Tag: Social Media

Theater 2.0:
Eine Bühne zwischen Virtualität und Realität

Wir waren im Theater … und eigentlich auch wieder nicht. Denn es handelte sich um keine gewöhnliche Vorstellung. Gespielt wurde nicht etwa auf einer klassischen Bühne, sondern ortsunabhängig, online, in einem Livestream des World Wide Web. Theater 2.0, das Web als neue Bühne, funktioniert das?

Online-Theater.live – so nennt sich das Projekt, welches von den Schauspielern Caspar Weimann und Saladin Dellers gemeinsam mit NUU, einer experimentellen Plattform für junge Künstler, “ins Netz gerufen” wurde. Dabei geht es nicht darum, ein Stück aufzuzeichnen und in den Medien zu verbreiten, sondern es online entstehen und sich entwickeln zu lassen. Eine Gruppe junger Künstler aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kreieren ein mobiles, eigens fürs Internet inszeniertes Online-Erlebnis: Die Schauspieler sind unterwegs, filmen sich mit verschiedenen Medien und übertragen die Inhalte per Livestream in dein Wohnzimmer. Teile der Story werden mit dem Online-Publikum im Foyer, einem parallel laufenden Chat, besprochen und final gestaltet. Jeder kann kostenlos zuschauen und mitkommentieren. Das Netz und seine User werden dadurch selbst Teil der Inszenierung. In dieser Situation ist Spontanität, Improvisation und Interaktion gefragt. Doch ist das noch Theater? Oder schon Film? Ein Event? Eine Live-Sendung wie im TV? Die Macher der gestrigen Aufführung “follower” nennen es ein “on-the-road-multicam-live-improfilm-theater”. Was für eine Wortneuschöpfung! Schon diese Bezeichnung erweckt den Eindruck, als fiele es auch den Künstlern schwer, eine Einordnung vorzunehmen. Aber vielleicht ist es genau diese Vernetzung und Kombination von Stilen und Techniken, die das Ganze zu etwas Besonderem und einer neuen Form der Kunst macht?

So auch das Stück Follower?

Kurz vor 21 Uhr: Noch schnell etwas zu Abend gegessen, den Akku des Laptops aufgeladen, und ab auf die Couch im Schlabberlook. Ein ganz besonders gemütlicher Theaterbesuch. Gespannt sitze ich vor dem Bildschirm und starte den Livestream. Im Foyer, dem Chat, ist noch nicht so viel los, es wird sich begrüßt und das Gefühl der Neugierde geteilt. Ein für das Projekt typisch neon-grünfarbiger Cursor vor schwarzem Hintergrund, begleitet von einem sich aufbauenden elektronischen Hintergrundton nährt die gespannte Erwartungshaltung. Dann geht es auch schon los. Der Dreh mit Kamera im Selfiestickmodus beginnt. Die Anzahl der Viewer: 34. Die Szenerie: zwei Schauspieler, ein Mozart mit billiger Perücke auf dem Kopf und einer Scherpe um den Hals, eine Nixe mit gleichermaßen verkitschtem Kostüm vor dem Hintergrund wild zusammengewürfelter und improvisiert wirkender Kulissen (ein roter Samtvorhang, goldenes Lametta und ein Papp-Zeppellin sprechen für sich). Hilfe, ist das Kunst? Erkenne ich den hohen Anspruch dieses Werkes nicht? Doch wie so oft im Leben ist es nicht immer nur der erste Eindruck, der zählt. Eine kurze überspitzt-kitschige und übertrieben gespielte Szene und einen Kamerawechsel später wird klar: dies ist nur ein Spiel im Spiel. Denn im Mittelpunkt des Abends steht der Schauspielstudent Benjamin.

Eine Story von und mit den Digital Natives unserer Zeit

Er ist mit Ellie (der Nixe) zusammen. Oder doch nicht? Angesichts dessen, dass Ben den ganzen Abend über unbedingt zu seiner Verflossenen Lena möchte, ist dies dem Zuschauer nicht einhundertprozentig klar. Es wirkt so, als wollten die Macher die Auswirkungen der Online- auf die Offline-Welt darstellen sowie stereotypen Mann unserer Generation Y: dynamisch, abenteuerlustig, auf der Suche nach sich selbst, in der Vergangenheit schwelgend, in die Zukunft blickend, träumerisch und ernüchtert zugleich. Während er nicht so recht weiß, was er will und sich alle Optionen offen hält, vergisst er dabei manchmal die Gegenwart und läuft so Gefahr, die Zukunft mit Ellie zu gefährden. Die Künstler selbst beschreiben es so: “es dreht sich hierbei um das Verhältnis eines Menschen zum System Internet und zum Strom seiner Zeit. Wohin können die Möglichkeiten des anarchistischen und fast gesetzlosen Raumes Internet Menschen und ihre Gefühle treiben – vor allem im Bezug auf ihre Alltagsumgebung Stadt. Was bietet mehr? Das Internet oder das urbane Umfeld?”

Der digitale Raum: Durch ihn ist es möglich, mit jedem jederzeit vernetzt zu sein und zu bleiben. Alte Kontakte können aufgewärmt, neue schnell geschlossen werden. Dabei verwischen die Grenzen zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sowie zwischen Realität und Virtualität. Die im Stück vielfältig eingesetzten Medien und Plattformen unterstreichen diese Tendenz. Es wird mit Smartphones gefilmt. Das Publikum kann die Handlung dabei auf mehreren Ebenen verfolgen: Es kann beispielsweise sehen, wie Ben die Kamera auf sich und Ellie hält, während er selbst gefilmt wird.

Theater Online

 

Und auch die Locations werden gewechselt: eben noch in der Natur, nun im Keller, eben noch mit dem Auto, nun mit dem Roller durch die Stadt, eben noch die Kameraperspektive vom trockenen Ufer aus und im nächsten Moment mit Ben im kalten Nass des Flusses, eben noch auf der Straße, dann im Bildschirm. So gibt es Szenen, in denen in den Screen eines Handys geschaltet wird, sodass der Zuschauer verfolgen kann, wie der Protagonist googelt, seine Anrufliste checkt oder sich in Ellies Vlog auf Youtube klickt. Doch Inhalte, Handlungen und Stimmungen wechseln sich ab. Die Kommunikation zwischen den Protagonisten ist mal harmonisch, mal chaotisch, mal feindselig, ernst und dann wieder glücklich. Eben liegen die Protagonisten noch halb nackt im Bett, dann ermorden sie im Affekt eine Frau.

Theater Online

 

Überraschend und unterhaltsam waren außerdem die Kommentare im Foyer. Der Chat wird beispielsweise für inhaltliche Nachfragen genutzt (“wer ist der gruselige Typ?”), für Wertungen (“lahm”), für technische Fragen oder einfach einem Austausch über das Theater genutzt. Ein Zuschauer merkte sogar: “die sind gerade bei mir vorbei gefahren”. Dies zeigt eine neue Dimension, in welcher das Online-Theater stattfindet. Nicht der Zuschauer kommt zum Theater, sondern das Theater zum Zuschauer – manchmal sogar wortwörtlich ;). Am Ende kam es auch zu Aufrufen und Storywünschen wie: “Küssen!”. Genau das dachten sich wahrscheinlich viele Zuschauer, denn die Situation war dramaturgisch daraufhin ausgelegt. Es schien als würde es jeden Moment passieren. Und dann wurde die Situation doch wieder entschärft, dem Wunsch nicht stattgegeben. Sehr unterhaltsam war es ebenfalls, dass auch das Produktionsteam (Bühnenbild: “eigentlich haben wir Feierabend”) sowie die Figuren selbst (Lena: “ich warte auf dich”) antworteten. Und auch hier wechselten die Perspektiven: einerseits die Sicht des Produktionsteams, andererseits die der Figuren.

Theater Online

 

Derartige Veränderungen sind durch ihre Unvorhersehbarkeit spannend. Auch externe, von den Schauspielern nicht beeinflussbare, Gegebenheiten haben ihren ganz eigenen Reiz. So sind die Blicke der vorbeilaufenden und nichtsahnenden Passanten einfach nur zu köstlich. Wirklich nichtsahnend? Gleichzeitig fragt man sich: Ist das Gezeigte wirklich Realität oder doch Inszenierung? Schwimmt dieser eine Mann dort zufällig durch das Bild oder wurde er gezielt platziert?

Spontan und unberechenbar

Doch all die Dynamiken führen zugegebener maßen dazu, dass man gezwungen ist, das Ganze mit höchster Aufmerksamkeit zu verfolgen. Der parallel laufende Chat ist interessant, aber das Multitasking-Talent, das einem hier abverlangt wird, ist selbst für mich als weibliche Zuschauerin nicht immer einfach abzurufen. Hinzu kamen Probleme beim Verbindungsaufbau: Der Livestream blieb immer mal wieder stehen. Im Foyer bestätigten manche Zuschauer, dass die Übertragung nicht flüssig sei. Auch akustisch waren die Schauspieler nicht immer optimal zu verstehen. Mitten in der Geschichte stürzte dann auch noch die Website ab. Das bemerkte auch der Protagonist selbst, als er die Zuschauer fragen wollte, was er in seiner Situation nun tun solle. Doch hey – wir befinden uns in den Weiten des Internets. Als Digital Native habe ich gleich mal auf der Facebook Seite des Projektes geschaut und siehe da: Ein Alternativ-Link zu einem neuen Livestream stand bereits zur Verfügung. Die Technik des Online-Theaters – Fluch und Segen zugleich – irgendwie eine Ironie des Schicksals.

An dieser Stelle kann ein weiterer Vorteil des Online-Theaters greifen: Ich habe die Möglichkeit, jederzeit aussteigen zu können (ohne, dass mich jemand komisch anschaut und ich dadurch peinlich berührt bin). Dennoch bin ich drangeblieben. Zum einen, weil die Übertragung besser wurde und zum anderen, wollte ich dann doch wissen, wie es ausgeht. Am Ende scheint es, als habe Ben sich gegen eine Flucht und für eine Zukunft mit Ellie entschieden. Doch sicher kann sich der Zuschauer im Online-Theater nie sein und das in jeder Hinsicht.

Letztlich muss man auch bedenken: Es ist live. Und immer, wenn Technik mit im Spiel ist, können zusätzlich Probleme auftreten. Bei dem Versuch ein Fazit zu ziehen, fällt eine eindeutige Positionierung nicht leicht. Diese Form des Theaters ist nicht besser oder schlechter als eine klassische Vorführung in einem Saal. Es erzeugt einfach eine andere, ganze eigene Dynamik und Stimmung. Und es führt zu einer anderen Form der Nähe. Wir haben es hier nicht mit einer unmittelbaren physischen Anwesenheit des Publikums zu tun. Das Online-Theaterstück in den eigenen vier Wänden hat seine Vorteile: Man kann parallel andere Sachen erledigen, wird nicht von anderen Zuschauerreaktionen angesteckt oder abgelenkt und niemand vermiest einem durch seine Größe die Sicht auf das Geschehen. Der Zuschauer ist allein vor dem Rechner und doch sozial vernetzt. Die Nähe entsteht durch das Schreiben im Chat. Dennoch besteht jederzeit die Möglichkeit die Rolle eines externen Beobachters am Geschehen einzunehmen. Und auch die Künstler und ihr Werk kommen dem Zuschauer noch näher als in der Realität. Das Publikum wird quasi ein digitaler Co-Produzent.

Im Programm des Online-Theaters stehen momentan die Stücke “Follower” und “Werther”. Laut den Initiatoren werden zukünftig auch andere Performances und Veranstaltungen im Livestream übertragen.

Bei all dem hin und her, zwischen Liebe und Mord, Flucht und Rückkehr, bei all den Smartphones, Screens, On- und Offline-Situationen sowie ihren Zusammenhängen, gab es eine skurrile Konstante: einen Blumenstrauß, den Ben stets mit sich trug.

Vielleicht eine versteckte Botschaft?

  1. Juli 2017: Werther
  2. Juli 2017: Follower

Vorhang auf, Livestream frei! 😉

Bilder: @onlinetheater.live

#btw 2017:
digitaler Wahlkampf zur Bundestagswahl

Der 24. September 2017 – Stichtag zur Bundestagswahl in Deutschland. Im Wahlkampf finden die Sozialen Medien dabei einen immer stärkeren Einzug. Diese haben auch während der amerikanischen Wahl in den Nachrichten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und am Ende standen wir vor einem überraschenden Ergebnis: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, wenn auch nur knapp. Was können wir auf den digitalen Kanälen der Parteien in Deutschland erwarten? Der Trump-Schock ist noch groß, die Bundestagswahl nah – Anlass genug, um den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten kurz Revue passieren zu lassen.

Donald Trump: Wahlsieg durch Social Media-Aktivitäten?

Trumps Vorgehen, seine Worte waren laut, emotional aufgeladen und provokant – und das vor allem im digitalen Raum! Er twitterte, postete und teilte, was das Zeug hielt! Die politischen Inhalte waren hingegen eher mau, die Wahlversprechen unrealistisch. Da stellt sich überspitzt die Frage: Hat sich Trump ins weiße Haus getwittert? In der Online-Kommunikation nahm der ehemalige Unternehmer kein Blatt vor den Mund und warf vor allem mit beleidigenden und übertriebenen Tweets, Hashtags und Facebook-Posts um sich. Dies waren nicht selten Trotzreaktionen aufgrund kritischer Stimmen. Kaum einer von uns konnte der Flut an Nachrichtenmeldungen darüber entgehen. Wenn Trumps Aussagen auch für Aufregung und Shitstorms sorgten, so erhielt er gerade dadurch eine immense Aufmerksamkeit – ganz nach dem Motto: Schlechte Presse ist besser als keine Presse. Seine Beiträge wurden zahlreich geteilt und kommentiert, eine virale Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Online-Präsenz sorgte somit auch offline für Gesprächsstoff. Eine entscheidende Rolle bei seinem Erfolgszug spielten auch diverse Denunzierungen politischer Gegner, in erster Linie natürlich der von Hillary Clinton und potentieller “Feinde”. Dafür nutzte er Fake-News und übte sich in Verschwörungstheorien. In einem dieser Vorwürfe, wettert er sogar gegen eben jene Medien, die ihm eigentlich als förderliche Lautsprecher und Plattformen dienen: „Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!“. Gleichzeitig inszeniert sich Donald Trump als Retter allen Übels, seine Botschaft: #makeamericagreatagain. Ob der Online-Wahlkampf Donald Trumps ihm tatsächlich den kleinen aber entscheidenden Vorsprung ermöglichte ist ungewiss. Die Resonanzräume, die er durch emotional aufgeladene Kommunikation eröffnete, legen allerdings die Vermutung nahe, dass ein Wahlkampf ohne das Netz für ihn schwieriger gewesen sein dürfte.

Facebook und Co. als ergänzendes Mittel im Wahlkampf

Der amerikanische Wahlkampf hat gezeigt: Die Online-Kommunikation erhält auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert, eine immer größere Bedeutung, sie hat das Potential, den Ausgang einer Wahl entscheidend zu beeinflussen, sie kann (sowohl die Partei selbst, als auch die Gesellschaft) pushen oder schädigen. Es geht (leider?) nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck und um einzelne Figuren, die leicht zu Helden auserkoren werden können. Besonders Social-Media Profile ermöglichen eine individuelle Präsentation und Stilisierung von Personen. Politiker können sich modern und “volksnah” geben und so neue Zielgruppen erreichen. Insbesondere Digital Natives informieren sich zunehmend im Netz. Die elektronische Demokratie ist somit eine wichtige Ergänzung zu anderen Medien wie Print oder TV. Dementsprechend kämpfen die Parteien heute mehr denn je online und mit digitalen Mitteln um die Gunst der Wähler.

Bundestagswahl: Beobachtung des Online-Wahlkampfes

Wie wird der Online-Wahlkampf hierzulande ablaufen? Trumps Vorgehen ist – was die Erhöhung der Reichweite betrifft – beachtenswert. Doch wie gelingt es, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei reißerisch zu werden? Welche Strategien verfolgen SPD, CDU, Die Grünen und Co. und wie reagieren die potentiellen Wähler?

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns die Websites und Social Media Profile der etablierten Parteien anschauen und dabei ihre Aktivitäten beobachten. Dabei interessiert uns der jeweilige Online-Auftritt. Wird eher auf Optik oder Inhalt wert gelegt? Wer wird wie angesprochen? Wer nicht? Was sagen die User? Wie reagiert man auf einen Shitstorm? #Mutti oder #Zeit für Martin? Welcher Kanzlerkandidat zeigt die stärkere Präsenz? Und welche Dynamiken entwickeln sich im heißen Endspurt? – mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, werden wir uns bis zur Wahl im September beschäftigen.

Es bleibt also spannend. Sobald wir wissen, wer die neue Führungsspitze Deutschlands bildet, können wir ein Fazit in Bezug auf den deutschen Wahlkampf 2.0 ziehen. Welche Online-Strategien sind aufgegangen? Welchen Anteil am Erfolg haben die Aktivitäten im digitalen Raum möglicherweise gehabt? Ist die gewählte Partei auch in Sachen Social Media ein Vorreiter gewesen? Und was daraus können wir für die Zukunft mitnehmen?

 

Bild: @Bundesregierung (screenshot fb)

Post-Internet Show: eine (digitale) Spielwiese

Die  digitale Welt – für die meisten von uns gelebter Alltag. Dieser manifestiert sich auch im künstlerischen Bereich: Kreative bedienen sich digitaler Möglichkeiten, neuer Software, der Fotografie, des Filmes, sie erschaffen, verfeinern und verbreiten ihre Werke digital. Vor allem aber schöpfen sie aus dem unendlichen Fundus des Internets. Unabhängig davon, ob diese Online-Materialien nun bereits Kunst sind oder nicht, kreieren sie daraus etwas ganz Eigenes, eine neue Art der Kunst. Die Szene fasst diese Tendenz unter Begriffen wie “Post-Internet”, “New Aesthetic “ oder “Net-Art” zusammen. Eine “Nach-Netz-Nutzung” ist darunter jedoch nicht zu verstehen, viele Kunstliebhaber sehen in der Bezeichnung vielmehr eine Haltung.

Im Prinzip sind wir alle, Tag für Tag, digitale Bastler. Die Post-Internet-Art sollte und ist keiner Kunst-Elite vorbehalten, denn sie spielt sich im Online-Alltag ab.

Doch interessanter als eine Begriffsanalyse ist es, künstlerisch zu erkunden, was genau wir mit dem Internet machen und, im Gegensatz dazu, das Netz mit uns. Das dachten sich auch die Initiatoren der Ausstellung Post-Internet Show, welche diese Woche stattfand. 20 Studenten der Universität der Künste präsentierten während ihres Studiums entstandene Werke, die sich kreativ mit Digitalität und Realität sowie ihren Zusammenhängen auseinandersetzen. Die Ausstellung hat sich ausdrücklich nicht zum Ziel gesetzt, den Begriff Post-Internet akademisch zu analysieren, sondern verschiedene Sichtweisen auf unseren digitalen Alltag darzustellen. Dafür startete die Galerie designtransfer der UdK einen Open Call an alle Studierenden – fachbereichsübergreifend und ohne genauere Vorgaben oder Limitierungen: “Keine Definition des Begriffs vorzugeben lässt Raum für verschiedene Interpretationen, Haltungen, Formen und Disziplinen ohne auf eine bestimmte Ästhetik, ein spezifisches Medium, eine einheitliche Aussage oder allgemeine Bedeutung zu beschränken”, so die Veranstalter.

Wir waren vor Ort, sind in die Spielwiese Internet-Post-Show eingetaucht und waren überrascht, wie unterschiedlich, vielfältig und interessant die Perspektiven der Künstler ausfallen. Diese möchten wir Euch nicht vorenthalten und geben einen kleinen Einblick in ausgewählte Werke:

#WE_Selected – Inia Steinbach

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Inia Steinbach – „#WE_Selected“

Die Künstlerin Inia Steinbach verdeutlicht wie real unser virtuelles Ich letztlich ist. Als Social Media Nutzer teilen wir täglich mehr oder weniger Informationen über unser Leben und unsere Person. Dazu gehören vor allem Bilder: Wir machen Selfies, fotografieren uns beim Joggen, beim Mittagessen, mit unserem Partner, im Schwimmbad, auf der Uni-Party oder beim Feierabendbierchen. Und auch die Bilder der Beiträge, die wir teilen, stehen mit uns in Verbindung. Inia Steinbach hat eine Jacke entworfen, ummantelt von Instagram-Bildern einer Person – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit ruft sie dem Betrachter ins Bewusstsein, was er tagtäglich von sich preisgibt und wie öffentlich das virtuelle Profil ist. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. In der Projektbeschreibung heißt es:

“Mithilfe dieser Jacke steht einem nun nicht mehr bloß eine anonyme Person gegenüber, die gewohntermaßen kategorisiert und nach ihrem Aussehen, ihrem Akzent oder der Art ihrer Kleidung beurteilt werden kann. Vielmehr kommt es zu einer direkten Konfrontation zwischen dem, wie eine Person von außen wahrgenommen wird und dem, wie eine Person sich selbst aussucht, wahrgenommen zu werden. Die Jacke ist daher zweierlei zugleich: Aushängeschild und Rüstung, Eigenvermarktung und Schutzschild.”

LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017 – Astarte Posch

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Astarte Posch – „LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017“

Selfies – sie dominieren die Fotogalerien unserer Handys. Durch sie versuchen wir, uns von unserer Schokoladenseite zu zeigen. Die Lieblingsposition, der Lieblingswinkel: ein Sammelsurium von Selbstporträts, die am Ende doch irgendwie immer das Gleiche darstellen? Ist die Schnittmenge dieser idealen Kleinteile des eigenen Ichs am Ende eine entfremdete Bildhülle? Diese Frage stellte sich die Künstlerin des Werkes “Layers of myself” und legte all ihre Selfies, die sie in den Jahren 2012 – 2017 angefertigt hatte übereinander. Die Überlagerung ist offensichtlich und doch wirkt das “Bild der Bilder” kompakt, so als wäre es EIN Bild, lediglich etwas verwackelt.  “Das bin ich, anscheinend”, resümiert die Studentin.

POLYLOGUE – Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros – „POLYLOGUE“

„Polylogue“ ist eine interaktive Installation, bestehend aus zwei schwarzen durchsichtigen Boxen zwischen denen sich der Streifen einer Papierrolle in eine Richtung bewegt. Auf diese werden dann kontinuierlich Nachrichten von den Endgeräten der Besucher gedruckt, die sich mit dem entsprechenden Wi-Fi verbinden. Es öffnet sich online eine Seite, auf derer die Botschaften eingegeben werden können. Je mehr Menschen dies nutzen, desto dichter wird der Text. Es kann auch zu Überlagerungen kommen. Je mehr Gesprächsstoff, desto schnelllebiger ist also die einzelne Message. Die zweite Box spuckt am Ende den Papierstreifen recycelt aus. Das Projekt-Team sieht in „Polylogue“ “die Antithese zum ‚ewigen Gedächtnis‘ des Internets, da die Nachrichten und ihre Beziehungen nur situativ existieren. Im Gegensatz zu digitalen Nachrichten, die häufig über mehrere tausend Kilometer verschickt werden, reisen Nachrichten, die an Polylogue vermittelt werden, maximal 2 Meter, bis sie ihre finale Destination erreichen.” In diesem Kontext erhält die Flut an Textnachrichten und Chatverläufen eine neue Bedeutung. Gleichzeitig wird genau diese erlebbar.

GET THE PICTURE by Pascal Kress – Lucas Liccini

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Lucas Liccini – „GET THE PICTURE by Pascal Kress“

Das Projekt „Get the picture“ zeigt, zusammengefasst in einem Buch, Bilder aus dem Netz, welche unter einem bestimmten Suchbegriff auftauchten. So kommt es, dass wir zum Thema „Lust“ sowohl auf einen Liebesakt von zwei Nacktschnecken, als auch auf eine lassiv daher kommende Hausfrau gestoßen sind. Unter dem Stichwort “gut” findet sich sowohl ein Foto eines Modelleisenbahnliebhabers als auch eine Couch-Potato-Messie Situation, die nach einem heiteren Abend mit viel Bier aussieht. Lucas Liccini stellt hauptsächlich jeweils zwei Suchergebnisse zu einem Begriff gegenüber. Das Werk zeigt die Dynamiken des Netzes sowie der Bildassoziationen und “fragt nach Sichtbarkeit, Lebensdauer und der Notwendigkeit der Bilderflut, der wir tagtäglich auf unseren Bildschirmen begegnen. Was sagen uns diese Bilder in dem neuen Kontext des gedruckten Buches?”.

SWAPPED REALITY – Johannes Jakobi

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Johannes Jakobi – „SWAPPED REALITY“

Johannes Jakobi entwickelte zwei Virtual-Reality-Brillen, mit deren Hilfe man die Welt durch die Augen des anderen sehen kann. So wird das Sichtfeld des einen Trägers auf die Brille des anderen übertragen und umgekehrt. Der Nutzer kann sich somit sogar selbst von außen, durch die Wahrnehmung einer anderen Person betrachten und erleben. Verwirrend und spannend zu gleich!

LIQUID01 – Ray Washio

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „LIQUID01“

Fotos können Momente festhalten, doch sie frieren sie auch ein. Der Student Ray Washio versucht “den Fotos dauerhaft Zeit einzuhauchen”, indem er Fotografien digital bearbeitet: “Es weht ein Wind. Diese Atmosphäre zwingt uns, die Zeit wahrzunehmen.” Die Fotos bleiben bestehen, lediglich einzelne Elemente, wie Brillengläser oder eine Einkaufstüte, wurden vom Künstler in Bewegung gesetzt und bilden so einen Kontrast zum restlichen Bildausschnitt.

UNCONSCIOUS – Ray Washio

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „UNCONSCIOUS“

 

Google Maps arbeitet mit Algorithmen sowie einer automatischen Gesichtserkennung zwecks Anonymisierung.  Ray Washio versucht sich als Mensch in derartige Prozesse hineinzuversetzen und so die Wirkmechanismen derselbigen zu hinterfragen. Er fotografierte Personen in einer U-Bahn in Tokyo und anononymisierte sie manuell und digital durch Verfremdung. Der Künstler beschreibt:
“Der Unterschied zu einem automatisierten System, wie es Google Map verwendet, ist, dass ich dies manuell machte. Dieser Kontext erlaubte mir, wirklich zu hinterfragen: „Was ist Privatsphäre?“ und „Was bedeutet ein automatischer Versteck-Effekt – für uns und unsere Privatsphäre?“.

Datenschutz und Privatsphäre sind gut und wichtig, die auf den Fotografien verfremdeten Gesichter lassen dennoch auf irgendeine Art und Weise ein verstörendes Gefühl aufkommen und stimmen nachdenklich.

/r – Benedikt Rottstege

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Benedikt Rottstege – „/r“

 

„Betreten auf eigene Gefahr“ – kam uns in den Sinn, als wir uns dieses Projekt näher anschauten. Hier wird der Besucher schonungslos konfrontiert – mit den Bildern des  4chan Random-Boards. Dies ist eine der meist besuchten Internetseiten,  auf welcher die User Bilder aller Art anonym hochladen und kommentieren können. Es erscheinen ständig neue Bilder, sodass diese in der Masse an Daten schnell untergehen. Das Projekt „r/“ unterstreicht diese Kurzlebigkeit. Es speist den Bildschirm live, fortwährend und überlagernd mit all den Dingen, die die Nutzer des 4chan Random-Boards so interessieren. Welche das so sind? Ihr ahnt es schon…

A LOOP LOOPS – Hara Shin

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Hara Shin – „A LOOP LOOPS“

 

Das Netz: unendliche Weiten, riesige Datenmengen und das tagtäglich. Die Künstlerin lässt “unzählige Bilder von Monitoren als Miniaturbilder, Video Clips, GIF-Dateien, Pop-Up Werbung und private Bilder auf Online-Nachrichten-Seiten, Online Communities und Online Chats” erscheinen. Angezeigt werden ebenfalls fortlaufend die dazugehörigen HTML-Codes. Durch die Verbindungen derartiger Community-Fragmente wird deutlich, wie sich “die Grenzen ihrer eigenen Hierarchien” aufheben und so neue Kontexte entstehen.

‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary – Isabella Asp Onsjö

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Isabella Asp Onsjö – „‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary“

Was, wenn es doch ein Nach-Internet gibt? Vielleicht ja auch nur eine ganz neue Form dessen? Wird das Internet verschwinden? Isabella Asp Onsjö fragt sich mit Blick in die Zukunft: “in der katholischen Kirche ist die Reliquie ein antikes Überbleibsel von etwas, das als heilig galt. Etwas, das so bedeutend ist, dass es das Potential hat, von Tausenden verehrt zu werden. Was wird von unserer Gesellschaft geschaffen, das in Zukunft diesen Status innehaben könnte?”. Sie materialisiert den Gedankengang das Internet sei eine längst vergangene Reliquie, indem sie ein Häuschen aus Ton konstruierte und es mit diversen HTML-Codes beschriftete. Das Haus ist in Anlehnung an eine Virtual-Reality-Brille gestaltet. Über das Dach kann der Betrachter in die Reliquie schauen. Darin zu sehen ist ein vor Jahrzehnten für und mit Kindern produziertes Erklärvideo über das Digitale sowie das Internet. Kann und wird das Netz jemals eine (moderne) Reliquie sein?

Unwahrscheinlich. Aber bei all den neuen Kunstformen, die sich daraus ergeben, ist dem Digitalen seine Bedeutsamkeit und Heiligkeit ganz eigener Art nicht abzusprechen. 

Bild: @Universität der Künste, designtransfer, Andy King

Bot Accounts: Stimmungsmacher unserer Zeit

Wenn im Netz über ein Thema debattiert wird, dann entstehen leicht hitzige Kommentarverläufe, gemeine Tweets und jede Menge radikale Aussagen. Dass diese Inhalte nur von menschlichen Nutzern stammen, war einmal. Heute diskutiert noch jemand oder besser etwas Anderes mit – Social Bots. Mit provokanten Kommentaren mischen sie den öffentlichen Diskurs im Netz auf und bleiben dabei immer öfter unerkannt.

Social Bots – Meinung als Massenprodukt

Unter einem Social Bot – abgeleitet von Social Robot – versteht man eine autonom agierende Software, die eigenständig Kommentare und Tweets erstellt. Diese Fake-Accounts folgen anderen Nutzern und haben selber Follower. In ihren Anfängen waren Bots meist leicht zu enttarnen: Sie posteten 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und das nicht selten mit fehlerhaften Sätzen und unverständlichen Aussagen. Es brauchte nicht viel um festzustellen, dass hier kein Mensch hinter dem Profil steht. Inzwischen hat sich die Situation zugespitzt und die Enttarnung ist wesentlich schwieriger geworden. Verbesserte Algorithmen machen es möglich, dass Social Bots heute in der Lage sind, ihr menschliches Gegenüber zu täuschen. Für ihre Beiträge nutzen sie alle im Netz verfügbaren Informationen über Satzbau, geeignete Formulierungen und eingängige Keywords. Insbesondere auf Twitter ist es inzwischen eine echte Herausforderung die Bots zu identifizieren. Schätzungen zufolge könnten hinter bis zu 20 Prozent der Twitter-Nutzer keine Menschen, sondern eine Software stehen. Für die Erstellung braucht es nicht einmal mehr eine Person: Social Bots sind in der Lage, sich selber zu erstellen – und verwenden für ihr Profil unter anderem Bilder echter Nutzer.

Eine Software wird zum politischen Akteur

Social Bots sind insbesondere dort problematisch, wo sie Meinungen stärken und im schlimmsten Fall sogar formen. Vor allem im politischen Kontext können sie gezielt für Propaganda genutzt werden. Personen, die eine gefestigte Meinung vertreten, werden so durch Social Bots in ihrer Meinung bestärkt. Wenn eine solche Vielzahl an Nutzern der Ansicht ist, dass diese und jene Partei vertretbar ist und eine andere nichts taugt, wird das schon richtig sein – so der Gedanke. Ein Paradebeispiel dafür, wie ein Wahlkampf aussehen kann, der nicht nur durch menschliche Akteure geleitet wird, konnte im vergangenen Jahr eindrücklich in den USA beobachtet werden. Nach dem TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten Clinton und Trump war mehr als ein Drittel aller Tweets mit Bezug auf das Duell computergesteuert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Oxford University, die sich schon seit längerer Zeit mit der Problematik der Fake-Accounts auseinandersetzt. Eine weitere Größe: Jeder dritte Follower der Kandidaten soll kein Mensch gewesen sein. Das Bild, dass dadurch über die Supporter der beiden Präsidentschaftsanwärter entsteht, ist in jedem Fall ein verzerrtes. Offen bleibt, ob und welchem Ausmaß die Social Bots Einfluss auf die Wahlentscheidung der US-amerikanischen Bevölkerung genommen haben.

Ist ein Verbot unumgänglich?

2017 werden auch in Deutschland die Wahllokale geöffnet. Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion um Social Bots aktueller denn je. Nun wird darüber beraten, ob es den Parteien gesetzlich verboten werden sollte, Social Bots für ihren Wahlkampf zu nutzen. Dieser Ansatz ist sicherlich wichtig, reicht aber möglicherweise nicht weit genug. Denn wer kann schon kontrollieren, ob die Parteien die Erstellung von Social Bots selber in die Hand nehmen oder beauftragen. Wahrscheinlich ist, dass die Supporter einer Partei diese Aufgabe vielmehr auf eigene Initiative hin übernehmen und die Möglichkeit nutzen, um ihre Partei durch software-gesteuerte Accounts zu unterstützen. Nicht zuletzt, haben Social Bots nicht allein in der Politik einen wachsenden Einfluss. Auch in der freien Wirtschaft, im Hinblick auf Werbung und Imagebildung privater Unternehmen und Personen können sie einen Beitrag leisten. Insbesondere die Enttarnung der falschen Accounts stellt eine Herausforderung dar. Zurzeit untersucht unter anderem das Projekt Social Media Forensics der Universität Siegen die Manipulation durch Social Bots und den sich daraus ergebenen Schaden.

Foto: @pixabay

Unternehmenskommunikation à la Zuckerberg

Mit 1,7 Milliarden angemeldeten Nutzern ist Facebook die größte Online-Plattform weltweit. Sie ermöglicht die Kommunikation mit Freunden und bietet die Möglichkeit Fotos, Videos und andere Beiträge online zu teilen. Dabei wird die Plattform vor allem für das Privatleben genutzt. Facebooks neues ambitioniertes Ziel ist es nun, auch in der Kommunikation von Unternehmen den führenden Service zu bieten.

Was lange währt, wird endlich gut

Nach 20 Monaten in der Beta-Phase veröffentlichte Facebook in der letzten Woche seine erste Plattform für Unternehmen. Workplace heißt die App, die weltweit die Unternehmenskommunikation vereinfachen und optimieren soll. Über 1000 Unternehmen testeten die Anwendung, die zunächst unter dem Namen „Facebook at Work“ eingeführt wurde. Darunter namenhafte Global Player wie der Lebensmittelkonzern Danone, die Hilfsorganisation Oxfam und der Reiseanbieter Booking.com. Eine direkte Verbindung zum Social Network Facebook besteht dabei nicht. Die Anmeldung erfolgt über die E-Mail-Adresse des Unternehmens, sodass Nutzer auch ohne Facebook-Profil von dem Angebot profitieren können. Was gleich bleibt, ist das bereits bekannte Layout von Facebook. Lediglich Logo und Farbe unterscheiden sich von der Facebook-Optik. Der Vorteil: Viele Angestellte nutzen privat bereits Facebook und finden sich so problemlos auf der neuen Plattform zurecht.

Das bietet Workplace

Workplace soll die interne Kommunikation eines Unternehmens und den Kontakt zu anderen Firmen erleichtern und optimieren. Ähnlich der bekannten Funktionen, die Facebook bietet, finden sich auch bei Workplace ein Chat, Gruppen und ein Newsfeed. Aber auch Audio- und Videoanrufe gehören zu der Anwendung. Dazu kommen verschiedene Analyse-Tools, mit denen die Aktivität der Mitarbeiter aufgezeichnet werden kann. Besonders praktisch ist zudem, dass Workplace auf allen mobilen Endgeräten funktioniert. So können auch Berufstätige, die sich wenig am Arbeitsplatz direkt aufhalten, problemlos mit ihren Kollegen und Unternehmenspartnern in Kontakt stehen – und das alles über eine einzige App. Momentan zählen die USA, Indien, Frankreich, Norwegen und Großbritannien noch zu den Top-Usern. Abzuwarten bleibt, wie und ob sich Workplace auch in Deutschland etablieren wird.

Kosten unterwandern die Konkurrenz

Workplace berechnet die Kosten der Anwendung in Abhängigkeit von der Unternehmensgröße. Dabei fallen für Firmen mit bis zu 1000 Mitarbeiter monatlich etwa drei Euro Gebühren an, für solche mit bis zu 10 000 Angestellten zwei Euro. Unternehmen mit einer Mitarbeiterzahl von über 10 000 Euro zahlen nur noch einen Euro pro Nutzer. Zusätzlich bietet Workplace eine Besonderheit: Es wird nur das bezahlt, was auch wirklich genutzt wird. Die monatlichen Kosten werden erst dann fällig, wenn ein Nutzer Workplace mindestens einmal geöffnet hat. Für Universitäten und Nichtregierungsorganisationen ist der Online-Dienst zudem kostenlos. Damit unterscheidet sich Workplace klar von seinen Konkurrenten, wie Slack und Yammer, die bis zu 6-mal höhere Kosten berechnen.

Sicherheit geht vor

Wenn es um Datenschutz geht, hat Facebook vor allem in vielen europäischen Ländern einen schweren Stand. Im Laufe der letzten Jahre gerieten die Datenschutzpraktiken des Unternehmens immer wieder in die Kritik, weil sie nicht den deutschen und europäischen Vorgaben entsprachen. Insbesondere die Verwendung von Nutzerdaten ließ das Vertrauen in das Unternehmen sinken. Gesichtserkennung und personalisierte Werbung beflügelten die Kritik noch zusätzlich. Facebook reagierte mit wiederholten Anpassungen der Privatsphäreeinstellung. Dennoch – Vertrauen gehört bis heute nicht zum Image des Unternehmens. Jetzt, mit der Einführung von Workplace, stellt sich erneut die Frage nach der Sicherheit der angegebenen Daten. Dieses Mal – so scheint es – garantiert Facebook für den gesetzmäßigen Datenschutz. Das Unternehmen ist bezüglich der Anwendung dem Privacy Shield Abkommen beigetreten, das seit Juli dieses Jahres das Datenschutzrecht zwischen den USA und Europa regelt. Unternehmen, die dem Privacy Shield beitreten, versichern, Daten nach den europäischen Vorgaben zu sichern. Da trotzdem eine Übertragung der Daten in die USA stattfindet, empfiehlt es sich, im Zweifelsfall die Regelungen zu prüfen.

Fazit

Das größte Social Network ist Facebook bereits. Ob es eine gleiche oder ähnliche Position auch im Bereich der Unternehmenskommunikation erreichen kann, wird sich zeigen. Durch die bekannte Aufmachung ist das Angebot für viele Nutzer leicht zu verstehen und problemlos anzuwenden. Es verspricht für einen vergleichsweise niedrigen Preis eine perfektionierte Kommunikation, die auch mobile Endgeräte einschließt. Aufgrund seines schlechten Images in Sachen Datenschutz ist es dennoch denkbar, dass die Anwendung in Deutschland einen schweren Start haben wird.

Foto: @pixabay

Digitale Weltbilder: Warum wir heute sehen müssen, bevor wir glauben können

Der Mensch denkt heute mit den Augen und versucht sich in einer Medienlandschaft voller Symbole zurechtzufinden, in welcher die Grenzen zwischen Alltag, Kunst, Kultur, Religion, Marketing und Aufklärung verschwimmen. Was der User nicht sieht, das existiert für ihn auch nicht. Die Baylor Universität in Texas fand in einer Studie heraus, dass junge Social Media-Nutzer sich und ihren Glauben auf Plattformen wie Facebook oder Instagram vor allem über eine Vielzahl von Optionen definieren. Nicht länger steht ein Regelwerk, eine Ideologie im Zentrum, welches alles Handeln bestimmt.

Der User folgt inspirierenden Impulsen: Ein schönes Bild, ein netter Spruch und viel Zustimmung von der Community, bestenfalls der Peer-Group, machen einen Post für den User relevant. Wenn ihm gefällt, was er sieht, dann liked er den Inhalt und gibt der Welt indirekt zu verstehen, dass dies seiner Persönlichkeit entspricht. So wird jeder neuer gelikter Inhalt auch zu einem Stück Identität derer, welche mit ihm interagieren. Love Brands spielen geradezu mit dem emotionalen Selbstverständnis der Zielgruppe und zielen auf eine Bestätigung des Selbstbewusstseins einer Generation, welche nach Orientierung sucht.

Die Vergangenheit zählt nicht, der User scrollt im Heute

Seit Anfang des neuen Jahrtausends ist für die Generation Y scheinbar nichts mehr für die Ewigkeit. Während die Gestalter von heute in den 1990er Jahren wohlbehütet in einer Überflussgesellschaft aufgewachsen sind, ist mit dem neuen Jahrtausend ein Welle der regelmäßigen Krisen auf das Bewusstsein und das Weltbild der Gesellschaft geschwappt. Ob 9/11, Finanzkrise, Fukushima oder Flüchtlinge: Die jungen Erwachsenen von heute haben mit einer aus den Fugen geratenen Welt bereits ihre erste Fundamentalkrise überwunden. Das Regelwerk ihrer Eltern verspricht ihnen keine Sicherheit mehr. Stattdessen haben sie gelernt, zu beobachten und sich ihre eigene Existenz zusammenzubasteln. Biografiebastler werden sie genannt, welche einen auf Individualisierung zugespitzten, globalen Lebensstil pflegen.

Eine neue Sinus-Studie gibt Einblick in den psychografischen Wandel der Jugendlichen von heute, der Generation nach Y, und betitelt sie als “Generation Mainstream”. Religiöse Institutionen und Ideologien verlieren für sie an Relevanz. Stattdessen zählt vor allem die eigene Geschichte, eine unaufgeregte Normalbiografie mit konservativen Werten, die trotz aller Unsicherheiten Stabilität versprechen und in einem sozialen Miteinander gelebt werden. Darin erklärt sich die Kraft des Social Media: Der Mensch kann selbstbestimmt und erzählend seine eigene Person, seinen Freundeskreis und seine Biografie über Likes, Shares und Kommentare zusammenbasteln.

Selbstfindung durch soziale Interaktion im Netz

Ganz im Sinne der Existenzbastler ergab die Studie der Baylor Universität, dass Nutzer sozialer Medien zu 50 bis 80 Prozent offener für andere Glaubensrichtungen und Weltbilder seien und stärker zu Patchwork-Religionen tendieren. Vor dem Web 2.0 gab es für den einzelnen User ungleich weniger Möglichkeiten, sich in einem digital-soziologischen Umfeld selbst zu finden, darzustellen und durch Interaktion mit anderen Usern inspirieren zu lassen. Heute ist der Mensch nicht mehr auf seine Vorstellungskraft angewiesen, um über seinen sozialen, kulturellen oder emotionalen Tellerrand hinauszuschauen. Seine Welt wird von Medien definiert. Und da der User im Social Media nicht nur Consumer ist, sondern auch selbst Content produziert, liegt sein Leben im digitalen Raum in seiner Hand. Zumindest kann er bestimmen, was andere von ihm wahrnehmen. Schließlich ist es für die Generation Mainstream vor allem das Sichtbare im Leben der Mitmenschen, welches ihnen eine greifbare und glaubwürdige Orientierung gibt. Wenn Ideen und Werte im Feed der Freunde keine Erwähnung finden, scheinen sie auch nicht relevant zu sein.

So ist der Mensch also nicht bloß Mensch, sondern zunehmend User, dessen digitale Identität sich in einer Wechselbeziehung mit seiner Offline-Identität befindet. Denn was digital geschieht ist für den Menschen inzwischen genauso real und relevant, wenn nicht sogar prägender, wie die Erfahrungen im physischen Raum.

Foto @NASA unsplash

YouTube: Ein Millionengeschäft

Seit rund zehn Jahren gibt es die Internetplattform YouTube, auf der täglich unzählige Videos aus unterschiedlichsten Bereichen hochgeladen, angesehen und kommentiert werden. Was als überschaubares Projekt für kreative Köpfe begann, hat sich über die Jahre zum Schauplatz für ein Milliardenpublikum entwickelt. Manche Kenner der Branche vertreten die Meinung, dass klassisches Fernsehen in fünf Jahren überflüssig geworden sein wird. Immerhin verzeichnet YouTube pro Tag mehr als eine Milliarde Nutzer. Kein Fernsehsender der Welt kann mit diesen Zahlen mithalten! Doch YouTube hält nicht nur eine schier unbegrenzte Unterhaltung für seine Konsumenten bereit. Die Plattform hat im Laufe der Zeit auch eine neue Berufsgruppe hervorgebracht: die YouTuber.

Vorgestellt: Der YouTuber

YouTuber sind junge Menschen, die das Erstellen und Hochladen von Videos zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben. Ihre behandelten Themen sind vielfältig – von Beauty und Lifestyle über Videospiele bis hin zu Politik und Wirtschaft findet man alles, was als informativ und unterhaltsam erachtet werden kann. Die Zielgruppe der YouTuber ist begrenzt. Bei den über 25-Jährigen kennt sie kaum einer, denn sie sprechen hauptsächlich die „digital natives“ an. Doch gerade weil die Zuseher vor allem Jugendliche sind, haben YouTuber oft eine Vorbildfunktion. Die Fans haben ein großes Interesse an ihren Idolen und verfolgen deren Leben auf Schritt und Tritt. Dabei ist es zum Teil zweitrangig, was YouTuber in ihren Videos zeigen. Egal, ob sie ein Schminkprodukt, ihre Katze oder die Tageszeitung in die Kamera halten – die Person an sich steht im Mittelpunkt.

Auf Augenhöhe – YouTuber und ihre Fans

YouTuber distanzieren sich bewusst von Prominenten im herkömmlichen Sinne und betonen immer wieder, ganz normale Menschen zu sein. Es geht ihnen um authentisches Auftreten und die Nähe zu ihren Fans, von denen sie nicht als Stars, sondern als Freunde gesehen werden. Der aktive Austausch ist wichtig. YouTuber reagieren deshalb regelmäßig auf die Kommentare unter ihren Videos. Auch der persönliche Kontakt wird gefördert. Seit 2010 finden jährlich die sogenannten Videodays statt, bei denen YouTube-Stars ihre Fans treffen, Selfies machen und Autogramme geben.

Aber auch eine gewisse Distanzierung ist wichtig. YouTuber müssen sich gut überlegen, wie viel sie von ihrem Privatleben preisgeben. Die Webvideoproduzentin Dagi Bee beispielsweise erzählt in einem Interview, dass sie ihr Handy vor allem abends auf lautlos stellt. Twittert sie einmal „gute Nacht“, reagieren an die 5000 Fans darauf.

Geldquelle YouTube

Schon längst sind es nicht mehr nur die Werbeeinnahmen, aus denen YouTuber ihre Einnahmen beziehen. Für 1000 Klicks bekommen sie in etwa einen Euro. Immer wieder wird YouTubern deshalb vorgeworfen, reines Clickbaiting zu betreiben, also nur auf Reichweite und Klicks aus zu sein. Um von diesem Beruf leben zu können, müssen monatlich immerhin mindestens eine Million Klicks erreicht werden. Reißerische Videotitel und umstrittene Inhalte unterstützen die Klickgenerierung, doch leider geht dies oft auf Kosten der Qualität. Lukrativer als Werbeeinschaltungen sind Affiliate-Links, welche die Zuseher zu den Seiten großer Online-Händler führen. Kommt es über diese Links zu einem Kauf, erhält der YouTuber einen gewissen Betrag. Darüber hinaus bewerben manche YouTuber in ihren Videos eine eigene Kollektion. Ein- oder mehrmalige Fernsehauftritte steigern zusätzlich Einkommen und Bekanntheit. Darüber hinaus sind YouTuber immer wieder auch in den Kanälen anderer Webvideoproduzenten zu Gast. Konkurrenzdenken gibt es also kaum, dafür bieten solche Gastauftritte die Möglichkeit, neue Fans zu sammeln und somit den Verdienst zu steigern. Die Spitzenverdiener im deutschen Netz kommen monatlich auf eine sechsstellige, jährlich sogar auf eine siebenstellige Summe. Wie viel es wirklich ist, darüber will keiner von ihnen offen sprechen.

Wie Unternehmen profitieren

Die Werbung vor und nach den Videos wird von den Usern häufig als lästig empfunden und meist durch den Adblocker umgangen. Weit effektiver ist für Unternehmen die Produktplatzierung. Sie verpflichten YouTuber als Werbeträger und zahlen ihnen zwischen 40 und 80 Euro auf 1000 Klicks dafür, dass verschiedene Produkte in die Kamera gehalten und beworben werden. Nicht selten schenken Unternehmen YouTubern die Produkte oder sogar ganze Urlaube, solange die Online-Stars alles auf Video festhalten und ihren Millionen von Fans im Netz zur Verfügung stellen. Diese Art der Werbung ist meist nicht transparent, wird von den Usern aber im Allgemeinen eher akzeptiert als direkte Werbeeinschaltungen.

Fazit

Der Hype um die YouTuber hat sich in den letzten Jahren rasant gesteigert. Inzwischen gibt es auch im deutschsprachigen Raum viele junge Menschen, die hauptberuflich Videos produzieren, sich aber nicht als typische Promis sehen. Der Kontakt und die Nähe zu den Fans sind wichtig, das Privatleben wird oft bis ins letzte Detail offen gelegt. Jede Entscheidung muss gut überlegt sein, wenn mehrere Millionen anschließend ihre Meinung dazu abgeben. Ob YouTuber darauf aus sind, Videos mit echtem Mehrwert für ihre Fans zu produzieren oder lediglich von Profitgier geleitet werden, sei dahingestellt. Fakt ist, dass durch die Kommerzialisierung von YouTube ein Großteil der ursprünglichen Kreativität verloren gegangen ist.

Foto: @pixabay

Instagram: jetzt optimiert für Unternehmenskommunikation

Auf Instagram werden täglich etwa 60 Millionen Beiträge hochgeladen. Allein in Deutschland nutzen bereits mehr als 9 Millionen Menschen den Online-Dienst, mit dem Bilder und Videos geteilt werden können und weltweit gibt es sogar mehr als 500 Millionen User – Tendenz steigend. Darin steckt Potenzial für Unternehmen, Instagram in ihre Marketing-Strategie einzubinden. Anders als Facebook und andere Social Media-Netzwerke können auf Instagram jedoch keine externen Links auf Websites in Posts integriert werden, sodass kein Referral Traffic erzeugt werden kann – doch wie betreibt man effizientes Marketing mit Instagram dann?

Marketing mit einem regulären Instagram-Profil

Ein Unternehmen kann ein reguläres Profil anlegen und dort ein Profilbild – beispielsweise das Icon der Marke – und eine Biographie einstellen. Zu beachten ist, dass für die Biographie lediglich 200 Zeichen zur Verfügung stehen, man sollte sich also kurz und prägnant ausdrücken. Außerdem können auf dem Profil externe Links platziert werden, die direkt auf die Homepage des Unternehmens verweisen. Nach der Anmeldung kann direkt damit begonnen werden, Content hochzuladen.

Welcher Content ist für Instagram geeignet?

Es lohnt sich nicht, einfach nur Fotos von aktuellen Produkten zu posten, denn das ist für User eher langweilig. Beim Marketing mit Instagram steht vor allem der emotionale Kontakt zum Kunden im Vordergrund. Fotos sollten daher Insights in die Unternehmenskultur geben und einen vornehmlich privaten Charakter besitzen. Damit die Fotos im Newsfeed der Abonnenten oder bei der Suche herausstechen, sind Ästhetik und gute Qualität Voraussetzung. Außerdem sollte man versuchen, einen authentischen Charakter zu erzeugen und konstant beizubehalten, denn neben der Herstellung von direktem Kundenkontakt ermöglicht es Instagram auch, das Image des Unternehmens zu prägen.

Marketing-Agenturen können bisweilen wahrscheinlich nicht genug interessanten Content produzieren, um täglich ansprechende Bilder hochzuladen, die den Followern im Gedächtnis bleiben. Deswegen kann man durchaus auch Bilder von Instagram-Usern, die Produkte des Unternehmens verwenden, sharen oder rebloggen veröffentlichen. Oft wissen diese User besser, wie ein Bild aussehen muss, um sich von der Bilderflut abzuheben und besitzen selbst viele Follower – und genau das ist neben dem Content die zweite große Frage:

Wie erreicht man mit dem Content möglichst viele User?

Hashtags

Damit Inhalte durch User gefunden werden können, werden auf Instagram Hashtags verwendet. Welche Hashtags geeignet sind, ist sowohl vom Bild selbst, als auch vom postenden Unternehmen abhängig. Kurze Hashtags, wie der Name des Unternehmens und eines Produktes, sind einprägsam und können durch solche, die den Bildinhalt oder auch die Unternehmensphilosophie beschreiben, ergänzt werden. Zudem empfiehlt sich eine Mischung aus bekannten Hashtags, mit denen man eine breite Masse erreicht, und unbekannteren, die ein spezifisches Publikum ansprechen und aus weniger konkurrierendem Content besser herausstechen.

Auch kurze Kampagnen-Slogans oder Werbesprüche sind geeignet. Sie können das Image des Unternehmens bleibend prägen und laufende Kampagnen verlängern. #justdoit ist ein hervorragendes Beispiel dafür – oder denken Sie gerade etwa nicht an Sportschuhe?

Influencer

Influencer sind besonders aktive User mit vielen Followern, die durch das, was sie sharen und liken, Produkte und Unternehmen promoten und ganze Trends in Gang setzen können. Sie sind essentiell, um User zu erreichen und an Bekanntheit zu gewinnen. Die Zusammenarbeit mit Bloggern, Influencern und Stars zählt somit zu den wichtigsten Strategien, die Unternehmen für ihr Marketing mit Instagram verfolgen sollten.

Verbindung mit Kanälen

Der Instagram Account kann mit anderen Kanälen, beispielsweise Facebook und Twitter, verbunden werden und so als Verlängerung der Social Media-Aktivität dienen. Der Instagram-Account sollte aber immer auch Unique Conent bieten und nicht nur die Bilder anderer Accounts sammeln – wieso sollte man ihm sonst folgen

Besseres Marketing mit Business Accounts

Seit diesem Jahr bietet Instagram seine Business Accounts auch in Deutschland an und gegen Ende des Jahres soll das Feature sogar weltweit verfügbar sein. Mit einem Business Account können dem Instagram-Profil Kontaktdaten hinzugefügt werden und es ist möglich, Beiträge hervorzuheben und Statistiken über User einzusehen.

Kontaktdaten hinzufügen

Business Accounts können eine Adresse, E-Mail-Daten und eine Telefonnummer angeben. Über einen Kontakt-Button können User sich dann direkt mit dem Unternehmen in Verbindung setzen.

Statistiken sammeln

Damit das Unternehmen seine Zielgruppe besser verstehen kann, werden für Business Accounts Statistiken erstellt. Diese werten unter anderem aus, wie oft Beiträge in den letzten Tagen angeklickt wurden, wie sich das Alter oder das Geschlecht der User verteilt, oder wie oft und wann die User aktiv sind. Da Instagram angezeigten Content oft nach Aktualität sortiert, ist es hilfreich zu wissen, wann die Zielgruppe, die man ansprechen möchte, aktiv ist – und auch das ermöglichen die Statistiken.

Beiträge hervorheben

Die letzte Funktion des Business Accounts ist die (kostenpflichtige) Hervorhebung von Beiträgen. Das Unternehmen wählt aus, was es durch die Hervorhebung erreichen will und welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Die Zielgruppe kann auch anhand der Statistiken von Instagram ermittelt werden. Je nachdem, wie viel Geld man in die Hervorhebung investiert, variiert die Anzahl der User, die den Beitrag sehen – und auch die Laufzeit.

Fazit

Durch seine Business Accounts geht Instagram bereits einen Schritt auf Unternehmen zu. Da die meisten Instagram-User zwischen 15 und 30 Jahren alt sind, können vor allem Unternehmen dieser Zielgruppe schon jetzt von Instagram profitieren, um zum einen ihr Image zu promoten und zum anderen Kontakt zu Usern herzustellen. Angesichts der wachsenden Beliebtheit der Plattform, sollten aber auch andere Unternehmen erwägen, Instagram in ihre Marketing-Strategie einzubeziehen. Denn die heutigen Instagram-Nutzer werden schon in einigen Jahren eine ältere Zielgruppe darstellen, die dann über den Online-Dienst erreichbar sind, den sie schon heute nutzen.

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Social Media und der ewige Vergleich

Wer hat die schönere Wohnung? Wer den spannenderen Job? Wer trägt die trendigsten Outfits? Und überhaupt – wer ist der Glücklichere in seinem Leben? Täglich stellen wir uns selbst mehrmals unserem Umfeld gegenüber. Wir vergleichen uns – mit Freunden, der Familie, oder einem wildfremden Menschen in der U-Bahn.

Warum wir uns vergleichen wollen

Das ist natürlich. Und eigentlich (wobei die Betonung hier eindeutig auf diesen zehn Buchstaben liegen sollte) auch sinnvoll und wichtig für unsere eigene Entwicklung. Nicht umsonst stellt Festinger in seiner Theorie zum sozialen Vergleich fest, dass wir diese Art von Gegenüberstellung benötigen, um uns selbst als Individuum von der Welt abzugrenzen und zu definieren. Also vergleichen wir bereits im Kindesalter munter darauf los. Was relativ harmlos in einem stark begrenzten Umfeld beginnt – wer hat das bessere Pausenbrot, wer darf länger Fernsehen – steigert sich im Laufe unseres Lebens zu weitaus komplexeren Vergleichsprozessen. Die Zahl der Menschen, die an unserem Leben Teil haben, wächst und auch das Bedürfnis nach Orientierungspunkten wird immer größer. Klingt kompliziert? Es geht noch komplizierter. Gerade mit den sozialen Medien gelangt das Vergleichen auf ein komplett neues Level.

..es manchmal besser sein lassen sollten

Im Büro. Der Tag war bis jetzt wenig spektakulär, aber eigentlich ganz okay. Die meisten Aufgaben sind abgearbeitet, die Kollegen sind nett. Zeit für einen Kaffee.. und ein bisschen Instagram. Während wir an einem Keks knabbern, schieben sich die ersten perfekt ausgeleuchteten und gefilterten Bilder durch unseren Feed. Palmen und Meer von einer flüchtigen Bekannten, die gerade ihr Sabbatical in Costa Rica verbringt, Blumenarragements aus der Wohnung der Nachbarin, dutzende Fashionblogger in ihren neusten Designer Teilen. Und schon beginnen wir die Tatsache, dass wir arbeiten müssen, zu hassen, fragen uns, wann wir das letzte Mal in den eigenen Wänden überhaupt Staub gewischt haben und zupfen verschämt an unserem H&M Pullover aus der letzten Saison. Abwärtsgerichteter Vergleich – so nennt der Soziologe dieses Phänomen. Wir stellen uns Menschen gegenüber, die uns augenscheinlich in einem bestimmten Aspekt unseres Lebens überlegen sind. Und dieses Gefühl der Unterlegenheit führt zu einem Potpourri verschiedenster Emotionen – meist eher unangenehmer Art. Vor allem Neid folgt oft unmittelbar auf die mediale Selbstdarstellung Anderer. Interessanterweise haben wir mit diesem Gefühl auch dann zu kämpfen, wenn der Grund für diese Unterlegenheit kaum Bedeutung für das eigene Selbstbild hat. Das besagt zumindest eine Studie zum Thema Neid von Jan Crusius und Thomas Mussweiler der Universität Köln. Eigentlich haben wir uns in unserer Wohnung auch ohne Blumen immer sehr wohl gefühlt, aber die Tatsache, dass andere in einem wahr gewordenen Interior Traum leben, macht uns dann eben doch neidisch. In einer weiteren Studie nahmen Grace Chou und Nicholas Edge von der Utah Valley Universität das Phänomen des Vergleichs auf sozialen Plattformen genauer unter die Lupe. Und auch sie stellten fest, dass Unzufriedenheit proportional zum steigenden Nutzen – in diesem Fall von facebook – wächst. Besonders Nutzer mit vielen und ihnen kaum bekannten virtuellen “Freunden” klagten über eine Ungerechtigkeit des Lebens.

..und trotzdem nicht damit aufhören können.

Und eben diese Tatsache trägt konkret zur Problematik bei. Das Umfeld, mit dem wir uns vergleichen können, wird immer größer. Wo wir sonst nur das Outfit unseres einen, besonders modebewussten Freundes bewundern konnten, bekommen wir heute eine ganze Schar wunderbar angezogener Menschen frei Haus auf unser Handy oder unseren PC. Und nicht nur dieses “Überangebot” an Vergleichsmöglichkeiten ist es, das uns zu schaffen macht. Von einem einzigen Bild schließen wir auf ein komplettes Leben. Dass dieser Schnappschuss womöglich geplant, aufwändig durchgeführt und noch aufwändiger retuschiert wurde, ist uns klar. Und auch, dass die unschönen und langweiligen Aspekte des Lebens auf sozialen Plattformen keinen Platz finden, wissen wir.Aber genau das ist der springende Punkt: wir wissen das – und machen trotzdem weiter.

Bild: Milada Viderova, Unsplash

Trennungen online oder: Wie wir zu digitalen Masochisten wurden

Den ultimativen Trennungs Grusel liefert uns WhatsApp mit den kleinen blauen Häckchen frei Haus auf das eigene Smartphone. Ob dieses Tool nun generell praktisch ist oder nicht lassen wir hier einmal außen vor – ist man jedoch frisch getrennt und hat in einem Anflug von Sehnsucht dem Ex-Partner getextet, kann diese Funktion zum wahren Folterwerkzeug werden. Hat er es gelesen? Ist er online? Im Zeitalter von Social Media werden wir mit dem Beenden einer Beziehung zu digitalen Masochisten. Und wir toben uns auf allen erdenklichen Kanälen aus. So werden fleißig der Instagram Account beobachtet und die Facebook Timeline studiert. “Lass uns Freunde bleiben” bekommt im digitalen Zeitalter eine ganz neue Bedeutung. Aus der abgedroschenen Phrase ist eine Grundsatzfrage geworden: In wieweit wollen wir unser Leben online mit dem Ex Partner weiter teilen?

Warum wir uns gerne selbst quälen..

Für immerhin jeden dritten Deutschen ist die Antwort klar: Social Media wird weiterhin genutzt, um einen Einblick in das Leben des oder der Verflossenen zu behalten. Das besagt zumindest die Studie eines der größten Online Portale zur Partnervermittlung. Laut den Verhaltensforschern Joe Walther und Stephanie Tong, erhoffen sich die frisch Getrennten hier vor allem Aussagen zum aktuellen Beziehungsstatus der Ex Partner, sowie generelle Informationen aus deren Leben. Grund für das Beobachten der digitalen Tätigkeiten, ist meist die große Frage nach dem “wieso”. Die Hoffnung nach einer Reduzierung der mit der Trennung einhergehenden Unsicherheit, scheint für viele eine stark treibende Kraft zu sein. Dabei ist das Aufrechterhalten der Beziehung online meist kontraproduktiv. So belegt eine Studie der britischen Sozialwissenschaftlerin Tara C. Marshall, dass sich der Heilungsprozess nach einer Trennung um das doppelte verlängern kann, wenn man ausschließlich in der realen Welt den Kontakt komplett abbricht. Denn: Die Selbstdarstellung im Netz gaukelt meist eine weitaus attraktivere Realität vor und schürt unschöne Gefühle, wie Neid und Eifersucht. Da dies ja nun auch nichts wirklich Neues ist, bleibt es dennoch fraglich, warum wir uns das digitale “Stalking” nach einer Trennung überhaupt so gedankenlos antun.

.. und was wir dagegen tun können

Womöglich liegt es einfach an der mangelnden Erfahrung. Nicht mit Trennungen an sich – denn diese gehören zum Leben dazu – sondern viel mehr mit der neuen Ebene, auf der sich diese nun abspielen. Vorbei die gute alte Zeit, in der man beim Entdecken des Ex Partners einfach die Straßenseite wechseln und sich im nächsten Hauseingang verkrümeln konnte. Oder man gemeinsame Erinnerungen einfach in eine Kiste packen und in der hintersten Ecke verstauen konnte. Heute gibt es mehr digitale Andenken, als wir früher analoge in einem Papierkorb hätten verbrennen können. Doch was stellen wir mit diesen Zeugen der vergangenen Liebe an? Und wie positionieren wir uns im Netz unseren Verflossenen gegenüber? Findige Unternehmer haben genau hier eine Marktlücke erkannt. So ist es möglich mit “Block your Ex” den eigenen Internetbrowser von eben diesem frei zu halten und die App “Drunk Dial” lässt erst eine Matheaufgabe lösen, bevor es möglich ist, den oder die Verflossene womöglich in unzurechnungsfähigem Zustand anzurufen. Auch große Konzerne haben das Problem bereits erkannt und legen hinsichtlich dieses Problems in ihrer Benutzerfreundlichkeit nach. So ist es möglich, bei Twitter den Tweet ausgewählter Personen für eine gewisse Zeit stumm zu schalten und auch Facebook bietet seit Neustem eine Trennungsfunktion an. Diese blockiert Nachrichten des Ex-Partners im Newsfeed und entfernt mit ihm markierte Bilder oder Beiträge aus der eigenen Timeline. Diese kleinen Helferlein sollen also das Ende einer Beziehung schmerzfreier und unkomplizierter gestalten.

Doch egal, ob technisches Hilfsmittel oder nicht: Letzten Endes ist und bleibt es – wie auch in der Vergangenheit – unsere eigene Entscheidung, wie wir mit einer Trennung umgehen können und auch wollen. Und das die Zeit irgendwann alle Wunden heilt oder zumindest vernarben lässt, gilt Gott sei Dank auch in Zeiten von Facebook, Instagram und Co.

Foto: flickr.