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DAM Gallery: Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg; Kunstwerk Tank A Tank B

DAM Gallery:
Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg

Mit der Ausstellung “Mirror Finish” startet der New Yorker Künstler Siebren Versteeg morgen in der DAM Gallery sein Berlin Debüt. In den digitalen und internetbasierten Bildschirm- und Leinwandarbeiten setzt er sich mit den Verhältnissen von Mensch, Medien und Technologien auseinander. Dabei arbeitet Versteeg in erster Linie mit Algorithmen und Programmierungen. Unter diesen Rahmenbedingungen basieren viele seiner Werke demnach auf Zufällen. Was passiert, wenn ein Miniaturbild von Donald Trump nicht nur auf programmierte Pinselstriche, sondern auch auf Nacktbilder aus dem Netz trifft? Und welche Wirkung entfaltet diese Kombination auf Leinwand? Ist die Leinwand überhaupt eine Leinwand, oder ist all das nur eine digitale Illusion?

Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror)

Siebren Versteeg; Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror), 2017

Kann Google als ein Spiegel dienen? “Double Vision” besteht aus zwei Bildschirmen mit jeweils einer darüber montierten Kamera. Stellen sich die Besucher davor, wird in bestimmten Abständen ein Foto von ihnen aufgenommen und in die Google Bildsuche in Echtzeit eingegeben. Google Images ist die größte Bildsuchmaschine der Welt. Sie liefert nicht nur Fotografien auf bestimmte Stichworte. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch Bilder mit Bildern suchen. Ist das effektiv? Versteht die Maschine mit ihren Algorithmen unsere Bilder? Versteht sie uns? Zeigt man Google auf dem Foto beispielsweise ein Peace-Zeichen, erscheinen mehr oder weniger erwartbare Ergebnisse, wie Hände, Finger und Beine. Dass die Technik den menschlichen Blick letztendlich dann doch nicht vollends nachahmen kann, beweisen Googles Nacktbilder-Antworten auf eine Frau in einem beigen Trenchcoat. Der Künstler geht noch weiter: Der gleiche Vorgang wiederholt sich auf einem zweiten Bildschirm, nur mit dem Unterschied, dass die Aufnahmen von der russischen Suchmaschine Yandex abgeglichen werden. Und tatsächlich ist es so, dass Google und Yandex, thematisch gesehen, tendenziell unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Zufall und Spiegel der Gesellschaft zugleich

Siebren Versteeg; Split Open and Melt und Rust Sleeping; Algorithmically generated image printed on canvas, epoxy resin; 2017

Das Kunstwerk “Fake News”, zeigt in einem Bildschirm verschiedene neutrale Galerieräume. In sie werden Leinwände hinein projiziert, welche sich wiederum spontan, zufällig und in Echtzeit aus dem Netz sowie programmierten Vorgaben speisen. Es handelt sich um eine Bildsynthese, die individuelle und digital erzeugte Pinselstriche mit Bildschnipseln aus dem Internet kombiniert. Ähnlich gewollt spontane Mischungen ließ der Künstler in der Reihe “Today Series” auf Leinwände drucken. Einigen von ihnen stülpte er sogar erst im Nachhinein digital eine Leinwand-Optik über. So entsteht eine interessante Kombination. Die Bilder wirken in jeder Position des Betrachters neu.

Vom Digitalen ins Reale und zurück: Die DAM Gallery

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der kann noch bis Anfang November die DAM Gallery besuchen und weitere Werke von Siebren Versteeg bestaunen. Auf Basis eines 1998 gegründeten virtuellen Digital Art Museums, rief Wolfgang Lieser in Berlin die Galerie ins Leben  und schuf mit ihr eine Bühne für digitale Kunst und Kultur. Von den Pionieren der digitalen Gestaltung der 60er Jahre, über Netzkunst, bis hin zu aktuellen virtuellen Arbeiten: In regelmäßig stattfindenden Ausstellungen werden die Werke von verschiedenen internationalen Digitalkünstlern präsentiert. Gleichzeitig ist sie ein Ort des Austausches und Dialoges. Fand die digitale Kunst anfangs noch kaum Beachtung, steht sie heute sowohl in der Kunstszene, als auch bei Kunstinteressierten hoch im Kurs.

Wie werden digitale Medien in der Kunstproduktion noch genutzt? Wir werden Euch auch zukünftig von den Schätzen der DAM Gallery berichten.

Wo? DAM Gallery, Berlin; Seydelstr. 30, 10117 Berlin

Wann? 20. September bis 4. November 2017

Öffnungszeiten? Mittwoch – Freitag: 13 – 18 Uhr; Samstag: 12 – 16 Uhr und nach Vereinbarung

 

Titelbild: Künstler Siebren Versteeg: Tank A, Tank B; Fine Art Print, each Edition 5, 2017

Kunstwerk Berlin Art Week

Techno-Tempel, Galerie, Performance:
Top 5 (digitale) Berlin Art Week Highlights

Die Berlin Art Week ist aktuell in vollem Gange und lädt noch bis zum 17. September in der ganzen Stadt zu Ausstellungseröffnungen, Galerien, Messen, Preisverleihungen und künstlerischen Projekten. Für all diejenigen, die die Woche der Berliner Kunstszene bislang noch nicht erkundet haben, stellen wir in unserem Artikel die Top 5 Highlights digitaler Werke zusammen.

12×12. Der BB Videoraum in der Berlinischen Galerie

Amie Siegel, Genealogies, 2016, HD video, © Amie Siegel, Courtesy Simon Preston Gallery, New York

Um innovative Filme und Videos geht es im BB Videoraum. Hier zeigen innerhalb eines Jahres 12 nicht nur zeitgenössische, sondern auch junge Künstler ihren experimentellen Umgang mit dem Bewegtbild. Im Rahmen der Art Week ist Amie Siegel mit ausgewählten Arbeiten vertreten, die das Verhältnis von Original und Kopie behandeln. Sie beschäftigt sich mit der Bedeutungsaufladung von Alltagsdingen und dem damit einhergehenden kulturellen Gedächtnis. Wird dies dadurch selbst wieder zum Produkt? Die Künstlerin nutzt in ihrem Schaffen Film, Video, Performance, Fotografie und Sound.

Wo? Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124–128, 10969 Berlin

Wann? 23. August – 02. Oktober 2017

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Ausstellung: Thank You for Sharing

artburst berlin e.V.

Thank You for Sharing ist eine Ausstellung des Berliner Kunstvereins artburst und widmet sich künstlerisch dem Thema der informationellen Selbstbestimmung: Was passiert mit unseren eigenen Daten? Wer sammelt sie, in welchem Maße und zu welchem Preis? Und welche Rolle spielt dabei die staatliche Überwachung? Die Künstler beschäftigen sich mit diesem Spannungsfeld und werfen die Frage auf, ob eine digitale Abstinenz die einzige Alternative ist.

Wo? Organ kritischer Kunst/Raum 29, Prinzenallee 29, 13359 Berlin

Wann? 9. September – 1. Oktober 2017

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Moving is in every direction. Environments – Installationen – Narrative Räume

Pipilotti Rist, Remake of the Weekend, 1998, Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie, 2014 Schenkung der Friedrich Christian Flick Collection, © Nationalgalerie im Hamburger Bahnhof, SMB, Schenkung der Friedrich Christian Flick Collection / Jan WindszusCourtesy Pipilotti Rist, Hauser & Wirth und Luhring Augustine

Ein Raum, in dem leise der Schnee rieselt, während an der Wand eine Videoinstallation läuft. Die Künstlerin Bunny Rogers arbeitet darin das nationale Drama eines Amoklaufs in einer amerikanischen Schule auf. Viele weitere Künstler entführen in der Ausstellung auf ca. 3.500 Quadratmeter Fläche, in unterschiedliche kleine Welten und bieten nachdenkliche sowie sinnliche Erlebnisse. Die Rauminstallationen präsentieren die Geschichte der Installationskunst von den 1960er-Jahren bis heute. Der Fokus liegt auf erzählerischen Strukturen.

Wo? Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin

Wann? 17. März – 24. September 2017

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Medienübergreifend: Galerie Jaguars and Electric Eels

Julia Stoschek Collection Berlin, Installationsansicht der Ausstellung JAGUARS AND ELECTRIC EELS, 2017, Foto: Simon Vogel

Der Naturforscher Alexander von Humboldt brach zwischen 1799 und 1804 zu zwei Expeditionen ins Grüne auf. 1853 wurden seine Aufzeichnungen und Eindrücke der neu entdeckten Welt unter dem Titel Jaguars and electric eels als Sonderausgabe veröffentlicht. In der gleichnamigen Ausstellung in Berlin untersuchen nun zahlreiche Künstler in überwiegend medienbasierten Werken, die heutige Realität, in derer die Grenzen zwischen Natürlichkeit und Künstlichkeit verschwimmen. Der Eintritt kostet 5 Euro. Für 10 Euro kann man sogar zusätzlich an einer Führung teilnehmen.

Wo? Julia Stoschek Collection, Leipziger Straße 60
10117 Berlin

Wann? Sonderöffnungszeiten vom 14. – 17.  September:
12—20 Uhr

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KW Berlin: Performance Free Wifi 3

Live-Streaming-Apps finden eine immer größere Beliebtheit. Periscope ist eine von ihnen. Die Künstlerin Nina Könnemann nutzt sie für ihre Performance im Rahmen der Berlin Art Week. Auf der Plattform werden Texte und Live-Videos mehrerer Teilnehmer in Echtzeit zu einer filmischen Montage zusammengestellt. Ein Teil der Performance ist inszeniert, vieles entsteht allerdings spontan durch Zufälle oder technische Störungen. In der Projektbeschreibung heißt es: “Alle Live-Videos der Performance werden von Orten gesendet, die kostenlosen Zugang zum Internet anbieten. Öffentliche und kommerzielle Bereiche, wie Warteräume, Coffeeshop-Filialen und Bibliotheken verschmelzen zu einem imaginären WLAN-Kontinuum. Während öffentliches Internet durch die Verbreitung privater Datenverträge zunehmend überflüssig wird, bleibt es doch weiterhin von Bedeutung für Obdachlose, TouristInnen und digitale Nomaden”.

Wo? KW Institute for Contemporary Art, 1. Stock, Auguststraße 69, 10117 Berlin

Wann? 17 September, 20 Uhr

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Zum Ausklang: Postbahnhof wird zum Temporary Techno-Tempel

flickr: mightymightymatze

Und was bietet das Abendprogramm? Zum Beispiel eine Techno-Kirche. Am Wochenende verwandelt sich der Postbahnhof für kurze Zeit in einen Techno-Tempel. Der Name wird dort zum Programm: Spezielle Lichttechniken sollen in Kombination mit den Sounds ein einzigartiges und sakrales Ambiente schaffen. Im Rahmen der Art Week präsentiert die Berliner Liste Musik von Rødhåd und Kobosil.

Wo? Postbahnhof, Straße der Pariser Kommune 8, 10243 Berlin

Wann? 14.–17. September 2017, ab 19 Uhr

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Nach der Berlin Art Week, ist vor der Berlin Art Week: Weitere spannende Events im September finden sich in unseren Top 10 September Events in Berlin.

 

Titelbild: @Berlin Art Week; Sammlung Boros, Privatsammlung / Private Collection, Katja Novitskova, Pattern of Activation, 2014 © NOSHE

Graffiti zum Thema Urban Nation Museum

Urban Nation:
In Berlin eröffnet erstes Museum für Streetart

Kreativität kennt keine Grenzen, auch keine räumlichen. Die Berliner Straßenkunst ist mit ihren zahlreichen Graffitis, Aufklebern und Bemalungen das beste Beispiel hierfür. Ob an Laternen, Fassaden, Mauern oder auf Gehwegen – überall finden sich urbane Kunstwerke. In der Bülowstraße bündeln sich viele von ihnen, sodass Spaziergänger zu Galeriebesuchern werden. Der Ort ist demnach prädestiniert dafür, ein Aushängeschild der Berliner Straßenkunst zu sein. An diesem Wochenende eröffnet dort das Künstlerkollektiv Urban Nation das erste Museum für Streetart. Das Projekt begann laut Initiatoren im Jahr 2016 mit der „Vision einer weltweiten Urban-Art-Community, eines Netzwerks ohne Grenzen“. Mit dem neuen „Museum for Urban Contemporary Art„, wird dieser Traum nun Realität. Zelebriert wird das Ereignis vom 16. bis zum 17. September mit einer großen Kunstmeile.

Das Museum, das es gar nicht geben dürfte

Das „Museum for Urban Contemporary Art“, ist mehr als nur ein klassisches Museum.  Neben ständigen, teilweise sogar interaktiven Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops, wird selbstverständlich auch die Hauswand zur Leinwand. In der Bülowstraße findet Streetart in, an und um das umgebaute vierstöckige Wohn- und Geschäftshaus aus der Gründerzeit ein kleines Zuhause. Das Gebäude mit der Nummer 7 sticht schon von weitem heraus, da die Fassade in ein riesiges Mural verwandelt wurde. Dieses wird mit der Zeit von verschiedenen Künstlern immer wieder neu gestaltet. Und auch die Architektur ist besonders: Die Straße wird buchstäblich in die Räume verlagert. So gibt es beispielsweise eine Trasse und einen Galeriesteg, die sich durch das Innere ziehen. Dies ermöglicht, die ausgestellten Arbeiten von nah und fern betrachten zu können.

Die künstlerische Leiterin beschreibt das Museum in einem Interview mit Radio Eins als eine Art Archiv, welches Berlinern und Touristen die Bedeutung und Relevanz der Straßenkunst näher bringen soll. Darüber hinaus wird die Galerie ein Ort des Austausches, der Inspiration und Wissenschaft – für Künstler, Kunstinteressierte und die allgemeine Öffentlichkeit.

Das große Streetart-Fest von Urban Nation

Am Wochenende kann das Museum nun erstmalig besucht und dabei die Werke von über 130 internationalen Künstlern bestaunt werden. Zwischen dem U-Bahnhof  Nollendorfplatz und der Frobestraße, wird es zudem ein Straßenfest mit verschiedenen Aktionen, Wandgemälden, Kunstinstallationen, Showacts sowie einer Community Wall und einem Skaterpark geben. 

Hinter Urban Nation steht die Stiftung Berliner Leben, gegründet von der Gewobag.  Bereits seit Jahren gestalten sie Berliner Fassaden in riesige Outdoor-Kunstwerke und organisieren entsprechende Streetart-Projekte um Menschen und Künstler miteinander zu verbinden.

Ein Museum kann mehr, als ein Raum voller Bilder sein.

Wo? Urban Nation, Bülowstraße 7, 10783 Berlin

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Solange Knowles Porträt mit Haarklammern zum Artikel Die digitale Leinwand von Solange Knowles

Die digitale Leinwand von Solange Knowles

Die Sängerin und jüngere Schwester von Beyoncé, Solange Knowles, zeigt im Rahmen der Kunstausstellung “Soul of a Nation: Art in the Age of Black Power” im Tate Modern in London ein „Interactive Dossier“. Das virtuelle Skizzenbuch bewegt sich zwischen der Geschichte der Black-Power Kunstbewegung und gegenwärtiger Popkultur. Die Ausstellung kann auch in einer Online-Version bestaunt werden. Geht es hierbei um eine kreative Innovation oder doch eher um die Selbstinszenierung der Künstlerin?

Digitale Leinwand als künstlerische Innovation?

Das Webprojekt der Sängerin Solange Knowles ist eine Art Collage: Die digitale Leinwand setzt sich aus Songtexten, Gedichten, Bildern und Videos zusammen, die ineinander übergehen. Der Nutzer kann durch die Leinwand scrollen, dabei interaktiv agieren und auf Entdeckungstour gehen. Dabei wechseln sich Videoszenen, Gesangseinlagen, Fotostrecken und Textbausteine ab. Zwischen ihnen werden visuelle Verbindungen geschlagen.

Knowles entwickelte eine so noch nie dagewesene Form visueller Konzepte. In einem Interview verrät sie ihre Motivation hinter einer derartigen Darstellungsweise: “I wanted to create a specific scenography through movement and landscape to communicate my states of process through this record, I decided to do this through a visual language”

Art in the Age of Black Power

Die digitale Arbeit befindet sich in der Tate Gallery of Modern Art. Diese ist eines der weltweit größten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Das Werk ist Teil der Ausstellung “Soul of a Nation: Art in the Age of Black Power”, welche sich mit Installationen, Filmen, Malereien und Skulpturen dunkelhäutigen Künstlern sowie der Protestkunst widmet. Thematisch bezieht sie sich auch auf ihr Album “A Seat at the Table”. Mit dabei sind bisher unveröffentlichte Aufnahmen einer früheren Performance der Künstlerin im Tate Museum, bei der eine Gruppe afroamerikanischer junger Frauen dort ausgestellte Skulpturen besetzte. Die Sängerin äußert sich in ihren Werken politisch, verarbeitet ihre Erfahrungen im heutigen Amerika und bezieht sich auf Identitäten und dunkelhäutige Vorbilder.

Immer mehr Museen und Galerien erkennen das Potential digitaler Erweiterungen und integrieren diese in die Gestaltung des Museumsbesuches. Beyoncés kleine Schwester zeigt mit ihrer digitalen Arbeit, was sonst noch so geht. Fraglich bleibt jedoch, ob sich die digitale Leinwand eher der Kunst oder der Selbstinszenierung zuschreiben lässt. Was meint ihr?

Die Ausstellung, die am 25. August startete, geht noch bis zum 22. Oktober.

Zur digitalen Leinwand.

Titelbild: @dani miller, flickr

Zwei Bierflaschen stoßen an vor dem Sonnenuntergang zum Artikel Top 10 September Events in Berlin

Top 10 September Events in Berlin

Der Sommer neigt sich zwar langsam dem Ende zu (habt ihr schon die Lebkuchen im Supermarkt gesehen?), doch der Herbst ist noch längst nicht da. Lasst uns die letzten Sonnenstrahlen ausnutzen und das Berliner Stadtleben genießen. Ob in Sachen Food, Kunst, Musik, Geschichte oder Zukunft: Wir haben für euch die Top-Events in Berlin für den Monat September zusammengetragen.

Das Berlin Coffee Festival 2017

Wer die heutige Nacht durchzecht, der muss den morgigen Tag noch lange nicht im Bett verbringen. Denn beim Berliner Coffee Festival 2017 vom 01. bis zum 04. September heißt es: Kaffee für alle! Kaffee ist mehr als ein Grundnahrungsmittel: Es ist ein Genussmittel. Dementsprechend wird dem Getränk am Freitag und Samstag in der ganzen Stadt mit Cuppings, Workshops und vielem anderen die Ehre erwiesen. In der Markthalle Neun bedienen dann am Sonntag Berliner Röstereien mit internationalen Gästen und verschiedenen Röstungen die Geschmacksknospen der Besucher. Von Espresso bis hin zu Nitro Coffee: Es wird probiert und ausgetauscht. Wo liegt der Ursprung des Kaffees, wie kann der Weg in die Kaffeetasse fair gestalteten werden und was ist die perfekte Röstkurve?

Wann? 01. – 04. September

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East Side Music Days: Berlin Street Music Stage

Mit dem Kaffee in der Hand könnte es dann am Wochenende zu den East Side Music Days gehen. Hier kommen einige von Berlins besten Straßenmusikern zusammen und zeigen ihr Können. Da der Straßenmusik oftmals viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird und Politik sowie öffentlichen Regulationen sie teilweise sogar einschränken, stellt die Veranstaltung auch ein Statement dar. Für unentdeckte Talente eröffnet sich eine musikalische Plattform.

Wann? 02. – 03. September

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Die Berlin Design Night

Am 08. September ist die Lange Nacht der Kreativwirtschaft. Die Berliner Designwelt legt dann eine Nachtschicht ein und öffnet ihre Türen: Agenturen, Studios, Ateliers, Showrooms und Werkstätten geben Einblicke in ihr Schaffen. Mit dabei sind unter anderem AJ&Smart, Akademie für Illustration und Design Berlin, ART+COM Studios, KPM Berlin, lukkizzi, URBAN INDUSTRIAL BERLIN und völlig ohne.

Wann? 08. September

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Tag des offenen Denkmals im Stadtbad Lichtenberg

Spannend und interessant kann es beim Tag des offenen Denkmals im Stadtbad Lichtenberg werden. Das Interesse an einer Führung durch das stillgelegte Gebäude war so groß, dass die Tickets bereits nach einem Tag ausverkauft waren. Der ehrenamtliche Förderverein vom Stadtbad Lichtenberg zeigte sich überrascht über den großen Andrang. Aufgrund dessen stellte man auf der Facebook-Seite die Aussicht auf zwei weitere Begehungen am 23. und 24. September. Die Genehmigungen stehen allerdings noch aus.

Wann? 09. September; evtl. 23. und 24.  September

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Berlin Art Week

Während der Berlin Art Week wird der zeitgenössischen Kunst mit zahlreichen Ausstellungen und Messen ebenfalls ein gestalterischer (Frei-)Raum gegeben. Von bekannten Künstlern wie Monica Bonvicini und Danny Lyon, bis hin zu bislang unentdeckten Kreativen ist alles dabei. Das Programm ist international, genre- und themenübergreifend und findet an verschiedenen Standorten in Berlin statt.

Wann? 13. – 17. September

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The African Market: Streetfood & Nightmarket

Afrika in der Köpenickerstraße: Wer den Horizont seiner Geschmacksknospen nicht nur erweitern, sondern auch bereichern möchte, der ist beim afrikanischem Streetfood & Nightmarket genau richtig. Neben gutem Essen wird es auch andere Angebote rund um die afrikanische Kultur geben.

Wann? 16. September

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Ein Tag Zukunft: Open House im Futurium 

Das Futurium ist eine Initiative der Bundesregierung gemeinsam mit Wissenschafts- und Wirtschaftsverbänden. Es soll ein Ort sein, der die Zukunft erforscht und die Ergebnisse mit seinen Besuchern interaktiv teilt. In der Projektbeschreibung heißt es: “Unter einem Dach entstehen hier eine Ausstellung mit lebendigen Szenarien, ein Mitmachlabor zum Ausprobieren und ein Veranstaltungsforum als Ort des Dialogs”. Am 16. September wird das Futurium-Haus fertiggestellt und der Öffentlichkeit präsentiert. Zu diesem Anlass gibt es Tanzeinlagen der Flying Steps Academy, einen Virtual-Reality-Simulator mit dem man wie ein Vogel durch die Lüfte fliegen kann, Zukunftsszenarien, Roboter, futuristische Vorträge und Diskussionen von selbstfahrenden Autos bis hin zur künstlichen Intelligenz. Kinoliebhaber kommen mit Klassikern des Sci-Fi-Genres auf ihre Kosten. Entspannt werden kann dann in der Panorama-Bar mit Live-Musik. Im Fokus steht aber das Haus an sich, welches nur an diesem Tag in dieser Form zu sehen gibt. Die Architektur des Hauses ist laut Initiatoren von der Batman-Reihe inspiriert: “Erleben könnt ihr die Ausstellungsfläche mit ihren meterhohen Fensterfronten, gerahmt von dunkelgrauen Betonwänden, das begehbare Dach mit Ausblick von der Reichstagskuppel bis zum Zoo, den lichtdurchflutete Veranstaltungsbereich und den sogenannten Cave mit raketenantriebsförmigen Lampen”.

Wann? 16. September

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Recycled Creativity Festival 

Das Recycled Creativity Festival widmet sich unter dem Motto “(re)plan(t) our future!” unserer Erde. Wir alle hören ständig vom ‘grünen Konsum’, von Nachhaltigkeit und recycelten Kleidungsstücken. Bio ist zum Trend geworden, doch kann das alles auch wirklich unseren Planeten retten? Das Festival stellt sich diese Frage und sucht Lösungen – durch Aktivität statt Passivität. In der Veranstaltungsbeschreibung heißt es: “ALLE sind eingeladen, gemeinsam zu erforschen, wie wir auf kreative Weise eine Grundlage für eine ‘nachhaltige Zukunft’ schaffen können, mit den Materialien, Ideen und Erfahrungen, die uns hier und jetzt zur Verfügung stehen”.

Wann? 21. – 23. September

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Das Gin Tonic Festival

Gin Tonic – ein Klassiker. Und wie eine amerikanische Studie kürzlich herausfand: Sogar gut für Allergiker. Zumindest wird Gin Tonic von diesen besser vertragen, da er zu den klaren Alkoholika zählt. Der Longdrink aus Gin und Tonic Water wird nun mit einem Gin Tonic Festival gewürdigt. Präsentiert werden laut Angaben der Veranstalter die beeindruckendsten Gin-Sorten der Welt von verschiedensten und erlesensten Destillateuren. Musik, Essen, Masterclasses, Samplings und Special Deals runden das Gin & Tonic Festival ab.

Wann? 23. September

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Die Bowie Berlin Week

Letztes Jahr ist wieder einer der ganz Großen unter den Musikern gegangen: David Bowie. Anlässlich der Veröffentlichung der „David Bowie Box – a new career in a new town (1977 – 1982)“ am 29. September findet zu Ehren des Sängers die Bowie Berlin Week statt. Das Programm wird Anfang September veröffentlicht. Als eine Besonderheit wird David Bowies ehemaliger Tonmeister in den Hansa Studios – Eduard Meyer – zu Gast sein.

Wann? 25. – 30. September

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Die Ars Electronica besucht Berlin

Jetzt mal unter uns, so von Angesicht zu Angesicht: Was “wenn ich kein Mensch wäre? Sondern ein Roboter, ein Chatbot, oder ein selbstlernender Algorithmus?” Dies fragt uns auch die Ausstellung der Ars Electronica in Berlin. Ars Electronica ist ein internationales Festival für Medienkunst aus Linz. Ausgehend von der digitalen Revolution, ist der Ursprungsgedanke der Veranstalter, die Schnittstellen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft zu erforschen. Die Veranstaltung erhält jedes Jahr auf’s Neue ein übergeordnetes Thema. In diesem Jahr findet sie vom 11. bis zum 19. September unter dem Motto „Artificial Intelligence – Das Andere Ich” statt.

Einen Vorgeschmack darauf, gibt es nun in der Export-Ausstellung in Berlin. Das Thema hier: “Begegnungen”. Ist es möglich, dass Mensch und Maschine ein gegenseitiges Vertrauen füreinander entwickeln? Inwieweit verschwimmen die Grenzen zwischen menschlicher Natur und Technik? Und welche Auswirkungen haben künstliche Intelligenzen oder robotische Implantate auf den Körper? Die Werke sind nicht immer komplex, haben aber eine umso größere Ausdruckskraft und schaffen vor allem ein Bewusstsein für die Entwicklungen unserer Zeit. NeoAvantgarde hat für euch ein paar Eindrücke festgehalten.

Spieglein, Spieglein an der Pinnwand

Nonfacial Mirror / Shinseungback Kimyonghun (Foto: Ars Electronica / Florian Voggeneder)

Es scheint, als würden die Besucher der Ausstellung von ihrem eigenen Spiegelbild begrüßt werden. Doch sobald man sich dem auf einem Podest befindlichen Standspiegel nähert, wendet sich dieser von einem ab. Der sogenannte “Nonfacial Mirror” meidet Gesichter mittels eines Gesichtserkennungsalgorithmus‘: Er dreht sich, sobald die integrierte Kamera die jeweilige Person erkennt. Nur wenn man sein Gesicht verdeckt, bleibt die Position unverändert. Im Prinzip kann man sich nur sehen, wenn man sich nicht sieht. Doch dann sieht man natürlich: NICHTS. Dementsprechend möchte der Künstler Shinseungback Kimyonghun in Anlehnung an künstliche Intelligenzen unsere Wahrnehmung hinterfragen: “Was ist wahrer: Das, was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht”?

Wenn Daten hörbar werden

CLOUD 2017 / Christina Kubisch (Foto: Christina Kubisch)

Kann man Cloud-Daten hören? Ja! Und wie klingt das dann? Nun ja: ganz oldschool wie eine Empfangsstörung im Radio – aber im Sound durchaus variabel. Die Klang-Installation “Cloud 2017” der Künstlerin Christina Kubisch ist ein großes herabhängendes Drahtgeflecht aus 1.500 Metern Kupferkabel. Die ausgesendeten Signale sind durch magnetische Kopfhörer sowie elektromagnetische Wellen wahrnehmbar. Der Klang stammt von elektromagnetischen Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken, welche unter anderem in Europa, Kanada und den USA entstanden sind. Je näher der Besucher dem Geflecht dabei kommt, desto stärker und durchgehender werden diese Töne. Demnach können Töne auch gemischt werden. Wer eine kreative Ader hat und beweglich ist, kann sich ja mal als Daten-DJ versuchen.

Tanz durch 3D-Druck-Geflechte

toki- series_#03 / Akinori Goto (Foto: Akinori Goto)

Die “toki- series_#03” verzaubern. In einem tiefschwarzem Raum befinden sich drei rotierende Zeitskulpturen, die mittels 3D-Druck entstanden sind. Es handelt sich um weiße Geflechte, in denen menschliche Silhouetten zu erahnen sind. Verschiedene Lichtstrahlen und Bewegungen eröffnen dabei immer neue Perspektiven. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie kleine Figuren mittels Licht und Bewegung durch das Skelett tanzen, sich vermehren, um dann wieder zu verschwinden. Der Künstler Akinori Goto hat die zweidimensionalen Bewegungen von Videosequenzen in dreidimensionale Figuren übersetzt. Das japanische Wort Toki steht für „Zeit“ oder „Moment”. Der Künstler macht die Zeit sichtbar.

Mehr als ein Accessoire: Touchpoint Haut

Das Projekt “DuoSkin” hebt Bodyart in neue Sphären. Es handelt sich um einen technologischen Herstellungsprozess, der quasi die Haut digitalisiert. Mit Gold-Metall-Plättchen werden ästhetisch technologisierte Muster produziert, die wie ein Tattoo auf die Haut aufgetragen werden. Diese Art von individueller Körperkunst macht den menschlichen Körper zum Touchpoint: Sie ermöglicht die Steuerung externer Geräte durch Berührung der Haut und damit verbunden das Speichern und Anzeigen von Informationen.

Ist das Kunst?

Body Paint / Exonemo (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)

“Body Paint” besteht aus zwei bemalten Screens. Jeder von ihnen zeigt eine nackte und rasierte Person, die in der jeweils gleichen Farbe angestrichen ist. Dadurch verschwimmen die Grenzen: Es wirkt als handele es sich um zwei Kunstwerke auf Leinwand. Doch die porträtierten Figuren bewegen sich, da sich dahinter eben LCD-Bildschirme verbergen. Der Künstler Exonemo möchte die Existenz des Individuums in den Medien hinterfragen und spielt auf unsere permanente aber immaterielle Online-Präsenz an: ”Die Lebensdauer des menschlichen Körpers ist mehr oder weniger bekannt, aber das Fortleben von Daten, Farbe und Kunst ist nicht definiert. Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen für Körperkunst, figurative Malerei und Medienkunst verbinden sich jedoch in diesem Projekt miteinander, da die Arbeit einen gemeinsamen Nenner in der Gegenwart und der Existenz selbst sucht”.

In Berlin ist die kuratierte Export-Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017 geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

“Alles hängt von Ihnen ab. Um mitbestimmen zu können, in welche Richtung Sie sich selbst und unsere Welt verändern, brauchen Sie Offenheit und Neugierde. Wissen und Kritikfähigkeit. Mut und Optimismus. All das, was Sie eben zum Menschen macht” – so das Resümee der Kuratoren. Dem können wir uns nur anschließen.

 

Titelbild: @Florian Voggeneder

Außenansicht der Uffizi Gallerie in Florenz zum Artikel Übersetzungsapps in Museen

Die Kunst der Sprache:
Übersetzungsapps in der Uffizi Galerie

Es ist August und wie jedes Jahr lockt die Toskana Touristenmassen aus aller Welt an. NeoAvantgarde war mit dabei und hat neben imposanter Kunst und leckerem Wein auch neue Übersetzungsapps entdecken können.

Ein Besuch in der Galerie der Uffizien

Es ist 8 Uhr, die Uffizi Galerie in Florenz soll in 15 Minuten öffnen. Der Innenhof ist bereits gefüllt mit zahlreichen Touristen aus aller Welt, Militär und einigen Mitarbeitern, die versuchen, schon mal etwas Ordnung zu bringen. Eine Sicherheitskontrolle und eineinhalb Stunden später bin ich drin. Gemeinsam mit den Massen ströme ich in die mit Gold verzierten Hallen der Galerie. Von ihren Wänden schauen die Ahnen der Medici-Familie auf einen herab. Los geht es im zweiten Stock, hier wird sich von oben nach unten gearbeitet. Die bekanntesten Künstler Italiens und der Welt hängen und stehen hier teilweise auf engstem Raum. Zu den Stars der Ausstellung gehören Botticelli’s Venus, der Medici-Liebling Michelangelo, Leonardo da Vinci und Caravaggio. Die Leute drängen sich mit ihren iPads, iPhones und Spiegelreflexkameras vor die Meisterwerke um diese festzuhalten: Für sich und ihre Facebook-Profile. Es ist fast eine Art Hobby von mir geworden, in Museen und Galerien nicht nur die Werke zu betrachten, sondern auch die Besucher zu beobachten. Neben einfarbig angezogenen Hipstern und Prada-Intellektuellen gab es auch einige asiatische Reisegruppen.

Übersetzungsapps in einem Museum – das neue Zeitalter der Kommunikation

Vor der besagten Venus von Botticelli konnte ich deshalb beobachten, wie eine Frau aus Korea ihr Smartphone zückte und es auf den Erklärungstext neben dem Bild hielt. Wir dachten zunächst, dass sie (wie erstaunlich viele Besucher) nun den Text abfotografiert. Dann bemerkte ich allerdings, wie sich der eingescannte Text auf dem Bildschirm ihres Smartphones, Zeile für Zeile in koreanische Schriftzeichen verwandelte. Am Ende eines jeden Satzes stellten sich die Satzzeichen dann in die (scheinbar) richtige Reihenfolge um. Sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich starrte wie gebannt auf den Bildschirm. Die App erkennt die Wörter und kann sie dann sinngemäß umstellen und richtig übersetzen. Einen ähnlichen Moment hatte ich in Rio, wo mir die Google-Sprach-App gezeigt worden ist. Diese erkennt das gesprochene Wort und gibt es dann in der gewünschten Sprache durch den Lautsprecher wieder. So steht dem Turm zu Babel heute wohl nichts mehr im Wege.

Solltet ihr demnächst auch mal auf eine internationale künstlerische oder kulturelle Erkundungstour gehen, dann geben wir euch folgende Apps mit an die Hand:

Mehr als nur Übersetzungsapps

Korean Talking Translator

Es klingt zwar so, als würde die App Korean Talking Translator nur koreanisch übersetzen, tatsächlich erkennt sie aber über 30 (Fremd)Sprachen. Zwischen ihnen lässt sich intuitiv und schnell wechseln. Außerdem ist eine Spracherkennung und Grammatikkorrektur integriert. On top gibt es immer ein Wort des Tages, wobei einem täglich aus jeder Sprache ein neuer Begriff, inklusive Beispielsatz, vorgeschlagen wird. Trotz kleinerer Übersetzungsmängel bei einzelnen Worten, ist diese Anwendung alles in allem eine umfassende und praktische Möglichkeit, fremdsprachliche und besonders auch umfassende Texte schnell und einfach entziffern zu können.

Scanner- & Übersetzer-App

Die App Scanner & Übersetzer kommt bereits in ihrem Namen auf den Punkt: Sie scannt via Foto alle gedruckten Schriftstücke mit Textbausteinen. Dies können zum Beispiel Dokumente, Urkunden, Bücher, Schilder oder Anleitungen sein. Die Worte werden dann automatisch erkannt und je nach Wunsch in eine von 90 Sprachen übersetzt.

Wie speziell für Museen entwickelte Apps einen Galeriebesuch nicht nur erleichtern, sondern auch highlighten, könnt ihr in unserem Artikel „Galerie to go: Wenn Museen digital gehen“ nachlesen.

Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff

Museen digital: Smartphone wird vor Gemälde gehalten

Galerie to go: Wenn Museen digital gehen

Verstaubt, langweilig, unnahbar und anspruchsvoll – so empfinden viele Menschen einen klassischen Museumsbesuch. Doch was passiert, wenn Galerien mit digitalen Erweiterungen arbeiten? Wenn sich Nutzer online zuschalten und historische Umgebungen virtuell betreten können? Immer mehr Museen und Kooperationspartner setzen auf neue digitale Erlebnismöglichkeiten. Sie bieten Apps, welche den Besuchern durch Bilderkennung, zusätzliche Infos, Videos und Interaktionen einen spielerischen Zugang zur Kunst eröffnen. Wir geben Euch Einblicke, wie Museen digital performen können.

Smartify – das Shazam für Museen und Kunstwerke

Museen digital: App auf dem Smartphone wird vor ein Kunstwerk im Raum gehalten
SMARTIFY ‘Black Shed Expanded’ by Nathaniel Rackowe, Sculpture in the City 2017

Die Anwendung Smartify funktioniert ähnlich wie die beliebte Musikerkennungs-App Shazam. Sie erkennt Kunstwerke auf Fotografien. Das funktioniert nicht nur im Museum. Wer auf der Straße ein interessantes künstlerisches Objekt entdeckt, vielleicht eine Statue oder eine Installation, der zückt die App und kann mehr erfahren. Die Software analysiert das geschossene Foto und liefert Zusatz-Informationen wie Größe, Jahr der Erstellung, Name, Details zum Autor, spannende Zusammenhänge, Audio- und Video-Kommentare der Museen und vieles mehr. Die Lieblings-Kunststücke können dann auf dem Smartphone in einer Art „Galerie to go“ gespeichert und bei Bedarf geteilt und kommentiert werden. Den Bewertungen einiger Nutzer zufolge, hapert es allerdings noch hier und da mit der technischen Funktionalität. Dies können wir bestätigen: Scan-Proben dauerten lange, oft ohne Ergebnis. Vielleicht liegt es daran, dass noch nicht viele Kunstwerke erfasst sind. Laut Hersteller will man zukünftig das künstlerische Netzwerk ausbauen und mit mehr Museen kooperieren. Vielleicht klappt dann auch die Bilderkennung besser.

Altes Handwerk und neuen „Homo Virtualis“ erleben

 

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Eine digitale Anwendung zur Bilderkennung gibt es jetzt auch in Russland. Die Tretyakov Gallery und das Pushkin Museum of Fine Arts integrieren eine neue App, welche die Kunstwerke digital erfasst und bei einem Besuch zusätzliche Infos liefert. Die Besonderheit hierbei ist es, den Entstehungsprozess der Werke virtuell zurückverfolgen zu können. So gibt es beispielsweise Vorher-/Nachher-Bilder von Restaurationen. An welcher Stelle des Werkes wurde Hand angelegt? Wo saß der erste Pinselstrich?

Im Pushkin Museum of Fine Arts widmet sich zur Zeit auch die Recycle Group der Digitalisierung unseres Lebens. “Homo Virtualis” heißt die Ausstellung, die dort noch bis zum 20.08. zu sehen ist. Die Künstler nutzen die Erweiterte Realität (augmented reality) und vollenden ihre Werke im Digitalen. In den Ausstellungsräumen sind Skulpturen zu sehen, die zunächst an die Werke alter Künstler erinnern. Jedoch bestehen die Objekte aus den modernen Materialien Polyurethane und Plastik. Sie sind sehr abstrakt, minimalistisch und meist einfarbig. Hält der Besucher die dazugehörige App vor das Werk, so verändert sich die Skulptur und wird virtuell erweitert. Körper werden komplettiert und beispielsweise im Stil einer Wärmebildkamera eingetönt. Der „homo virtualis“, ein digitales menschliches Gerüst, erscheint in typischer Smartphone-Pose. Mit der Verbindung von alten Darstellungsweisen und neuen Materialien sowie Techniken, wollen die Kuratoren zeigen “how art perception has been transformed in the age of mass media and social media”.

Städel Museum: Digitale Zeitreise in das Jahr 1878

Das Städel Museum in Frankfurt am Main ist, in Sachen digitaler Kunstgeschichte, ebenfalls ein Vorreiter. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich den Museumsbesuch via App mit informativen und multimedialen Funktionen zu erleichtern. Favoriten können gespeichert und Themenlisten durchsucht werden. Das Museum sieht in der digitalen Erweiterung die Chance für „völlig neue Wege der Erforschung, Darstellung, Erzählung und Vermittlung von Kunst”. Für den Grimme Online Award nominiert ist der kostenlose Online-Kurs „Kunstgeschichte online – der Städel Kurs zur Moderne“ . Die Entwickler versprechen einen unterhaltsamen und neuartigen Einblick in die Kunstgeschichte. Er integriert Hintergrundinformationen zu Werken, Künstlern, Stilen, Filmen und historischen, kulturellen sowie politischen Zusammenhängen von 1750 bis heute.

Wie sah eine Galerie früher aus? Wie wirkte die Architektur auf die gezeigten Werke? Mit einer kostenlosen Virtual-Reality-Zeitreise- App, können Besucher außerdem die Museumsräume und ihre Vergangenheit erleben. Die historischen Sammlungsräume von 1878 sind via 3D Grafik und Virtual-Reality-Brille virtuell begehbar. Wenn Museen digital gehen, fehlt es oft noch an perfektionierter Technik und dadurch an virtueller Authentizität. Die Ideen machen aber Lust auf mehr.

Titelbild: @SMARTIFY  ‘The Laughing Cavalier’, The Wallace Collection

Pussy Riot Anhänger vor Gerichtsgebäude in bunte Kleidung verhüllt; Bild zum Artikel über immersives Theater - die Geschichte der Band

In ein russisches Gefängnis eintauchen:
Pussy Riot – Geschichte als immersives Theater

Sich für einen Moment in die Lage eines russischen Regimekritikers versetzen, in der Kirche vor einem Altar protestieren, vor Gericht angeklagt und in ein russisches Gefängnis eingesperrt werden – das alles könnten die Besucher durch ein geplantes immersives Theater bald hautnah miterleben. Die Kreml-kritische Punkband Pussy Riot möchte dem Publikum ihre Geschichte erlebbar machen und konzipierte ein immersives und experimentelles Theater-Projekt mit dem Titel „Inside Pussy Riot“.

Politische Kritik durch immersives Theater

Die Band ist für ihre regimekritischen Auftritte bekannt. Insbesondere das Punk-Gebet in einer Moskauer Kirche sorgte 2012 für weltweite Aufmerksamkeit. Pussy Riot protestierte dabei vor dem Altar gegen die Allianz von Kirche und Staat. Die Aktion kostete die Bandmitglieder zwei Jahre Haft. Die Frauen wurden jedoch vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Nach ihrer Inhaftierung kritisieren sie die dort vorhandenen schlechten Lebensbedingungen für Frauen und plädieren für einen humaneren russischen Strafvollzug. Mit einem immersiven Theaterstück möchte die Band nun zeigen, “was es bedeutet in Russland Regimekritiker zu sein“ – so Pussy-Riot-Mitglied Nadeschda Tolokonnikowa. Den Frauen ist es ein Anliegen zu verdeutlichen, warum es so wichtig ist, die eigenen Freiheiten zu schützen. Dies erzielen sie, indem sie ihre Erlebnisse mit den Zuschauern ungeschönt teilen: „Wir nehmen euch mit auf eine Reise, die vom Kirchenaltar bis in die Tiefen des Kremls selbst führt. Hoffentlich ist das eine Reise, die ihr nur einmal in eurem Leben machen müsst“.

Sich wie ein Angeklagter und Gefangener fühlen

Die Immersivität des Stückes, also die Partizipation des Publikums, wird weniger durch die Technik als durch eine Live-Performance erzeugt. Die in kleine Gruppen aufgeteilten Zuschauer werden in den nachgestellten Umgebungen, basierend auf den Erfahrungen der Band, wie russische Regimekritiker behandelt – inklusive Prozess im Gerichtssaal und Inhaftierungen in einsamen Gefängniszellen. Die Band erhofft sich durch die neue Plattform und die damit verbundene Abkehr von einer rein passiven Rezeption, ihre Anliegen in neue Dimensionen heben zu können:  “What if we combined the aesthetic effect of the immersive theater with our activist approach? Could it actually enhance our political agenda?”.

Auf, statt vor der Bühne

Inspiration holten sich die Mitglieder bei konzeptionellen Künstlern, wie Ilya und Emilia Kabakov, welche dem westlichen Publikum sowjetische, kommunale Lebensbedingungen aufzeigten. Auch der Künstler Ai Wei Wei und die Nachstellung seiner Gefangenschaft, gaben den russischen Musikerinnen Impulse für ein derartiges Projekt. Nicht zuletzt war das immersive Theaterstück ‚Sleep No More‘ aus New York eine große Inspirationsquelle. Bei dieser Aufführung fällt eine klassische 4-Wand-Raumaufteilung weg und der Zuschauer bewegt sich spielerisch in und mit den Kulissen.

Die interaktive Darstellung „Inside Pussy Riot“ soll gemeinsam mit der Theatergruppe Les Enfants Terribles entstehen und im November in der Saatchi Gallery in London aufgeführt werden. Das Projekt kann auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützt werden. Von den erhofften 60.000 Pfund, kamen bis jetzt 38.347 Pfund zusammen. Inwieweit die realen Bedingungen durch immersives Theater nachgestellt und nachempfunden werden können, bleibt abzuwarten. Die Idee klingt in jedem Fall spannend.