Tag: Mobilität

Die Fête de la Musique 2017 im Überblick:
digital und mit unseren Tipps für Berlin

Ob piano oder forte, ob Rock oder Pop, ob Solist oder Band, ob drinnen oder draußen, ob Profi oder Hobby-Musiker – bei der Fête de la Musique ist für jeden Geschmack etwas dabei! Alle Jahre wieder feiern Menschen weltweit, zum Sommeranfang am 21.06., das Fest der Musik, the Worldwide Music Day. In den Straßen der insgesamt 540 teilnehmenden Städte, davon 300 in Europa und 47 in Deutschland, finden sich Musikliebhaber zusammen und lassen sich von Klängen unterschiedlichster Natur treiben – den ganzen Tag, zum Nulltarif.

Auch Berlin zelebriert die Liebe zur Musik auf über 100 Bühnen in unterschiedlichen Spots, in allen 12 Bezirken der Stadt. In diesem Jahr sprechen die Veranstalter von einer Rekord-Beteiligung. So sind am Mittwoch über 25 neue Locations mit dabei. Da kann man schon einmal die Übersicht verlieren. Die kostenlose App FETEberlin (erhältlich für iOS und Android) versucht dem entgegenzuwirken. Wir haben sie getestet, verraten Euch, ob sich ein Download zur optimalen Vorbereitung auf Mittwoch lohnt und geben Euch alle weiteren Infos in die Hand, um den Tag musikalisch auskosten zu können.

App FETEberlin

Die App macht Angaben zur Geschichte des musikalischen Festes und klärt über die Regeln zur Straßenmusik auf: Wer darf wann, wie und was musizieren. Die integrierte FdM-Berlin Map verschafft dem Nutzer zunächst einmal einen Überblick über alle Bühnen sowie das jeweilige Programm vor Ort. Wird eine der Locations ausgewählt, so erhält man die wichtigsten Informationen: die Agenda, inklusive Uhrzeiten, Künstler sowie Angaben zum Gerne. Wer lieber direkt nach Bezirk, Bandname, Bühne, Stilrichtung (z.B. Hip Hop, Rock, Raggae, Indie) und/oder Eventart (z.B. Open Air, Indoor, Fête de la Nuit) filtern möchte, kann dies in einer gesonderten Suchmaske ebenfalls tun.

Die YouTube-Playlist FETE-Künstler 2017, auf welche die App verweist, ist gespickt mit den Musikvideos teilnehmender Künstler – so kann man sich bereits im Vorfeld erkundigen, welche Acts interessant und einen Besuch wert sind.

Mithilfe der App können sich die Nutzer einen guten Überblick über die musikalischen Highlights und die benötigten Informationen verschaffen – insbesondere für Kurzentschlossene eine schnelle und effektive Möglichkeit, sich musikalisch durch den Tag zu manövrieren. So findet jeder für seinen individuellen Musikgeschmack die richtigen Locations. Bedenken sollte man jedoch, wie bei allen Veranstaltungen dieser Größenordnung auch, dass in den Ballungszentren die benötigte Internetverbindung schwächeln kann.

Unsere Tipps für Eure Fête de la Musique 2017

Für den ersten Überblick geben wir euch schon einmal einige Tipps für die Fête de la Musique in Berlin mit. Bisher meint es der Wetterbericht gut mit uns, sodass sich die letzten Sonnenstrahlen beispielsweise gut im Birgit & Bier genießen lassen: Auf zwei Open Air Floors wird unter Beweis gestellt, dass auch an ein und demselben Standort unterschiedliche Geschmäcker auf ihre Kosten kommen können. So treten hier die Künstler The Blue Ones (Blues), Rosie and the Amateurs of Speed (Folk), B6BBO (Power Polka), SwingSchlampen (Swing), RasgaRasga (Gipsy, Balkan) sowie Mike Book, DirrtyDishes, Daniel Jaeger und Mr. Schug (Dance, Electro) auf.

Auch auf dem RAW-Gelände im “Badehaus x Cassiopeia Openair” gibt es einen bunten Musik-Mix: Von HipHop, Soul und Funk über Pop, Indie, Alternative oder Garage ist alles dabei.

Der Mauerpark ist jedes mal aufs neue Highlight der Fête de la Musique in Berlin. Im Programm der Red Bull Music Academy stehen Auftritte von Cuthead, Alis, Jameszoo, Dorian Concept, Thundercat und Flying Lotus. In der Vergangenheit besuchten die Mauerpark-Bühne ca. 15.000 Besucher. Leider bleibt uns dabei aber auch eine schlechte Nachricht nicht erspart: Kurz nach der Fête de la Musique beginnen im Mauerpark zwei Jahre andauernde Bauarbeiten. In diesem Zeitraum ist der Park zwar zugänglich, Veranstaltungen dieser Art können dort jedoch nicht mehr stattfinden. Ein Argument mehr, die Location auf dem Plan zu haben – so als Abschied.

Auch leise Töne

Fête de la Musique = laute Party-Sounds? Nicht nur! Schließlich lebt das Fest von seiner musikalischen Vielfalt! So kommen auch die leisen Töne nicht zu kurz. Wer möchte, kann sich zum Beispiel beim Event “Yoga meets Music at BeachMitte”, passend zum gleichzeitig stattfindenden internationalen Yoga-Tag, entspannen. Meditieren statt tanzen – auch das ist möglich.

Wer es lieber klassisch mag, sollte den Tag im Nikolaiviertel verbringen – hier spielen hauptsächlich traditionell klassische Musiker. Auch der Berliner Dom ist mit zahlreichen Chören ein geeigneter Anlaufpunkt – von Barock bis Filmmusik ist hier alles vertreten.

Bis die Wolken wieder lila sind

Um 22 Uhr muss das musikalische Erlebnis noch lange nicht vorbei sein. Beim sich anschließenden Fête de la Nuit kann bis in die Nacht hinein getanzt und musiziert werden. Insgesamt setzen 25 Standorte ihr Programm indoor fort, darunter: Gretchen, Yaam, Kesselhaus-French Night, Tresor Club, Ritter Butzke, Hafenbar Tegel, Mein Haus am See, Musik & Frieden sowie der Void Club Berlin.

 

Die Fête de la Musique Berlin – am Mittwoch, den 21.06.2017
Wetterprognose: sonnig, 25 Grad

– Musik in unseren Ohren!

 

Bild: @Fete berlin,  Fotograf: Dirk Mathesius

Post-Internet Show: eine (digitale) Spielwiese

Die  digitale Welt – für die meisten von uns gelebter Alltag. Dieser manifestiert sich auch im künstlerischen Bereich: Kreative bedienen sich digitaler Möglichkeiten, neuer Software, der Fotografie, des Filmes, sie erschaffen, verfeinern und verbreiten ihre Werke digital. Vor allem aber schöpfen sie aus dem unendlichen Fundus des Internets. Unabhängig davon, ob diese Online-Materialien nun bereits Kunst sind oder nicht, kreieren sie daraus etwas ganz Eigenes, eine neue Art der Kunst. Die Szene fasst diese Tendenz unter Begriffen wie “Post-Internet”, “New Aesthetic “ oder “Net-Art” zusammen. Eine “Nach-Netz-Nutzung” ist darunter jedoch nicht zu verstehen, viele Kunstliebhaber sehen in der Bezeichnung vielmehr eine Haltung.

Im Prinzip sind wir alle, Tag für Tag, digitale Bastler. Die Post-Internet-Art sollte und ist keiner Kunst-Elite vorbehalten, denn sie spielt sich im Online-Alltag ab.

Doch interessanter als eine Begriffsanalyse ist es, künstlerisch zu erkunden, was genau wir mit dem Internet machen und, im Gegensatz dazu, das Netz mit uns. Das dachten sich auch die Initiatoren der Ausstellung Post-Internet Show, welche diese Woche stattfand. 20 Studenten der Universität der Künste präsentierten während ihres Studiums entstandene Werke, die sich kreativ mit Digitalität und Realität sowie ihren Zusammenhängen auseinandersetzen. Die Ausstellung hat sich ausdrücklich nicht zum Ziel gesetzt, den Begriff Post-Internet akademisch zu analysieren, sondern verschiedene Sichtweisen auf unseren digitalen Alltag darzustellen. Dafür startete die Galerie designtransfer der UdK einen Open Call an alle Studierenden – fachbereichsübergreifend und ohne genauere Vorgaben oder Limitierungen: “Keine Definition des Begriffs vorzugeben lässt Raum für verschiedene Interpretationen, Haltungen, Formen und Disziplinen ohne auf eine bestimmte Ästhetik, ein spezifisches Medium, eine einheitliche Aussage oder allgemeine Bedeutung zu beschränken”, so die Veranstalter.

Wir waren vor Ort, sind in die Spielwiese Internet-Post-Show eingetaucht und waren überrascht, wie unterschiedlich, vielfältig und interessant die Perspektiven der Künstler ausfallen. Diese möchten wir Euch nicht vorenthalten und geben einen kleinen Einblick in ausgewählte Werke:

#WE_Selected – Inia Steinbach

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Inia Steinbach – „#WE_Selected“

Die Künstlerin Inia Steinbach verdeutlicht wie real unser virtuelles Ich letztlich ist. Als Social Media Nutzer teilen wir täglich mehr oder weniger Informationen über unser Leben und unsere Person. Dazu gehören vor allem Bilder: Wir machen Selfies, fotografieren uns beim Joggen, beim Mittagessen, mit unserem Partner, im Schwimmbad, auf der Uni-Party oder beim Feierabendbierchen. Und auch die Bilder der Beiträge, die wir teilen, stehen mit uns in Verbindung. Inia Steinbach hat eine Jacke entworfen, ummantelt von Instagram-Bildern einer Person – im wahrsten Sinne des Wortes. Damit ruft sie dem Betrachter ins Bewusstsein, was er tagtäglich von sich preisgibt und wie öffentlich das virtuelle Profil ist. Gleichzeitig verschwimmen die Grenzen zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung. In der Projektbeschreibung heißt es:

“Mithilfe dieser Jacke steht einem nun nicht mehr bloß eine anonyme Person gegenüber, die gewohntermaßen kategorisiert und nach ihrem Aussehen, ihrem Akzent oder der Art ihrer Kleidung beurteilt werden kann. Vielmehr kommt es zu einer direkten Konfrontation zwischen dem, wie eine Person von außen wahrgenommen wird und dem, wie eine Person sich selbst aussucht, wahrgenommen zu werden. Die Jacke ist daher zweierlei zugleich: Aushängeschild und Rüstung, Eigenvermarktung und Schutzschild.”

LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017 – Astarte Posch

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Astarte Posch – „LAYERS OF MYSELF, 2012 – 2017“

Selfies – sie dominieren die Fotogalerien unserer Handys. Durch sie versuchen wir, uns von unserer Schokoladenseite zu zeigen. Die Lieblingsposition, der Lieblingswinkel: ein Sammelsurium von Selbstporträts, die am Ende doch irgendwie immer das Gleiche darstellen? Ist die Schnittmenge dieser idealen Kleinteile des eigenen Ichs am Ende eine entfremdete Bildhülle? Diese Frage stellte sich die Künstlerin des Werkes “Layers of myself” und legte all ihre Selfies, die sie in den Jahren 2012 – 2017 angefertigt hatte übereinander. Die Überlagerung ist offensichtlich und doch wirkt das “Bild der Bilder” kompakt, so als wäre es EIN Bild, lediglich etwas verwackelt.  “Das bin ich, anscheinend”, resümiert die Studentin.

POLYLOGUE – Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Andreas Unteidig, Lutz Reiter, Fabrizio Lamoncha, Blanca Dominguez Cobreros – „POLYLOGUE“

„Polylogue“ ist eine interaktive Installation, bestehend aus zwei schwarzen durchsichtigen Boxen zwischen denen sich der Streifen einer Papierrolle in eine Richtung bewegt. Auf diese werden dann kontinuierlich Nachrichten von den Endgeräten der Besucher gedruckt, die sich mit dem entsprechenden Wi-Fi verbinden. Es öffnet sich online eine Seite, auf derer die Botschaften eingegeben werden können. Je mehr Menschen dies nutzen, desto dichter wird der Text. Es kann auch zu Überlagerungen kommen. Je mehr Gesprächsstoff, desto schnelllebiger ist also die einzelne Message. Die zweite Box spuckt am Ende den Papierstreifen recycelt aus. Das Projekt-Team sieht in „Polylogue“ “die Antithese zum ‚ewigen Gedächtnis‘ des Internets, da die Nachrichten und ihre Beziehungen nur situativ existieren. Im Gegensatz zu digitalen Nachrichten, die häufig über mehrere tausend Kilometer verschickt werden, reisen Nachrichten, die an Polylogue vermittelt werden, maximal 2 Meter, bis sie ihre finale Destination erreichen.” In diesem Kontext erhält die Flut an Textnachrichten und Chatverläufen eine neue Bedeutung. Gleichzeitig wird genau diese erlebbar.

GET THE PICTURE by Pascal Kress – Lucas Liccini

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Lucas Liccini – „GET THE PICTURE by Pascal Kress“

Das Projekt „Get the picture“ zeigt, zusammengefasst in einem Buch, Bilder aus dem Netz, welche unter einem bestimmten Suchbegriff auftauchten. So kommt es, dass wir zum Thema „Lust“ sowohl auf einen Liebesakt von zwei Nacktschnecken, als auch auf eine lassiv daher kommende Hausfrau gestoßen sind. Unter dem Stichwort “gut” findet sich sowohl ein Foto eines Modelleisenbahnliebhabers als auch eine Couch-Potato-Messie Situation, die nach einem heiteren Abend mit viel Bier aussieht. Lucas Liccini stellt hauptsächlich jeweils zwei Suchergebnisse zu einem Begriff gegenüber. Das Werk zeigt die Dynamiken des Netzes sowie der Bildassoziationen und “fragt nach Sichtbarkeit, Lebensdauer und der Notwendigkeit der Bilderflut, der wir tagtäglich auf unseren Bildschirmen begegnen. Was sagen uns diese Bilder in dem neuen Kontext des gedruckten Buches?”.

SWAPPED REALITY – Johannes Jakobi

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Johannes Jakobi – „SWAPPED REALITY“

Johannes Jakobi entwickelte zwei Virtual-Reality-Brillen, mit deren Hilfe man die Welt durch die Augen des anderen sehen kann. So wird das Sichtfeld des einen Trägers auf die Brille des anderen übertragen und umgekehrt. Der Nutzer kann sich somit sogar selbst von außen, durch die Wahrnehmung einer anderen Person betrachten und erleben. Verwirrend und spannend zu gleich!

LIQUID01 – Ray Washio

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „LIQUID01“

Fotos können Momente festhalten, doch sie frieren sie auch ein. Der Student Ray Washio versucht “den Fotos dauerhaft Zeit einzuhauchen”, indem er Fotografien digital bearbeitet: “Es weht ein Wind. Diese Atmosphäre zwingt uns, die Zeit wahrzunehmen.” Die Fotos bleiben bestehen, lediglich einzelne Elemente, wie Brillengläser oder eine Einkaufstüte, wurden vom Künstler in Bewegung gesetzt und bilden so einen Kontrast zum restlichen Bildausschnitt.

UNCONSCIOUS – Ray Washio

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Ray Washio – „UNCONSCIOUS“

 

Google Maps arbeitet mit Algorithmen sowie einer automatischen Gesichtserkennung zwecks Anonymisierung.  Ray Washio versucht sich als Mensch in derartige Prozesse hineinzuversetzen und so die Wirkmechanismen derselbigen zu hinterfragen. Er fotografierte Personen in einer U-Bahn in Tokyo und anononymisierte sie manuell und digital durch Verfremdung. Der Künstler beschreibt:
“Der Unterschied zu einem automatisierten System, wie es Google Map verwendet, ist, dass ich dies manuell machte. Dieser Kontext erlaubte mir, wirklich zu hinterfragen: „Was ist Privatsphäre?“ und „Was bedeutet ein automatischer Versteck-Effekt – für uns und unsere Privatsphäre?“.

Datenschutz und Privatsphäre sind gut und wichtig, die auf den Fotografien verfremdeten Gesichter lassen dennoch auf irgendeine Art und Weise ein verstörendes Gefühl aufkommen und stimmen nachdenklich.

/r – Benedikt Rottstege

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Benedikt Rottstege – „/r“

 

„Betreten auf eigene Gefahr“ – kam uns in den Sinn, als wir uns dieses Projekt näher anschauten. Hier wird der Besucher schonungslos konfrontiert – mit den Bildern des  4chan Random-Boards. Dies ist eine der meist besuchten Internetseiten,  auf welcher die User Bilder aller Art anonym hochladen und kommentieren können. Es erscheinen ständig neue Bilder, sodass diese in der Masse an Daten schnell untergehen. Das Projekt „r/“ unterstreicht diese Kurzlebigkeit. Es speist den Bildschirm live, fortwährend und überlagernd mit all den Dingen, die die Nutzer des 4chan Random-Boards so interessieren. Welche das so sind? Ihr ahnt es schon…

A LOOP LOOPS – Hara Shin

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Hara Shin – „A LOOP LOOPS“

 

Das Netz: unendliche Weiten, riesige Datenmengen und das tagtäglich. Die Künstlerin lässt “unzählige Bilder von Monitoren als Miniaturbilder, Video Clips, GIF-Dateien, Pop-Up Werbung und private Bilder auf Online-Nachrichten-Seiten, Online Communities und Online Chats” erscheinen. Angezeigt werden ebenfalls fortlaufend die dazugehörigen HTML-Codes. Durch die Verbindungen derartiger Community-Fragmente wird deutlich, wie sich “die Grenzen ihrer eigenen Hierarchien” aufheben und so neue Kontexte entstehen.

‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary – Isabella Asp Onsjö

Universität der Künste Berlin, designtransfer, Isabella Asp Onsjö – „‘ONLY A FAD’ – A modern reliquary“

Was, wenn es doch ein Nach-Internet gibt? Vielleicht ja auch nur eine ganz neue Form dessen? Wird das Internet verschwinden? Isabella Asp Onsjö fragt sich mit Blick in die Zukunft: “in der katholischen Kirche ist die Reliquie ein antikes Überbleibsel von etwas, das als heilig galt. Etwas, das so bedeutend ist, dass es das Potential hat, von Tausenden verehrt zu werden. Was wird von unserer Gesellschaft geschaffen, das in Zukunft diesen Status innehaben könnte?”. Sie materialisiert den Gedankengang das Internet sei eine längst vergangene Reliquie, indem sie ein Häuschen aus Ton konstruierte und es mit diversen HTML-Codes beschriftete. Das Haus ist in Anlehnung an eine Virtual-Reality-Brille gestaltet. Über das Dach kann der Betrachter in die Reliquie schauen. Darin zu sehen ist ein vor Jahrzehnten für und mit Kindern produziertes Erklärvideo über das Digitale sowie das Internet. Kann und wird das Netz jemals eine (moderne) Reliquie sein?

Unwahrscheinlich. Aber bei all den neuen Kunstformen, die sich daraus ergeben, ist dem Digitalen seine Bedeutsamkeit und Heiligkeit ganz eigener Art nicht abzusprechen. 

Bild: @Universität der Künste, designtransfer, Andy King

Nachhaltige Mobilität – E-Fahrzeuge auf dem Vormarsch

Zwei Entwicklungen zeichnen sich zurzeit sehr deutlich ab. Auf der einen Seite ist unsere Gesellschaft zunehmend durch eine wachsende Mobilität gekennzeichnet. Die Arbeit an verschiedenen Standorten, die Globalisierung des Marktes aber auch Fernbeziehungen und die Verteilung von Freunden und Familie über die ganze Welt rufen die Notwendigkeit eines feinmaschigen Verkehrsnetzes hervor, das sich über die Ländergrenzen erstreckt. Mobilität ist heute einer der Kernfaktoren für eine wachsende Wirtschaft, die moderne Industriegesellschaften prägt. Durch das wachsende Verkehrsaufkommen im Güter- und Personenverkehr verstärkt sich auf der anderen Seite aber auch die Belastung der Umwelt. Der Anstieg der Schadstoffbelastung und CO2-Emissionen bilden die Kehrseite der zunehmenden Mobilität. So macht der Verkehrssektor schon heute etwa 20 Prozent der CO2- Emissionen aus – Tendenz steigend. Diese Entwicklung schneidet sich mit einem zunehmenden Verständnis für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Im Einkaufswagen landen regionale Bioprodukte, der Strom wird aus erneuerbaren Energien bezogen und in Neubaugebieten werden die neuesten Versionen an Plus-Energie-Häusern hochgezogen. Morgens steigt man dann in seinen abgasschleudernden Wagen. Das ist für immer mehr Deutsche nicht mehr zeitgemäß. In diesem Konflikt richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf umweltverträgliche Alternativen zu fossilen Brennstoffen: die E-Mobilität.

Sauber und leise – E-Fahrzeuge

Als die ersten E-Autos vor einigen Jahren auf den Markt kamen, blieb der erwartete Erfolg aus. Die geringe Reichweite schreckte viele Käufer ab. Bis heute bleibt die Reichweite zumindest für Personen, die auf dem Weg zur Arbeit weite Strecken zurücklegen müssen, eine Hürde. Die meisten Modelle schaffen zwischen 100 und 300 Kilometer. Nur die Modelle von Tesla und wenige weitere Modelle bekannter Autohersteller schaffen über 500 Kilometer, liegen jedoch auch in einer klar gehobenen Preisklasse. So scheint es, dass die E-Mobilität sich zunächst auf die städtischen Ballungszentren fokussieren wird, wo die Wege kurz sind und der Anstieg an Abgasen für die Bewohner ein spürbares Problem darstellt. Zurzeit fahren etwa 25000 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung: bis 2030 sollen es sechs Millionen Fahrzeuge sein. Das Umweltbundesamt fordert sogar noch höhere Zahlen. Neben den umweltfreundlichen Elektroautos bieten insbesondere in den Städten weitere Konzepte und Verkehrsmittel eine Alternative zum Verbrennungsmotor.

Das umweltfreundliche Mobilitätskonzept

Zusätzlich zu Elektroautos für private Haushalte finden sich viele weitere Möglichkeiten der umweltbewussten Mobilität. CarSharing mit Elektroautos ist ein solches Konzept, das zunehmend an Zulauf gewinnt. Nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing waren Anfang 2017 über 1,7 Millionen deutsche Autofahrer bei einem CarSharing-Anbieter angemeldet, was einen Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Hinzukommt, dass knapp 80 Prozent der angemeldeten Nutzer kein eigenes Auto mehr besitzen. Diese Entwicklung beeinflusst auch das Stadtbild. Ein CarSharing-Auto ersetzt bis zu 20 private Fahrzeuge, was zwischen 36 und 99 Meter freien Straßenabschnitt schafft. Platz, der für breitere Fahrradwege, Grünflächen mit Sitzgelegenheiten, Fahrradabstellmöglichkeiten und freien Platz zum Spielen genutzt werden kann. Diese Entwicklung würde gleichzeitig die Nutzung von Fahrrädern, E-Bikes und Lastenrädern begünstigen. Ein weiteres platzsparendes und umweltfreundliches Verkehrsmittel sind überdies E-Roller. In Asien wurden bereits 2013 über neun Millionen E-Roller verkauft. Heute fahren etwa 22 Millionen angemeldete Fahrzeuge auf Asiens Straßen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwas über 5000 Fahrzeuge. Doch auch hier kommt der Trend langsam an. In Berlin und anderen deutschen Großstädten werden E-Roller nach und nach ins Sharing-Angebot mit aufgenommen und ersetzen die zum Teil bereits vorhandenen Zweitakter, die ein hundertfaches an Schadstoffen produzieren. Auch das E-Bike-Angebot und die Bereitstellung von Leihfahrrädern steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an.

Nicht ohne Energiewende

Nicht zuletzt kann eine Mobilitätswende nur stattfinden, wenn ganzheitliche Konzepte entwickelt werden und die verschiedenen Sektoren aus Verkehrs- und Energiebranche zusammenarbeiten. Denn was bedeutet es für die Energieversorgung deutscher Haushalte, wenn Millionen Fahrzeuge aus eben diesem Netz mit Strom gespeist werden müssen? Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist hier nicht nur zentral, um die Stabilisierung der Stromnetze zu gewährleisten, sondern auch fester Bestandteil, um das Konzept einer nachhaltigen Mobilität aufgehen zu lassen. Hinzu kommen Aspekte wie der Ausbau der Infrastruktur mit Ladesäulen und Stromtankstellen. Im Hinblick auf die für 2050 beschlossenen Klimaschutzvorgaben muss der Verkehr in den nächsten Jahrzehnten vollständig treibhausgasneutral werden. Dieses Ziel ist ambitioniert. Das muss es aber auch sein, wenn ein Wandel stattfinden soll.

Foto: @Pixabay

Der mobile Städteführer – Reisen mit Apps

Die Digitalisierung betrifft all unsere Lebensbereiche. Längst prägt sie auch unsere Reiseplanung. Der Weg ins Reisebüro ist schon länger nicht mehr der typische erste Schritt der Planung. Vielmehr gestalten sich Reisefreudige ihren Urlaub von zuhause. Eine Vielzahl von Online-Plattformen macht es möglich.

Reisebüro – nicht mehr zeitgemäß?

Die Buchung von Flug, Unterkunft und Mietwagen bedarf nur wenige Klicks. Dass ein Großteil der Urlaubsplanung genau auf diese Weise ihren Urlaub geschieht, zeigt eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom. Die Ergebnisse zeigen, dass 80 Prozent der Internetnutzer bereits online Flüge, Unterkünfte oder Mietwagen gebucht haben. Die Tourismus- und Reisebranche muss sich darauf einstellen, dass Online Plattformen in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Aber noch eine andere Anwendung gewinnt an Beliebtheit: Apps. Wer heute in der Stadt unterwegs ist und ein nettes Lokal sucht, der zückt sein Smartphone. Schnell den Standort angeben und schon erscheint eine Reihe von Lokalen ganz in der Nähe. Meist gleich mit Bewertung, Speisekarte und Öffnungszeiten. Ebenso verhält es sich mit Sehenswürdigkeiten und Unterkünften. Was im Alltag eine nette Hilfe ist, wird beim Reisen zu einem praktischen Stadtführer: Mit Städte-Apps werden Wochenendtrips in eine fremde Stadt zu einem stressfreien Kleinurlaub ohne viel Planungsbedarf.

Die App als Stadtführer

Nahezu jeder Smartphone User kennt und nutzt Google Maps. Schnell mal den Standort lokalisieren, den Weg zur nächsten U-Bahn-Station suchen, ein vietnamesisches Restaurant in der Nähe ausfindig machen. Vor allem dann, wenn man als Tourist in einer neuen Stadt unterwegs ist, sind Anwendungen wie Google Maps und Co. eine echte Hilfe. Viele Apps sind inzwischen so spezialisiert und ausgestattet, dass sie als digitalen Reiseführer durch die Stadt führen und dabei ganz auf individuelle Wünsche eingehen. Vorbei die Zeit, in der man vor einem Kurztrip noch schnell die örtliche Buchhandlung nach dem passenden Reiseführer durchforsten musste. Städte-Apps komprimieren alle wichtigen Informationen und Geheimtipps in einer Anwendung.

Planung spontan von unterwegs

Klarer Vorteil einer App: Schneller und direkter Zugriff auf die gewünschten Informationen. Und das unabhängig vom Standort einfach übers Smartphone. Als Expertin in Sachen Reisführer Apps haben wir Elisa Fliegner, Produktmanagerin der Top10 Berlin App, interviewt. Die App wurde letztes Jahr vom renommierten Touristikmagazin fvw zur besten Reiseführer-App gewählt. „Mehr als 60 Prozent der Zugriffe auf Top10 Berlin erfolgen mittlerweile mobil von unterwegs“, erklärt Fliegner. „Und gerade während eines Ausflugs in die Stadt möchten User nicht umständlich eine URL eingeben, sondern die gewünschten Infos schnell auf einen Blick erhalten.“

Top10 Berlin ist ursprünglich eine Website, die Touristen und Bewohner Berlins mit Tipps und Infos zu Essen, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen in der Hauptstadt versorgt und jetzt auch als App zur Verfügung steht. „Nutzer können beispielsweise ganz einfach und schnell zwischen einer Karten- und der Listenansicht wechseln, wenn sie nach Berlin-Locations suchen. Die Angaben zu den Locations sind auf das Wesentliche reduziert und Nutzer bekommen nach wenigen Klicks die gewünschten Infos auf einen Blick. Mithilfe der Umgebungssuche können Nutzer direkt vor Ort schauen, welche interessanten Locations in ihrer Nähe sind und sich vom Standort zur Location navigieren lassen.“, beschreibt Fliegner die Vorzüge der App. „Sollte einmal keine Internetverbindung verfügbar sein, ist das gesamte Angebot der App auch offline nutzbar.“

Städte entdecken leicht gemacht

Berlin ist mit seinen knapp 13 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr eine der am meistgefragtesten Städteziele Europas. Inzwischen findet man aber auch Apps, die durch kleine Städte führen – und das weltweit. Durch die Möglichkeit der ständigen Aktualisierung bleiben Reisende auf dem neuesten Stand. Städte auf der ganzen Welt werden so authentisch erfahrbar und ein Kurztrip umso lohnender.

Foto: @Pixabay

The Internet of Things

Der Technologe Kevin Ashton benutzt 1999 als Erster den Begriff „Internet of Things“ (IoT). Folgende Idee verbindet er damit: Ashton geht davon aus, dass die Welt, in der wir leben, unsere Gesellschaft und Ökonomie von Dingen abhängen. Das Internet jedoch sei von uns so gestaltet, dass es nur Informationen und Ideen speichern und verbreiten kann, die wir ihm zuführen. Ein Internet, dass uns wirklich zugutekommen würde, so Ashton, sei hingegen eines, dass selbstständig Informationen sammelt – und zwar über Dinge. Dieses „Internet der Dinge“ könne unseren Alltag revolutionieren, indem es uns hilft, unsere alltäglichen Ressourcen zu überprüfen und zu regulieren, uns über Reparaturen informiert, selbstständig Optimierungen vornimmt und uns Arbeitsschritte abnimmt.

Was ist das Internet of Things?

Das Internet of Things bezeichnet die Vernetzung verschiedener digitaler Anwendungen. Dazu zählen unter anderem Smart Homes und Wearables. Anders als bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Internetnutzern geht es beim Internet of Things vielmehr um die Kommunikation von Geräten untereinander. Eine Folge dieser Entwicklung ist die allmähliche Ersetzung des einfachen Computers durch andere Geräte. Neben Tablets und Smartphones gehören dazu vor allem alltägliche Gegenstände, die auch als Smart Devices bezeichnet werden. Dabei hat jeder Gegenstand eine eigene URL, ist also durch eine Internetadresse abrufbar und kann auf diesem Weg mit anderen Geräten verbunden werden. Ein Beispiel wäre hier ein über eine App gesteuerter Wasserkocher. Das gemeinsame Ziel: Die Anwendungen sollen das Leben noch einfacher gestalten. Je nach Ausrichtung werden dabei Ressourcen, Zeit und Geld gespart.

Schleichende Bekanntheit

Viele Gegenstände, die wir heute bereits nutzen, zählen zum Internet of Things. Dazu gehören smarte Hausgeräte aber auch Wearables wie Sportarmbänder, Fitness Tracker und Smart Watches. Dennoch kommt eine Umfrage zu dem Ergebnis, dass das Internet of Things nur wenigen ein Begriff ist. 88 Prozent der Deutschen können dem Wort derzeit noch keine klare Bedeutung zuordnen. Aber auch wenn sich der Begriff bisher nicht etablieren konnte, gewinnen Smart Homes, die die automatische Steuerung von Heizung und Beleuchtung ermöglichen und auch smarte Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Mikrowellen und Waschmaschinen einschließen können, zunehmend an Bedeutsamkeit. Das Internet of Things ist darüber hinaus aber auch im Logistik- und Gesundheitsbereich längst angekommen, wo es vor allem für Prozesssteuerungen eingesetzt wird.

Eine wichtige Voraussetzung für das Internet of Things sind sogenannte Application Programming Interfaces (API). Diese ermöglichen die Übertragung von Daten zwischen Apps und Geräten. So ist es möglich, dass eine Wetterstation die Informationen zum aktuellen Niederschlag an eine „smarte“ Marquise schickt, die sich daraufhin dem Wetter entsprechend automatisch ein- oder ausfährt.

Leichtes Ziel für Hacker

Neben den vielen Vorteilen zeigen sich jedoch auch erhebliche Risiken. Erst im Oktober dieses Jahres hackten Unbekannte mehrere Internetseiten und legten diese für Stunden lahm – darunter große Anbieter wie Amazon und Netflix. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier, der im November vor der Kommission für Energie und Handel des US-Kongresses sprach, sieht darin noch einen harmlosen Eingriff. Gefährlich könne es jedoch werden, wenn es Hackern möglich wird, mit ihren Angriffen das Leben von Menschen zu bedrohen. Wenn Autos und Flugzeuge am Internet hängen, könne das fatale Folgen haben. Auf viel banalerer Ebene sind auch Szenarien wie ein Hausbrand durch eine sich selbst überhitzende Kaffeemaschine denkbar.

Bei den meisten bisherigen Angriffen handelte es sich um sogenannte Distribiuted-Denial-of-Service-Angriffe, kurz DDos. Bei dieser Art von Angriff werden massenhaft Anfragen an einen Server geschickt, der daraufhin überlastet zusammenbricht. Bei den Geräten, die die Anfragen senden, handelt es sich meist um ebenfalls gehackte Computer oder andere Devices wie IP-Kameras. Diese und andere Geräte, die zum Internet of Things gehören, sind häufig nur unzureichend geschützt. Standard-Nutzernamen und banale Sicherheitslücken erleichtern den Zugriff auf die Geräte und deren Missbrauch. Durch die Vielzahl der verkauften IoT-Geräte steigt dementsprechend das Sicherheitsrisiko. Die Hersteller kümmert dieses Problem bisher kaum. Zu überlegen ist nun, ob die Politik einschreiten und Sicherheit garantieren muss. Vorstellbar ist, dass andernfalls in Zukunft Privatseiten, die nur über eine geringe Serverkapazität verfügen, mithilfe ungeschützter IoT-Geräte massenhaft lahmgelegt werden – eine neue Art der Zensur im Netz.

Bild: @pixabay

Die App, die den Hunger stillt

Wie wäre es, wenn man mit einer App den Hunger in der Welt bekämpfen könnte? Sebastian Sticker und Bernhard Kowatsch haben es ausprobiert und mit ihrer App „Share The Meal“ 2014 den Versuch gestartet, die praktische Onlineanwendung für einen guten Zweck einzusetzen. Die Idee: Mit wenigen Klicks auf dem Smartphone einen kleinen Betrag spenden und so einem hungernden Kind zu einer Mahlzeit verhelfen. Und das Konzept geht auf. Heute, nur knapp 2 Jahre später, beläuft sich die Zahl der gespendeten Mahlzeiten bereits auf weit über 8 Millionen. Ein unglaublicher Erfolg und ein Hinweis darauf, dass die Spendenkultur einen Wandel durchläuft.

Hunger ist real – aber das Problem ist lösbar

Weltweit leiden 795 Millionen Menschen an Hunger – das ist etwa jeder neunte Mensch. Dabei braucht es nur rund 40 Cent pro Tag, um ein hungerndes Kind zu ernähren. Der Großteil der Spender, die regelmäßig eine Hilfsorganisation unterstützen, sind Personen über 40 Jahre. Junge Leute investieren wesentlich seltener in den guten Zweck. Zu aufwendig und teuer scheint ein Spenden-Abo oder das Ausfüllen eines Spendenbelegs. Die Digital Natives erreicht man nicht mit Spendenaufrufen, die mit der Post ins Haus kommen. Sie leben in einer mobilen Welt, kommunizieren und agieren online und tragen ihr Smartphone stets bei sich.

Sebastian Sticker und Bernhart Kowatsch haben das erkannt und eine App entwickelt, mit der die Nutzer in wenigen Schritten eine kleine Spende von 40 Cent tätigen können.  Runterladen, registrieren, spenden – und schon bekommt ein hungerndes Kind eine Mahlzeit. Überwiesen wird ganz einfach per Kreditkarte oder PayPal. Statt also nur durch einen Like bei Facebook zu zeigen, dass einem ein Hilfsprogramm gefällt oder man der Meinung ist, dass eine Organisation unterstützt werden sollte, bietet Share The Meal seinen Nutzern die Möglichkeit, tatsächlich aktiv zu werden. Die Verknüpfung mit Facebook ist trotzdem möglich. So können Nutzer über ihre sozialen Netzwerke Freunde dazu einladen, ebenfalls zu spenden. Und wenn man bedenkt, dass es 20 Mal mehr Smartphone-User als hungernde Kinder gibt, dann zeigt sich schnell, welches Potential an helfenden Menschen über die App erreicht werden könnte.

Über alle Grenzen hinaus

Inzwischen ist die App weltweit verfügbar, ermöglicht die Anzeige in neun Sprachen und Spenden in 27 verschiedenen Währungen. Mit 30 Prozent stellen die Deutschen momentan noch den größten Anteil der Nutzer dar. Aber die App gewinnt international zunehmend an Aufmerksamkeit und wird stetig ausgebaut. Zu den neuesten Überarbeitungen gehört beispielsweise ein Newsfeed, der den Nutzer über den Einsatz seiner Spende informiert. Durch persönliche Stories, Bilder und Geotags kann der Nutzer mitverfolgen, was seine Spende bewirkt. Denkbar ist in Zukunft auch die Einbindung von Virtual Reality-Material, das es ermöglichen wird, dem Spender einen Einblick in das Leben der Menschen zu geben, für deren Versorgung er spendet. Inzwischen informiert Share The Meal auch über Facebook, Twitter und Instagram über Neuigkeiten. Der Nutzer soll sich verbunden fühlen und einbezogen werden.

Wissen, dass es ankommt

Share The Meal ist eine Initiative des UN World Food Programme (WFP). Die Organisation erreicht jährlich 80 Millionen Menschen mit Ernährungshilfe und ist damit die größte humanitäre Einrichtung, die sich gegen den Hunger engagiert. Finanziert wird die Arbeit der WFP ausschließlich durch Spenden. Nach Abzug der Verwaltungskosten werden 90 Prozent der gespendeten Gelder für die Versorgung von Hungernden mit Lebensmitteln eingesetzt. Share The Meal hat es sich als Teil der WFP zum aktuellen Ziel gesetzt, 58 000 Schulkinder in Zomba für ein Jahr mit Essen zu versorgen. Die Kinder, die zwischen sechs und 13 Jahre alt sind, werden in ihrer Schule mit einem besonders nahrhaften Essen versorgt. Damit wird zum einen erreicht, dass die Schüler nicht mit knurrendem Magen am Unterricht teilnehmen müssen, zum anderen, dass mehr Kinder tatsächlich die Möglichkeit von Schulbildung wahrnehmen.

Darf helfen so einfach sein?

Mit dem zunehmenden Erfolg der App werden auch die ersten Stimmen der Kritik laut. Zu simpel sei das Prinzip. Eben beim Mittagessen 40 Cent gespendet und schon ist das Gewissen beruhigt. Anstatt das Geld in Nahrungsmittel zu investieren, sollte es eher in Forschungsprogramme fließen, die Möglichkeiten untersuchen, beispielsweise Getreide hitzebeständiger zu machen, sodass es auch in sehr trockenen, heißen Gegenden wachsen kann. Damit wäre der Welt auf lange Sicht mehr geholfen. Oder die allgemeinere Problematik, dass Spenden und Hilfen von außen letztlich nur dazu führen, dass Regierung und Bevölkerung die Verantwortung abgeben.

Und trotzdem: Wer Geld spendet, um einem Kind eine Mahlzeit zu schenken, der sollte dafür keine Kritik einstecken müssen. Auch eine kleine Spende ist eine Spende und in jedem Fall besser als keine. Und feststeht, dass Share The Meal eine ganz neue Zielgruppe zum Spenden animiert, was allein schon ein Erfolg ist.

Foto: @pixabay

Die Zukunft hat zwei Räder

Fahrradfahren bedeutet Mobilität, Spaß und Ausgleich – und ist damit weit mehr als eine bloße Möglichkeit, um von A nach B zu gelangen. Wer aufs Fahrrad steigt, zeigt einen aktiven und modernen Lifestyle aus. In unseren ständig verstopften Großstädten, in denen jeder Parkplatz ein Glücksgriff und der Feierabendverkehr einem täglich kostbare Zeit raubt, greifen deshalb immer mehr Menschen zur Zwei-Rad-Version. Morgens vor der Arbeit weckt die Bewegung die Lebensgeister, nach der Arbeit bietet Fahrradfahren die perfekte Möglichkeit, um abzuschalten, den Kopf freizubekommen und sich nach dem vielen Sitzen im Büro noch einmal zu bewegen. Aber auch in der Freizeit ist Fahrradfahren eine wunderbare Alternative zum Auto oder den öffentlichen Verkehrsmitteln.

Smart unterwegs – mit mobilen Apps

Vor allem beim Fahrradfahren in der Stadt sind mobile Apps von Vorteil und vereinfachen die Orientierung enorm. Die meisten sind mit einer Vielzahl möglicher Einstellungen ausgestattet. So können neben einem optimalen Weg auch die individuelle Fahrgeschwindigkeit mit einbezogen oder Vorlieben zu Straßentypen angegeben werden. Auch längere Fahrradtouren lassen sich mit einer App problemlos planen.

Einige Apps – darunter Naviki und Bike Citizens – sind inzwischen so optimiert, dass sie die zurückgelegten Wege registrieren und so eine Heatmap über stark frequentierte Strecken erstellen können. Diese sind wiederrum für Städte und Kommunen von Nutzen, um die Infrastruktur für Radfahrer zu optimieren. Etwa indem fehlende Radwege auf viel befahrenden Strecken erkannt und in anstehenden Planungen für Radwege berücksichtigt werden. Und die Routenplaner haben noch einen weiteren Vorteil: Anders als in anderen europäischen Städten, wie etwa in Kopenhagen, wird der Radverkehr in deutschen Städten bisher kaum registriert. App-Nutzer, die einer Aufzeichnung ihrer Daten zustimmen, bieten hier einen ersten Anhaltspunkt. So sorgt man beim Fahrradfahren darüber hinaus auch für die Verbesserung der Infrastruktur.

Ein Thema, das mobilisiert

Längst schon schlägt der zunehmende Fahrradtrend große Wellen. Die Zeiten, in denen bei Berliner Critical Mass-Veranstaltung nur knapp 100 Leute teilnahmen, sind lange vorbei. Seit 2014 stiegen die Teilnehmerzahlen stetig an. An der letzten Berliner Veranstaltung im August nahmen über 2500 Fahrradfahrer teil. Und auch in anderen deutschen Städten werden regelmäßige Treffen organisiert, mit denen die Teilnehmer auf mehr Rücksichtnahme und die Präsenz von Fahrradfahrern im Straßenverkehr aufmerksam machen wollen.

Aber nicht nur Veranstaltungen wie die Critical Mass zeigen, dass Fahrradfahren immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit gelangt. Ende September dieses Jahres veranstaltete der Allgemeine Deutsche Fahrrad Club (ADFC) eine Veranstaltung unter dem Motto „Mobilität 4.0“, zu der sich Vertreter aus Politik, Fahrradbranche und verschiedenen Start-Ups trafen, um über die Zukunft des vernetzten Radfahrens zu diskutieren. Die Bewegung hin zum Fahrrad und weg vom Auto soll zukünftig auch auf politischer Ebene mehr Unterstützung erfahren und junge Start-Ups feilen schon jetzt an innovativen Ideen, die das Fahrradfahren noch komfortabler und reizvoller machen sollen.

Das Angebot wächst

Ein großer Schritt zu mehr Mobilität in der Stadt sind auch die vielerorts installierten Fahrradstationen, an denen Touristen und Bewohner Fahrräder ausleihen können. Immer mehr im Kommen sind zudem E-Bikes oder auch Penelecs. Laut Zweirad-Industrie-Verband (ZIV) wurden allein in Deutschland im vergangenen Jahr über eine halbe Million E-Bikes verkauft – und die Tendenz ist steigend. Durch die unterstützende Leistung eines kleinen Motors erleichtern diese Fahrräder das Vorankommen zusätzlich. Da kommen auch Bewegungsmuffel auf ihre Kosten.

Rauf auf’s Rad!

Die Entwicklung der letzten Jahre zeigt: Die Zukunft gehört den Fahrrädern. Und dank smarter Apps findet sich jeder nun auch ohne Auto-Navi problemlos in allen Städten zurecht.

Morgen dann also mit dem Fahrrad zur Arbeit?

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