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große Halle weiße Wände vier Frauen

Preis der Nationalgalerie 2017:
Kunstwerke über Klimawandel und Korruption

Die diesjährige Shortlist-Ausstellung im Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin thematisiert gesellschaftliche Probleme wie den Klimawandel, Korruption und zwischenmenschlichen Machtgefüge. Wir haben die Ausstellung besucht und berichten über den Preis der Nationalgalerie 2017.

 

Nationalgalerie ehrt Gegenwartskunst

Der Preis der Nationalgalerie ist eine seit 2000 bestehende Auszeichnung für Künstlerinnen und Künstler unter 40, die in Deutschland leben und arbeiten. Er wird alle zwei Jahre verliehen und gehört zu den wichtigsten internationalen Preisen für Gegenwartskunst. Die Nationalgalerie möchte mit der Präsentation der jeweiligen Shortlist auf innovative Strömungen in der Kunst aufmerksam machen. Ausgezeichnet werden Künstlerinnen und Künstler, die mit ihren Werken neue Perspektiven eröffnen und auf gesellschaftliche Probleme aufmerksam machen. Sol Calero, Iman Issa, Jumana Manna und Agnieszka Polska sind die vier Teilnehmerinnen der Shortlist, die von einer ersten internationalen Jury ausgewählt wurden. Jede von ihnen durfte im Museum für Gegenwart ihr Kunstwerk in einer gemeinsamen Ausstellung veröffentlichen. Der Preis der Nationalgalerie 2017 geht an Agnieszka Polska mit den UHD Animationen “The New Sun” und “What the Sun Has Seen (version II).                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                                            

 

Agnieszka PolskaWhat the Sun Has Seen (Version II), 2017HD-AnimationInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy Zak Branicka Galerie, Berlin and OVERDUIN & CO., LA

Für ihre Filme hat Agnieszka Polska die Figur der “Kleinen Sonne” animiert und ihr ein puppenhaftes Gesicht mit riesigen Augen gegeben. Die Bild-, Sprach- und Tonelemente wirken auf den Zuschauer mal vertraut und beiläufig, mal eigenartig und bedeutungsschwer. Daraus entsteht ein Zusammenspiel, das die emotionalen Reize stimulieren soll. Mit ihren Animationen will Polska auf die Gefahren des Klimawandels aufmerksam machen. Die Sonne bekommt darin zwei sich auf den ersten Blick widersprechende Rollen: der hilflose Beobachter und der unausweichlich Eingreifende in die Ereignisse.

 

 

Sol CaleroAmazonas Shopping Center, 2017Installationsansicht Hamburger Bahnhof Installationsansicht Hamburger Bahnhof Installationsansicht Hamburger Bahnhof © Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor GoodTrevor / Courtesy Courtesy the artist, Laura Bartlett Gallery, London

Ähnlich wie Polska arbeitet Sol Calero mit einer dem Zuschauer bekannten Ästhetik. Sie interessiert sich für “lateinamerikanischen Identität” und kulturelle Codes, die in ihren Werken zum Ausdruck kommen. Mit der Installation “Amazonas Shopping Center” möchte Calero auf Probleme wie Korruption und die Hyperinflation in ihrem Heimatland hinweisen. Allein durch die Vielfalt an auffälligen Farben sticht das Gesamtwerk deutlich heraus. Sie sei der Meinung, dass auch Künstlerinnen und Künstler die Hochkunst betreiben, nicht automatisch auf viel Farbe verzichten müssen.

 

 

Iman IssaHeritage Studies, 2015-2017Verschiedene MaterialienInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Jan Windszus / Courtesy the artist and carlier | gebauer

Iman Issa beschäftigt sich mit der Frage nach der Relevanz und Gegenwärtigkeit von geerbter Kultur. Die Serie “Heritage Studies” besteht aus unterschiedlichen Skulpturen, die alte Kunstwerken und Kulturgüter aus ihrer heutigen subjektiven Sicht darstellen. Allein die Recherche zu diesem Projekt, die bereits 2013 startete, habe sehr lange gedauert. Auf den ersten Blick wirken die Skulpturen wie reduzierte Studien zu Form und Material. Texte an der Wand geben jedoch Aufschluss darüber, worauf sich das jeweilige Werk bezieht.   

 

 

Jumana MannaInstallationsansicht Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin© Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin / Trevor Good / Courtesy the artist & CRG Gallery, New York / VG Bild-Kunst, Bonn 2017

Die Künstlerin Jumana Manna erkundet die Wechselwirkungen von sozialen, politischen oder zwischenmenschlichen Machtgefügen mit dem menschlichen Körper. Ihre Filme verknüpfen Fakten und Fiktion, genauso wie Autobiographisches und Archivmaterial. Dadurch untersucht Manna Überschneidungen und Konstrukte nationaler und ideologischer Narrative. Das Gesamtwerk bekommt durch das Metallgerüst einen gewollt unfertigen Charakter. Zusammen mit überdimensionalen Körperteile aus Gips und Plastikstühlen, erinnert die Installation entfernt an archäologische Ausgrabungen oder Baustellen.

 

Hier geht’s zur Ausstellung

Titelbild: David von Becker

große Halle bunte Leinwände Menschen schwarzer Hintergrund

Von Monet bis Kandinsky:
VISIONS ALIVE lädt zum Träumen ein

Die dritte Multimediale Bildershow von VISIONS ALIVE zeigt das Best-Of der 16 bekanntesten Künstler des 19./20. Jahrhunderts. “Von Monet bis Kandinsky” ermöglicht eine ganz neue moderne Perspektive auf die Kunst.

 

Jutebeutel und teure Teelichter

Wer die Multimedia-Ausstellung “Von Monet bis Kandinsky” sehen will, muss sie erst einmal suchen. Da sie sich in einem, nicht besonders schönen, Hinterhof befindet, ist die Ausstellung schwer zu finden. Die grünen Pfeile auf dem Boden, die später mit rotfarbigen Pfeilen überklebt wurden, helfen auch nur bedingt weiter. Wer aufgrund der berühmten Künstler einen einladenden Eingangsbereich erwartet hat, der wird spätestens beim Betreten der Location enttäuscht. Die Ausstellung besteht aus vier Räumen: zwei Informationsräumen und zwei Ausstellungsräumen, in denen die Video-Projektionen laufen. Informationstafeln geben Aufschluss über das Leben der Künstler. Die Bilder auf den Tafeln passen nur leider nicht zu den Informationen. Als interessierter Betrachter fragt man sich also, warum nicht das Porträt gezeigt wird, das Monet berühmt gemacht hat, sondern ein völlig zusammenhangloses Werk. Was auffällt ist, dass fast alle 16 Künstler zu Lebzeiten arm waren und aufgrund einer schlimmen Krankheit gestorben sind.  Der andere Teil des Raumes ist der Verkaufsbereich. Hier kann man Jutebeutel mit Van Goghs Gesicht und Teelichter für 30 Euro kaufen.

 

Man muss Kunst nicht verstehen

In beiden Ausstellungsräumen läuft die 60-minütige Videoshow in Endlosschleife. Man kann zwischen Stühlen, Bänken und Sitzsäcken wählen. Innerhalb dieser Stunde werden Werke der Künstler auf unterschiedliche Weise dargestellt. So werden Bilder von Edgar Degas gezeigt, der eine Schwäche für das Ballett hatte. Dementsprechend  wurden animierte Balletttänzerinnen, bestehend aus glitzernden Lichtpunkten, gezeigt. Claude Monets Abschnitt dreht sich um die Schönheit der Blumen, welche er als Impuls für seine Künstlerkarriere ansieht. Besonders herausstechend ist ein fast schon hektisch animiertes Labyrinth, bestehend aus der abstrakten Kunst von Wassily Kandinsky. Die erste halbe Stunde wird es dem Zuschauer nicht leicht gemacht. Vor allem weil kurze Zitate der Künstler der einzige Kontext sind, den der Betrachter bekommt. Irgendwann erscheint ein Zitat von Claude Monet, in dem er verkündet, dass man Kunst nicht verstehen, sondern einfach nur lieben muss. Inspiriert von dieser Aussage, bekommt die Ausstellung plötzlich eine ganz andere Wirkung.      

 

VISIONS ALIVE erschafft Traumwelt

Je länger man sich die Videoshow ansieht, desto mehr kann man sich gedanklich von der gezeigten Kunst in eine andere Welt tragen lassen. In den Sitzsäcken liegend, verwandelt sich der Ausstellungsraum in einen realen Traum. Vor allem die wunderschön abgestimmte Musik trägt einen großen Teil zu diesem Gefühl bei. Viele Besucher haben sich auf den Boden gelegt und die Videoshow teilweise dreimal in Folge angeschaut. Sobald man aufhört das Gezeigte verstehen zu wollen, beginnt erst die Fantasiereise, die einen Raum und Zeit vergessen lässt. Der kleinere Ausstellungsraum ist zwar weniger eindrucksvoll aber dafür hat man dort einen besseren Überblick über alle gezeigten Kunstwerke. “Von Monet bis Kandinsky” ist, im Gegensatz zum ersten Eindruck, eine Ausstellung für jedermann: egal ob Kunstkenner oder interessierter Laie. Es ist quasi ein digitalisiertes und animiertes Museum mit den Werken von bekannten Künstlern. Oder auch modern aufbereitete Kunst, die die Emotionen der Betrachter einfängt.

 

 

Ausstellung: 21. Juli 2017 bis 28. Januar 2018

Hier gibt es weitere Informationen
Titelbild: iVision Entertainment GmbH

 

Das Festival of Lights in Berlin:
Die coolsten Lichtilluminationen

Die Bäume verlieren ihre Blätter, die Nächte werden immer länger, aber das Festival of Lights 2017 lässt Berlin trotzdem noch einmal erstrahlen und tröstet uns über die kalte Herbstzeit hinweg. Vom 06. bis zum 15. Oktober 2017 haben nationale und internationale Künstler die bekanntesten Sehenswürdigkeiten Berlins in leuchtende Kunstwerke verwandelt. Daraus sind 35 einzigartige Lichtilluminationen unter dem Motto “Creating Tomorrow” entstanden. Hier sind unsere fünf Highlights des Festival of Lights in Berlin.    

Neuer Marstall

Videoshow “House of Nature”, National Geographic

In diesem Jahr wurden die historischen Mauern des Neuen Marstalls während des Festival of Lights von National Geographic zum Leuchten gebracht. Die Zuschauer konnten in einer einzigartigen Videoshow namens “House of Nature” wilde Tiere in ihren natürlichen Lebensräumen beobachten. Vom Weißkopfseeadler, der durch Gebirge fliegt, über Orang-Utans, die durch den Dschungel streifen, bis zu Pinguinen in der Antarktis war alles dabei.

Berliner Dom

Lichtillumination Berliner Dom

Passend zu dem Motto des Festivals “Creating Tomorrow” haben 11 sowohl nationale als auch internationale Künstler zusammengearbeitet, um ihre Zukunftsvisionen zu verwirklichen. Dabei ist eine großartige 3D-Videoshow entstanden, die den Berliner Dom über Nacht in ein beeindruckendes Kunstobjekt verwandelt hat.

Juristische Fakultät & Hotel de Rome

360° Panorama auf dem Bebelplatz

Der gesamte Bebelplatz wurde beim diesjährigen Festival of Lights zum Strahlen gebracht. Die Staatsoper, die St. Hedwigs Kathedrale, das Hotel de Rome, das Bankhaus Löbbecke und die Juristische Fakultät bildeten ein atemberaubendes 360° Panorama. Unter dem Motto „Opera e Luce“ stach vor allem die Juristische Fakultät mit ihrer Farbenpracht heraus.

 

Wo? An allen Sehenswürdigkeiten in Berlin

Wann? 06. bis 15.Oktober 2017

Website: http://festival-of-lights.de/

 

Bilder: FOL Festival of Lights International Productions GmbH

 

Ed Atkins Installation

Old Food von Ed Atkins:
Über Digitalträume & Wirklichkeitsabzocke

Schauen wird in Kapital konvertiert. Youtube vergütet tausend Views mit etwa einem Dollar – im Fernsehen liegt der Wert viel höher. Die Schlingranken des Marketings wuchern via Mail, Tracking, setzen Cookies, streuen Krümel wie Hänsel und Gretel, um dir zu folgen. Atkins’ Ausstellung ist der Köder, dich in den Museumskörper zu locken, mit seinen Sälen, Magen und Verdauungstrakt, deren Wände dich still durchkneten, Laser, die dich wie Zilien forttragen und einfangen – Zitat Ende. 

Mit diesen Worten werden die Besucher der heute begonnenen Ausstellung „Old Food“ von Ed Atkins  im Martin-Gropius-Bau begrüßt. Und tatsächlich: Der Künstler schafft es, den Betrachter mit seiner bildgewaltigen Installation emotional einzufangen, nur um ihm anschließend gerade dadurch wieder ein mumliges Gefühl einzuverleiben.

Ed Atkins und seine spezifische Videoästhetik

Der gebürtige Brite lebt momentan in Berlin und ist mit seinen experimentellen, computergenerierten Filmen, Animationen und Bildwelten ein Star in der jungen Kunstszene. Atkins beschäftigt sich mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien. Bekannt wurde er durch Videoinstallationen mit CGI-Avataren. Diese animierte er mittels Motion-Capture-Technik und versah sie mit der Stimme des Künstlers.

Old Food: Digital einbalsamiertes Gammel-Essen?

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Für den Martin-Gropius-Bau und das Programm Immersion kreierte der Künstler nun seine bisher größte Installation: „Old Food“ . Wer jetzt denkt es gehe dabei um vergammeltes Essen, der irrt. Vielmehr erforscht der Künstler weiterhin die neuen Medien und versetzt den Betrachter in Gemütlsagen zwischen Verträumtheit  und Desillusionierung, Ekel und Nüchternheit. 

Museumsräume erzeugen bizarre Gefühlswelten

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Die Ausstellungsräume umgibt hingegen sehr wohl eine bizarre  Stimmung. Größeren und kleineren Videoinstallationen stehen jeweils zahlreiche Kostüme aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin gegenüber: Von  Don Carlos bis hin zu Aida. Das können die Besucher übrigens vom ersten Augenblick und vom ersten Raum an „riechen“. Viel seltsamer mag es für die Betrachter jedoch sein, auf Bildwelten zu treffen, die zunächst sehr idyllisch anmuten. Da steht ein Klavier inmitten einer grünen Blumenwiese, in einer Berghütte knistert der Kamin vor sich hin und es blicken einen altertümliche Wesen und niedliche Kinderaugen an.

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Doch nun kommt es: Die Figuren weinen, wirken verzweifelt, ihre Haut scheint sich zu verflüssigen. Auf dem Klavier spielt eine Hand, die sich durch diverse Plessuren von der sich im Instrument spiegelenden Natur abhebt. Seine Figuren sind in einer ewig langen Leidensgeschichte gefangen – ohne Anfang, Spannungsbögen und ohne Ende. Zugleich verwirrt die akustische Komponente: Es erklingen Kompositionen von Jörg Frey, die so gar nicht den klassischen Harmonien entsprechen. Die Disharmonien in Dauerschleife tragen ebenfalls dazu bei, dass die scheinbare Idylle aufgehoben wird. Den Besuchern überkommt ein ähnlich unwohles Gefühl wie bei der Betrachtung von verschimmeltem Essen. Nur mit dem Zusatz, dass sie sich ihrer eigenen Rolle in den neuen Medien und einer kommerzialisierten Welt bewusst werden. 

Ed Atkins möchte genau dies mit seiner Installation zeigen. Er erzeugt künstliche Digital-Romantik, um sie im nächsten Moment wieder zu zerstören. Dabei bezieht er sich auf die Hoffnungen, die in die CGI-Technik gelegt werden. Mit ihrer Hilfe sollen unsere Träume „real“ werden. Täuschend echte Figuren wirken dann aber doch wieder deratig aalglatt, dass sie ihre Wirkung selbst aufheben. Der ultimative Burger und die perfekte Bikini-Figur: Mit der Realität haben schmackhaft kreierte Photoshop-Werbebilder oft wenig zutun. Ed Atkins entblößt das Streben nach Perfektionismus, indem er der digital erzeugten Romantik auf bizarre Weise die Romantik nimmt (die sie ja eigentlich nie war).

Die Ausstellung läuft noch bis zum 07. Januar 2018.

Titelbild: @Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Mac PC mit Schnittprogramm Musikvideo, zum musikalischen Mashup Artikel von Filmszenen

Mashup-Künstler mixt Songs aus Filmszenen
und geht mit GoT-Cover viral

Alle Ideen bauen auf anderen Ideen auf, weshalb alle kreativen Werke als eine Art Mashup angesehen werden können, findet Matthijs Vlot. Der niederländische Künstler produziert Kurzfilme. Jedoch nicht mit aufwendigem Kameraequipment und eigens engagiertem Cast. Alles was er dafür benötigt, ist ein DVD-Ripper und eine einfache Internetverbindung. Denn der audiovisuelle Remix-Künstler setzt Songs aus Filmszenen zusammen. Mit dieser Kunstform wurde Matthijs Vlot im Internet bekannt. Nun veröffentlichte er ein Cover von Taylor Swift’s neuem Lied „Look What You Made Me Do„. In dem Song ersetzen die Worte von Darstellern der amerikanischen Serie Game of Thrones, die der Sängerin. Das entsprechende Video ging vor Kurzem viral. Das Netz zeigt sich begeistert, findet das Cover besser als die Radio-Pop-Nummer und ist fasziniert von der minutiösen Puzzlearbeit.

Game of Thrones singt Look What You Made Me Do

Der Künstler durchforstete die Folgen der Serie und wählte genau jene gesprochenen Worte aus, die sowohl vom Text, als auch von der Betonung her, genau auf den Songtext von Taylor Swift passen. Mit dabei sind beispielsweise Aussagen der Figuren Jon Snow, Cersei Lannister, Littlefinger, Sansa Stark, Olenna Tyrell und Arya Stark. Aufgrund der Inhalte, vermutet der ein oder andere User eine Parallele, beziehungsweise Anspielung auf die Rachegelüste der Protagonisten in der Geschichte.

Das Youtube-Video ist erst seit wenigen Tagen online und wurde bereits fast 400.000 Mal aufgerufen. Dies mag möglicherweise an dem wieder aufgeflammten Hype um die Serie liegen. Doch viele Nutzer bewundern insbesondere, mit welch einem Blick (beziehungsweise Ohr) für’s Detail der Künstler die Filmschnipsel auswählte und minutiös integrierte. Da war mit Sicherheit Muse und Geduld gefragt.

Von I.T. bis Bond: Remix-Kultur aus Filmszenen

Game of Thrones ist nicht die einzige Serie, derer sich Matthijs Vlot bediente. Breaking Bad bot dem Künstler ebenfalls eine Vorlage. Dabei wurden einzelne Dialoge sowie die Titelmelodie zu einer Art Gedicht zusammen gemixt.  Der Rap mit dem Namen „This is my product„, thematisiert die Substanzen aus dem Labor der Figur Walter White alias Heisenberg.

Satirisch wird es hingegen in „Can’t Take my eyes of you„. In dem Video spielt der Künstler auf die Beziehung zwischen dem amerikansichen und russischen Präsidenten an.

Mit seinem Filmmix-Cover von Adele’s berühmten Song „Hello“, wurde Vlot sogar für den Webby Award in der Kategorie „Video Remixes/Mashups“ nominiert. Die „International Academy of the Digital Arts and Sciences“ zeichnet einmal jährlich kreative Webseiten und Online-Arbeiten in unterschiedlichen Kategorien aus.

P.S.: I Love You

Game of Thrones GIFs
Die Highlights der Serie in Minianimationen

Jubel, Trubel, Heiterkeit – das, kombiniert mit viel Schnee, Drama und Intrigen beschreibt so ziemlich genau, was die Kultserie ‘Game of Thrones‘ ausmacht. Nach lang ersehntem Warten der Fans, startete die deutsche Erstausstrahlung der 7. Staffel am 17. Juli – und jetzt? …ist das kurze Vergnügen auch leider schon wieder vorbei. Wir schauen daher noch einmal nostalgisch auf die viel zu kurze Staffel zurück und zeigen euch die Game of Thrones GIFs vom Künstler Eran Mendel, der pünktlich und ziemlich treffsicher zu jeder Episode ein „Highlight-GIF“ erstellt hat.

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*Wer es geschafft hat, sich alle Episoden bis zum Ende aufzusparen, sollte lieber noch etwas mit dem Lesen warten*

Mittelalter trifft auf Moderne

…und Fantasy auf Kunst: Schon während der 6. Staffel gab Eran Mendel seine GIFs an die Öffentlichkeit weiter. Der israelische Künstler hat es sich, unter Anderem, zur Aufgabe gemacht, die Kernaussage jeder einzelnen Folge in einer Minidauerschleife darzustellen. Da sich die Dramaserie nicht gerade durch fröhliche Ereignisse auszeichnet, wurden die Animationen auf eine eher leichte und lockere Art und Weise designet. So zeigt das GIF „50 Shades of Grayscale“, zusammenfassend für die zweite Episode der siebten Staffel, die Behandlungstherapie des von Grayscale (Grauschuppen) geplagten Ser Jorah Mormont (zugegebenermaßen ein Moment, bei dem sicherlich viele Fans kurz wegsehen mussten). Mendel jedoch hat es geschafft, den leicht ekelerregenden Augenblick lustig und modern zu verpacken.

Eran Mendel – Ep 02 „50 Shades of Grayscale

Spott im Austausch gegen Schwermut

Immer noch geschockt vom -mehr oder weniger- Tod des Drachen Viserion, kehrt mit dem GIF „Toying with the enemy“ eventuell doch ein kleines Schmunzeln in die Gesichter der Fans zurück. Während die Drachenmutter Daenerys selbstsicher auf den Erzfeind trifft, greift dieser zu drastischen Mitteln und erlegt eines ihrer „Kinder“. Ein dramatischer Moment für die Zuschauer, für Eran Mendel jedoch Grund genug, dem Tristen etwas mehr Ernstlosigkeit einzuhauchen.

Eran Mendel – Ep 06 „Toying with the enemy

Gekonnt verleiht Eran Mendel seinen Game of Thrones GIFs eine Prise Sarkasmus und Humor. Schließlich eröffnen sich nach Ausstrahlung der Fantasy-Serie oftmals große Diskussionsrunden, in denen viele nur so mit Emotionen um sich herum schmeißen und anscheinend schnell vergessen haben, dass es sich eben nur um eine Serie handelt.

HBO Art-Reihe

Der amerikanische Programmanbieter HBO (Home Box Office) selbst, bietet neben seinen zahlreichen künstlerischen Opponenten auch eine eigene Art-Reihe an – „Beautiful Death“. Ähnlich wie bei Mendel rekreiert der Künstler Robert Ball dabei ikonische Augenblicke der einzelnen Folgen.

Wir wollen mehr Game of Thrones GIFs!

Wer mehr von der GIF-Kunst sehen möchte, kann sich ja mal auf dem Dribble-, Facebook oder Instagram-Account von Eran Mendel oder aber bei uns umsehen. Gerüchten zufolge, soll die 8. Staffel erst gegen Ende 2018 ausgestrahlt werden – Grund genug, sich bis dahin anderweitig inspirieren zu lassen und sich so das Warten etwas zu verkürzen.

Die Ars Electronica besucht Berlin

Jetzt mal unter uns, so von Angesicht zu Angesicht: Was “wenn ich kein Mensch wäre? Sondern ein Roboter, ein Chatbot, oder ein selbstlernender Algorithmus?” Dies fragt uns auch die Ausstellung der Ars Electronica in Berlin. Ars Electronica ist ein internationales Festival für Medienkunst aus Linz. Ausgehend von der digitalen Revolution, ist der Ursprungsgedanke der Veranstalter, die Schnittstellen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft zu erforschen. Die Veranstaltung erhält jedes Jahr auf’s Neue ein übergeordnetes Thema. In diesem Jahr findet sie vom 11. bis zum 19. September unter dem Motto „Artificial Intelligence – Das Andere Ich” statt.

Einen Vorgeschmack darauf, gibt es nun in der Export-Ausstellung in Berlin. Das Thema hier: “Begegnungen”. Ist es möglich, dass Mensch und Maschine ein gegenseitiges Vertrauen füreinander entwickeln? Inwieweit verschwimmen die Grenzen zwischen menschlicher Natur und Technik? Und welche Auswirkungen haben künstliche Intelligenzen oder robotische Implantate auf den Körper? Die Werke sind nicht immer komplex, haben aber eine umso größere Ausdruckskraft und schaffen vor allem ein Bewusstsein für die Entwicklungen unserer Zeit. NeoAvantgarde hat für euch ein paar Eindrücke festgehalten.

Spieglein, Spieglein an der Pinnwand

Nonfacial Mirror / Shinseungback Kimyonghun (Foto: Ars Electronica / Florian Voggeneder)

Es scheint, als würden die Besucher der Ausstellung von ihrem eigenen Spiegelbild begrüßt werden. Doch sobald man sich dem auf einem Podest befindlichen Standspiegel nähert, wendet sich dieser von einem ab. Der sogenannte “Nonfacial Mirror” meidet Gesichter mittels eines Gesichtserkennungsalgorithmus‘: Er dreht sich, sobald die integrierte Kamera die jeweilige Person erkennt. Nur wenn man sein Gesicht verdeckt, bleibt die Position unverändert. Im Prinzip kann man sich nur sehen, wenn man sich nicht sieht. Doch dann sieht man natürlich: NICHTS. Dementsprechend möchte der Künstler Shinseungback Kimyonghun in Anlehnung an künstliche Intelligenzen unsere Wahrnehmung hinterfragen: “Was ist wahrer: Das, was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht”?

Wenn Daten hörbar werden

CLOUD 2017 / Christina Kubisch (Foto: Christina Kubisch)

Kann man Cloud-Daten hören? Ja! Und wie klingt das dann? Nun ja: ganz oldschool wie eine Empfangsstörung im Radio – aber im Sound durchaus variabel. Die Klang-Installation “Cloud 2017” der Künstlerin Christina Kubisch ist ein großes herabhängendes Drahtgeflecht aus 1.500 Metern Kupferkabel. Die ausgesendeten Signale sind durch magnetische Kopfhörer sowie elektromagnetische Wellen wahrnehmbar. Der Klang stammt von elektromagnetischen Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken, welche unter anderem in Europa, Kanada und den USA entstanden sind. Je näher der Besucher dem Geflecht dabei kommt, desto stärker und durchgehender werden diese Töne. Demnach können Töne auch gemischt werden. Wer eine kreative Ader hat und beweglich ist, kann sich ja mal als Daten-DJ versuchen.

Tanz durch 3D-Druck-Geflechte

toki- series_#03 / Akinori Goto (Foto: Akinori Goto)

Die “toki- series_#03” verzaubern. In einem tiefschwarzem Raum befinden sich drei rotierende Zeitskulpturen, die mittels 3D-Druck entstanden sind. Es handelt sich um weiße Geflechte, in denen menschliche Silhouetten zu erahnen sind. Verschiedene Lichtstrahlen und Bewegungen eröffnen dabei immer neue Perspektiven. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie kleine Figuren mittels Licht und Bewegung durch das Skelett tanzen, sich vermehren, um dann wieder zu verschwinden. Der Künstler Akinori Goto hat die zweidimensionalen Bewegungen von Videosequenzen in dreidimensionale Figuren übersetzt. Das japanische Wort Toki steht für „Zeit“ oder „Moment”. Der Künstler macht die Zeit sichtbar.

Mehr als ein Accessoire: Touchpoint Haut

Das Projekt “DuoSkin” hebt Bodyart in neue Sphären. Es handelt sich um einen technologischen Herstellungsprozess, der quasi die Haut digitalisiert. Mit Gold-Metall-Plättchen werden ästhetisch technologisierte Muster produziert, die wie ein Tattoo auf die Haut aufgetragen werden. Diese Art von individueller Körperkunst macht den menschlichen Körper zum Touchpoint: Sie ermöglicht die Steuerung externer Geräte durch Berührung der Haut und damit verbunden das Speichern und Anzeigen von Informationen.

Ist das Kunst?

Body Paint / Exonemo (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)

“Body Paint” besteht aus zwei bemalten Screens. Jeder von ihnen zeigt eine nackte und rasierte Person, die in der jeweils gleichen Farbe angestrichen ist. Dadurch verschwimmen die Grenzen: Es wirkt als handele es sich um zwei Kunstwerke auf Leinwand. Doch die porträtierten Figuren bewegen sich, da sich dahinter eben LCD-Bildschirme verbergen. Der Künstler Exonemo möchte die Existenz des Individuums in den Medien hinterfragen und spielt auf unsere permanente aber immaterielle Online-Präsenz an: ”Die Lebensdauer des menschlichen Körpers ist mehr oder weniger bekannt, aber das Fortleben von Daten, Farbe und Kunst ist nicht definiert. Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen für Körperkunst, figurative Malerei und Medienkunst verbinden sich jedoch in diesem Projekt miteinander, da die Arbeit einen gemeinsamen Nenner in der Gegenwart und der Existenz selbst sucht”.

In Berlin ist die kuratierte Export-Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017 geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

“Alles hängt von Ihnen ab. Um mitbestimmen zu können, in welche Richtung Sie sich selbst und unsere Welt verändern, brauchen Sie Offenheit und Neugierde. Wissen und Kritikfähigkeit. Mut und Optimismus. All das, was Sie eben zum Menschen macht” – so das Resümee der Kuratoren. Dem können wir uns nur anschließen.

 

Titelbild: @Florian Voggeneder

Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff

Sound und Videokunst von Susan Hiller, Lost and Found, 2016, Digitalvideo, Installationsansicht, Grimmwelt Kassel, documenta 14

Documenta 17: Unbekannte Sprachen
in Schallwellen und Videokunst übersetzt

Mit “Lost and Found” präsentiert die Künstlerin Susan Hiller auf der documenta 14 in Kassel eine 20-minütige Videoinstallation. Darin setzt sie sich mit fast verschwundenen, vergessenen, gefährdeten, seltenen oder wiederbelebten Sprachen auseinander. Das akustisch Fremde wird durch sichtbare Schallwellen und Übersetzungen erlebbar gemacht – durch die Ansprache verschiedener Sinne vielleicht sogar vertraut?!

Neue alte Sprachen akustisch visuell entdecken

In der Videoinstallation “Lost and Found” auf der documenta 14 erklingen 23 unbekannte und besondere Sprachen. Die Redner entstammen der jeweiligen Kultur und erzählen von ihrer Herkunft, Familiengeschichte, der Sprache und ihrer Verbreitung. “Kaurna” ist zum Beispiel eine Sprache, die wiederentdeckt wurde. Der Redner heißt im Englischen Vincent Buckskin, in Kaurna wird er hingegen übersetzt “the Rock” genannt. So viel zum Hören. Sehen kann der Betrachter eine sich zum Sound bewegende Schallwelle auf einem schwarzen Bildschirm. Der grüne Graph eines Oszilloskop (elektronisches Gerät, das Spannung über einen zeitlichen Verlauf darstellt) folgt den Sound-Frequenzen durchgehend und schlägt entsprechend aus. Durch englische Untertitel wird dem Betrachter das Gesagte übersetzt.

Richard Grayson sieht in dem Werk eine “Technik, die die Stimmen der Toten vernehmbar macht. Werden sie gehört, so kehren sie unter die Lebenden zurück, um artikuliert zu werden, um die Kartierungen und Erfahrungen jener Welten zum Ausdruck zu bringen, die in diesen Sprachen enthalten und beschrieben sind”.

Videokunst: Screens des Kunstwerkes Lost and Found
Susan Hiller, Lost and Found (2016), Videoinstallation, Farbe, Ton, 20 min (Loop), © Susan Hiller/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, courtesy Susan Hiller und Lisson Gallery, London, New York, Milan

Susan Hiller verbindet Sound und Videokunst

Susan Hiller ist eine US-amerikanische Künstlerin. Sie widmet sich der Malerei, Objekt-Kunst, Installation sowie der Fotografie. In den Fokus ihres künstlerischen Schaffens gerieten zunehmend innovative Experimente mit audiovisuellen Techniken. Viele ihrer Arbeiten sind Multiscreen-Videos, die zahlreiche andere Künstler inspirieren. Thematisch beschäftigt sie sich vor allem mit den kulturellen Gegebenheiten und Veränderungen. Susan erforschte in ihrer Kunst unter anderem auch spirituelle und paranormale Aktivitäten. So zum Beispiel in der Audio-Skulptur “Witness”. Deren Gegenstand sind mündliche Aussagen von Menschen, die nach eigenen Angaben Außerirdischen begegnet sind und davon berichten. In der mehrkanaligen Videoinstallation “Channels” (bestehend aus 106 (Röhren-)Fernsehern, 9 Media Playern, 7 DVD-Playern u. A.) thematisiert sie im Flackern zahlreicher Medien Nahtoderfahrungen.

100 Protestsongs auf der documenta 13

Die Künstlerin war bereits 2012 auf der documenta vertreten. Dort zeigte sie das akustisch-optische Kunstwerk “Die Gedanken sind frei”. In der Installation war eine Musikbox mit einer persönlichen Zusammenstellung von Liedern integriert. Die Songtexte feiern die Freiheit und stellen einen Protest gegen das Vergessen und Aufgeben dar. Einer der Musiker: Johnny Cash, der für die unterdrückten Rechte der „American Indians“ singt.

Titelbild: @Susan Hiller, Lost and Found, 2016, Digitalvideo, Installationsansicht, Grimmwelt Kassel, Kassel, documenta 14, © Susan Hiller/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Liz Eve

Gitarrist und Musiker auf Bühne mit Smartphone gefilmt zum Artikel: Jeden Tag ein neues Musikvideo dank künstlicher Intelligenz

Jeden Tag ein neues Musikvideo
durch künstliche Intelligenz

Ihr neues Musikvideo zur Single Dig Down hat die britische Rockband Muse mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz generieren lassen. Es ist damit der erste Musikclip dieser Art. So werden Obama, Clinton, Trump, Snowden, David Bowie, George R.R. Martin, ein Sky-Reporter sowie Kate und William Teil von ein und der selben Darstellung, die sich jedoch jeden Tag wandelt. Das erste Artificial Intelligence Musikvideo nutzt die neue Technologie und huldigt damit die gegenwärtige Remix-Kultur.

Ein Computer als Regisseur

Das Lyric-Video setzt sich aus zahlreichen Videoausschnitten und Soundschnipseln aus dem Internet zusammen. Diese wurden aus hunderten Stunden Videomaterial ausgewählt und in die neueste künstliche Intelligenz Software eingespeist. Unter den zusammengepuzzelten Szenen befinden sich unter anderem Nachrichtensendungen, Pressekonferenzen von Politikern, Interviews mit Prominenten oder diverse Youtube-Clips. Die Software wählte die Clips vor allem nach gesprochenen Wörtern aus, die im Text von Dig Down vorkommen. Im Anschluss wurden die Ausschnitte maschinell so aneinandergereiht, dass das Video und der originale Songtext im Takt aufeinanderpassen.  In Dig Down wird dadurch jedes Wort von einer anderen Person gesprochen. Statt der Stimme des Frontmanns Matthew Bellamy, füllen Stars und Politiker den Liedtext in einer Playback-Version des Songs. Die künstliche Intelligenz merkt sich diesen analytischen Prozess und kann ihn problemlos sowie abgewandelt wiederholen. Weil das so einfach ist, erscheint nun jeden Tag eine neue Version des Musikvideos – quasi immer wieder exklusiv.

Remix-Kultur durch automatisierte Produktion

Muse’s neues Musikvideo reiht sich in die heutige Remix-Kultur ein. Zwar gibt es auch ein klassisches Musikvideo zur Single, mit der Online-Variante gibt die Band jedoch einen Teil des künstlerischen Schaffens in die Hände eines Computers. An dem Video war weder ein Regisseur noch ein Drehbuchautor beteiligt. Laut eines Statements des Artificial-Intelligence-Entwicklers Branger Briz, ist es den Machern ein Anliegen ”eine öffentliche Debatte über die Vorteile und Gefahren dieser neuen und unglaublich einflussreichen Technologie zu führen”.