird demnach weniger durch Fotografien als durch Inhalte emotionalisiert. Der inhaltliche Fokus zeigt sich auch in Reaktionen der Partei auf Kommentare. Hier wird anstatt mit einem GIF in Sätzen, mit Erklärungen und Verlinkungen kommentiert.

Der Trailer der Linken ist laut, offensiv und direkt.

FDP: zukunftsgerichtet

Die FDP kommt in einem neuen flippig-hippen Design daher: ein strahlendes Gelb, kombiniert mit knalligem Pink und Himmelsblau. Modernität sowie das Erreichen neuer Wähler sind gewünscht. Christian Lindner soll die Partei zu neuen Erfolgen führen. Dementsprechend präsent ist er mit seinen Aussagen auch auf den Online-Kanälen der Partei. Hier arbeitet man mit Videos, Hashtags und vor allem mit vielen Infografiken, Zitaten und inhaltlichen Statements im modernen Look. Dies spiegelt sich auch in dem Video “100 Tage” (vor der Bundestagswahl) zum Wahlprogramm der Partei wieder.


Die Partei hat sich laut eigenem Post dazu entschieden, voll durchzustarten: “Wir setzen auf eine echte Zukunftsagenda 2030 statt auf Vergangenheitsfixierung und beziehen Stellung für Fortschritt und Bürgerrechte. Wir sind die Alternative für die ungeduldige Mitte”. “Die anderen machen Sommerpause. Wir nehmen Anlauf” – heißt es in einem Facebook-Post vom 01.Juli 2017.

Und so verteilen sich die aktuellen Likes auf Facebook:

CDU: 135.866 Personen
CSU: 167.498 Personen
SPD: 144.158 Personen
DIE GRÜNEN: 143.920 Personen
DIE LINKE: 198.724 Personen
FDP:  96.549 Personen

Bild: @unsplash, Peter Hershey

Digitaler Wahlkampf: Analog-Kamera mit Facebook Logo und Live Aufschrift vor dem Hintergrund der Natur

Digitaler Wahlkampf: „Frag selbst“
– ein neues Social-Media-Format

Vielleicht könnt ihr euch noch an das Gespräch zwischen Sigmar Gabriel und der Reinigungskraft Susanne Neumann erinnern. Als frisch gebackenes Parteimitglied wurde sie damals von Gabriel zu einem Diskussionsgespräch zum Thema Gerechtigkeit, auf öffentlicher Bühne, eingeladen. Dabei hielt sie kein Blatt vor den Mund, erzählte offen und beherzt von Problemen aus ihrem Leben und stellte kritische sowie realitätsnahe Fragen. Die Netzgemeinde feierte sie dafür. Dies lag sicher nicht zuletzt daran, dass die Bevölkerung bis heute zunehmend das Gefühl hat, die Politik kümmere sich eher wenig um die wahren Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens. Ein digitaler Wahlkampf  spielt bei der Bundestagswahl  2017 für die Parteien eine große Rolle.  Und er kann durch die Nutzung von Social-Media dem beschriebenen Gefühl entgegenwirken.

Digitaler Wahlkampf: Ein Facebook-Live Dialog

Den Wähler in den Mittelpunkt stellen – dies möchte das neue Social-Media-Format “Frag selbst”, initiiert vom ARD Hauptstadtstudio sowie der tagesschau. Die Nutzer können ihre Fragen im Vorfeld per Mail einreichen oder live auf Facebook in die Kommentare schreiben. Diese werden dann von den wöchentlich wechselnden Spitzenpolitikern im Livestream beantwortet. Dabei werden laut Aussagen der Moderatorin diejenigen Fragen ausgewählt, welche die meisten Likes erhalten. Eine Aufforderung dazu gibt es allerdings nicht. Ebenfalls offen bleibt, wie die Redakteure die Mails selektieren. Für Abwechslung sorgen einige Einspieler, welche Meinungen von Menschen in Fußgängerzonen auffangen sowie 60 sekündliche Frage/Antwort-Sprints, die der jeweilige Politiker nur mit “Ja”oder “Nein” beantworten darf.

Katrin Göring-Eckardt im Gespräch

Den Startschuss gab am Sonntag der Dialog mit Katrin Göring-Eckardt von den Grünen. Einem Facebook Live-Video entsprechend, erschienen während der Übertragung von den Usern gewählte Emoticons als Reaktion auf die gezeigten Inhalte. Im Falle von Göring-Eckardt waren das in erster Linie Wut-Smileys, was wahrscheinlich generell der Stimmung im Netz gegenüber der Politik entspricht und erstmal nicht besorgniserregend ist.

Kommen Wähler tatsächlich zu Wort?

Das neue Format greift den aktuellen Zeitgeist auf und gibt den Bürgern die Möglichkeit, sich durch persönlich relevante Fragen ein Bild über die politischen Haltungen und Vorhaben der jeweiligen Parteien zu machen. Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel, welche das Live-Gespräch führt, bestätigt dies:

„Diese Wahl ist anders. Es wird so viel über Politik diskutiert wie selten und gleichzeitig haben viele das Gefühl, nicht gehört zu werden. Hier bestimmen die User, was und wie gefragt wird und ob sie die Antworten überzeugend finden. Das macht den Reiz unseres neuen Formates aus“.

Die Fragen sind aus der Realität gegriffen, die Politik ist so “nah am Volk”. Gleichzeitig bietet sich den Parteien ein großer Vorteil, neue Wähler auf neuen Wegen zu gewinnen, insbesondere Digital Natives. Doch inwieweit die individuellen Anliegen wirklich Gehör finden können, bleibt fraglich – Selektion bleibt Selektion. Dennoch hilft es, einen relevanten und vielleicht sogar entscheidenden Einblick zu gewinnen.

Seht und fragt selbst!

Vergangene Sendungen können auch im Nachhinein in der Mediathek oder auf Facebook angeschaut werden. Ansonsten könnt ihr “Frag selbst” auf folgenden Kanälen verfolgen: im Livestream auf www.frag-selbst.de und www.tagesschau.de sowie bei Facebook auf den Kanälen von tagesschau, ARD-Hauptstadtstudio, Bericht aus Berlin und Das Erste. Tagesschau24 überträgt das Gespräch im Fernsehprogramm.

Alle Termine im Überblick:

  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne): 2. Juli, 19:00 Uhr
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke): 9. Juli
  • Peter Altmaier (CDU): 16. Juli
  • Frauke Petry (AfD): 13. August
  • Horst Seehofer (CSU): 20. August
  • Martin Schulz (SPD); 27. August 2017
  • Christian Lindner (FDP): Termin noch offen

Hier könnt ihr eure Fragen stellen:

  • live per Facebook-Kommentar
  • Webseite www.frag-selbst.de
  • via Video an frag-selbst@tagesschau.de
  • Facebook Messenger (Tagesschau)

Bild: @unsplashSticker Mule

Ein digitaler Wahlkampf wird durch einen Screenshot Facebookseite der Bundesregierung veranschaulicht

#btw 2017:
Digitaler Wahlkampf in Deutschland

Der 24. September 2017 – Stichtag zur Bundestagswahl in Deutschland. Im Wahlkampf finden die Sozialen Medien dabei einen immer stärkeren Einzug. Diese haben auch während der amerikanischen Wahl in den Nachrichten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und am Ende standen wir vor einem überraschenden Ergebnis: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, wenn auch nur knapp. Was können wir auf den digitalen Kanälen der Parteien in Deutschland erwarten? Wird sich ein digitaler Wahlkampf entfachen? Der Trump-Schock ist noch groß, die Bundestagswahl nah – Anlass genug, um den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten kurz Revue passieren zu lassen.

Donald Trump: Wahlsieg durch Social Media-Aktivitäten?

Trumps Worte waren laut, emotional aufgeladen und provokant – und das vor allem im digitalen Raum! Er twitterte, postete und teilte, was das Zeug hielt. Die politischen Inhalte waren hingegen eher mau, die Wahlversprechen unrealistisch. Da stellt sich überspitzt die Frage: Hat sich Trump ins weiße Haus getwittert? In der Online-Kommunikation nahm der ehemalige Unternehmer jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er warf vor allem mit beleidigenden und übertriebenen Tweets, Hashtags und Facebook-Posts um sich. Dies waren nicht selten Trotzreaktionen aufgrund kritischer Stimmen. Kaum einer von uns konnte der Flut an Nachrichtenmeldungen darüber entgehen. Wenn Trumps Aussagen auch für Aufregung und Shitstorms sorgten, so erhielt er gerade dadurch eine immense Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Motto: Schlechte Presse ist besser als keine Presse. Seine Beiträge wurden zahlreich geteilt und kommentiert, eine virale Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Online-Präsenz sorgte somit auch offline für Gesprächsstoff.

Digitaler Wahlkampf: Denunzierung, Verschwörung, Fakenews

Eine entscheidende Rolle bei seinem Erfolgszug spielten auch diverse Denunzierungen politischer Gegner. Darunter waren in erster Linie natürlich der von Hillary Clinton und potentieller “Feinde”. Dafür nutzte er Fake-News und übte sich in Verschwörungstheorien. In einem dieser Vorwürfe, wettert er sogar gegen eben jene Medien, die ihm eigentlich als förderliche Lautsprecher und Plattformen dienen: „Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!“. Gleichzeitig inszeniert sich Donald Trump als Retter allen Übels. Seine Botschaft: #makeamericagreatagain. Ob der Online-Wahlkampf Donald Trumps ihm tatsächlich den kleinen aber entscheidenden Vorsprung ermöglichte, ist ungewiss. Die Resonanzräume, die er durch emotional aufgeladene Kommunikation eröffnete, legen eine Vermutung allerdings nahe. Ein Wahlkampf ohne das Netz dürfte für ihn schwieriger gewesen sein.

Digitaler Wahlkampf mit Facebook und Co.

Der amerikanische Wahlkampf hat gezeigt: Die Online-Kommunikation erhält auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert. Ein digitaler Wahlkampf hat das Potential, den Ausgang einer Wahl entscheidend zu beeinflussen. Er kann sowohl die Partei selbst als auch die Gesellschaft pushen oder schädigen. Es geht (leider?) nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck. Einzelne Figuren stehen im Fokus, die leicht zu Helden auserkoren werden können. Besonders Social-Media Profile ermöglichen eine individuelle Präsentation und Stilisierung von Personen. Politiker können sich modern und “volksnah” geben und so neue Zielgruppen erreichen. Insbesondere Digital Natives informieren sich zunehmend im Netz. Die elektronische Demokratie ist somit eine wichtige Ergänzung zu anderen Medien wie Print oder TV. Dementsprechend kämpfen die Parteien heute mehr denn je online und mit digitalen Mitteln um die Gunst der Wähler.

Bundestagswahl: Beobachtung des Online-Wahlkampfes

Wie wird der digitale Wahlkampf hierzulande ablaufen? Trumps Vorgehen ist – was die Erhöhung der Reichweite betrifft – beachtenswert. Doch wie gelingt es, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei reißerisch zu werden? Welche Strategien verfolgen SPD, CDU, Die Grünen und Co. und wie reagieren die potentiellen Wähler?

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns die Websites und Social Media Profile der etablierten Parteien anschauen und ihre Aktivitäten beobachten. Dabei interessiert uns der jeweilige Online-Auftritt. Wird eher auf Optik oder Inhalt wert gelegt? Wer wird wie angesprochen? Wer nicht? Was sagen die User? Wie reagiert man auf einen Shitstorm? #Mutti oder #Zeit für Martin? Welcher Kanzlerkandidat zeigt die stärkere Präsenz? Und welche Dynamiken entwickeln sich im heißen Endspurt? – mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, werden wir uns bis zur Wahl im September beschäftigen.

Es bleibt also spannend. Sobald wir wissen, wer die neue Führungsspitze Deutschlands bildet, können wir ein Fazit in Bezug auf den deutschen digitalen Wahlkampf ziehen. Welche Online-Strategien sind aufgegangen? Welchen Anteil am Erfolg haben die Aktivitäten im digitalen Raum möglicherweise gehabt? Ist die gewählte Partei auch in Sachen Social Media ein Vorreiter gewesen? Und was können wir daraus für die Zukunft mitnehmen?

 

Bild: @Bundesregierung (screenshot fb)