Tag: #sozialemedien

Reise-Collage, in welcher ein Paar die Arme um sich legt; aus der Fotokunst von Half Half Travel

Half Half Travel: Eine Fernbeziehung
als Fotokunst auf Instagram

Getrennt und doch zusammen: Die Fotografen Rebecca Siegel und Dan Gold führen eine Fernbeziehung, die es in sich hat. Beide umreisen die Welt – jedoch nicht zusammen, sondern voneinander getrennt. Eine Liebe auf Distanz aufrechtzuerhalten, ist alles andere als einfach. In ihrem Blog und gleichnamigen Instagram Account „Half Half Travel“, zeigt das Paar eine kreative Möglichkeit mit der räumlichen Trennung umzugehen. Die beiden lichten sich jeweils an dem Ort, an dem sie sich gerade befinden ab, halbieren die Fotografien in der Mitte und fügen die Hälften zu einem neuen Bild zusammen. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Darstellung der unterschiedlichen Aufenthaltsorte, erschaffen sie so gemeinsam einzigartige Collagen.

Die Sehnsucht nach der Ferne

Rebecca und Dan lernen sich im Dezember 2015 in New York kennen und lieben. Beide haben den Wunsch für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Er will ein Jahr lang durch Europa, Afrika und Südamerika reisen und dabei jeden Monat eine neue Stadt entdecken. Rebecca lebt aktuell in New York. Nachdem sie fast drei Jahre lang in Hongkong und China verbrachte, möchte sie nun noch mehr vom Rest der Welt sehen und diese auf eigene Faust erkunden. Zwei Menschen, zwei unterschiedliche Lebenspläne: Ist die junge Liebe dadurch von vornherein chancenlos?

Getrennt reisen, zusammen fotografieren

Für Rebecca und Dan nicht. Die beiden möchten – trotz der räumlichen Trennung – weder sich als Paar, noch ihre individuellen Träume und Wünsche aufgeben. In der heutigen Zeit hilft ihnen dabei das World Wide Web. Auf kreative und bezaubernde Art und Weise zeigen sie online, dass Liebe keine Grenzen kennt. Sie bedienen sich ihrer Reisebildarchive, wählen zueinander passende Fotografien aus und fügen diese durch digitale Bildbearbeitung liniengetreu zu einem neuen Motiv zusammen. Indem sich die Atmosphären der unterschiedlichen Orte zu einer Einheit verbinden, entstehen interessante Kombinationen. Was Rebecca und Dan über ihre Beziehung hinaus offensichtlich vereint, ist die Liebe zur Fotografie und zum Reisen. Was sie trennt, sind eben genau diese 1000 Kilometer Entfernung. In den Bildern verbinden sich die Welten von Rebecca und Dan. Durch ihre Fotokunst kommen sich die beiden wieder ein Stück näher.

Schwarz-weiß Bild zwei Boxer, Schiedsrichter hält einen Arm hoch, Bild zum Wahlkampf 2017 Artikel

Wahlkampf 2017:
Vom TV-Duell bis hin zum Cyberputsch

Der politische Wahlkampf wurde in dieser Woche wortwörtlich genommen. In diversen Duellen setzten die Parteien ihre Schachzüge: „Die Partei“ knackte die Facebook-Gruppen von AfD-Anhängern, die Kanzlerkandidaten trafen im TV-Duell aufeinander und auch Politiker anderer Parteien gaben sich im Fernsehen einen Schlagabtausch. Das Duell von Merkel und Schulz empfanden viele allerdings eher als ein schlechtes Duett. In den sozialen Netzwerken wurde hingegen heiß diskutiert und kommentiert – nicht selten mit einem zwinkernden Auge.

Spaß und Ernst zugleich: „Die Partei“ verschafft sich Kontrolle über AfD-Gruppen auf Facebook

Anfang der Woche sorgte “Die Partei” für großes Aufsehen im Netz. Die Satirepartei hat 31 AfD-nahe Gruppen auf Facebook gehackt. In den bis dahin geschlossen und geheimen Gruppen tauschten sich AfD-Anhänger aus. Die Namen der Facebook-Gruppen geben bereits einen Einblick in deren Inhalte: „Heimat-Liebe“, „Dr. Frauke Petry – FanCLUB“ oder „AfD 51 %“. Die Satiriker behaupten sogar, sie wurden ursprünglich mit Bots (Computerprogrammen) erstellt und künstlich mit Inhalten bestückt.

„Die Partei“ hat diese Gruppen nach eigenen Angaben über Monate hinweg infiltriert und sich das Vertrauen der Administratoren erschlichen. Diese warf man daraufhin raus und ernannte eigene Seiten-Administratoren. Der Modus wurde auf „öffentlich“ umgestellt. Nun kann jeder sehen, was dort geschrieben wurde. Die Partei ließ es sich außerdem nicht entgehen, weitere Veränderungen im Detail vorzunehmen: So wurde beispielsweise aus  der Gruppe „Antifa – Die Wahrheit!“,  „I <3 Antifa“, aus „Deutschland ohne Islam“ die Gruppe mit dem Namen „Kopftuchpflicht für Deutschland“. AfD-Anhänger sind von dieser Aktion natürlich wenig begeistert und weisen die Verantwortung von sich. So amüsant diese Aktion auch ist, offenbart sie erschreckende Inhalte. Einige davon stellt Shahak Shapira, Satiriker und Mitglied von „Die Partei“, in einem Bekennervideo auf Facebook vor:

Eklat in ZDF-Sendung zum Wahlkampf 2017

In der Live-Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ wurden Politiker mit Bürgerfragen konfrontiert, die aus einer Reportage stammen.  An der Diskussionsrunde im ZDF nahmen Ursula von der Leyen (CDU), Andreas Scheuer (CSU), Heiko Maas (SPD), Katja Kipping (Die Linke), Jürgen Trittin (Die Grünen),  Katja Suding (FDP) und Alice Weidel (AfD) teil. Letztere verließ nach einem Wortgefecht mit Andreas Scheuer abrupt das Studio. Dieser hatte zuvor AfD-Mitglied Björn Höcke als rechtsradikal bezeichnet.

 

Kurz darauf wetterte sie auf Twitter, insbesondere gegen die ZDF-Moderatorin Slomka. In den sozialen Netzwerken werten einige User Weidels Abgang als Inszenierung zum Zwecke der Aufmerksamkeitsgenerierung.

Merkel vs. Schulz im TV: Duell oder Duett?

Im Kanzlerduell ging es dagegen entspannter zu. Bereits vor dem Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Martin Schulz waren die Erwartungen daran nicht sehr hoch. Die Grünen nutzten dies für einen belustigenden Post:

Für viele bestätigte sich dies. Denn ein wirklicher Schlagabtausch kam den meisten Nutzern zufolge nicht wirklich in Gange:

Das Netz spricht eher von einem Duett, statt von einem Duell. Ihrer Meinung nach, hielten sich die Meinungsverschiedenheiten der beiden in Grenzen.

Nutzer zeigten sich insbesondere von den Inhalten enttäuscht.

Kein Wunder, dass viele User nach dem Duell nur noch ratloser sind.

Zettelhochburg Berlin:
Joab Nist über seinen Blog Notes of Berlin

Optimismus heißt umgekehrt Sumsi mit Po. Das sollte mal gesagt werden, steht auf einem der vielen Zettel die Joab Nist tagtäglich auf seinem Blog Notes of Berlin digital konserviert. Ob überklebte Straßennamen, behangene Postkästen, bemalte Toilettenkabinen, oder Notizen an Haustüren und Klingelschildern: In der Stadt Berlin herrscht die reinste Zettelwirtschaft. An kaum einem anderen Ort hinterlassen Menschen so viele Botschaften auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wir haben mit Joab über die Faszination der lustigen Zettel gesprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen “Stadt-Zettel” zu sammeln und sie dann in einem Blog zu veröffentlichen?

Ich bin selber vor 12 Jahren von München nach Berlin gezogen. Ich fand es aufregend, durch die Kieze zu gehen und zu gucken, ob man da was findet, was Berlin für einen charakterisiert. Bei diesen Spaziergängen sind mir immer wieder solche Botschaften, meist Zettel, aufgefallen. Einige von denen waren für mich wie ein AHA-Effekt: Ja stimmt, genau das ist für mich Berlin. Das passt genau hier her! Das war für mich wie ein kleiner Reiseführer durch die Stadt – nur auf eine andere Weise erzählt.  Ich wollte immer mehr von diesen Zetteln entdecken. Dann habe ich mir gedacht: Wie spannend wäre das eigentlich, wenn ich Zettel finden und dokumentieren kann, die auch aus den Ecken der Stadt kommen, in denen ich mich nicht herum treibe? Da braucht es Mitstreiter. Außerdem fand ich, dass die Zettel eigentlich eine größere Öffentlichkeit verdienen. Die hängen ja nur kurz da und sind dann für immer weg. Eigentlich sind sie Originale und Unikate, wo irgendjemand eine Geschichte erzählt. Sie sollen relativ ungefiltert zeigen, was die Menschen hier bewegt. Dass das sehr oft skurril ist, liegt daran, dass die Protagonisten, die so einen Zettel schreiben, in dem Moment nicht so viel nachdenken. Es kommt halt einfach raus und das ist dann halt oft komisch, aber authentisch.

Was sind das für Botschaften?

Eigentlich die komplette Alltagskultur. Also alle Dinge, die einem so täglich in der Großstadt begegnen. Dass jemand gerade verzweifelt einen Job sucht oder jemanden irgendwo gesehen hat und ihn wiedersehen möchte. Die Stadt ist zu groß dafür, er muss einen Zettel schreiben. Oder man beschwert sich über seinen Nachbarn, der sehr skurril ist. Ganz viele Zettel kommen aus Hausfluren und großen Mietshäusern. In Berlin ist es irgendwie gang und gäbe, dass man nicht klingelt, sondern sich Zettel schreibt, um sich über etwas zu beschweren oder um eine Party anzukündigen. Auf der Straße ist auch die Liebe ein ganz großes Thema. Ganz viele Menschen sehen sich irgendwo, haben die Nummern nicht ausgetauscht, sich nicht angesprochen und wollen sich wiederfinden. In einem Ballungsraum wie Berlin musst du dann halt zum Beispiel einen Zettel schreiben und den da aushängen, wo du die Person das letzte mal gesehen hast, damit du sie wiederfinden kannst. Da bringt dir auch ein Post auf Facebook nichts. Du erreichst mehr Leute, aber nicht die Person, die zufällig auch in diesem Kiez wohnt. Neben Diebstahl ist Sex ein riesen Thema. Wir haben wahnsinnig viele Zettel, wo man die Nachbarn rummachen hört. Es gibt auch politische Botschaften. Lost and found ist natürlich auch ein Klassiker.

Hast du ein paar Beispiele beziehungsweise Highlights, die dir spontan einfallen?

Wenn jemand seinen Stoffbären verloren hat und dann steht auf dem Zettel: “Finderlohn 500 Euro”, dann denkst du dir: War das was drin? Oder ist der was wert? Es gibt auch genau das Gegenteil: “Katze verloren. Finderlohn: Sieben Euro”. Warum Sieben? Ist dir dein Tier nicht mehr wert? Der eine verliert sein Geld, der andere seine Steuererklärung, der Dritte seinen Hamster, den er kurz bei der Bushaltestelle abgesetzt hat, um mal eben in den Späti zu gehen. Dann war der Hamster weg.

Warum gibt es so viele Zettel in Berlin, obwohl vieles nur noch digital stattfindet? Wo liegt der Reiz?

Es ist ein Kommunikationsmedium, was du heute trotz Internet quasi als Gegenentwurf noch nutzt. Wenn du zum Beispiel jemanden suchst und im Internet postet, bringt dir das ja nicht so viel. Wenn du nur deine Leute im Kiez ansprechen möchtest – im Sinne von “mein Fahrrad wurde gestohlen, bitte haltet die Augen offen”. Dann macht es einfach Sinn, das noch auf die alte Art und Weise zu kommunizieren. Ich glaube trotz Apps und der Digitalisierung, sind wir ja alle noch mit Papier und Stift aufgewachsen. Und das wird auch die nächsten Jahre noch so sein und das sollten wir auch nicht verlernen. Ich glaube, dass sich das auch ein bisschen initiiert und zum Mitmachen einlädt. Es hat auf jeden Fall eine viel persönlichere Note, als wenn du einfach irgendwo bei WG-Gesucht dein Inserat aufgibst oder einen Facebook-Post machst. Und es sind die Themen, die wir alle kennen: Fahrraddiebstahl, Liebeskummer, nervende Nachbarn. Das ist eines der Geheimnisse, warum das Projekt so gut funktioniert: Man kann sich damit sehr einfach identifizieren. Du brauchst kein großartiges Vorwissen. Du musst auch gar nicht aus Berlin kommen. Du musst Berlin auch nicht mögen, du kannst Berlin hassen. Denn diese Themen gibt es  teilweise auch in anderen Städten. Die Idee ist aber schon, damit Berlin zu charakterisieren und nicht die Zettel an sich. Deshalb ja Notes of Berlin.

Warum denkst du, dass ausgerechnet Berlin so zugekleistert wird?

In Gesamtdeutschland ist Berlin das Mecker der Zettelwirtschaft. Im öffentlichen Stadtbild kann man hier und da mal etwas hinterlassen, ohne, dass das Ordnungsamt gleich um die Ecke kommt. Das ist in München zum Beispiel anders. Das ist eine sehr saubere Stadt. Da siehst du nicht an irgendwelchen Laternen oder Ampelmasten Sachen kleben. Das ist auch verboten. Hier in Berlin sind ja quasi Schichten von Jahren, die sich außen herumwickeln. Es gibt Streetart, Graffiti, Guerilla Gardening – alles so Sachen, wo man auch im öffentlichen Raum mitgestaltend tätig ist. Das prägt glaube ich auch schon so ein bisschen das Gefühl “okay ich kann dort auch einen Zettel hinkleben. Das macht doch jeder”. Alle machen hier irgendetwas. Und das hast du im Vergleich mit anderen deutschen Städten nicht in dem Ausmaß.

Was verraten die Notizen über die Menschen in Berlin?

Es gibt dir einen Einblick: Wovor haben die Menschen Angst? Was treibt sie um? Ist es die Wohnungsnot? Es gibt auch Leute, die sich darüber beschweren, dass das Haus immer internationaler wird. Dann kriegt man auch oft den Eindruck, Berlin ist die Stadt der Singles, Berlin ist einsam und anonym: Wieso suchen die sich alle? Wieso sprechen sie sich nicht an? Wieso hat niemand irgendjemanden? Man merkt auch, dass viele schon manchmal ein bisschen gestresst sind. Man reagiert oft ein bisschen über,  man toleriert vielleicht viel, aber irgendwann reicht es einem. Und man nimmt einfach kein Blatt vor den Mund. Wenn du irgendetwas zu sagen hast, dann sagst du es – auch ungefragt.  Und ich glaube das ist auch wichtig in so einer Großstadt wie Berlin, dass man sich halt irgendwie Gehör verschafft, auch wenn es anonym ist. Dass du irgendwie raus kannst, du brauchst irgendein Ventil.

Und das ist dann der Zettel?!

Genau, vor allem wenn wir von Beschwerden sprechen. Es zeigt aber auch, wie kreativ Berlin ist. Es gibt Zettel, die sind unfassbar talentiert gezeichnet, geschrieben, richtig um die Ecke gedacht und mit so viel Leidenschaft verfasst. Auch die Leute, die mit einem gewissen Ideal hier herkommen oder einen gewissen Lebensstil leben wollen, spiegeln sich in den Zetteln wieder. Und Naivität. Deswegen ist es wie ein Querschnitt durch all die verschiedenen Bezirke und Mietshäuser. Es sind nicht nur die Hipster aus Neukölln oder Kreuzberg, die da Texten. Was auch wieder zeigt, dass es nicht nur ein Phänomen von jungen oder alten Leuten ist, so einen Zettel zu schreiben. Es ist ein Gesellschaftsding.

Du verbreitest die Zettel auch auf Instagram und Facebook. Warum teilen die Nutzer deine Blog-Inhalte dort so leidenschaftlich?

Weil du die Situation oft nachvollziehen kannst. Das sind so radikale Alltagsthemen, eines davon trifft dich immer irgendwie. Dann willst du das auch mit anderen teilen. Deswegen läuft das so gut auf den sozialen Netzwerken. Leute kommentieren auch viel. Bei manchen Posts entstehen ganz lange Kommunikationsstränge. Das ist auch ziemlich spannend, weil du siehst, was die Menschen umtreibt. Sonst gibt es keine Möglichkeit oder keinen Grund, über solche Themen zu sprechen, weil es keine Plattform dafür gibt. Und weil es eigentlich zu alltagsbezogen ist. Wenn du aber Zettel quasi als Auslöser hast, dann kannst du das Thema auch ein bisschen mehr aufmachen. Deswegen ist es auch oft so, dass so ein Zettel manchmal eine Initialzündung ist. Da kommentieren auf einmal 50 Leute zum Thema zugezogen in Berlin oder zur Ghettofizierung, obwohl das gar nicht impliziert war.

Es gibt bereits Bücher und Kalender über das Zettelphänomen. Und auch ein Film wird kommen. Hast du noch weitere Zukunftspläne?

Neuerdings mache ich Live-Lesungen, mit einem „Best of“ der Zettel. Die werden auf Leinwand projiziert und ich interpretiere sie ein bisschen. Mir macht das auch noch mehr Spaß als zu posten, weil ich ja die Reaktionen der Menschen sehe. Dann wird es auch wieder Offline-Ausstellungen geben. Zum Beispiel hat das “The House” Projekt stattgefunden. Das war ein großes urban art Event in Berlin. Da hatte ich zweieinhalbtausend Zettel ausgedruckt und alle in einem Raum an die Wand geklebt. Was sehr spannend war, weil man den Zettel offline wieder dahin bringt, wo er eigentlich herkommt, er durch den Ausdruck wieder haptisch wird. Das ist auf ganzen Wänden gebündelt und du hast nicht wie im Internet einen Zettel, auf den du klickst. Das ist toll, wenn du spürst, wie die Leute dann darüber reden, sich hier und da anstupsen. Du bewegst dich in diesem Raum und da wo dein Auge hinfällt, liest du ein bisschen was, du musst aber auch nicht alles lesen. Du bist dann in so einem Kosmos gefangen.

Hier eine kleine Auswahl an amüsanten Zetteln:

Titelbild: @Leon Kopplow

Die Fotografin Cindy Sherman
inszeniert Selfie-Wahn mit trashigen Grimassen

Ob Kim Kardashian-West in Selfish, Buzz Aldrin im Weltall, Weltstars bei der Oscar Verleihung oder der Otto Normalverbraucher in sozialen Netzwerken: Selfies sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Eine Vorreiterin der Selbstporträts ist Cindy Sherman, eine der erfolgreichsten und teuersten Künstlerinnen der Welt. Sie wurde vor allem durch ihre feministisch provokanten Bildnisse bekannt. Jetzt ist die Fotografin mit über 600 Bildern auch auf Instagram aktiv. Scrollt man durch ihren Account so könnte man denken, in der Selfie-Hölle gelandet zu sein: Lauter verzerrt groteske Gesichter und Selbstinszenierungen. Eine Kritik am Schönheits- und Selbstoptimierungswahn? Wie provoziert eine Cindy Sherman 2.0?

Provokante Porträts damals und heute

Seit dem Vormarsch der Fotografie ist die Königin der Selbstdarstellung Cindy Sherman. Bekannt wurde die mittlerweile 63-Jährige US-Amerikanerin mit einer Serie von Schwarzweiß-Fotografien, den ‘Untitled Film Stills’ (1977). Jedes einzelne dieser 69 Fotos zeigt sie selbst, Cindy Sherman. Und doch könnten die Fotos nicht unterschiedlicher sein. Bild für Bild, Foto für Foto nimmt die Künstlerin eine andere Frauenrolle an. Mal ist sie Cindy, das trotzige Kind, mal Cindy, die Stenotypistin, mal Cindy, die Bibliothekarin. Auf diese Weise thematisiert sie neben der Identitätsfindung, den Feminismus und die Gender-Diskussion. Mit ihren Fotografien rückt sie außerdem das Spannungsfeld zwischen Künstlichkeit und Wirklichkeit in den Fokus: Was ist wahr und was Illusion?

Cindy Sherman übt Selfie-Kritik auf Instagram: Gruselig oder langweilig?

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Was damals bereits als provokant galt, wirkt im Lichte der von Cindy Sherman neu veröffentlichten Bilder harmlos. Auf ihrem kürzlich gestarteten Instagram-Account springen einem zahlreiche verzerrte Gesichter entgegen. Viele von ihnen wirken wie die Ergebnisse missglückter Schönheitsoperationen. Sherman nutzt diverse Bildbearbeitungsapps und dreht den Spieß um: Eigentlich sollen die Anwendungen Bilder optimieren, eine nachträgliche Modellation und das digitale Auftragen von künstlichem Make-Up ermöglichen. Indem die Fotografin die Bilder nun ausgerechnet mit einer Schönheitsapp entstellt, übt sie Kritik am Optimierungswahn und macht sich über den Selfie-Kult lustig. Auf einem der Bilder zerfällt ihr Gesicht in Einzelteile, auf dem Nächsten liegt sie im Krankenhausbett und sieht aus, als sei sie in den Schminktopf gefallen. Große Augen, kleine Ohren, verzerrte Lippen: Manche Selfies sind witzig, die meisten jedoch sehr verstörend – was typisch für die Werke der Künstlerin ist.

Selfies zwischen Kult und Narzissmus

Für einen gelungenen Schnappschuss muss man längst kein Experte mehr sein. Mit Smartphone und diversen Bildbearbeitungsprogrammen kann das digitale Selbstporträt im Handumdrehen erstellt, bearbeitet und geteilt werden. Doch woher kommt das allzu selbstdarstellerische Bedürfnis? Was bewegt Menschen dazu, mitten auf der Straße ihre Arm gen Himmel zu strecken, ein krampfhaft wirkendes Lächeln aufzusetzen und dabei beinahe den nächsten Laternenmast zu streifen? Selfies können schöne Momente festhalten, die man mit anderen oder mit sich selbst verbracht hat. Doch Fakt ist auch, dass das Schönheitsideal der heutigen Zeit immer mehr Menschen dazu verleitet, das eigene Bild perfektionieren zu müssen – sei es durch Schönheitsoperationen, Diätpläne, materielle Besitzgüter oder eben durch und mit einem Selfie.

Auch wenn Cindy Shermans Instagram-Bilder verstörend sind, so sind die Kritik-Momente an sich eigentlich nichts Neues. Deshalb erntet die Künstlerin auch kritische Stimmen. Das Fazit des Magazins monopol lautet deshalb beispielsweise: eher uncool. Und zum hübsch Ansehen sind sie schließlich nicht gedacht. Oder doch?

 

Titelbild: @Jan Zuppinger, flickr

Illustration von Ann-Kathrin Poneta zum Artikel: Fingers crossed: Instagram Trend #Gerwomany als Wahlaufruf an alle Frauen

Fingers crossed: Instagram Trend
#Gerwomany als Wahlaufruf an alle Frauen

Gestalte selbstbestimmt mit, geh wählen – ist ein Aufruf an alle Frauen in Deutschland. Unter diesem Motto starteten kürzlich sieben Verlage die gemeinsame Kampagne #Gerwomany. Als Facebook und Instagram Trend posieren diverse Celebrities mit gekreuzten Fingern und machen dadurch auf eine Initiative aufmerksam, die Frauen zur Teilnahme an der Bundestagswahl 2017 mobilisieren möchte. Das Ziel: Die weibliche Wahlbeteiligung soll in diesem Jahr mindestens so hoch wie die der Männer sein.

Frauen gehen weniger wählen

Laut der Initiative sind in Deutschland ca. 30 Millionen Frauen wahlberechtigt. Doch von ihnen gehen längst nicht alle wählen. Seit 1953 ist ihre Wahlbeteiligung geringer, als die der Männer. Zwar hat sich diese im Verlauf der Zeit angeglichen, im Jahre 2013 lag der Unterschied bei nur noch 0,5%, doch gerade unter jungen Wählern driften die Werte auseinander. So ist die Wahlbeteiligung der 21- bis 25-Jährigen in den vergangenen 30 Jahren um etwa 20 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist mit dem Aufkommen fragwürdiger populistischer Parteien und in Zeiten weltweiter Krisen jede Stimme entscheidend. So lautet ein weiteres Credo der Kampagne: “Gegen Populismus haben wir nur eine Wahl – Wählen gehen”!

Verlagsübergreifende Aktion für die gute Sache

#Gerwomany Kampagne
obs / #GERWOMANY

Die teilnehmenden Verlage erreichen mit ihren insgesamt 23 Frauenmagazinen gemeinsam rund 20 Millionen Leserinnen pro Erscheinungszyklus und haben somit die Möglichkeit, viele Frauen anzusprechen. Sabine Hofmann vom Magazin myself kommentiert: „Wir haben alle zusammen eine enorme Reichweite – und warum sie nicht nutzen, um Dinge zu bewegen? In Frauenmagazinen geht es längst um mehr als um Lippenstift und Handtaschen“. Mit der Gestaltung der Kampagne wurde die Kreativagentur Dojo beauftragt. Das passende Logo bildet sich aus zwei Kreuzen. Sie stehen symbolisch für die zwei abzugebenden Wahl-Stimmen sowie für die weiblichen X-Chromosomen. Die Kampagnenmotive werden in den kommenden Wochen bis zur Wahl am 24. September in Printausgaben, sozialen Netzwerken und anderen digitalen Kanälen, inklusive thematisch passender Beiträge, erscheinen.

Eine Handgeste wird zum Instagram Trend

Auf Instagram machen sich weibliche Blogger, Influencer, Künstler sowie bekannte Persönlichkeiten für die Initiative stark, animieren zum Teilen und setzen ihr Statement mit einer Handgeste, bei welcher Zeige- und Mittelfinger zu einem X gekreuzt werden.

Nicht wählen ist keine Option

Zwar hat sich die Wahlbeteiligung der Geschlechter im Laufe der Zeit bereits angeglichen, dennoch kann es nie schaden, Menschen, in diesem Falle Frauen, dazu zu animieren, sich ihrer politischen Mitgestaltungsrechte bewusst zu werden und ihre Kreuze zu setzen. Denn nichts ist in dieser Hinsicht schlimmer, als gar nicht wählen zu gehen: „Angesichts des zunehmenden Extremismus weltweit ist nicht zu wählen keine Option. Wir allein tragen Verantwortung dafür, dass wir auch weiterhin in einem Land leben, das uns bei allem, was wir tun, Wahlfreiheit gewährt“, so Petra Winter von der Zeitschrift Madame.

An der Aktion beteiligen sich folgende Verlage: Bauer Media Group, Hubert Burda Media, Condé Nast, Emotion Verlag, Funke Mediengruppe, Jahreszeiten Verlag und Vision Media. Die Kampagne wird unter anderem von den Magazinen Vogue, Joy und Shape und Harper’s Bazaar getragen.

 

Titelbild: Illustration @Ann-Kathrin Poneta

Sonnenfinsternis zum Artikel: "Die Google Suchanfrage nach der Sonnenfinsternis in den USA: 'my eyes hurt'"

Die Google Suchanfrage nach der
Sonnenfinsternis in den USA: „my eyes hurt“

HA HA HA – Ich habe die Sonne geblockt. Mach Platz für den Mond, twitterte am Montag  die NASA im Namen des Mondes. Für die Amerikaner war sie die erste Sonnenfinsternis seit ca. 100 Jahren. Kein Wunder also, dass der ein oder andere den Fehler beging und ungeschützt in die Sonne blickte. Oder ist es nur ein Zufall, dass die Kurve der Google Suchanfrage zu “solar eclipse” in den Google-Trends 2017 gleichzeitig mit der Kurve zum Stichwort “my eyes hurt” anstieg?

Google Suchanfrage: Wer sehen will…muss fühlen!?

Google Trends: Anzahl der Suchanfragen „solar eclipse“ und „my eyes hurt“ in New York am 21. August 2017

Google Trends ist ein Tool, das aktuelle und vergangene Google Suchanfragen analysiert und vergleicht. Wie „The Next Web“ berichtete, stiegen die Suchanfragen zu „my eyes hurt“ parallel zur und auch nach der Sonnenfinsternis in den USA fortwährend an. Werden beide Grafen übereinander gelegt, wird deutlich: Kurz nachdem die Suche nach „solar eclipse“ ihren Höhepunkt erreichte und allmählich wieder abflaute, erlangte die Suche nach den Augenschmerzen ihren Höchstwert. Insgesamt googelten nichtsdestotrotz mehr Amerikaner nach „solar eclipse“. Ob eine tatsächliche und fundierte Korrelation besteht, ist ungewiss – aber durchaus denkbar.

Trump in der Erleuchtung

Denn vielleicht folgten sie dem schlechten Vorbild von Donald Trump. Dieser sah trotz der allgemein bekannten Warnungen und erneuten Hinweise seiner Mitarbeiter, für einige Augenblicke ungeschützt Richtung Himmel. Die Medien ließen es sich natürlich nicht entgehen und hielten die – wenn auch kurze – Situation auf Fotos fest. Die New York Daily News titelte „Nicht allzu hell“ und auch das Netz spottete.

Letztlich klappte es dann auch im Weißen Haus noch:

Auch die Sonne zeigte sich nach dem Spektakel versöhnlich und twitterte: „Ich habe die Blockade im Himmel und auf Twitter wieder aufgehoben.“

Falls nun doch noch Fragen zur Sonnenfinsternis offen sein sollten, hier ein anschauliches Erklärvideo im Cat-Content-Style:

 

Und so wunderschön sieht das dann „in Echt“ aus:

Afrikanische Kunst GIF’s
als digitale Illustrationen

Mit seinen animierten und dynamischen Illustrationen schafft Vince Fraser unverwechselbare Werke. Der Künstler beschreibt seinen Instagram Account als ein “Diary of digital and sometimes analogue behaviours”. Fraser nimmt die statischen Bilder einzigartiger Fotografen und transformiert sie in bewegliche digitale Illustrationen. Indem er einzelne Bildelemente animiert, entstehen so hypnotisierende GIF’s.

Statischen Bildern wird Leben eingehaucht

 

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Bevor er sich der digitalen Kunst widmete, arbeitete der in London lebende Künstler im Interior Design. Beide Bereiche sind für ihn miteinander verknüpft.  Seine GIF’s wirken wie zusammen gepuzzelt und doch als Einheit. Auf die einzigartigen Illustrationen von Vince Fraser wurden bereits große Firmen wie British Airways, BBC, T-Mobile und Adidas  aufmerksam, welche die Designs im Werbe-, Lounge- und Immobolienbereich  integrierten. Auch Hugo Boss und Nike gestalten bereits mit ihm ihre Kampagnen.

Im Gespräch mit Konbini erklärt der Illustrator den sowohl farblich als auch inhaltlich einheitlichen Stil seiner Werke: “I’m very particular about which images I use as they need to have the correct balance of light, shadow, contrast and composition for it to work well together. Black and White is also very classic and timeless which can let the audience focus more on the subjects matter without colour distraction“.

Digitale Illustrationen erwecken Kultur zum Leben

Inspiration zieht Fraser nach eigenen Angaben aus der afrikanischen Kunst. Deren kulturelle Elemente sind ein fester Bestandteil seiner Motive: “I draw inspiration from everything around me focusing mainly on black art and culture. In particular, traditional African art, from wooden tribal face masks, figurative sculptures and other decorative objects from West and Central Africa“.

 

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GIF’s können mehr sein als witzige Animationen, die wir mit unseren Freunden im Chat teilen. Wir lieben die Kurzclips auch als Kunstwerke:  30 Jahre GIF-Kunst: Ein Bildformat schreibt Geschichte.

Titelbild: Photographer @LYRA OKO / Make up Artist @MDEIZIMAKEUP  / Model @ANJILILAURA

Straßenkunst Berlin: Graffiti Bär

Schau mir in die Augen Kleines:
Neues aus der Straßenkunst Berlin

Haltet die Augen offen: Dann blickt ihr in Berlin vielleicht schon bald in die blinden Augen der stylischen Streetart-Wesen des französischen Künstlerduos Kam und Laurene. Bei den Kunstwerken handelt es sich um bunte, augen- und mundlose, jedoch keineswegs ausdruckslose Gestalten. Ob man sie nun hübsch, niedlich oder eher gruselig findet – liegt wie so oft – im Auge des Betrachters! Der Großteil von ihnen wurde mit einem modernen Kurzhaarschnitt versehen und ist, wie es die Herkunft ihrer Gestalter vermuten und erwarten lässt, ganz en vogue gekleidet. Gepaart mit einer meist starren und unmotivierten Haltung, wirken die Figuren sehr minimalistisch und erhalten einen einzigartigen Stil.

Straßenkunst Berlin: Stylische Bezirks-Figuren


Doch auch die Umgebung, in die sie eingebettet sind, macht sie so einzigartig. Man erkennt die tendenziell eher kleinen Figuren auf dem Weg durch die Stadt nicht sofort. Erst, wenn man nicht immer nur bis zur nächsten Straßenecke schaut und den Blick auch mal nach oben oder in kleine Ecken schweifen lässt, wird man den kleinen Kunstwerken begegnen. Kamlaurene-Wesen luken aus Büschen hervor, drängen sich an Bordsteinkanten, auf Fensterbänke, hässliche U-Bahnfliesen, Dielenböden oder agieren plötzlich mit alten Graffitis als ein neues Gesamtkunstwerk. Auf seinem Instagram Account zeigt das Künstlerduo ausgewählte Werke in verschiedenen Städten. Neben Paris zählt dazu vor allem Berlin: Von Prenzlberg über Friedrichshain bis Kreuzberg, von Hauseingängen über S-Bahn-Stationen bis hin zu Stromkästen. Seht selbst:

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Wahlkampf 2017: Wenn Politiker chatten
und Merkel ihr Lieblings-Emoji verrät

Eine neue WhatsApp-Nachricht von Katrin Göring-Eckardt oder eine neue Facebook- Nachricht vom CSU-Chat-Bot Leo: Politiker setzen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mal mehr und mal weniger auf Chatrooms. So auch im Wahlkampf 2017. Das Potential sozialer Netzwerke liegt in der Interaktion mit den potentiellen Wählern. Doch wird dieses auch wirklich ausgeschöpft? Heiß diskutiert wurde in dieser Woche außerdem das YouTube-Interview mit Angela Merkel, in welchem sie ihr Lieblings-Emoji verrät.

Wie interaktiv sind die Parteien auf sozialen Netzwerken im Wahlkampf 2017?

Schaut man sich die Social Media-Profile der Parteien an, so lässt sich feststellen, dass der Großteil von ihnen – bis auf einige Kommentar-Reaktionen – eher publiziert als interagiert. Dabei liegt genau darin der Mehrwert sozialer Medien, der somit ungenutzt bleibt: „Da haben die deutschen Parteien nicht verstanden, dass im Web 2.0 nicht einfach nur Platz für Pressemitteilungen ist, sondern, dass dort Gespräch stattfindet sollte“, sagt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler und Wahlkampf-Experte von der Universität Hohenheim. Natürlich ist klar, dass es Personal und Kosten erfordert, interaktiver zu werden. Es braucht große Teams, die sich mit den Fragen und Anregungen der Nutzer beschäftigen. Doch diese Investition könnte sich auszahlen.

Gute Ansätze, schwache Umsetzungen

Katrin und Cem als WhatsApp-Kontakte

Die Grünen rücken die Nummern von Katrin: +49 176 34365582 und Cem: +49 176 34345240 raus. Die potentiellen Wähler werden eingeladen, mit den Spitzenkandidaten per WhatsApp zu chatten, Fragen zu stellen und Anregungen zu hinterlassen. Wir haben es mal ausprobiert, Katrin in unser Telefonbuch eingespeichert und das Gespräch – wie angegeben – mit einem “Start” begonnen. Wir erhalten direkt eine Begrüßungsnachricht von ihrem Team zurück. Eher eine Art Newsletter? Auf Fragen um die Bedeutung der sozialen Medien für die Partei, wird aber leider nur auf das Programm verwiesen. Und Cem hat unsere Statement-Bitte bezüglich eines Digitalministers bislang noch nicht einmal gelesen. Die grauen Häkchen verraten es: Er ist die ganze Zeit online, aber schreibt nicht. Anlass genug, um beleidigt zu sein?

CSU-Leo im Facebook-Messenger-Chat

Dann unterhalten wir uns doch einfach mal mit dem Chat-Bot der CSU: Leo. Leo wird als kleiner blauer Roboter im Messenger Chat von Facebook vorgestellt – natürlich im gewohnt modernen “graphic-design-is-my-passion-Look”. Nutzer können ihm Fragen zur Partei stellen. Leider erkennt er aber die Wenigsten davon. Hinter dem Ganzen sitzt ein Team, welches im Vorfeld Antworten auf bestimmte Stichwörter programmiert. Irgendwie werden wir nicht warm miteinander. Um uns besser kennenzulernen, schlägt Leo mir ein Speedinterview vor. Na dann mal los. Auf mein Lieblingsessen folgt “I mog a g’scheite Schweinshaxn”, auf die Lieblingssendung ein “Also ich schaue am liebsten politische Talkshows, da geht’s immer richtig zur Sache 😉” und musikalisch gesehen kriege ich dann die Bayernhymne präsentiert. Kritik an der politischen Konkurrenz bleibt ebenfalls nicht aus: Fragt man nach einer anderen Partei, bekommt diese via Memes und GIF’s ihr Fett weg.

 

Durch stetiges Nachfragen, wird auch zu politisch relevanten Themen-Antworten geleitet. Die Reaktionen verweisen auch auf andere Accounts der Partei – wie zum Beispiel Instagram. Insgesamt eher eine vorgefertigte nette Spielerei als eine wirkliche Interaktion.

Die Technik steht in Sachen automatischer Antworten-Generierung aber auch noch am Anfang. Eine umfassende zukünftige Nutzung von Social Bots lehnen CSU und andere Parteien hingegen ab.

Neues Format: YouTuber fragen…die Kanzlerin

Am Mittwoch stellte sich Angela Merkel den Fragen von vier jungen YouTubern – live aus dem YouTube-Space in Berlin. MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik bringen darin Themen zur Sprache, die sowohl eine politische Relevanz haben als auch die eigenen Erfahrungen abdecken. Durch YouTube will die Kanzlerin mit der Jugend ins Gespräch kommen.

Man sprach über ernste Themen und zog eine Schnute:

Und über Smileys:

“Haben Sie einen Lieblings-Emoji?” Merkel lächelt: “Smiley! Wenn es mit Hut kommt, dann noch ein kleines Herzchen dran. Und wenn mal nicht sowas Gutes war, dann kann man auch eine Schnute nehmen”.

Steht gerade mal kein Treffen mit der Kanzlerin an,  dann geben die YouTuber in ihren Videos Shopping-, Lifestyle- oder Technik-Tipps. Wie Merkel diesen Job auffasst, wird in folgender Anmerkung deutlich. Eine Twitter-Nutzerin kommentiert das Ganze dann auf ihre Art:

 

Twitter-Reaktionen als Bestandteil des Interviews

Unter dem #DeineWahl konnte auf Twitter und YouTube fleißig mitdiskutiert werden. Zwischen den Gesprächen haben die Moderatoren ausgewählte und auch kritische Kommentare vorgelesen und stellten die Ergebnisse, der von den Projektinitiatoren veranlassten, Online-Umfragen vor. Diese wurden dann wiederum im Gespräch mit Merkel aufgegriffen.

Hier merkt eine Userin ebenfalls an, dass die Partei zwar neue Medien nutzt, um jüngere Generationen anzusprechen, aber dort keine wirklichen Inhalte platziert. Die Bundeskanzlerin bestätigt diese Zunahme und ermuntert dazu, sich auf Instagram oder Facebook zu melden, wenn Inhalte nicht ausreichen. Es kriegt fast jeder eine Antwort, der sich bei der Bundesregierung meldet, heißt es weiter.

„Deine Wahl“ zwischen Innovation und Kritik

Die Nutzerkommentare des YouTube-Interviews explodierten. In dem über 60-minütigen Video wurden allerdings nur wenige ausgewählte präsentiert. Bislang wurde das Video 1.175.103 Millionen mal aufgerufen. Das neue Format kommt bei einigen Nutzern gut an, wird allerdings vor allem von den Medien auch kritisiert. Bestand doch die Hoffnung, dass das Live-Event zu einem mutigen Kreuzverhör junger Menschen mutiert, so entpuppten sich die Fragen als Standardinhalte, die man auch tagtäglich im Fernsehen oder in der Zeitung zu sehen bekommt – so deren Fazit. Zwar ist das Format ähnlich innovativ, wie die von uns vorgestellte Gesprächsrunde „Frag selbst„, weil es User-Kommentare direkt mit einbezieht sowie Interview, Video-Kommentar und Meinung bündelt. Der Großteil der Fragestellungen sei aber bereits vielfach diskutiert worden und nichts Neues. Lieblings-Smiley und Lieblings-T-Shirt-Druck bildeten die Ausnahmen, waren aber eher unterhaltend als nützlich.

Und was sagt es uns, dass genau diese Fragen am meisten kommentiert wurden?

 

Die Eismauer von Game of Thrones zum Artikel: Vom Teppich zum GoT-Mantel: IKEA macht einen Marketing Gag draus

Vom Teppich zum GoT-Mantel:
IKEA macht einen Marketing-Gag draus

Mit der kürzlich gestarteten und von vielen lang herbeigesehnten 7. Staffel von Game of Thrones, ist der Hype um die Serie wieder vollends entfacht. Nun tauchte ein altes YouTube-Interview mit der Chef-Kostümbildnerin auf, in dem sie verrät: Die zotteligen Mäntel der Nachtwache bestehen aus IKEA-Teppichen! Dies löste einen regelrechten Internet-Hype aus und verschaffte dem Möbelgiganten durch einen Marketing-Gag einen viralen Hit.

Kostümbildner bedienen sich in Teppich-Abteilung

Da staunten sowohl die Fans, als auch das schwedische Unternehmen nicht schlecht als die Kostümdesignerin verriet:  „Die Mäntel sind eigentlich Ikea-Teppiche. Wir nehmen alles, was wir kriegen können. Wir haben die Felle zerschnitten, neu zusammengefügt und mit Lederriemen versehen“. Dazu wurde der Zottel-Teppich außerdem gewachst und gefrostet. Beste Schauspieler, aufwendigste Kulissen und gigantische visuelle Effekte benötigten Millionen an Produktionskosten. Für das Kostüm von Jon Snow, zog man hingegen die verhältnismäßig günstigeren Schafsfelle „Skold“ und „Ludde“ heran.

Das entsprechende YouTube-Video mit dem Interview der Designerin im Getty Museum in Los Angeles, ist bereits über ein Jahr alt. Nun wurde es von den Nutzern entdeckt und verbreitete sich in den sozialen Netzwerken rasant.

Erfolgreicher Marketing-Gag mit Do-It-Yourself-Anleitung für einen Jon Snow – Mantel


IKEA berief daraufhin seine kernigsten, bislang typisch gelb-blau gekleideten, Mitarbeiter ein und degradierte sie, mit “Skold”-Teppichumhang als Verkleidung, zur Nachtwache. Die Fotos wurden auf Facebook geteilt. Zusätzlich reagierte das Möbelhaus auf den Internet-Hype mit einer Bastel-Anleitung zur Herstellung eines Nachtwachenmantels. Darunter – in Anlehnung an die Geschichte – folgender Spruch: „Sommer ist fast vorüber, der Winter kommt“. Ein Marketing-Gag, der den Verantwortlichen zahlreiche Likes und Shares einbrachte.


Eine andere Nutzerin nervt der ganze Rummel und fürchtet, dass sich der Hype überträgt:

Ob der selbstgebastelte Mantel aus der IKEA-Teppichabteilung allerdings alltagstauglich ist?

Das vollständige Interview, in welchem die Chef-Kostümdesignerin von Game of Thrones ihren Mantel-Insider verrät, könnt ihr euch hier anschauen: