Tag: #technologien

David OReilly, „Everything“ (Screenshot) zum Artikel über die Konferenz der Berliner Festspiele

Berliner Festspiele:
Die Konferenz INTO WORLDS

Videokunst, Sound-Installationen, Virtual Reality Experiences, Projektionsumgebungen von Planetarien – das alles und noch viel mehr, ist Gegenstand der am kommenden Wochenende stattfindenden Konferenz “INTO WORLDS”, eine Veranstaltung der Berliner Festspiele. Im Martin-Gropius-Bau treffen sich Künstler und Wissenschaftler, um gemeinsam mit dem Publikum alte und neue immersive Welten zu entdecken. Mit dabei sind Bekanntheiten, wie der Berliner Journalist und Aktivist Markus Beckedahl, sowie Videokünstler, die Werke aus der Julia Stoschek Collection präsentieren. Besucher können außerdem das neue Musik-Video von Björk „Notget“ als VR-Experience erleben.

Berliner Festspiele: Kunst, Wissenschaft und Ihr!

Versprochen wird den Besuchern, laut den Veranstaltern der Berliner Festspiele, ein Ein- und Auftauchen in und aus immersiven spannenden Welten: „Handwerkliche Körpertechniken, spektakuläre Unterhaltungsformate von Jahrmarktsattraktionen bis zur Virtual Reality, sowie spirituelle Mentalpraktiken zwischen religiöser Versenkung und meditativer Selbstoptimierung. Immersion zeigt sich dabei als ambivalente Bewegung. Sie steht einerseits für Selbst- oder Medienvergessenheit, geistige Übung oder Ekstase, ist jedoch andererseits Anlass für Distanznahme und kritische Reflexion: Wie, von wem und wozu werden die verschiedenen Welten gebildet, an denen wir täglich partizipieren? In welche Rollen geraten wir dabei und wie tragen wir zur Bildung dieser Welten bei?”

 

Ihr möchtet Antworten durch eine kreative Entdeckungsreise finden?

 

Dann besucht die Konferenz der besonderen Art, welche vom 19. bis 21. Januar stattfindet. Der Eintritt kostet am Eröffnungsabend 6 Euro / ermäßigt 4 Euro, ein Tagesticket am Samstag oder Sonntag 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für 21 Euro, oder 12 Euro ermäßigt, sichert ihr euch ein Gesamtticket für alle drei Tage. Tickets sind hier erhältlich.

 

Titelbild: @Berliner Festspiele; Künstler: David OReilly, „Everything“ (Screenshot)

weiße Wand schwarzes Geflecht zum Artikelthema Kunstausstellung Potsdam: Design trifft auf Politik

Kunstausstellung Potsdam:
Design trifft auf Politik

Der Kunstraum Potsdam beschäftigt sich in der Ausstellung “Politiken des Designs” mit dem Zusammenhang zwischen Design und Politik. In über 50 Werken thematisieren junge Gestalter unter anderem das Maß der  Einflussnahme und die Intentionen hinter dem Design.

 

Ausstellungsreihe “Made in Potsdam”

Im Kunstraum Potsdam dreht sich vom 11. bis zum 27.01.2018 alles um das Thema “Politiken des Designs”. Aufgrund der aktuellen sozialen, gesellschaftlichen und politischen Situation wird es Zeit, eine kritische Positionsbestimmung vorzunehmen. Der gleichen Meinung ist auch der Design Fachbereich der Fachhochschule Potsdam. Über 50 Werke von Gestaltern können in der traditionellen Ausstellungsreihe “Made in Potsdam” betrachtet werden. Die heutige Eröffnung ist kostenlos und wird mit einer Rede von Oliver Gehrs eingeleitet.

 

Ist technologischer Fortschritt die Zukunft?

Der Kunstraum Potsdam wird zum Ort der Auseinandersetzung. Den zugehörigen Gesprächsstoff bieten neben der Ausstellung auch Rundgänge mit Führung, öffentliche Lehrangebote, spielerische Aktionen und Diskussionen mit Gästen. Besucher werden, innerhalb der Ausstellung, durch die politischen Räume Konsum, Grenze, privater Raum und Zukunftsproduktion geführt.  

 

Design als Instrument zur Einflussnahme

Design nimmt, in der Regel unbemerkt, großen Einfluss auf den Alltag und das Zusammenleben von uns Menschen. Weil diese Reichweite immer größer wird, müssen wir anfangen, uns die Frage zu stellen, aus welcher spezifischen Haltung heraus gehandelt wird. Ist es möglich, dass Design zum Instrument der Einflussnahme werden kann? Und ab wann ist Design politisch?

 

Kunstausstellung Potsdam erforscht gesellschaftlichen Tendenzen

Die Nachwuchs Designer versuchen darauf Antworten zu finden und tauchen dabei in Handlungsräume sowie Lebenswelten ein. Sie erforschen gesellschaftliche Tendenzen und initiieren Perspektivwechsel, indem sie uns in das “Internet der Anderen” eintauchen lassen. Grenzgänge werden sowohl im übertragenen Sinn als auch mit konkretem Bezug auf die USA und Mexiko beleuchtet. Außerdem entwerfen die Gestalter utopische Narrative und lenken ihren Blick auf die Konsumgewohnheiten der Gesellschaft.    

 

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weiße Röhre liegender Mensch Kabel an Armen und Beinen zum Artikelthema Wissenschaftliche Kunst: BioArt bringt Menschen der Natur wieder näher

Wissenschaftliche Kunst:
BioArt bringt Menschen der Natur wieder näher

Datentransfer, Signalverarbeitung und künstliche Intelligenz – was unsere heutige Technik an den Tag legt, findet seinen Ursprung in der Tierwelt. Die Ausstellungsreihe “Nonhuman Agents” im „Artlaboratory Berlin“ hat die Kommunikation eines der größten Lebewesen auf der Welt erlebbar gemacht.

 

Der Mensch im Mittelpunkt

Als Anthropozän wir ein neues Zeitalter bezeichnet, in dem der Mensch den gesamten Planeten nach seinen Bedürfnissen gestaltet. Weil einzig und allein der Mensch im Mittelpunkt steht, sind andere Lebewesen vom Aussterben bedroht. In Berlin setzen sich Wissenschaftler und Künstler mit der Frage auseinander, wie die Welt fernab des  An­thro­pozentrismus aussehen würde. Zusammen wollen sie einen Blick auf die sogenannten „nonhuman agents“ werfen, um sie der Öffentlichkeit näher zu bringen.

Nonhuman agents

Ein Beispiel für diese nichtmenschlichen Akteure ist der Schleimpilz Physarum polycephalum. Die künstliche Intelligenz von Robotern ist mit der Intelligenz des Pilzes vergleichbar – mit dem Unterschied, dass Physarum polycephalum diese schon sehr viel früher hatte. Der Schleimpilz gehört genau genommen zu der Gruppe der Amöben und verfügt über ein ausgeklügeltes Informationsübertragungssystem. Registriert er an zwei Punkten seines Fadengeflechts eine Nahrungsquelle, kann er in kürzester Zeit die optimalste Verbindung dazu herstellen.

 

Heather Barnett, The Physarum Experiments Study No. 022, Film still, 2016

BioArt

Viele Computerwissenschaftler beschäftigen sich jetzt mit diesem Phänomen. Die britische  Künstlerin Heather Barnett hat eine Performance aus der Wanderung der Schleimpilze erstellt. Menschliche Tänzer duplizieren dabei dessen Bewegungen. Diese Verschmelzung von biologischer Forschung und Kunst nennt man BioArt. Und genau darauf hat sich das „Artlaboratory Berlin“ in Wedding spezialisiert. „Wir wollen mit unseren Projekten die wissenschaftliche Forschung zu nichtmenschlichen Organismen auf andere Weise sichtbar machen“, erklärt die Gründerin Regine Rapp.

 

Kooperation zwischen Wissenschaft und Kunst

Zusammen mit ihrem Partner Christian de Lutz hat sie das „Artlaboratory Berlin“ im Jahr 2006 gegründet. Besonders interessant ist die Ausstellungsreihe “Nonhuman Agents”, in der unterschiedliche Lebensformen im Mittelpunkt von Konferenzen und Kunstinstallationen stehen. „Dabei ging es uns immer um eine postanthropozentrische Perspektive“, betont Rapp. Um sich an dem Projekt beteiligen zu können, müssen Künstler auch in der Wissenschaft tätig sein.

 

Unterirdische Kommunikation

Aus diesem Grund haben sich Künstlerin Saša Spačal, der Biomedizinern Mirjan Švagelj und Anil Podgornik aus Slowenien zu einem interdisziplinären Kollektiv zusammengetan. In ihrer Hightech-Installation wollten sie einen sensorisch-gefühlsmäßigen Zugang zu der Welt unter der Erde herstellen. Besucher legen sich in eine Art offene Röhre und bekommen über Manschetten an den Extremitäten leichte elektrische Signale. Zusammen mit den Audiotönen der Kopfhörer soll man sich in den Kommunikationsraum des unterirdischen Pilzgeflechts hineinfühlen können. BioArt ist ein großartiger Ansatz, der Menschen dabei hilft, sich der Natur auf zeitgemäße Weise wieder anzunähern.

 

 

Titelbild: Saša Spačal, Mirjan Švagelj und Anil Podgornik: Myconnect, Installation, 2014
Credit: Damjan Švarc, Kapelica Gallery, Fotoarchiv

Mann in Kostüm silberne Röhren zu dem Artikelthema Die Maschine steht still nach E. M. Forster: Ist die Technik unser Untergang?

Die Maschine steht still nach E. M. Forster:
Ist die Technik unser Untergang?

Wer braucht schon frische Luft, körperliche Nähe oder einen tieferen Sinn im Leben, wenn einfach alles auf der Welt von nur einem Apparat aus gesteuert werden kann? Das Ergebnis kann man sich im Theater an der Parkaue in “Die Maschine steht still” nach E. M. Forster ansehen. Wir haben uns die Vorstellung angeschaut und geben euch eine Review zu der Dramatisierung.

 

Unterwerfung der Natur

Wie würde die Erde aussehen, wenn Maschinen das komplette Leben der Menschen bestimmen könnten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Regisseurin und Videokünstlerin Evy Schubert in der Dramatisierung “Die Maschine steht still”. Die Maschine wird von Denis Pöpping verkörpert und steht im Zentrum des Theaterstücks. Sie ist der neue Lebensmittelpunkt der Menschheit geworden, nachdem diese die Natur vollkommen bezwungen hatte. Von der Erde geflohen, beschlossen die Menschen sich von ihrem alten Leben sowie ihrem religiösen Glauben zu lösen und dienten von dort an ausschließlich der Maschine.

 

 

Denis Pöpping in „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

Keine Erlebnisse, Emotionen, Erfahrungen

Von da an wurden zwischenmenschliche Beziehungen auf ein Minimum reduziert –  körperliche Nähe ist für die Menschen ein Fremdwort. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie in ihren fast leeren Zimmern in der Maschine. Jeder arbeitet rund um die Uhr daran, sie mit Wissen zu versorgen, um sie zu stärken. Während die meisten Menschen mit ihrem eintönigen Alltag zufrieden sind, kommen einer Person langsam Zweifel: Kuno. Er möchte die Maschine verlassen und zurück zur Erde reisen. Seine Mutter Vashti, der er davon über den Kommunikationskanal der Maschine berichtet, ist von dieser Idee überhaupt nicht begeistert. Genauso wenig wie von Kunos Bitte nach einem persönlichen Treffen.

 

 

Ensemble „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

Anpassung oder Tod

Um zu ihrem Sohn zu gelangen, muss Vashti eine futuristische Version eines Zuges betreten, von dem aus man einzelne Länder der Erde sehen kann. Trotz ihrer Angst vor den ganzen ungewohnten optischen Eindrücken, schafft sie es zu ihrem Sohn. Dieser hat es inzwischen auf die Erde geschafft und ist sich nun sicher, dass die Maschine den Menschen mehr nimmt als nützt und nur aus eigennützigen Motiven handelt. Die Maschine stuft Kuno als Gefahr ein und beschließt, ihn, wie alle Andersdenkende, zu vernichten. Vashti glaubt ihrem Sohn nicht und stimmt zu, Kuno der “Heimatlosigkeit”, also dem Tod, zu überlassen. Doch die Maschine beginnt nach mehreren Systemfehlern nach und nach zusammenzubrechen. Alle Menschen, die nicht auf die Erde geflohen sind, sterben.    

 

 

Die Maschine in „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

M. Forster nah an der Realität

Die Dramatisierung basiert auf dem Roman “Zimmer mit Aussicht” des englischen Erzählers E.M. Forster (1879-1970). Die kurz darauf folgende Verfilmung der Anti-Utopie gewann drei Oscars. Der Roman erschien Jahrzehnte bevor der erste Computer erfunden wurde und skizziert eine frühe Version des Internets. Tatsächlich ist “Die Maschine steht still” sehr nah an der Realität. Nur die wenigsten kommen heute ohne Smartphone, Laptop und das Internet aus. Die virtuelle Welt scheint eine derart große Faszination auszulösen, die sich vor allem bei jungen Menschen zu einer starken Abhängigkeit entwickelt hat. Ein Leben ohne WhatsApp, YouTube und Instagram? Unvorstellbar! Die Dramatisierung von Evy Schubert zeigt in überspitzter Form, dass die komplette menschliche Hingabe zu technischen Geräten auch unser Untergang werden könnte. Maschinen erleichtern unser Leben enorm, aber sie können niemals die Einzigartigkeit der Realität ersetzen.      

 

 

Hier gibt es weitere Infos

Titelbild: Christian Brachwitz

 

Soundwave-Kette zum Artikel "Digitale Kunst: David Bizer verwandelt Töne in Schmuck"

Digitale Kunst:
David Bizer verwandelt Töne in Schmuck

Ob ein herzergreifendes Babylachen, eine lustige Sprachmemo von der letzten großen Sause, oder ein unerwartetes Liebesbekenntnis: Der Künstler David Bizer verwandelt deinen Sound via 3D-Druck in ein echtes Schmuckstück! Auf diese Weise werden Momentaufnahmen verewigt. Doch wie wird eine digitale Datei zu einem realen Accessoire? Im Interview verrät der Berliner, wie das Projekt Soundwave.love entstanden ist und warum ein Kunde bei ihm eine Sound-of-a-burp-Kette bestellte.

Was hat dich auf die Idee von Soundwave.love gebracht?

Ich habe Industriedesign studiert und mich in meiner Abschlussarbeit mit der digitalen Fabrikation, wie zum Beispiel 3D-Druck oder Lasercutting, beschäftigt. Ich habe darüber nachgedacht, wie die Entwicklung dieser Produktionstechniken neue Möglichkeiten für einen Designer bietet, individuelle Stücke zu schaffen. Mit einem digitalen Produktionsverfahren habe ich die Möglichkeit, aus einer File, die ich digital erstellt habe direkt on demand ein Produkt zu generieren. Besteht keine Nachfrage wird, außer der investierten Zeit, nichts verloren. In meiner theoretischen Arbeit wollte ich zeigen, wohin diese Entwicklung gehen kann.  Bisher wurde 3D-Druck hauptsächlich für Designmodelle oder Prothesen im Medizinbereich genutzt. 2008 war diese Produktionstechnik noch ziemlich teuer. Heute ist es deutlich günstiger. 

Warum wolltest du diese Techniken für die Herstellung von Schmuck nutzen?

Digitale Güter unterliegen den gleichen Gesetzen und Gefahren wie andere Güter. Meine Idee für diesen Produktbereich war ein individuelles Produkt, dass der, der es bestellt, theoretisch endlos vertreiben kann. Trotzdem bleibt es ein individuell angepasstes Produkt.  Dann habe ich verschiedene Beispielprojekte entwickelt. Eines davon waren diese Soundwave-Ketten. Schmuck war eine relativ logische Schlussfolgerung – auch wenn ich eigentlich keine große Affinität dazu hatte. Ein Schmuckstück aus Plastik kostet dann manchmal so viel, wie echtes Silber. Da muss man den Wert der Individualisierung sehen. Es ist ein Unikat. 

Wie wurde deine theoretische Arbeit dann Realität?

Meine ursprüngliche Idee in der Theorie-Arbeit war eher eine Online-Plattform zu schaffen, wo man verschiedene Designs sammelt und eine Produktion für unterschiedliche Designer anbietet. Ich habe dann aber relativ schnell entdeckt, dass es das im Bereich Lasercutting schon gab – eine australische Firma namens Ponoko. Bei denen habe ich dann mein Soundwave-Projekt hochgeladen. So konnte ich in meiner Präsentation zeigen, dass ich Produkte habe, die direkt schon bestellbar und verfügbar sind. Die Betreiber fanden die ganz cool und haben mich in ihrem Blog erwähnt. Da ist aber noch nicht viel passiert. Bis sich eine amerikanische Werbeagentur bei mir gemeldet hat, die mich für ein Projekt angefragt haben. Mit denen hatte ich dann aber noch einigen Ärger, weil die mich zunächst nicht als Designer erwähnt haben. Letztlich habe ich dadurch aber ein wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Hat sich eine Produktion zu diesem Zeitpunkt schon rentiert?

Nein, mit konstanten Bestellungen ging es erst so richtig los, als ich bei einem Wettbewerb von Instructables mitgemacht habe. Das ist eine Website, wo man Do-It-Yourself-Tutorials reinstellen kann. Gewonnen habe ich leider nicht, aber die haben mich im Newsletter und auf der Website gefeautert, woraufhin ich dann plötzlich viel mehr Bestellungen und Seitenaufrufe an einem Tag hatte. Dann kamen plötzlich wieder so viele Bestellungen rein, dass es sich gelohnt hat. Durch die Anleitung konnten die Leute auch sehen, welche Schritte dahinter stecken und, dass sich der Preis rechtfertigt. Dadurch, dass es verschiedene Shops fast identisch verkaufen, muss ich mich aber auch durch ein höherwertiges Produkt absetzen.

Was für Audioaufnahmen erhälst du von deinen Kunden?

Meistens kommen die Leute nur einmal, weil man so ein Stück nur einmal verschenkt. Fast alle bestellen “I love you”. Als nächstes kommt dann sowas wie “Happy Birthday” , “Merry Christmas” oder Glückwünsche zum Muttertag. Manchmal ist ein Heiratsantrag dabei, aber meist sind es die Standards. Mein Favorit war ein Kunde, der für seine Freundin eine Kette bestellt hat mit “I love You” und darunter: “Actually I considering the sound of a burp”. Er hatte sich eigentlich überlegt zu rülpsen. Und zwei Jahre später hat er ihr dann als witziges Follow-up-Geschenk eine Original-Rülpskette geschenkt.

Vereinzelt bestellen die Leute auch Zitate von bekannten Persönlichkeiten oder aus der Bibel. Manchmal ist es ja auch ein Babylachen oder ein Herzschlag und keine Textnachricht. Musik geht eher schlecht, weil Musik meist gleich laut ist. Ein konstantes Level ist für die Verarbeitung eher ungünstig. Bei Background-Instrumenten sieht es dann wie ein Klotz aus. Sprache ist oft laut und leise. Was die interessanten Formen ausmacht, sind eigentlich genau diese Unterschiede. Wenn jemand nur a-Cappella singt, ergibt das eine schöne Form.

Wie läuft eine Bestellung ab? Was braucht es dafür?

Auf meinen Shop suchst du dir ein Modell sowie die Details aus. Zum Beispiel die Art der Riemen und, ob du ein Armband, oder eine Kette haben möchtest. Dann kommt immer eine Karte hinzu, die das Soundwave und eine Nachricht zeigt. Soll darunter stehen, was du gesagt hast oder möchtest du eine andere Nachricht drucken lassen? Auf der Rückseite befindet sich ein QR-Code. So kann die Nachricht immer wieder angehört werden. Auf der neuen Website gibt es eine direkte Vorschau, wie das Schmuckstück am Ende aussehen wird und, wo sich an welcher Stelle, welche Aussage befindet.  Die Top-Seller der Materialien sind Acryl und Holz. Insgesamt dauert die Herstellung ca. eine Woche. 

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Jetzt gerade bin ich bei dem Rebranding. Außerdem möchte ich gerne die Produktion weiter automatisieren und selbst ein wenig davon wegkommen. Im Moment mach ich noch alles selber. Einerseits ist es gemütlich. Da sitze ich dann vorm Rechner und fädele Ketten auf und kann Hörbücher und Podcast hören, aber es kostet mich auch zu viel Zeit. Ich habe den Plan, die Produktion eher auszulagern. Dafür arbeite ich mit einer Behindertenwerkstätte zusammen, die langsam damit anfangen die Produktion der Ketten, beziehungsweise Materialien zu übernehmen. Dann habe ich auch wieder mehr Luft für neue Projekte. Ich habe auch schon einige Ideen, die ich dann umsetzen kann. Zum Beispiel Edelhölzer zu verwenden.

 

"I love you" - Vorschau einer Soundwave-Kette zum Thema "Digitale Kunst: David Bizer verwandelt Töne in Schmuck"

Keyboard Musiker vor Sonne mit Display zum Artikel Kreatives Youtube Musikvideo erzählt Liebesgeschichte auf 14 Screens

Kreatives Youtube Musikvideo erzählt
Liebesgeschichte auf 14 Screens

Kreative Musikvideos gibt es viele. Mit der Digitalisierung eröffnen sich zusätzlich vollkommen neue Möglichkeiten der Darstellung. Von einem durch künstliche Intelligenz erzeugtem Clip berichteten wir bereits. Doch ein durchchoreographiertes digitales Musikvideo auf verschiedenen Screens gab es so noch nie. „Knock Knock“ heißt der Song der ukrainischen Band Brunettes Shoot Blondes. Das dazugehörige Video erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und einem Hasen. Zugegeben eine etwas ungewöhnliche Story einer Band mit einem ebenso bizarren Namen. Noch überraschender ist allerdings die kreative Darstellungsweise des Videos: Die Liebesstory wird auf 14 verschiedenen Bildschirmen unterschiedlicher Medien erzählt. So versucht der Hase über Smartphone, Tablet und Laptop seine Herzensdame zu erreichen und stößt dabei nicht nur einmal an die Grenzen des Bildschirmrandes.

Die Choreographie einer Liebesgeschichte

Die erste Begegnung findet auf zwei sich gegenüberliegenden Smartphones statt. Auf dem Ersten tritt ein Hase lässig, mit einem Blumenstrauß in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, in den Screen. Im anderen Bildschirm zeigt sich die Dame davon nicht sonderlich beeindruckt und macht sich auf den Weg in den dritten Screen. Dessen Rand fungiert nun als Tür, welche sie hinter sich abschließt. Der Hase versucht sich nicht beirren zu lassen, nimmt den technisch steinigen Weg auf sich und folgt in dem durchchoreografierten Musikstück seinem Glück. Dabei purzelt der Verehrer seiner großen Liebe von Medium zu Medium hinterher. Bei all den Wirrungen und Irrungen sei so viel schon einmal verraten: Es gibt ein süßes Happy End.

Musikvideo Performance mit 14 Screens in Echtzeit

Die große Herausforderung ist es, die Figuren und ihre Gestiken auf die Sekunde genau richtig zu programmieren und zu platzieren. Denn das Video läuft in Echtzeit. Dafür bedarf es einer ganzen Choreographie. Doch es muss nicht nur virtuell geplant werden. Für einen reibungslosen Ablauf ist es ebenfalls wichtig, dass alle Beteiligten das jeweilige Gerät zum richtigen Zeitpunkt und gleichzeitig an der richtigen Stelle platzieren. So beginnt der Clip mit einem Countdown, die Finger verharren bis zum Start auf den Displays.

Kreativer Youtube-Hit und Award-Gewinner

Im Netz wurde Kritik laut, dass es sich bei dem Video eventuell um verschleierte Werbung handelt. Schließlich sind die eingesetzten Medien durchweg Apple Produkte. Offiziell bestätigt ist dieser Zusammenhang allerdings nicht. So oder so handelt es sich um eines der wohl kreativsten Musikvideos – insbesondere hinsichtlich des Einsatzes von Medien. Der Youtube-Clip wurde bereits über 9 Millionen mal aufgerufen, namenhafte Medien wie Billboard, The Daily Mirror, Rolling Stone, The Huffington Post und viele andere berichteten bereits darüber. “Knock Knock” wurde für die innovative Arbeit belohnt und staubte im Jahr 2015 einen Berlin Music Video Award in der Kategorie “Best Concept” ab.

Und nun die ganze Liebesgeschichte mit allen ihren digitalen Brückenschlägen:

Ed Atkins Installation

Old Food von Ed Atkins:
Über Digitalträume & Wirklichkeitsabzocke

Schauen wird in Kapital konvertiert. Youtube vergütet tausend Views mit etwa einem Dollar – im Fernsehen liegt der Wert viel höher. Die Schlingranken des Marketings wuchern via Mail, Tracking, setzen Cookies, streuen Krümel wie Hänsel und Gretel, um dir zu folgen. Atkins’ Ausstellung ist der Köder, dich in den Museumskörper zu locken, mit seinen Sälen, Magen und Verdauungstrakt, deren Wände dich still durchkneten, Laser, die dich wie Zilien forttragen und einfangen – Zitat Ende. 

Mit diesen Worten werden die Besucher der heute begonnenen Ausstellung „Old Food“ von Ed Atkins  im Martin-Gropius-Bau begrüßt. Und tatsächlich: Der Künstler schafft es, den Betrachter mit seiner bildgewaltigen Installation emotional einzufangen, nur um ihm anschließend gerade dadurch wieder ein mumliges Gefühl einzuverleiben.

Ed Atkins und seine spezifische Videoästhetik

Der gebürtige Brite lebt momentan in Berlin und ist mit seinen experimentellen, computergenerierten Filmen, Animationen und Bildwelten ein Star in der jungen Kunstszene. Atkins beschäftigt sich mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien. Bekannt wurde er durch Videoinstallationen mit CGI-Avataren. Diese animierte er mittels Motion-Capture-Technik und versah sie mit der Stimme des Künstlers.

Old Food: Digital einbalsamiertes Gammel-Essen?

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Für den Martin-Gropius-Bau und das Programm Immersion kreierte der Künstler nun seine bisher größte Installation: „Old Food“ . Wer jetzt denkt es gehe dabei um vergammeltes Essen, der irrt. Vielmehr erforscht der Künstler weiterhin die neuen Medien und versetzt den Betrachter in Gemütlsagen zwischen Verträumtheit  und Desillusionierung, Ekel und Nüchternheit. 

Museumsräume erzeugen bizarre Gefühlswelten

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Die Ausstellungsräume umgibt hingegen sehr wohl eine bizarre  Stimmung. Größeren und kleineren Videoinstallationen stehen jeweils zahlreiche Kostüme aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin gegenüber: Von  Don Carlos bis hin zu Aida. Das können die Besucher übrigens vom ersten Augenblick und vom ersten Raum an „riechen“. Viel seltsamer mag es für die Betrachter jedoch sein, auf Bildwelten zu treffen, die zunächst sehr idyllisch anmuten. Da steht ein Klavier inmitten einer grünen Blumenwiese, in einer Berghütte knistert der Kamin vor sich hin und es blicken einen altertümliche Wesen und niedliche Kinderaugen an.

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Doch nun kommt es: Die Figuren weinen, wirken verzweifelt, ihre Haut scheint sich zu verflüssigen. Auf dem Klavier spielt eine Hand, die sich durch diverse Plessuren von der sich im Instrument spiegelenden Natur abhebt. Seine Figuren sind in einer ewig langen Leidensgeschichte gefangen – ohne Anfang, Spannungsbögen und ohne Ende. Zugleich verwirrt die akustische Komponente: Es erklingen Kompositionen von Jörg Frey, die so gar nicht den klassischen Harmonien entsprechen. Die Disharmonien in Dauerschleife tragen ebenfalls dazu bei, dass die scheinbare Idylle aufgehoben wird. Den Besuchern überkommt ein ähnlich unwohles Gefühl wie bei der Betrachtung von verschimmeltem Essen. Nur mit dem Zusatz, dass sie sich ihrer eigenen Rolle in den neuen Medien und einer kommerzialisierten Welt bewusst werden. 

Ed Atkins möchte genau dies mit seiner Installation zeigen. Er erzeugt künstliche Digital-Romantik, um sie im nächsten Moment wieder zu zerstören. Dabei bezieht er sich auf die Hoffnungen, die in die CGI-Technik gelegt werden. Mit ihrer Hilfe sollen unsere Träume „real“ werden. Täuschend echte Figuren wirken dann aber doch wieder deratig aalglatt, dass sie ihre Wirkung selbst aufheben. Der ultimative Burger und die perfekte Bikini-Figur: Mit der Realität haben schmackhaft kreierte Photoshop-Werbebilder oft wenig zutun. Ed Atkins entblößt das Streben nach Perfektionismus, indem er der digital erzeugten Romantik auf bizarre Weise die Romantik nimmt (die sie ja eigentlich nie war).

Die Ausstellung läuft noch bis zum 07. Januar 2018.

Titelbild: @Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Masken-Kunst: "data masks" von Sterling Crispin

Digitale Geister:
Gesichtserkennung als Masken-Kunst

Das Phantom der . . . des Internets! Welches Bild haben Google, Facebook und Co. von ihren Nutzern? Wie sieht der digitale Mensch aus? Zugegeben, wie eine Mischung aus Lavalampe, Meteoroid und Tropfsteinhöhle. Der amerikanische Künstler Sterling Crispin hat im Rahmen seines Projektes “Data Masks”, digitale Gesichter in analoge Gips-Maskierungen verwandelt. Die Grundlage für diese Masken-Kunst bilden Gesichtserkennungs-Algorithmen, deren Analysen vom Menschen selbst, nicht mehr viel erkennen lassen: „Vor den Linsen der Maschinen verwandeln wir uns in digitale Geister“ erklärt der Künstler.

Die Beobachtung des Menschen als digitales Gesicht

Face Detection Masks: Zuck-Blister; Künstler: Sterling Crispin

Gesichtserkennungssoftwares, die mit lernfähigen Algorithmen arbeiten, gibt es seit den 90er Jahren. Seitdem werden diese immer wieder weiterentwickelt und optimiert. Eingesetzt werden die Programme unter anderem von der Privatwirtschaft und Geheimdiensten wie der NSA und der Privatwirtschaft. Dort durchforsten sie Bild-Datenbanken nach bestimmten Merkmalen und prägen sich die Details der menschlichen Gesichter ein. Die Maschinen lernen kontinuierlich dazu und werden immer besser in der Nachahmung des digitalen Ich’s.

Blick in den digitalen Spiegel: Wer oder was sind wir?

Face Recognition Masks: Obama; Künstler: Sterling Crispin

Sterling Crispin ist für seine unkonventionellen Kunstwerke bekannt und arbeitet viel mit digitalen Mitteln. Dabei versucht er stets, abstrakte Konstrukte visuell zu konkretisieren. So auch in “Data Masks”. Mit diesem Projekt möchte er gleichzeitig die Öffentlichkeit für das Thema des “Gläsernen Menschen” (Metapher des Datenschutzes) sensibilisieren: „Ich möchte, dass wir über unsere digitale Darstellung reden. Und das gelingt eher, wenn wir sie sehen und greifen können“. Dem Künster sind digitale Datensammlungen, Gesichtserkennungssoftwares und Kameraüberwachungen sowohl online als auch offline unheimlich. Sein kritischer Blick richtet sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Verwendung von Gesichtserkennungsprogrammen, welche damit konsequent Ziele verfolgen, die nicht unbedingt immer in unserem eigenen Interesse liegen. Deshalb findet Crispin es „wichtig, dass wir ein Bewusstsein für unser Cyper-Ich bekommen. Und dass wir nicht nur irgendein Ding in den Weiten des Netzes sind, sondern Personen“. Eine von Ihnen: Obama, dessen Gesicht ebenfalls in einer digitalen Algorithmus-Maske Ausdruck findet.

Vom Fitness-Algorithmus zur Masken-Kunst

Doch von vorn: Hinter den Masken steckt ein komplizierter Prozess. Mit Hilfe eines frei verfügbaren sogenannten Fitness-Algorithmus durchsuchte Crispin zunächst eine riesige Bild-Datenbank mit menschlichen Gesichtern. Seinen Namen hat dieser Algorithmus, weil er ständig trainiert. Er lernt die menschliche Mimik kennen und vereint dieses Wissen im Anschluss auf einer abstrakten Ebene. Der Fitness-Algorithmus sortiert beispielsweise nicht nach Auge oder Ohr sondern nach Pixeln und Farbverläufen. Sterling Crispin nutzt den Algorithmus in seiner eigenen, speziell für das Projekt entwickelten, Software. So will er der Funktionsweise von Gesichtserkennungs-Algorithmen auf die Schliche kommen. Mit Hilfe seines Programms moduliert der Künstler 3-D Formen, die eine schädelähnliche Form haben. Per Zufall entstehen auf deren Oberfläche diverse Hervorhebungen. Jedes Mal, wenn sich die Schädel verändern, gleicht Crispins selbstentworfenes Programm diese mit den von dem Fitness-Algorithmus vermerkten Daten ab. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis der Algorithmus ein Gesicht erkennt. Mit der Zeit kristallisieren sich die eingangs beschriebenen Tropfsteinhöhlen-Gesichter heraus. Der Prozess vom Fitness-Algorithmus bis hin zu Crispins Programm wird als genetischer Algorithmus umschrieben. Er entspricht jedoch nicht exakt den Algorithmen von Facebook und Co., denn diese sind geheim. Da sich die Bilddatenbanken jedoch ähneln, lässt sich erahnen, welches Bild die digitalen Maschinen von uns Menschen konstruieren. Die finalen 3-D Entwürfe werden im Anschluss in Gips gegossen.

Data Masks in Dresdner Ausstellung “Das Gesicht”

Den digitalen Masken kann aktuell auch in Deutschland begegnet werden. In Dresden werden sie im Rahmen der Sonderausstellung “Das Gesicht” im Deutschen Hygiene-Museum bis Februar 2018 gezeigt. Darin geht es um die Geschichte des menschlichen Antlitzes von den Porträts der alten Künstler bis hin zu medienübergreifenden Kunstwerke und Installationen, die sich mit der digitalen Verfügbarkeit und medialen Präsenz von Gesichtern beschäftigen.

„Die automatische Gesichtserkennung greift um sich – manche kaufen sich Masken, um die Algorithmen zu verwirren. Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden untersucht, was das für unsere Kultur bedeutet.“ Bernd Graff, Süddeutsche Zeitung

DAM Gallery: Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg; Kunstwerk Tank A Tank B

DAM Gallery:
Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg

Mit der Ausstellung “Mirror Finish” startet der New Yorker Künstler Siebren Versteeg morgen in der DAM Gallery sein Berlin Debüt. In den digitalen und internetbasierten Bildschirm- und Leinwandarbeiten setzt er sich mit den Verhältnissen von Mensch, Medien und Technologien auseinander. Dabei arbeitet Versteeg in erster Linie mit Algorithmen und Programmierungen. Unter diesen Rahmenbedingungen basieren viele seiner Werke demnach auf Zufällen. Was passiert, wenn ein Miniaturbild von Donald Trump nicht nur auf programmierte Pinselstriche, sondern auch auf Nacktbilder aus dem Netz trifft? Und welche Wirkung entfaltet diese Kombination auf Leinwand? Ist die Leinwand überhaupt eine Leinwand, oder ist all das nur eine digitale Illusion?

Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror)

Siebren Versteeg; Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror), 2017

Kann Google als ein Spiegel dienen? “Double Vision” besteht aus zwei Bildschirmen mit jeweils einer darüber montierten Kamera. Stellen sich die Besucher davor, wird in bestimmten Abständen ein Foto von ihnen aufgenommen und in die Google Bildsuche in Echtzeit eingegeben. Google Images ist die größte Bildsuchmaschine der Welt. Sie liefert nicht nur Fotografien auf bestimmte Stichworte. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch Bilder mit Bildern suchen. Ist das effektiv? Versteht die Maschine mit ihren Algorithmen unsere Bilder? Versteht sie uns? Zeigt man Google auf dem Foto beispielsweise ein Peace-Zeichen, erscheinen mehr oder weniger erwartbare Ergebnisse, wie Hände, Finger und Beine. Dass die Technik den menschlichen Blick letztendlich dann doch nicht vollends nachahmen kann, beweisen Googles Nacktbilder-Antworten auf eine Frau in einem beigen Trenchcoat. Der Künstler geht noch weiter: Der gleiche Vorgang wiederholt sich auf einem zweiten Bildschirm, nur mit dem Unterschied, dass die Aufnahmen von der russischen Suchmaschine Yandex abgeglichen werden. Und tatsächlich ist es so, dass Google und Yandex, thematisch gesehen, tendenziell unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Zufall und Spiegel der Gesellschaft zugleich

Siebren Versteeg; Split Open and Melt und Rust Sleeping; Algorithmically generated image printed on canvas, epoxy resin; 2017

Das Kunstwerk “Fake News”, zeigt in einem Bildschirm verschiedene neutrale Galerieräume. In sie werden Leinwände hinein projiziert, welche sich wiederum spontan, zufällig und in Echtzeit aus dem Netz sowie programmierten Vorgaben speisen. Es handelt sich um eine Bildsynthese, die individuelle und digital erzeugte Pinselstriche mit Bildschnipseln aus dem Internet kombiniert. Ähnlich gewollt spontane Mischungen ließ der Künstler in der Reihe “Today Series” auf Leinwände drucken. Einigen von ihnen stülpte er sogar erst im Nachhinein digital eine Leinwand-Optik über. So entsteht eine interessante Kombination. Die Bilder wirken in jeder Position des Betrachters neu.

Vom Digitalen ins Reale und zurück: Die DAM Gallery

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der kann noch bis Anfang November die DAM Gallery besuchen und weitere Werke von Siebren Versteeg bestaunen. Auf Basis eines 1998 gegründeten virtuellen Digital Art Museums, rief Wolfgang Lieser in Berlin die Galerie ins Leben  und schuf mit ihr eine Bühne für digitale Kunst und Kultur. Von den Pionieren der digitalen Gestaltung der 60er Jahre, über Netzkunst, bis hin zu aktuellen virtuellen Arbeiten: In regelmäßig stattfindenden Ausstellungen werden die Werke von verschiedenen internationalen Digitalkünstlern präsentiert. Gleichzeitig ist sie ein Ort des Austausches und Dialoges. Fand die digitale Kunst anfangs noch kaum Beachtung, steht sie heute sowohl in der Kunstszene, als auch bei Kunstinteressierten hoch im Kurs.

Wie werden digitale Medien in der Kunstproduktion noch genutzt? Wir werden Euch auch zukünftig von den Schätzen der DAM Gallery berichten.

Wo? DAM Gallery, Berlin; Seydelstr. 30, 10117 Berlin

Wann? 20. September bis 4. November 2017

Öffnungszeiten? Mittwoch – Freitag: 13 – 18 Uhr; Samstag: 12 – 16 Uhr und nach Vereinbarung

 

Titelbild: Künstler Siebren Versteeg: Tank A, Tank B; Fine Art Print, each Edition 5, 2017

Die Ars Electronica besucht Berlin

Jetzt mal unter uns, so von Angesicht zu Angesicht: Was “wenn ich kein Mensch wäre? Sondern ein Roboter, ein Chatbot, oder ein selbstlernender Algorithmus?” Dies fragt uns auch die Ausstellung der Ars Electronica in Berlin. Ars Electronica ist ein internationales Festival für Medienkunst aus Linz. Ausgehend von der digitalen Revolution, ist der Ursprungsgedanke der Veranstalter, die Schnittstellen zwischen Kunst, Technologie und Gesellschaft zu erforschen. Die Veranstaltung erhält jedes Jahr auf’s Neue ein übergeordnetes Thema. In diesem Jahr findet sie vom 11. bis zum 19. September unter dem Motto „Artificial Intelligence – Das Andere Ich” statt.

Einen Vorgeschmack darauf, gibt es nun in der Export-Ausstellung in Berlin. Das Thema hier: “Begegnungen”. Ist es möglich, dass Mensch und Maschine ein gegenseitiges Vertrauen füreinander entwickeln? Inwieweit verschwimmen die Grenzen zwischen menschlicher Natur und Technik? Und welche Auswirkungen haben künstliche Intelligenzen oder robotische Implantate auf den Körper? Die Werke sind nicht immer komplex, haben aber eine umso größere Ausdruckskraft und schaffen vor allem ein Bewusstsein für die Entwicklungen unserer Zeit. NeoAvantgarde hat für euch ein paar Eindrücke festgehalten.

Spieglein, Spieglein an der Pinnwand

Nonfacial Mirror / Shinseungback Kimyonghun (Foto: Ars Electronica / Florian Voggeneder)

Es scheint, als würden die Besucher der Ausstellung von ihrem eigenen Spiegelbild begrüßt werden. Doch sobald man sich dem auf einem Podest befindlichen Standspiegel nähert, wendet sich dieser von einem ab. Der sogenannte “Nonfacial Mirror” meidet Gesichter mittels eines Gesichtserkennungsalgorithmus‘: Er dreht sich, sobald die integrierte Kamera die jeweilige Person erkennt. Nur wenn man sein Gesicht verdeckt, bleibt die Position unverändert. Im Prinzip kann man sich nur sehen, wenn man sich nicht sieht. Doch dann sieht man natürlich: NICHTS. Dementsprechend möchte der Künstler Shinseungback Kimyonghun in Anlehnung an künstliche Intelligenzen unsere Wahrnehmung hinterfragen: “Was ist wahrer: Das, was wir sehen, oder das, was die Maschine für uns sieht”?

Wenn Daten hörbar werden

CLOUD 2017 / Christina Kubisch (Foto: Christina Kubisch)

Kann man Cloud-Daten hören? Ja! Und wie klingt das dann? Nun ja: ganz oldschool wie eine Empfangsstörung im Radio – aber im Sound durchaus variabel. Die Klang-Installation “Cloud 2017” der Künstlerin Christina Kubisch ist ein großes herabhängendes Drahtgeflecht aus 1.500 Metern Kupferkabel. Die ausgesendeten Signale sind durch magnetische Kopfhörer sowie elektromagnetische Wellen wahrnehmbar. Der Klang stammt von elektromagnetischen Aufnahmen aus Rechenzentren, Server-Räumen und Umspannwerken, welche unter anderem in Europa, Kanada und den USA entstanden sind. Je näher der Besucher dem Geflecht dabei kommt, desto stärker und durchgehender werden diese Töne. Demnach können Töne auch gemischt werden. Wer eine kreative Ader hat und beweglich ist, kann sich ja mal als Daten-DJ versuchen.

Tanz durch 3D-Druck-Geflechte

toki- series_#03 / Akinori Goto (Foto: Akinori Goto)

Die “toki- series_#03” verzaubern. In einem tiefschwarzem Raum befinden sich drei rotierende Zeitskulpturen, die mittels 3D-Druck entstanden sind. Es handelt sich um weiße Geflechte, in denen menschliche Silhouetten zu erahnen sind. Verschiedene Lichtstrahlen und Bewegungen eröffnen dabei immer neue Perspektiven. Erst auf den zweiten Blick erkennt man, wie kleine Figuren mittels Licht und Bewegung durch das Skelett tanzen, sich vermehren, um dann wieder zu verschwinden. Der Künstler Akinori Goto hat die zweidimensionalen Bewegungen von Videosequenzen in dreidimensionale Figuren übersetzt. Das japanische Wort Toki steht für „Zeit“ oder „Moment”. Der Künstler macht die Zeit sichtbar.

Mehr als ein Accessoire: Touchpoint Haut

Das Projekt “DuoSkin” hebt Bodyart in neue Sphären. Es handelt sich um einen technologischen Herstellungsprozess, der quasi die Haut digitalisiert. Mit Gold-Metall-Plättchen werden ästhetisch technologisierte Muster produziert, die wie ein Tattoo auf die Haut aufgetragen werden. Diese Art von individueller Körperkunst macht den menschlichen Körper zum Touchpoint: Sie ermöglicht die Steuerung externer Geräte durch Berührung der Haut und damit verbunden das Speichern und Anzeigen von Informationen.

Ist das Kunst?

Body Paint / Exonemo (Foto: Ars Electronica / Martin Hieslmair)

“Body Paint” besteht aus zwei bemalten Screens. Jeder von ihnen zeigt eine nackte und rasierte Person, die in der jeweils gleichen Farbe angestrichen ist. Dadurch verschwimmen die Grenzen: Es wirkt als handele es sich um zwei Kunstwerke auf Leinwand. Doch die porträtierten Figuren bewegen sich, da sich dahinter eben LCD-Bildschirme verbergen. Der Künstler Exonemo möchte die Existenz des Individuums in den Medien hinterfragen und spielt auf unsere permanente aber immaterielle Online-Präsenz an: ”Die Lebensdauer des menschlichen Körpers ist mehr oder weniger bekannt, aber das Fortleben von Daten, Farbe und Kunst ist nicht definiert. Die unterschiedlichen zeitlichen Rahmen für Körperkunst, figurative Malerei und Medienkunst verbinden sich jedoch in diesem Projekt miteinander, da die Arbeit einen gemeinsamen Nenner in der Gegenwart und der Existenz selbst sucht”.

In Berlin ist die kuratierte Export-Ausstellung noch bis zum 26. Oktober 2017 geöffnet. Der Eintritt ist kostenlos.

“Alles hängt von Ihnen ab. Um mitbestimmen zu können, in welche Richtung Sie sich selbst und unsere Welt verändern, brauchen Sie Offenheit und Neugierde. Wissen und Kritikfähigkeit. Mut und Optimismus. All das, was Sie eben zum Menschen macht” – so das Resümee der Kuratoren. Dem können wir uns nur anschließen.

 

Titelbild: @Florian Voggeneder