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Drehort Herr der Ringe zum Artikel: Andrea David über Ihren Reiseblog: Die Welt der Drehorte

Andrea David über ihren Reiseblog:
Die Welt der Drehorte

In welchen Berg wirft Frodo den Ring der Ringe? Ist es wirklich so kalt in Winterfell? Von welchem Dach sprang James Bond? Und auf welcher Feuerleiter küssten sich Julia Roberts und Richard Gere im Happy End von Pretty Woman? Andrea David geht diesen und vielen weiteren Fragen auf ihrer Website und ihrem Reiseblog “Filmtourismus – Die Welt der Drehorte” nach. Mit dem Projekt verbindet die studierte Tourismusmanagerin ihr Interesse für fremde Orte und Länder mit ihrer Leidenschaft für Filme. Vom Großstadtrevier, über Walking Dead und Pumuckl, bis hin zu Game of Thrones : Andrea David sammelt seit 2014 in einer Art Online-Datenbank Drehortinfos zu mittlerweile mehr als 500 Filmen und Serien. Und die Reise geht weiter. Uns hat sie von der Idee erzählt und verrät wie magisch Filmorte wirklich sind.

Welche Filmschauplätze gehören zu deinen Lieblingsdrehorten und warum?

Besonders spannend finde ich die Orte, die auch nach Jahrzehnten noch Filmfans anziehen, zu meinen Favoriten gehören daher das Hotel aus „Dirty Dancing“, die Kleinstadt in der „Rambo“ einst einen Krieg mit dem Sheriff führte, und der Ort, in dem „Grüne Tomaten“ gedreht wurde. So unterschiedlich die Orte auch sind, alle drei profitieren auch heute von ihrer filmischen Vergangenheit.

Wie bist du auf die Idee einer Website und eines Blogs über Filmdrehorte gekommen?

Ich habe Tourismusmanagement studiert und als Filmfan meine Abschlussarbeit über Filmtourismus, also genauer gesagt den Einfluss von Filmen auf die Wahl der Reiseziele, geschrieben. Durch die vielen Recherchen und Praxisbeispiele bin ich auf den Geschmack gekommen und bin im Laufe der Zeit selbst zur begeisterten Filmtouristin geworden. Irgendwann wollte ich meine gesammelten Infos zu Drehorten bekannter Filme mit anderen teilen und habe hobbymäßig mit dem Blog begonnen. Als die Nutzerzahlen immer weiter steigen – heute sind es über 125.000 Leser im Monat – hatte ich vor vier Jahren schließlich den Mut aus meinem Hobby einen Beruf zu machen. Neben dem Reiseblog berichte ich heute auch auf Facebook und Instagram über Reisetipps für Filmfans.

Wonach wählst du die Filme und Serien aus?

Auf Filmtourismus.de geht es vor allem um spannende Drehorte von Kinofilmen und Serien. Fernsehfilme behandle ich aufgrund der Masse nicht, außer es handelt sich um bekannte TV-Reihen wie Tatort oder gut gemachte Dreiteiler. Nicht alle Filme spiegeln dabei meinen persönlichen Geschmack wieder, sondern sind vielmehr eine Auswahl an Filmklassikern und aktuellen Streifen, die hinsichtlich ihrer Schauplätze und möglichen Reisen dahin interessant sind. Neue Filme schaue ich mir nach Möglichkeit schon vor dem Kinostart in der Pressevorführung an und entscheide dann, ob sie auf die Seite passen oder nicht. Hin und wieder kommen aber auch alte Produktionen hinzu, z.B. wenn ich die Drehorte unterwegs entdeckt habe oder besonders viele Anfragen von Nutzern dazu bekomme.

 

Wo recherchierst du nach Informationen zu Drehorten? Ist es schwierig an diese Daten zu kommen?

Wenn ich Glück habe, bekomme ich Input zu den Drehorten von Tourismusverbänden, Sendern und Filmverleihern, mit denen ich häufig bei der Reiseplanung zusammenarbeite. Wenn es keine öffentlichen Informationen dazu gibt, ist es jedoch richtige Detektivarbeit: Filmstills mit Google Streetview vergleichen, immer wieder die Szenenfotos nach markanten Hinweisen absuchen und vor Ort viele Leute fragen. Netterweise schicken mir auch die Leser hin und wieder Infos zu Drehorten, die sie selbst entdeckt haben oder falls sich zwischenzeitlich etwas geändert hat, zum Beispiel ein Hotel oder Restaurant geschlossen hat. Das hilft mir die Seite aktuell zu halten.

Im Filmtourismus treffen Fiktion und Wirklichkeit aufeinander. Ist die Magie eines Films vor Ort zu spüren oder handelt es sich oft eher um eine Desillusion?

Da ich vor jeder Reise viel Zeit mit Recherchen verbringe, gibt es eigentlich selten große Enttäuschungen vor Ort, außer dass ich ab und zu mal vor Absperrungen stehe, wo ich nicht weiter kann oder darf. Meine Erfahrungen, was noch vom ursprünglichen Drehort zu sehen ist und was nicht, gebe ich direkt an den Leser weiter. So kann jeder selbst entscheiden, ob sich die Reise für ihn lohnt. Aber Gebäude und Landschaften, mit denen man eine vertraute Geschichte verbindet, haben einfach eine besondere Aura, sind sozusagen filmisch aufgeladen. Vor Ort erlebt man ein schönes „Wie-im-Film”-Gefühl, vorausgesetzt man lässt die Illusion auch bewusst zu und hat ein gewisses Maß an Vorstellungskraft. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, dass jedes Detail genauso wie im Film aussieht.

Welche Drehorte möchtest du unbedingt noch besuchen?

Ganz oben stehen die Mittelerde-Schauplätze in Neuseeland, die alten „Star Wars“-Drehorte in Tunesien und die Movie Ranch auf Hawaii, die man vor allem aus „Jurassic Park“ kennt. Die Liste ist insgesamt noch sehr lang und ständig landen auch wieder neue Orte darauf.

Ihr seid auf den Geschmack gekommen? Lasst Euch von Andrea David’s Blog inspirieren.

Kamera am Strand vor Meer zum Artikel: Viraler Hit: Kamera filmte ihren Untergang & kehrt zurück

Wiedergefunden:
Kamera filmt ihren Untergang & wird viraler Hit

Es war wohl einer der schönsten viralen Hits in diesem Jahr: Eine verloren gegangene Kamera filmt ihren eigenen Untergang, um dann 800 Kilometer später wieder aufzutauchen. Der Clou dabei: Dank Filmaufnahme und Seenotrettung, konnte der Startpunkt ihrer Reise zurückverfolgt werden. Über Social-Media-Kanäle wurde nun der Besitzer ausfindig gemacht: Ein kleiner Junge aus England. So kommt es, dass ein altes Weihnachtsgeschenk zu einem Neuen wird.

Vergessene Action-Kamera filmt Unterwasserwelt

Doch von vorn: Die Geschichte beginnt am 01. September 2017 mit einem Ausflug einer britischen Familie zur Thornwick Bay nahe Flamborough Cliffs in East Yorkshire. Dort spielt ein kleiner Junge namens William Etherton mit seiner Schwester Poppy „wer zuerst einen Fisch fängt“. Mit dabei hat er seine wasserdichte Kamera, die er im vergangenen Jahr von seinem Opa zu Weihnachten geschenkt bekommen hat. Er stellt sie auf einem Stein ab und vergisst sie dort im Spiel. Die Kamera filmt vom Boden aus die ganze Zeit mit. Auch den Moment, in welchem sie von einer Welle ins Wasser gerissen wird. Als William die Kamera wieder einfällt, ist es bereits zu spät. William ist am Boden zerstört und muss von seiner Familie getröstet werden.

In Deutschland aus dem Meer gefischt

Nach etwa zwei Monaten und rund 800 km in der Nordsee, wird die größtenteils unversehrte Kamera am 2. November an der deutschen Küste von Süderoog von Roger Spreer gefunden. Zu seinem erstaunen stellte er fest, dass das ungewöhnliche Strandgut noch voll funktionstüchtig ist und sich auf der Speicherkarte ein kurzes Video befindet. Um den Besitzer ausfindig zu machen, stellte Roger gemeinsam mit Nele Wree, ebenfalls aus Süderoog, den kurzen Clip ins Netz. Daraufhin schaltete sich sogar die Seenotrettung ein und half bei der Suche. Dafür hatte die DGzRS Kontakt mit den britischen Kollegen aufgenommen. Durch Bildvergleiche und eine Computeranalyse, wie sie auch zur Suche von Schiffbrüchigen eingesetzt wird, konnten die Experten den Reiseweg der Kamera dann tatsächlich zurückverfolgen. Nachdem sie zunächst südöstlich trieb, ging es eine lange Kurve Richtung Nordosten, dann über Esbjerg in Dänemark und wieder gen Süden bis Süderoog.

Strandgut mit Inhalt: Video wird viraler Hit 

Das Video wurde auf Facebook mittlerweile über 250.000 Mal angeschaut und trug dazu bei, dass der zunächst unbekannte Besitzer der Kamera letztlich gefunden werden konnte. Vielleicht liegt die Kamera in ein paar Tagen dann nicht nur als ein altes und neues sondern nun auch noch als ein ganz besonderes Weihnachtsgeschenk unter dem Tannenbaum – denn eine Kamera, mit einer derartig abenteuerlichen Geschichte, gab es so noch nie.

Flugzeug am Himmel zum Artikel-Thema: Twitter News: Pilot zeichnet Tannenbaum über Deutschland

Twitter News:
Pilot zeichnet Tannenbaum in den Himmel

Über den Wolken muss die Freiheit wohl grenzenlos sein. Das dachten sich in dieser Woche auch die Mitarbeiter von Airbus und wählten mit dem A380 eine doch sehr außergewöhnliche Route. Der Pilot zeichnete mit seinem Flieger einen Tannenbaum in den Himmel – ein Weihnachtsgeschenk, das es in Deutschland so noch nie gegeben hat.

Ich flieg dir einen Weihnachtsbaum 

Los ging die Reise um 12.47 Uhr vom Flugplatz Hamburg-Finkenwerder. Der Airbus flog dann über ganz Deutschland, wechselte immer wieder die Himmelsrichtung und setzte dann schließlich um 16.30 Uhr wieder in Hamburg zur Landung an. Laut der Pressestelle von Airbus handelte es sich um einen internen Standard-Testflug. Solche Flüge erfolgen vor jeder Auslieferung einer neuen Maschine. Der genaue Weg ist dabei nicht vorgegeben. In diesem Jahr wollten sich die Mitarbeiter kreativ ausleben und beschlossen gemeinsam: Es ist Zeit für eine Weihnachtsüberraschung der besonderen Art.

Flugradar zeigt himmlisch weihnachtliches Kunstwerk

Auf der Website flightradar24.com ist zu sehen, wie der Airbus-Pilot mit seiner Flugroute die Konturen eines Tannenbaumes nachzeichnete. Dabei dachte er sogar an den Christbaumschmuck mit vielen Weihnachtsbaumkugeln. Spätestens jetzt wird klar: Hier möchte uns jemand die Weihnachtszeit versüßen.

 

Die Aktion war natürlich mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) und Eurocontrol, der Europäischen Organisation zur Sicherung der Luftfahrt, abgestimmt. Ideengeber waren eventuell die Briten. Denn dort flog in der Nähe der Stadt Northhampton im vergangenen Jahr ein Pilot eine ähnliche Route. Mit ihrer Idee versetzen uns die Piloten in jedem Fall in Weihnachtsstimmung. Echte Überflieger!

 

schwarz angezogener Mann viele Gegenstände schwarzer Boden

Unternehmen ohne Büro:
Start-up-Gründer entwickelt neue App

Ein Schweizer gründet Start-Ups auf der ganzen Welt und braucht zum Leben nicht mehr als das, was in einen Koffer passt. Cédric Waldburger kauft keinen unwichtigen Krimskrams. Stattdessen entwickelt er lieber neue Apps, die seine Arbeit besser organisieren.           

 

Zuhause in der ganzen Welt

Er wohnt nirgendwo aber irgendwie auch überall: Cédric Waldburger ist ein Start-Up-Gründer von mehreren Unternehmen. Seine Wohnung hat er schon vor eineinhalb Jahren aufgegeben, die braucht er schließlich nicht mehr. Das, was er braucht, passt alles in einen einzigen Koffer. 64 Dinge reichen ihm aus, um die Welt zu bereisen. Fast alle Gegenstände sind, der Einfachheit halber, schwarz. Nur bei seinem Apple-Ladekabel und dem schweizer Reisepass musste er eine Ausnahme machen.    

 

Reisen, arbeiten und leben

Start-Ups faszinieren Cédric seit seiner Kindheit. Deswegen hat er auch gleich eins im zarten Alter von vierzehn Jahren gegründet. Heute sind seine Projekte auf der ganzen Welt verteilt. Egal ob San Francisco, Miami, Berlin, Frankfurt, St. Gallen oder Zürich: Alle diese Städte sind für Cédric Zuhause und Arbeitsplatz zugleich. Auf die oft gestellte Frage, wo denn sein Zuhause sei, antwortet er: “Zuhause ist da, wo ich Freunde treffe”. Was Cédric so interessant macht, ist seine moderne Lebensweise, die sowohl Mobilität als auch Minimalismus vereint.

 

Neue App erleichtert Organisation

Was mindestens genauso modern ist, sind Cédric Waldburgers Unternehmen. Eines davon ist eine Firma, die kein Büro braucht: Sendtask. Dabei handelt es sich um eine App, die Aufgaben organisiert. Dafür muss man nicht einmal registriert sein. Cédric wollte ein Tool kreieren, dass es zulässt, Arbeit ohne Beachtung von Raum und Zeit zu organisieren. Mittlerweile hat Sendtask neun Mitarbeiter aus ganz verschiedenen Ländern wie Mazedonien, Russland oder Schottland. Jeder von ihnen hat einen anderen Arbeitsrhythmus. Laut Cédric ist die zeitliche Flexibilität eine der größten Stärken von seinem Start-Up. Um trotzdem organisiert zu bleiben, nutzt das Team natürlich Sendtask.

 

Shitstorm für die Deutsche Bahn:
ICE-Name löst heftige Diskussion aus

Die Deutsche Bahn hat die Namen des neuen ICE 4 veröffentlicht und erntete dafür sofort einen Shitstorm von Nutzern der Social Media Plattform Twitter. Eine sechsköpfige Jury einigte sich unter anderem auf dem Namen Anne Frank für einen der Hochgeschwindigkeitszüge. Im Zusammenhang mit der Geschichte des Verkehrsunternehmens empfanden viele Menschen auf Twitter die Namenswahl als pietätlos.

 

Anne Frank, Erich Kästner und Albert Einstein

Vier Wochen lang konnten Namensvorschläge bei der Bahn eingereicht werden. Die einzige Vorgabe bestand darin, dass die Einreichungen sich an deutschen historischen Persönlichkeiten orientieren mussten. Zusammengekommen sind ganze 19.400 Vorschläge. Die endgültige Auswahl wurde von sechs Jurymitgliedern getroffen. Sie haben sich letztendlich auf Namen wie Naturforscher Alexander Humboldt, Autor Erich Kästner, die Geschwister Scholl und Anne Frank geeinigt. Die Taufe der ersten 25 Züge, die ab Dezember von Hamburg nach München und Stuttgart fahren sollen, ist für 2018 und  2019 geplant.

 

Kritische Vergangenheit der Deutschen Bahn sorgt für Shitstorm

Dass gerade die Deutsche Bahn als Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn sich für Anne Frank entschieden hat, nahmen viele Nutzer auf Twitter negativ auf. Vor allem weil die Züge den Nationalsozialisten als Werkzeug zur Deportierung von Menschen in Konzentrationslager dienten. Zusätzlich will die Deutsche Bahn ein Foto verwenden, das erst vor kurzem von Ultras in Italien für rechte Hetze missbraucht wurde. „Bin ich eigentlich die einzige, die es befremdlich findet, einen Zug der Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn Anne Frank zu nennen?“, fragt eine Twitter Nutzerin. Ein anderer kommentiert ironisch im Bezug auf die noch ausstehenden Entschädigungszahlungen der Deutschen Bahn aus der NS-Zeit: „Die Rechtsnachfolgerin der Reichsbahn, die Zwangsarbeiter bis heute nicht entschädigt, tauft einen ICE ‚Anne Frank'“. Trotzdem gibt es auch Stimmen, die die entstandene Diskussion als “ziemlich absurdes Theater” bezeichneten und den Namen als eine “sehr gute Entscheidung” empfanden.

 

 

Symbol gegen Unmenschlichkeit des Völkermordes

Anne Frank wurde selbst erst nach Auschwitz und danach nach Bergen-Belsen deportiert. Kurz vor Kriegsende starb sie im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Annes Tagebücher machten sie zur Symbolfigur gegen die Unmenschlichkeit des Völkermordes in der Zeit des Nationalsozialismus. Genau aus diesem Grund habe die Jury der Deutschen Bahn sich unter anderem auf sie geeinigt. “Sie steht für Toleranz und für ein friedliches Miteinander verschiedener Kulturen, in Zeiten wie diesen, wichtiger denn je“, heißt es in einer Pressemitteilung. Weiter verteidigt sich das Unternehmen: Als Deutsche Bahn sind wird uns unserer Verantwortung bewusst und setzen uns seit unserer Gründung kritisch mit der Geschichte unserer Vorläuferorganisationen auseinander“. Die Aufarbeitung der Beschäftigung von Zwangsarbeitern sei ihnen ebenfalls ein Anliegen.

 

Graffiti zum Thema Urban Nation Museum

Urban Nation:
In Berlin eröffnet erstes Museum für Streetart

Kreativität kennt keine Grenzen, auch keine räumlichen. Die Berliner Straßenkunst ist mit ihren zahlreichen Graffitis, Aufklebern und Bemalungen das beste Beispiel hierfür. Ob an Laternen, Fassaden, Mauern oder auf Gehwegen – überall finden sich urbane Kunstwerke. In der Bülowstraße bündeln sich viele von ihnen, sodass Spaziergänger zu Galeriebesuchern werden. Der Ort ist demnach prädestiniert dafür, ein Aushängeschild der Berliner Straßenkunst zu sein. An diesem Wochenende eröffnet dort das Künstlerkollektiv Urban Nation das erste Museum für Streetart. Das Projekt begann laut Initiatoren im Jahr 2016 mit der „Vision einer weltweiten Urban-Art-Community, eines Netzwerks ohne Grenzen“. Mit dem neuen „Museum for Urban Contemporary Art„, wird dieser Traum nun Realität. Zelebriert wird das Ereignis vom 16. bis zum 17. September mit einer großen Kunstmeile.

Das Museum, das es gar nicht geben dürfte

Das „Museum for Urban Contemporary Art“, ist mehr als nur ein klassisches Museum.  Neben ständigen, teilweise sogar interaktiven Ausstellungen, Veranstaltungen und Workshops, wird selbstverständlich auch die Hauswand zur Leinwand. In der Bülowstraße findet Streetart in, an und um das umgebaute vierstöckige Wohn- und Geschäftshaus aus der Gründerzeit ein kleines Zuhause. Das Gebäude mit der Nummer 7 sticht schon von weitem heraus, da die Fassade in ein riesiges Mural verwandelt wurde. Dieses wird mit der Zeit von verschiedenen Künstlern immer wieder neu gestaltet. Und auch die Architektur ist besonders: Die Straße wird buchstäblich in die Räume verlagert. So gibt es beispielsweise eine Trasse und einen Galeriesteg, die sich durch das Innere ziehen. Dies ermöglicht, die ausgestellten Arbeiten von nah und fern betrachten zu können.

Die künstlerische Leiterin beschreibt das Museum in einem Interview mit Radio Eins als eine Art Archiv, welches Berlinern und Touristen die Bedeutung und Relevanz der Straßenkunst näher bringen soll. Darüber hinaus wird die Galerie ein Ort des Austausches, der Inspiration und Wissenschaft – für Künstler, Kunstinteressierte und die allgemeine Öffentlichkeit.

Das große Streetart-Fest von Urban Nation

Am Wochenende kann das Museum nun erstmalig besucht und dabei die Werke von über 130 internationalen Künstlern bestaunt werden. Zwischen dem U-Bahnhof  Nollendorfplatz und der Frobestraße, wird es zudem ein Straßenfest mit verschiedenen Aktionen, Wandgemälden, Kunstinstallationen, Showacts sowie einer Community Wall und einem Skaterpark geben. 

Hinter Urban Nation steht die Stiftung Berliner Leben, gegründet von der Gewobag.  Bereits seit Jahren gestalten sie Berliner Fassaden in riesige Outdoor-Kunstwerke und organisieren entsprechende Streetart-Projekte um Menschen und Künstler miteinander zu verbinden.

Ein Museum kann mehr, als ein Raum voller Bilder sein.

Wo? Urban Nation, Bülowstraße 7, 10783 Berlin

Mehr Infos

Reise-Collage, in welcher ein Paar die Arme um sich legt; aus der Fotokunst von Half Half Travel

Half Half Travel: Eine Fernbeziehung
als Fotokunst auf Instagram

Getrennt und doch zusammen: Die Fotografen Rebecca Siegel und Dan Gold führen eine Fernbeziehung, die es in sich hat. Beide umreisen die Welt – jedoch nicht zusammen, sondern voneinander getrennt. Eine Liebe auf Distanz aufrechtzuerhalten, ist alles andere als einfach. In ihrem Blog und gleichnamigen Instagram Account „Half Half Travel“, zeigt das Paar eine kreative Möglichkeit mit der räumlichen Trennung umzugehen. Die beiden lichten sich jeweils an dem Ort, an dem sie sich gerade befinden ab, halbieren die Fotografien in der Mitte und fügen die Hälften zu einem neuen Bild zusammen. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Darstellung der unterschiedlichen Aufenthaltsorte, erschaffen sie so gemeinsam einzigartige Collagen.

Die Sehnsucht nach der Ferne

Rebecca und Dan lernen sich im Dezember 2015 in New York kennen und lieben. Beide haben den Wunsch für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Er will ein Jahr lang durch Europa, Afrika und Südamerika reisen und dabei jeden Monat eine neue Stadt entdecken. Rebecca lebt aktuell in New York. Nachdem sie fast drei Jahre lang in Hongkong und China verbrachte, möchte sie nun noch mehr vom Rest der Welt sehen und diese auf eigene Faust erkunden. Zwei Menschen, zwei unterschiedliche Lebenspläne: Ist die junge Liebe dadurch von vornherein chancenlos?

Getrennt reisen, zusammen fotografieren

Für Rebecca und Dan nicht. Die beiden möchten – trotz der räumlichen Trennung – weder sich als Paar, noch ihre individuellen Träume und Wünsche aufgeben. In der heutigen Zeit hilft ihnen dabei das World Wide Web. Auf kreative und bezaubernde Art und Weise zeigen sie online, dass Liebe keine Grenzen kennt. Sie bedienen sich ihrer Reisebildarchive, wählen zueinander passende Fotografien aus und fügen diese durch digitale Bildbearbeitung liniengetreu zu einem neuen Motiv zusammen. Indem sich die Atmosphären der unterschiedlichen Orte zu einer Einheit verbinden, entstehen interessante Kombinationen. Was Rebecca und Dan über ihre Beziehung hinaus offensichtlich vereint, ist die Liebe zur Fotografie und zum Reisen. Was sie trennt, sind eben genau diese 1000 Kilometer Entfernung. In den Bildern verbinden sich die Welten von Rebecca und Dan. Durch ihre Fotokunst kommen sich die beiden wieder ein Stück näher.

Litfaßsäule mit Plakaten und Anzeigen. In der Mitte das Cover des Buches Das Stammeln der Wahrsagerin über eBay-Geschichten

Hochzeitskleid, garantiert ungetragen:
Sarah Khan über eBay-Geschichten

Der Verkauf eines ungebrauchten Brautkleides, einer Pferdebuchsammlung zur Absicherung der Rente, ein Designersofa, das lange Zeit nicht einmal jemand geschenkt haben will – auf eBay-Kleinanzeigen tummeln sich nicht nur Kauf-und Verkaufsangebote, sondern auch jede Menge Geschichten.  Sarah Khan hat ein Buch über die Storys hinter den Inseraten geschrieben – “Das Stammeln der Wahrsagerin: Unglaubliche Geschichten hinter Kleinanzeigen”. NeoAvantgarde hat sich mit der Autorin getroffen.

Welche Arten von Geschichten beschreiben Sie in Ihrem Buch?

Die Geschichten sind alle sehr unterschiedlich. Es sind nur acht Geschichten und es hat fast so ein bisschen den Charakter eines Plattenalbums. Jede Geschichte steht für eine eigene Idee. Das Buch fängt relativ heiter an, mit einer eher witzigen Geschichte, mit jemanden, der sein Designersofa aus den 90ern verschenken will, weil er seine Wohnung MidCentury original einrichten will. Es stört und dann fängt das Sofa auch noch an zu sprechen und erinnert ihn an seine soziale Verantwortung. Und dann muss er sich mit einem Interessenten abquälen, der sich nicht entscheiden kann. Das ist eher heiter, aber danach geht es ja gleich weiter. Da gibt es eine traurige Geschichte von einer Frau, die die Wohnung ihres verstorbenen Sohnes ausräumen muss. Von jedem einzelnen Gegenstand nimmt sie einzeln Abschied, schreibt über jeden Gegenstand einen Text und wohnt monatelang in dieser Wohnung bis alles verkauft ist. Das war eine Geschichte, die mir schwer gefallen ist zu schreiben.

Heißt das, Sie haben auch fiktive Elemente mit einfließen lassen?

Ja – wenn es geholfen hat ein bestimmtes Anliegen zu unterstreichen. Dass es zum Beispiel nicht so einfach ist, Sachen wegzugeben oder zu verschenken oder loszuwerden. Man kann das natürlich entsorgen oder entsorgen lassen. Das kostet Geld. Wenn man es verschenken will, kostet es Zeit. Viele Dinge haben ja auch ihren objektiven Wert. Aber viele Details sind immer super interessant und könnte ich mir nie ausdenken.

Sie haben ursprünglich selbst bei eBay-Kleinanzeigen Produkte für Ihr Wochenendhaus gesucht. An welcher Stelle wurde Ihnen bewusst, dass sich hinter den Anzeigen interessante Geschichten verbergen könnten?

Erst einmal bin ich auf die Sprache abgefahren. Ich habe gemerkt, dass viele Leute eine sehr volkstümliche Sprache pflegen. Das hat mich ziemlich begeistert. Das ist so ein rauer, raffer Ton, den es in der Literatur nicht mehr so viel gibt. Das waren dann für mich teilweise literarische Kleinoden, wie: “Bitte zu zweit kommen. Kein ‘Fass mal mit an’”. Das fand ich irgendwie faszinierend, dass die Leute dann auch einfach so ihre ganzen Befindlichkeiten anmerken: “Ich verkaufe zwei Edelsteintöpfe für zehn Euro. Der eine müsste noch geschruppt werden, aber wer keinen zusammenhängenden Satz schreiben kann, braucht sich gar nicht erst melden”. Da habe ich dann auch erst einmal versucht, mit solchen Leuten ins Gespräch zu kommen und habe denen teilweise auch frech zurückgeschrieben und einfach nur sprachlich darauf reagiert – ohne gleich die Idee gehabt zu haben, die zu treffen,  zu begleiten oder über Monate sprechen zu wollen. Einfach nur: Was passiert wenn man denen schreibt? Die guten Geschichten waren nicht unbedingt da, wo die Dinge waren, die ich für mein Haus brauchte. Ich musste ganz viele Leute immer wieder anschreiben und kontaktieren.

Wie haben die Nutzer auf Ihre Anfrage reagiert?

Der Anbieter diktiert wie das läuft. Aber ich habe auch viele angefragt, die dann gesagt haben: „Nein ist nicht“. Und andere waren ganz begeistert und haben gleich etwas mit mir ausgemacht und haben mich auch zurückgerufen.

Wie gestaltete sich die persönliche Kommunikation mit den Personen – im Gegensatz zur Online-Kommunikation?

Komischerweise habe ich oft das Gefühl gehabt, dass mir Leute sehr schnell alles mögliche erzählen. Was mich jetzt fast ein bisschen ängstigt, weil man dann sehr viele Geheimnisse von anderen Menschen mit sich herum trägt. Berlin ist riesig groß, man findet immer Verbindungen. Ich habe so viele Menschen kennengelernt, mit denen ich selber geografische Zweige habe. Es war fast wie ein Orakel meines eigenen Lebens, wenn ich Leute über eBay-Kleinanzeigen kennengelernt habe, dass man doch irgendwo im Hintergrund gemeinsame Bekanntschaften hat oder gemeinsame Menschen kennt und so einen kleinen Einblick hat. Und dann weiß man teilweise auch Sachen, die man gar nicht wissen wollte.

Also offenbaren sich Beziehungsräume?

Es gibt sicher viele, die das sehr systematisch benutzen für jeden Aspekt ihres Lebens. Und ich habe auch gemerkt, ich selbst mache es auch sehr oft: wenn ich irgendetwas brauche oder ein Bedürfnis habe, dann gehe ich auf dieses Portal. Das ist total interessant. Man kann Menschen darüber kennen lernen, man kann ausmüllen, man kann verschenken und man kann tauschen. Aber das ist auch interessant: was verschenken die Leute, was gilt heute als verschenkt und welche komischen Bedingungen und Ruppigkeiten sind daran geknüpft? Oder wie gehen Leute mit illegalen Zwischenräumen um? Wenn die quasi gewerblich Sachen in ihrer Wohnung verkaufen: Was ist der Unterschied zu Jemanden, der einen Laden hat? Das merkt man auch: die Leute sind dann hochgradig nervös und wollen einem auch nicht viel erzählen. Die meisten sind aber sehr privat. In Berlin ist es ja eh immer alles ziemlich offen. Manche sind so: „Komm erstmal rein, trink einen Kaffee, zieh dir die Schuhe aus“.

Ein bisschen habe ich auch das Gefühl, das Buch handelt von den Problemen, die die Leute heute mit Geld und Arbeit haben. Viele sind ja heute freiberuflich, prekär, ziehen oft um, müssen Sachen wieder einrichten und aufgeben. Und eBay-Kleinanzeigen ist auch IKEA-Friedhof.

Die Plattform könnte als digitaler Trödelmarkt bezeichnet werden. Was glauben Sie, ist der Unterschied? Wie verhalten sich die Menschen im Gegensatz zum realen Marktbesuch? Dort hat man ja beispielsweise wenig Möglichkeiten der Rückversicherung oder Recherche.

Dass man ins Private geht, also die Auflösung. Die Industrialisierung hat gebracht, dass die Menschen nicht mehr Zuhause, im Gehöft oder in einem Hof gearbeitet haben. In der bürgerlichen Kultur gab es das Haus mit Bediensteten. Der Mann ging morgens in die Fabrik als Direktor oder als Arbeiter. Und die Frau war dann sozusagen einsam, fing an zu lesen, sich zu bilden und so weiter. Und jetzt gibt es ja seit einigen Jahrzehnten wieder dieses Homeoffice, Freiberuflichkeit, dass man das gar nicht mehr so richtig trennen kann, wo man arbeitet und, ob man gerade lebt oder arbeitet. Und jetzt werden auch die Wohnräume zu Geschäftsräumen. Man bringt völlig fremde Leute über eine Verabredung im Internet in sein Haus und verkauft alte Sachen von sich. Und dann gibt es sozusagen eine kurze Begegnung. Die meisten Leute sind ja auch nicht so wie ich, dass sie sich dann hinsetzen und sagen “erzähl mal”. Viele sind sehr knapp und distanziert. Das bin ich nicht, ich bin eine Autorin, ich will das alles hören. Es belastet mich teilweise auch oder wird mir zu viel oder denke mir, was soll der banale Kram. Aber letztendlich kann man in diesen banalen Geschichten oft interessante Sachen finden, das glaube ich zutiefst. Das ist eigentlich das Entscheidende. Früher gab es Künstler, die sich eine Ladenwohnung gemietet haben, in der sie lebten und den ganzen Tag war Verkaufsausstellung. Du konntest reingehen und sagen “komm lass uns ein Bier trinken und jetzt kaufe ich dir eine Kaffeekanne ab”. Oder es gab Boutiquen in London oder so, das waren einzelne Kunstwerke. Heute macht das jeder: Das Konzept, dass das eigene Haus nicht nur bei Airbnb ist, dass man diese Grenzen nicht mehr hat.

Was glauben Sie, warum sich die Nutzer dazu verleiten lassen, ihre persönlichen Geschichten anzudeuten? Bei eBay zählt ja eigentlich eher der schnelle und praktische Kauf und Verkauf.

Genau, aber man sagt eben auch, es ist kein Anbieten wie “Sauer-Bier”. Also es muss ja schon etwas Geliebtes sein. Es kommt aus einer anderen Zeit. Es steht für etwas und da reichen solche Kategorien wie neu oder alt gar nicht mehr, weil Dinge dann einen Wert aufladen können, wenn sie alt sind oder wenn sie gewisse Spuren haben oder aus einer bestimmten Mache kommen, die heute nicht mehr produziert wird. Aber man begibt sich immer häufiger auch in die Verkäufer-Perspektive. Was machen denn Verkäufer, wenn sie Dinge anpreisen? Sie schmeicheln, sie stellen die Dinge in das richtige Licht, sie erzählen auch irgendwo eine Geschichte. Diese Idee, dass man durch Dinge erst lebt, also durch den Besitz und die Ingebrauchnahme von Dingen. Das Problem ist nur, und das zeige ich ja auch an einer Geschichte, dass wenn da keiner ist, wenn man einsam ist: du kannst dir einen Tischgrill kaufen, aber du kannst dir nicht die Menschen kaufen, die mit dir Grillen.

Bei eBay ist es schon eher nüchtern und man kann nicht sofort hingehen. Dort ist es eher ein Einblick in viele Wohnzimmer. Wenn man irgendwo in Deutschland mal reist und man fährt an kleine Orte oder Städte: Ich finde das so interessant, sich dann die eBay-Kleinanzeigen aus dem Ort anzusehen. Dann sieht man so viele Wohnzimmer. Es sind sozusagen Museen des Alltags. Die Leute fotografieren Sachen, im Hintergrund sieht man das Fenster, sieht man die Straßen, man kann das teilweise total zuordnen, man sieht Garagen, man sieht ein Zimmer, man sieht wie Leute ihre Klamotten einräumen oder nicht einräumen und Haustiere. Man sieht sehr selten Menschen. Bei Hochzeitsfotos ist es oft so, dass die Gesichter ausgeschnitten sind. Ansonsten ist das einfach eine richtig interessante, kulturwissenschaftliche Quelle. Man kann sehr viele Bilder, Geschichten, Poesie und so weiter finden.

Könnte man Ihrer Meinung nach sagen, dass die Anonymität des Netzes unbewusst zu einer großen Intimität verleitet?

Man spricht erst einmal in einen Raum hinein. Wenn ich Sachen von meinen Kindern verkaufe, ertappe ich mich dabei, dass ich sage “meine Tochter hat das total gerne gespielt, das ist vollständig, das begeistert jede Fünfjährige“ oder so. Und auf einmal wird man so vertrauensselig, obwohl da gar keiner steht. Also wenn da einer stehen würde, mich anschaut, dann würde ich das wahrscheinlich nicht machen. Deshalb spricht einiges für diese Theorie. Es ist ein interessanter Effekt aus diesem Widerspruch heraus. Dazu kommt eben, dass außer der Privatheit eigentlich nichts anderes für die Dinge sprechen kann – außer das Anfüllen der Dinge mit der eigenen Lebensgeschichte und der eigenen Emotionalität. Also wir beleben, wir beseelen diese Dinge mit unseren Empfehlungen und die Empfehlungen kommen aus unserer Ingebrauchnahme. Und die Gebrauchnahme ist natürlich so, dass sie fast keine Spuren hinterlassen hat, also fast wie neu ist, nur wenig getragen – aber gleichzeitig heiß geliebt: “Meine heiß geliebten Gummistiefel, die ich nur zwei Mal getragen habe, aber jetzt ziehe ich nach Südspanien, wo es nie regnet”. Solche Muster hat man ständig. Also es ist nichts Individuelles in dem Sinne oft zu finden, also selten. Und dann merkt man, dass es da eine Störung gibt. Und darauf habe ich am ehesten noch reagiert, dass es sozusagen manchmal Abweichungen von diesen Mustern gegeben hat.

Die von Ihnen gewählten Inserate haben einen gemeinsamen Nenner: Sie stammen von Berlinern. Haben sie den Eindruck, dass Berlin eine besondere Stadt mit besonderen Geschichten ist?

Ja – da bin ich mir ganz sicher, weil hier einfach eine enorm große und auch eine in ständigen Veränderungen befindliche Stadt ist und viele zuziehen, wegziehen, arm sind. Es betrifft ja nicht nur Arme, einfach, dass die Menschen hier sehr offen sind. Dass es sozusagen einen hohen Umschlag-Rhythmus gibt. Und gerade erben unheimlich viele Menschen Sachen, die man heute nicht mehr benutzt, riesige Schrankwände, Aquarien, solche Dinge, die zu einer ganz anderen, viel gefestigteren Lebensweise gehören, zu der alten Bundesrepublik oder zur DDR. Also wo die Leute wirklich mit 15, 20 ihr Leben durchplanen konnten. Und heute ist es nicht mehr so. Die ganzen schweren Möbel unserer vorherigen Generationen sind schon jetzt eine enorme Belastung für Menschen, weil sie gar nicht mehr so ein gesetteltes Leben führen können. Und nicht jedes Mal einen Schwertransport organisieren wollen. Wir haben viele Singles, wir haben viele Leute, die ziehen zusammen und trennen sich wieder, müssen Familien über zwei, drei Haushalte organisieren. Es sind heute einfach andere Bedingungen. Viele Leute sind so froh, nur dass sie die Sachen los sind, dass sie sie verschenken können. Und auf dem Land ist es nicht so. Man hat viel größere Wege, man möchte nicht, dass die Nachbarn zu viel sehen. Weil es ja auch wirklich, gerade im Bereich der Geheimnisse, zu Konflikten kommen könnte. Man möchte auch nicht zu nah sein, weil man dann auch abhängig oder ausgeliefert wäre. Denn Nähe bedeutet Information, bedeutet, es könnte Klatsch geben usw.. Man baut viel mehr an einem Bild von einem, was die anderen haben, weil sie einen sozusagen ständig spiegeln. In Berlin versendet es sich, es diffundiert, es löst sich viel stärker im allgemeinen Getöse auf. Das empfinden ja auch sehr viele als angenehm am städtischen Wohnen, dass man sich nicht so von den anderen beobachtet fühlen muss, wie man es im Dorf tut. Und entsprechend gehemmter sind die Menschen in den Dörfern und haben ja auch ganz andere historische Erfahrungen.

Im Netz ist es erstmal oberflächlich. In dem Moment, wo man sich trifft und begegnet, ist es wieder die ganz normale menschliche Begegnung und es gibt solche und solche. Das Portal ist nur eine Möglichkeit der absoluten Vernetzung mit Leuten.

Schaufenster aus Harry Potter mit Daily Prophet Zeitungen und Bildern die sich bewegen

It’s magic:
Eine interaktive Zeitung à la Harry Potter

Auf der Titelseite des Tagespropheten – der größten und bedeutendsten Tageszeitung in der Magischen Welt – könnte heute folgende Schlagzeile pranken: “Die Geschichte von Harry Potter, unsere Geschichte, wird 20 Jahre alt!” – Hierzu natürlich ein Titelbild, das sich bewegt.

20 Jahre Harry Potter – Happy Birthday!

Denn am 26. Juni 1997 erschien der erste Harry Potter Band, mit welchem sich die Erfolgsautorin J.K. Rowling in die Herzen ihrer Leser zauberte. Der Fankult um den kleinen Zauberer ist bis heute nicht erloschen. Mittlerweile gibt es sogar schon ein Spin-Off der Potter-Abenteuer. J.K. Rowling hat eine faszinierende und bis ins kleinste Detail magische Welt erschaffen, in der nichts unmöglich scheint: vom fliegenden Trabbi bis zum Unsichtbarkeitsumhang, einem Liebestrank oder lebendigen Gemälden, die auf ihre Betrachter reagieren, ist alles dabei. Auch die Bilder des Tagespropheten, der Zeitung für Zauberer schlechthin, bewegen sich. Ähnlich wie GIF’s, kleine Videos in Dauerschleife, sind sie fester Bestandteil der haptischen Seiten. So schreit dem Leser beispielsweise Harrys Patenonkel Sirius aus dem Gefängnis von Askaban entgegen. Bilder, die nicht nur einen, sondern mehrere Momente festhalten, Gemälde, die mit dem Leser sogar interagieren – das ist Magie!

Next Generation Paper – gedruckte Bilder bewegen sich

Oder doch nicht? Eine Zeitung à la Harry Potter könnte tatsächlich auch in unserer Welt bald Realität werden. An der University of Surrey erforscht und bearbeitet Professor David Frohlich aktuell eine interaktive Zeitung, genauer gesagt ein “next generation paper”. Für dieses Projekt wurden ihm vom Research Council’s UK Digital Programme finanzielle Mittel in Höhe von 1.5 Millionen US-Dollar bereit gestellt. Viel Geld – doch die Bedeutsamkeit des Experimentierfeldes schwebt in ähnlichen Dimensionen.

Denn diese neue Form der Zeitung, der haptischen Seite im Allgemeinen, soll eine Brücke zwischen der physischen und digitalen Welt schlagen. Dabei geht es nicht nur um Zeitungen: auch Bücher, Poster oder allgemeine Dokumente und Bilder können digital verbunden werden. Bisher ist eine Verbindung von Gedrucktem und Digitalem via QR-Codes möglich. Werden diese mit dem Smartphone gescannt, so werden dem Nutzer online zusätzliche Informationen bereitgestellt. Das next generation paper soll Verknüpfungen zu sämtlichen Medien, wie TV, Smartphone, Tablet und Computer ermöglichen. Doch das Projekt geht noch einen Schritt weiter: Es setzt sich zum Ziel, digitale Inhalte und Medien unmittelbar in die Haptik einer Seite zu integrieren. Denkbar sind Videoclips, die sich bei der Berührung der Seitenoberfläche automatisch starten oder Sound-Effekte beim Umblättern derselbigen. Und auch die Interaktion mit Abbildungen auf dem Papier ist, wie bei den Gemälden der Geschichte von Harry Potter, möglich. In der Theorie funktioniert das, indem sich die in einer haptischen Seiten gelegenen Sensoren über Hyperlinks mit einem sich in der Nähe befindlichen digitalen Gerät verbinden und so Informationen rückkoppeln. So könnten nicht nur zusätzliche themenrelevante Informationen vermittelt, sondern mehr Sinne denn je angesprochen werden – neue Konsum- und Erlebniswelten entstehen.

Eine digitale Revolution

Professor Frohlich gibt Aussicht auf eine mögliche Revolution unseres bisherigen Mediennutzungsverhaltens: „We plan to give the physical paper a whole new lease of digital life. Elements of interactive paper have been around in prototype form for some time, but we hope our research will help create a mass market next generation paper for the 21 century.“

Wird eine derartige Innovation Realität, so hätte dies nicht nur Einfluss auf das Leseverhalten von Printmedien, sondern auch auf unser alltägliches Leben: man denke beispielsweise an interaktive und lebendige Werbeplakate, Einkaufszettel, Briefsendungen, Pizzakartons, Geburtstagskarten, ja sogar Restaurant-Menüs.

Falls ihr die ganze Magie nicht abwarten könnt: Facebook hat sich für heute eine kleine Besonderheit ausgedacht. Wenn ihr in eurem Status Stichworte wie „Harry Potter”, „Gryffindor“, „Slytherin“, „Hufflepuff“ oder „Ravenclaw“ eingebt, so werden die Namen farbig dargestellt. Wenn ihr dann auch noch auf einen der Begriffe klickt, so erscheint ein Zauberstab, welcher bunte Magie versprüht. Nettes Gimmick, aber da geht doch noch mehr – wir hoffen auf ein next generation paper.

Auch wenn eigentlich die Technik dahinter steckt, so würden wir dennoch das Gefühl haben ein klein wenig unseren Alltag zu verzaubern. Drücken wir die Daumen, dass das Projekt auf Erfolgskurs geht!

Bild: @flickr, Carol Smith

Konzert Bühne Fête de la Musique Berlin Menschenmasse

Die Fête de la Musique 2017 im Überblick:
digital und mit unseren Tipps für Berlin

Ob piano oder forte, ob Rock oder Pop, ob Solist oder Band, ob drinnen oder draußen, ob Profi oder Hobby-Musiker – bei der Fête de la Musique ist für jeden Geschmack etwas dabei! Alle Jahre wieder feiern Menschen weltweit, zum Sommeranfang am 21.06., das Fest der Musik, the Worldwide Music Day. In den Straßen der insgesamt 540 teilnehmenden Städte, davon 300 in Europa und 47 in Deutschland, finden sich Musikliebhaber zusammen und lassen sich von Klängen unterschiedlichster Natur treiben – den ganzen Tag, zum Nulltarif.

Auch Berlin zelebriert die Liebe zur Musik auf über 100 Bühnen in unterschiedlichen Spots, in allen 12 Bezirken der Stadt. In diesem Jahr sprechen die Veranstalter von einer Rekord-Beteiligung. So sind am Mittwoch über 25 neue Locations mit dabei. Da kann man schon einmal die Übersicht verlieren. Die kostenlose App FETEberlin (erhältlich für iOS und Android) versucht dem entgegenzuwirken. Wir haben sie getestet, verraten Euch, ob sich ein Download zur optimalen Vorbereitung auf Mittwoch lohnt und geben Euch alle weiteren Infos in die Hand, um den Tag musikalisch auskosten zu können.

App FETEberlin

Die App macht Angaben zur Geschichte des musikalischen Festes und klärt über die Regeln zur Straßenmusik auf: Wer darf wann, wie und was musizieren. Die integrierte FdM-Berlin Map verschafft dem Nutzer zunächst einmal einen Überblick über alle Bühnen sowie das jeweilige Programm vor Ort. Wird eine der Locations ausgewählt, so erhält man die wichtigsten Informationen: die Agenda, inklusive Uhrzeiten, Künstler sowie Angaben zum Gerne. Wer lieber direkt nach Bezirk, Bandname, Bühne, Stilrichtung (z.B. Hip Hop, Rock, Raggae, Indie) und/oder Eventart (z.B. Open Air, Indoor, Fête de la Nuit) filtern möchte, kann dies in einer gesonderten Suchmaske ebenfalls tun.

Die YouTube-Playlist FETE-Künstler 2017, auf welche die App verweist, ist gespickt mit den Musikvideos teilnehmender Künstler – so kann man sich bereits im Vorfeld erkundigen, welche Acts interessant und einen Besuch wert sind.

Mithilfe der App können sich die Nutzer einen guten Überblick über die musikalischen Highlights und die benötigten Informationen verschaffen – insbesondere für Kurzentschlossene eine schnelle und effektive Möglichkeit, sich musikalisch durch den Tag zu manövrieren. So findet jeder für seinen individuellen Musikgeschmack die richtigen Locations. Bedenken sollte man jedoch, wie bei allen Veranstaltungen dieser Größenordnung auch, dass in den Ballungszentren die benötigte Internetverbindung schwächeln kann.

Unsere Tipps für Eure Fête de la Musique 2017

Für den ersten Überblick geben wir euch schon einmal einige Tipps für die Fête de la Musique in Berlin mit. Bisher meint es der Wetterbericht gut mit uns, sodass sich die letzten Sonnenstrahlen beispielsweise gut im Birgit & Bier genießen lassen: Auf zwei Open Air Floors wird unter Beweis gestellt, dass auch an ein und demselben Standort unterschiedliche Geschmäcker auf ihre Kosten kommen können. So treten hier die Künstler The Blue Ones (Blues), Rosie and the Amateurs of Speed (Folk), B6BBO (Power Polka), SwingSchlampen (Swing), RasgaRasga (Gipsy, Balkan) sowie Mike Book, DirrtyDishes, Daniel Jaeger und Mr. Schug (Dance, Electro) auf.

Auch auf dem RAW-Gelände im “Badehaus x Cassiopeia Openair” gibt es einen bunten Musik-Mix: Von HipHop, Soul und Funk über Pop, Indie, Alternative oder Garage ist alles dabei.

Der Mauerpark ist jedes mal aufs neue Highlight der Fête de la Musique in Berlin. Im Programm der Red Bull Music Academy stehen Auftritte von Cuthead, Alis, Jameszoo, Dorian Concept, Thundercat und Flying Lotus. In der Vergangenheit besuchten die Mauerpark-Bühne ca. 15.000 Besucher. Leider bleibt uns dabei aber auch eine schlechte Nachricht nicht erspart: Kurz nach der Fête de la Musique beginnen im Mauerpark zwei Jahre andauernde Bauarbeiten. In diesem Zeitraum ist der Park zwar zugänglich, Veranstaltungen dieser Art können dort jedoch nicht mehr stattfinden. Ein Argument mehr, die Location auf dem Plan zu haben – so als Abschied.

Auch leise Töne

Fête de la Musique = laute Party-Sounds? Nicht nur! Schließlich lebt das Fest von seiner musikalischen Vielfalt! So kommen auch die leisen Töne nicht zu kurz. Wer möchte, kann sich zum Beispiel beim Event “Yoga meets Music at BeachMitte”, passend zum gleichzeitig stattfindenden internationalen Yoga-Tag, entspannen. Meditieren statt tanzen – auch das ist möglich.

Wer es lieber klassisch mag, sollte den Tag im Nikolaiviertel verbringen – hier spielen hauptsächlich traditionell klassische Musiker. Auch der Berliner Dom ist mit zahlreichen Chören ein geeigneter Anlaufpunkt – von Barock bis Filmmusik ist hier alles vertreten.

Bis die Wolken wieder lila sind

Um 22 Uhr muss das musikalische Erlebnis noch lange nicht vorbei sein. Beim sich anschließenden Fête de la Nuit kann bis in die Nacht hinein getanzt und musiziert werden. Insgesamt setzen 25 Standorte ihr Programm indoor fort, darunter: Gretchen, Yaam, Kesselhaus-French Night, Tresor Club, Ritter Butzke, Hafenbar Tegel, Mein Haus am See, Musik & Frieden sowie der Void Club Berlin.

 

Die Fête de la Musique Berlin – am Mittwoch, den 21.06.2017
Wetterprognose: sonnig, 25 Grad

– Musik in unseren Ohren!

 

Bild: @Fete berlin,  Fotograf: Dirk Mathesius