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bunte Farben zum Artikelthema Interview mit Andreas Fischer: Wie Digitalisierung den klassischen Kunstbegriff aufbricht

Interview mit Andreas Fischer:
Wie Digitalisierung den klassischen Kunstbegriff aufbricht

Andreas Fischer ist ein Künstler mit Sitz in Berlin, der sich auf digitale Kunst spezialisiert hat. In unserem Interview berichtet er über seine Zusammenarbeit mit Samsung für die IFA, wie eine Agentur seine Arbeit kopiert hat und warum der Trend zur Virtualisierung auch wieder zurückgehen wird.

 

Seit wann arbeitest du hauptberuflich als Künstler?

Ich würde sagen dass das ein langwieriger Prozess ist. Ich habe an der Universität der Künste Berlin studiert. In einer digitalen Klasse mit den Professoren Joachim Sauter und Jussi Ängeslevä. Das ist an sich ein Design Studium, beziehungsweise ein Teil von dem Grafikdesign Studium. Die haben eine Fachklasse mit Ausrichtung auf digitale Medien. Ich habe mich eigentlich gleich nach dem Studium selbstständig gemacht und angefangen zu freelancen. Gleichzeitig hatte ich eigene Arbeiten und Ausstellungen. Wobei ich am Anfang als Motion Designer gearbeitet habe. Es dauert ja auch eine Weile bis man eine Linie gefunden hat. Es wurde dann immer mehr eigene Projekte. Aber es hat schon ein paar Jahre gedauert.

 

 

Ilaria Nistri X ANF A/W 15/16 collection

 

Du hast schon mit vielen Marken wie zum Beispiel Samsung zusammengearbeitet und für eine Modedesignerin Stoffmuster entworfen. Wie sind diese Kooperationen entstanden?

Das meiste ist über das Internet gekommen weil Marken irgendwann meine Arbeiten finden und dann auf mich zukommen. Dann kommt man ins Gespräch und schaut was möglich ist. Ich mache kaum direkte Akquise oder sowas. Das heißt ich habe meine Online-Präsenz, meine Ausstellungen und Social Media aber ansonsten mache ich echt nichts. Die Kunden kommen eigentlich zu mir und das läuft ganz gut.

 

Was war das größte Projekt, das du gemacht hast?

Die Arbeit mit Samsung 2016 für die IFA war eins der Highlights und eines der größten Dinge, die ich gemacht habe. Da muss man dazu sagen, dass ich das nicht alleine gemacht habe. Sondern in Zusammenarbeit mit der Postproduktion und einem Designstudio. Ich war für einen Teil des Kreativen verantwortlich, also der Medienbespielung. Meine Aufgaben waren Konzeption und Art Direction, die Geschichte der visuellen Bespielung zu entwickeln und einen Teil der Produktion.

 

 

Photo by Christopher Bauder

 

Was steht bei dir in nächster Zeit Neues an?     

Über mein neues Projekt darf ich noch nicht so viel sagen. Ich arbeite mit einem Hersteller für Computerprozessoren zusammen, der auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist. Die produzieren riesige Datensätze und es geht darum, diese in eine Form zu bringen und zu visualisieren.

 

Wie lange arbeitest du an einem Projekt?

Das kommt ganz drauf an. Es gibt kommerzielle Projekte, die nur ganz kurz sind. Bei eigenen Projekten verhält es sich meistens anders. Es kann sein, dass man in ein paar Tagen ein Konzept macht oder auch ein halbes Jahr an etwas arbeitet. Es gibt bestimmte Themen, die mich interessieren und Werkreihen, die ich immer weiter entwickle. Das hat keinen Anfang und auch kein Ende. Wofür ich mit am bekanntesten bin, sind diese generativen Zeichnungen und Videoinstallationen. Die Reihe heißt “Schwarm” und “V0ID” ist eine Weiterentwicklung davon. Ich habe vor zehn Jahren angefangen diese Software zu entwickeln. Einmal im Jahr oder wenn ich Lust darauf habe, setze ich mich hin, schreibe ein paar Sachen und produziere wieder neue Arbeiten. Im Moment mache ich viele Videos. Das Ganze basiert auf einer Software. Also ich filme, drehe und animiere nichts, sondern es ist eine rein textbasierte Software, die ich ablaufen lasse und mit der ich Videos erzeuge. In diesem Projekt ist die meiste Kontinuität drin. Das ist irgendwie ein Thema, das mich nicht so richtig los lässt oder wo ich immer wieder neue Facetten entdecke. Ich möchte eine andere visuelle Qualität aus dem gleichen System holen.

 

Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken?

Das ist was womit ich mich immer ein bisschen schwer tue. Es gibt keinen konkreten Hintergrund. Was mich an meiner Arbeit fasziniert ist das, was man generatives System nennt. Da geht es nicht darum eine einzelne Arbeit zu machen, sondern darum ein System zu schaffen, das potenziell eine endlose Reihe an Arbeiten selber produzieren kann. Es ist ein Algorithmus, den ich vorgebe und innerhalb dieses Regelwerks hat die Software einen gewissen Entscheidungsfreiraum. Jeder Sekundenbruchteil wird ein kleiner Schalter umgelegt oder wird nicht umgelegt. Ich habe ein paar Millionen von diesen kleinen Schaltern und gebe eine Regel vor, wie die sich zu verhalten haben. Dadurch entsteht ein kohärentes Bild. Dieses Phänomen nennt man Emergenz. Das heißt, wenn man sich einen einzelnen Partikel angucken würde und der zeichnet eine Linie, dann sieht man halt eine Linie. Aber dadurch dass man eben so viele von diesen Partikeln hat, entsteht ein großes Ganzes. Das System wird dann erst sichtbar. Die Schwarm- und die V0ID-Reihe haben die gleiche Basis, die ich immer weiterentwickle. Ich nehme dann andere Farbkomponenten, neue Wege wie gezeichnet wird. Es ist nicht immer das gleiche aber eine Weiterentwicklung von dem Grundprinzip.

 

Könnten andere dieses Konzept kopieren?

Mich hat mal eine Agentur angefragt. Dann hat sie sich aus irgendeinem Grund dagegen entschieden mit mir zu arbeiten. Ein paar Monate später habe ich dann gesehen, dass sie meine Arbeit einfach kopiert haben. Man kann das System an sich nachprogrammieren aber was die Leute eben nicht schaffen, ist die gleiche visuelle Qualität zu erzeugen. Es ist ja auch sehr viel abhängig von der Farbgebung und welche Bilder man aus dem System auswählt. Also das kuratieren der eigenen Arbeit ist sehr wichtig. Das System spuckt sehr viel aus aber es hat nicht alles einen hohen ästhetischen Wert, was produziert wird. Ich suche aus was ich für gelungen halte – das ist dann die Arbeit an sich. Dafür bin ich in dieser Szene der digitalen Kunst letzten Endes auch bekannt. Aber diese Algorithmen sind nichts was ich erfunden habe, sondern es ist nur eine Variation und Weiterentwicklung davon.

 

 

V0ID V 02 by ANF

 

Ist man dann mehr Programmierer als Künstler? Was würdest du zu Leuten sagen, die meinen dass digitale Kunst keine Kunst ist?

Der Kunstbegriff ist eigentlich vollkommen aufgebrochen. Wenn man sich die zeitgenössische Kunst anschaut, geht es ja gar nicht mehr ums Handwerk. Das Handwerk machen andere. Natürlich gibt es noch Maler und Leute, die das alles selber machen aber da geht es eigentlich nicht mehr drum. Es geht um das Konzept und die Idee, die dahinter steckt und nicht mit welchem Werkzeug das jetzt erzeugt wurde. Video ist ein Thema, das stärker geworden ist in den letzten Jahren weil es mehr Displays und mehr Möglichkeiten gibt diese zu zeigen. Nicht nur Online sondern auch im Raum.             

 

Glaubst du digitale Kunst in ein Trend, der wieder abnimmt?

Durch die Digitalisierung ist man immer weiter von der Realität und dem Handwerklichen entfernt. Die meisten Leute verbringen den ganzen Tag damit auf den Display zu gucken, benutzten nur drei ihrer Sinne und gucken auf Sachen, die simuliert werden. Die sind natürlich in irgendeiner Form da, aber haben nichts mehr mit der physischen Realität zu tun. Dadurch entsteht bei den Menschen wieder das Bedürfnis zurück zum selbst machen, zum Erdigen und Natürlichen. Das kann ich beides nachvollziehen und das wird weiterhin parallel existieren. Die Virtualisierung greift weiter um sich und die Qualität der Simulation wird besser. Bis man irgendwann ein Implantat hat, das die Bilder direkt auf der Retina erzeugt und man kein Display mehr dafür braucht. Aber gleichzeitig haben wir noch unseren physischen Körper und unsere Sinne. Es ist ein biologisches Bedürfnis sich mit Menschen zu umgeben. Wenn man das nicht macht wird man unglücklich. Man ist immer noch ein Primat, zwar sehr hoch entwickelt aber nach wie vor durch Enzyme gesteuert. In jedem von uns steckt diese evolutionsbiologische Subroutine und die wird man nicht rausbekommen, auch nicht mit mehr Digitalisierung. Je weiter sie voranschreitet, desto mehr entfernen wir uns von dem Urzustand, auf den wir programmiert sind.   

 

 

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Stadt Turm Sonnenuntergang zum Artikelthema Februar: Top 10 Events in Berlin

Februar:
Top 10 Events in Berlin

Auch im Februar gibt es wieder viele Events in Berlin, die nur darauf warten, von uns besucht zu werden. Dieser Monat hält auf jeden Fall einige Ausstellungseröffnungen, wie die von Eduardo Paolozzi, an. Ein weiteres Highlight sind die Berliner Filmfestspiele mit über 400 verschiedenen Filmen. Und wer sich eher für kulinarische Kultur begeistern kann, sollte die Berliner Käsetage besuchen.   

 

 

Ausstellungseröffnung: Eduardo Paolozzi


Eduardo Paolozzi (1924-2005) war ein Bildhauer und Künstler der britischen Nachkriegsmoderne. Durch seine innovativen und respektlosen Werke sorgte er für großes Aufsehen. Paolozzis frühe Collagenserie bahnte der britischen Pop Art den Weg. Die Ausstellungseröffnung findet am 08.02.2018 um 19 Uhr statt.

Wo: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin
Wann: 08.02.2018
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Ausstellungseröffnung: Bruno Barbey – Passages


Bruno Barbey ist einer der erfolgreichsten Fotojournalisten der Gegenwart. Das Willy-Brandt-Haus zeigt mit BRUNO BARBEY “PASSAGES” eine Retrospektive des Franzosen. Es sind 100 Schwarzweiß- und Farbfotografien seit den frühen 1960er Jahre bis heute ausgestellt. Zusätzlich werden Filme von Barbeys Frau, Caroline Thiénot-Barbey, gezeigt.

Wo: Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, 10963 Berlin
Wann: 08.02.2018
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Ausstellungseröffnung: Arthur Jafa


Die Julia Stoschek Collection präsentiert das Werk des US-amerikanischen Filmemachers, Kameramanns und Künstlers Arthur Jafa. Für ihn ist es seine erste Ausstellung in Deutschland. Zu Jafas künstlerischer Praxis gehören neben Filmen auch Installationen und Performances. Er beschäftigt sich in seinen Werken mit kulturellen Aussagen über Identität und ethnische Zugehörigkeit.   

Wo: Julia Stoschek Collection, Leipziger Straße 60, 10117 Berlin
Wann: 10.02.2018
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Musik im Museum für Naturkunde


Ulrike Haage hat aus der Nasssammlung des Museums für Naturkunde Berlin ein assoziatives Klanggewebe inszeniert. Nach dem Austausch mit dem Fischkustoden Dr. Peter Bartsch, entstand eine Mischung aus melodischer Minimal Music und imaginativen Echos der Renaissance. Die moderne Wanderbühne stellt einen rhythmisierten Zeitstrom aus Unterwasser-Sicht dar.

Wo: Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Wann: 12.02.2018
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Berliner Filmfestspiele 2018


Die internationalen Filmfestspiele zählen weltweit zu den bedeutendsten Events in der Filmbranche. Es werden über 400 Filme in verschiedenen Genres gezeigt und mehr als 300.000 Tickets verkauft. Jede Unterkategorie stellt ein eigenes kleines Festival dar. Die Jury vergibt jedes Jahr acht Preise – unter anderem den goldenen Bären für den besten Film.

Wo: verschiedene Orte in Berlin
Wann: 15.-25.02.2018

 


Führung durch die Gipsformerei


Das historische Stammhaus der Gipsformerei bietet eine öffentliche Führung an. Es ist die älteste Institution der Staatlichen Museen zu Berlin. Der berühmte Bildhauer Christian Daniel Rauch war der erste Leiter der königlichen Gipsformerei. Teilnehmerkarten können online für vier Euro pro Person erworben werden.  

Wo: Gipsformerei, Sophie-Charlotten-Straße 17/18, 14059 Berlin
Wann: 21.02.2018
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Blick hinter die Kulissen: Zeiss-Großplanetarium


Ab sechs Euro gibt es am 21.02.2018 einen Einblick in die Technik des Zeiss-Großplanetariums. Highlights sind die Fulldome-Projektionsanlage für 360°-Videos und der ZEISS Universarium-Sternenprojektor. Außerdem erfährt man, was für die Erstellung eines neues Planetariumprogramms gebraucht wird.

Wo: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Wann: 21.02.2018
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Kuratorenführung: Kunstbibliothek und Helmut Newton Foundation


Kuratoren des C/O Berlin führen Besucher dieses Events durch die Kunstbibliothek im Museum für Fotografie und die Helmut Newton Foundation. Dabei werden ausgewählte Fotografien genauer unter die Lupe genommen und ein häuserübergreifender Dialog gestartet. Tickets gibt es für 15-20 Euro.  

Wo: Foyer von C/O Berlin
Wann: 22.02.2018
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Arminius Markthalle: Berliner Käsetage


Zu viel Käse? Gibt es nicht! Fans des köstlichen Milchprodukts kommen bei den Berliner Käsetagen auf ihre Kosten. Sie finden bereits zum dritten Mal in der Arminius Markthalle statt.  Dabei werden Brote, Senf und Weine aus ganz Deutschland angeboten. 2018 können sich Besucher unter anderem auf Peppikäse, den Allgäuer Käseladen, Cheese Us, die Käseinsel und das Käseeck freuen.  

Wo: Arminius Markthalle 
Wann: 24.-25.02.2018 

 

 

The Berlin Sessions: Claudia Skoda


Claudia Skoda ist eine der erfolgreichsten Strickdesignerinnen weltweit. Ihre Modenschauen wurden von Berühmtheiten wie Iggy Pop, Martin Kippenberger und David Bowie besucht. Von Skodas Happenings sprach in kurzer Zeit ganz Berlin. In “The Berlin Sessions” spricht sie über ihre Arbeit als Designerin, die Schnittstellen zur Bildenden Kunst und ihr Leben im Berlin der (Vor-)Wendezeit.

 

Wo: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin

Wann: 28.02.2018

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Stehpult zum Artikelthema Social Media Week 2018: Influencer Marketing, Community Building und mehr

Social Media Week 2018:
Influencer Marketing, Community Building und mehr

Du hängst den ganzen Tag auf Facebook, Instagram und Snapchat ab? Dann ist die Social-Media-Week 2018 in Hamburg genau dein Ding! Dort gibt es unzählige von Experten geleitete Workshops, die Hintergründe und Internet-Phänomene der Sozialen Medien thematisieren.

 

Mehr als 70 Veranstaltungen

In Hamburg dreht sich bald alles um soziale Medien. Die diesjährige Social Media Week findet unter dem Motto “Closer: Community vs. Individualismus” statt und bietet innerhalb von drei Tagen ganze 70 Veranstaltungen an. Vom 23. Februar bis zum 02. März gibt es demnach Vorträge, Sessions und Workshops im Altonaer Museum und der University of Applied Sciences Europe soweit das Auge reicht. Den Anfang macht das Panel „#Influencer #Marketing – Bullshit oder heiliger Gral?“, indem Torsten Panzer, Beirat der SMWHH und Vorstandsvorsitzender des PR Clubs Hamburg, über PR- und Medienkommunikation in digitalen Medien referiert.

 

SOCIAL MEDIA WEEK HAMBURG 2017 28. Februar bis 03. März 2017

 

Workshop über Influencer Marketing

Das Panel von Microsoft Deutschland trägt den Namen „Schlägt Netzwerk Hierarchie? Zeit für eine neue Führung – denn Chefs aus der Hölle haben ausgedient!“. Dort können sich Besucher über Themen wie Karriere und neue Arbeit informieren. Ein weiteres Panel diskutiert die Chancen und Risiken, die durch die Digitalisierung im Bezug auf eine neue Führungskultur entstehen. Wer sich fragt, wie man eine Community in sozialen Medien aufbaut und wie Internetnutzer am besten eingebunden werden können, bekommt auf der Social Media Week die passenden Antworten.

 

SOCIAL MEDIA WEEK HAMBURG 2017 28. Februar bis 03. März 2017

 

Die einzige Social-Media-Week in Deutschland

Der Studiengangsleiter für Communication & Media Management an der University of Applied Sciences Europe, Prof. Dr. Andreas Moring, veranstaltet den Workshop „BIDAC – Die 15 Regeln für erfolgreiches Online-Business“. Darin beleuchtet er unter anderem Geschäftsideen der Teilnehmer nach bestimmten Erfolgskriterien. Beirätin Andrea Frahm bietet den Workshop „Erfolgreich gründen als Frau – Sprechstunde mit Prelovee“ speziell für Start-Up-Gründerinnen an. Am 27. Februar startet das Event mit dem Pre-Opening-Abend im Mercedes me Store.

 

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Facebook-Event 

Tickets ab 49,00 €

Museumstraße, 22765 Hamburg

 

 

Titelbild: SOCIAL MEDIA WEEK HAMBURG 2017 28. Februar bis 03. März 2017

 

Handy Facebook weißer Hintergrund zum Artikelthema Facebook News: Mark Zuckerberg setzt auf soziale Kontakte

Facebook News:
Mark Zuckerberg setzt auf soziale Kontakte

Wer Facebook nur noch nutzt, um sich lustige Katzenvideos anzusehen, der muss jetzt ganz stark sein. Mark Zuckerberg hat sich zum Jahreswechsel nämlich vorgenommen, das von ihm gegründete Facebook komplett zu verändern.

 

Soziale Kontakte im Vordergrund

Mark Zuckerberg, Gründer und CEO des weltweit größten Online-Netzwerk, hat neue Änderung auf Facebook angekündigt. Demnach sollen Nutzer mehr Beiträge von Freunden und Familie angezeigt bekommen. Zuckerberg möchte wieder das ursprüngliche Ziel des Unternehmens anvisieren: Persönliche Verbindungen zu ermöglichen. Beiträge von Firmen und politischen Gruppen hingegen sollen reduziert werden. „Ich ändere das Ziel für unsere Produkt-Teams: Statt sich darauf zu konzentrieren, ihnen beim Finden relevanter Inhalte zu helfen, sollen sie Ihnen helfen, bedeutsamere soziale Beziehungen zu haben“, sagte er in seinem Post.

 

Mehr “Wohlbefinden” weniger Katzenvideos

Mehrere Studien sollen belegt haben, dass soziale Medien das Wohlbefinden steigern, wenn man mit Menschen, die einem Nahe stehen Kontakt hat. Das passive Lesen von Beiträgen und das Anschauen von Videos soll laut Zuckerberg “nicht so gut sein”. In seinen Augen haben Facebooks Dienste die Aufgabe, für das Wohlbefinden seiner Nutzer zu sorgen. In Zukunft sollen Unternehmensbeiträge priorisiert werden, wohingegen Inhalte von Freunden höher im Newsfeed erscheinen. Die von Facebook genutzten Algorithmen können voraussagen, welche Beiträge zum kommunikativen Austausch anregen. Posts von Facebook-Seiten bleiben zwar noch im Newsfeed, aber sie werden höher platziert, wenn der Freundeskreis sich darüber unterhält.

 

 

Wettkampf um Anzeigenplätze

Anbieter von Inhalten können sich Plätze über Facebooks Anzeigenplattform kaufen. Zuckerbergs geplante Änderungen bedeuten einen extremen Einschnitt für Unternehmen und Medien. Vor allem, weil das soziale Netzwerk bisher als Plattform für Medieninhalte bekannt war. Der Facebook-Manager John Hegeman gibt gegenüber dpa an, dass die Anzahl von Anzeigenplätzen nicht erhöht wird. Das dürfte den Wettbewerb um die begrenzten Werbeslots ordentlich ankurbeln. Nutzer können die Änderungen jedoch umgehen. Ein paar Klicks in den Einstellungen und schon erscheinen die Beiträge von abonnierten Seiten oben im Newsfeed. Sollten Menschen in Folge der Neuerungen weniger Zeit auf Facebook verbringen, sei das laut Zuckerberg gar kein Problem: „Aber ich erwarte auch, dass die bei Facebook verbrachte Zeit wertvoller sein wird.” Im Umkehrschluss erhofft er sich dadurch positive Auswirkungen auf seine Geschäfte.

 

Kritik gegen Facebook

Facebook müsse “das System neu fokussieren”, sagte Zuckerberg gegenüber der New York Times. Befürchtungen über die Entstehung einer Filterblase, bei der Nutzern nur Inhalte angezeigt werden, die ihre Ansichten bestätigen, wies Hegeman direkt zurück: „Es stimmt zwar, dass die Leute mehr Freunde haben, die mit ihnen einer Meinung sind.“ Da die meisten Nutzer eine Vielzahl von Freunden mit unterschiedlichen Ansichten auf Facebook haben, bestehe die Gefahr einer Filterblase nicht. Es wird vermutet, dass die Änderungen in erster Linie politische Kontroversen um Facebook-Inhalte entschärfen sollen. Nach der US-Präsidentschaftswahl im Jahr 2016 stand Facebook wegen der Ausbreitung gefälschter Nachrichten in der Kritik.

 

Kodak Rollfilm weißer Hintergrund zum Artikelthema Kryptowährung News: Kodak mischt mit KodakCoins den Markt auf

Kryptowährung News:
Kodak mischt mit KodakCoins den Markt auf

Wenn man Kodak hört, denkt man eigentlich an Fotografie und nicht an digitale Währungen. Das ist seit Dienstag anders: Denn das Unternehmen möchte mit sogenannten KodakCoins eine eigene Kryptowährung einführen. Was diese Neuigkeit für Reaktionen ausgelöst hat ist erstaunlich.

 

Aktienkurs steigt um 120 Prozent

Kryptowährungen sind im Moment das Thema in den Medien. Aus diesem Grund hat die Ankündigung des KodakCoins und der dazu passenden Plattform KodakOne großes Aufsehen erregt. Das Unternehmen möchte mit einer eigenen Kryptowährung die Autorenrechte von Fotografen absichern. Außerdem können auf diese Weise Bilder besser vermarktet werden. Als Reaktion auf diese Nachricht ging der Aktienkurs von Kodak gewaltig durch die Decke.  

 

Kryptowährung News

Im US-Handel konnte die Aktie ein Plus von 120 Prozent verzeichnen und liegt derzeit bei ungefähr sieben Dollar. Anscheinend haben Kryptowährungen und alles, was damit zu tun hat, eine sehr starke Anziehungskraft auf Investoren. Nicht ohne Grund haben sich mehrere Firmen Namen wie Crypto Company, Nodechain oder Blockchain gegeben – auch wenn gar kein Zusammenhang mit Digitalwährungen besteht. Als die Getränkefirma Long Island Iced Tee ihre Namensänderung zu Long Blockchain Corp bekannt gab, verdreifachte sich dessen Aktienkurs.  

 

Faire Vergütung für Fotografen

Kodak möchte mit der neuen Plattform verhindern, dass geschützte Bilder unerlaubt genutzt werden. Mit der Blockchain-Technologie ist der KodakCoin genauso abgesichert wie der medienpräsente Bitcoin. Firmenchef Jeff Clarcke betonte, dass Kodak schon immer daran gearbeitet hat, die Fotografie zu demokratisieren und Fotografen eine faire Vergütung zu ermöglichen. Das Unternehmen hat die Entwicklung der klassischen Fotografie maßgeblich geprägt. Mit der Digitalisierung von Bildern haben sie jedoch den Anschluss verloren. Trotz Insolvenzverfahren, gilt das Unternehmen heute als Spezialist für digitalen Druck.

 

Nacht Tunnel Handy Arm

Augmented Reality App:
Ausstellung setzt auf digitale Elemente

Heutzutage darf das Handy bei keinem Museumsbesuch mehr fehlen. Diese Tatsache hat die Künstlerin Felice Grodin darin bestärkt, Augmented Reality in ihre Ausstellung „Invasive Species“ einzubauen. Dafür wurde eine App entwickelt, mit der das gesamte Museumsgebäude Teil eines Kunstwerks wird.

 

 

 

Digitale Ausstellung

Passend zum Start der internationalen Kunstmesse “Art Basel” und der “Miami Art Week”, eröffnet das Pérez Art Museum Miami, kurz PMM, eine neue Ausstellung names „Invasive Species“. Um den Kunstwerken Leben einzuhauchen, hat die Künstlerin Felice Grodin an einer Kombination aus Realität und Technik gearbeitet. Der Einsatz von Augmented Reality, zu Deutsch „erweiterte Realität“, verleiht der digitalen Ausstellung virtuell interaktive Elemente.

 

Augmented Reality App PAMM

Augmented Reality ist eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Mithilfe der Kamera von digitalen Geräten, wie Smartphones und Tablets, können zusätzliche virtuelle Informationen eingefügt werden. Um sich die digitalen Kunstwerke der Ausstellung anzusehen, müssen Besucher die kostenlose PAMM App herunterladen. Ziel der Macher ist es, die erweiterte Realität mit der Architektur und der Umgebung des Museums interagieren zu lassen. Was dabei herauskommt ist ein digitales Gesamtkunstwerk.

 

Gefahren für das Ökosystem

Mit dem virtuellen Ausstellungsstück „Terrafish“ vereint die Künstlerin von der Museumsdecke hängende Pflanzen an der Außenfassade mit einer tierischen Spezies. Sie sollen eine nicht heimische Quallenart aus den Gewässern Süd-Floridas darstellen. Grodin möchte auf die zukünftige Instabilität des Ökosystems aufmerksam machen, was eine Gefahr für den Klimawandel und invasive Tierarten ist. Die Ausstellung ist Teil eines Pilotprojekts, das die John S. und James L. Knight Stiftung finanziert. Damit soll der hohen Nachfrage nach digitaler Erlebbarkeit im Kunstbereich entgegengekommen werden.

 

weiße Wand schwarzes Geflecht zum Artikelthema Kunstausstellung Potsdam: Design trifft auf Politik

Kunstausstellung Potsdam:
Design trifft auf Politik

Der Kunstraum Potsdam beschäftigt sich in der Ausstellung “Politiken des Designs” mit dem Zusammenhang zwischen Design und Politik. In über 50 Werken thematisieren junge Gestalter unter anderem das Maß der  Einflussnahme und die Intentionen hinter dem Design.

 

Ausstellungsreihe “Made in Potsdam”

Im Kunstraum Potsdam dreht sich vom 11. bis zum 27.01.2018 alles um das Thema “Politiken des Designs”. Aufgrund der aktuellen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Situation wird es Zeit, eine kritische Positionsbestimmung vorzunehmen. Der gleichen Meinung ist auch der Design Fachbereich der Fachhochschule Potsdam. Über 50 Werke von Gestaltern können in der traditionellen Ausstellungsreihe “Made in Potsdam” betrachtet werden. Die heutige Eröffnung ist kostenlos und wird mit einer Rede von Oliver Gehrs eingeleitet.

 

Ist technologischer Fortschritt die Zukunft?

Der Kunstraum Potsdam wird zum Ort der Auseinandersetzung. Den zugehörigen Gesprächsstoff bieten neben der Ausstellung auch Rundgänge mit Führung, öffentliche Lehrangebote, spielerische Aktionen und Diskussionen mit Gästen. Besucher werden, innerhalb der Ausstellung, durch die politischen Räume Konsum, Grenze, privater Raum und Zukunftsproduktion geführt.  

 

Design als Instrument zur Einflussnahme

Design nimmt, in der Regel unbemerkt, großen Einfluss auf den Alltag und das Zusammenleben von uns Menschen. Weil diese Reichweite immer größer wird, müssen wir anfangen, uns die Frage zu stellen, aus welcher spezifischen Haltung heraus gehandelt wird. Ist es möglich, dass Design zum Instrument der Einflussnahme werden kann? Und ab wann ist Design politisch?

 

Kunstausstellung Potsdam erforscht gesellschaftlichen Tendenzen

Die Nachwuchs Designer versuchen darauf Antworten zu finden und tauchen dabei in Handlungsräume sowie Lebenswelten ein. Sie erforschen gesellschaftliche Tendenzen und initiieren Perspektivwechsel, indem sie uns in das “Internet der Anderen” eintauchen lassen. Grenzgänge werden sowohl im übertragenen Sinn als auch mit konkretem Bezug auf die USA und Mexiko beleuchtet. Außerdem entwerfen die Gestalter utopische Narrative und lenken ihren Blick auf die Konsumgewohnheiten der Gesellschaft.    

 

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weiße Röhre liegender Mensch Kabel an Armen und Beinen zum Artikelthema Wissenschaftliche Kunst: BioArt bringt Menschen der Natur wieder näher

Wissenschaftliche Kunst:
BioArt bringt Menschen der Natur wieder näher

Datentransfer, Signalverarbeitung und künstliche Intelligenz – was unsere heutige Technik an den Tag legt, findet seinen Ursprung in der Tierwelt. Die Ausstellungsreihe “Nonhuman Agents” im „Artlaboratory Berlin“ hat die Kommunikation eines der größten Lebewesen auf der Welt erlebbar gemacht.

 

Der Mensch im Mittelpunkt

Als Anthropozän wir ein neues Zeitalter bezeichnet, in dem der Mensch den gesamten Planeten nach seinen Bedürfnissen gestaltet. Weil einzig und allein der Mensch im Mittelpunkt steht, sind andere Lebewesen vom Aussterben bedroht. In Berlin setzen sich Wissenschaftler und Künstler mit der Frage auseinander, wie die Welt fernab des  An­thro­pozentrismus aussehen würde. Zusammen wollen sie einen Blick auf die sogenannten „nonhuman agents“ werfen, um sie der Öffentlichkeit näher zu bringen.

Nonhuman agents

Ein Beispiel für diese nichtmenschlichen Akteure ist der Schleimpilz Physarum polycephalum. Die künstliche Intelligenz von Robotern ist mit der Intelligenz des Pilzes vergleichbar – mit dem Unterschied, dass Physarum polycephalum diese schon sehr viel früher hatte. Der Schleimpilz gehört genau genommen zu der Gruppe der Amöben und verfügt über ein ausgeklügeltes Informationsübertragungssystem. Registriert er an zwei Punkten seines Fadengeflechts eine Nahrungsquelle, kann er in kürzester Zeit die optimalste Verbindung dazu herstellen.

 

Heather Barnett, The Physarum Experiments Study No. 022, Film still, 2016

BioArt

Viele Computerwissenschaftler beschäftigen sich jetzt mit diesem Phänomen. Die britische  Künstlerin Heather Barnett hat eine Performance aus der Wanderung der Schleimpilze erstellt. Menschliche Tänzer duplizieren dabei dessen Bewegungen. Diese Verschmelzung von biologischer Forschung und Kunst nennt man BioArt. Und genau darauf hat sich das „Artlaboratory Berlin“ in Wedding spezialisiert. „Wir wollen mit unseren Projekten die wissenschaftliche Forschung zu nichtmenschlichen Organismen auf andere Weise sichtbar machen“, erklärt die Gründerin Regine Rapp.

 

Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst

Zusammen mit ihrem Partner Christian de Lutz hat sie das „Artlaboratory Berlin“ im Jahr 2006 gegründet. Besonders interessant ist die Ausstellungsreihe “Nonhuman Agents”, in der unterschiedliche Lebensformen im Mittelpunkt von Konferenzen und Kunstinstallationen stehen. „Dabei ging es uns immer um eine postanthropozentrische Perspektive“, betont Rapp. Um sich an dem Projekt beteiligen zu können, müssen Künstler auch in der Wissenschaft tätig sein.

 

Unterirdische Kommunikation

Aus diesem Grund haben sich Künstlerin Saša Spačal, der Biomedizinern Mirjan Švagelj und Anil Podgornik aus Slowenien zu einem interdisziplinären Kollektiv zusammengetan. In ihrer Hightech-Installation wollten sie einen sensorisch-gefühlsmäßigen Zugang zu der Welt unter der Erde herstellen. Besucher legen sich in eine Art offene Röhre und bekommen über Manschetten an den Extremitäten leichte elektrische Signale. Zusammen mit den Audiotönen der Kopfhörer soll man sich in den Kommunikationsraum des unterirdischen Pilzgeflechts hineinfühlen können. BioArt ist ein großartiger Ansatz, der Menschen dabei hilft, sich der Natur auf zeitgemäße Weise wieder anzunähern.

 

 

Titelbild: Saša Spačal, Mirjan Švagelj und Anil Podgornik: Myconnect, Installation, 2014
Credit: Damjan Švarc, Kapelica Gallery, Fotoarchiv

Bühne dunkler Hintergrund rotes Spotlight Breakdancer zu dem Artikelthema Flying Steps Berlin: Erste Dance-Academy mit Tanzbibliothek

Flying Steps Berlin:
Dance-Academy mit digitaler Tanzbibliothek

In der Dance-Academy der Flying Steps Berlin gibt es jetzt dank des Anbaus neue Tanzräume, einen Medienraum und ein Wellness-Café. Dieser moderne Medienansatz macht die Ausbildungsstätte weltweit einzigartig.

 

120 Kurse pro Woche

Die Flying Steps Academy hat ihre Tanzräume wegen des großen Andrangs um 800 Quadratmeter erweitert. Vor zehn Jahren wurde sie von der Berliner Breakdance-Crew gegründet und genießt seitdem einen hohen Bekanntheitsgrad. Jetzt können sich Tanzbegeisterte über fünf große Räume freuen, die bei 120 Kursen in der Woche auch dringend nötig sind. Angeboten wird nicht nur Breakdance, sondern auch Jazz, Rock und Ballett.  

 

Flying Steps Berlin begeistern weltweit

Seit 1993 tanzen sich die Flying Steps mit Shows wie “Flying Bach” durch die ganze Welt. Fünfzehn Jahre später, haben sie sich entschlossen, selbst tänzerischen Nachwuchs auszubilden. Und das funktioniert bis heute mit Hilfe von 32 Dozenten hervorragend. Deswegen setzten die Tanz-Genies mit ihrer, selbst finanzierten, räumlichen Vergrößerung auf eine Erweiterung ihres Ausbildungskonzepts.

 

Tanzbibliothek mit 300 Videos

In der Flying Steps Academy gibt es jetzt ein riesiges Trainingszentrum im Keller, dass den Muskelaufbau fördern soll. Das Café 2000 bietet jungen Sportlern gesunde Ernährung und wartenden Eltern eine leckere Tasse Kaffee. Besonderes Highlight ist der Medienraum mit Bildschirm für Tanz-Theorie mit 300 Kurzvideos. Damit ist die Academy die weltweit erste Ausbildungsstätte mit diesem Medienansatz. Berliner erwartet 2018 eine neue Show namens Flying Illusion im Theater am Potsdamer Platz.       

 

 

Mann in Kostüm silberne Röhren zu dem Artikelthema Die Maschine steht still nach E. M. Forster: Ist die Technik unser Untergang?

Die Maschine steht still nach E. M. Forster:
Ist die Technik unser Untergang?

Wer braucht schon frische Luft, körperliche Nähe oder einen tieferen Sinn im Leben, wenn einfach alles auf der Welt von nur einem Apparat aus gesteuert werden kann? Das Ergebnis kann man sich im Theater an der Parkaue in “Die Maschine steht still” nach E. M. Forster ansehen. Wir haben uns die Vorstellung angeschaut und geben euch eine Review zu der Dramatisierung.

 

Unterwerfung der Natur

Wie würde die Erde aussehen, wenn Maschinen das komplette Leben der Menschen bestimmen könnten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Regisseurin und Videokünstlerin Evy Schubert in der Dramatisierung “Die Maschine steht still”. Die Maschine wird von Denis Pöpping verkörpert und steht im Zentrum des Theaterstücks. Sie ist der neue Lebensmittelpunkt der Menschheit geworden, nachdem diese die Natur vollkommen bezwungen hatte. Von der Erde geflohen, beschlossen die Menschen sich von ihrem alten Leben sowie ihrem religiösen Glauben zu lösen und dienten von dort an ausschließlich der Maschine.

 

 

Denis Pöpping in „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

Keine Erlebnisse, Emotionen, Erfahrungen

Von da an wurden zwischenmenschliche Beziehungen auf ein Minimum reduziert –  körperliche Nähe ist für die Menschen ein Fremdwort. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie in ihren fast leeren Zimmern in der Maschine. Jeder arbeitet rund um die Uhr daran, sie mit Wissen zu versorgen, um sie zu stärken. Während die meisten Menschen mit ihrem eintönigen Alltag zufrieden sind, kommen einer Person langsam Zweifel: Kuno. Er möchte die Maschine verlassen und zurück zur Erde reisen. Seine Mutter Vashti, der er davon über den Kommunikationskanal der Maschine berichtet, ist von dieser Idee überhaupt nicht begeistert. Genauso wenig wie von Kunos Bitte nach einem persönlichen Treffen.

 

 

Ensemble „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

Anpassung oder Tod

Um zu ihrem Sohn zu gelangen, muss Vashti eine futuristische Version eines Zuges betreten, von dem aus man einzelne Länder der Erde sehen kann. Trotz ihrer Angst vor den ganzen ungewohnten optischen Eindrücken, schafft sie es zu ihrem Sohn. Dieser hat es inzwischen auf die Erde geschafft und ist sich nun sicher, dass die Maschine den Menschen mehr nimmt als nützt und nur aus eigennützigen Motiven handelt. Die Maschine stuft Kuno als Gefahr ein und beschließt, ihn, wie alle Andersdenkende, zu vernichten. Vashti glaubt ihrem Sohn nicht und stimmt zu, Kuno der “Heimatlosigkeit”, also dem Tod, zu überlassen. Doch die Maschine beginnt nach mehreren Systemfehlern nach und nach zusammenzubrechen. Alle Menschen, die nicht auf die Erde geflohen sind, sterben.    

 

 

Die Maschine in „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

M. Forster nah an der Realität

Die Dramatisierung basiert auf dem Roman “Zimmer mit Aussicht” des englischen Erzählers E.M. Forster (1879-1970). Die kurz darauf folgende Verfilmung der Anti-Utopie gewann drei Oscars. Der Roman erschien Jahrzehnte bevor der erste Computer erfunden wurde und skizziert eine frühe Version des Internets. Tatsächlich ist “Die Maschine steht still” sehr nah an der Realität. Nur die wenigsten kommen heute ohne Smartphone, Laptop und das Internet aus. Die virtuelle Welt scheint eine derart große Faszination auszulösen, die sich vor allem bei jungen Menschen zu einer starken Abhängigkeit entwickelt hat. Ein Leben ohne WhatsApp, YouTube und Instagram? Unvorstellbar! Die Dramatisierung von Evy Schubert zeigt in überspitzter Form, dass die komplette menschliche Hingabe zu technischen Geräten auch unser Untergang werden könnte. Maschinen erleichtern unser Leben enorm, aber sie können niemals die Einzigartigkeit der Realität ersetzen.      

 

 

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Titelbild: Christian Brachwitz