Tag: Politik

Wahlkampf 2017:
Auf die Plätze…

Zugegeben, das Battle der Parteien zur Bundestagswahl 2017 ist im Alltag der Wähler noch nicht ganz angekommen. Der digitale Raum bildet hier keine Ausnahme. Doch die etablierten Parteien befinden sich in den Startlöchern. Mittlerweile haben fast alle ihre Wahlprogramme veröffentlicht. Heute ist der 79. Tag vor der Wahl – der Stichtag zum endgültigen Beschluss darüber, welche Fraktionen teilnehmen dürfen. Wir haben uns auf den Online-Plattformen von SPD, CDU und Co. umgeschaut und den aktuellen Stand der Dinge festgehalten.

#Ehe für alle

DAS Thema der letzten Tage ist natürlich das “Ja” der Mehrheit des Bundestages zur “Ehe für alle”. Die Freude über diesen Beschluss wird von den meisten großen Parteien geteilt und auf den Kanälen zelebriert. Da gibt Martin Schulz zum Frühstück Kuchen aus, die FDP schmeißt mit Hashtags wie #LoveisLove, #EheFürAlle, #LoveWins um sich und den Grünen ist es nochmals ein Bedürfnis, mit einem Bilderalbum zu betonen, 20 Jahre lang für diese Entscheidung gekämpft zu haben. Nur CDU und CSU strichen das Thema von der Posting-Agenda. Weder auf Twitter, noch auf Facebook sind die Parteien darauf eingegangen.

Die Online Auftritte der Parteien im Wahlkampf 2017

CDU und CSU: ein gemeinsamer Konsens

Minimalistisch und konservativ – so könnte der Social-Media-Auftritt der Parteien CDU und CSU beschrieben werden. Die CSU postet tagtäglich im blauen Look. In Sachen Wahlkampf ist hier allerdings noch nicht viel los. Ein Posting zu einer regionalen Umfrage und ein Video mit einer fünf Sekunden langen Zusammenfassung der Programminhalte ist alles, was auf Facebook zur Bundestagswahl zu finden ist. Betont wird in CSU-Tweets allerdings die Erfüllung vergangener Versprechungen sowie das zukünftige Vorhaben zur Digitalisierung und Sicherheit. Gemeinsam mit der CDU will man hier neue Wege gehen. Die CDU ist hingegen aktiver und postet in regelmäßigen Abständen Videos, in denen über das Parteiprogramm berichtet wird und sich Parteimitglieder dazu aussprechen. Die Partei präsentiert sich im Gewand der deutschen Nationalfarben. Lead-Agentur der CDU-Kampagne “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist Jung von Matt. So weit, so gut. Doch aus dem Claim ergibt sich der Hashtag #fedidwgugl, welcher im Netz, vergleichbar mit Trumps #covfefe, für Belustigung sorgte.

Einen weiteren Rückschlag in Sachen Online-Wahlkampf musste die CDU aufgrund eines Tweets des CDU-Generalsekretärs Peter Tauber hinnehmen. Dieser löste durch seine Aussage im Netz einen Shitstorm aus. Hintergrund war eine Diskussion über das Wahlprogramm von CDU und CSU mit dem Versprechen auf Vollbeschäftigung bis 2025. Ein Nutzer fragte auf Twitter: “Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?”. Taubers Reaktion fiel unglücklich aus. Er twitterte: “Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs”. Die Netzgemeinde reagierte empört, warf ihm Ignoranz und Arroganz vor. So schreibt zum Beispiel @luna_in_munich: “Wie überheblich & realitätsfern ist ihre Aussage denn bitte schön? Dass Minijobs existieren, ist das Unding!”. Der User @MagisterSinist kontert: “Sympathisch @petertauber. Es gibt Leute mit abgeschlossener Ausbildung, die in richtigen Scheißjobs stecken. Zum Beispiel in der Gastro”.

Peter Tauber entschuldigte sich nachträglich und bedauerte in einem Tweet, dass es aufgrund seiner unglücklichen Formulierung zu einem Missverständnis gekommen sei. Dass der Tweet allerdings nicht nur bei potentiellen Wählern ein grummelndes Gefühl hinterließ, sondern auch der politischen Konkurrenz unmittelbar neuen Stoff lieferte, zeigt wie machtvoll in diesem Zusammenhang auch die Online-Kommunikation von einzelnen Personen sein kann.

SPD: modern und vielfältig

Die Partei bewirbt sich und ihr Programm sehr vielfältig. Auf den Kanälen wird mit Interviews, Bildern, GIF’s und Verlinkungen gearbeitet. Im Fokus steht dabei immer wieder der Kanzlerkandidat Martin Schulz, der auch während, nach oder gar zwischen den Terminen begleitet wird.

Um sich positiv abzugrenzen, werden häufig Vergleiche zur Regierungspartei und Kanzlerin Merkel gezogen. Beispielsweise wurden in einem Bild Zeitungsausschnitte negativer Schlagzeilen zum CDU/CSU-Programm, wie “ohne neue Ideen” oder  “Trägheitsmoment”, zusammengetragen.  Zwar kommen wichtige Programminhalte zur Sprache, doch die SPD zeigt durch Out-of-the-topic-Posts ebenfalls ihren Sinn für Humor und Modernität. So denkt man hier beispielsweise mit einem Kuss-GIF-Posting an den Tag des Kusses. Die Nutzerin Manuela Kossmann kommentiert daraufhin: “In der Öffentlichkeit küsst man nicht. Es ist proletarisch, unerzogen und unhöflich”. Die SPD reagiert mit einem “Dicken Schmatzer.” Einem anderen User fehlt eine Kussszene aus “vom Winde verweht”, die die SPD doch direkt in einem GIF nachliefert. Charme zeigt auch Heiko Maas, indem er mit seinen Händen die berühmte Raute-Handgeste von Merkel zum Herz formt und dabei in die Kamera zwinkert. Dieses bunte animierte Herz ist der SPD anlässlich der “Ehe für alle”, ein Posting wert: “Wir sind für’s Herz”.

Was zusätzlich auffällt ist, dass die SPD im digitalen Raum nicht nur Wähler, sondern auch Unterstützer anwirbt. Insbesondere junge Menschen werden auf eine frische Art und Weise angesprochen, sich dem SPD-Wahlkampf anzuschließen und der Partei beizutreten.

In ihren Videos setzt die Partei außerdem auf Fraktionsmitglieder, Prominente, den ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder sowie Gespräche mit Bürgern.

Der eigens für das Wahlprogramm entwickelte Trailer setzt auf inhaltliche Keywords sowie emotionale Bilder.

DIE GRÜNEN: reaktionsfreudig und aktiv

Die Grünen sind natürlich auch online grün unterwegs. Es werden Videos, Infografiken, TV-Berichte und vor allem viele Bilder von Events und Demos geteilt.

Wie alle Fraktionen beziehen sie sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf ihre Konkurrenz. Und das auch mal mit einem zwinkernden Auge: “Liebe CDU, liebe SPD, wenn ihr alle grünen Ideen vor der Wahl abräumen wollt, haben wir da prinzipiell nichts gegen. Da wo die #ehefueralle her kommt, gibt es noch viele gute, grüne, mutige Ideen für unser Land und eine lebenswerte Zukunft! Die komplette Liste schicken wir Euch gerne zu.” Zu diesem Facebook-Post erscheint ein Bild mit einer Liste, die unter anderem Klimaschutz und Lohngleichheit beinhaltet. Es folgt ein Kommentar, der die Social-Media-Aktivität der Partei kritisiert: “Euer Social Media Fuzzi macht viel, leider auch viele Sachen schlecht. Wenn ihr schon die CDU & die SPD direkt via FB ansprechen wollt, dann verlinkt sie doch entsprechend. Und euer Hashtag bringt auch nur was wenn euer Konto mit Twitter verbunden ist – dies ist leider auch nicht der Fall. Mann Mann Mann. #LegalizeIT, aber Dalli.”

Auch die Grünen finden ein GIF sagt mehr als tausend Worte und reagieren auf den Vorwurf mit einer ironisch klatschenden Jennifer Aniston.

Der Trailer zum Wahlprogramm der Grünen fokussiert das Spitzenduo und präsentiert sich dynamisch sowie bunt und modern.

DIE LINKE: straight

Auf der Facebook-Seite der Linken wird viel mit Infografiken, Hashtags und Bildern gearbeitet. Meist sind dort jedoch nur Politiker oder Statements abgebildet. Es wird demnach weniger durch Fotografien als durch Inhalte emotionalisiert. Der inhaltliche Fokus zeigt sich auch in Reaktionen der Partei auf Kommentare. Hier wird anstatt mit einem GIF in Sätzen, mit Erklärungen und Verlinkungen kommentiert.

Der Trailer der Linken ist laut, offensiv und direkt.

FDP: zukunftsgerichtet

Die FDP kommt in einem neuen flippig-hippen Design daher: ein strahlendes Gelb, kombiniert mit knalligem Pink und Himmelsblau. Modernität sowie das Erreichen neuer Wähler sind gewünscht. Christian Lindner soll die Partei zu neuen Erfolgen führen. Dementsprechend präsent ist er mit seinen Aussagen auch auf den Online-Kanälen der Partei. Hier arbeitet man mit Videos, Hashtags und vor allem mit vielen Infografiken, Zitaten und inhaltlichen Statements im modernen Look. Dies spiegelt sich auch in dem Video “100 Tage” (vor der Bundestagswahl) zum Wahlprogramm der Partei wieder.


Die Partei hat sich laut eigenem Post dazu entschieden, voll durchzustarten: “Wir setzen auf eine echte Zukunftsagenda 2030 statt auf Vergangenheitsfixierung und beziehen Stellung für Fortschritt und Bürgerrechte. Wir sind die Alternative für die ungeduldige Mitte”. “Die anderen machen Sommerpause. Wir nehmen Anlauf” – heißt es in einem Facebook-Post vom 01.Juli 2017.

Und so verteilen sich die aktuellen Likes auf Facebook:

CDU: 135.866 Personen
CSU: 167.498 Personen
SPD: 144.158 Personen
DIE GRÜNEN: 143.920 Personen
DIE LINKE: 198.724 Personen
FDP:  96.549 Personen

Bild: @unsplash, Peter Hershey

Digitaler Wahlkampf: Analog-Kamera mit Facebook Logo und Live Aufschrift vor dem Hintergrund der Natur

Digitaler Wahlkampf: „Frag selbst“
– ein neues Social-Media-Format

Vielleicht könnt ihr euch noch an das Gespräch zwischen Sigmar Gabriel und der Reinigungskraft Susanne Neumann erinnern. Als frisch gebackenes Parteimitglied wurde sie damals von Gabriel zu einem Diskussionsgespräch zum Thema Gerechtigkeit, auf öffentlicher Bühne, eingeladen. Dabei hielt sie kein Blatt vor den Mund, erzählte offen und beherzt von Problemen aus ihrem Leben und stellte kritische sowie realitätsnahe Fragen. Die Netzgemeinde feierte sie dafür. Dies lag sicher nicht zuletzt daran, dass die Bevölkerung bis heute zunehmend das Gefühl hat, die Politik kümmere sich eher wenig um die wahren Schwierigkeiten des alltäglichen Lebens. Ein digitaler Wahlkampf  spielt bei der Bundestagswahl  2017 für die Parteien eine große Rolle.  Und er kann durch die Nutzung von Social-Media dem beschriebenen Gefühl entgegenwirken.

Digitaler Wahlkampf: Ein Facebook-Live Dialog

Den Wähler in den Mittelpunkt stellen – dies möchte das neue Social-Media-Format “Frag selbst”, initiiert vom ARD Hauptstadtstudio sowie der tagesschau. Die Nutzer können ihre Fragen im Vorfeld per Mail einreichen oder live auf Facebook in die Kommentare schreiben. Diese werden dann von den wöchentlich wechselnden Spitzenpolitikern im Livestream beantwortet. Dabei werden laut Aussagen der Moderatorin diejenigen Fragen ausgewählt, welche die meisten Likes erhalten. Eine Aufforderung dazu gibt es allerdings nicht. Ebenfalls offen bleibt, wie die Redakteure die Mails selektieren. Für Abwechslung sorgen einige Einspieler, welche Meinungen von Menschen in Fußgängerzonen auffangen sowie 60 sekündliche Frage/Antwort-Sprints, die der jeweilige Politiker nur mit “Ja”oder “Nein” beantworten darf.

Katrin Göring-Eckardt im Gespräch

Den Startschuss gab am Sonntag der Dialog mit Katrin Göring-Eckardt von den Grünen. Einem Facebook Live-Video entsprechend, erschienen während der Übertragung von den Usern gewählte Emoticons als Reaktion auf die gezeigten Inhalte. Im Falle von Göring-Eckardt waren das in erster Linie Wut-Smileys, was wahrscheinlich generell der Stimmung im Netz gegenüber der Politik entspricht und erstmal nicht besorgniserregend ist.

Kommen Wähler tatsächlich zu Wort?

Das neue Format greift den aktuellen Zeitgeist auf und gibt den Bürgern die Möglichkeit, sich durch persönlich relevante Fragen ein Bild über die politischen Haltungen und Vorhaben der jeweiligen Parteien zu machen. Die Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios Tina Hassel, welche das Live-Gespräch führt, bestätigt dies:

„Diese Wahl ist anders. Es wird so viel über Politik diskutiert wie selten und gleichzeitig haben viele das Gefühl, nicht gehört zu werden. Hier bestimmen die User, was und wie gefragt wird und ob sie die Antworten überzeugend finden. Das macht den Reiz unseres neuen Formates aus“.

Die Fragen sind aus der Realität gegriffen, die Politik ist so “nah am Volk”. Gleichzeitig bietet sich den Parteien ein großer Vorteil, neue Wähler auf neuen Wegen zu gewinnen, insbesondere Digital Natives. Doch inwieweit die individuellen Anliegen wirklich Gehör finden können, bleibt fraglich – Selektion bleibt Selektion. Dennoch hilft es, einen relevanten und vielleicht sogar entscheidenden Einblick zu gewinnen.

Seht und fragt selbst!

Vergangene Sendungen können auch im Nachhinein in der Mediathek oder auf Facebook angeschaut werden. Ansonsten könnt ihr “Frag selbst” auf folgenden Kanälen verfolgen: im Livestream auf www.frag-selbst.de und www.tagesschau.de sowie bei Facebook auf den Kanälen von tagesschau, ARD-Hauptstadtstudio, Bericht aus Berlin und Das Erste. Tagesschau24 überträgt das Gespräch im Fernsehprogramm.

Alle Termine im Überblick:

  • Katrin Göring-Eckardt (Grüne): 2. Juli, 19:00 Uhr
  • Sahra Wagenknecht (Die Linke): 9. Juli
  • Peter Altmaier (CDU): 16. Juli
  • Frauke Petry (AfD): 13. August
  • Horst Seehofer (CSU): 20. August
  • Martin Schulz (SPD); 27. August 2017
  • Christian Lindner (FDP): Termin noch offen

Hier könnt ihr eure Fragen stellen:

  • live per Facebook-Kommentar
  • Webseite www.frag-selbst.de
  • via Video an frag-selbst@tagesschau.de
  • Facebook Messenger (Tagesschau)

Bild: @unsplashSticker Mule

Ein digitaler Wahlkampf wird durch einen Screenshot Facebookseite der Bundesregierung veranschaulicht

#btw 2017:
Digitaler Wahlkampf in Deutschland

Der 24. September 2017 – Stichtag zur Bundestagswahl in Deutschland. Im Wahlkampf finden die Sozialen Medien dabei einen immer stärkeren Einzug. Diese haben auch während der amerikanischen Wahl in den Nachrichten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und am Ende standen wir vor einem überraschenden Ergebnis: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, wenn auch nur knapp. Was können wir auf den digitalen Kanälen der Parteien in Deutschland erwarten? Wird sich ein digitaler Wahlkampf entfachen? Der Trump-Schock ist noch groß, die Bundestagswahl nah – Anlass genug, um den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten kurz Revue passieren zu lassen.

Donald Trump: Wahlsieg durch Social Media-Aktivitäten?

Trumps Worte waren laut, emotional aufgeladen und provokant – und das vor allem im digitalen Raum! Er twitterte, postete und teilte, was das Zeug hielt. Die politischen Inhalte waren hingegen eher mau, die Wahlversprechen unrealistisch. Da stellt sich überspitzt die Frage: Hat sich Trump ins weiße Haus getwittert? In der Online-Kommunikation nahm der ehemalige Unternehmer jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er warf vor allem mit beleidigenden und übertriebenen Tweets, Hashtags und Facebook-Posts um sich. Dies waren nicht selten Trotzreaktionen aufgrund kritischer Stimmen. Kaum einer von uns konnte der Flut an Nachrichtenmeldungen darüber entgehen. Wenn Trumps Aussagen auch für Aufregung und Shitstorms sorgten, so erhielt er gerade dadurch eine immense Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Motto: Schlechte Presse ist besser als keine Presse. Seine Beiträge wurden zahlreich geteilt und kommentiert, eine virale Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Online-Präsenz sorgte somit auch offline für Gesprächsstoff.

Digitaler Wahlkampf: Denunzierung, Verschwörung, Fakenews

Eine entscheidende Rolle bei seinem Erfolgszug spielten auch diverse Denunzierungen politischer Gegner. Darunter waren in erster Linie natürlich der von Hillary Clinton und potentieller “Feinde”. Dafür nutzte er Fake-News und übte sich in Verschwörungstheorien. In einem dieser Vorwürfe, wettert er sogar gegen eben jene Medien, die ihm eigentlich als förderliche Lautsprecher und Plattformen dienen: „Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!“. Gleichzeitig inszeniert sich Donald Trump als Retter allen Übels. Seine Botschaft: #makeamericagreatagain. Ob der Online-Wahlkampf Donald Trumps ihm tatsächlich den kleinen aber entscheidenden Vorsprung ermöglichte, ist ungewiss. Die Resonanzräume, die er durch emotional aufgeladene Kommunikation eröffnete, legen eine Vermutung allerdings nahe. Ein Wahlkampf ohne das Netz dürfte für ihn schwieriger gewesen sein.

Digitaler Wahlkampf mit Facebook und Co.

Der amerikanische Wahlkampf hat gezeigt: Die Online-Kommunikation erhält auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert. Ein digitaler Wahlkampf hat das Potential, den Ausgang einer Wahl entscheidend zu beeinflussen. Er kann sowohl die Partei selbst als auch die Gesellschaft pushen oder schädigen. Es geht (leider?) nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck. Einzelne Figuren stehen im Fokus, die leicht zu Helden auserkoren werden können. Besonders Social-Media Profile ermöglichen eine individuelle Präsentation und Stilisierung von Personen. Politiker können sich modern und “volksnah” geben und so neue Zielgruppen erreichen. Insbesondere Digital Natives informieren sich zunehmend im Netz. Die elektronische Demokratie ist somit eine wichtige Ergänzung zu anderen Medien wie Print oder TV. Dementsprechend kämpfen die Parteien heute mehr denn je online und mit digitalen Mitteln um die Gunst der Wähler.

Bundestagswahl: Beobachtung des Online-Wahlkampfes

Wie wird der digitale Wahlkampf hierzulande ablaufen? Trumps Vorgehen ist – was die Erhöhung der Reichweite betrifft – beachtenswert. Doch wie gelingt es, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei reißerisch zu werden? Welche Strategien verfolgen SPD, CDU, Die Grünen und Co. und wie reagieren die potentiellen Wähler?

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns die Websites und Social Media Profile der etablierten Parteien anschauen und ihre Aktivitäten beobachten. Dabei interessiert uns der jeweilige Online-Auftritt. Wird eher auf Optik oder Inhalt wert gelegt? Wer wird wie angesprochen? Wer nicht? Was sagen die User? Wie reagiert man auf einen Shitstorm? #Mutti oder #Zeit für Martin? Welcher Kanzlerkandidat zeigt die stärkere Präsenz? Und welche Dynamiken entwickeln sich im heißen Endspurt? – mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, werden wir uns bis zur Wahl im September beschäftigen.

Es bleibt also spannend. Sobald wir wissen, wer die neue Führungsspitze Deutschlands bildet, können wir ein Fazit in Bezug auf den deutschen digitalen Wahlkampf ziehen. Welche Online-Strategien sind aufgegangen? Welchen Anteil am Erfolg haben die Aktivitäten im digitalen Raum möglicherweise gehabt? Ist die gewählte Partei auch in Sachen Social Media ein Vorreiter gewesen? Und was können wir daraus für die Zukunft mitnehmen?

 

Bild: @Bundesregierung (screenshot fb)