Kategorie: Berlin

Stadt Turm Sonnenuntergang zum Artikelthema Februar: Top 10 Events in Berlin

Februar:
Top 10 Events in Berlin

Auch im Februar gibt es wieder viele Events in Berlin, die nur darauf warten, von uns besucht zu werden. Dieser Monat hält auf jeden Fall einige Ausstellungseröffnungen, wie die von Eduardo Paolozzi, an. Ein weiteres Highlight sind die Berliner Filmfestspiele mit über 400 verschiedenen Filmen. Und wer sich eher für kulinarische Kultur begeistern kann, sollte die Berliner Käsetage besuchen.   

 

 

Ausstellungseröffnung: Eduardo Paolozzi


Eduardo Paolozzi (1924-2005) war ein Bildhauer und Künstler der britischen Nachkriegsmoderne. Durch seine innovativen und respektlosen Werke sorgte er für großes Aufsehen. Paolozzis frühe Collagenserie bahnte der britischen Pop Art den Weg. Die Ausstellungseröffnung findet am 08.02.2018 um 19 Uhr statt.

Wo: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin
Wann: 08.02.2018
Zum Facebook-Event 

 


Ausstellungseröffnung: Bruno Barbey – Passages


Bruno Barbey ist einer der erfolgreichsten Fotojournalisten der Gegenwart. Das Willy-Brandt-Haus zeigt mit BRUNO BARBEY “PASSAGES” eine Retrospektive des Franzosen. Es sind 100 Schwarzweiß- und Farbfotografien seit den frühen 1960er Jahre bis heute ausgestellt. Zusätzlich werden Filme von Barbeys Frau, Caroline Thiénot-Barbey, gezeigt.

Wo: Freundeskreis Willy-Brandt-Haus, Stresemannstraße 28, 10963 Berlin
Wann: 08.02.2018
Zum Facebook-Event 

 

 

Ausstellungseröffnung: Arthur Jafa


Die Julia Stoschek Collection präsentiert das Werk des US-amerikanischen Filmemachers, Kameramanns und Künstlers Arthur Jafa. Für ihn ist es seine erste Ausstellung in Deutschland. Zu Jafas künstlerischer Praxis gehören neben Filmen auch Installationen und Performances. Er beschäftigt sich in seinen Werken mit kulturellen Aussagen über Identität und ethnische Zugehörigkeit.   

Wo: Julia Stoschek Collection, Leipziger Straße 60, 10117 Berlin
Wann: 10.02.2018
Zum Facebook-Event 

 


Musik im Museum für Naturkunde


Ulrike Haage hat aus der Nasssammlung des Museums für Naturkunde Berlin ein assoziatives Klanggewebe inszeniert. Nach dem Austausch mit dem Fischkustoden Dr. Peter Bartsch, entstand eine Mischung aus melodischer Minimal Music und imaginativen Echos der Renaissance. Die moderne Wanderbühne stellt einen rhythmisierten Zeitstrom aus Unterwasser-Sicht dar.

Wo: Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Wann: 12.02.2018
Zum Facebook-Event


Berliner Filmfestspiele 2018


Die internationalen Filmfestspiele zählen weltweit zu den bedeutendsten Events in der Filmbranche. Es werden über 400 Filme in verschiedenen Genres gezeigt und mehr als 300.000 Tickets verkauft. Jede Unterkategorie stellt ein eigenes kleines Festival dar. Die Jury vergibt jedes Jahr acht Preise – unter anderem den goldenen Bären für den besten Film.

Wo: verschiedene Orte in Berlin
Wann: 15.-25.02.2018

 


Führung durch die Gipsformerei


Das historische Stammhaus der Gipsformerei bietet eine öffentliche Führung an. Es ist die älteste Institution der Staatlichen Museen zu Berlin. Der berühmte Bildhauer Christian Daniel Rauch war der erste Leiter der königlichen Gipsformerei. Teilnehmerkarten können online für vier Euro pro Person erworben werden.  

Wo: Gipsformerei, Sophie-Charlotten-Straße 17/18, 14059 Berlin
Wann: 21.02.2018
Zum Facebook-Event 


Blick hinter die Kulissen: Zeiss-Großplanetarium


Ab sechs Euro gibt es am 21.02.2018 einen Einblick in die Technik des Zeiss-Großplanetariums. Highlights sind die Fulldome-Projektionsanlage für 360°-Videos und der ZEISS Universarium-Sternenprojektor. Außerdem erfährt man, was für die Erstellung eines neues Planetariumprogramms gebraucht wird.

Wo: Zeiss-Großplanetarium, Prenzlauer Allee 80, 10405 Berlin
Wann: 21.02.2018
Zum Facebook-Event

 


Kuratorenführung: Kunstbibliothek und Helmut Newton Foundation


Kuratoren des C/O Berlin führen Besucher dieses Events durch die Kunstbibliothek im Museum für Fotografie und die Helmut Newton Foundation. Dabei werden ausgewählte Fotografien genauer unter die Lupe genommen und ein häuserübergreifender Dialog gestartet. Tickets gibt es für 15-20 Euro.  

Wo: Foyer von C/O Berlin
Wann: 22.02.2018
Zum Facebook-Event



Arminius Markthalle: Berliner Käsetage


Zu viel Käse? Gibt es nicht! Fans des köstlichen Milchprodukts kommen bei den Berliner Käsetagen auf ihre Kosten. Sie finden bereits zum dritten Mal in der Arminius Markthalle statt.  Dabei werden Brote, Senf und Weine aus ganz Deutschland angeboten. 2018 können sich Besucher unter anderem auf Peppikäse, den Allgäuer Käseladen, Cheese Us, die Käseinsel und das Käseeck freuen.  

Wo: Arminius Markthalle 
Wann: 24.-25.02.2018 

 

 

The Berlin Sessions: Claudia Skoda


Claudia Skoda ist eine der erfolgreichsten Strickdesignerinnen weltweit. Ihre Modenschauen wurden von Berühmtheiten wie Iggy Pop, Martin Kippenberger und David Bowie besucht. Von Skodas Happenings sprach in kurzer Zeit ganz Berlin. In “The Berlin Sessions” spricht sie über ihre Arbeit als Designerin, die Schnittstellen zur Bildenden Kunst und ihr Leben im Berlin der (Vor-)Wendezeit.

 

Wo: Berlinische Galerie, Alte Jakobstraße 124-128, 10969 Berlin

Wann: 28.02.2018

Zum Facebook-Event

Gecrashtes Eis: Erste Eisbar in Berlin

Frostige Kunstlocation:
Erste Eisbar in Berlin

Der erste Schnee ist gefallen, die Temperaturen klettern in den Keller und Berlin ist mittendrin im großen Bibbern und Zittern. Wenn schon Winter, dann doch bitte richtig: Anfang diesen Jahres eröffnet die interaktive Event-Attraktion und erste Eislocation in Berlin – das Angiyok The Arctic Experience. Dabei handelt es sich um eine arktische Erlebniswelt aus 60 Tonnen Eis und Schnee auf 124 Quadratmetern bei Minus 10 Grad. Von einem Iglu, über beleuchtete Eisskulpturen und Artefakte, funkelnde Polarlichter, spezielle Farb-LED’s bis hin zu einer Bar, die ihren Gästen Getränke aus gefrorenem Wasser serviert. Und das Beste? Besucher können die eisigen Räume dank spezieller Thermokleidung entspannt und wohlig warm entdecken.

Die Arktis hautnah und digital erleben

Das Angiyok kann von insgesamt 50 Personen gleichzeitig durchlaufen werden – vorbei an Eisskulpturen von Schlittenhunden, Eisbären sowie dem Brandenburger Tor und anderen Berliner Sehenswürdigkeiten. Ob Wale, Robben oder Pinguine – der interaktive Boden ist mit Projektionen der Arktis bedeckt und die Räume werden mit Polarlichtern durchflutet. Am Ende der Landschaft können sich die Besucher dann an einer Eisbar stärken und beispielsweise Vodka oder Gin aus Grönland in Eisgläsern genießen.

Vom Koch zum Besitzer einer Eisbar in Berlin

Die Idee einer arktischen Erlebniswelt hatte der gelernte Koch Thilo J. von Beyme. Anfang der 90er Jahre war er Souschef des Euro in Auckland. Direkt gegenüber befand sich die berühmte Eisbar Minus 5. Diese faszinierte Thilo so sehr, dass ihn der Traum einer eigenen eisigen Eventlocation nie richtig los lies. Nun wird der Traum Wirklichkeit.

 

Eröffnung: Anfang 2018

Eintritt: 21,50 Euro

Spandauer Straße 2, 10178 Berlin

 

 

David OReilly, „Everything“ (Screenshot) zum Artikel über die Konferenz der Berliner Festspiele

Berliner Festspiele:
Die Konferenz INTO WORLDS

Videokunst, Sound-Installationen, Virtual Reality Experiences, Projektionsumgebungen von Planetarien – das alles und noch viel mehr, ist Gegenstand der am kommenden Wochenende stattfindenden Konferenz “INTO WORLDS”, eine Veranstaltung der Berliner Festspiele. Im Martin-Gropius-Bau treffen sich Künstler und Wissenschaftler, um gemeinsam mit dem Publikum alte und neue immersive Welten zu entdecken. Mit dabei sind Bekanntheiten, wie der Berliner Journalist und Aktivist Markus Beckedahl, sowie Videokünstler, die Werke aus der Julia Stoschek Collection präsentieren. Besucher können außerdem das neue Musik-Video von Björk „Notget“ als VR-Experience erleben.

Berliner Festspiele: Kunst, Wissenschaft und Ihr!

Versprochen wird den Besuchern, laut den Veranstaltern der Berliner Festspiele, ein Ein- und Auftauchen in und aus immersiven spannenden Welten: „Handwerkliche Körpertechniken, spektakuläre Unterhaltungsformate von Jahrmarktsattraktionen bis zur Virtual Reality, sowie spirituelle Mentalpraktiken zwischen religiöser Versenkung und meditativer Selbstoptimierung. Immersion zeigt sich dabei als ambivalente Bewegung. Sie steht einerseits für Selbst- oder Medienvergessenheit, geistige Übung oder Ekstase, ist jedoch andererseits Anlass für Distanznahme und kritische Reflexion: Wie, von wem und wozu werden die verschiedenen Welten gebildet, an denen wir täglich partizipieren? In welche Rollen geraten wir dabei und wie tragen wir zur Bildung dieser Welten bei?”

 

Ihr möchtet Antworten durch eine kreative Entdeckungsreise finden?

 

Dann besucht die Konferenz der besonderen Art, welche vom 19. bis 21. Januar stattfindet. Der Eintritt kostet am Eröffnungsabend 6 Euro / ermäßigt 4 Euro, ein Tagesticket am Samstag oder Sonntag 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für 21 Euro, oder 12 Euro ermäßigt, sichert ihr euch ein Gesamtticket für alle drei Tage. Tickets sind hier erhältlich.

 

Titelbild: @Berliner Festspiele; Künstler: David OReilly, „Everything“ (Screenshot)

weiße Röhre liegender Mensch Kabel an Armen und Beinen zum Artikelthema Wissenschaftliche Kunst: BioArt bringt Menschen der Natur wieder näher

Wissenschaftliche Kunst:
BioArt bringt Menschen der Natur wieder näher

Datentransfer, Signalverarbeitung und künstliche Intelligenz – was unsere heutige Technik an den Tag legt, findet seinen Ursprung in der Tierwelt. Die Ausstellungsreihe “Nonhuman Agents” im „Artlaboratory Berlin“ hat die Kommunikation eines der größten Lebewesen auf der Welt erlebbar gemacht.

 

Der Mensch im Mittelpunkt

Als Anthropozän wir ein neues Zeitalter bezeichnet, in dem der Mensch den gesamten Planeten nach seinen Bedürfnissen gestaltet. Weil einzig und allein der Mensch im Mittelpunkt steht, sind andere Lebewesen vom Aussterben bedroht. In Berlin setzen sich Wissenschaftler und Künstler mit der Frage auseinander, wie die Welt fernab des  An­thro­pozentrismus aussehen würde. Zusammen wollen sie einen Blick auf die sogenannten „nonhuman agents“ werfen, um sie der Öffentlichkeit näher zu bringen.

Nonhuman agents

Ein Beispiel für diese nichtmenschlichen Akteure ist der Schleimpilz Physarum polycephalum. Die künstliche Intelligenz von Robotern ist mit der Intelligenz des Pilzes vergleichbar – mit dem Unterschied, dass Physarum polycephalum diese schon sehr viel früher hatte. Der Schleimpilz gehört genau genommen zu der Gruppe der Amöben und verfügt über ein ausgeklügeltes Informationsübertragungssystem. Registriert er an zwei Punkten seines Fadengeflechts eine Nahrungsquelle, kann er in kürzester Zeit die optimalste Verbindung dazu herstellen.

 

Heather Barnett, The Physarum Experiments Study No. 022, Film still, 2016

BioArt

Viele Computerwissenschaftler beschäftigen sich jetzt mit diesem Phänomen. Die britische  Künstlerin Heather Barnett hat eine Performance aus der Wanderung der Schleimpilze erstellt. Menschliche Tänzer duplizieren dabei dessen Bewegungen. Diese Verschmelzung von biologischer Forschung und Kunst nennt man BioArt. Und genau darauf hat sich das „Artlaboratory Berlin“ in Wedding spezialisiert. „Wir wollen mit unseren Projekten die wissenschaftliche Forschung zu nichtmenschlichen Organismen auf andere Weise sichtbar machen“, erklärt die Gründerin Regine Rapp.

 

Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst

Zusammen mit ihrem Partner Christian de Lutz hat sie das „Artlaboratory Berlin“ im Jahr 2006 gegründet. Besonders interessant ist die Ausstellungsreihe “Nonhuman Agents”, in der unterschiedliche Lebensformen im Mittelpunkt von Konferenzen und Kunstinstallationen stehen. „Dabei ging es uns immer um eine postanthropozentrische Perspektive“, betont Rapp. Um sich an dem Projekt beteiligen zu können, müssen Künstler auch in der Wissenschaft tätig sein.

 

Unterirdische Kommunikation

Aus diesem Grund haben sich Künstlerin Saša Spačal, der Biomedizinern Mirjan Švagelj und Anil Podgornik aus Slowenien zu einem interdisziplinären Kollektiv zusammengetan. In ihrer Hightech-Installation wollten sie einen sensorisch-gefühlsmäßigen Zugang zu der Welt unter der Erde herstellen. Besucher legen sich in eine Art offene Röhre und bekommen über Manschetten an den Extremitäten leichte elektrische Signale. Zusammen mit den Audiotönen der Kopfhörer soll man sich in den Kommunikationsraum des unterirdischen Pilzgeflechts hineinfühlen können. BioArt ist ein großartiger Ansatz, der Menschen dabei hilft, sich der Natur auf zeitgemäße Weise wieder anzunähern.

 

 

Titelbild: Saša Spačal, Mirjan Švagelj und Anil Podgornik: Myconnect, Installation, 2014
Credit: Damjan Švarc, Kapelica Gallery, Fotoarchiv

Schauspieler vor digitaler Leinwand zum Artikel: Das Digitale im Theater: Interview mit Falk Richter

Interview mit Falk Richter:
Wie digital ist das Theater?

Falk Richter, einer der bekanntesten deutschen Regisseure und Autoren, beschäftigt sich in seinen Inszenierungen zunehmend mit den Fragen unserer Zeit, mit politischen und gesellschaftlichen Umbrüchen, Unsicherheiten und Problemen. Ist Europa angesichts der aktuellen Herausforderungen noch ein sicherer Ort? Ist eine offene Gesellschaft überlebensfähig? Wie gefährlich ist die Hinwendung zum Völkisch-Nationalen?  Falk Richters neues Buch “ICH BIN EUROPA” sucht Antworten auf derartige Fragen und bündelt seine neuesten fünf Stücke (Lesung:  am 18.01. , Maxim Gorki Theater). In seinen Inszenierungen spielen die Medien eine große Rolle und das nicht nur thematisch gesehen:  Auch in der Darstellung setzt Falk Richter immer wieder gezielt digitale Elemente ein. Mit uns spricht er über die Transformation des Theaters durch den Einsatz von Video, Internet, Leinwand und Co. .

Dass das Theater sich immer stärker der digitalen Welt öffnet, ist eindeutig – bisher geschieht das aber in erster Linie mit Kameras auf der Bühne sowie mit Videoelementen. Was halten Sie davon, Theater live zu übertragen und ins Netz zu bringen? Wäre das überhaupt noch Theater?

Theater lebt von der Nähe zwischen Zuschauer und Schauspieler bzw Tänzer oder Performer. Es ist einer der letzten öffentlichen Räume, in denen der Zuschauer sich ohne Ablenkung für eine bestimmte Zeit mit voller Aufmerksamkeit auf ein Ereignis einlassen kann. Wichtig für das Theater ist auch immer die Totale: Der Blick auf die Bühne ist immer eine Totale, nicht wie im Film ein Ausschnitt. Selbstverständlich ist es möglich, Theaterinszenierungen ins Netz zu stellen, aber, wenn es sich dabei nur um abgefilmte Theaterinszenierungen handelt, finde ich das persönlich uninteressanter als das Original-Ereignis. Das Erlebnis im Theater zu sitzen mit anderen Zuschauern und live und unmittelbar Zeuge des nicht mehr weiter medial bearbeiteten Materials zu sein, ist sehr viel stärker, als Zuhause auf seinem Laptop irgendwo eine abgefilmte Aufführung zu sehen. Interessanter wäre es dann, wenn man das Medium des Internets nutzt und direkt dort im Internet inszeniert. Also eine Inszenierung nur für Internetuser macht. Eine Inszenierung, die auf das Medium und seine ihm innewohnenden besonderen Strukturen eingeht und damit arbeitet.

Haben Sie selbst schon darüber schon nachgedacht, ein Theaterstück mit einer Übertragung ins Netz als fester Bestandteil aufzuführen?

Mein erstes Theaterstück „Gott ist ein DJ“, das ich 1999 geschrieben habe, setzt sich ganz stark mit der Frage auseinander, was passiert, wenn Menschen vor Kameras agieren, wenn sie ihr Leben ins Netz stellen und der Frage, wie sehr die Anwesenheit einer Kamera die Verhaltensweisen von Menschen beeinflusst und jede Interaktion zur Inszenierung macht. In „Gott ist ein DJ“ sind wir als Zuschauer gemeinsam anwesend in einem Studio mit einem jungen DJ und einer Fernsehmoderatorin, die ihr Privatleben, ihre Beziehung und ihre künstlerische Arbeiten ständig online zur Verfügung stellen. Als ich den Text schrieb, hatte ich mir vorgestellt, dass die Live-Inszenierung in einer Kunsthalle stattfinden würde und tatsächlich auch gestreamt würde und Zuschauer – sowohl Theaterzuschauer also auch Online-Zuschauer – mit Anregungen und Fragen, mit direkter Interaktion also – in das Geschehen eingreifen und das Spiel beeinflussen sowie weitertreiben könnten. Damals gab es allerdings noch nicht die technischen Mittel dazu wie Apps und soziale Plattformen. Es wäre also denkbar, dass das Stück heute wieder, aber erweitert durch die neuen, weiter entwickelten technischen Mitteln, zur Aufführung kommen würde.

Kann sich Theater durch einen Digitalisierungsprozess neue Möglichkeiten eröffnen?

Theater ist eine Kunstform, die mehr als 2000 Jahre alt ist, aber sich seitdem ständig weiterentwickelt und sich durch alle technischen und künstlerischen Strömungen und Entwicklungen inspirieren lassen hat und diese aufnehmen und weiterdenken kann. Video, Livecam und Film sind mittlerweile wichtige Bestandteile vieler Theater-Inszenierungen – auch meiner. Die Wahrnehmungsmöglichkeiten werden dadurch vielseitiger, die Art, wie wir im Theater auf die Wirklichkeit reagieren, wird mehrdimensionaler. Wir leben in einer Welt, in der wir fast alles nur noch über Medien vermittelt erfahren: Wir sehen Bilder im Fernsehen, Film und im Netz. Wir verbringen einen erheblich großen Teil unseres Leben mit produzierten Bildern oder kleinen Filmchen, die wir auf Bildschirmen verfolgen. Das Theater kann das wiederum thematisieren, indem es zeigt, wie Bilder inszeniert werden, wie Wirklichkeitswahrnehmung gelenkt wird. Das wiederum ermöglicht einen analytisch- kritischen Blick auf die Produktion von Realitäten und Scheinrealitäten.

 

Viel diskutiert ist Ihr Stück “FEAR“ an der Schaubühne. Hier arbeiten Sie in vielen Szenen mit einem Bildschirm und Videos als Hintergrundbild. Als Zuschauer wirken gerade die ersten Szenen sehr intensiv, fast sind sie schwer auszuhalten, was gut zur Thematik passt. Im Anschluss gibt es einen Bruch, als die Blumen auf die Bühne getragen werden und Gitarrenmusik gespielt wird. Hier ist kein Videoelement zu sehen. Warum haben Sie Bewegtbild in diesem ersten Teil eingesetzt und im darauffolgenden Teil nicht? 

Der erste Teil von FEAR setzt sich mit einer Gruppe junger eher unpolitischer Großstädter auseinander, auf die der rasant zunehmende Rechtspopulismus in Deutschland und Europa wie ein Alptraum wirkt. Ihnen ist dieses rechtsnationale Denken und die reaktionären Slogans, die plötzlich überall in den Medien auftauchen und der ganze Hass in den Internetforen fremd, suspekt und er wirkt auf sie so, als seien sie unvermittelt in eine HBO- oder Netflix-Horrorserie geraten. Daher kommt in dem Teil des Abends sehr viel Video zum Einsatz. Es ist wie ein Overkill an überfordernden Bildern der Angst. Das Video zeigt zum einen eine Google Recherche über rechtsnationale Politiker, die mit Angstszenarien von einer angeblichen Überfremdung und mit Terrorangst eine paranoide Stimmung in der Bevölkerung anheizen – von Viktor Orban über Björn Höcke bis Marine Le Pen. Diese Politikerbilder werden mit alptraumartigen Szenarien vermischt. Alles wirkt unheimlich. Später verlassen die Hauptfiguren in meinem Stück diesen Alptraum. Sie ziehen sich zurück in eine für sie ideal erscheinende Urban Gardening Welt, in der sie von all der rechtsnationalen Politpropaganda nichts mehr mitbekommen. Der mediale Overkill ist wie ausgeschaltet. Sie singen Songs von Sufjan Stevens und versuchen eine andere Art zu leben für sich auszuprobieren: Zarter, ruhiger, voller Respekt im Umgang miteinander. In FEAR habe ich also das Medium Video eingesetzt, um die Überforderung darzustellen, die es bedeuten kann, ständig Informationen ausgesetzt zu sein. Wo man nicht weiß, ob sie wahr sind oder fake news, und ständig Angstszenarien ausgesetzt ist, die unentwegt medial kursieren. Eine Art Informationskrieg.

Können digitale Elemente auch von der Schauspielkunst ablenken?

In meinen Inszenierungen stelle ich in vielen Momenten Tanz, Text, Musik, Bühne, Kostüm und Video gleichberechtigt und gleichwertig auf die Bühne. Das heißt, das zentrale Ereignis ist nicht „die Schauspielkunst“, der sich alles andere unterzuordnen hat und, die nicht „gestört“ werden darf. Ich suche nach einem Zusammenspiel unterschiedlicher theatraler Ausdrucksmittel. Dabei kann es auch zu mehrfachen komplexen Überlagerungen von Text, Musik und Video kommen. Der Zuschauer kann sich auf alle Spuren gleichzeitig einlassen.

 

Inszenierung von Falk Richter auf Bühne mit digitalen Elementen

Nimmt der Einsatz digitaler Elemente zu? Wie sieht die Zukunft des digitalen Theaters aus?

In meinen Inszenierungen war der Einsatz digitaler Medien oft sehr entscheidend. Ich habe oft mit Video gearbeitet. Hin und wieder habe ich mich auch bewusst dagegen entschieden, um Theater pur zu haben. Aber grundsätzlich nutze ich sehr viel Video. Die Dramaturgien meiner Inszenierungen folgen auch oft digitalen Medien – die Stücke haben keinen klassischen Aufbau, sondern folgen eher der Struktur einer Youtube-Nacht, in der man sich rauschartig von einem Clip zum nächsten bewegt. In meiner letzten Inszenierung AM KÖNIGSWEG in Hamburg, hat der Videokünstler Michel Auder viele seiner Filme, die er für die Inszenierung produziert hat, mit dem Iphone aufgenommen und mit bestimmten Apps geschnitten. Eine spannende Zukunft des Digitalen im Theater generell sehe ich darin, dass immer mehr digitale Möglichkeiten direkt für die Inszenierung genutzt werden: Dass Zuschauer über Apps durch öffentliche Räume der Stadt geführt werden, dass sie eventuell schon über Apps mit den handelnden Figuren kommunizieren oder in die Handlung eingreifen können – der Aspekt des Interaktiven wird sicher zunehmen. Aber das Theater, das sich dem Digitalen versperrt, um eine Art Schutzraum gegen die zunehmende Digitalisierung des Lebens zu behaupten, das wird es auch immer geben, davon bin ich überzeugt.

 

Vielen Dank an Falk Richter für die interessanten Einblicke!

 

Porträt von Falk Richter

 

Wir verlosen 2×2 Tickets für die Lesung von Falk Richter am 18.01. im Maxim Gorki Theater. Schickt uns einfach eine E-Mail mit Eurem Namen, der Anschrift und dem Betreff „Digitales Theater“ an: redaktion@neoavantgarde.de

 

Teilnahmeschluss: 16.01.2018

Das Gewinnspiel ist beendet. Die Gewinner wurden benachrichtigt.

 

Titelbild: @Maxim Gorki Theater (ÇİĞDEM TEKE in „Verräter DIE LETZTEN TAGE“, EIN PROJEKT VON Falk Richter, REGIE Falk Richter, BÜHNE/KOSTÜME Katrin Hoffmann, MUSIK Nils Ostendorf, VIDEO, Aliocha Van Der Avoort, LICHT Carsten Sander, DRAMATURGIE Jens Hillje, Mazlum Nergiz)

Bühne dunkler Hintergrund rotes Spotlight Breakdancer zu dem Artikelthema Flying Steps Berlin: Erste Dance-Academy mit Tanzbibliothek

Flying Steps Berlin:
Dance-Academy mit digitaler Tanzbibliothek

In der Dance-Academy der Flying Steps Berlin gibt es jetzt dank des Anbaus neue Tanzräume, einen Medienraum und ein Wellness-Café. Dieser moderne Medienansatz macht die Ausbildungsstätte weltweit einzigartig.

 

120 Kurse pro Woche

Die Flying Steps Academy hat ihre Tanzräume wegen des großen Andrangs um 800 Quadratmeter erweitert. Vor zehn Jahren wurde sie von der Berliner Breakdance-Crew gegründet und genießt seitdem einen hohen Bekanntheitsgrad. Jetzt können sich Tanzbegeisterte über fünf große Räume freuen, die bei 120 Kursen in der Woche auch dringend nötig sind. Angeboten wird nicht nur Breakdance, sondern auch Jazz, Rock und Ballett.  

 

Flying Steps Berlin begeistern weltweit

Seit 1993 tanzen sich die Flying Steps mit Shows wie “Flying Bach” durch die ganze Welt. Fünfzehn Jahre später, haben sie sich entschlossen, selbst tänzerischen Nachwuchs auszubilden. Und das funktioniert bis heute mit Hilfe von 32 Dozenten hervorragend. Deswegen setzten die Tanz-Genies mit ihrer, selbst finanzierten, räumlichen Vergrößerung auf eine Erweiterung ihres Ausbildungskonzepts.

 

Tanzbibliothek mit 300 Videos

In der Flying Steps Academy gibt es jetzt ein riesiges Trainingszentrum im Keller, dass den Muskelaufbau fördern soll. Das Café 2000 bietet jungen Sportlern gesunde Ernährung und wartenden Eltern eine leckere Tasse Kaffee. Besonderes Highlight ist der Medienraum mit Bildschirm für Tanz-Theorie mit 300 Kurzvideos. Damit ist die Academy die weltweit erste Ausbildungsstätte mit diesem Medienansatz. Berliner erwartet 2018 eine neue Show namens Flying Illusion im Theater am Potsdamer Platz.       

 

 

Wunderkerze dunkler Himmel zum Artikelthema Silvester in Berlin: Die schönsten Bilder zum Jahreswechsel

Silvester in Berlin:
Die schönsten Bilder zum Jahreswechsel

Wer an Silvester in Berlin war, konnte sich (mehr oder weniger) fast durchgängig von 17:00 bis 01:00 Uhr an den ganzen Feuerwerken erfreuen. Was das Böllern angeht, sind die Berliner nämlich ganz weit vorne dabei. Für jeden, der nicht in der Hauptstadt ins neue Jahr gefeiert hat, haben wir die schönsten Bilder des Abends zusammengestellt.

 

Die Ruhe vor dem Sturm

‘Ne Wunderkerze tut’s auch

Gesundheit geht vor

Einer kommt immer zu früh

This is now! Last shot of 2017! #berlin #thattoweragain

Ein Beitrag geteilt von bikinaberlina | Berlin (@bikinaberlina) am

Der gute alte Fernsehturm

Oberbaumbrücke on fire

Feuerwerk hoch zehn

Ciao 2017!

Frau blaues T-Shirt Kalender Januar zum Artikelthema Januar: Top 10 Events in Berlin

Januar:
Top 10 Events in Berlin

Gerade haben wir uns noch das wunderschöne Feuerwerk über den Dächern Berlins angeschaut und schon befinden wir uns im Jahr 2018. Die meisten haben sich unrealistische Neujahrsvorsätze wie “mehr Sport machen” vorgenommen. Wie wäre es stattdessen mit “etwas mehr Kultur”? Unsere Top 10 Events in Berlin sind dafür nämlich genau das Richtige!  

 

ArtNight: Frida Kahlo

Am 16. Januar findet eine weitere ArtNight mit dem Thema “Frida Kahlo” in der Brotfabrik Berlin statt. Teilnehmer können, mit Hilfe der Künstlerin Kaitlyn, auf einer Leinwand ihre eigenen Kunstwerke erschaffen. Egal ob alleine mit Freunden oder mit einem Date – die ArtNight ist für jeden ein Erlebnis. Man muss keine künstlerischen Kenntnisse haben oder Materialien mitbringen. Getränke und Essen können vor Ort zu angemessenen Preisen erworben werden.

 

Wo: Brotfabrik Berlin, Caligariplatz 1, 13086 Berlin

Wann: 16.01.2018

Zum Facebook-Event

 

Eröffnung: Ausstellung „Drive Drove Driven“

In der Kommunalen Galerie Berlin wird eine Gruppenausstellung von 23 künstlerisch arbeitenden Fotografen eröffnet, die sich ausschließlich mit Autos beschäftigt. Dieser Gegenstand schenkt uns sowohl Flexibilität als auch Mobilität und erleichtert den Alltag enorm. Oft werden Gefahren, die das Autofahren mit sich bringt, unterschätzt und es kommt zu tödlichen Unfällen. Die Künstler setzten sich in über 60 Aufnahmen mit den positiven und negativen Aspekten dieser Beförderungsart auseinander.

 

Wo: Kommunale Galerie Berlin, Hohenzollerndamm 176, 10713 Berlin
Wann: 28.01.2018
Zum Facebook-Event

 

 

Eröffnung: Kunst/Natur – Künstlerische Interventionen IV

Interventionen ist der vierte und letzte Teil des Modellprojekts Kunst/Natur der bildenden Künstler Mark Dion, Assaf Gruber und Elizabeth Price. Teilnehmer können sich außerdem über eine Live-Hörprobe mit der Komponistin Ulrike Haage freuen. Während sich Mark Dion mit materieller Kultur beschäftigt hat, gibt es von Assaf Gruber einen Film über eine in der DDR durchgeführte Korallenexpedition und die Arbeit von Präparatoren. Die Geschichte des Museums für Naturkunde Berlin wurde von Elizabeth Price in einer Installation veranschaulicht.

 

Wo: Museum für Naturkunde Berlin, Invalidenstraße 43, 10115 Berlin
Wann: 29.01.2018
Zum Facebook-Event

 

 

Kuratorenführung: Preis der Nationalgalerie 2017

Im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin führt die freie Kuratorin Dorothée Brill durch die Shortlist-Ausstellung mit den Arbeiten der 2017 für den Preis nominierten Künstlerinnen Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska. Die Ausstellung, über die wir bereits berichtet haben, ist für jeden Liebhaber der Gegenwartskunst ein Muss. Mit farbenfrohen und puristischen Werken machen die Künstlerinnen auf Gesellschaftsprobleme, wie Korruption oder die globale Erderwärmung, aufmerksam.

 

Wo: Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin
Wann: 13.01.2018
Zum Facebook-Event

 

 

Planetarium: Himmelsspaziergang

Das Planetarium Berlin lädt zu einer Entdeckungsreise des Nachthimmels ein. Besucher erfahren, was hinter den fernen Lichtpünktchen steckt, die nachts den Himmel erleuchten. Das Wandern zwischen Galaxien und Nebel wird von leiser Musik und Geschichten über Sternbilder begleitet. Die “Himmelspaziergänge” unterscheiden sich voneinander, da jede Nacht etwas anderes am Himmel zu sehen ist.   


Wo: Planetarium am Insulaner / Wilhelm-Foerster-Sternwarte, Berlin

Wann: 05.01.2018

Zum Facebook-Event

 

 

Cabaret: Across the Middle, Past the East

Das Cabaret “Across the Middle, Past the East” begeistert seine Zuschauer mit Musik, Glamour und schwarzem Humor. Ein temporäres Kollektiv aus Künstlerinnen mit Wurzeln im östlichen Mittelmeerraum setzt sich mit ihrer komplex geteilten Herkunftsregion auseinander. Sie stellen sich unter anderem die Frage, wie man Denken entnationalisieren kann, ohne kulturelle Identitäten aufzugeben. Die Künstlerinnen wollen, dass jeder Ort auf der Welt für jeden ein Zuhause werden kann, für das man sich nicht verändern muss.


Wo: Sophiensaele, Sophienstraße 18, 10178 Berlin
Wann: 25. – 28.01.2018  
Zum Facebook-Event

 

 

Sand Malerei Show: Geschichte der Mauer

Im Zentrum der neuen Sand Malerei Show im Sandtheater des Admiralspalast Berlin steht eine Epoche der deutschen Geschichte, die ein ganzes Land bewegt hat. Sandartisten erschaffen eine beeindruckende Zeitreise mit sich ständig verändernden Sandbildern. Es geht dabei um die Errichtung der Mauer 1961, die Jahre der Trennung und den langersehnten Fall der Mauer 1989 bis zum Leben im heutigen, wiedervereinten Berlin.

 


Wo: Sandtheater im Admiralspalast Berlin, Admiralspalast Friedrichstrasse 101, 10117 Berlin

Wann: bis 27.01.2018
Zum Facebook-Event

 

 

Eröffnung: „Berliner Schatzhäuser. 150 Jahre Kunstgewerbemuseum“

Das Kunstgewerbemuseum feiert sein 150-jähriges Bestehen. Aus diesem Grund beleuchtet eine Ausstellung die Geschichte der Sammlung an ihren verschiedenen historischen Standorten. Sieben Schautafeln und eine Reihe museumsgeschichtlich bedeutender Kunstweke skizzieren die Grundzüge dieser langen Entwicklung. Zusätzlich wird deutlich, wie sich die Aufgaben des Kunstgewerbemuseums gewandelt haben.


Wo: Kunstgewerbemuseum, Matthäikirchplatz, 10785 Berlin
Wann: 11.01.2018
Zum Facebook-Event

 

 

Vernissage: Katrin Bäcker – Entführungen

Die Malerin Katrin Bäcker aus Berlin erschafft in ihren Kunstwerken Begegnungen an der fließenden Grenze zwischen Zivilisation, Wildnis, Kultur und Natur. Stadtbewohner werden regelrecht entführt und in Landschaften versetzt, die nicht von Menschen geprägt worden sind. Andersherum finden sich Affen aus der Wildnis in menschlichen Lebensräumen wieder, wo sie den Projektionen und dem Erkenntnisdrang der Menschen ausgesetzt sind.


Wo: WerkStadt, Emser Str, 124, 12051 Berlin
Wann: 13.01.2018
Zum Facebook-Event

 

 

Komische Oper Berlin: Die Zauberflöte

Die Zauberflöte von Wolfgang Amadeus Mozart begeistert nicht nur Berlin, sondern auch Los Angeles, Minneapolis, das Reich der Mitte (Shanghai, Xiamen und Guangzhou) und nicht zuletzt Warschau. Vor allem die Mischung aus Filmanimation und live agierenden Sängern macht die Oper zu einem unvergesslichen Erlebnis. Tiefsinnigkeit trifft auf augenzwinkernden Humor, der Groß und Klein verzaubert.


Wo: Komische Oper Berlin, Behrenstraße 55-57, 10117 Berlin
Wann: 05.01.2018
Zum Facebook-Event

 

Soundwave-Kette zum Artikel "Digitale Kunst: David Bizer verwandelt Töne in Schmuck"

Digitale Kunst:
David Bizer verwandelt Töne in Schmuck

Ob ein herzergreifendes Babylachen, eine lustige Sprachmemo von der letzten großen Sause, oder ein unerwartetes Liebesbekenntnis: Der Künstler David Bizer verwandelt deinen Sound via 3D-Druck in ein echtes Schmuckstück! Auf diese Weise werden Momentaufnahmen verewigt. Doch wie wird eine digitale Datei zu einem realen Accessoire? Im Interview verrät der Berliner, wie das Projekt Soundwave.love entstanden ist und warum ein Kunde bei ihm eine Sound-of-a-burp-Kette bestellte.

Was hat dich auf die Idee von Soundwave.love gebracht?

Ich habe Industriedesign studiert und mich in meiner Abschlussarbeit mit der digitalen Fabrikation, wie zum Beispiel 3D-Druck oder Lasercutting, beschäftigt. Ich habe darüber nachgedacht, wie die Entwicklung dieser Produktionstechniken neue Möglichkeiten für einen Designer bietet, individuelle Stücke zu schaffen. Mit einem digitalen Produktionsverfahren habe ich die Möglichkeit, aus einer File, die ich digital erstellt habe direkt on demand ein Produkt zu generieren. Besteht keine Nachfrage wird, außer der investierten Zeit, nichts verloren. In meiner theoretischen Arbeit wollte ich zeigen, wohin diese Entwicklung gehen kann.  Bisher wurde 3D-Druck hauptsächlich für Designmodelle oder Prothesen im Medizinbereich genutzt. 2008 war diese Produktionstechnik noch ziemlich teuer. Heute ist es deutlich günstiger. 

Warum wolltest du diese Techniken für die Herstellung von Schmuck nutzen?

Digitale Güter unterliegen den gleichen Gesetzen und Gefahren wie andere Güter. Meine Idee für diesen Produktbereich war ein individuelles Produkt, dass der, der es bestellt, theoretisch endlos vertreiben kann. Trotzdem bleibt es ein individuell angepasstes Produkt.  Dann habe ich verschiedene Beispielprojekte entwickelt. Eines davon waren diese Soundwave-Ketten. Schmuck war eine relativ logische Schlussfolgerung – auch wenn ich eigentlich keine große Affinität dazu hatte. Ein Schmuckstück aus Plastik kostet dann manchmal so viel, wie echtes Silber. Da muss man den Wert der Individualisierung sehen. Es ist ein Unikat. 

Wie wurde deine theoretische Arbeit dann Realität?

Meine ursprüngliche Idee in der Theorie-Arbeit war eher eine Online-Plattform zu schaffen, wo man verschiedene Designs sammelt und eine Produktion für unterschiedliche Designer anbietet. Ich habe dann aber relativ schnell entdeckt, dass es das im Bereich Lasercutting schon gab – eine australische Firma namens Ponoko. Bei denen habe ich dann mein Soundwave-Projekt hochgeladen. So konnte ich in meiner Präsentation zeigen, dass ich Produkte habe, die direkt schon bestellbar und verfügbar sind. Die Betreiber fanden die ganz cool und haben mich in ihrem Blog erwähnt. Da ist aber noch nicht viel passiert. Bis sich eine amerikanische Werbeagentur bei mir gemeldet hat, die mich für ein Projekt angefragt haben. Mit denen hatte ich dann aber noch einigen Ärger, weil die mich zunächst nicht als Designer erwähnt haben. Letztlich habe ich dadurch aber ein wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Hat sich eine Produktion zu diesem Zeitpunkt schon rentiert?

Nein, mit konstanten Bestellungen ging es erst so richtig los, als ich bei einem Wettbewerb von Instructables mitgemacht habe. Das ist eine Website, wo man Do-It-Yourself-Tutorials reinstellen kann. Gewonnen habe ich leider nicht, aber die haben mich im Newsletter und auf der Website gefeautert, woraufhin ich dann plötzlich viel mehr Bestellungen und Seitenaufrufe an einem Tag hatte. Dann kamen plötzlich wieder so viele Bestellungen rein, dass es sich gelohnt hat. Durch die Anleitung konnten die Leute auch sehen, welche Schritte dahinter stecken und, dass sich der Preis rechtfertigt. Dadurch, dass es verschiedene Shops fast identisch verkaufen, muss ich mich aber auch durch ein höherwertiges Produkt absetzen.

Was für Audioaufnahmen erhälst du von deinen Kunden?

Meistens kommen die Leute nur einmal, weil man so ein Stück nur einmal verschenkt. Fast alle bestellen “I love you”. Als nächstes kommt dann sowas wie “Happy Birthday” , “Merry Christmas” oder Glückwünsche zum Muttertag. Manchmal ist ein Heiratsantrag dabei, aber meist sind es die Standards. Mein Favorit war ein Kunde, der für seine Freundin eine Kette bestellt hat mit “I love You” und darunter: “Actually I considering the sound of a burp”. Er hatte sich eigentlich überlegt zu rülpsen. Und zwei Jahre später hat er ihr dann als witziges Follow-up-Geschenk eine Original-Rülpskette geschenkt.

Vereinzelt bestellen die Leute auch Zitate von bekannten Persönlichkeiten oder aus der Bibel. Manchmal ist es ja auch ein Babylachen oder ein Herzschlag und keine Textnachricht. Musik geht eher schlecht, weil Musik meist gleich laut ist. Ein konstantes Level ist für die Verarbeitung eher ungünstig. Bei Background-Instrumenten sieht es dann wie ein Klotz aus. Sprache ist oft laut und leise. Was die interessanten Formen ausmacht, sind eigentlich genau diese Unterschiede. Wenn jemand nur a-Cappella singt, ergibt das eine schöne Form.

Wie läuft eine Bestellung ab? Was braucht es dafür?

Auf meinen Shop suchst du dir ein Modell sowie die Details aus. Zum Beispiel die Art der Riemen und, ob du ein Armband, oder eine Kette haben möchtest. Dann kommt immer eine Karte hinzu, die das Soundwave und eine Nachricht zeigt. Soll darunter stehen, was du gesagt hast oder möchtest du eine andere Nachricht drucken lassen? Auf der Rückseite befindet sich ein QR-Code. So kann die Nachricht immer wieder angehört werden. Auf der neuen Website gibt es eine direkte Vorschau, wie das Schmuckstück am Ende aussehen wird und, wo sich an welcher Stelle, welche Aussage befindet.  Die Top-Seller der Materialien sind Acryl und Holz. Insgesamt dauert die Herstellung ca. eine Woche. 

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Jetzt gerade bin ich bei dem Rebranding. Außerdem möchte ich gerne die Produktion weiter automatisieren und selbst ein wenig davon wegkommen. Im Moment mach ich noch alles selber. Einerseits ist es gemütlich. Da sitze ich dann vorm Rechner und fädele Ketten auf und kann Hörbücher und Podcast hören, aber es kostet mich auch zu viel Zeit. Ich habe den Plan, die Produktion eher auszulagern. Dafür arbeite ich mit einer Behindertenwerkstätte zusammen, die langsam damit anfangen die Produktion der Ketten, beziehungsweise Materialien zu übernehmen. Dann habe ich auch wieder mehr Luft für neue Projekte. Ich habe auch schon einige Ideen, die ich dann umsetzen kann. Zum Beispiel Edelhölzer zu verwenden.

 

"I love you" - Vorschau einer Soundwave-Kette zum Thema "Digitale Kunst: David Bizer verwandelt Töne in Schmuck"

Computerbildschirm Computersprache zum Artikelthema HAU Berlin: “Endgame” Review

HAU Berlin:
“Endgame” Review

Ist es gerechtfertigt, im Namen der Demokratie zu unlauteren Mitteln zu greifen? Das partizipative Theaterstück “Endgame” im HAU Berlin von machina eX wirft diese ethisch-moralische Frage bei seinen Zuschauern auf. Wir haben die Vorstellung besucht und berichten euch in diesem Artikel darüber.

 

Start-Up gegen Rechte

In dem Game-Theater “Endgame” von machina eX im HAU Berlin bekämpft ein Start-Up eine neurechte Bewegung mit dem Ziel, die Demokratie zu verteidigen. Weil die Bewegung sich mit zeitgemäßen Marketingstrategien auskennt, gewinnt sie immer mehr Anhänger dazu. Die Gründer des Unternehmens fühlen sich sowohl von der Politik als auch von dem Rechtssystem im Stich gelassen. Im Kampf gegen die Rechten haben sie sich ein 30-köpfiges Team zusammengestellt. Diese Rolle übernimmt das Publikum im Rahmen des interaktiven Theaters. Der Auftrag besteht in der Recherche von potenziellen rechten Mitgliedern in sozialen Netzwerken. Im besten Fall führt die Informationssuche nicht nur zu Beweisen für eine Anzeige, sondern schwächt auch die gesamte Bewegung.

 

Partizipatives Theater

Von Anfang an werden die Zuschauer in das Theaterstück integriert. Zu Beginn findet eine Aufteilung des Publikums in drei Gruppen statt. Jede Gruppe wird danach einem Teamleiter zugeteilt. Diese feuern ihre Mitglieder derart intensiv an, dass man das Gefühl bekommt man sei in einer religiösen Sekte. Die Teams müssen am Computer kleine spielerische Aufgaben lösen. Dazu gehört beispielsweise das Herausfinden von Identitäten der Bewegung, deren Geräte zu hacken um Informationen zu bekommen und die anschließende Kontaktaufnahme mit der Zielperson. Am Anfang waren die Spiele noch unterhaltsam aber spätestens nach dem dritten Aufgabe haben sie ihren Reiz verloren. Die wirklich gute schauspielerische Leistung der Darsteller ist dadurch leider in den Hintergrund geraten.

 

Begehbares Computerspiel

Machina eX besteht aus Anna Fries, Clara Ehrenwerth, Lasse Marburg, Mathias Prinz, Philip Steimel, Robin Hädicke und Yves Regenass. Seit 2010 arbeiten sie an der Kombination aus Theater und Computerspiel. Das Medientheaterkollektiv ist aus kulturwissenschaftlichen Studiengängen der Universität Hildesheim hervorgegangen. Bei dem partizipativem Game-Theater werden moderne Technologien mit Mitteln des klassischen Illusionstheaters verbunden. Auf diese spannende Weise entstehen spielbare Theaterstücke und begehbare Computerspiele. “Endgame” überzeugt nicht nur mit politischer Aktualität, sondern beleuchtet auch die dunklen Kampfzonen des Internets. Ganz anders als gewohnt nutzten die vermeintlich “Guten” die Anonymität in sozialen Netzwerken aus, um ihre Ziele zu erreichen. Wir finden: Ein neues, modernes Format mit viel Potential!

 

Hier gibt es weitere Informationen