Tag: #videokunst

Mac PC mit Schnittprogramm Musikvideo, zum musikalischen Mashup Artikel von Filmszenen

Mashup-Künstler mixt Songs aus Filmszenen
und geht mit GoT-Cover viral

Alle Ideen bauen auf anderen Ideen auf, weshalb alle kreativen Werke als eine Art Mashup angesehen werden können, findet Matthijs Vlot. Der niederländische Künstler produziert Kurzfilme. Jedoch nicht mit aufwendigem Kameraequipment und eigens engagiertem Cast. Alles was er dafür benötigt, ist ein DVD-Ripper und eine einfache Internetverbindung. Denn der audiovisuelle Remix-Künstler setzt Songs aus Filmszenen zusammen. Mit dieser Kunstform wurde Matthijs Vlot im Internet bekannt. Nun veröffentlichte er ein Cover von Taylor Swift’s neuem Lied „Look What You Made Me Do„. In dem Song ersetzen die Worte von Darstellern der amerikanischen Serie Game of Thrones, die der Sängerin. Das entsprechende Video ging vor Kurzem viral. Das Netz zeigt sich begeistert, findet das Cover besser als die Radio-Pop-Nummer und ist fasziniert von der minutiösen Puzzlearbeit.

Game of Thrones singt Look What You Made Me Do

Der Künstler durchforstete die Folgen der Serie und wählte genau jene gesprochenen Worte aus, die sowohl vom Text, als auch von der Betonung her, genau auf den Songtext von Taylor Swift passen. Mit dabei sind beispielsweise Aussagen der Figuren Jon Snow, Cersei Lannister, Littlefinger, Sansa Stark, Olenna Tyrell und Arya Stark. Aufgrund der Inhalte, vermutet der ein oder andere User eine Parallele, beziehungsweise Anspielung auf die Rachegelüste der Protagonisten in der Geschichte.

Das Youtube-Video ist erst seit wenigen Tagen online und wurde bereits fast 400.000 Mal aufgerufen. Dies mag möglicherweise an dem wieder aufgeflammten Hype um die Serie liegen. Doch viele Nutzer bewundern insbesondere, mit welch einem Blick (beziehungsweise Ohr) für’s Detail der Künstler die Filmschnipsel auswählte und minutiös integrierte. Da war mit Sicherheit Muse und Geduld gefragt.

Von I.T. bis Bond: Remix-Kultur aus Filmszenen

Game of Thrones ist nicht die einzige Serie, derer sich Matthijs Vlot bediente. Breaking Bad bot dem Künstler ebenfalls eine Vorlage. Dabei wurden einzelne Dialoge sowie die Titelmelodie zu einer Art Gedicht zusammen gemixt.  Der Rap mit dem Namen „This is my product„, thematisiert die Substanzen aus dem Labor der Figur Walter White alias Heisenberg.

Satirisch wird es hingegen in „Can’t Take my eyes of you„. In dem Video spielt der Künstler auf die Beziehung zwischen dem amerikansichen und russischen Präsidenten an.

Mit seinem Filmmix-Cover von Adele’s berühmten Song „Hello“, wurde Vlot sogar für den Webby Award in der Kategorie „Video Remixes/Mashups“ nominiert. Die „International Academy of the Digital Arts and Sciences“ zeichnet einmal jährlich kreative Webseiten und Online-Arbeiten in unterschiedlichen Kategorien aus.

P.S.: I Love You

Game of Thrones GIFs
Die Highlights der Serie in Minianimationen

Jubel, Trubel, Heiterkeit – das, kombiniert mit viel Schnee, Drama und Intrigen beschreibt so ziemlich genau, was die Kultserie ‘Game of Thrones‘ ausmacht. Nach lang ersehntem Warten der Fans, startete die deutsche Erstausstrahlung der 7. Staffel am 17. Juli – und jetzt? …ist das kurze Vergnügen auch leider schon wieder vorbei. Wir schauen daher noch einmal nostalgisch auf die viel zu kurze Staffel zurück und zeigen euch die Game of Thrones GIFs vom Künstler Eran Mendel, der pünktlich und ziemlich treffsicher zu jeder Episode ein „Highlight-GIF“ erstellt hat.

++++SPOILER++++SPOILER++++SPOILER++++SPOILER++++SPOILER++++SPOILER++++
*Wer es geschafft hat, sich alle Episoden bis zum Ende aufzusparen, sollte lieber noch etwas mit dem Lesen warten*

Mittelalter trifft auf Moderne

…und Fantasy auf Kunst: Schon während der 6. Staffel gab Eran Mendel seine GIFs an die Öffentlichkeit weiter. Der israelische Künstler hat es sich, unter Anderem, zur Aufgabe gemacht, die Kernaussage jeder einzelnen Folge in einer Minidauerschleife darzustellen. Da sich die Dramaserie nicht gerade durch fröhliche Ereignisse auszeichnet, wurden die Animationen auf eine eher leichte und lockere Art und Weise designet. So zeigt das GIF „50 Shades of Grayscale“, zusammenfassend für die zweite Episode der siebten Staffel, die Behandlungstherapie des von Grayscale (Grauschuppen) geplagten Ser Jorah Mormont (zugegebenermaßen ein Moment, bei dem sicherlich viele Fans kurz wegsehen mussten). Mendel jedoch hat es geschafft, den leicht ekelerregenden Augenblick lustig und modern zu verpacken.

Eran Mendel – Ep 02 „50 Shades of Grayscale

Spott im Austausch gegen Schwermut

Immer noch geschockt vom -mehr oder weniger- Tod des Drachen Viserion, kehrt mit dem GIF „Toying with the enemy“ eventuell doch ein kleines Schmunzeln in die Gesichter der Fans zurück. Während die Drachenmutter Daenerys selbstsicher auf den Erzfeind trifft, greift dieser zu drastischen Mitteln und erlegt eines ihrer „Kinder“. Ein dramatischer Moment für die Zuschauer, für Eran Mendel jedoch Grund genug, dem Tristen etwas mehr Ernstlosigkeit einzuhauchen.

Eran Mendel – Ep 06 „Toying with the enemy

Gekonnt verleiht Eran Mendel seinen Game of Thrones GIFs eine Prise Sarkasmus und Humor. Schließlich eröffnen sich nach Ausstrahlung der Fantasy-Serie oftmals große Diskussionsrunden, in denen viele nur so mit Emotionen um sich herum schmeißen und anscheinend schnell vergessen haben, dass es sich eben nur um eine Serie handelt.

HBO Art-Reihe

Der amerikanische Programmanbieter HBO (Home Box Office) selbst, bietet neben seinen zahlreichen künstlerischen Opponenten auch eine eigene Art-Reihe an – „Beautiful Death“. Ähnlich wie bei Mendel rekreiert der Künstler Robert Ball dabei ikonische Augenblicke der einzelnen Folgen.

Wir wollen mehr Game of Thrones GIFs!

Wer mehr von der GIF-Kunst sehen möchte, kann sich ja mal auf dem Dribble-, Facebook oder Instagram-Account von Eran Mendel oder aber bei uns umsehen. Gerüchten zufolge, soll die 8. Staffel erst gegen Ende 2018 ausgestrahlt werden – Grund genug, sich bis dahin anderweitig inspirieren zu lassen und sich so das Warten etwas zu verkürzen.

Die Ars Electronica besucht Berlin

Jetzt mal unter uns, so von Angesicht zu Angesicht: Was “wenn ich kein Mensch wäre? Sondern ein Roboter, ein Chatbot, oder ein selbstlernender Algorithmus?” Dies fragt uns auch die Ausstellung der Ars Electronica in Berlin. Ars Electronica ist ein internationales Festival für Medienkunst aus Linz. Ausgehend von der digitalen Revolution, ist der Ursprungsgedanke der Veranstalter, die Schnittstellen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft zu erforschen. Die Veranstaltung erhält jedes Jahr auf’s Neue ein übergeordnetes Thema. In diesem Jahr findet sie vom 11. bis zum 19. September unter dem Motto „Artificial Intelligence – Das Andere Ich” statt.

Einen Vorgeschmack darauf, gibt es nun in der Export-Ausstellung in Berlin. Das Thema hier: “Begegnungen”. Ist es möglich, dass Mensch und Maschine ein gegenseitiges Vertrauen füreinander entwickeln? Inwieweit verschwimmen die Grenzen zwischen menschlicher Natur und Technik? Und welche Auswirkungen haben künstliche Intelligenzen oder robotische Implantate auf den Körper? Die Werke sind nicht immer komplex, haben aber eine umso größere Ausdruckskraft und schaffen vor allem ein Bewusstsein für die Entwicklungen unserer Zeit. NeoAvantgarde hat für euch ein paar Eindrücke festgehalten.

Spieglein, Spieglein an der Pinnwand

Nonfacial Mirror / Shinseungback Kimyonghun (Foto: Ars Electronica / Florian Voggeneder)

Es scheint, als würden die Besucher der Ausstellung von ihrem eigenen Spiegelbild begrüßt werden. Doch sobald man sich dem auf einem Podest befindlichen Standspiegel nähert, wendet sich dieser von einem ab. Der sogenannte “Nonfacial Mirror” meidet Gesichter mittels eines Gesichtserkennungsalgorithmus‘: Er dreht sich, sobald die integrierte Kamera die jeweilige Person erkennt. Nur wenn man sein Gesicht verdeckt, bleibt die Position unverändert. Im Prinzip kann man sich nur sehen, wenn man sich nicht sieht. Doch dann sieht man natürlich: NICHTS. Dementsprechend möchte der Künstler Shinseungback Kimyonghun in Anlehnung an künstliche Intelligenzen unsere Wahrnehmung hinterfragen: “Was ist wahrer: Das, was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht”?

Wenn Daten hörbar werden

CLOUD 2017 / Christina Kubisch (Foto: Christina Kubisch)

Kann man Cloud-Daten hören? Ja! Und wie klingt das dann? Nun ja: ganz oldschool wie eine Empfangsstörung im Radio – aber im Sound durchaus variabel. Die Klang-Installation “Cloud 2017” der Künstlerin Christina Kubisch ist ein großes herabhängendes Drahtgeflecht aus 1.500 Metern Kupferkabel. Die ausgesendeten Signale sind durch magnetische Kopfhörer sowie elektromagnetische Wellen wahrnehmbar. Der Klang stammt von elektromagnetischen Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken, welche unter anderem in Europa, Kanada und den USA entstanden sind. Je näher der Besucher dem Geflecht dabei kommt, desto stärker und durchgehender werden diese Töne. Demnach können Töne auch gemischt werden. Wer eine kreative Ader hat und beweglich ist, kann sich ja mal als Daten-DJ versuchen.

Tanz durch 3D-Druck-Geflechte

toki- series_#03 / Akinori Goto (Foto: Akinori Goto)

Die “toki- series_#03” verzaubern. In einem tiefschwarzem Raum befinden sich drei rotierende Zeitskulpturen, die mittels 3D-Druck entstanden sind. Es handelt sich um weiße Geflechte, in denen menschliche Silhouetten zu erahnen sind. Verschiedene Lichtstrahlen und Bewegungen eröffnen dabei immer neue Perspektiven. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie kleine Figuren mittels Licht und Bewegung durch das Skelett tanzen, sich vermehren, um dann wieder zu verschwinden. Der Künstler Akinori Goto hat die zweidimensionalen Bewegungen von Videosequenzen in dreidimensionale Figuren übersetzt. Das japanische Wort Toki steht für „Zeit“ oder „Moment”. Der Künstler macht die Zeit sichtbar.

Mehr als ein Accessoire: Touchpoint Haut

Das Projekt “DuoSkin” hebt Bodyart in neue Sphären. Es handelt sich um einen technologischen Herstellungsprozess, der quasi die Haut digitalisiert. Mit Gold-Metall-Plättchen werden ästhetisch technologisierte Muster produziert, die wie ein Tattoo auf die Haut aufgetragen werden. Diese Art von individueller Körperkunst macht den menschlichen Körper zum Touchpoint: Sie ermöglicht die Steuerung externer Geräte durch Berührung der Haut und damit verbunden das Speichern und Anzeigen von Informationen.

Ist das Kunst?

Body Paint / Exonemo (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)

“Body Paint” besteht aus zwei bemalten Screens. Jeder von ihnen zeigt eine nackte und rasierte Person, die in der jeweils gleichen Farbe angestrichen ist. Dadurch verschwimmen die Grenzen: Es wirkt als handele es sich um zwei Kunstwerke auf Leinwand. Doch die porträtierten Figuren bewegen sich, da sich dahinter eben LCD-Bildschirme verbergen. Der Künstler Exonemo möchte die Existenz des Individuums in den Medien hinterfragen und spielt auf unsere permanente aber immaterielle Online-Präsenz an: ”Die Lebensdauer des menschlichen Körpers ist mehr oder weniger bekannt, aber das Fortleben von Daten, Farbe und Kunst ist nicht definiert. Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen für Körperkunst, figurative Malerei und Medienkunst verbinden sich jedoch in diesem Projekt miteinander, da die Arbeit einen gemeinsamen Nenner in der Gegenwart und der Existenz selbst sucht”.

In Berlin ist die kuratierte Export-Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017 geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

“Alles hängt von Ihnen ab. Um mitbestimmen zu können, in welche Richtung Sie sich selbst und unsere Welt verändern, brauchen Sie Offenheit und Neugierde. Wissen und Kritikfähigkeit. Mut und Optimismus. All das, was Sie eben zum Menschen macht” – so das Resümee der Kuratoren. Dem können wir uns nur anschließen.

 

Titelbild: @Florian Voggeneder

Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff

Sound und Videokunst von Susan Hiller, Lost and Found, 2016, Digitalvideo, Installationsansicht, Grimmwelt Kassel, documenta 14

Documenta 17: Unbekannte Sprachen
in Schallwellen und Videokunst übersetzt

Mit “Lost and Found” präsentiert die Künstlerin Susan Hiller auf der documenta 14 in Kassel eine 20-minütige Videoinstallation. Darin setzt sie sich mit fast verschwundenen, vergessenen, gefährdeten, seltenen oder wiederbelebten Sprachen auseinander. Das akustisch Fremde wird durch sichtbare Schallwellen und Übersetzungen erlebbar gemacht – durch die Ansprache verschiedener Sinne vielleicht sogar vertraut?!

Neue alte Sprachen akustisch visuell entdecken

In der Videoinstallation “Lost and Found” auf der documenta 14 erklingen 23 unbekannte und besondere Sprachen. Die Redner entstammen der jeweiligen Kultur und erzählen von ihrer Herkunft, Familiengeschichte, der Sprache und ihrer Verbreitung. “Kaurna” ist zum Beispiel eine Sprache, die wiederentdeckt wurde. Der Redner heißt im Englischen Vincent Buckskin, in Kaurna wird er hingegen übersetzt “the Rock” genannt. So viel zum Hören. Sehen kann der Betrachter eine sich zum Sound bewegende Schallwelle auf einem schwarzen Bildschirm. Der grüne Graph eines Oszilloskop (elektronisches Gerät, das Spannung über einen zeitlichen Verlauf darstellt) folgt den Sound-Frequenzen durchgehend und schlägt entsprechend aus. Durch englische Untertitel wird dem Betrachter das Gesagte übersetzt.

Richard Grayson sieht in dem Werk eine “Technik, die die Stimmen der Toten vernehmbar macht. Werden sie gehört, so kehren sie unter die Lebenden zurück, um artikuliert zu werden, um die Kartierungen und Erfahrungen jener Welten zum Ausdruck zu bringen, die in diesen Sprachen enthalten und beschrieben sind”.

Videokunst: Screens des Kunstwerkes Lost and Found
Susan Hiller, Lost and Found (2016), Videoinstallation, Farbe, Ton, 20 min (Loop), © Susan Hiller/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, courtesy Susan Hiller und Lisson Gallery, London, New York, Milan

Susan Hiller verbindet Sound und Videokunst

Susan Hiller ist eine US-amerikanische Künstlerin. Sie widmet sich der Malerei, Objekt-Kunst, Installation sowie der Fotografie. In den Fokus ihres künstlerischen Schaffens gerieten zunehmend innovative Experimente mit audiovisuellen Techniken. Viele ihrer Arbeiten sind Multiscreen-Videos, die zahlreiche andere Künstler inspirieren. Thematisch beschäftigt sie sich vor allem mit den kulturellen Gegebenheiten und Veränderungen. Susan erforschte in ihrer Kunst unter anderem auch spirituelle und paranormale Aktivitäten. So zum Beispiel in der Audio-Skulptur “Witness”. Deren Gegenstand sind mündliche Aussagen von Menschen, die nach eigenen Angaben Außerirdischen begegnet sind und davon berichten. In der mehrkanaligen Videoinstallation “Channels” (bestehend aus 106 (Röhren-)Fernsehern, 9 Media Playern, 7 DVD-Playern u. A.) thematisiert sie im Flackern zahlreicher Medien Nahtoderfahrungen.

100 Protestsongs auf der documenta 13

Die Künstlerin war bereits 2012 auf der documenta vertreten. Dort zeigte sie das akustisch-optische Kunstwerk “Die Gedanken sind frei”. In der Installation war eine Musikbox mit einer persönlichen Zusammenstellung von Liedern integriert. Die Songtexte feiern die Freiheit und stellen einen Protest gegen das Vergessen und Aufgeben dar. Einer der Musiker: Johnny Cash, der für die unterdrückten Rechte der „American Indians“ singt.

Titelbild: @Susan Hiller, Lost and Found, 2016, Digitalvideo, Installationsansicht, Grimmwelt Kassel, Kassel, documenta 14, © Susan Hiller/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Liz Eve

Gitarrist und Musiker auf Bühne mit Smartphone gefilmt zum Artikel: Jeden Tag ein neues Musikvideo dank künstlicher Intelligenz

Jeden Tag ein neues Musikvideo
durch künstliche Intelligenz

Ihr neues Musikvideo zur Single Dig Down hat die britische Rockband Muse mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz generieren lassen. Es ist damit der erste Musikclip dieser Art. So werden Obama, Clinton, Trump, Snowden, David Bowie, George R.R. Martin, ein Sky-Reporter sowie Kate und William Teil von ein und der selben Darstellung, die sich jedoch jeden Tag wandelt. Das erste Artificial Intelligence Musikvideo nutzt die neue Technologie und huldigt damit die gegenwärtige Remix-Kultur.

Ein Computer als Regisseur

Das Lyric-Video setzt sich aus zahlreichen Videoausschnitten und Soundschnipseln aus dem Internet zusammen. Diese wurden aus hunderten Stunden Videomaterial ausgewählt und in die neueste künstliche Intelligenz Software eingespeist. Unter den zusammengepuzzelten Szenen befinden sich unter anderem Nachrichtensendungen, Pressekonferenzen von Politikern, Interviews mit Prominenten oder diverse Youtube-Clips. Die Software wählte die Clips vor allem nach gesprochenen Wörtern aus, die im Text von Dig Down vorkommen. Im Anschluss wurden die Ausschnitte maschinell so aneinandergereiht, dass das Video und der originale Songtext im Takt aufeinanderpassen.  In Dig Down wird dadurch jedes Wort von einer anderen Person gesprochen. Statt der Stimme des Frontmanns Matthew Bellamy, füllen Stars und Politiker den Liedtext in einer Playback-Version des Songs. Die künstliche Intelligenz merkt sich diesen analytischen Prozess und kann ihn problemlos sowie abgewandelt wiederholen. Weil das so einfach ist, erscheint nun jeden Tag eine neue Version des Musikvideos – quasi immer wieder exklusiv.

Remix-Kultur durch automatisierte Produktion

Muse’s neues Musikvideo reiht sich in die heutige Remix-Kultur ein. Zwar gibt es auch ein klassisches Musikvideo zur Single, mit der Online-Variante gibt die Band jedoch einen Teil des künstlerischen Schaffens in die Hände eines Computers. An dem Video war weder ein Regisseur noch ein Drehbuchautor beteiligt. Laut eines Statements des Artificial-Intelligence-Entwicklers Branger Briz, ist es den Machern ein Anliegen ”eine öffentliche Debatte über die Vorteile und Gefahren dieser neuen und unglaublich einflussreichen Technologie zu führen”.

Kunstwerk auf der documenta in Kassel Videoprojektion auf großer Leinwand

Die documenta in Kassel:
Atlas Fractured – eine Videoprojektion

Hypnotisierende Klänge, diffuse Stimmen, zahlreiche Wortschnipsel und goldenes Licht begleiten die riesige Videoprojektion des Londoner Künstlers Theo Eshetu. Im Rahmen der documenta in Kassel zeigt er in der Neuen Galerie auf einer meterlangen Leinwand eine 35 minütige Videoprojektion mit zahlreichen Bild-Überlagerungen. In dem technischen Meisterwerk wird bedeckt, verhüllt, gemischt, gewischt und verwischt – mal langsam, mal schneller. Bei den Abbildungen handelt es sich in erster Linie um Gesichter. Der Künstler zieht dabei immer wieder ethnografische Bezüge. Damit setzt Eshetu dem Selfie-Optimierungswahn, der Fülle an Filteroptionen sowie der Bilderflut der sozialen Netzwerke, dem zunehmend Künstlichen, das Künstlerische entgegen.

Ein Bilderrausch der digitalen Kunst auf der documenta in Kassel

Die gewaltige und beeindruckende Leinwand kann sich selbst in der riesigen Halle der Neuen Galerie behaupten und setzt sich aus Werbebannern des Ethnologischen Museums Berlin zusammen. Der Künstler spielt damit auf ethnologische Stereotypen und koloniale Zusammenhänge an. Er gibt Raum für Interpretation und Diskussion und verweist auf die Geschichte der Kolonisation, in welcher die heiligen Kulturgüter der Völker in Museen verbannt wurden. Schicht um Schicht überlagern und überschneiden sich in der Videoprojektion kulturelle Figuren, Masken, Plastiken, Gemälde, Bildnisse von Göttern, Titanen und Ikonen mit filmischen Porträts und Bildnissen der Gegenwart. Statt als kleine Fragmente in den Weiten des Internets zu verkommen, geraten die Bilder und ihre Zusammenhänge in den Fokus. Aus Dahlemer Museen stammende Antik-Köpfe mischen sich mit Bildern lebender dunkelhäutiger Personen. Die ethnografischen Einflüsse und Vergleiche sind nicht zufällig – Der in London geborene Künstler hat holländische und äthiopische Wurzeln. Bereits in seinen ersten Videoarbeiten thematisierte er kulturelle Klischees und verarbeitete seine persönliche Sichtweise auf berühmte Bilder. Dies führt er hiermit auf der documenta in Kassel weiter.

Zwischen Göttern und Popstars

Atlas ist in der griechischen Mythologie ein Titan, der nach damaligen Ansichten unser Himmelsgewölbe stützte. Dieses trägt die mythologische Figur als Kugel auf den Schultern. Theo Eshetu überlagert das Abbild mit einem Foto unseres Planeten. Das Gewölbe transformiert sich im Anschluss in das dunkelhäutige Gesicht eines Mannes, welcher dem Betrachter direkt in die Augen schaut. In einer anderen Szene sieht der Besucher Hände, die ein Gesicht immer wieder wegwischen, bis irgendwann ein weiteres Gesicht zum Vorschein kommt. Augen vor, Augen in und Augen hinter Händen erzeugen neue Sichtweisen. An einem anderen Punkt taucht plötzlich der Popstar David Bowie auf. Das typische künstlerische Make-Up des Sängers mit weißer Schminke und dem markanten Blitz im Gesicht sticht hervor. Wer sind die bedeutenden Figuren unserer heutigen Zeit? Welche Bilder haben wir von Ikonen? Und wen bezeichnen wir überhaupt als eine Ikone?

Gedankliche Kettenreaktionen durch bildliche Zusammenhänge

Wie der Name “Atlas Fractured” bereits andeutet, geht es nicht nur um die kulturelle Vergangenheit, sondern um einen ganzen Atlas des Lebens und seiner menschlichen Bildnisse. Neben der kulturellen Vergangenheit handelt die Videoprojektion auch von den Bildern der heutigen Gesellschaft und vor allem von dem Dazwischen. Dem Künstler gelingt es, den Betrachter dazu zu bringen, Althergebrachtes und Bestehendes aus neuen Blickwinkeln heraus zu betrachten und zu hinterfragen. Theo Eshetu löst gedankliche Kettenreaktionen aus.

Wer sind wir? Wer sind wir als Menschen? Und: Wer wollen wir sein?
Welche Bilder haben wir in unseren Köpfen – von uns und von anderen?
Und was passiert, wenn sich die Bilder der Vergangenheit mit denen der Gegenwart überlagern?

Antworten kann jeder für sich selbst finden – bei einem Besuch der Neuen Galerie im Rahmen der documenta in Kassel.

Die documenta 14 findet in Deutschland noch bis zum 17. September 2017 statt.
Web: documenta 14

Bild: @Mathias Völzke (Fotograf); Künstler: Theo Eshetu; Werk: Atlas Fractured, 2017, auf Banner projiziertes Digitalvideo, Neue Neue Galerie (Neue Hauptpost), Kassel, documenta 14