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Flugzeug am Himmel zum Artikel-Thema: Twitter News: Pilot zeichnet Tannenbaum über Deutschland

Twitter News:
Pilot zeichnet Tannenbaum in den Himmel

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Das dachten sich in dieser Woche auch die Mitarbeiter von Airbus und wählten mit dem A380 eine doch sehr außergewöhnliche Route. Der Pilot zeichnete mit seinem Flieger einen Tannenbaum in den Himmel – ein Weihnachtsgeschenk, das es in Deutschland so noch nie gegeben hat.

Ich flieg dir einen Weihnachtsbaum 

Los ging die Reise um 12.47 Uhr vom Flugplatz Hamburg-Finkenwerder. Der Airbus flog dann über ganz Deutschland, wechselte immer wieder die Himmelsrichtung und setzte dann schließlich um 16.30 Uhr wieder in Hamburg zur Landung an. Laut der Pressestelle von Airbus handelte es sich um einen internen Standard-Testflug. Solche Flüge erfolgen vor jeder Auslieferung einer neuen Maschine. Der genaue Weg ist dabei nicht vorgegeben. In diesem Jahr wollten sich die Mitarbeiter kreativ ausleben und beschlossen gemeinsam: Es ist Zeit für eine Weihnachtsüberraschung der besonderen Art.

Flugradar zeigt himmlisch weihnachtliches Kunstwerk

Auf der Website flightradar24.com ist zu sehen, wie der Airbus-Pilot mit seiner Flugroute die Konturen eines Tannenbaumes nachzeichnete. Dabei dachte er sogar an den Christbaumschmuck mit vielen Weihnachtsbaumkugeln. Spätestens jetzt wird klar: Hier möchte uns jemand die Weihnachtszeit versüßen.

 

Die Aktion war natürlich mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) und Eurocontrol, der Europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, abgestimmt. Ideengeber waren eventuell die Briten. Denn dort flog in der Nähe der Stadt Northhampton im vergangenen Jahr ein Pilot eine ähnliche Route. Mit ihrer Idee versetzen uns die Piloten in jedem Fall in Weihnachtsstimmung. Echte Überflieger!

 

schwarz angezogener Mann viele Gegenstände schwarzer Boden

Unternehmen ohne Büro:
Start-up-Gründer entwickelt neue App

Ein Schweizer gründet Start-Ups auf der ganzen Welt und braucht zum Leben nicht mehr als das, was in einen Koffer passt. Cédric Waldburger kauft keinen unwichtigen Krimskrams. Stattdessen entwickelt er lieber neue Apps, die seine Arbeit besser organisieren.           

 

Zuhause in der ganzen Welt

Er wohnt nirgendwo aber irgendwie auch überall: Cédric Waldburger ist ein Start-Up-Gründer von mehreren Unternehmen. Seine Wohnung hat er schon vor eineinhalb Jahren aufgegeben, die braucht er schließlich nicht mehr. Das, was er braucht, passt alles in einen einzigen Koffer. 64 Dinge reichen ihm aus, um die Welt zu bereisen. Fast alle Gegenstände sind, der Einfachheit halber, schwarz. Nur bei seinem Apple-Ladekabel und dem schweizer Reisepass musste er eine Ausnahme machen.    

 

Reisen, arbeiten und leben

Start-Ups faszinieren Cédric seit seiner Kindheit. Deswegen hat er auch gleich eins im zarten Alter von vierzehn Jahren gegründet. Heute sind seine Projekte auf der ganzen Welt verteilt. Egal ob San Francisco, Miami, Berlin, Frankfurt, St. Gallen oder Zürich: Alle diese Städte sind für Cédric Zuhause und Arbeitsplatz zugleich. Auf die oft gestellte Frage, wo denn sein Zuhause sei, antwortet er: “Zuhause ist da, wo ich Freunde treffe”. Was Cédric so interessant macht, ist seine moderne Lebensweise, die sowohl Mobilität als auch Minimalismus vereint.

 

Neue App erleichtert Organisation

Was mindestens genauso modern ist, sind Cédric Waldburgers Unternehmen. Eines davon ist eine Firma, die kein Büro braucht: Sendtask. Dabei handelt es sich um eine App, die Aufgaben organisiert. Dafür muss man nicht einmal registriert sein. Cédric wollte ein Tool kreieren, dass es zulässt, Arbeit ohne Beachtung von Raum und Zeit zu organisieren. Mittlerweile hat Sendtask neun Mitarbeiter aus ganz verschiedenen Ländern wie Mazedonien, Russland oder Schottland. Jeder von ihnen hat einen anderen Arbeitsrhythmus. Laut Cédric ist die zeitliche Flexibilität eine der größten Stärken von seinem Start-Up. Um trotzdem organisiert zu bleiben, nutzt das Team natürlich Sendtask.

 

Shitstorm für die Deutsche Bahn:
ICE-Name löst heftige Diskussion aus

Die Deutsche Bahn hat die Namen des neuen ICE 4 veröffentlicht und erntete dafür sofort einen Shitstorm von Nutzern der Social Media Plattform Twitter. Eine sechsköpfige Jury einigte sich unter anderem auf dem Namen Anne Frank für einen der Hochgeschwindigkeitszüge. Im Zusammenhang mit der Geschichte des Verkehrsunternehmens empfanden viele Menschen auf Twitter die Namenswahl als pietätlos.

 

Anne Frank, Erich Kästner und Albert Einstein

Vier Wochen lang konnten Namensvorschläge bei der Bahn eingereicht werden. Die einzige Vorgabe bestand darin, dass die Einreichungen sich an deutschen historischen Persönlichkeiten orientieren mussten. Zusammengekommen sind ganze 19.400 Vorschläge. Die endgültige Auswahl wurde von sechs Jurymitgliedern getroffen. Sie haben sich letztendlich auf Namen wie Naturforscher Alexander Humboldt, Autor Erich Kästner, die Geschwister Scholl und Anne Frank geeinigt. Die Taufe der ersten 25 Züge, die ab Dezember von Hamburg nach München und Stuttgart fahren sollen, ist für 2018 und  2019 geplant.

 

Kritische Vergangenheit der Deutschen Bahn sorgt für Shitstorm

Dass gerade die Deutsche Bahn als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn sich für Anne Frank entschieden hat, nahmen viele Nutzer auf Twitter negativ auf. Vor allem weil die Züge den Nationalsozialisten als Werkzeug zur Deportierung von Menschen in Konzentrationslager dienten. Zusätzlich will die Deutsche Bahn ein Foto verwenden, das erst vor kurzem von Ultras in Italien für rechte Hetze missbraucht wurde. „Bin ich eigentlich die einzige, die es befremdlich findet, einen Zug der Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn Anne Frank zu nennen?“, fragt eine Twitter Nutzerin. Ein anderer kommentiert ironisch im Bezug auf die noch ausstehenden Entschädigungszahlungen der Deutschen Bahn aus der NS-Zeit: „Die Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, die Zwangsarbeiter bis heute nicht entschädigt, tauft einen ICE ‚Anne Frank'“. Trotzdem gibt es auch Stimmen, die die entstandene Diskussion als “ziemlich absurdes Theater” bezeichneten und den Namen als eine “sehr gute Entscheidung” empfanden.

 

 

Symbol gegen Unmenschlichkeit des Völkermordes

Anne Frank wurde selbst erst nach Auschwitz und danach nach Bergen-Belsen deportiert. Kurz vor Kriegsende starb sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Annes Tagebücher machten sie zur Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus. Genau aus diesem Grund habe die Jury der Deutschen Bahn sich unter anderem auf sie geeinigt. “Sie steht für Toleranz und für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen, in Zeiten wie diesen, wichtiger denn je“, heißt es in einer Pressemitteilung. Weiter verteidigt sich das Unternehmen: Als Deutsche Bahn sind wird uns unserer Verantwortung bewusst und setzen uns seit unserer Gründung kritisch mit der Geschichte unserer Vorläuferorganisationen auseinander“. Die Aufarbeitung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern sei ihnen ebenfalls ein Anliegen.

 

Graffiti zum Thema Urban Nation Museum

Urban Nation:
In Berlin eröffnet erstes Museum für Streetart

Kreativität kennt keine Grenzen, auch keine räumlichen. Die Berliner Straßenkunst ist mit ihren zahlreichen Graffitis, Aufklebern und Bemalungen das beste Beispiel hierfür. Ob an Laternen, Fassaden, Mauern oder auf Gehwegen – überall finden sich urbane Kunstwerke. In der Bülowstraße bündeln sich viele von ihnen, sodass Spaziergänger zu Galeriebesuchern werden. Der Ort ist demnach prädestiniert dafür, ein Aushängeschild der Berliner Straßenkunst zu sein. An diesem Wochenende eröffnet dort das Künstlerkollektiv Urban Nation das erste Museum für Streetart. Das Projekt begann laut Initiatoren im Jahr 2016 mit der „Vision einer weltweiten Urban-Art-Community, eines Netzwerks ohne Grenzen“. Mit dem neuen „Museum for Urban Contemporary Art„, wird dieser Traum nun Realität. Zelebriert wird das Ereignis vom 16. bis zum 17. September mit einer großen Kunstmeile.

Das Museum, das es gar nicht geben dürfte

Das „Museum for Urban Contemporary Art“, ist mehr als nur ein klassisches Museum.  Neben ständigen, teilweise sogar interaktiven Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops, wird selbstverständlich auch die Hauswand zur Leinwand. In der Bülowstraße findet Streetart in, an und um das umgebaute vierstöckige Wohn- und Geschäftshaus aus der Gründerzeit ein kleines Zuhause. Das Gebäude mit der Nummer 7 sticht schon von weitem heraus, da die Fassade in ein riesiges Mural verwandelt wurde. Dieses wird mit der Zeit von verschiedenen Künstlern immer wieder neu gestaltet. Und auch die Architektur ist besonders: Die Straße wird buchstäblich in die Räume verlagert. So gibt es beispielsweise eine Trasse und einen Galeriesteg, die sich durch das Innere ziehen. Dies ermöglicht, die ausgestellten Arbeiten von nah und fern betrachten zu können.

Die künstlerische Leiterin beschreibt das Museum in einem Interview mit Radio Eins als eine Art Archiv, welches Berlinern und Touristen die Bedeutung und Relevanz der Straßenkunst näher bringen soll. Darüber hinaus wird die Galerie ein Ort des Austausches, der Inspiration und Wissenschaft – für Künstler, Kunstinteressierte und die allgemeine Öffentlichkeit.

Das große Streetart-Fest von Urban Nation

Am Wochenende kann das Museum nun erstmalig besucht und dabei die Werke von über 130 internationalen Künstlern bestaunt werden. Zwischen dem U-Bahnhof  Nollendorfplatz und der Frobestraße, wird es zudem ein Straßenfest mit verschiedenen Aktionen, Wandgemälden, Kunstinstallationen, Showacts sowie einer Community Wall und einem Skaterpark geben. 

Hinter Urban Nation steht die Stiftung Berliner Leben, gegründet von der Gewobag.  Bereits seit Jahren gestalten sie Berliner Fassaden in riesige Outdoor-Kunstwerke und organisieren entsprechende Streetart-Projekte um Menschen und Künstler miteinander zu verbinden.

Ein Museum kann mehr, als ein Raum voller Bilder sein.

Wo? Urban Nation, Bülowstraße 7, 10783 Berlin

Mehr Infos

Reise-Collage, in welcher ein Paar die Arme um sich legt; aus der Fotokunst von Half Half Travel

Half Half Travel: Eine Fernbeziehung
als Fotokunst auf Instagram

Getrennt und doch zusammen: Die Fotografen Rebecca Siegel und Dan Gold führen eine Fernbeziehung, die es in sich hat. Beide umreisen die Welt – jedoch nicht zusammen, sondern voneinander getrennt. Eine Liebe auf Distanz aufrechtzuerhalten, ist alles andere als einfach. In ihrem Blog und gleichnamigen Instagram Account „Half Half Travel“, zeigt das Paar eine kreative Möglichkeit mit der räumlichen Trennung umzugehen. Die beiden lichten sich jeweils an dem Ort, an dem sie sich gerade befinden ab, halbieren die Fotografien in der Mitte und fügen die Hälften zu einem neuen Bild zusammen. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Darstellung der unterschiedlichen Aufenthaltsorte, erschaffen sie so gemeinsam einzigartige Collagen.

Die Sehnsucht nach der Ferne

Rebecca und Dan lernen sich im Dezember 2015 in New York kennen und lieben. Beide haben den Wunsch für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Er will ein Jahr lang durch Europa, Afrika und Südamerika reisen und dabei jeden Monat eine neue Stadt entdecken. Rebecca lebt aktuell in New York. Nachdem sie fast drei Jahre lang in Hongkong und China verbrachte, möchte sie nun noch mehr vom Rest der Welt sehen und diese auf eigene Faust erkunden. Zwei Menschen, zwei unterschiedliche Lebenspläne: Ist die junge Liebe dadurch von vornherein chancenlos?

Getrennt reisen, zusammen fotografieren

Für Rebecca und Dan nicht. Die beiden möchten – trotz der räumlichen Trennung – weder sich als Paar, noch ihre individuellen Träume und Wünsche aufgeben. In der heutigen Zeit hilft ihnen dabei das World Wide Web. Auf kreative und bezaubernde Art und Weise zeigen sie online, dass Liebe keine Grenzen kennt. Sie bedienen sich ihrer Reisebildarchive, wählen zueinander passende Fotografien aus und fügen diese durch digitale Bildbearbeitung liniengetreu zu einem neuen Motiv zusammen. Indem sich die Atmosphären der unterschiedlichen Orte zu einer Einheit verbinden, entstehen interessante Kombinationen. Was Rebecca und Dan über ihre Beziehung hinaus offensichtlich vereint, ist die Liebe zur Fotografie und zum Reisen. Was sie trennt, sind eben genau diese 1000 Kilometer Entfernung. In den Bildern verbinden sich die Welten von Rebecca und Dan. Durch ihre Fotokunst kommen sich die beiden wieder ein Stück näher.

Litfaßsäule mit Plakaten und Anzeigen. In der Mitte das Cover des Buches Das Stammeln der Wahrsagerin über eBay-Geschichten

Hochzeitskleid, garantiert ungetragen:
Sarah Khan über eBay-Geschichten

Der Verkauf eines ungebrauchten Brautkleides, einer Pferdebuchsammlung zur Absicherung der Rente, ein Designersofa, das lange Zeit nicht einmal jemand geschenkt haben will – auf eBay-Kleinanzeigen tummeln sich nicht nur Kauf-und Verkaufsangebote, sondern auch jede Menge Geschichten.  Sarah Khan hat ein Buch über die Storys hinter den Inseraten geschrieben – “Das Stammeln der Wahrsagerin: Unglaubliche Geschichten hinter Kleinanzeigen”. NeoAvantgarde hat sich mit der Autorin getroffen.

Welche Arten von Geschichten beschreiben Sie in Ihrem Buch?

Die Geschichten sind alle sehr unterschiedlich. Es sind nur acht Geschichten und es hat fast so ein bisschen den Charakter eines Plattenalbums. Jede Geschichte steht für eine eigene Idee. Das Buch fängt relativ heiter an, mit einer eher witzigen Geschichte, mit jemanden, der sein Designersofa aus den 90ern verschenken will, weil er seine Wohnung MidCentury original einrichten will. Es stört und dann fängt das Sofa auch noch an zu sprechen und erinnert ihn an seine soziale Verantwortung. Und dann muss er sich mit einem Interessenten abquälen, der sich nicht entscheiden kann. Das ist eher heiter, aber danach geht es ja gleich weiter. Da gibt es eine traurige Geschichte von einer Frau, die die Wohnung ihres verstorbenen Sohnes ausräumen muss. Von jedem einzelnen Gegenstand nimmt sie einzeln Abschied, schreibt über jeden Gegenstand einen Text und wohnt monatelang in dieser Wohnung bis alles verkauft ist. Das war eine Geschichte, die mir schwer gefallen ist zu schreiben.

Heißt das, Sie haben auch fiktive Elemente mit einfließen lassen?

Ja – wenn es geholfen hat ein bestimmtes Anliegen zu unterstreichen. Dass es zum Beispiel nicht so einfach ist, Sachen wegzugeben oder zu verschenken oder loszuwerden. Man kann das natürlich entsorgen oder entsorgen lassen. Das kostet Geld. Wenn man es verschenken will, kostet es Zeit. Viele Dinge haben ja auch ihren objektiven Wert. Aber viele Details sind immer super interessant und könnte ich mir nie ausdenken.

Sie haben ursprünglich selbst bei eBay-Kleinanzeigen Produkte für Ihr Wochenendhaus gesucht. An welcher Stelle wurde Ihnen bewusst, dass sich hinter den Anzeigen interessante Geschichten verbergen könnten?

Erst einmal bin ich auf die Sprache abgefahren. Ich habe gemerkt, dass viele Leute eine sehr volkstümliche Sprache pflegen. Das hat mich ziemlich begeistert. Das ist so ein rauer, raffer Ton, den es in der Literatur nicht mehr so viel gibt. Das waren dann für mich teilweise literarische Kleinoden, wie: “Bitte zu zweit kommen. Kein ‘Fass mal mit an’”. Das fand ich irgendwie faszinierend, dass die Leute dann auch einfach so ihre ganzen Befindlichkeiten anmerken: “Ich verkaufe zwei Edelsteintöpfe für zehn Euro. Der eine müsste noch geschruppt werden, aber wer keinen zusammenhängenden Satz schreiben kann, braucht sich gar nicht erst melden”. Da habe ich dann auch erst einmal versucht, mit solchen Leuten ins Gespräch zu kommen und habe denen teilweise auch frech zurückgeschrieben und einfach nur sprachlich darauf reagiert – ohne gleich die Idee gehabt zu haben, die zu treffen,  zu begleiten oder über Monate sprechen zu wollen. Einfach nur: Was passiert wenn man denen schreibt? Die guten Geschichten waren nicht unbedingt da, wo die Dinge waren, die ich für mein Haus brauchte. Ich musste ganz viele Leute immer wieder anschreiben und kontaktieren.

Wie haben die Nutzer auf Ihre Anfrage reagiert?

Der Anbieter diktiert wie das läuft. Aber ich habe auch viele angefragt, die dann gesagt haben: „Nein ist nicht“. Und andere waren ganz begeistert und haben gleich etwas mit mir ausgemacht und haben mich auch zurückgerufen.

Wie gestaltete sich die persönliche Kommunikation mit den Personen – im Gegensatz zur Online-Kommunikation?

Komischerweise habe ich oft das Gefühl gehabt, dass mir Leute sehr schnell alles mögliche erzählen. Was mich jetzt fast ein bisschen ängstigt, weil man dann sehr viele Geheimnisse von anderen Menschen mit sich herum trägt. Berlin ist riesig groß, man findet immer Verbindungen. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, mit denen ich selber geografische Zweige habe. Es war fast wie ein Orakel meines eigenen Lebens, wenn ich Leute über eBay-Kleinanzeigen kennengelernt habe, dass man doch irgendwo im Hintergrund gemeinsame Bekanntschaften hat oder gemeinsame Menschen kennt und so einen kleinen Einblick hat. Und dann weiß man teilweise auch Sachen, die man gar nicht wissen wollte.

Also offenbaren sich Beziehungsräume?

Es gibt sicher viele, die das sehr systematisch benutzen für jeden Aspekt ihres Lebens. Und ich habe auch gemerkt, ich selbst mache es auch sehr oft: wenn ich irgendetwas brauche oder ein Bedürfnis habe, dann gehe ich auf dieses Portal. Das ist total interessant. Man kann Menschen darüber kennen lernen, man kann ausmüllen, man kann verschenken und man kann tauschen. Aber das ist auch interessant: was verschenken die Leute, was gilt heute als verschenkt und welche komischen Bedingungen und Ruppigkeiten sind daran geknüpft? Oder wie gehen Leute mit illegalen Zwischenräumen um? Wenn die quasi gewerblich Sachen in ihrer Wohnung verkaufen: Was ist der Unterschied zu Jemanden, der einen Laden hat? Das merkt man auch: die Leute sind dann hochgradig nervös und wollen einem auch nicht viel erzählen. Die meisten sind aber sehr privat. In Berlin ist es ja eh immer alles ziemlich offen. Manche sind so: „Komm erstmal rein, trink einen Kaffee, zieh dir die Schuhe aus“.

Ein bisschen habe ich auch das Gefühl, das Buch handelt von den Problemen, die die Leute heute mit Geld und Arbeit haben. Viele sind ja heute freiberuflich, prekär, ziehen oft um, müssen Sachen wieder einrichten und aufgeben. Und eBay-Kleinanzeigen ist auch IKEA-Friedhof.

Die Plattform könnte als digitaler Trödelmarkt bezeichnet werden. Was glauben Sie, ist der Unterschied? Wie verhalten sich die Menschen im Gegensatz zum realen Marktbesuch? Dort hat man ja beispielsweise wenig Möglichkeiten der Rückversicherung oder Recherche.

Dass man ins Private geht, also die Auflösung. Die Industrialisierung hat gebracht, dass die Menschen nicht mehr Zuhause, im Gehöft oder in einem Hof gearbeitet haben. In der bürgerlichen Kultur gab es das Haus mit Bediensteten. Der Mann ging morgens in die Fabrik als Direktor oder als Arbeiter. Und die Frau war dann sozusagen einsam, fing an zu lesen, sich zu bilden und so weiter. Und jetzt gibt es ja seit einigen Jahrzehnten wieder dieses Homeoffice, Freiberuflichkeit, dass man das gar nicht mehr so richtig trennen kann, wo man arbeitet und, ob man gerade lebt oder arbeitet. Und jetzt werden auch die Wohnräume zu Geschäftsräumen. Man bringt völlig fremde Leute über eine Verabredung im Internet in sein Haus und verkauft alte Sachen von sich. Und dann gibt es sozusagen eine kurze Begegnung. Die meisten Leute sind ja auch nicht so wie ich, dass sie sich dann hinsetzen und sagen “erzähl mal”. Viele sind sehr knapp und distanziert. Das bin ich nicht, ich bin eine Autorin, ich will das alles hören. Es belastet mich teilweise auch oder wird mir zu viel oder denke mir, was soll der banale Kram. Aber letztendlich kann man in diesen banalen Geschichten oft interessante Sachen finden, das glaube ich zutiefst. Das ist eigentlich das Entscheidende. Früher gab es Künstler, die sich eine Ladenwohnung gemietet haben, in der sie lebten und den ganzen Tag war Verkaufsausstellung. Du konntest reingehen und sagen “komm lass uns ein Bier trinken und jetzt kaufe ich dir eine Kaffeekanne ab”. Oder es gab Boutiquen in London oder so, das waren einzelne Kunstwerke. Heute macht das jeder: Das Konzept, dass das eigene Haus nicht nur bei Airbnb ist, dass man diese Grenzen nicht mehr hat.

Was glauben Sie, warum sich die Nutzer dazu verleiten lassen, ihre persönlichen Geschichten anzudeuten? Bei eBay zählt ja eigentlich eher der schnelle und praktische Kauf und Verkauf.

Genau, aber man sagt eben auch, es ist kein Anbieten wie “Sauer-Bier”. Also es muss ja schon etwas Geliebtes sein. Es kommt aus einer anderen Zeit. Es steht für etwas und da reichen solche Kategorien wie neu oder alt gar nicht mehr, weil Dinge dann einen Wert aufladen können, wenn sie alt sind oder wenn sie gewisse Spuren haben oder aus einer bestimmten Mache kommen, die heute nicht mehr produziert wird. Aber man begibt sich immer häufiger auch in die Verkäufer-Perspektive. Was machen denn Verkäufer, wenn sie Dinge anpreisen? Sie schmeicheln, sie stellen die Dinge in das richtige Licht, sie erzählen auch irgendwo eine Geschichte. Diese Idee, dass man durch Dinge erst lebt, also durch den Besitz und die Ingebrauchnahme von Dingen. Das Problem ist nur, und das zeige ich ja auch an einer Geschichte, dass wenn da keiner ist, wenn man einsam ist: du kannst dir einen Tischgrill kaufen, aber du kannst dir nicht die Menschen kaufen, die mit dir Grillen.

Bei eBay ist es schon eher nüchtern und man kann nicht sofort hingehen. Dort ist es eher ein Einblick in viele Wohnzimmer. Wenn man irgendwo in Deutschland mal reist und man fährt an kleine Orte oder Städte: Ich finde das so interessant, sich dann die eBay-Kleinanzeigen aus dem Ort anzusehen. Dann sieht man so viele Wohnzimmer. Es sind sozusagen Museen des Alltags. Die Leute fotografieren Sachen, im Hintergrund sieht man das Fenster, sieht man die Straßen, man kann das teilweise total zuordnen, man sieht Garagen, man sieht ein Zimmer, man sieht wie Leute ihre Klamotten einräumen oder nicht einräumen und Haustiere. Man sieht sehr selten Menschen. Bei Hochzeitsfotos ist es oft so, dass die Gesichter ausgeschnitten sind. Ansonsten ist das einfach eine richtig interessante, kulturwissenschaftliche Quelle. Man kann sehr viele Bilder, Geschichten, Poesie und so weiter finden.

Könnte man Ihrer Meinung nach sagen, dass die Anonymität des Netzes unbewusst zu einer großen Intimität verleitet?

Man spricht erst einmal in einen Raum hinein. Wenn ich Sachen von meinen Kindern verkaufe, ertappe ich mich dabei, dass ich sage “meine Tochter hat das total gerne gespielt, das ist vollständig, das begeistert jede Fünfjährige“ oder so. Und auf einmal wird man so vertrauensselig, obwohl da gar keiner steht. Also wenn da einer stehen würde, mich anschaut, dann würde ich das wahrscheinlich nicht machen. Deshalb spricht einiges für diese Theorie. Es ist ein interessanter Effekt aus diesem Widerspruch heraus. Dazu kommt eben, dass außer der Privatheit eigentlich nichts anderes für die Dinge sprechen kann – außer das Anfüllen der Dinge mit der eigenen Lebensgeschichte und der eigenen Emotionalität. Also wir beleben, wir beseelen diese Dinge mit unseren Empfehlungen und die Empfehlungen kommen aus unserer Ingebrauchnahme. Und die Gebrauchnahme ist natürlich so, dass sie fast keine Spuren hinterlassen hat, also fast wie neu ist, nur wenig getragen – aber gleichzeitig heiß geliebt: “Meine heiß geliebten Gummistiefel, die ich nur zwei Mal getragen habe, aber jetzt ziehe ich nach Südspanien, wo es nie regnet”. Solche Muster hat man ständig. Also es ist nichts Individuelles in dem Sinne oft zu finden, also selten. Und dann merkt man, dass es da eine Störung gibt. Und darauf habe ich am ehesten noch reagiert, dass es sozusagen manchmal Abweichungen von diesen Mustern gegeben hat.

Die von Ihnen gewählten Inserate haben einen gemeinsamen Nenner: Sie stammen von Berlinern. Haben sie den Eindruck, dass Berlin eine besondere Stadt mit besonderen Geschichten ist?

Ja – da bin ich mir ganz sicher, weil hier einfach eine enorm große und auch eine in ständigen Veränderungen befindliche Stadt ist und viele zuziehen, wegziehen, arm sind. Es betrifft ja nicht nur Arme, einfach, dass die Menschen hier sehr offen sind. Dass es sozusagen einen hohen Umschlag-Rhythmus gibt. Und gerade erben unheimlich viele Menschen Sachen, die man heute nicht mehr benutzt, riesige Schrankwände, Aquarien, solche Dinge, die zu einer ganz anderen, viel gefestigteren Lebensweise gehören, zu der alten Bundesrepublik oder zur DDR. Also wo die Leute wirklich mit 15, 20 ihr Leben durchplanen konnten. Und heute ist es nicht mehr so. Die ganzen schweren Möbel unserer vorherigen Generationen sind schon jetzt eine enorme Belastung für Menschen, weil sie gar nicht mehr so ein gesetteltes Leben führen können. Und nicht jedes Mal einen Schwertransport organisieren wollen. Wir haben viele Singles, wir haben viele Leute, die ziehen zusammen und trennen sich wieder, müssen Familien über zwei, drei Haushalte organisieren. Es sind heute einfach andere Bedingungen. Viele Leute sind so froh, nur dass sie die Sachen los sind, dass sie sie verschenken können. Und auf dem Land ist es nicht so. Man hat viel größere Wege, man möchte nicht, dass die Nachbarn zu viel sehen. Weil es ja auch wirklich, gerade im Bereich der Geheimnisse, zu Konflikten kommen könnte. Man möchte auch nicht zu nah sein, weil man dann auch abhängig oder ausgeliefert wäre. Denn Nähe bedeutet Information, bedeutet, es könnte Klatsch geben usw.. Man baut viel mehr an einem Bild von einem, was die anderen haben, weil sie einen sozusagen ständig spiegeln. In Berlin versendet es sich, es diffundiert, es löst sich viel stärker im allgemeinen Getöse auf. Das empfinden ja auch sehr viele als angenehm am städtischen Wohnen, dass man sich nicht so von den anderen beobachtet fühlen muss, wie man es im Dorf tut. Und entsprechend gehemmter sind die Menschen in den Dörfern und haben ja auch ganz andere historische Erfahrungen.

Im Netz ist es erstmal oberflächlich. In dem Moment, wo man sich trifft und begegnet, ist es wieder die ganz normale menschliche Begegnung und es gibt solche und solche. Das Portal ist nur eine Möglichkeit der absoluten Vernetzung mit Leuten.

Schaufenster aus Harry Potter mit Daily Prophet Zeitungen und Bildern die sich bewegen

It’s magic:
Eine interaktive Zeitung à la Harry Potter

Auf der Titelseite des Tagespropheten – der größten und bedeutendsten Tageszeitung in der Magischen Welt – könnte heute folgende Schlagzeile pranken: “Die Geschichte von Harry Potter, unsere Geschichte, wird 20 Jahre alt!” – Hierzu natürlich ein Titelbild, das sich bewegt.

20 Jahre Harry Potter – Happy Birthday!

Denn am 26. Juni 1997 erschien der erste Harry Potter Band, mit welchem sich die Erfolgsautorin J.K. Rowling in die Herzen ihrer Leser zauberte. Der Fankult um den kleinen Zauberer ist bis heute nicht erloschen. Mittlerweile gibt es sogar schon ein Spin-Off der Potter-Abenteuer. J.K. Rowling hat eine faszinierende und bis ins kleinste Detail magische Welt erschaffen, in der nichts unmöglich scheint: vom fliegenden Trabbi bis zum Unsichtbarkeitsumhang, einem Liebestrank oder lebendigen Gemälden, die auf ihre Betrachter reagieren, ist alles dabei. Auch die Bilder des Tagespropheten, der Zeitung für Zauberer schlechthin, bewegen sich. Ähnlich wie GIF’s, kleine Videos in Dauerschleife, sind sie fester Bestandteil der haptischen Seiten. So schreit dem Leser beispielsweise Harrys Patenonkel Sirius aus dem Gefängnis von Askaban entgegen. Bilder, die nicht nur einen, sondern mehrere Momente festhalten, Gemälde, die mit dem Leser sogar interagieren – das ist Magie!

Next Generation Paper – gedruckte Bilder bewegen sich

Oder doch nicht? Eine Zeitung à la Harry Potter könnte tatsächlich auch in unserer Welt bald Realität werden. An der University of Surrey erforscht und bearbeitet Professor David Frohlich aktuell eine interaktive Zeitung, genauer gesagt ein “next generation paper”. Für dieses Projekt wurden ihm vom Research Council’s UK Digital Programme finanzielle Mittel in Höhe von 1.5 Millionen US-Dollar bereit gestellt. Viel Geld – doch die Bedeutsamkeit des Experimentierfeldes schwebt in ähnlichen Dimensionen.

Denn diese neue Form der Zeitung, der haptischen Seite im Allgemeinen, soll eine Brücke zwischen der physischen und digitalen Welt schlagen. Dabei geht es nicht nur um Zeitungen: auch Bücher, Poster oder allgemeine Dokumente und Bilder können digital verbunden werden. Bisher ist eine Verbindung von Gedrucktem und Digitalem via QR-Codes möglich. Werden diese mit dem Smartphone gescannt, so werden dem Nutzer online zusätzliche Informationen bereitgestellt. Das next generation paper soll Verknüpfungen zu sämtlichen Medien, wie TV, Smartphone, Tablet und Computer ermöglichen. Doch das Projekt geht noch einen Schritt weiter: Es setzt sich zum Ziel, digitale Inhalte und Medien unmittelbar in die Haptik einer Seite zu integrieren. Denkbar sind Videoclips, die sich bei der Berührung der Seitenoberfläche automatisch starten oder Sound-Effekte beim Umblättern derselbigen. Und auch die Interaktion mit Abbildungen auf dem Papier ist, wie bei den Gemälden der Geschichte von Harry Potter, möglich. In der Theorie funktioniert das, indem sich die in einer haptischen Seiten gelegenen Sensoren über Hyperlinks mit einem sich in der Nähe befindlichen digitalen Gerät verbinden und so Informationen rückkoppeln. So könnten nicht nur zusätzliche themenrelevante Informationen vermittelt, sondern mehr Sinne denn je angesprochen werden – neue Konsum- und Erlebniswelten entstehen.

Eine digitale Revolution

Professor Frohlich gibt Aussicht auf eine mögliche Revolution unseres bisherigen Mediennutzungsverhaltens: „We plan to give the physical paper a whole new lease of digital life. Elements of interactive paper have been around in prototype form for some time, but we hope our research will help create a mass market next generation paper for the 21 century.“

Wird eine derartige Innovation Realität, so hätte dies nicht nur Einfluss auf das Leseverhalten von Printmedien, sondern auch auf unser alltägliches Leben: man denke beispielsweise an interaktive und lebendige Werbeplakate, Einkaufszettel, Briefsendungen, Pizzakartons, Geburtstagskarten, ja sogar Restaurant-Menüs.

Falls ihr die ganze Magie nicht abwarten könnt: Facebook hat sich für heute eine kleine Besonderheit ausgedacht. Wenn ihr in eurem Status Stichworte wie „Harry Potter”, „Gryffindor“, „Slytherin“, „Hufflepuff“ oder „Ravenclaw“ eingebt, so werden die Namen farbig dargestellt. Wenn ihr dann auch noch auf einen der Begriffe klickt, so erscheint ein Zauberstab, welcher bunte Magie versprüht. Nettes Gimmick, aber da geht doch noch mehr – wir hoffen auf ein next generation paper.

Auch wenn eigentlich die Technik dahinter steckt, so würden wir dennoch das Gefühl haben ein klein wenig unseren Alltag zu verzaubern. Drücken wir die Daumen, dass das Projekt auf Erfolgskurs geht!

Bild: @flickr, Carol Smith

Konzert Bühne Fête de la Musique Berlin Menschenmasse

Die Fête de la Musique 2017 im Überblick:
digital und mit unseren Tipps für Berlin

Ob piano oder forte, ob Rock oder Pop, ob Solist oder Band, ob drinnen oder draußen, ob Profi oder Hobby-Musiker – bei der Fête de la Musique ist für jeden Geschmack etwas dabei! Alle Jahre wieder feiern Menschen weltweit, zum Sommeranfang am 21.06., das Fest der Musik, the Worldwide Music Day. In den Straßen der insgesamt 540 teilnehmenden Städte, davon 300 in Europa und 47 in Deutschland, finden sich Musikliebhaber zusammen und lassen sich von Klängen unterschiedlichster Natur treiben – den ganzen Tag, zum Nulltarif.

Auch Berlin zelebriert die Liebe zur Musik auf über 100 Bühnen in unterschiedlichen Spots, in allen 12 Bezirken der Stadt. In diesem Jahr sprechen die Veranstalter von einer Rekord-Beteiligung. So sind am Mittwoch über 25 neue Locations mit dabei. Da kann man schon einmal die Übersicht verlieren. Die kostenlose App FETEberlin (erhältlich für iOS und Android) versucht dem entgegenzuwirken. Wir haben sie getestet, verraten Euch, ob sich ein Download zur optimalen Vorbereitung auf Mittwoch lohnt und geben Euch alle weiteren Infos in die Hand, um den Tag musikalisch auskosten zu können.

App FETEberlin

Die App macht Angaben zur Geschichte des musikalischen Festes und klärt über die Regeln zur Straßenmusik auf: Wer darf wann, wie und was musizieren. Die integrierte FdM-Berlin Map verschafft dem Nutzer zunächst einmal einen Überblick über alle Bühnen sowie das jeweilige Programm vor Ort. Wird eine der Locations ausgewählt, so erhält man die wichtigsten Informationen: die Agenda, inklusive Uhrzeiten, Künstler sowie Angaben zum Gerne. Wer lieber direkt nach Bezirk, Bandname, Bühne, Stilrichtung (z.B. Hip Hop, Rock, Raggae, Indie) und/oder Eventart (z.B. Open Air, Indoor, Fête de la Nuit) filtern möchte, kann dies in einer gesonderten Suchmaske ebenfalls tun.

Die YouTube-Playlist FETE-Künstler 2017, auf welche die App verweist, ist gespickt mit den Musikvideos teilnehmender Künstler – so kann man sich bereits im Vorfeld erkundigen, welche Acts interessant und einen Besuch wert sind.

Mithilfe der App können sich die Nutzer einen guten Überblick über die musikalischen Highlights und die benötigten Informationen verschaffen – insbesondere für Kurzentschlossene eine schnelle und effektive Möglichkeit, sich musikalisch durch den Tag zu manövrieren. So findet jeder für seinen individuellen Musikgeschmack die richtigen Locations. Bedenken sollte man jedoch, wie bei allen Veranstaltungen dieser Größenordnung auch, dass in den Ballungszentren die benötigte Internetverbindung schwächeln kann.

Unsere Tipps für Eure Fête de la Musique 2017

Für den ersten Überblick geben wir euch schon einmal einige Tipps für die Fête de la Musique in Berlin mit. Bisher meint es der Wetterbericht gut mit uns, sodass sich die letzten Sonnenstrahlen beispielsweise gut im Birgit & Bier genießen lassen: Auf zwei Open Air Floors wird unter Beweis gestellt, dass auch an ein und demselben Standort unterschiedliche Geschmäcker auf ihre Kosten kommen können. So treten hier die Künstler The Blue Ones (Blues), Rosie and the Amateurs of Speed (Folk), B6BBO (Power Polka), SwingSchlampen (Swing), RasgaRasga (Gipsy, Balkan) sowie Mike Book, DirrtyDishes, Daniel Jaeger und Mr. Schug (Dance, Electro) auf.

Auch auf dem RAW-Gelände im “Badehaus x Cassiopeia Openair” gibt es einen bunten Musik-Mix: Von HipHop, Soul und Funk über Pop, Indie, Alternative oder Garage ist alles dabei.

Der Mauerpark ist jedes mal aufs neue Highlight der Fête de la Musique in Berlin. Im Programm der Red Bull Music Academy stehen Auftritte von Cuthead, Alis, Jameszoo, Dorian Concept, Thundercat und Flying Lotus. In der Vergangenheit besuchten die Mauerpark-Bühne ca. 15.000 Besucher. Leider bleibt uns dabei aber auch eine schlechte Nachricht nicht erspart: Kurz nach der Fête de la Musique beginnen im Mauerpark zwei Jahre andauernde Bauarbeiten. In diesem Zeitraum ist der Park zwar zugänglich, Veranstaltungen dieser Art können dort jedoch nicht mehr stattfinden. Ein Argument mehr, die Location auf dem Plan zu haben – so als Abschied.

Auch leise Töne

Fête de la Musique = laute Party-Sounds? Nicht nur! Schließlich lebt das Fest von seiner musikalischen Vielfalt! So kommen auch die leisen Töne nicht zu kurz. Wer möchte, kann sich zum Beispiel beim Event “Yoga meets Music at BeachMitte”, passend zum gleichzeitig stattfindenden internationalen Yoga-Tag, entspannen. Meditieren statt tanzen – auch das ist möglich.

Wer es lieber klassisch mag, sollte den Tag im Nikolaiviertel verbringen – hier spielen hauptsächlich traditionell klassische Musiker. Auch der Berliner Dom ist mit zahlreichen Chören ein geeigneter Anlaufpunkt – von Barock bis Filmmusik ist hier alles vertreten.

Bis die Wolken wieder lila sind

Um 22 Uhr muss das musikalische Erlebnis noch lange nicht vorbei sein. Beim sich anschließenden Fête de la Nuit kann bis in die Nacht hinein getanzt und musiziert werden. Insgesamt setzen 25 Standorte ihr Programm indoor fort, darunter: Gretchen, Yaam, Kesselhaus-French Night, Tresor Club, Ritter Butzke, Hafenbar Tegel, Mein Haus am See, Musik & Frieden sowie der Void Club Berlin.

 

Die Fête de la Musique Berlin – am Mittwoch, den 21.06.2017
Wetterprognose: sonnig, 25 Grad

– Musik in unseren Ohren!

 

Bild: @Fete berlin,  Fotograf: Dirk Mathesius

buntes Plakat der Ausstellung Post Internet Show

Post-Internet Show: eine (digitale) Spielwiese

Die  digitale Welt – für die meisten von uns gelebter Alltag. Dieser manifestiert sich auch im künstlerischen Bereich: Kreative bedienen sich digitaler Möglichkeiten, neuer Software, der Fotografie, des Filmes, sie erschaffen, verfeinern und verbreiten ihre Werke digital. Vor allem aber schöpfen sie aus dem unendlichen Fundus des Internets. Unabhängig davon, ob diese Online-Materialien nun bereits Kunst sind oder nicht, kreieren sie daraus etwas ganz Eigenes, eine neue Art der Kunst. Die Szene fasst diese Tendenz unter Begriffen wie “Post-Internet”, “New Aesthetic “ oder “Net-Art” zusammen. Eine “Nach-Netz-Nutzung” ist darunter jedoch nicht zu verstehen, viele Kunstliebhaber sehen in der Bezeichnung vielmehr eine Haltung.

Im Prinzip sind wir alle, Tag für Tag, digitale Bastler. Die Post-Internet-Art sollte und ist keiner Kunst-Elite vorbehalten, denn sie spielt sich im Online-Alltag ab.

Doch interessanter als eine Begriffsanalyse ist es, künstlerisch zu erkunden, was genau wir mit dem Internet machen und, im Gegensatz dazu, das Netz mit uns. Das dachten sich auch die Initiatoren der Ausstellung Post-Internet Show, welche diese Woche stattfand. 20 Studenten der Universität der Künste präsentierten während ihres Studiums entstandene Werke, die sich kreativ mit Digitalität und Realität sowie ihren Zusammenhängen auseinandersetzen. Die Ausstellung hat sich ausdrücklich nicht zum Ziel gesetzt, den Begriff Post-Internet akademisch zu analysieren, sondern verschiedene Sichtweisen auf unseren digitalen Alltag darzustellen. Dafür startete die Galerie designtransfer der UdK einen Open Call an alle Studierenden – fachbereichsübergreifend und ohne genauere Vorgaben oder Limitierungen: “Keine Definition des Begriffs vorzugeben lässt Raum für verschiedene Interpretationen, Haltungen, Formen und Disziplinen ohne auf eine bestimmte Ästhetik, ein spezifisches Medium, eine einheitliche Aussage oder allgemeine Bedeutung zu beschränken”, so die Veranstalter.

Wir waren vor Ort, sind in die Spielwiese Internet-Post-Show eingetaucht und waren überrascht, wie unterschiedlich, vielfältig und interessant die Perspektiven der Künstler ausfallen. Diese möchten wir Euch nicht vorenthalten und geben einen kleinen Einblick in ausgewählte Werke:

#WE_Selected – Inia Steinbach

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Inia Steinbach – „#WE_Selected“

Die Künstlerin Inia Steinbach verdeutlicht wie real unser virtuelles Ich letztlich ist. Als Social Media Nutzer teilen wir täglich mehr oder weniger Informationen über unser Leben und unsere Person. Dazu gehören vor allem Bilder: Wir machen Selfies, fotografieren uns beim Joggen, beim Mittagessen, mit unserem Partner, im Schwimmbad, auf der Uni-Party oder beim Feierabendbierchen. Und auch die Bilder der Beiträge, die wir teilen, stehen mit uns in Verbindung. Inia Steinbach hat eine Jacke entworfen, ummantelt von Instagram-Bildern einer Person – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit ruft sie dem Betrachter ins Bewusstsein, was er tagtäglich von sich preisgibt und wie öffentlich das virtuelle Profil ist. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. In der Projektbeschreibung heißt es:

“Mithilfe dieser Jacke steht einem nun nicht mehr bloß eine anonyme Person gegenüber, die gewohntermaßen kategorisiert und nach ihrem Aussehen, ihrem Akzent oder der Art ihrer Kleidung beurteilt werden kann. Vielmehr kommt es zu einer direkten Konfrontation zwischen dem, wie eine Person von außen wahrgenommen wird und dem, wie eine Person sich selbst aussucht, wahrgenommen zu werden. Die Jacke ist daher zweierlei zugleich: Aushängeschild und Rüstung, Eigenvermarktung und Schutzschild.”

LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017 – Astarte Posch

digitales Kunstwerk LAYERS OF MYSELF, 2012 - 2017 von Astarte Posch
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Astarte Posch – „LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017“

Selfies – sie dominieren die Fotogalerien unserer Handys. Durch sie versuchen wir, uns von unserer Schokoladenseite zu zeigen. Die Lieblingsposition, der Lieblingswinkel: ein Sammelsurium von Selbstporträts, die am Ende doch irgendwie immer das Gleiche darstellen? Ist die Schnittmenge dieser idealen Kleinteile des eigenen Ichs am Ende eine entfremdete Bildhülle? Diese Frage stellte sich die Künstlerin des Werkes “Layers of myself” und legte all ihre Selfies, die sie in den Jahren 2012 – 2017 angefertigt hatte übereinander. Die Überlagerung ist offensichtlich und doch wirkt das “Bild der Bilder” kompakt, so als wäre es EIN Bild, lediglich etwas verwackelt.  “Das bin ich, anscheinend”, resümiert die Studentin.

POLYLOGUE – Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros

digitales Kunstwerk POLYLOGUE von Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros – „POLYLOGUE“

„Polylogue“ ist eine interaktive Installation, bestehend aus zwei schwarzen durchsichtigen Boxen zwischen denen sich der Streifen einer Papierrolle in eine Richtung bewegt. Auf diese werden dann kontinuierlich Nachrichten von den Endgeräten der Besucher gedruckt, die sich mit dem entsprechenden Wi-Fi verbinden. Es öffnet sich online eine Seite, auf derer die Botschaften eingegeben werden können. Je mehr Menschen dies nutzen, desto dichter wird der Text. Es kann auch zu Überlagerungen kommen. Je mehr Gesprächsstoff, desto schnelllebiger ist also die einzelne Message. Die zweite Box spuckt am Ende den Papierstreifen recycelt aus. Das Projekt-Team sieht in „Polylogue“ “die Antithese zum ‚ewigen Gedächtnis‘ des Internets, da die Nachrichten und ihre Beziehungen nur situativ existieren. Im Gegensatz zu digitalen Nachrichten, die häufig über mehrere tausend Kilometer verschickt werden, reisen Nachrichten, die an Polylogue vermittelt werden, maximal 2 Meter, bis sie ihre finale Destination erreichen.” In diesem Kontext erhält die Flut an Textnachrichten und Chatverläufen eine neue Bedeutung. Gleichzeitig wird genau diese erlebbar.

GET THE PICTURE by Pascal Kress – Lucas Liccini

Kunstwerk GET THE PICTURE von Lucas Liccini
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Lucas Liccini – „GET THE PICTURE by Pascal Kress“

Das Projekt „Get the picture“ zeigt, zusammengefasst in einem Buch, Bilder aus dem Netz, welche unter einem bestimmten Suchbegriff auftauchten. So kommt es, dass wir zum Thema „Lust“ sowohl auf einen Liebesakt von zwei Nacktschnecken, als auch auf eine lassiv daher kommende Hausfrau gestoßen sind. Unter dem Stichwort “gut” findet sich sowohl ein Foto eines Modelleisenbahnliebhabers als auch eine Couch-Potato-Messie Situation, die nach einem heiteren Abend mit viel Bier aussieht. Lucas Liccini stellt hauptsächlich jeweils zwei Suchergebnisse zu einem Begriff gegenüber. Das Werk zeigt die Dynamiken des Netzes sowie der Bildassoziationen und “fragt nach Sichtbarkeit, Lebensdauer und der Notwendigkeit der Bilderflut, der wir tagtäglich auf unseren Bildschirmen begegnen. Was sagen uns diese Bilder in dem neuen Kontext des gedruckten Buches?”.

SWAPPED REALITY – Johannes Jakobi

zwei Menschen tragen Virtual Reality Brille digitales Kunstwerk SWAPPED REALITY von Johannes Jakobi
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Johannes Jakobi – „SWAPPED REALITY“

Johannes Jakobi entwickelte zwei Virtual-Reality-Brillen, mit deren Hilfe man die Welt durch die Augen des anderen sehen kann. So wird das Sichtfeld des einen Trägers auf die Brille des anderen übertragen und umgekehrt. Der Nutzer kann sich somit sogar selbst von außen, durch die Wahrnehmung einer anderen Person betrachten und erleben. Verwirrend und spannend zu gleich!

LIQUID01 – Ray Washio

mehrere Screens Bildschirme mit bewegten Fotos digitales Kunstwerk LIQUID01 von Ray Washio
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „LIQUID01“

Fotos können Momente festhalten, doch sie frieren sie auch ein. Der Student Ray Washio versucht “den Fotos dauerhaft Zeit einzuhauchen”, indem er Fotografien digital bearbeitet: “Es weht ein Wind. Diese Atmosphäre zwingt uns, die Zeit wahrzunehmen.” Die Fotos bleiben bestehen, lediglich einzelne Elemente, wie Brillengläser oder eine Einkaufstüte, wurden vom Künstler in Bewegung gesetzt und bilden so einen Kontrast zum restlichen Bildausschnitt.

UNCONSCIOUS – Ray Washio

Verfremdete Fotografien von Menschen in der U-Bahn digitales Kunstwerk UNCONSCIOUS von Ray Washio
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „UNCONSCIOUS“

 

Google Maps arbeitet mit Algorithmen sowie einer automatischen Gesichtserkennung zwecks Anonymisierung.  Ray Washio versucht sich als Mensch in derartige Prozesse hineinzuversetzen und so die Wirkmechanismen derselbigen zu hinterfragen. Er fotografierte Personen in einer U-Bahn in Tokyo und anononymisierte sie manuell und digital durch Verfremdung. Der Künstler beschreibt:
“Der Unterschied zu einem automatisierten System, wie es Google Map verwendet, ist, dass ich dies manuell machte. Dieser Kontext erlaubte mir, wirklich zu hinterfragen: „Was ist Privatsphäre?“ und „Was bedeutet ein automatischer Versteck-Effekt – für uns und unsere Privatsphäre?“.

Datenschutz und Privatsphäre sind gut und wichtig, die auf den Fotografien verfremdeten Gesichter lassen dennoch auf irgendeine Art und Weise ein verstörendes Gefühl aufkommen und stimmen nachdenklich.

/r – Benedikt Rottstege

Screen Bildschirm Computer mit bunten Bildern in einer dunklen Umgebung digitales Kunstwerk /r von Benedikt Rottstege
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Benedikt Rottstege – „/r“

 

„Betreten auf eigene Gefahr“ – kam uns in den Sinn, als wir uns dieses Projekt näher anschauten. Hier wird der Besucher schonungslos konfrontiert – mit den Bildern des  4chan Random-Boards. Dies ist eine der meist besuchten Internetseiten,  auf welcher die User Bilder aller Art anonym hochladen und kommentieren können. Es erscheinen ständig neue Bilder, sodass diese in der Masse an Daten schnell untergehen. Das Projekt „r/“ unterstreicht diese Kurzlebigkeit. Es speist den Bildschirm live, fortwährend und überlagernd mit all den Dingen, die die Nutzer des 4chan Random-Boards so interessieren. Welche das so sind? Ihr ahnt es schon…

A LOOP LOOPS – Hara Shin

Screen Bildschirm mit Bildern und URL digitales Kunstwerk A LOOP LOOPS von Hara Shin
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Hara Shin – „A LOOP LOOPS“

 

Das Netz: unendliche Weiten, riesige Datenmengen und das tagtäglich. Die Künstlerin lässt “unzählige Bilder von Monitoren als Miniaturbilder, Video Clips, GIF-Dateien, Pop-Up Werbung und private Bilder auf Online-Nachrichten-Seiten, Online Communities und Online Chats” erscheinen. Angezeigt werden ebenfalls fortlaufend die dazugehörigen HTML-Codes. Durch die Verbindungen derartiger Community-Fragmente wird deutlich, wie sich “die Grenzen ihrer eigenen Hierarchien” aufheben und so neue Kontexte entstehen.

‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary – Isabella Asp Onsjö

Virtual Reality Brille aus Ton digitales Kunstwerk ‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary von Isabella Asp Onsjö
Universität der Künste Berlin, designtransfer, Isabella Asp Onsjö – „‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary“

Was, wenn es doch ein Nach-Internet gibt? Vielleicht ja auch nur eine ganz neue Form dessen? Wird das Internet verschwinden? Isabella Asp Onsjö fragt sich mit Blick in die Zukunft: “in der katholischen Kirche ist die Reliquie ein antikes Überbleibsel von etwas, das als heilig galt. Etwas, das so bedeutend ist, dass es das Potential hat, von Tausenden verehrt zu werden. Was wird von unserer Gesellschaft geschaffen, das in Zukunft diesen Status innehaben könnte?”. Sie materialisiert den Gedankengang das Internet sei eine längst vergangene Reliquie, indem sie ein Häuschen aus Ton konstruierte und es mit diversen HTML-Codes beschriftete. Das Haus ist in Anlehnung an eine Virtual-Reality-Brille gestaltet. Über das Dach kann der Betrachter in die Reliquie schauen. Darin zu sehen ist ein vor Jahrzehnten für und mit Kindern produziertes Erklärvideo über das Digitale sowie das Internet. Kann und wird das Netz jemals eine (moderne) Reliquie sein?

Unwahrscheinlich. Aber bei all den neuen Kunstformen, die sich daraus ergeben, ist dem Digitalen seine Bedeutsamkeit und Heiligkeit ganz eigener Art nicht abzusprechen. 

Bild: @Universität der Künste, designtransfer, Andy King

Beschleunigte Straße in Stadt mit Hochhäusern und Lichtern bei NAcht

Nachhaltige Mobilität – E-Fahrzeuge auf dem Vormarsch

Zwei Entwicklungen zeichnen sich zurzeit sehr deutlich ab. Auf der einen Seite ist unsere Gesellschaft zunehmend durch eine wachsende Mobilität gekennzeichnet. Die Arbeit an verschiedenen Standorten, die Globalisierung des Marktes aber auch Fernbeziehungen und die Verteilung von Freunden und Familie über die ganze Welt rufen die Notwendigkeit eines feinmaschigen Verkehrsnetzes hervor, das sich über die Ländergrenzen erstreckt. Mobilität ist heute einer der Kernfaktoren für eine wachsende Wirtschaft, die moderne Industriegesellschaften prägt. Durch das wachsende Verkehrsaufkommen im Güter- und Personenverkehr verstärkt sich auf der anderen Seite aber auch die Belastung der Umwelt. Der Anstieg der Schadstoffbelastung und CO2-Emissionen bilden die Kehrseite der zunehmenden Mobilität. So macht der Verkehrssektor schon heute etwa 20 Prozent der CO2- Emissionen aus – Tendenz steigend. Diese Entwicklung schneidet sich mit einem zunehmenden Verständnis für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Im Einkaufswagen landen regionale Bioprodukte, der Strom wird aus erneuerbaren Energien bezogen und in Neubaugebieten werden die neuesten Versionen an Plus-Energie-Häusern hochgezogen. Morgens steigt man dann in seinen abgasschleudernden Wagen. Das ist für immer mehr Deutsche nicht mehr zeitgemäß. In diesem Konflikt richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf umweltverträgliche Alternativen zu fossilen Brennstoffen: die E-Mobilität.

Sauber und leise – E-Fahrzeuge

Als die ersten E-Autos vor einigen Jahren auf den Markt kamen, blieb der erwartete Erfolg aus. Die geringe Reichweite schreckte viele Käufer ab. Bis heute bleibt die Reichweite zumindest für Personen, die auf dem Weg zur Arbeit weite Strecken zurücklegen müssen, eine Hürde. Die meisten Modelle schaffen zwischen 100 und 300 Kilometer. Nur die Modelle von Tesla und wenige weitere Modelle bekannter Autohersteller schaffen über 500 Kilometer, liegen jedoch auch in einer klar gehobenen Preisklasse. So scheint es, dass die E-Mobilität sich zunächst auf die städtischen Ballungszentren fokussieren wird, wo die Wege kurz sind und der Anstieg an Abgasen für die Bewohner ein spürbares Problem darstellt. Zurzeit fahren etwa 25000 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung: bis 2030 sollen es sechs Millionen Fahrzeuge sein. Das Umweltbundesamt fordert sogar noch höhere Zahlen. Neben den umweltfreundlichen Elektroautos bieten insbesondere in den Städten weitere Konzepte und Verkehrsmittel eine Alternative zum Verbrennungsmotor.

Das umweltfreundliche Mobilitätskonzept

Zusätzlich zu Elektroautos für private Haushalte finden sich viele weitere Möglichkeiten der umweltbewussten Mobilität. CarSharing mit Elektroautos ist ein solches Konzept, das zunehmend an Zulauf gewinnt. Nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing waren Anfang 2017 über 1,7 Millionen deutsche Autofahrer bei einem CarSharing-Anbieter angemeldet, was einen Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Hinzukommt, dass knapp 80 Prozent der angemeldeten Nutzer kein eigenes Auto mehr besitzen. Diese Entwicklung beeinflusst auch das Stadtbild. Ein CarSharing-Auto ersetzt bis zu 20 private Fahrzeuge, was zwischen 36 und 99 Meter freien Straßenabschnitt schafft. Platz, der für breitere Fahrradwege, Grünflächen mit Sitzgelegenheiten, Fahrradabstellmöglichkeiten und freien Platz zum Spielen genutzt werden kann. Diese Entwicklung würde gleichzeitig die Nutzung von Fahrrädern, E-Bikes und Lastenrädern begünstigen. Ein weiteres platzsparendes und umweltfreundliches Verkehrsmittel sind überdies E-Roller. In Asien wurden bereits 2013 über neun Millionen E-Roller verkauft. Heute fahren etwa 22 Millionen angemeldete Fahrzeuge auf Asiens Straßen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwas über 5000 Fahrzeuge. Doch auch hier kommt der Trend langsam an. In Berlin und anderen deutschen Großstädten werden E-Roller nach und nach ins Sharing-Angebot mit aufgenommen und ersetzen die zum Teil bereits vorhandenen Zweitakter, die ein hundertfaches an Schadstoffen produzieren. Auch das E-Bike-Angebot und die Bereitstellung von Leihfahrrädern steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an.

Nicht ohne Energiewende

Nicht zuletzt kann eine Mobilitätswende nur stattfinden, wenn ganzheitliche Konzepte entwickelt werden und die verschiedenen Sektoren aus Verkehrs- und Energiebranche zusammenarbeiten. Denn was bedeutet es für die Energieversorgung deutscher Haushalte, wenn Millionen Fahrzeuge aus eben diesem Netz mit Strom gespeist werden müssen? Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist hier nicht nur zentral, um die Stabilisierung der Stromnetze zu gewährleisten, sondern auch fester Bestandteil, um das Konzept einer nachhaltigen Mobilität aufgehen zu lassen. Hinzu kommen Aspekte wie der Ausbau der Infrastruktur mit Ladesäulen und Stromtankstellen. Im Hinblick auf die für 2050 beschlossenen Klimaschutzvorgaben muss der Verkehr in den nächsten Jahrzehnten vollständig treibhausgasneutral werden. Dieses Ziel ist ambitioniert. Das muss es aber auch sein, wenn ein Wandel stattfinden soll.

Foto: @Pixabay