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Cyborgs – der Mensch und die Maschine

Der Begriff des Cyborgs erinnert zunächst an eine Figur aus einem Fantasiefilm oder einem Online Game. Tatsächlich bezeichnet das Wort ein Wesen, dass sowohl Mensch als auch Maschine ist. Nun macht ein kleiner Chip noch keine Maschine aus. Trotzdem wird der Begriff immer häufiger für Personen gebraucht, die sich Chips oder auch andere kleinere Technik implantieren lassen und so zu einem Teil ihres Körpers machen. Genau genommen sind also auch Personen mit einem Herzschrittmacher Cyborgs. Nur können die mit ihrem implantierten Gerät kein Smartphone entsperren oder eine Tür öffnen.

Schnittstelle zwischen Körper und Technologie

In der Cyborg-Community geht es darum, den eigenen Körper so auszustatten, dass dieser sich mit seiner technologisierten Umwelt verbinden. Momentan sieht das meist so aus, dass ein kleiner implantierter Chip die Aufgabe eines Schlüssels übernimmt. Der etwa reiskorngroße Chip wird in einem kleinen Eingriff mithilfe einer Kanüle zwischen Daumen und Zeigefinger in die Hand implantiert. Der Eingriff wird ohne Betäubung durchgeführt, denn der Chip ist so klein, dass die Platzierung kaum Schmerzen verursacht.

Mit diesem Gadget unter der Haut können die Träger Türen öffnen, Smartphones und Laptops entsperren und diverse Geräte wie etwa Drucker einschalten. Grundsätzlich ist es auch möglich, mit dem Chip seine Kreditkarte zu ersetzen. In Schweden läuft zurzeit ein erstes Versuchsmodell zum bargeldlosen Zahlen mittels eigener Hand. Hier verdrängen Kartenzahlung und das Überweisen von Geld per Smartphone schon seit einiger Zeit das Bargeld. Biohacker, zu denen auch das schwedische Kollektiv BioNyfiken zählt, implantieren zunehmend auch Mitarbeitern großer Unternehmen einen Chip, mit dem sie Zutritt zu ihrem Arbeitsplatz erlangen. Gleichzeitig forschen sie an möglichen Innovationen, die den Chip noch vielseitiger einsetzbar machen.

Neues Einsatzgebiet für NFC

Die Chips funktionieren über Near Field Communication (NFC), also der gleichen Technologie, mit der die meisten Smartphones ausgestattet sind und die auch beim bargeldlosen Bezahlen angewendet wird. Die Übertragung der Daten wird mithilfe von elektrischen Wellen ermöglicht. Das Smartphone oder auch die eigene Hand mit implantiertem Chip müssen für die Übertragung der Daten nur nah genug an das entsprechende Lesegerät gehalten werden. Das gleiche Prinzip ermöglicht auch das Öffnen von Türen und das Entsperren von Geräten. In Zukunft könnte der implantierte Chip überall dort zum Einsatz kommen, wo eine Person einen Schlüssel oder ein Passwort benötigt oder sich ausweisen muss. Beim Einchecken auf dem Flughafen ebenso wie beim Starten eines Autos.

Cyborgs – auch in der Medizin verankert

Etwa 10 000 Menschen weltweit tragen bereits einen Chip unter der Haut. Aktuell handelt es sich dabei jedoch noch mehr um eine technische Spielerei als um einen wirklichen Einschnitt in die Funktionen des menschlichen Körpers. Anders verhält es sich bei Personen, die durch die Verschmelzung von Technologie und Mensch tatsächlich zuvor verlorene Fähigkeiten wiedererlangen. Darunter fallen Fähigkeiten wie zum Beispiel das Vermögen zu Sehen. Dem ersten anerkannten Cyborg gelang genau dies. Der britisch-irische Künstler Neil Harbisson sah von Geburt an seine Umwelt nur in schwarz-weiß-grau Tönen. Mithilfe eines Eyeborgs kann er nun Farben hören. Das Gerät, das über seinen Kopf verläuft und an seinem Schädelknochen angebracht ist, wandelt Farbfrequenzen in hörbare Frequenzen um. Jede Farbnuance aktiviert dabei einen anderen Ton, der über den Schädelknochen übertragen wird. Auf diese Weise hört Harbisson die Farben in seiner Umgebung.

Bei Cyborgs geht es also nicht immer nur darum, eine Funktion hinzuzugewinnen. Ein Cyborg zu sein kann auch bedeuten mithilfe von implantierter Technik fehlende oder verlorene Körperfunktionen zurückzuerlangen. So erhielt der Deutsche Enno Park durch ein Cochlea-Implantat sein Gehör zurück. Park selber lebt in Berlin und hat dort einen Verein für Cyborgs gegründet, mit dem er auf das Thema aufmerksam machen und Cyborgs eine Plattform bieten möchte.

Die Annährung von Mensch und Maschine

Die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, in der Cyborgs ein alltägliches Phänomen sein werden, verläuft zweigleisig. Zum einen forschen Unternehmen und Initiativen an Möglichkeiten, den Menschen mit seinen mobilen Geräten und seiner technischen Umgebung zu verbinden. Zum anderen ermöglicht es die Verschmelzung von Mensch und Maschine, die Medizin zu revolutionieren. Wenn fehlende Sinneswahrnehmungen durch Implantate wiederhergestellt werden können beziehungsweise wieder wahrnehmbar werden, bedeutet das einen enorme Entwicklung in der modernen Medizin.

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Der Mensch als Technologie

Künstliche Intelligenz ist in Form der Google-Suchmaschine bereits heute Teil des alltäglichen Lebens – kaum jemand beschwert sich und der User profitiert von einer optimierten Experience. Googles AI-System RankBrain wird von der Suchmaschine längst zur Bewertung von Webseiten herangezogen, um die Suchergebnisse zu interpretieren und dem Menschen einen Service möglichst nahe an seinen Bedürfnissen zu bieten. Ray Kurzweil, Chefingenieur von Google, geht gleich unzählige Schritte weiter: Er verspricht die Singularität, die Verschmelzung der menschlichen Intelligenz mit der künstlichen Intelligenz. Bereits im Jahr 2030 soll es so weit sein: Die menschliche Biologie soll ein Upgrade erleben.

Kurzweil gilt als Pionier und prominenter Verfechter des Transhumanismus mit einem beeindruckenden Profil: 19 Ehrendoktorwürden, Erfinder des Flachbett-Scanners und Sprach-Synthesizers sowie anerkannter Futurist. In den achtzigern konnte er korrekt den Zusammenbruch der Sowjetunion voraussagen. Heute arbeitet er bei Google entschlossen an der Abschaffung des Todes durch Maschinen und prophezeit, dass schon bald Nanobots, kleine Roboter im Blut, fester Bestandteil des menschlichen Immunsystems im Kampf gegen Viren, Krebszellen oder Bakterien sein werden. Sollte die ewige Jugend des menschlichen Körpers scheitern, so könne in Zukunft zumindest die Identität und Persönlichkeit eines Menschen heruntergeladen und auf Avatare übertragen werden, sodass das menschliche Bewusstsein nicht stirbt.

So beeindruckend die Ideen der Transhumanisten auch sind; die Kritiker lassen nicht auf sich warten. Wissenschaftler wie Stephen Hawking und Hugo de Garis warnen, dass die Umsetzung des Transhumanismus zum Ende der menschlichen Spezies führen wird. Während Transhumanisten die Verschmelzung von Mensch und entwickelter Technologie als logischen Schritt zur nächsten Evolutionsstufe betrachten, werfen die Gegner ihnen eine Ignoranz der ethischen Aspekte vor. Der Wissenschaftler Francis Fukuyama kritisiert, dass der Transhumanismus die menschliche Natur und die menschliche Gleichheit zu verändern versuche und somit die Ideale der liberalen Demokratie kritisch unterminiere. Ohne Zweifel ist die Motivation einiger Transhumanisten, das menschliche Leben zu verlängern und Krankheiten vorzubeugen, nicht verwerflich.

Die Frage lautet nicht, ob dem Menschen geholfen werden soll, sondern welche ethischen Veränderungen sich durch den Einsatz transhumanistischer Methoden einstellen werden und einen langfristigen Effekt auf die Lebensqualität des Menschen haben werden. Der Ursprung der Kontroverse ist zutiefst religiös und befasst sich mit der Frage, woran sich Menschlichkeit definieren lässt. Sind es Werte oder Funktionen? Wenn Wissenschaft und Gesellschaft versuchen, wertfrei zu bleiben, werden sie vermutlich die Funktion des Menschen als maßgebend für ihre Entscheidungen definieren und dabei ganz außer Acht lassen, dass die scheinbare Neutralität trotzdem zu einer Werteverschiebung führt. Kritiker fragen sich, welche Zukunft jene Menschen haben, welche nicht in das transhumanistische Weltbild passen und gegenüber dem optimierten Menschen benachteiligt sind.

Algorithmen – und wie sie uns beeinflussen

Wer sich im Netz bewegt, kommt nicht um Algorithmen herum, auch wenn diese für den Nutzer auf den ersten Blick nicht sichtbar sind. Dennoch werden jede Suchanfrage und jeder angeklickte Beitrag von Algorithmen registriert. Sie sammeln Daten und werten diese aus. Auf Grundlage dieser Informationen personalisieren sie die angezeigten Inhalte wie Werbung, Beiträge und Suchergebnisse. So bestimmt das Verhalten eines Nutzers, was ihm in Zukunft präsentiert wird. Unternehmen, die sich Algorithmen bedienen, betonen in erster Linie die Vorteile eines personalisierten Internets. Im Hinblick auf Datenschutz und Meinungsbildung sind Algorithmen allerdings kritisch zu betrachten.

Was steckt hinter einem Algorithmus?

Bei einem Algorithmus handelt es sich um eine Anwendung, die zur Lösung eines bestimmten Problems eingesetzt wird – ähnlich einer mathematischen Formel. Die Vorgehensweise wird dabei zuvor definiert, sodass die Lösungsfindung immer nach dem gleichen Muster abläuft. Algorithmen sind jedoch keine starren Gebilde. Vielmehr sind sie in der Lage, sich an plötzlich auftretende Umstände oder Veränderungen anzupassen. So werden Algorithmen bei Navigationssystemen eingesetzt, um nach bestimmten Kriterien die richtige Route zu ermitteln und im Falle einer Sperrung eine alternative Route zu berechnen. Beim Schachspielen können sie menschliche Gegner schlagen und auf Online-Dating-Portalen potenzielle Partner vorschlagen.

Big Data macht es möglich

Algorithmen bedienen sich einer schier unendlichen Menge an Nutzungsdaten. Klickt ein User ein bestimmtes Angebot oder einen Werbebanner an, wird dieser Klick durch Algorithmen registriert und die Schaltung zukünftiger Werbung automatisch an die Interessen des Nutzers angepasst. Große Onlineshops nutzen Algorithmen, um das Kaufverhalten ihrer Kunden zu analysieren und diese durch Produktvorschläge zum Kaufen zu animieren. Bei Werbung und Onlineshopping mag dies harmlos erscheinen. Mit seinem Buch „Filter Bubble“ machte Eli Pariser dagegen bereits 2011 auf die Gefahren von Big Data und Algorithmen aufmerksam. Der Internetaktivist weist vor allem auf das kritische Phänomen hin, dass auch Suchanfragen bei Google oder vorgeschlagene Inhalte auf Facebook durch Algorithmen beeinflusst werden. Dies führe über kurz oder lang dazu, dass Menschen nur noch mit Inhalten konfrontiert werden, die ihrer eigenen Meinung entsprechen oder nahekommen. Sie befinden sich also in einer sogenannten „Filterblase“, die den Blick über den Tellerrand erschwert.

Soziale Netzwerke als Gefahrenquellen

Gerade im Hinblick auf die politische Meinungsbildung rückten in den letzten Monaten vermehrt die sozialen Netzwerke in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit. Bezogen auf die Diskriminierung bestimmter Personengruppen, die Einstellung zu einem politischen Kandidaten oder die Wahrnehmung des Meinungsklimas zu einem bestimmten Thema, stellen Algorithmen eine Gefahr dar. Durch die personalisierte Auswahl an Beiträgen und Meinungen wird der Nutzer in seiner bisherigen Ansicht bestärkt. So erhält ein Facebook User nicht alle geteilten Inhalte seiner Freunde in chronologischer Reihenfolge, sondern eine von Facebook zuvor nach Relevanz sortierte Auswahl. Wie genau der Algorithmus funktioniert, dem der Newsfeed bei Facebook unterliegt, ist nicht bekannt. Erste Studien belegen jedoch, dass Facebook durch seine Filterung unter Umständen die Radikalisierung seiner Nutzer begünstigt. Denn wer bereits eine radikale Einstellung vertritt, fühlt sich durch die präsentierten Inhalte, die seiner Meinung entsprechen, noch zusätzlich bestätigt.

Algorithmen müssen kontrolliert werden

Längst ist das Problem von Algorithmen bekannt. Doch von einem politischen Einschreiten kann momentan noch nicht die Rede sein. Trotzdem tut sich etwas: Die deutsche Initiative „AlgorithmWatch“ hat es sich zum Ziel gesetzt, Algorithmen auf ihren Einfluss auf das menschliche Verhalten zu untersuchen. Explizit dann, wenn die Entscheidungsfindungsprozesse von Algorithmen zu ethischen Konflikten führen. Etwa, wenn Frauen aufgrund eines Algorithmus bei ihrer Jobsuche automatisch Stellenangebote angezeigt werden, die tendenziell schlechter bezahlt werden. Solche Algorithmen müssen nicht ursprünglich auf diese Weise programmiert worden sein. Vielmehr „lernt“ ein Algorithmus im Laufe der Zeit aufgrund sich wiederholender Muster dazu, wodurch im Zweifelsfall problematische Auswahlprozesse entstehen können. In diesem Fall gilt es, diese Algorithmen zu korrigieren. Darüber hinaus fordern immer mehr Spezialisten und Medientreibende mehr Kontrolle und Mitbestimmung und fördern damit den Diskurs über mögliche Regulationen.

Transparenz dort, wo sie schützt

Vielfach wird mehr Transparenz gefordert, wenn es um das Sammeln und Speichern von Daten geht. Bei der Programmierung von Algorithmen kann zu viel Transparenz aber auch bedeuten, dass Suchanfragen bis zu einem gewissen Maße manipuliert werden können. Man denke hier an die Suchmaschinenoptimierung bei Google, die nur dadurch möglich gemacht wird, dass Informationen über den Suchmaschinen-Algorithmus bekannt sind. In anderen Bereichen aber, in denen Personen automatisch bewertet werden, sollten die Kriterien, nach denen der Algorithmus arbeitet, einsichtig sein. So etwa bei der Vergabe von Arbeits- und Studienplätzen oder medizinischen Verfahren, beispielsweise zur Erkennung von Tumoren. Für die Zukunft scheinen Initiativen wie „AlgorithmWatch“ deshalb an Relevanz zu gewinnen. Zu überlegen wäre darüber hinaus, ob die stichprobenhafte Überprüfung von Algorithmen ein neues Berufsfeld darstellen könnte. In jedem Fall sollte sich jeder Internetnutzer der Beeinflussung seiner Suchergebnisse und der Personalisierung angezeigter Inhalte bewusst sein. Möglicherweise gilt es dafür, das Thema in den Medien und in Bildungseinrichtungen verstärkt einzubringen.

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The Internet of Things

Der Technologe Kevin Ashton benutzt 1999 als Erster den Begriff „Internet of Things“ (IoT). Folgende Idee verbindet er damit: Ashton geht davon aus, dass die Welt, in der wir leben, unsere Gesellschaft und Ökonomie von Dingen abhängen. Das Internet jedoch sei von uns so gestaltet, dass es nur Informationen und Ideen speichern und verbreiten kann, die wir ihm zuführen. Ein Internet, dass uns wirklich zugutekommen würde, so Ashton, sei hingegen eines, dass selbstständig Informationen sammelt – und zwar über Dinge. Dieses „Internet der Dinge“ könne unseren Alltag revolutionieren, indem es uns hilft, unsere alltäglichen Ressourcen zu überprüfen und zu regulieren, uns über Reparaturen informiert, selbstständig Optimierungen vornimmt und uns Arbeitsschritte abnimmt.

Was ist das Internet of Things?

Das Internet of Things bezeichnet die Vernetzung verschiedener digitaler Anwendungen. Dazu zählen unter anderem Smart Homes und Wearables. Anders als bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Internetnutzern geht es beim Internet of Things vielmehr um die Kommunikation von Geräten untereinander. Eine Folge dieser Entwicklung ist die allmähliche Ersetzung des einfachen Computers durch andere Geräte. Neben Tablets und Smartphones gehören dazu vor allem alltägliche Gegenstände, die auch als Smart Devices bezeichnet werden. Dabei hat jeder Gegenstand eine eigene URL, ist also durch eine Internetadresse abrufbar und kann auf diesem Weg mit anderen Geräten verbunden werden. Ein Beispiel wäre hier ein über eine App gesteuerter Wasserkocher. Das gemeinsame Ziel: Die Anwendungen sollen das Leben noch einfacher gestalten. Je nach Ausrichtung werden dabei Ressourcen, Zeit und Geld gespart.

Schleichende Bekanntheit

Viele Gegenstände, die wir heute bereits nutzen, zählen zum Internet of Things. Dazu gehören smarte Hausgeräte aber auch Wearables wie Sportarmbänder, Fitness Tracker und Smart Watches. Dennoch kommt eine Umfrage zu dem Ergebnis, dass das Internet of Things nur wenigen ein Begriff ist. 88 Prozent der Deutschen können dem Wort derzeit noch keine klare Bedeutung zuordnen. Aber auch wenn sich der Begriff bisher nicht etablieren konnte, gewinnen Smart Homes, die die automatische Steuerung von Heizung und Beleuchtung ermöglichen und auch smarte Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Mikrowellen und Waschmaschinen einschließen können, zunehmend an Bedeutsamkeit. Das Internet of Things ist darüber hinaus aber auch im Logistik- und Gesundheitsbereich längst angekommen, wo es vor allem für Prozesssteuerungen eingesetzt wird.

Eine wichtige Voraussetzung für das Internet of Things sind sogenannte Application Programming Interfaces (API). Diese ermöglichen die Übertragung von Daten zwischen Apps und Geräten. So ist es möglich, dass eine Wetterstation die Informationen zum aktuellen Niederschlag an eine „smarte“ Marquise schickt, die sich daraufhin dem Wetter entsprechend automatisch ein- oder ausfährt.

Leichtes Ziel für Hacker

Neben den vielen Vorteilen zeigen sich jedoch auch erhebliche Risiken. Erst im Oktober dieses Jahres hackten Unbekannte mehrere Internetseiten und legten diese für Stunden lahm – darunter große Anbieter wie Amazon und Netflix. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier, der im November vor der Kommission für Energie und Handel des US-Kongresses sprach, sieht darin noch einen harmlosen Eingriff. Gefährlich könne es jedoch werden, wenn es Hackern möglich wird, mit ihren Angriffen das Leben von Menschen zu bedrohen. Wenn Autos und Flugzeuge am Internet hängen, könne das fatale Folgen haben. Auf viel banalerer Ebene sind auch Szenarien wie ein Hausbrand durch eine sich selbst überhitzende Kaffeemaschine denkbar.

Bei den meisten bisherigen Angriffen handelte es sich um sogenannte Distribiuted-Denial-of-Service-Angriffe, kurz DDos. Bei dieser Art von Angriff werden massenhaft Anfragen an einen Server geschickt, der daraufhin überlastet zusammenbricht. Bei den Geräten, die die Anfragen senden, handelt es sich meist um ebenfalls gehackte Computer oder andere Devices wie IP-Kameras. Diese und andere Geräte, die zum Internet of Things gehören, sind häufig nur unzureichend geschützt. Standard-Nutzernamen und banale Sicherheitslücken erleichtern den Zugriff auf die Geräte und deren Missbrauch. Durch die Vielzahl der verkauften IoT-Geräte steigt dementsprechend das Sicherheitsrisiko. Die Hersteller kümmert dieses Problem bisher kaum. Zu überlegen ist nun, ob die Politik einschreiten und Sicherheit garantieren muss. Vorstellbar ist, dass andernfalls in Zukunft Privatseiten, die nur über eine geringe Serverkapazität verfügen, mithilfe ungeschützter IoT-Geräte massenhaft lahmgelegt werden – eine neue Art der Zensur im Netz.

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Bitcoins, SwissCoins und Co.

Um sogenannte Kryptowährungen ranken sich allerlei Gerüchte. Die meisten Menschen haben noch nie davon gehört, andere halten es für eine Randerscheinung an der illegalen Peripherie des Internets. Doch tatsächlich steckt mehr hinter der digitalen Währung. Nicht nur, dass in Berlin schon 2014 der erste Bitcoin-Automat aufgestellt wurde; es bieten sich für den Normalbürger auch unter dem Gesichtspunkt der informellen Selbstbestimmung und der markttechnischen Spekulation völlig neue Möglichkeiten.

Was ist Kryptogeld?

Unter einer Kryptowährung versteht man digital generiertes und verschlüsseltes „Geld“. Dabei werden zwei Arten unterschieden: Bei der ersten gibt es ein Unternehmen mit alleinigem Emissionsrecht, das die Währung kontrolliert. Es fungiert wie eine Notenbank, reguliert die Geldmenge und bildet die Basisinstanz, auf die sich Anleger beziehungsweise Nutzer verlassen. Die zweite und wesentlich häufigere Art der Kryptowährung hat keine Zentralbank. Währungen dieser Sorte sind dezentral aufgebaut und unterliegen keiner Kontrolle, außer der ihrer Nutzer: Es handelt sich um Peer-to-Peer Netzwerke. Zu diesen gehört auch der Bitcoin, der als erstes Kryptogeld überhaupt gilt und die höchste Marktkapitalisierung hat. Bei dem Modell von Bitcoin wird das Geld beim sogenannten „Mining“ durch die Nutzer generiert. Um einen Bitcoin zu erhalten, errechnen die „Miner“ unter Aufwand von Prozessorleistung Datenblöcke. Anfangs konnte noch jeder Nutzer selbst auf seinem Heim-PC oder mit seiner Grafikkarte „minen“. Mittlerweile sind die Blöcke jedoch so komplex, dass es spezielle Hardwares gibt und sich Leute zusammenschließen, um im Pool, also arbeitsteilig, Bitcoins zu generieren. Darüber hinaus lassen sich Bitcoins auch von Händlern oder an der Börse kaufen.

Welche Vorteile hat die Verwendung von Kryptowährungen?

Die Verwendung solcher dezentralen Währungen hat ähnliche Vorteile wie das Bargeld: Sie ist anonym und kann nur schwer zurückverfolgt werden. Außerdem können durch das Fehlen einer Zentralbank beziehungsweise irgendeiner Bank keine Negativzinsen durchgesetzt werden, wie es etwa bei einem konventionellen Bankkonto möglich ist. Ein Vorteil, den Kryptowährung sogar gegenüber Bargeld hat, ist die Tatsache, dass eine physische Enteignung ebenfalls nahezu unmöglich ist.

Welche Risiken birgt die Benutzung digital generierter Währung?

Die Gefahren, die für den Nutzer von Kryptowährung ausgehen, liegen auf der Hand. Ist die Währung dezentral verwaltet, so gibt es auch keine Instanz, die regulierend eingreifen kann, wenn es zu größeren Schwankungen kommt. So ist auch der Bitcoin keineswegs stabil: 2013 beispielsweise verfünffachte sich sein Wert binnen weniger Monate. Ein weiteres Problem ist die Anfälligkeit für Betrüger. Das System ist für den einzelnen schwer zu durchschauen und für Laien zudem äußerst schwer verständlich und komplex. Da es sich beim Internet nach wie vor um einen mehr oder weniger unkontrollierten Raum handelt, gibt es mittlerweile viele unseriöse Anbieter.

Welche Anbieter und welche Kryptowährungen gibt es?

Neben Bitcoin gibt es noch viele weitere Möglichkeiten, sein Geld in Online-Währungen einzutauschen. Dazu gehört unter anderem Peercoin. Das System basiert – anders als Bitcoin – nicht auf der „Proof-of-Work“- Methode, bei welcher der Nutzer Rechenleistungen nachweisen muss, um Coins zu erhalten, sondern auf der „Proof-of-Stake“- Methode. Bei dieser Methode erhalten Nutzer neue Coins auf Basis ihrer bisherigen Coins. Je mehr Coins ein Nutzer über einen längeren Zeitraum besitzt, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er neue Coins erhält. Ziel von „Peercoins“ ist es, die Umweltbelastung, die es durch den hohen Stromverbrauch, der beim klassischen Mining entsteht, zu vermindern. Ethereum und Litecoin sind die Kryptowährungen, die nach Bitcoin über das größte Marktkapital verfügen. Andere Anbieter sind OneCoin und SwissCoin. Beide unterscheiden sich dadurch von klassischen Kryptowährungen, dass sie zentral gesteuert werden und somit für die Unternehmen, von denen sie herausgegeben werden, kontrollierbar sind. Außerdem sind beide Währungen nicht frei verfügbar, sondern nur auf internen Handelsplattformen zugänglich. Hinzu kommt, dass es sowohl bei OneCoin als auch bei SwissCoin maßgeblich um Vertrieb geht: In einem Pyramidensystem werden Tutorial-Pakete verkauft. Jeder Nutzer soll weitere Kunden gewinnen und erhält dafür Provision.

Welche Zukunft haben Kryptowährung?

Es steht wohl außer Frage, dass Kryptowährung in Zukunft an Bedeutung gewinnen dürfte. Allein die stetig wachsende Relevanz und der zunehmende Umfang des Internets lassen diese Annahme plausibel erscheinen. Auch ist es wahrscheinlich, dass der digitale Zahlungsverkehr, zu dem auch normales Onlinebanking gehört, weiter zunehmen wird. Abseits der etablierten Währungen ist damit zu rechnen, dass der Markt für alternative Bezahlsysteme wachsen wird. Heute ist es noch nicht absehbar, welche Wirtschafts- und Finanzkrisen die Welt in den nächsten Jahrzehnten erleben wird. Allerdings war schon bei der Euro-Krise zu beobachten, dass das Vertrauen in den Staat als den traditionellen Garanten der Wertstabilität schnell schwand und zeitweise sogar Banken geschlossen blieben, um eine Flucht ins Bargeld zu verhindern. Denkbar für die Zukunft ist nun eine Flucht in die Kryptowährungen: Wenn der Marktteilnehmer der Währung misstraut, wird er sich eine neue suchen. In der Vergangenheit wurde in solchen Situationen auf Gold zurückgegriffen, in Zukunft werden es vielleicht Bitcoins sein. Gerade im westlichen Raum, wo immer wieder der Verdacht aufkommt, auf lange Sicht werde das Bargeld abgeschafft, können Kryptowährungen eine Alternative bieten. Offen bleibt, welche Anbieter sich auf dem Markt dauerhaft etablieren können. Solche wie OneCoin und SwissCoin, deren Geschäftsmodell auf einem Schneeballsystem beruht, das für den Erhalt immer weiterwachsen muss, werden es wahrscheinlich schwer haben.

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Die Digitalisierung des Bankensektors

Das digitale Zeitalter macht vor den Banken nicht halt. Zwar sind alle gesellschaftlichen Schichten und wirtschaftliche Branchen längst digital vernetzt, doch auch der Bankensektor selbst wird immer mehr zu einem digitalen Touchpoint – egal ob etablierte Systeme wie das der Sparkasse, welches sich mit der “App Sparkasse” am mobilen Netz beteiligt, oder neuartige Konzepte wie N26, welches mit seiner Usability und User Experience einen USP ohnegleichen in der Fintech-Branche vorweisen kann. Digitale Ökosysteme wie ebay, amazon oder Google zeigen, dass nicht nur Dienstleistungen digitalisiert werden, sondern auch der Handel im virtuellen Raum längst Teil der alltäglichen Lebensrealität ist. Dass auch Banken sich zu einer Institution mit vornehmlich virtuellen Berührungspunkten entwickelt und somit stärker in der digitalen Lebensrealität präsent sein wird, ist nur eine Frage der Zeit. Doch welche Auswirkungen haben diese Vernetzungen auf die Lebenswelt, in welcher sich der Mensch bewegt?

Der Digitalisierung von Diensten geht eine Monetarisierung von Diensten voraus: Das Umfeld, in dem sich der Mensch bewegt, ist somit zunehmend von betriebswirtschaftlichen Abläufen und dem Anliegen der dahinter stehenden Unternehmer geprägt. Die Selbstentfaltung des Individuums findet im Kontext der Selbstverwirklichung anderer statt. Die Lebenswelt wird durch die Digitalisierung mehr denn je systematisiert und gibt dem einzelnen Menschen Selektionsbahnen für sein Handeln vor. Der Mensch ist nicht mehr bloß Mensch, sondern auch User. Geld und Wirtschaft funktionieren dabei wie Medien, über welche sich mehrere Individuen miteinander verständigen. Es bildet eine transzendente Basis für die zwischenmenschliche Interaktion.

Die Bank als sinnstiftender Gestalter von sozialen Systemen

Durch die Digitalisierung bewegen sich die Finanzmärkte in den sozialen Raum des Users. Die App von N26 macht es vor: Eine offene Kommunikation mit der Institution, die transparente Usability sowie die Möglichkeit der Interaktion mit eigenen sozialen Kontakten deuten darauf hin, dass sich Banken nahe an der sozialen Identität ihrer Zielgruppe positionieren möchten. Die App ist zugleich ein Medium, welches die individuelle Identität mit der sozialen Identität zusammenbringen soll. So kann ein Finanzunternehmen langfristig zu einem Teil des Selbstkonzeptes einer Zielgruppe werden.

Voraussichtlich 1,7 Megabytes Daten werden im Jahr 2020 pro Person generiert. Auch Bänker überlegen, wie sie die enormen Datenmengen ihrer Zielgruppe nutzen können und das Geschäftsmodell als digitale Bank überdenken müssen. Eckart Windhagen vom McKinsey-Institut ist verantwortlich für das Thema Advanced Analytics im Banking und sagt:” Big Data und Advanced Analytics zählen zu den aussichtsreichsten Hebeln, die Banken bislang kaum erschlossen haben.” Big Data und die Auswertung der Daten versprechen eine strategische Positionierung und die persönliche Ansprache von Kunden. Es ermöglicht eine passgenaue Ausrichtung der Produkte an die Zielgruppe und eine Komplementierung der Bedürfnisse von Usern. Das Ziel ist dabei immer eine engere Bindung zwischen Kunden und Unternehmen – ein Outcome auf der emotionalen Ebene, welcher nur zustande kommen kann, wenn das Unternehmen Teil des sozialen Systems des Kunden wird. Damit der Marke einer Bank dies gelingen kann, muss sie einerseits als Wertesystem den Kunden emotional ansprechen, andererseits selbst zum sozialen System werden, welches sich der Kunde zu eigen machen kann. Dies gelingt durch eine Multichannel-Präsenz auf den sozialen Netzwerken – oder gar durch ein firmeneigenes Netzwerk, welches die Interaktion der Kunden miteinander ermöglicht. So oder so werden Banken zu einem Influencer für das soziale Handeln, welches ganz im Sinne des Big Data und Advanced Analytics den Kunden dazu ermutigen möchte, sich im Rahmen des Finanzunternehmens zu verwirklichen.

Foto: @John Towner

Die App, die den Hunger stillt

Wie wäre es, wenn man mit einer App den Hunger in der Welt bekämpfen könnte? Sebastian Sticker und Bernhard Kowatsch haben es ausprobiert und mit ihrer App „Share The Meal“ 2014 den Versuch gestartet, die praktische Onlineanwendung für einen guten Zweck einzusetzen. Die Idee: Mit wenigen Klicks auf dem Smartphone einen kleinen Betrag spenden und so einem hungernden Kind zu einer Mahlzeit verhelfen. Und das Konzept geht auf. Heute, nur knapp 2 Jahre später, beläuft sich die Zahl der gespendeten Mahlzeiten bereits auf weit über 8 Millionen. Ein unglaublicher Erfolg und ein Hinweis darauf, dass die Spendenkultur einen Wandel durchläuft.

Hunger ist real – aber das Problem ist lösbar

Weltweit leiden 795 Millionen Menschen an Hunger – das ist etwa jeder neunte Mensch. Dabei braucht es nur rund 40 Cent pro Tag, um ein hungerndes Kind zu ernähren. Der Großteil der Spender, die regelmäßig eine Hilfsorganisation unterstützen, sind Personen über 40 Jahre. Junge Leute investieren wesentlich seltener in den guten Zweck. Zu aufwendig und teuer scheint ein Spenden-Abo oder das Ausfüllen eines Spendenbelegs. Die Digital Natives erreicht man nicht mit Spendenaufrufen, die mit der Post ins Haus kommen. Sie leben in einer mobilen Welt, kommunizieren und agieren online und tragen ihr Smartphone stets bei sich.

Sebastian Sticker und Bernhart Kowatsch haben das erkannt und eine App entwickelt, mit der die Nutzer in wenigen Schritten eine kleine Spende von 40 Cent tätigen können.  Runterladen, registrieren, spenden – und schon bekommt ein hungerndes Kind eine Mahlzeit. Überwiesen wird ganz einfach per Kreditkarte oder PayPal. Statt also nur durch einen Like bei Facebook zu zeigen, dass einem ein Hilfsprogramm gefällt oder man der Meinung ist, dass eine Organisation unterstützt werden sollte, bietet Share The Meal seinen Nutzern die Möglichkeit, tatsächlich aktiv zu werden. Die Verknüpfung mit Facebook ist trotzdem möglich. So können Nutzer über ihre sozialen Netzwerke Freunde dazu einladen, ebenfalls zu spenden. Und wenn man bedenkt, dass es 20 Mal mehr Smartphone-User als hungernde Kinder gibt, dann zeigt sich schnell, welches Potential an helfenden Menschen über die App erreicht werden könnte.

Über alle Grenzen hinaus

Inzwischen ist die App weltweit verfügbar, ermöglicht die Anzeige in neun Sprachen und Spenden in 27 verschiedenen Währungen. Mit 30 Prozent stellen die Deutschen momentan noch den größten Anteil der Nutzer dar. Aber die App gewinnt international zunehmend an Aufmerksamkeit und wird stetig ausgebaut. Zu den neuesten Überarbeitungen gehört beispielsweise ein Newsfeed, der den Nutzer über den Einsatz seiner Spende informiert. Durch persönliche Stories, Bilder und Geotags kann der Nutzer mitverfolgen, was seine Spende bewirkt. Denkbar ist in Zukunft auch die Einbindung von Virtual Reality-Material, das es ermöglichen wird, dem Spender einen Einblick in das Leben der Menschen zu geben, für deren Versorgung er spendet. Inzwischen informiert Share The Meal auch über Facebook, Twitter und Instagram über Neuigkeiten. Der Nutzer soll sich verbunden fühlen und einbezogen werden.

Wissen, dass es ankommt

Share The Meal ist eine Initiative des UN World Food Programme (WFP). Die Organisation erreicht jährlich 80 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe und ist damit die größte humanitäre Einrichtung, die sich gegen den Hunger engagiert. Finanziert wird die Arbeit der WFP ausschließlich durch Spenden. Nach Abzug der Verwaltungskosten werden 90 Prozent der gespendeten Gelder für die Versorgung von Hungernden mit Lebensmitteln eingesetzt. Share The Meal hat es sich als Teil der WFP zum aktuellen Ziel gesetzt, 58 000 Schulkinder in Zomba für ein Jahr mit Essen zu versorgen. Die Kinder, die zwischen sechs und 13 Jahre alt sind, werden in ihrer Schule mit einem besonders nahrhaften Essen versorgt. Damit wird zum einen erreicht, dass die Schüler nicht mit knurrendem Magen am Unterricht teilnehmen müssen, zum anderen, dass mehr Kinder tatsächlich die Möglichkeit von Schulbildung wahrnehmen.

Darf helfen so einfach sein?

Mit dem zunehmenden Erfolg der App werden auch die ersten Stimmen der Kritik laut. Zu simpel sei das Prinzip. Eben beim Mittagessen 40 Cent gespendet und schon ist das Gewissen beruhigt. Anstatt das Geld in Nahrungsmittel zu investieren, sollte es eher in Forschungsprogramme fließen, die Möglichkeiten untersuchen, beispielsweise Getreide hitzebeständiger zu machen, sodass es auch in sehr trockenen, heißen Gegenden wachsen kann. Damit wäre der Welt auf lange Sicht mehr geholfen. Oder die allgemeinere Problematik, dass Spenden und Hilfen von außen letztlich nur dazu führen, dass Regierung und Bevölkerung die Verantwortung abgeben.

Und trotzdem: Wer Geld spendet, um einem Kind eine Mahlzeit zu schenken, der sollte dafür keine Kritik einstecken müssen. Auch eine kleine Spende ist eine Spende und in jedem Fall besser als keine. Und feststeht, dass Share The Meal eine ganz neue Zielgruppe zum Spenden animiert, was allein schon ein Erfolg ist.

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Digitale Weltbilder: Warum wir heute sehen müssen, bevor wir glauben können

Der Mensch denkt heute mit den Augen und versucht sich in einer Medienlandschaft voller Symbole zurechtzufinden, in welcher die Grenzen zwischen Alltag, Kunst, Kultur, Religion, Marketing und Aufklärung verschwimmen. Was der User nicht sieht, das existiert für ihn auch nicht. Die Baylor Universität in Texas fand in einer Studie heraus, dass junge Social Media-Nutzer sich und ihren Glauben auf Plattformen wie Facebook oder Instagram vor allem über eine Vielzahl von Optionen definieren. Nicht länger steht ein Regelwerk, eine Ideologie im Zentrum, welches alles Handeln bestimmt.

Der User folgt inspirierenden Impulsen: Ein schönes Bild, ein netter Spruch und viel Zustimmung von der Community, bestenfalls der Peer-Group, machen einen Post für den User relevant. Wenn ihm gefällt, was er sieht, dann liked er den Inhalt und gibt der Welt indirekt zu verstehen, dass dies seiner Persönlichkeit entspricht. So wird jeder neuer gelikter Inhalt auch zu einem Stück Identität derer, welche mit ihm interagieren. Love Brands spielen geradezu mit dem emotionalen Selbstverständnis der Zielgruppe und zielen auf eine Bestätigung des Selbstbewusstseins einer Generation, welche nach Orientierung sucht.

Die Vergangenheit zählt nicht, der User scrollt im Heute

Seit Anfang des neuen Jahrtausends ist für die Generation Y scheinbar nichts mehr für die Ewigkeit. Während die Gestalter von heute in den 1990er Jahren wohlbehütet in einer Überflussgesellschaft aufgewachsen sind, ist mit dem neuen Jahrtausend ein Welle der regelmäßigen Krisen auf das Bewusstsein und das Weltbild der Gesellschaft geschwappt. Ob 9/11, Finanzkrise, Fukushima oder Flüchtlinge: Die jungen Erwachsenen von heute haben mit einer aus den Fugen geratenen Welt bereits ihre erste Fundamentalkrise überwunden. Das Regelwerk ihrer Eltern verspricht ihnen keine Sicherheit mehr. Stattdessen haben sie gelernt, zu beobachten und sich ihre eigene Existenz zusammenzubasteln. Biografiebastler werden sie genannt, welche einen auf Individualisierung zugespitzten, globalen Lebensstil pflegen.

Eine neue Sinus-Studie gibt Einblick in den psychografischen Wandel der Jugendlichen von heute, der Generation nach Y, und betitelt sie als “Generation Mainstream”. Religiöse Institutionen und Ideologien verlieren für sie an Relevanz. Stattdessen zählt vor allem die eigene Geschichte, eine unaufgeregte Normalbiografie mit konservativen Werten, die trotz aller Unsicherheiten Stabilität versprechen und in einem sozialen Miteinander gelebt werden. Darin erklärt sich die Kraft des Social Media: Der Mensch kann selbstbestimmt und erzählend seine eigene Person, seinen Freundeskreis und seine Biografie über Likes, Shares und Kommentare zusammenbasteln.

Selbstfindung durch soziale Interaktion im Netz

Ganz im Sinne der Existenzbastler ergab die Studie der Baylor Universität, dass Nutzer sozialer Medien zu 50 bis 80 Prozent offener für andere Glaubensrichtungen und Weltbilder seien und stärker zu Patchwork-Religionen tendieren. Vor dem Web 2.0 gab es für den einzelnen User ungleich weniger Möglichkeiten, sich in einem digital-soziologischen Umfeld selbst zu finden, darzustellen und durch Interaktion mit anderen Usern inspirieren zu lassen. Heute ist der Mensch nicht mehr auf seine Vorstellungskraft angewiesen, um über seinen sozialen, kulturellen oder emotionalen Tellerrand hinauszuschauen. Seine Welt wird von Medien definiert. Und da der User im Social Media nicht nur Consumer ist, sondern auch selbst Content produziert, liegt sein Leben im digitalen Raum in seiner Hand. Zumindest kann er bestimmen, was andere von ihm wahrnehmen. Schließlich ist es für die Generation Mainstream vor allem das Sichtbare im Leben der Mitmenschen, welches ihnen eine greifbare und glaubwürdige Orientierung gibt. Wenn Ideen und Werte im Feed der Freunde keine Erwähnung finden, scheinen sie auch nicht relevant zu sein.

So ist der Mensch also nicht bloß Mensch, sondern zunehmend User, dessen digitale Identität sich in einer Wechselbeziehung mit seiner Offline-Identität befindet. Denn was digital geschieht ist für den Menschen inzwischen genauso real und relevant, wenn nicht sogar prägender, wie die Erfahrungen im physischen Raum.

Foto @NASA unsplash

Die Zukunft hat zwei Räder

Fahrradfahren bedeutet Mobilität, Spaß und Ausgleich – und ist damit weit mehr als eine bloße Möglichkeit, um von A nach B zu gelangen. Wer aufs Fahrrad steigt, zeigt einen aktiven und modernen Lifestyle aus. In unseren ständig verstopften Großstädten, in denen jeder Parkplatz ein Glücksgriff und der Feierabendverkehr einem täglich kostbare Zeit raubt, greifen deshalb immer mehr Menschen zur Zwei-Rad-Version. Morgens vor der Arbeit weckt die Bewegung die Lebensgeister, nach der Arbeit bietet Fahrradfahren die perfekte Möglichkeit, um abzuschalten, den Kopf freizubekommen und sich nach dem vielen Sitzen im Büro noch einmal zu bewegen. Aber auch in der Freizeit ist Fahrradfahren eine wunderbare Alternative zum Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Smart unterwegs – mit mobilen Apps

Vor allem beim Fahrradfahren in der Stadt sind mobile Apps von Vorteil und vereinfachen die Orientierung enorm. Die meisten sind mit einer Vielzahl möglicher Einstellungen ausgestattet. So können neben einem optimalen Weg auch die individuelle Fahrgeschwindigkeit mit einbezogen oder Vorlieben zu Straßentypen angegeben werden. Auch längere Fahrradtouren lassen sich mit einer App problemlos planen.

Einige Apps – darunter Naviki und Bike Citizens – sind inzwischen so optimiert, dass sie die zurückgelegten Wege registrieren und so eine Heatmap über stark frequentierte Strecken erstellen können. Diese sind wiederrum für Städte und Kommunen von Nutzen, um die Infrastruktur für Radfahrer zu optimieren. Etwa indem fehlende Radwege auf viel befahrenden Strecken erkannt und in anstehenden Planungen für Radwege berücksichtigt werden. Und die Routenplaner haben noch einen weiteren Vorteil: Anders als in anderen europäischen Städten, wie etwa in Kopenhagen, wird der Radverkehr in deutschen Städten bisher kaum registriert. App-Nutzer, die einer Aufzeichnung ihrer Daten zustimmen, bieten hier einen ersten Anhaltspunkt. So sorgt man beim Fahrradfahren darüber hinaus auch für die Verbesserung der Infrastruktur.

Ein Thema, das mobilisiert

Längst schon schlägt der zunehmende Fahrradtrend große Wellen. Die Zeiten, in denen bei Berliner Critical Mass-Veranstaltung nur knapp 100 Leute teilnahmen, sind lange vorbei. Seit 2014 stiegen die Teilnehmerzahlen stetig an. An der letzten Berliner Veranstaltung im August nahmen über 2500 Fahrradfahrer teil. Und auch in anderen deutschen Städten werden regelmäßige Treffen organisiert, mit denen die Teilnehmer auf mehr Rücksichtnahme und die Präsenz von Fahrradfahrern im Straßenverkehr aufmerksam machen wollen.

Aber nicht nur Veranstaltungen wie die Critical Mass zeigen, dass Fahrradfahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Ende September dieses Jahres veranstaltete der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) eine Veranstaltung unter dem Motto „Mobilität 4.0“, zu der sich Vertreter aus Politik, Fahrradbranche und verschiedenen Start-Ups trafen, um über die Zukunft des vernetzten Radfahrens zu diskutieren. Die Bewegung hin zum Fahrrad und weg vom Auto soll zukünftig auch auf politischer Ebene mehr Unterstützung erfahren und junge Start-Ups feilen schon jetzt an innovativen Ideen, die das Fahrradfahren noch komfortabler und reizvoller machen sollen.

Das Angebot wächst

Ein großer Schritt zu mehr Mobilität in der Stadt sind auch die vielerorts installierten Fahrradstationen, an denen Touristen und Bewohner Fahrräder ausleihen können. Immer mehr im Kommen sind zudem E-Bikes oder auch Penelecs. Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) wurden allein in Deutschland im vergangenen Jahr über eine halbe Million E-Bikes verkauft – und die Tendenz ist steigend. Durch die unterstützende Leistung eines kleinen Motors erleichtern diese Fahrräder das Vorankommen zusätzlich. Da kommen auch Bewegungsmuffel auf ihre Kosten.

Rauf auf’s Rad!

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt: Die Zukunft gehört den Fahrrädern. Und dank smarter Apps findet sich jeder nun auch ohne Auto-Navi problemlos in allen Städten zurecht.

Morgen dann also mit dem Fahrrad zur Arbeit?

Foto: @pixabay

Ein kurzer Blick auf: Virtuelle Realitäten

Vorsätze wurden gefasst, Pläne sind geschmiedet und langsam aber sicher kommen wir im Jahr 2016 an. Der perfekte Zeitpunkt, einmal wieder die Glaskugel auszupacken und einen Blick in die uns bevorstehende technische Zukunft zu werfen. Dieses Mal: Virtuelle Realität(en).

Virtual reality..

Was vor vier Jahren mit dem ersten Vorläufer von Oculus Rift begann, ist zum neusten Hype der Technikszene geworden. Ein head mounted display, das den Träger komplett in eine andere, virtuelle Welt entführt. So besucht man täuschend echte Unterwasserwelten oder darf in schwindelerregender Höhe über ein Seil balancieren – das Zusammenzucken, wenn man von einem Hai angegriffen wird und der Schweißausbruch wegen der Höhenangst inklusive. Die erste Umsetzung einer solchen “betretbaren” Realität schlug in der Technikwelt große Wellen. Angestachelt von den zu verzeichnenden Erfolgen des Start-Ups Oculus, zogen nach und nach auch Marktführer im Bereich der VR nach. Morpheus bei Sony, Vive von HTC oder HoloLens bei Microsoft – immer mehr namhafte Hersteller investieren in die neue Technologie. Virtuelle Realitäten sollen massentauglich gemacht werden und schon in naher Zukunft ihren Einsatz in den unterschiedlichsten Feldern unserer Gesellschaft finden.

.. und wie wir sie nutzen können.

Doch in welchen Bereichen kann man sich virtual reality überhaupt vorstellen? Der offensichtlichste Einsatz der neuen Technologie liegt mit der Gaming Szene schon fast auf der Hand – nicht umsonst entsprang die erste VR Brille einem Start Up aus dieser Branche. Auch im Medienbereich entsteht ein reges Interesse in Bezug auf virtuelle Realitäten. Erst kürzlich entschied sich die ProSieben Sat1 Media AG und der Springerverlag dazu, in das Start-Up Jaunt VR zu investieren. Eine Firma, die sich auf die Erstellung und Verbreitung von Virtual-Reality-Inhalten spezialisiert hat. Denn besonders das Medium Fernsehen könnte auf diese Weise revolutioniert werden. Aber nicht nur die Entertainment Branche wird gehörig aufgewirbelt. Auch ein entsprechender Einsatz in der Arbeitswelt wäre durchaus denkbar. Hier können beispielsweise Alarm oder Krisenszenarien vor allem im technischen Bereich nachgestellt werden. In einem geschützten Umfeld können Mitarbeiter auf diese Weise dann den Ernstfall proben oder die Bedienung bestimmter Instrumente üben. So können auch in der medizinischen Ausbildung Operationssituationen simuliert, aus komplett neuer Perspektive gezeigt und somit besser erlernt werden. Bereits jetzt wird die virtuelle Realität in der Medizin gezielt eingesetzt und ist vor allem im Bereich der Psychologie eine große Hilfe. Durch das Hineinversetzen in verschiedene Szenarien kann mit dem Patienten sehr konkret an Ängsten und Phobien gearbeitet werden. Erste Erfolge lassen sich auch im Bereich der Schmerztherapie verzeichnen, bei der Patienten durch besonders eindrucksvolle Bilder so gut wie möglich von ihrem Leiden abgelenkt werden.

Die Möglichkeiten, virtuelle Realität einzusetzen, sind schier unerschöpflich und sie werden den Technologie Sektor der kommenden Jahre mit Sicherheit enorm prägen. Zwar lässt sie sich für den kleinen Mann aktuell noch nicht entsprechend umsetzen und aufbereiten – hierfür ist das Konzept zu kompliziert, arbeitsaufwendig und damit zu teuer – aber die ersten Weichen sind gestellt.

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