Tag: Technologie

Die Fête de la Musique 2017 im Überblick:
digital und mit unseren Tipps für Berlin

Ob piano oder forte, ob Rock oder Pop, ob Solist oder Band, ob drinnen oder draußen, ob Profi oder Hobby-Musiker – bei der Fête de la Musique ist für jeden Geschmack etwas dabei! Alle Jahre wieder feiern Menschen weltweit, zum Sommeranfang am 21.06., das Fest der Musik, the Worldwide Music Day. In den Straßen der insgesamt 540 teilnehmenden Städte, davon 300 in Europa und 47 in Deutschland, finden sich Musikliebhaber zusammen und lassen sich von Klängen unterschiedlichster Natur treiben – den ganzen Tag, zum Nulltarif.

Auch Berlin zelebriert die Liebe zur Musik auf über 100 Bühnen in unterschiedlichen Spots, in allen 12 Bezirken der Stadt. In diesem Jahr sprechen die Veranstalter von einer Rekord-Beteiligung. So sind am Mittwoch über 25 neue Locations mit dabei. Da kann man schon einmal die Übersicht verlieren. Die kostenlose App FETEberlin (erhältlich für iOS und Android) versucht dem entgegenzuwirken. Wir haben sie getestet, verraten Euch, ob sich ein Download zur optimalen Vorbereitung auf Mittwoch lohnt und geben Euch alle weiteren Infos in die Hand, um den Tag musikalisch auskosten zu können.

App FETEberlin

Die App macht Angaben zur Geschichte des musikalischen Festes und klärt über die Regeln zur Straßenmusik auf: Wer darf wann, wie und was musizieren. Die integrierte FdM-Berlin Map verschafft dem Nutzer zunächst einmal einen Überblick über alle Bühnen sowie das jeweilige Programm vor Ort. Wird eine der Locations ausgewählt, so erhält man die wichtigsten Informationen: die Agenda, inklusive Uhrzeiten, Künstler sowie Angaben zum Gerne. Wer lieber direkt nach Bezirk, Bandname, Bühne, Stilrichtung (z.B. Hip Hop, Rock, Raggae, Indie) und/oder Eventart (z.B. Open Air, Indoor, Fête de la Nuit) filtern möchte, kann dies in einer gesonderten Suchmaske ebenfalls tun.

Die YouTube-Playlist FETE-Künstler 2017, auf welche die App verweist, ist gespickt mit den Musikvideos teilnehmender Künstler – so kann man sich bereits im Vorfeld erkundigen, welche Acts interessant und einen Besuch wert sind.

Mithilfe der App können sich die Nutzer einen guten Überblick über die musikalischen Highlights und die benötigten Informationen verschaffen – insbesondere für Kurzentschlossene eine schnelle und effektive Möglichkeit, sich musikalisch durch den Tag zu manövrieren. So findet jeder für seinen individuellen Musikgeschmack die richtigen Locations. Bedenken sollte man jedoch, wie bei allen Veranstaltungen dieser Größenordnung auch, dass in den Ballungszentren die benötigte Internetverbindung schwächeln kann.

Unsere Tipps für Eure Fête de la Musique 2017

Für den ersten Überblick geben wir euch schon einmal einige Tipps für die Fête de la Musique in Berlin mit. Bisher meint es der Wetterbericht gut mit uns, sodass sich die letzten Sonnenstrahlen beispielsweise gut im Birgit & Bier genießen lassen: Auf zwei Open Air Floors wird unter Beweis gestellt, dass auch an ein und demselben Standort unterschiedliche Geschmäcker auf ihre Kosten kommen können. So treten hier die Künstler The Blue Ones (Blues), Rosie and the Amateurs of Speed (Folk), B6BBO (Power Polka), SwingSchlampen (Swing), RasgaRasga (Gipsy, Balkan) sowie Mike Book, DirrtyDishes, Daniel Jaeger und Mr. Schug (Dance, Electro) auf.

Auch auf dem RAW-Gelände im “Badehaus x Cassiopeia Openair” gibt es einen bunten Musik-Mix: Von HipHop, Soul und Funk über Pop, Indie, Alternative oder Garage ist alles dabei.

Der Mauerpark ist jedes mal aufs neue Highlight der Fête de la Musique in Berlin. Im Programm der Red Bull Music Academy stehen Auftritte von Cuthead, Alis, Jameszoo, Dorian Concept, Thundercat und Flying Lotus. In der Vergangenheit besuchten die Mauerpark-Bühne ca. 15.000 Besucher. Leider bleibt uns dabei aber auch eine schlechte Nachricht nicht erspart: Kurz nach der Fête de la Musique beginnen im Mauerpark zwei Jahre andauernde Bauarbeiten. In diesem Zeitraum ist der Park zwar zugänglich, Veranstaltungen dieser Art können dort jedoch nicht mehr stattfinden. Ein Argument mehr, die Location auf dem Plan zu haben – so als Abschied.

Auch leise Töne

Fête de la Musique = laute Party-Sounds? Nicht nur! Schließlich lebt das Fest von seiner musikalischen Vielfalt! So kommen auch die leisen Töne nicht zu kurz. Wer möchte, kann sich zum Beispiel beim Event “Yoga meets Music at BeachMitte”, passend zum gleichzeitig stattfindenden internationalen Yoga-Tag, entspannen. Meditieren statt tanzen – auch das ist möglich.

Wer es lieber klassisch mag, sollte den Tag im Nikolaiviertel verbringen – hier spielen hauptsächlich traditionell klassische Musiker. Auch der Berliner Dom ist mit zahlreichen Chören ein geeigneter Anlaufpunkt – von Barock bis Filmmusik ist hier alles vertreten.

Bis die Wolken wieder lila sind

Um 22 Uhr muss das musikalische Erlebnis noch lange nicht vorbei sein. Beim sich anschließenden Fête de la Nuit kann bis in die Nacht hinein getanzt und musiziert werden. Insgesamt setzen 25 Standorte ihr Programm indoor fort, darunter: Gretchen, Yaam, Kesselhaus-French Night, Tresor Club, Ritter Butzke, Hafenbar Tegel, Mein Haus am See, Musik & Frieden sowie der Void Club Berlin.

 

Die Fête de la Musique Berlin – am Mittwoch, den 21.06.2017
Wetterprognose: sonnig, 25 Grad

– Musik in unseren Ohren!

 

Bild: @Fete berlin,  Fotograf: Dirk Mathesius

Post-Internet Show: eine (digitale) Spielwiese

Die  digitale Welt – für die meisten von uns gelebter Alltag. Dieser manifestiert sich auch im künstlerischen Bereich: Kreative bedienen sich digitaler Möglichkeiten, neuer Software, der Fotografie, des Filmes, sie erschaffen, verfeinern und verbreiten ihre Werke digital. Vor allem aber schöpfen sie aus dem unendlichen Fundus des Internets. Unabhängig davon, ob diese Online-Materialien nun bereits Kunst sind oder nicht, kreieren sie daraus etwas ganz Eigenes, eine neue Art der Kunst. Die Szene fasst diese Tendenz unter Begriffen wie “Post-Internet”, “New Aesthetic “ oder “Net-Art” zusammen. Eine “Nach-Netz-Nutzung” ist darunter jedoch nicht zu verstehen, viele Kunstliebhaber sehen in der Bezeichnung vielmehr eine Haltung.

Im Prinzip sind wir alle, Tag für Tag, digitale Bastler. Die Post-Internet-Art sollte und ist keiner Kunst-Elite vorbehalten, denn sie spielt sich im Online-Alltag ab.

Doch interessanter als eine Begriffsanalyse ist es, künstlerisch zu erkunden, was genau wir mit dem Internet machen und, im Gegensatz dazu, das Netz mit uns. Das dachten sich auch die Initiatoren der Ausstellung Post-Internet Show, welche diese Woche stattfand. 20 Studenten der Universität der Künste präsentierten während ihres Studiums entstandene Werke, die sich kreativ mit Digitalität und Realität sowie ihren Zusammenhängen auseinandersetzen. Die Ausstellung hat sich ausdrücklich nicht zum Ziel gesetzt, den Begriff Post-Internet akademisch zu analysieren, sondern verschiedene Sichtweisen auf unseren digitalen Alltag darzustellen. Dafür startete die Galerie designtransfer der UdK einen Open Call an alle Studierenden – fachbereichsübergreifend und ohne genauere Vorgaben oder Limitierungen: “Keine Definition des Begriffs vorzugeben lässt Raum für verschiedene Interpretationen, Haltungen, Formen und Disziplinen ohne auf eine bestimmte Ästhetik, ein spezifisches Medium, eine einheitliche Aussage oder allgemeine Bedeutung zu beschränken”, so die Veranstalter.

Wir waren vor Ort, sind in die Spielwiese Internet-Post-Show eingetaucht und waren überrascht, wie unterschiedlich, vielfältig und interessant die Perspektiven der Künstler ausfallen. Diese möchten wir Euch nicht vorenthalten und geben einen kleinen Einblick in ausgewählte Werke:

#WE_Selected – Inia Steinbach

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Inia Steinbach – „#WE_Selected“

Die Künstlerin Inia Steinbach verdeutlicht wie real unser virtuelles Ich letztlich ist. Als Social Media Nutzer teilen wir täglich mehr oder weniger Informationen über unser Leben und unsere Person. Dazu gehören vor allem Bilder: Wir machen Selfies, fotografieren uns beim Joggen, beim Mittagessen, mit unserem Partner, im Schwimmbad, auf der Uni-Party oder beim Feierabendbierchen. Und auch die Bilder der Beiträge, die wir teilen, stehen mit uns in Verbindung. Inia Steinbach hat eine Jacke entworfen, ummantelt von Instagram-Bildern einer Person – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit ruft sie dem Betrachter ins Bewusstsein, was er tagtäglich von sich preisgibt und wie öffentlich das virtuelle Profil ist. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. In der Projektbeschreibung heißt es:

“Mithilfe dieser Jacke steht einem nun nicht mehr bloß eine anonyme Person gegenüber, die gewohntermaßen kategorisiert und nach ihrem Aussehen, ihrem Akzent oder der Art ihrer Kleidung beurteilt werden kann. Vielmehr kommt es zu einer direkten Konfrontation zwischen dem, wie eine Person von außen wahrgenommen wird und dem, wie eine Person sich selbst aussucht, wahrgenommen zu werden. Die Jacke ist daher zweierlei zugleich: Aushängeschild und Rüstung, Eigenvermarktung und Schutzschild.”

LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017 – Astarte Posch

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Astarte Posch – „LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017“

Selfies – sie dominieren die Fotogalerien unserer Handys. Durch sie versuchen wir, uns von unserer Schokoladenseite zu zeigen. Die Lieblingsposition, der Lieblingswinkel: ein Sammelsurium von Selbstporträts, die am Ende doch irgendwie immer das Gleiche darstellen? Ist die Schnittmenge dieser idealen Kleinteile des eigenen Ichs am Ende eine entfremdete Bildhülle? Diese Frage stellte sich die Künstlerin des Werkes “Layers of myself” und legte all ihre Selfies, die sie in den Jahren 2012 – 2017 angefertigt hatte übereinander. Die Überlagerung ist offensichtlich und doch wirkt das “Bild der Bilder” kompakt, so als wäre es EIN Bild, lediglich etwas verwackelt.  “Das bin ich, anscheinend”, resümiert die Studentin.

POLYLOGUE – Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros – „POLYLOGUE“

„Polylogue“ ist eine interaktive Installation, bestehend aus zwei schwarzen durchsichtigen Boxen zwischen denen sich der Streifen einer Papierrolle in eine Richtung bewegt. Auf diese werden dann kontinuierlich Nachrichten von den Endgeräten der Besucher gedruckt, die sich mit dem entsprechenden Wi-Fi verbinden. Es öffnet sich online eine Seite, auf derer die Botschaften eingegeben werden können. Je mehr Menschen dies nutzen, desto dichter wird der Text. Es kann auch zu Überlagerungen kommen. Je mehr Gesprächsstoff, desto schnelllebiger ist also die einzelne Message. Die zweite Box spuckt am Ende den Papierstreifen recycelt aus. Das Projekt-Team sieht in „Polylogue“ “die Antithese zum ‚ewigen Gedächtnis‘ des Internets, da die Nachrichten und ihre Beziehungen nur situativ existieren. Im Gegensatz zu digitalen Nachrichten, die häufig über mehrere tausend Kilometer verschickt werden, reisen Nachrichten, die an Polylogue vermittelt werden, maximal 2 Meter, bis sie ihre finale Destination erreichen.” In diesem Kontext erhält die Flut an Textnachrichten und Chatverläufen eine neue Bedeutung. Gleichzeitig wird genau diese erlebbar.

GET THE PICTURE by Pascal Kress – Lucas Liccini

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Lucas Liccini – „GET THE PICTURE by Pascal Kress“

Das Projekt „Get the picture“ zeigt, zusammengefasst in einem Buch, Bilder aus dem Netz, welche unter einem bestimmten Suchbegriff auftauchten. So kommt es, dass wir zum Thema „Lust“ sowohl auf einen Liebesakt von zwei Nacktschnecken, als auch auf eine lassiv daher kommende Hausfrau gestoßen sind. Unter dem Stichwort “gut” findet sich sowohl ein Foto eines Modelleisenbahnliebhabers als auch eine Couch-Potato-Messie Situation, die nach einem heiteren Abend mit viel Bier aussieht. Lucas Liccini stellt hauptsächlich jeweils zwei Suchergebnisse zu einem Begriff gegenüber. Das Werk zeigt die Dynamiken des Netzes sowie der Bildassoziationen und “fragt nach Sichtbarkeit, Lebensdauer und der Notwendigkeit der Bilderflut, der wir tagtäglich auf unseren Bildschirmen begegnen. Was sagen uns diese Bilder in dem neuen Kontext des gedruckten Buches?”.

SWAPPED REALITY – Johannes Jakobi

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Johannes Jakobi – „SWAPPED REALITY“

Johannes Jakobi entwickelte zwei Virtual-Reality-Brillen, mit deren Hilfe man die Welt durch die Augen des anderen sehen kann. So wird das Sichtfeld des einen Trägers auf die Brille des anderen übertragen und umgekehrt. Der Nutzer kann sich somit sogar selbst von außen, durch die Wahrnehmung einer anderen Person betrachten und erleben. Verwirrend und spannend zu gleich!

LIQUID01 – Ray Washio

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „LIQUID01“

Fotos können Momente festhalten, doch sie frieren sie auch ein. Der Student Ray Washio versucht “den Fotos dauerhaft Zeit einzuhauchen”, indem er Fotografien digital bearbeitet: “Es weht ein Wind. Diese Atmosphäre zwingt uns, die Zeit wahrzunehmen.” Die Fotos bleiben bestehen, lediglich einzelne Elemente, wie Brillengläser oder eine Einkaufstüte, wurden vom Künstler in Bewegung gesetzt und bilden so einen Kontrast zum restlichen Bildausschnitt.

UNCONSCIOUS – Ray Washio

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „UNCONSCIOUS“

 

Google Maps arbeitet mit Algorithmen sowie einer automatischen Gesichtserkennung zwecks Anonymisierung.  Ray Washio versucht sich als Mensch in derartige Prozesse hineinzuversetzen und so die Wirkmechanismen derselbigen zu hinterfragen. Er fotografierte Personen in einer U-Bahn in Tokyo und anononymisierte sie manuell und digital durch Verfremdung. Der Künstler beschreibt:
“Der Unterschied zu einem automatisierten System, wie es Google Map verwendet, ist, dass ich dies manuell machte. Dieser Kontext erlaubte mir, wirklich zu hinterfragen: „Was ist Privatsphäre?“ und „Was bedeutet ein automatischer Versteck-Effekt – für uns und unsere Privatsphäre?“.

Datenschutz und Privatsphäre sind gut und wichtig, die auf den Fotografien verfremdeten Gesichter lassen dennoch auf irgendeine Art und Weise ein verstörendes Gefühl aufkommen und stimmen nachdenklich.

/r – Benedikt Rottstege

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Benedikt Rottstege – „/r“

 

„Betreten auf eigene Gefahr“ – kam uns in den Sinn, als wir uns dieses Projekt näher anschauten. Hier wird der Besucher schonungslos konfrontiert – mit den Bildern des  4chan Random-Boards. Dies ist eine der meist besuchten Internetseiten,  auf welcher die User Bilder aller Art anonym hochladen und kommentieren können. Es erscheinen ständig neue Bilder, sodass diese in der Masse an Daten schnell untergehen. Das Projekt „r/“ unterstreicht diese Kurzlebigkeit. Es speist den Bildschirm live, fortwährend und überlagernd mit all den Dingen, die die Nutzer des 4chan Random-Boards so interessieren. Welche das so sind? Ihr ahnt es schon…

A LOOP LOOPS – Hara Shin

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Hara Shin – „A LOOP LOOPS“

 

Das Netz: unendliche Weiten, riesige Datenmengen und das tagtäglich. Die Künstlerin lässt “unzählige Bilder von Monitoren als Miniaturbilder, Video Clips, GIF-Dateien, Pop-Up Werbung und private Bilder auf Online-Nachrichten-Seiten, Online Communities und Online Chats” erscheinen. Angezeigt werden ebenfalls fortlaufend die dazugehörigen HTML-Codes. Durch die Verbindungen derartiger Community-Fragmente wird deutlich, wie sich “die Grenzen ihrer eigenen Hierarchien” aufheben und so neue Kontexte entstehen.

‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary – Isabella Asp Onsjö

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Isabella Asp Onsjö – „‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary“

Was, wenn es doch ein Nach-Internet gibt? Vielleicht ja auch nur eine ganz neue Form dessen? Wird das Internet verschwinden? Isabella Asp Onsjö fragt sich mit Blick in die Zukunft: “in der katholischen Kirche ist die Reliquie ein antikes Überbleibsel von etwas, das als heilig galt. Etwas, das so bedeutend ist, dass es das Potential hat, von Tausenden verehrt zu werden. Was wird von unserer Gesellschaft geschaffen, das in Zukunft diesen Status innehaben könnte?”. Sie materialisiert den Gedankengang das Internet sei eine längst vergangene Reliquie, indem sie ein Häuschen aus Ton konstruierte und es mit diversen HTML-Codes beschriftete. Das Haus ist in Anlehnung an eine Virtual-Reality-Brille gestaltet. Über das Dach kann der Betrachter in die Reliquie schauen. Darin zu sehen ist ein vor Jahrzehnten für und mit Kindern produziertes Erklärvideo über das Digitale sowie das Internet. Kann und wird das Netz jemals eine (moderne) Reliquie sein?

Unwahrscheinlich. Aber bei all den neuen Kunstformen, die sich daraus ergeben, ist dem Digitalen seine Bedeutsamkeit und Heiligkeit ganz eigener Art nicht abzusprechen. 

Bild: @Universität der Künste, designtransfer, Andy King

Das FridaMoji: geschmacklos oder innovativ?

Im Dschungel der Emoticons zieht eine Kunstikone ein: Frida Kahlo. Die sogenannten „FridaMojis“ sind ab sofort via App erhältlich.

Die Reaktionen der Netzgemeinde reichen von einem “wonderful”, “inspiring”, “creative”, bis hin zu: “what is this? it’s horrible… be ashamed! you created a frightening puffy alien but certainly not a ‘depiction’ of Frida”. Ist diese Kritik berechtigt oder entsteht hier nicht gar eine neue Art von Kunst?

Ein Bild der eigenen Geburt, auf welchem die Mutter bereits verstorben ist. Ein Bild des eigenen gespaltenen Brustkorbes, die Haut mit Nägeln besetzt, Totenmasken, Fleisch und Fischabfälle, in den Körper einverleibt – Frida Kahlos Werke sind nicht ohne! Es sind intime, nachdenkliche, ernste, ja zum Teil sogar brutale, verstörende, in erster Linie aber tiefgründige Abbildungen. Vielen ist die mexikanische Künstlerin vor allem durch ihre Monobraue bekannt. Ihre zahlreichen Selbstporträts zeigen sie meist vor dem Hintergrund farbenfroher Natur. Oft an ihrer Seite: Affen und Blumen. So wirken einige ihrer Bilder zwar auf den ersten Blick etwas naiv, bunt und verspielt, doch ein genauerer Blick offenbart letztlich in jedem ihrer Werke einen Schmerz, eine nachdenkliche Stimmung – und sei es allein der ernste Gesichtsausdruck der Malerin, der diese vermittelt.

Man stelle sich nun Frida Kahlo und ihre Kunstwerke als bunte, verspielte und knuffige Emojis vor, die im Gegensatz zu den Werken der Malerin primär positiv und leichte Ironie anmuten. Kulturell anspruchsvolle Gemälde, übersetzt in ein modernes Kommunikationsbeiwerk. Nicht möglich? Und ob! Das dachte sich sowohl die Instagram-Community als auch der in Los Angeles lebende Grafikdesigner Sam Cantor. Er und sein Team entwickelten, in Kooperation mit der Galerie Cantor Fine Art, eine Kollektion von über 160 sogenannten “FridaMojis”. Die Follower konnten zuvor in einer Online-Abstimmung auf Instagram unter mehreren Künstlern auswählen und so den Ausgangspunkt für das Projekt “Museumito” bestimmen. Die Entscheidung fiel auf die bekannte Malerin Frida Kahlo, deren Einzigartigkeit sich in den kreierten Emoticons widerspiegelt. Diese greifen die markanten Elemente der Originalbilder auf und denken ihre Bedeutungen weiter: einerseits, indem sie die Gedanken Frida Kahlos in den Kontext unseren heutigen Alltags stellen und sie andererseits zum Teil sogar emotional umkehren.

Die Trivialisierung einer Kultfigur?

Frida Kahlo hat mit ihren surrealistischen Werken Kunstgeschichte geschrieben und ist postum zu einer Kultfigur geworden. Heute sind ihre Bilder gefragt, Millionen wert. In den 70er Jahren wurde sie zum Vorbild der Frauenbewegung und weltbekannt. In ihren Bildern verarbeitete sie eigene Gedanken, Lebenskonflikte und Schicksalsschläge. Nicht zu verkennen ist auch ihre Bedeutung als Modeikone. Durch ihren unverkennbaren Look, in welchem sie folklorische und extravagante Elemente miteinander verband, sich aber auch mal in einem Hosenanzug präsentierte, gilt sie in der Branche bis heute als eine Inspiration.

Bei dieser Bedeutsamkeit werden kritische Stimmen laut, die eine Neuinterpretation von Frida Kahlos Bildern in Form von Emoticons ablehnen, da sie dem Schaffen der Künstlerin, ihrer Meinung nach, nicht gerecht werden. So argumentieren Gegner der FridaMoji, dass Emoticons doch lediglich einfache, schmückende Beiwerke von Textnachrichten und Online-Chats seien, welche Konversationen nicht ausmachen, sondern “nur” ausschmücken und eine technische Spielerei darstellen.

Ein Aufschrei der Kunstliebhaber:

Deborah Wood: “Even more trivialisation and commodification of a great artist -tacky.”

Elise Nicole: “Her life was short and filled with constant horrible pain and tragedies but hey let’s take the art she made and turn it into simple fun emojis! This is so insulting.”

Shania Naderipour: “Her work was really complex, and represented personal and political struggles on a deeply human level. This is so the antithesis of what she stood for I think. I don’t think she would have been pleased. Stop trying to profit on her pain.”

Richard Lawrence: “it feels strange… as if she’s just an eccentric character and is famous for her looks. so many people use her image on clothes and other products to make money, it’s annoying… the woman had the courage to bare her soul and now is turned into cute little creatures for people to use on their phones, perhaps to decorate shallow conversations. Poor Frida!”

Nein! Eine Hommage an eine Kultfigur!

Emoticons und Fridas Werke haben eine Gemeinsamkeit: Emoticons laden schriftliche Aussagen mit Emotionen auf, sie können Gestik und Mimik ersetzen und einer Textnachricht die finale Botschaft verleihen. Das Herzstück von Frida Kahlos Gemälden sind Emotionen, sie sind die Grundlage für ihr Schaffen. Dies sah auch FridaMoji-Macher Cantor als ausschlaggebenden Faktor an: “Frida was just perfect for the project. She conveyed her emotions so honestly and openly in her work. What better artist to translate into emoji, which we use to express emotion today?” Der Unterschied liegt darin, dass Emojis an sich spielerisch und lustig, Frida’s Werke hingegen „schwer“ wirken. Da kommt einem spontan das Gefühl auf, nicht zu wissen, ob man dieses Projekt gut oder schlecht finden soll und vor allem darf. Doch genau dieser Stilbruch ist eine neue Art der Kunst.

Eigentlich sind die Frida-Emoticons sogar eine Hommage, ein digitaler Feldzug der Erinnerung an die Künstlerin und ihr Werk. Sie rufen die Malerin auch zukünftigen Generationen ins Gedächtnis. Gleichzeitig stellen sie einen Versuch dar, ihre Gedanken neu zu beleuchten. Es heißt die Gedanken bestimmen unser Leben. In jedem Schmerz, jedem Scheitern, kann eine Chance liegen sich weiterzuentwickeln und so negative in positive Emotionen zu transformieren. Durch den Perspektivwechsel ergibt sich ein ganz eigener neuer künstlerischer Anspruch, der Fridas Schaffen ehrt und bewahrt, aber auch erweitert und dadurch bereichert.

Findet ihr auch? Klickt euch einfach mal selbst durch!

Die englischsprachige App FridaMoji ist für iOS erhältlich und leicht auf dem Smartphone zu installieren. Doch auch Android-Nutzer können hoffen: laut der Frida Kahlo Corporation ist ab nächster Woche eine Android-Version erhältlich. Der Download ist, ebenso wie die Verwendung von ausgewählten FridaMojis, kostenlos. Bei Bedarf, beziehungsweise auf Wunsch, können weitere Motive (auch als Paket) hinzugebucht werden. Die Vorschau von preisgebundenen Emojis ist umso verlockender, da die Auswahl der gebührenfreien Bilder doch leider etwas begrenzt ist.

Wer seinem Chatpartner FridaMojis schicken möchte, kann sich aus einem mehr oder weniger großen Pool bedienen. Zur Auswahl stehen unter anderem:

Las Fridas: Smiley-Klassiker im Frida Style
Queen of Pain: Frida’s Melancholie ist ein extra Bereich gewidmet
Los Animales: Affen – natürlich! Rehe und Pandas und Co.: viele süße Emojis, aber auch eine Kahlo als erlegter Hirsch
Viva La Vida: eine Rubrik, so bunt und detailliert wie das Leben

In der zuletzt aufgeführten Kategorie finden sich einige Abwandlungen ihrer bekanntesten Werke. In Anlehnung an Fridas „Selbstbildnis mit abgeschnittenem Haar“, gibt es beispielsweise ein Emoji, in welchem sie sich, im Gegensatz zum Original,  gemeinsam mit ihrem Affen fröhlich und munter ans Werk macht, sich ihrer Haarpracht zu entledigen. Aus dieser Ironie ergibt sich so eine ganz eigene Kommunikationsform und -möglichkeit.

Emotionen zeigen! Mit Frida!

Was würde wohl Frida von all dem halten? Wahrscheinlich wäre sie über ihre neue Online-Präsenz erfreut, würde es als Querdenkerin begrüßen, zu neuen und ungewohnt gewohnten Ufern aufzubrechen. Vielleicht hätte man ihr gar ein Lächeln entlocken oder ihr helfen können, sich sogar selbst neu zu entdecken. Wir finden: Emoticons sind in der Online-Kommunikation essentiell, sie zeigen Emotionen, die nicht immer nur mit Worten beschreibbar sind. Frida’s Werke stehen für Emotionen. Warum also nicht beides kombinieren und Frida Kahlo’s Erbe bewahren, es neu erfinden und es zum Beispiel mit positiven Stimmungen aufladen?

Frida ist Kult! FridaMojis sind Online-Kult!

Video: @ Frida Kahlo Corporation, Museumito
Bild 1: @ Frida Kahlo Corporation, Museumito
Bild 2: @ Frida Kahlo Corporation, Museumito; flickr
Bild 3: @ Frida Kahlo Corporation, Museumito

Tipps für eine gelungene Video-Bewerbung

Video- statt Passbild! Immer mehr Unternehmen und Ausbildungsstätten bieten Bewerbern die Option an, sich via Bewegtbild bei ihnen zu bewerben, einige verlangen es sogar. Eine von Talentcube in Kooperation mit AUBI-plus entwickelte App ermöglicht genau dies. Mittels der kostenlosen und unkomplizierten Anwendung können sich Ausbildungsinteressierte direkt via Smartphone-Kamera online bei dem gewünschten Betrieb bewerben. Doch auch für eine Initiativbewerbung kann ein Vorstellungsvideo eine Chance bedeuten, sich von anderen Anwärtern auf einen Job- oder Ausbildungsplatz abzuheben und der Firma quasi “direkt ins Auge zu springen”.

Es ist eine Art Werbefilm über sich selbst: du bist der Regisseur, der Drehbuchautor, der Protagonist und Bühnenbildner deiner eigenen Video-Bewerbung. Das bedeutet, du hast die Möglichkeit, dich als die Person, die hinter den theoretischen Bewerbungsunterlagen steckt, erlebbar zu machen, den Freiraum, dich kreativ zu entfalten und dich von deiner besten Seite zu präsentieren. Doch diese Freiheiten bergen mindestens genauso viele Gefahren. Mit diesen Tipps vermeidest du mögliche Fehlerquellen und Patzer.

Zeitmanagement

Einige Unternehmen geben dir eine Zeitspanne vor, innerhalb derer du die Vorstellung deiner Person beendet haben musst. Deshalb solltest du vor dem Dreh einen Probedurchlauf starten, die Zeit stoppen und dein Timing anpassen.
Gibt es keine zeitlichen Vorgaben, solltest du darauf achten, dass dein Video nicht zu lang wird. Dies birgt die Gefahr, dass sich der Betrachter schnell langweilt oder sich weder die Zeit nehmen will, noch kann.

Authentizität & Vorbereitung

In diesem Zusammmenhang ist eine gute Vorbereitung das A & O einer gelungenen Video-Bewerbung. Lege dir im Vorfeld zurecht, was genau du sagen möchtest. Hierbei achte darauf, nicht einfach nur das wiederzugeben, was dem Personaler aus deiner schriftlichen Bewerbung bereits bekannt ist. Vielmehr solltest du das Video als Zusatz sehen und einen Mehrwert bieten. Dafür kannst du bei den Fakten ansetzen. Zum Beispiel: “In diesem Praktikum konnte ich mich intensiv mit dem Bearbeitungstool XY auseinandersetzen. Durch die Arbeit im Team habe ich dann auch gemerkt, dass ich leidenschaftlich gerne die Rolle des Koordinators einnehme, der alle Fäden zusammenhält”. Sei dabei ehrlich und authentisch – einfach du selbst!

Um sich nicht hetzen zu müssen, gilt generell: lieber weniger, dafür aber relevanten Inhalt.
Aufgrund von möglicher Nervosität ist es ratsam, dass du dir dazu Notizen machst.

Stimme & Körperhaltung

Deine Gedanken solltest du allerdings nur grob formulieren und in Stichpunkten festhalten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass du zum Ablesen tendierst. Wie in jeder anderen Präsentation auch, ist es immer besser, möglichst frei zu sprechen. Dabei stehst du – und das möglichst gerade: Brust raus, Bauch rein (aber bitte nicht verkrampft!). Dies vermittelt nicht nur dem Betrachter deine Präsenz und Tatkraft, sondern gibt auch dir ein selbstsicheres und positives Gefühl. Gleichzeitig ist der Klang deiner Stimme dadurch automatisch klar und souverän. Die Aussprache sollte deutlich, die Lautstärke normal und die Betonung der Sätze abwechslungsreich sein. Lass dich ebenfalls nicht dazu verleiten, durch den Text zu hetzen, um die Sache schnellstmöglich hinter dich zu bringen. Achte außerdem darauf, dass du einen Mittelweg zwischen wilder Gestikulation und unmotiviert herabfallenden Armen findest. Am besten handhabst du es in etwa wie “Angie”, die in ihrer bekannten Merkel-Raute-Handgeste ihre Daumen und Zeigefinger in Höhe der Taille zueinander führt (haargenau die gleiche Pose ist eventuell trotzdem nicht ratsam 😉 ). In jedem Falle ist aus der Psychologie bekannt, dass sich Arme und Hände bei einer Präsentation über den Hüften befinden sollten, um Kompetenz und Engagement auszudrücken. Wenn du dann auch noch Blickkontakt zur Kamera aufnimmst, freundlich schaust und dich authentisch präsentierst, kann nichts mehr schief gehen.

…wenn da nicht die Technik wäre

Ob du nun ein Technik-Nerd bist oder nicht, auch hier können potentielle Gefahrenquellen lauern.

Die Wahl des richtigen Mediums für deine Video-Bewerbung ist dir, sofern nichts anderes vorgegeben, letztlich selbst überlassen. Wenn du einen stabilen „Selfie-Arm“ hast und dich mit dem Smartphone wohlfühlst, dann nutze es. Die Entscheidung, ob du mit der Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone filmst, sollte sich allerdings auch nach der Job-Position und/oder Branche richten. Wird ein Social Media Manager gesucht, so kann dich die Verwendung des Smartphones sogar auszeichnen. Für eine bessere Auflösung und Qualität sorgt die Verwendung einer professionellen Kamera. Daraus ergibt sich gleichzeitig die Frage, ob du den Selbstauslöser drückst oder dich von jemandem filmen lässt. Letzteres ist, wenn möglich, vorzuziehen, da du dich so voll und ganz auf deine Präsentation konzentrieren kannst. Stelle in jedem Fall im Vorfeld sicher, dass alles funktioniert und die Akkus ausreichend geladen sind. Weiterhin kann ein Stativ bei Kameranutzung für die gewünschte Stabilität sorgen. À propos Stabilität: erfolgt die Bewerbung via Internet, wird natürlich eine stabile WLAN-Verbindung benötigt.

Styling & Umgebung

Zu guter Letzt ist die Optik nicht zu unterschätzen – dies betrifft sowohl Frisur und Kleidung als auch die Umgebung, in der du dich befindest. Ziehe dir das an, was zur Branche und Position passt und worin du dich wohlfühlst. Dein Äußeres ist selbstverständlich gepflegt. Gleiches gilt für die Umgebung. Hierbei sollte die Wahl allerdings auf einen möglichst neutralen (du stehst im Fokus!) und vor allem ruhigen Ort fallen. Idealerweise drehst du bei dir Zuhause – schließe die Fenster, schalte nicht benötigte Medien aus, beziehungsweise stelle sie auf lautlos, gehe sicher, dass du keinen Paketboten erwartest oder deine Nachbarn Radau machen. Dann steht deiner gelungenen Video-Bewerbung nichts mehr im Wege.

And the Oscar goes to…

Bild: @pixabay

Internet-Institut in Berlin: Die Erforschung der digitalen Transformation

„Wir haben gute Chancen, dass sich hier ein Leuchtturm – nicht nur im deutschen Bereich – sondern auch international entwickelt.“, verkündet Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Sie bezieht sich dabei auf ein Prestigeprojekt der CDU und SPD, dessen Fundament bereits vor 4 Jahren im Koalitionsvertrag gelegt wurde. Nun ist es soweit: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ließ in einer aktuellen Pressemitteilung die Gründung eines staatlichen Forschungsinstituts verlauten. Das “Internet-Institut für vernetzte Gesellschaft” wird sich mit dem Internet aus gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer und rechtlicher Perspektive auseinandersetzen.

Besser spät als nie: Mittlerweile existiert das World Wide Web seit 28 Jahren. Nun erhält es in Deutschland eine eigene Forschungseinrichtung. Berlin hat den Zuschlag als Standort bekommen. Eine 12-köpfige Jury entschied sich für ein Konsortium aus fünf Universitäten: die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Freie Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin und die Universität Potsdam. Zu dem Zusammenschluss zählen ebenfalls zwei Forschungseinrichtungen: Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS).

Experten begrüßten den Entschluss, bezeichneten ihn allerdings als überfällig. Elite-Universitäten wie Stanford, Harvard oder Oxford erforschen bereits seit Jahrzehnten die Vernetzung durch das Internet und den digitalen Wandel. Den Vorwürfen zum Trotz entgegnete das Forschungsministerium, mit dem neuen Institut auch einen neuen, noch nie dagewesenen Beitrag zur Forschung von internationaler Bedeutung zu schaffen. Man wolle nicht die Vorbilder kopieren, sondern den Faden weiterspinnen. Der Fokus des neuen Instituts liege auf einer intensiven, interdisziplinären Erforschung der Digitalisierung. Mit den Forschungs-Projekten sollten Fragen zur Nutzbarkeit des Internets zum Wohle der Gesellschaft beantwortet werden.

50 Millionen Euro Fördermittel werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den ersten fünf Jahren für das neue Institut bereitgestellt – im Vergleich mit den Budgets ähnlicher Einrichtungen in Deutschland ist dies eine relativ hohe Summe. Das HIIG (Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft), welches von Google finanziert wird, erhielt in den ersten drei Jahren bloß 4,5 Millionen Euro. Allerdings kann das Institut auch hier nicht mit den Mitteln der internationalen Spitzeneinrichtungen mithalten. Die Jury-Mitglieder erhoffen sich von dem neuen Institut dennoch eine Strahlkraft, welche Deutschland international zugute kommt. Zudem könne das Institut auch zu einem positiven Entwurf für den digitalen Wandel in der Gesellschaft beitragen – und somit die innergesellschaftliche Auseinandersetzung positiv mitgestalten. Der zuletzt eher pessimistische Diskurs in der Öffentlichkeit wurde von Problem-Themen wie Hate-Speech, Fake-News oder Radikalisierung im Netz dominiert. Das Institut soll sich jedoch den Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung widmen. Wanka erhofft sich Impulse, Antworten und Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Im September sollen die ersten Stellen für das Institut ausgeschrieben werden.

 

Bild: @unsplash, Artem Sapegin

Die 4 Ebenen der digitalen Immersion: Wie virtuelle Realität psychologisch wirkt

Wo manche eine neue Form des Eskapismus befürchten, sehen andere Chancen für die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung. Das Eintauchen in fremde Welten habe es schon immer gegeben, so die Experten. Tatsächlich sei der Mensch darauf ausgelegt, sich in fremde Konzepte und Sachverhalte hineinzudenken, um zu erleben und zu lernen. Jedoch sehen Kritiker mit den neuen Möglichkeiten der Virtual Reality ein ungeahntes Ausmaß an Gefahren auf die Gesellschaft zukommen.

Der Begriff der Immersion bezeichnet den Prozess des Eintauchens eines Users in eine virtuelle Realität. Durch die visuellen Stimuli tritt das Bewusstsein des Menschen in den Hintergrund; stattdessen empfindet er die virtuelle Realität als real. Im Falle einer besonders starken Immersion wird der Status “Präsenz” genannt. Eine Immersion findet beim Anschauen eines Filmes zwar genauso statt, jedoch in geringerem Grad. Durch die Interaktion – beginnend bei Video-Spielen bis hin zu VR-Brillen – des Users mit einer virtuellen Realität, ist eine stärkere Intensität der Immersion möglich. Maßgebend für die Immersion ist dabei nicht die Realität, sondern die Erfahrung. Die Wahrnehmung des Users wird vom Erlebnis getrieben – es entsteht eine subjektive, alternative Realität.

Die US-amerikanischen Professorin für digitale Medien Janet H. Murray definiert den Begriff der Immersion beinahe poetisch: “Immersion ist ein metaphorischer Begriff, abgeleitet von der physikalischen Erfahrung des Untertauchens in Wasser. Wir suchen nach demselben Gefühl einer psychologisch immersiven Erfahrung wie wir sie von einem Sprung ins Meer oder den Swimming Pool erwarten: Das Gefühl, von einer vollständig anderen Realität umgeben zu sein, so unterschiedlich wie sich das Wasser zur Luft verhält, die unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht, unseren gesamten Wahrnehmungsapparat.“

Der Grad der Immersion ist immer abhängig von der Attraktivität einer Interaktion. Der User muss die Möglichkeit, sich auf eine virtuelle Realität aktiv einzulassen, als interessant und natürlich empfinden. Gleichzeitig ist die Intensität abhängig von der Persönlichkeitsstruktur des Users. Oft kommt es vor, dass sich der Nutzer nach einem intensiven Eintauchen erst wieder an die reale Welt gewöhnen muss.

Richard Bartle ist Autor und Forscher von Computerspielen. Er unterscheidet bei der Immersion zwischen vier unterschiedlichen Stufen:

  1. Player: Die Spielfigur wird vom User als ein Mittel zum Zweck gesehen, um die virtuelle Umwelt zu beeinflussen.
  2. Avatar: Die Spielfigur wird vom User als eine Wiedergabe der eigenen Persönlichkeit gesehen, über welche sie interagieren.
  3. Character: Die User identifizieren sich mit der Spielfigur und sprechen über sie in der ersten Person.
  4. Persona: Der User sieht die Spielfigur als festen Bestandteil seiner eigenen Identität. Der User betrachtet sich selbst als einen Teil der virtuellen Realität.

Forscher aus der Neurologie und VR-Experten sprechen bereits von einer Virtual Psychology, denn durch die Immersion lassen sich Denkmuster und somit die Wahrnehmung von Realität verändern. Forscher haben herausgefunden, dass User, welche in der virtuellen Realität einer Minderheit angehören, danach ihrer Umwelt toleranter begegnen. Die Identifikation mit Superhelden wiederum führt nachweislich zu einem sozialeren Verhalten. Kritiker warnen vor einem unbedachten Einsatz von VR-Technologie – die Risiken des andauernden Einflusses von VR seien noch nicht bekannt und einschätzbar. Wie sollen Menschen bei einer zunehmenden Verschmelzung von VR-Technologie im Alltag zukünftig zwischen virtueller und tatsächlicher Realität unterscheiden? Was passiert, wenn die Technologie in die falschen Hände gerät und zu manipulativen oder gar zu Folter-Zwecken eingesetzt wird? Psychologen sehen bereits jetzt Erfolge bei der Anwendung von VR zur Behandlung von Phobien oder Traumata. Doch wo gelindert werden kann, könnte womöglich auch Schaden verursacht werden.

Die digitale Identität: die Wechselwirkung zwischen On- und Offline

Wer sich die Möglichkeiten der Selbstinszenierung On- und Offline betrachtet, muss sich die Frage stellen, welches “Ich” authentisch sein kann. Sind die Avatare im Netz ein wahrhaftiges Abbild unserer Identität oder bloßes Wunschdenken? Ist unserer Auftreten in der Realität realer, weil es unmittelbarer ist? Dazu muss zwischen den vielen Handlungs-Situationen unterschieden werden – unserem Auftreten im Kontext der Familie, Freunde, Beruf, Vereinen … oder wenn wir alleine sind. Womöglich ergibt die Summe unserer Denk- und Handlungsmuster eine unbewusste Identität.

In einer digitalisierten Welt ist der Mensch nicht nur Mensch, sondern auch User. Ob auf Facebook, Instagram oder Linkedin: Es bietet sich eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Profilierung – mit unterschiedlichen Intentionen und Kommunikations-Codices. Kommunikationswissenschaftler haben ermittelt, dass sich der User dabei immer (unbewusst) an seinen Wunschbildern orientiert. Social Media ist ein Tool des Storytelling, und der User begreift sich als Erzähler seiner eigenen Geschichte. Er hat den Blick von außen auf sich Selbst erlernt und geht an seine Kommunikation mit folgender Prämisse ran: Welche Geschichte möchte ich erzählen und wie muss ich mich darstellen, damit ich Protagonist in dieser Geschichte sein kann. Das Selbstbild definiert sich im Netz also durch die eigene Identität und das soziale Selbstverständnis. Dieses Bild, welches im Social Media regelrecht konzipiert und strategisch kommuniziert wird, bietet dritten “Identitäts-Anbietern” – Influencern, Unternehmen, Menschen-Marken –  eine Projektionsfläche für die eigene Story. Das Geheimnis des Storytelling ist, Identitäten einen Kontext zur Identifikation und Weiterentwicklung zu bieten. So können Menschen Orientierung erhalten – gerade im Zeitalter des Informationsüberflusses.

Unabhängig von den Informationen, welche der User bewusst von sich preisgibt, bilden seine Meta-Daten eine objektive Komponente der digitalen Identität. Demografische Daten zu Orten und Zeiten, Nutzer-Geräten und Such-Anfragen ergeben ein sachliches Bild unserer Persönlichkeit, welches mehr oder minder von dem Selbstkonzept abweicht. Die Diskrepanz dieser beiden Bilder lässt auf Bedürfnisse, aber auch auf die Integrität des Users schließen. Im Netz lässt sich allerdings bloß ein digitales Verhalten erfassen und interpretieren. Experten streiten sich, ob es sich dabei um ein verzerrtes oder maximal authentisches Abbild unserer Identität handelt – gerade weil Menschen in keiner anderen Form so viele Informationen und Spuren hinterlassen, wie im digitalen Raum. Allerdings können auch hier bewusst Informationen gestreut und verfälscht werden. Die Medienkompetenz X.0 ist der Inbegriff der Wandelbarkeit des Menschen, welche nicht im digitalen Raum endet, sondern auch auf seine Offline-Identität zurück reflektiert. Wie wir uns darstellen, ist wie wir uns sehen, ist wie wir uns verhalten.

Was bedeuten also die Möglichkeiten der Selbstinszenierung für den Menschen? Offensichtlich ist die digitale Identität ein Ergebnis des Offline-Menschen. Dabei sind zwischenmenschliche Beziehungen der Schlüssel zum Selbstverständnis eines jeden Menschen. Sehnsüchte, welche durch die Selbstdarstellung im Netz komplementiert werden, ergeben sich aus den Erfahrungen und der Zufriedenheit des Menschen hinter dem Avatar. Alle diejenigen, welche ein bewusstes Storytelling im Netz betreiben und eine Community ansprechen, suchen dabei bewusst nach Sehnsüchten und Bedürfnissen, welche sie bedienen können. So gerät das Netz zu einem Marktplatz für Sinn und Bedeutung. Wer eine authentisch-schlüssige und emotional-ansprechende Botschaft stark kommunizieren kann, gewinnt das Vertrauen und den Glauben der Community. Wer sich seiner Identität nicht sicher ist, der meint im Netz zu gestalten, wird allerdings schnell Teil einer audience. Dabei sind die Grenzen zwischen Consumer und Producer fließend. Am Ende sind jene User initiative Producer, welche Offline stark vernetzt sind.

Nachhaltige Mobilität – E-Fahrzeuge auf dem Vormarsch

Zwei Entwicklungen zeichnen sich zurzeit sehr deutlich ab. Auf der einen Seite ist unsere Gesellschaft zunehmend durch eine wachsende Mobilität gekennzeichnet. Die Arbeit an verschiedenen Standorten, die Globalisierung des Marktes aber auch Fernbeziehungen und die Verteilung von Freunden und Familie über die ganze Welt rufen die Notwendigkeit eines feinmaschigen Verkehrsnetzes hervor, das sich über die Ländergrenzen erstreckt. Mobilität ist heute einer der Kernfaktoren für eine wachsende Wirtschaft, die moderne Industriegesellschaften prägt. Durch das wachsende Verkehrsaufkommen im Güter- und Personenverkehr verstärkt sich auf der anderen Seite aber auch die Belastung der Umwelt. Der Anstieg der Schadstoffbelastung und CO2-Emissionen bilden die Kehrseite der zunehmenden Mobilität. So macht der Verkehrssektor schon heute etwa 20 Prozent der CO2- Emissionen aus – Tendenz steigend. Diese Entwicklung schneidet sich mit einem zunehmenden Verständnis für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Im Einkaufswagen landen regionale Bioprodukte, der Strom wird aus erneuerbaren Energien bezogen und in Neubaugebieten werden die neuesten Versionen an Plus-Energie-Häusern hochgezogen. Morgens steigt man dann in seinen abgasschleudernden Wagen. Das ist für immer mehr Deutsche nicht mehr zeitgemäß. In diesem Konflikt richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf umweltverträgliche Alternativen zu fossilen Brennstoffen: die E-Mobilität.

Sauber und leise – E-Fahrzeuge

Als die ersten E-Autos vor einigen Jahren auf den Markt kamen, blieb der erwartete Erfolg aus. Die geringe Reichweite schreckte viele Käufer ab. Bis heute bleibt die Reichweite zumindest für Personen, die auf dem Weg zur Arbeit weite Strecken zurücklegen müssen, eine Hürde. Die meisten Modelle schaffen zwischen 100 und 300 Kilometer. Nur die Modelle von Tesla und wenige weitere Modelle bekannter Autohersteller schaffen über 500 Kilometer, liegen jedoch auch in einer klar gehobenen Preisklasse. So scheint es, dass die E-Mobilität sich zunächst auf die städtischen Ballungszentren fokussieren wird, wo die Wege kurz sind und der Anstieg an Abgasen für die Bewohner ein spürbares Problem darstellt. Zurzeit fahren etwa 25000 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung: bis 2030 sollen es sechs Millionen Fahrzeuge sein. Das Umweltbundesamt fordert sogar noch höhere Zahlen. Neben den umweltfreundlichen Elektroautos bieten insbesondere in den Städten weitere Konzepte und Verkehrsmittel eine Alternative zum Verbrennungsmotor.

Das umweltfreundliche Mobilitätskonzept

Zusätzlich zu Elektroautos für private Haushalte finden sich viele weitere Möglichkeiten der umweltbewussten Mobilität. CarSharing mit Elektroautos ist ein solches Konzept, das zunehmend an Zulauf gewinnt. Nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing waren Anfang 2017 über 1,7 Millionen deutsche Autofahrer bei einem CarSharing-Anbieter angemeldet, was einen Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Hinzukommt, dass knapp 80 Prozent der angemeldeten Nutzer kein eigenes Auto mehr besitzen. Diese Entwicklung beeinflusst auch das Stadtbild. Ein CarSharing-Auto ersetzt bis zu 20 private Fahrzeuge, was zwischen 36 und 99 Meter freien Straßenabschnitt schafft. Platz, der für breitere Fahrradwege, Grünflächen mit Sitzgelegenheiten, Fahrradabstellmöglichkeiten und freien Platz zum Spielen genutzt werden kann. Diese Entwicklung würde gleichzeitig die Nutzung von Fahrrädern, E-Bikes und Lastenrädern begünstigen. Ein weiteres platzsparendes und umweltfreundliches Verkehrsmittel sind überdies E-Roller. In Asien wurden bereits 2013 über neun Millionen E-Roller verkauft. Heute fahren etwa 22 Millionen angemeldete Fahrzeuge auf Asiens Straßen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwas über 5000 Fahrzeuge. Doch auch hier kommt der Trend langsam an. In Berlin und anderen deutschen Großstädten werden E-Roller nach und nach ins Sharing-Angebot mit aufgenommen und ersetzen die zum Teil bereits vorhandenen Zweitakter, die ein hundertfaches an Schadstoffen produzieren. Auch das E-Bike-Angebot und die Bereitstellung von Leihfahrrädern steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an.

Nicht ohne Energiewende

Nicht zuletzt kann eine Mobilitätswende nur stattfinden, wenn ganzheitliche Konzepte entwickelt werden und die verschiedenen Sektoren aus Verkehrs- und Energiebranche zusammenarbeiten. Denn was bedeutet es für die Energieversorgung deutscher Haushalte, wenn Millionen Fahrzeuge aus eben diesem Netz mit Strom gespeist werden müssen? Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist hier nicht nur zentral, um die Stabilisierung der Stromnetze zu gewährleisten, sondern auch fester Bestandteil, um das Konzept einer nachhaltigen Mobilität aufgehen zu lassen. Hinzu kommen Aspekte wie der Ausbau der Infrastruktur mit Ladesäulen und Stromtankstellen. Im Hinblick auf die für 2050 beschlossenen Klimaschutzvorgaben muss der Verkehr in den nächsten Jahrzehnten vollständig treibhausgasneutral werden. Dieses Ziel ist ambitioniert. Das muss es aber auch sein, wenn ein Wandel stattfinden soll.

Foto: @Pixabay

Der mobile Städteführer – Reisen mit Apps

Die Digitalisierung betrifft all unsere Lebensbereiche. Längst prägt sie auch unsere Reiseplanung. Der Weg ins Reisebüro ist schon länger nicht mehr der typische erste Schritt der Planung. Vielmehr gestalten sich Reisefreudige ihren Urlaub von zuhause. Eine Vielzahl von Online-Plattformen macht es möglich.

Reisebüro – nicht mehr zeitgemäß?

Die Buchung von Flug, Unterkunft und Mietwagen bedarf nur wenige Klicks. Dass ein Großteil der Urlaubsplanung genau auf diese Weise ihren Urlaub geschieht, zeigt eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom. Die Ergebnisse zeigen, dass 80 Prozent der Internetnutzer bereits online Flüge, Unterkünfte oder Mietwagen gebucht haben. Die Tourismus- und Reisebranche muss sich darauf einstellen, dass Online Plattformen in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Aber noch eine andere Anwendung gewinnt an Beliebtheit: Apps. Wer heute in der Stadt unterwegs ist und ein nettes Lokal sucht, der zückt sein Smartphone. Schnell den Standort angeben und schon erscheint eine Reihe von Lokalen ganz in der Nähe. Meist gleich mit Bewertung, Speisekarte und Öffnungszeiten. Ebenso verhält es sich mit Sehenswürdigkeiten und Unterkünften. Was im Alltag eine nette Hilfe ist, wird beim Reisen zu einem praktischen Stadtführer: Mit Städte-Apps werden Wochenendtrips in eine fremde Stadt zu einem stressfreien Kleinurlaub ohne viel Planungsbedarf.

Die App als Stadtführer

Nahezu jeder Smartphone User kennt und nutzt Google Maps. Schnell mal den Standort lokalisieren, den Weg zur nächsten U-Bahn-Station suchen, ein vietnamesisches Restaurant in der Nähe ausfindig machen. Vor allem dann, wenn man als Tourist in einer neuen Stadt unterwegs ist, sind Anwendungen wie Google Maps und Co. eine echte Hilfe. Viele Apps sind inzwischen so spezialisiert und ausgestattet, dass sie als digitalen Reiseführer durch die Stadt führen und dabei ganz auf individuelle Wünsche eingehen. Vorbei die Zeit, in der man vor einem Kurztrip noch schnell die örtliche Buchhandlung nach dem passenden Reiseführer durchforsten musste. Städte-Apps komprimieren alle wichtigen Informationen und Geheimtipps in einer Anwendung.

Planung spontan von unterwegs

Klarer Vorteil einer App: Schneller und direkter Zugriff auf die gewünschten Informationen. Und das unabhängig vom Standort einfach übers Smartphone. Als Expertin in Sachen Reisführer Apps haben wir Elisa Fliegner, Produktmanagerin der Top10 Berlin App, interviewt. Die App wurde letztes Jahr vom renommierten Touristikmagazin fvw zur besten Reiseführer-App gewählt. „Mehr als 60 Prozent der Zugriffe auf Top10 Berlin erfolgen mittlerweile mobil von unterwegs“, erklärt Fliegner. „Und gerade während eines Ausflugs in die Stadt möchten User nicht umständlich eine URL eingeben, sondern die gewünschten Infos schnell auf einen Blick erhalten.“

Top10 Berlin ist ursprünglich eine Website, die Touristen und Bewohner Berlins mit Tipps und Infos zu Essen, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen in der Hauptstadt versorgt und jetzt auch als App zur Verfügung steht. „Nutzer können beispielsweise ganz einfach und schnell zwischen einer Karten- und der Listenansicht wechseln, wenn sie nach Berlin-Locations suchen. Die Angaben zu den Locations sind auf das Wesentliche reduziert und Nutzer bekommen nach wenigen Klicks die gewünschten Infos auf einen Blick. Mithilfe der Umgebungssuche können Nutzer direkt vor Ort schauen, welche interessanten Locations in ihrer Nähe sind und sich vom Standort zur Location navigieren lassen.“, beschreibt Fliegner die Vorzüge der App. „Sollte einmal keine Internetverbindung verfügbar sein, ist das gesamte Angebot der App auch offline nutzbar.“

Städte entdecken leicht gemacht

Berlin ist mit seinen knapp 13 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr eine der am meistgefragtesten Städteziele Europas. Inzwischen findet man aber auch Apps, die durch kleine Städte führen – und das weltweit. Durch die Möglichkeit der ständigen Aktualisierung bleiben Reisende auf dem neuesten Stand. Städte auf der ganzen Welt werden so authentisch erfahrbar und ein Kurztrip umso lohnender.

Foto: @Pixabay

Ein Blick in die digitale Zukunft – Die CeBIT 2017

Ende März ist es wieder soweit: Die CeBIT öffnet ihre Türen. Vom 20. – 24. März präsentieren über 3000 Aussteller, darunter über 450 Start-Ups und namenhaften Unternehmen, die neuesten technologischen Innovationen der letzten Monate. Partnerland ist in diesem Jahr Japan.

AI, humanoide Roboter, IoT und Virtual Reality – das sind die Kernthemen in diesem Jahr

Klar ist: Das Angebot der CeBIT an neuer Technik, visionären Ideen und aktuellen Forschungsergebnissen ist so umfangreich, dass es sich nicht in einige wenige Kategorien einteilen lässt. Dennoch bilden klare Schwerpunkte heraus.

Artificial Intelligence – Chancen und Risiken

Das Thema Artificial Intelligence begleitet uns schon einige Zeit und so scheint es nur folgerichtig, dass die Errungenschaften der Forschung in Bezug auf das Denken von Maschinen ein zentraler Punkt der diesjährigen CeBIT ist. Dabei finden auch Innovationen aus dem Bereich der Medizin einen Platz. Künstliche Intelligenz beschränkt sich längst nicht nur auf Aufwendungen im Alltag. Sie wird in Zukunft alle Lebensbereiche durchdringen und „erweitern“. Neben der Bewunderung dessen, was heute schon möglich ist, soll das Thema aber auch kritisch beleuchtet werden. Dazu haben die Organisatoren Experten auf dem Gebiet als Sprecher eingeladen. Bei ihren Vorträgen soll es auch um die Problematiken gehen, die sich in Zukunft aufgrund der neuen Errungenschaften zeigen werden. Wird unsere Arbeitskraft überflüssig? Schafft sich der Mensch selber einen intelligenten Feind?

Der Roboter als Freund und Helfer

Neben der Künstlichen Intelligenz zieht eine andere Technologie die Aufmerksamkeit auf sich: humanoide Roboter. In Deutschland sind diese im öffentlichen Leben noch kaum anzutreffen, in Japan hingegen gehören sie bereits dazu. Sie leiten Passagiere am Flughafen zum richtigen Gate und sind in der Lage Stimmen und Bilder so genau zu verarbeiten, das eine Interaktion ermöglicht wird. Auch in anderen Bereichen, etwa in der Altenpflege, sind Roboter auf dem Vormarsch.

Die vollständige Vernetzung – das Internet of Things

Auch die Möglichkeiten des vernetzen Leben sollen in diesem Jahr wieder zu bestaunen sein. Mit dem Internet of Things soll unser Alltag ein neues Gesicht bekommen. Neben Anwendungen die sich dem Smart Home zuordnen lassen, stehen zunehmend auch die Möglichkeiten in Bezug auf den Verkehr und Infrastrukturen im Fokus. Das US-amerikanische Unternehmen Cisco schätzt, dass 2015 mehr als 50 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein werden. Nun stellt sich zunehmend die Frage nach der Sicherheit einer so umfangreichen Vernetzung. Auch das Thema der Digital Security soll deshalb von Experten auf der CeBIT beleuchtet werden.

Virtual Reality – nicht nur für Spiele

Virtual Reality (VR) wird vor allem mit der Gamer-Szene in Verbindung gebracht. Auch im medizinischen Bereich werden die ersten Anwendungen getestet, die für die Ausbildung beispielsweise von Chirurgen genutzt werden können. Zunehmend erschließt nun noch eine andere Branche den Markt: der Tourismus. So können die Brillen auch genutzt werden um potenzielle Urlauber schon vorab durch die Hotelanlage zu führen. Einer Studie zufolge gehen über 70 Prozent der Unternehmen aus der Tourismusbranche davon aus, dass die Erkundung des geplanten Urlaubsziels vor der Buchung schon 2025 verbreitet sein wird.

Eine Erweiterung von VR stellt zudem die Augmented Reality (AR) dar. Bei diesen Anwendungen wird dem realen Umfeld noch etwas hinzugefügt. Etwa so, wie dies bei dem Augmented-Reality- Spiel Pokémon Go der Fall ist. Auch hier bietet die CeBIT eine Bühne für alle neuen Weiterentwicklungen.

Japan ist das Partnerland der diesjährigen CeBIT

Keine Nation ist so digitalisiert wie Japan. Das Land, das 127 Millionen Menschen zählt, präsentiert sich an der Spitze in Sachen Technik und Digitalisierung. Was bei uns noch als Zukunftsmusik gehandelt wird, ist in der japanischen Gesellschaft längst angekommen. Schon heute kommen in Japan 211 Roboter auf 10 000 Mitarbeiter. Die Japaner gehören zu den am stärksten Vernetzen Bevölkerungen der Welt und investieren jährlich Milliarden in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist Japan auch für die deutsche Wirtschaft insbesondere im Hinblick auf neue Innovationen ein wichtiger Partner.

Inhaltlich wird es in jedem Fall einige interessante Beiträge von Seiten der japanischen Kollegen geben. So wird beispielsweise der Direktor des Intelligent Robotics Laboratory des Departments of Adaptive Machine Systems der Universität Ösaka einen Vortrag zu der vieldiskutierten Frage halten, ob der Mensch sich selber abschafft.

Vom Experten bis zum Neugierigen

Ein jeder, der sich auf dem Gebiet der Technik, IT und Digitalisierung bewegt, wird auf der CeBIT noch neue Erkenntnisse gewinnen können und die Möglichkeit haben, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Aber auch all jene, die neugierig sind auf die neuen Entwicklungen und auf alles, was heute schon möglich ist, werden auf ihre Kosten kommen. Wie in den letzten Jahren, kann auch in diesem Jahr wieder für fünf Tage ein Blick in die nahe und ferne Zukunft geworfen werden.

Foto:@pixabay