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Die Eismauer von Game of Thrones zum Artikel: Vom Teppich zum GoT-Mantel: IKEA macht einen Marketing Gag draus

Vom Teppich zum GoT-Mantel:
IKEA macht einen Marketing-Gag draus

Mit der kürzlich gestarteten und von vielen lang herbeigesehnten 7. Staffel von Game of Thrones, ist der Hype um die Serie wieder vollends entfacht. Nun tauchte ein altes YouTube-Interview mit der Chef-Kostümbildnerin auf, in dem sie verrät: Die zotteligen Mäntel der Nachtwache bestehen aus IKEA-Teppichen! Dies löste einen regelrechten Internet-Hype aus und verschaffte dem Möbelgiganten durch einen Marketing-Gag einen viralen Hit.

Kostümbildner bedienen sich in Teppich-Abteilung

Da staunten sowohl die Fans, als auch das schwedische Unternehmen nicht schlecht als die Kostümdesignerin verriet:  „Die Mäntel sind eigentlich Ikea-Teppiche. Wir nehmen alles, was wir kriegen können. Wir haben die Felle zerschnitten, neu zusammengefügt und mit Lederriemen versehen“. Dazu wurde der Zottel-Teppich außerdem gewachst und gefrostet. Beste Schauspieler, aufwendigste Kulissen und gigantische visuelle Effekte benötigten Millionen an Produktionskosten. Für das Kostüm von Jon Snow, zog man hingegen die verhältnismäßig günstigeren Schafsfelle „Skold“ und „Ludde“ heran.

Das entsprechende YouTube-Video mit dem Interview der Designerin im Getty Museum in Los Angeles, ist bereits über ein Jahr alt. Nun wurde es von den Nutzern entdeckt und verbreitete sich in den sozialen Netzwerken rasant.

Erfolgreicher Marketing-Gag mit Do-It-Yourself-Anleitung für einen Jon Snow – Mantel


IKEA berief daraufhin seine kernigsten, bislang typisch gelb-blau gekleideten, Mitarbeiter ein und degradierte sie, mit “Skold”-Teppichumhang als Verkleidung, zur Nachtwache. Die Fotos wurden auf Facebook geteilt. Zusätzlich reagierte das Möbelhaus auf den Internet-Hype mit einer Bastel-Anleitung zur Herstellung eines Nachtwachenmantels. Darunter – in Anlehnung an die Geschichte – folgender Spruch: „Sommer ist fast vorüber, der Winter kommt“. Ein Marketing-Gag, der den Verantwortlichen zahlreiche Likes und Shares einbrachte.


Eine andere Nutzerin nervt der ganze Rummel und fürchtet, dass sich der Hype überträgt:

Ob der selbstgebastelte Mantel aus der IKEA-Teppichabteilung allerdings alltagstauglich ist?

Das vollständige Interview, in welchem die Chef-Kostümdesignerin von Game of Thrones ihren Mantel-Insider verrät, könnt ihr euch hier anschauen:

Free the nipples: Eine liegende weibliche Silhouette, die sich die Hände vor die Brust hält

Free the Nipples:
Mit Kunst der Instagram-Zensur entgehen

Oberkörperfreie Männer sind auf Instagram zahlreich vertreten, oben ohne Fotos von Frauen eher seltener – diese werden zensiert. Nacktheit wird schnell als pornografisch empfunden, dabei kann sie sensibel und einzigartig schön sein. Die Kunst schafft nun unter dem Hashtag free the nipple nackte Tatsachen und zeigt, dass Brüste – ob nun groß oder klein, ob weiblich oder männlich – die schönste Leinwand der Welt sein können.

Nackte Doppelmoral auf Instagram

Ja – es gibt Millionen andere wichtige Themen auf dieser Welt als eine endlose Diskussion darüber, ob Nippel auf Instagram nun gezeigt werden dürfen oder nicht. Doch Gleichberechtigungs- und Gender-Fragen liegen auch vielen Nutzern, im wahrsten Sinne des Wortes, am Herzen. Schließlich zeigt sich Instagram mit seinen Richtlinien in Sachen Nacktheit nicht gerade fortschrittlich. Es mutet doch schon sehr skurril und antiquiert an, dass Männer auf dem Portal ihre Brustwarzen zeigen dürfen und Frauen nur nach einer Mastektomie und beim Stillen. Alles andere wird von dem Portal gelöscht. Auf Instagram gehen User wie auch Künstler mit dieser Einschränkung kreativ um und präsentieren auf ihren Accounts menschliche Kunstwerke – Nippelblitzer inklusive!

Free the nipples: Brustwarzen-Kunst auf Instagram

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Die Künstlerin Claudia Sahuquillo schmückt in ihrem Projekt „Skin is the new canvas“ (Deutsch: Haut ist die neue Leinwand) weibliche Körper mit Bodypaintings. Die Frauen sind nackt und wirken dennoch angezogen – jedoch nicht bekleidet sondern irgendwie umhüllt – in ihrer Natürlichkeit eingebettet. Damit zeigt Sahuquillo  die Ästhetik individueller Körper.

Kreative Instagram-Nutzer

Auf dem Instagram-Profil genderless nipples art findet sich eine Sammlung kreativer Brustwarzen-Kunstwerke. Ob mit oder ohne Piercing, ob behaart oder rasiert – hier werden Nippel bemalt, frisiert, umrandet und beklebt, was die Brust hält. Und jeder kann seinen Teil dazu beitragen, indem er oder sie die eigene Nippeltransformation einsendet.

 

Blitzeblank

Die Aktivisten versuchen es auf Instagram ebenfalls mit geschlechtsneutralen Brustwarzen. Dabei posten sie ausschließlich Nippel, die beispielsweise durch Zoom und Haarentfernung keinen Rückschluss auf das Geschlecht zulassen. Durch diese Reduzierung wird versucht, Instagram im Unklaren darüber zu lassen, ob es sich nun um männliche oder weibliche Brüste handelt. Durch die Verwirrung ist eine Zensur nach den Richtlinien der Plattform Ansichtssache.

Durch dieses – paradoxerweise – Nacktmachen sowie diverse Umstylings der intimen Zone, ensteht eine Legitmität für Instagram. Halleluja!

Aus“free the nipples“ ist eine ganze Bewegung  mit eigenem Instagram-Account geworden.

Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff

Artur Kowallick fotografiert mit Camera Minutera; Artikel über analoge und digitale Fotografie

„Eine andere Magie“:
Artur Kowallick über analoge und digitale Fotografie

Bildermacher – so nennt sich der Fotograf Artur Kowallick, welchen wir Euch bereits in dem Artikel Die Top 5 Instagram Fotografen aus Berlin vorgestellt haben. Bei ihm ist der Name Programm: Er macht Bilder – mit der Camera Minutera, einem alten fotografischen Apparat. Sie ermöglicht die mobile Aufnahme von Porträts auf der Straße. Die Fotos können in wenigen Minuten entwickelt werden. Die entstandenen Werke veröffentlicht Artur unter anderem auf seinem Instagram-Account. Uns erzählt er von dem Zauber, den diese Kamera umgibt und was analoge und digitale Fotografie voneinander unterscheidet. Der Fotograf liebt sein iPad und spricht der Digitalfotografie ihre Daseinsberechtigung zu, sieht aber in den haptischen Bildern eine alte neue Wertigkeit.

Was ist die Camera Minutera und wofür wurde sie ursprünglich hergestellt?

Die Camera Minutera  ist über 100 Jahre alt. Seitlich sieht man die die Originalfotografien aus den 40er Jahren in Südfrankreich. Ursprünglich kommt sie aus dem indisch-afghanischen Raum. Die Kamera hat schon mindestens zwei Kriege erlebt. Was die auch schon an Menschen gesehen haben muss. Und das finde ich so schön, dass ich jetzt auch ein Teil dieser Geschichte bin. Und die Kamera nicht zum Beispiel bei einem Sammler gelandet ist, sondern ich sie dafür nutze, wirklich auf der Straße Bilder zu machen. Sie wird heute noch in Indien und Afghanistan verwendet, um Passfotos zu machen. Früher wurden zum Beispiel Touristen fotografiert. Man hat ganz gezielt Touristenattraktionen gesucht und die Leute dann dort fotografiert. Ich kenne auch einen Fotografen, der wohnt in Paris und der stellt sich beispielsweise vor das Centre Georges-Pompidou. In Berlin darfst du das aber nicht. Ich würde keine Genehmigung bekommen mit dieser Kamera in Berlin zu arbeiten, weil ich dann genauso unter Straßenhändler falle. Und das finde ich so absurd, weil ich glaube, das wäre so eine Bereicherung für das Stadtbild, wenn man sich vor das Brandenburger Tor stellt oder irgendwo anders und die Leute fotografiert. Das ist ja nicht Trash. Ich finde es schade. 

Ich wollte schon immer so eine Kamera haben. Ich fand einfach die Idee schön, zu sagen, ich kann jetzt hier auf der Straße stehen und ich kann Fotos machen, sie entwickeln und dir gleich geben, ich kann im Dschungel sein, ich kann in der Wüste sein. Am Anfang dachte ich mir so: “die Kamera ist der Star”, was sie immer noch ist. Und dann habe ich aber gemerkt, dass es mir auch keinen Spaß macht, nur nette Bilder zu machen. Es wird immer mehr zu meinem Projekt.

Wie kommen die Fotografien bei den Menschen an?

Über 90 Prozent der Leute sind total happy mit diesen Dingern. Was für eine Faszination das ist, das ist ganz komisch. Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, sind da teilweise Trauben von Leuten, die da rumstehen und gucken und etwas über die Kamera wissen wollen.

Manchmal habe ich auch Leute, die als Zuschauer stehen. Ich nehme immer eine Person, die ich for free als “face of the day” fotografiere. Wenn mir ein Gesicht einfach auffällt. Und das sind Sachen, die immer 100 Prozent klappen. Einmal hat mich sogar ein Mädchen gefragt “kann ich face of the day bei dir werden”? Ich finde das so niedlich und auch die Begeisterung der Leute für dieses Analoge. Und vor allem: Das findet ja in dieser Kamera statt. Das heißt, die Leute wissen eigentlich gar nicht genau, also wenn sie sich damit nicht auskennen, was dort eigentlich passiert. Und du holst dann nach so zweieinhalb Minuten plötzlich ein Negativ heraus. Das wird dann noch einmal abfotografiert. Und insgesamt 5 Minuten später ist dieses Bild fertig. Egal ob das Kinder sind, Erwachsene oder Jugendliche, das hat einfach eine ganz andere Magie, als wenn ich ich zum Beispiel mit dem Smartphone jetzt ein Foto von dir mache, dir das schicke und auf Instagram packe. Und das ist auch so ein unmittelbarer haptischer Vorgang. Ich selber fühle ja, gehe in die Chemikalien rein. Du riechst es ja auch.

Analoge vs. digitale Fotografie: Was macht für dich den Unterschied aus?

Ein Hauptargument dafür, dass die Bilder anders aussehen ist, dass ich zum Beispiel ganz bewusst möglichst lange Verschlusszeiten wähle. Bei den ersten Fotografien hatte man zwischen 15 und 30 Minuten Belichtungszeit. Das heißt du musstest eine Position einnehmen, die du halten kannst. Und ich mache das auch so , dass ich zwischen einer und  vielleicht sechs Sekunden belichte, den Leuten ganz klar sage, sie sollen nicht lächeln, sie sollen straight in die Kamera gucken und sich möglichst auch dessen bewusst sein, dass sie fotografiert werden. Ein Selbstbewusstsein in einem anderen Sinne, im Sinne von sich seiner selbst bewusst zu sein. Und das ist ja etwas anderes, als wenn ich digital oder mit dem Handy knipse. Zwei Freunde fotografieren sich: Smiley machen, in die Kamera gucken und das ist nice. Wenn die Leute fragen, warum sie nicht lächeln dürfen, sage ich: “Wenn du so ein Foto möchtest, dann kannst du es mit deinem Handy machen”. Ich möchte ganz klar ein anderes Foto. Es macht ja keinen Sinn zu mir zu kommen und die selben Bilder zu machen, die ich selber eigentlich machen würde. Die Leute haben ja meistens auch eine Erwartung, ein Bild von sich wie sie glauben, auszusehen.  Und ich versuche da eigentlich ein bisschen gegen zu bürsten. Manche wissen im ersten Augenblick auch gar nicht so recht wie sie es finden. Dann sage ich: “gucke es dir Zuhause einfach mal in Ruhe an. Du wirst schon noch verstehen worum es geht”. Beim Digitalen ist es so, dass man viel zu viel macht, gerade was Instagram anbelangt: Es ist einfach inflationär. Wenn ich ein Bild betrachte oder poste, guck ich es mir – wenn überhaupt – fünf Sekunden an. In dem Augenblick habe ich schon wieder die nächsten 100 neuen Bilder, die kommen usw.. 

Du beschreibst, dass mit einem klassischen Fotoapparat oft mehr starke Bilder entstehen, als unter 1000 Digitalfotos zu finden sind. Woran liegt das?

Du hast in einem Film 36 Bilder, der auch was kostet. Das heißt du wirst dir, auch wenn du vielleicht nicht viel Geld hast, pro Monat beispielsweise vielleicht zwei Filme kaufen. Du weißt du musst mit diesen beiden Filmen klar kommen. Dann hast du ja immer noch zwischen jedem Bild dieses Transportieren. Das ist nicht nur einfach drauf los knipsen. Und dann ist der Film ja auch irgendwann einmal fertig und dann musst du, wenn du den abgibst, zwei, drei Tage warten oder du entwickelst es selber. Viele freuen sich so diebisch, dass sie warten müssen. Mir hat mal ein junges Mädchen gesagt: “Ich freue mich, dass ich wieder warten muss”. Die treffen sich ja teilweise zum Filme abholen und sind total happy, diese Papierbilder in der Hand zu haben. Das ist ja was anderes, wenn ich diese “real pictures” in der Hand halte, oder ob ich mich mit Freundinnen treffe und wir switchen jetzt mit dem iPad hin und her. Das kennt man auch von früher, von den Eltern zum Beispiel: Wenn man sich getroffen hat und Bilder angeguckt hat, wurden die Bilder so rumgereicht. Man kommt zusammen und sagt „hier guck mal da und dies und jenes“. Und du hast auch wirklich was in der Hand. Ich liebe auch mein iPad, aber das ist einfach was anderes. Was ich auch am Film mag, ist, dass du den ja entwickelst und dann machst du diese Dose auf und hast einfach ein Negativ in der Hand und nicht irgendeine Speicherkarte. Wenn man das Samsung-Handy aufschraubt, sind die Bilder ja nicht wirklich da. Solange du digitale Dateien nicht ausdruckst, ist das ja sowieso verloren, weil man das in so und so vielen Jahren wahrscheinlich gar nicht lesen wird. Ein Bekannter von mir, der auch Fotografie und digital unterrichtet, der rät: Gib jeden Monat 50 Euro aus und printe die Bilder aus. Mache wenigstens Ausdrucke daraus, sodass du wirklich was in der Hand hast, pack es in den Schuhkarton und vergiss es. 

Vielleicht bekomme ich nur zwei, drei Bilder, wenn überhaupt, vielleicht auch nur ein Bild. Und dann habe ich aber ein Bild, das meiner Meinung nach viel stärker sein wird, als wenn ich, was weiß ich, nicht wie viele Fotos mache. Weil es einfach wieder konzentrierter ist. Das heißt, du überlegst dir zwischen jeder Aufnahme: Drücke ich ab? Drücke ich nicht ab? Gerade die Beschränkung: Wenn du dir nur zwei Filme im Monat  leisten kannst, gehst du damit ganz anders um, weil das bekommt ja wieder einen Wert.

Denkst du, diese Art alte Fotografie zu nutzen, erlebt ihren zweiten Frühling?

Ja, es gibt einen ganz klaren Trend. Und wenn ich auch bedenke, wie viele, gerade auch junge Leute, wieder analog fotografieren. Zum Beispiel die Polaroid-Geschichte, aber auch mit normalen analogen Kameras, Mittelformatkameras, Kleinbildkameras. Es gibt auch sehr viele junge Leute, die das teilweise auf dem Flohmarkt kaufen, vom Opa oder Vater geschenkt bekommen und es einfach geil finden.

Woran liegt das?

Ich glaube, dass es auch etwas damit zu tun hat, dass die Fotografie eine lange Geschichte hat. Gut man kann sagen, das ist jetzt ein anderer Träger geworden. Aber es ist etwas anderes. Ich glaube, dass die das Gefühl haben, dass es so “real stuff” ist. Das ist wie wenn du mit einer Frau zusammen bist, die perfekt und schön aussieht oder eine Frau die natürlich ist. Ich würde mich nie in das Perfekte verlieben. Du hast eine Vorstellung, aber: Du lernst eine Frau kennen und dann denkst du dir irgendwie “die ist es”. Das ist dieses Authentische. Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol, es ist alles nur noch light und politisch korrekt und so weiter. Und Film hat ja auch so eine bestimmte Ästhetik und das gehört auch dazu. Beim Digitalen ist es, finde ich persönlich, sehr glatt. Und was ich ganz absurd finde ist, wenn Leute versuchen, mit irgendwelchen Photoshop-Plugins die analogen Filme zu simulieren, also das Korn, die Farbe. Aber da frage ich mich: Warum nehmen die denn nicht den richtigen Film? Wenn ich es fake, ist es ja nicht das Richtige. Das versucht was zu imitieren, was es nicht ist. Mich hat einmal ein Bekannter gebeten, ob ich für ihn eine Belichtung machen kann, dass er eine graue Fläche fotografiert hat, dass er das Korn nehmen kann von dem Film, um es über seine digitalen Bilder zu legen. Ich habe gesagt: “Warum fotografierst du denn nicht auf Film?”. Da hat er keine Zeit. Ich finde, wenn es digital ist, dann kann es doch digital aussehen. Dann hat das einen bestimmten digitalen Look. Dann ist es ja auch okay. Das wäre genauso, wie wenn du anders herum versuchen würdest, analog digital zu imitieren. Das ist einfach nicht das Richtige. Es ist ja was Haptisches und im Labor riecht es nach Entwickler, nach Fixierer, du arbeitest bei so rotem Licht und entwickelst zum Beispiel deine Filme und nimmst sie aus der Spule raus und hast dann diese Negative. Ich mache das ja 30 Jahre, aber ich finde es immer noch magisch.

Ich habe auch die Serie “happy client”, worauf man ein wenig dieses vorher/nachher und den Vergleich zwischen digitalem und analogem Foto sieht. So sehen die Leute in real aus. Ich finde es auch schön, wenn ich diese Repro mache, dann hat man auch noch diesen Rahmen von den Repro-Stellen noch zu sehen. Das heißt, man hat praktisch so ein Bild im Bild. Und es ist dann auch wirklich nur mit dieser Kamera gemacht worden und nicht mit anderen. Dann hat es noch einmal sowas Einmaliges. Das Schöne bei den Kameras ist auch, dass sie nicht in Serie gebaut wurden. Das heißt, es gab dieses Modell wirklich nur einmal. Es gibt keine Marke.

Findest du auch, dass die Kamera bestimmte Charakterzüge herauskitzelt – obwohl sie nicht wie die hochauflösenden aktuellen Apparate arbeitet?

Ja, es bekommt eine ganz komische Tiefe finde ich. Ich bin oft wirklich baff, ehrlich gesagt. Ich weiß eigentlich vorher, ob es gut wird, aber wie es dann 100% konkret aussieht, lässt sich sehr schwer abschätzen. Es verstärkt so sehr Charaktere und wirkt fast so, als ob es gemeißelt wäre. Es hat so eine ganz andere Präsenz.  Beim Digitalen müsstest du das erst manipulieren oder nachträglich was rausholen. Ich finde es aber auch schön, dass du die Bilder nicht manipulieren kannst. Die kommen so raus wie sie rauskommen. Ich kann sie vielleicht ein bisschen heller oder dunkler machen, wenn ich will. In der Dunkelkammer kann ich aber nicht wie bei Photoshop einzelne Partien bearbeiten. Das Bild kommt so raus wie es ist. Bis zu einem gewissen Grad bin ich offen für Kritik, wenn jemand sagt es gefällt ihm nicht. Dann mache ich es auch noch einmal. Aber ab einem gewissen Punkt sage ich den Leuten “es ist so wie es ist”. Jeder hat eine Vorstellung davon, wie man aussehen möchte, wo man sich gut fühlt, wo man seine Schokoladenseite hat.  Man möchte einfach einem Bild entsprechen, dass man von sich hat. Und ich sage häufig zu den Leuten, dass sie das möglichst als Bild, als eigenständige Fotografie sehen sollten und nicht unbedingt als Bild von sich selbst. Dann kriegst du glaube ich mehr Abstand zu dem, was du dort siehst und kannst es glaube ich auch eher annehmen. Ich habe einmal einen Mann fotografiert, der sich sein Foto angeguckt hat und meinte: “Sehe ich wirklich so aus?“ Also er sah auf dem Foto wirklich fertig aus. Er sah grundsätzlich fertig aus, aber auf dem Foto sah er noch 10 Jahre fertiger aus. Aber ich habe ihm auch gesagt “guck es dir Zuhause ab und zu mal an. Das Bild ist viel stärker als du”.

Und so ist es bei vielen dieser Fotos. Die Fotografien sind stärker. Das heißt nicht zwangsläufig, dass die Leute diese Präsenz im wirklichen Leben haben. Aber in diesem Moment bekommen sie mit dieser Kamera diese Präsenz, diese Kraft und diesen Ausdruck. Den müssen sie nicht zwangsläufig haben und das müssen sie auch gar nicht sein. Und das finde ich faszinierend, dass ich praktisch damit die Leute irgendwie überhöhe und zu etwas mache, was sie, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar nicht sind. Das ist ganz eigenartig, aber es funktioniert irgendwie. Und das liebe ich.

Das ist das Interessante. Wenn man Fotos bekommt, so wie man aussieht: Das macht ja keinen Sinn, finde ich. Also wenn ich das als Fotograf mache. Wenn ich Schnappschüsse für meine Freundin oder meinen Freund mache, dann ist das ja auch gut. Dann muss es ja nicht mehr sein. Aber wenn du nachher auf den Bildern etwas siehst, was viel stärker ist als was du sonst glaubst. Irgendwo bist du das ja auch. Ich verstehe immer nicht wie das funktioniert, aber es ist so. Manchmal komme ich mir bei meiner eigenen Arbeit auch so vor, dass es eher mit Modellieren zu tun hat. Ich arbeite ja auch viel mit Tänzerinnen und Schauspielerinnen zusammen. Dadurch arbeitet man auch sehr körperlich. Ein Tänzer reagiert ganz anders als ein Normaler. Wenn man digitale Fotos machen würde, würdest du ständig alle paar Schüsse mit dem Modell auf das Display, den Rechner gucken und würdest gleich korrigieren usw.. Und so passiert es einfach. Man arbeitet drei, vier Stunden und hat erst einmal null Ergebnisse. Das heißt, du siehst gar nichts – außer, dass ich weiß, dass es im Kasten ist – aber auch wieder nicht. Und dann dauert die Entwicklung manchmal drei oder sechs Monate.

Es ist nicht das Eins zu Eins. Es geht darum, andere Ergebnisse zu bekommen.



Titelbild: @Andreas Waldeck

Bilder aus Emojis: Porträt von Rihanna aus Emoticons

Yung Jake bastelt Bilder aus Emojis.
Probiert selbst!

Wer künstlerisch aktiv ist und ein leeres Blatt füllen möchte, greift zu Stift, Pinsel, Feder und Co.. Doch habt ihr auch schon einmal mit Emoticons per Mausklick gemalt? Der amerikanische Künstler und Rapper Yung Jake macht es vor und gestaltet Starporträts komplett aus Emojis. Mit dabei sind unter anderem: Sängerin Rihanna, It-Girl Kim Kardashian, Rapper Wiz Khalifa und Comedian Jerry Seinfeld.

Miley Cyrus: Eine Ansammlung von Tieren, Nahrungsmitteln und Warnsymbolen

Jake sucht und platziert die kleinen Bildchen nicht zufällig, sondern mit Bedacht sowie hin und wieder mit einem zwinkerndem Auge. So besteht die Zunge von Miley Cyrus beispielsweise aus vielen kleinen Schweinen. Von süßen Tieren, über Cookies, bis hin zu Warnschildern und “vs.-Zeichen” nutzt er die Bandbreite der Emoticons, um dem Imagewandel der Sängerin und Skandalnudel gerecht zu werden.

Schon im 16. Jahrhundert gestaltete der Renaissancekünstler Giuseppe Arcimboldo seine Werke auf ähnliche Art und Weise. Die Bilder setzen sich aus Obst, Gemüse und Pflanzen zusammen. Bei Arcimboldo wird die Nase zur Kartoffel, bei Yung Jake zum Smiley.

Bilder aus Emojis online zeichnen

Jakes Werke entstehen mit Hilfe der Website Emoji.ink. Dort kann der Nutzer aus zahlreichen Piktogrammen und Symbolen wählen und drauf los basteln. Sogar die Größe kann individuell bestimmt werden. Nur im Internet Explorer funktioniert das Malprogramm leider nicht.

Wir von NeoAvantgarde haben es auch mal ausprobiert.

Bilder aus Emojis: neoavantgarde Logo aus Emojis mithilfe der Website Emoji.ink.

Die Emoji-Kunst von Yung Jake könnt Ihr auf Digg.com sowie auf seinem Twitter-Account bestaunen.
Titelbild: @Yung JAke

Graffiti zeigt Frau mit Sonnenbrille

Regen, Sonne, Regen, Sonne:
Hauptsache Sommer in Berlin

Graffiti – ist das nun Kunst oder kann das weg? Da spalten sich die Geister. Wir finden: Was schön aussieht, soll stehen bleiben. Denn Kunst an Häuserwänden verschönert oft nicht nur die graue Tristesse eines längst sanierungsüberfälligen Gebäudes, sondern transportiert auch Vibes, nach denen wir manchmal verzweifelt suchen. Zum Beispiel den Geschmack von Sommer. 2017 gehört nicht zu den „6-Wochen-40-Grad-Am-Stück“-Jahren. Überflutungen, Gewitter und viel zu graue Wochenenden lassen uns in Urlaubserinnerungen schwelgen und schüren vor allem eins: Sommerweh. Dabei versteckt die Stadt mit ihrer Kunst so viele Sommerdetails, denen das Wetter ziemlich egal ist. Das erkennen auch die aufmerksamen Instagrammer. Wir zeigen euch unsere 5 liebsten Streetart Motive, bei deren Anblick der Sommer in Berlin immer um die Ecke lauert.

Streetart Berlin beweist: Sommer ist, was in deinem Kopf passiert!

Berlinstreetartguide zeigt Flamingo Graffiti
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Aruba-Feeling am Nordbahnhof: Blauer Himmel, Sonnenschein und der derzeit sehr beliebte und omnipräsente Flamingo aus der Karibik – und das mitten in der Stadt. Wir freuen uns über die Besiedlung des Flamingos im mitteleuropäischen Großstadtraum.

Berlinstreetartguide zeigt Eis Graffiti
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Solero XXL: Wo Eiscreme ist, da ist auch Sommer. Und wo das Eis glücklich aussieht, ist der Sommer besonders schön – ob im Regen, bei Sturmflut oder im Gewitter.

Berlinstreetartguide Graffiti zeigt Person, die sich erfrischt
Quelle: @berlinstreetartguide (Instagram), berlinstreetart.com

Kopfüber und verkehrt herum? Sieht auf jeden Fall ganz nach einer gelungenen Erfrischung in der Kreuzberger Hitze aus. Da bekommen wir direkt Lust auf Siesta!

Graffiti aus dem Teufelsberg zeigt schwimmenden Elefanten
Quelle @ninuda (Instagram)

Graffiti Museum auf dem Teufelsberg: Da freut sich ein Elefant über seine Abkühlung im kalten Wasser, bevor er wieder in die staubtrockene Savanne auftaucht. Sowieso ist man auf dem Teufelsberg der Sonne immer ein Stück näher.

Graffiti zeigt tanzende Frau in Berlin Mitte
Quelle @neoavantgarde

Von wegen Festivals und Open Airs fallen bei schlechtem Wetter ins Wasser: Ein Graffiti bei uns um die Ecke beweist das Gegenteil. Wer Sommer im Herzen hat, der tanzt auch bei Regen. Davon schneiden wir uns gerne eine Scheibe ab.

…und davon gibt es sicher unzählig viele Kunstwerke. Auch wenn Graffities natürlich – so wie alles – bei Sonne am schönsten anzusehen sind, treffen wir sie auf unseren Wegen das ganze Jahr über. Was sagt uns das? Der Sommer ist überall, man muss nur genau hinsehen.

Habt ihr Lust auf mehr Streetart? Dann schaut euch unseren Artikel zum App GIF-ITI Viewer an!

Digitales Schachbrett auf der Documenta 2017

Documenta 2017: Eine digitale Schachpartie
zwischen Athen und Kassel

Schachmatt – heißt es auf der Documenta 2017. Zum ersten Mal findet die Ausstellungsreihe in zwei Städten statt – Kassel und Athen. Wir berichteten bereits darüber. Der Künstler Bili Bidjocka thematisiert diese Aufteilung spielerisch in seinem Werk “The Chess Society”. Darin lässt er die Städte in einer Schachpartie gegeneinander antreten. Auch ihr könnt mitspielen, denn: Das Duell ist webbasiert.

Ein Flop unter dem Weihnachtsbaum

Bili Bidjocka ist ein zeitgenössischer Künstler, der für seine Skulpturen und Installationen bekannt ist. Geboren ist er in Kamerun, aufgewachsen in Frankreich – wo er auch heute noch arbeitet. Darüberhinaus hat es den Künstler nach Brüssel und New York verschlagen. Einige seiner Werke stellte er bereits im „New Museum of Contemporary Art“ aus. Bili Bidjocka kam schon früh und zunächst unfreiwillig mit dem Strategiespiel in Verbindung. Die Überraschung und Enttäuschung war groß, als er und sein Bruder in Kindertagen ein Schachspiel als Weihnachtsgeschenk erhielten. Sie kannten weder die Regeln, noch wussten sie so recht etwas anderes damit anzufangen. Doch die beiden freundeten sich zunehmend mit einem Match an und spielten hin und wieder eine Partie. Das digitale Schach-Kunstwerk widmet Bili Bidjocka seinem Bruder.

Die Installation einer virtuellen Schacharena

Den Eröffnungszug der Kunstausstellung, im Rahmen der Documenta 2017, durfte Athen setzen. Dort ist die Installation mittlerweile beendet. In Deutschland kann das Duell nach wie vor in einer Industriehalle auf dem Gelände der Universität Kassel bestaunt werden. Die Installation setzt sich aus mehreren Elementen zusammen. Auf einem Vorhang aus Fäden ist zu lesen: “J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage“ (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann). Hinter dem Schleier verbirgt sich ein abgedunkelter Raum mit einem tiefschwarzen Wasserbecken. In dessen Mitte wird ein gigantisches Schachspiel projiziert. Es scheint, als würde das Brett auf der Wasseroberfläche schweben. Wer den Prozess live vor Ort nicht nur beobachten, sondern selbst in den Genuss einer Partie kommen möchte, kann sich in einem abgetrennten Bereich an echte Schachbretter setzen.

Documenta 2017: Online-Demokratie am Zug

Das digitale Spielfeld speist sich aus den virtuellen Zügen, die Nutzer aus Athen und Kassel, beziehungsweise Griechenland und Deutschland, auf der Website von “The Chess Society” bestimmen. Alle 24 Stunden hat man die Möglichkeit, den nächsten Zug anzubieten. Die finale Handlung richtet sich dann – ganz demokratisch – nach der Mehrheit der Vorschläge. Die bisherigen Sätze und Ergebnisse sind ebenfalls im Internet einsehbar. Zusätzlich können sich die Nutzer austauschen und das Spiel in einem Chat kommentieren. Runde eins hat Athen gewonnen. Das zweite Match endet heute. Also haltet Euch ran und entscheidet die aktuelle Partie für Kassel.

Digitales Schachbrett auf der Documenta 2017
Bili Bidjocka, The Chess Society J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann), 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht, Gottschalk-Halle (Universität Kassel), Kassel, documenta 14, © Bili Bidjocka/VG Bild-Kunst, Foto: Mathias Völzke

 

Installation The Chess Society Schachbrett in Bonn
Bili Bidjocka, The Chess Society
J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage
(Ich glaube, es gibt eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen Schwarzen, der putzt), 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht, Hochschule der Bildenden Künste Athen (ASFA) – Pireos-Straße („Nikos-Kessanlis“-Ausstellungshalle), documenta 14 © Bili Bidjocka/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Stathis MamalakisBead curtain, chess board, chess tables, chairs, chess pieces and clocks, web-based game

 

Titelbild: @Bili Bidjocka, The Chess Society
J’ai l’impression qu’il y a une histoire d’amour entre la fille de salle et le grand noir qui fait le ménage (Ich habe das Gefühl, es besteht eine Liebesgeschichte zwischen der Kellnerin und dem großen schwarzen Putzmann), 2017, verschiedene Materialien, Installationsansicht, Gottschalk-Halle (Universität Kassel), Kassel, documenta 14, © Bili Bidjocka/VG Bild-Kunst, Foto: Mathias Völzke

Gitarrist und Musiker auf Bühne mit Smartphone gefilmt zum Artikel: Jeden Tag ein neues Musikvideo dank künstlicher Intelligenz

Jeden Tag ein neues Musikvideo
durch künstliche Intelligenz

Ihr neues Musikvideo zur Single Dig Down hat die britische Rockband Muse mit Hilfe einer künstlichen Intelligenz generieren lassen. Es ist damit der erste Musikclip dieser Art. So werden Obama, Clinton, Trump, Snowden, David Bowie, George R.R. Martin, ein Sky-Reporter sowie Kate und William Teil von ein und der selben Darstellung, die sich jedoch jeden Tag wandelt. Das erste Artificial Intelligence Musikvideo nutzt die neue Technologie und huldigt damit die gegenwärtige Remix-Kultur.

Ein Computer als Regisseur

Das Lyric-Video setzt sich aus zahlreichen Videoausschnitten und Soundschnipseln aus dem Internet zusammen. Diese wurden aus hunderten Stunden Videomaterial ausgewählt und in die neueste künstliche Intelligenz Software eingespeist. Unter den zusammengepuzzelten Szenen befinden sich unter anderem Nachrichtensendungen, Pressekonferenzen von Politikern, Interviews mit Prominenten oder diverse Youtube-Clips. Die Software wählte die Clips vor allem nach gesprochenen Wörtern aus, die im Text von Dig Down vorkommen. Im Anschluss wurden die Ausschnitte maschinell so aneinandergereiht, dass das Video und der originale Songtext im Takt aufeinanderpassen.  In Dig Down wird dadurch jedes Wort von einer anderen Person gesprochen. Statt der Stimme des Frontmanns Matthew Bellamy, füllen Stars und Politiker den Liedtext in einer Playback-Version des Songs. Die künstliche Intelligenz merkt sich diesen analytischen Prozess und kann ihn problemlos sowie abgewandelt wiederholen. Weil das so einfach ist, erscheint nun jeden Tag eine neue Version des Musikvideos – quasi immer wieder exklusiv.

Remix-Kultur durch automatisierte Produktion

Muse’s neues Musikvideo reiht sich in die heutige Remix-Kultur ein. Zwar gibt es auch ein klassisches Musikvideo zur Single, mit der Online-Variante gibt die Band jedoch einen Teil des künstlerischen Schaffens in die Hände eines Computers. An dem Video war weder ein Regisseur noch ein Drehbuchautor beteiligt. Laut eines Statements des Artificial-Intelligence-Entwicklers Branger Briz, ist es den Machern ein Anliegen ”eine öffentliche Debatte über die Vorteile und Gefahren dieser neuen und unglaublich einflussreichen Technologie zu führen”.

Bild der Selfie Ausstellung London

Von Rembrandt bis Kardashian:
Eine Selfie Ausstellung

Selfies umgeben uns tagtäglich. Selbst wenn wir keine schießen, sehen wir zumindest an jeder Ecke immer wieder einen Smartphone-Besitzer in typischer Selfie-Pose. Umso verwunderlicher, dass ein Museum in London nun die weltweit erste Ausstellung über das Selfie initiiert hat. Angefangen von den Selbstporträts der alten und ebenso berühmten Maler, über Alltags-Aufnahmen und Fotografien zeitgenössischer Künstler, bis hin zu den Promi-Selfies à la Kim Kardashian – die Ausstellung „From Selfie to Self-Expression“, gibt einen spannenden Einblick in die Geschichte des Selbst- und Fremdbildes.

Gab es das Selfie schon immer?

Einer der bedeutendsten und berühmtesten Maler des Barocks, Rembrandt van Rijn, fertigte zahlreiche Selbstporträts an – mit unterschiedlichen Gesten, Gesichtsausdrücken, Kulissen, Rollen und Farben. Mal als Radierung, mal als Zeichnung. Warum tat er das? Wahrscheinlich hatte er eine ähnliche Intention wie die meisten Smartphone-Nutzer des 21. Jahrhunderts, die dem Selfie zwar zunehmend kritisch gegenüber stehen, aber am Ende doch nicht die Finger davon lassen können: Sich selbst inszenieren, ein Denkmal setzen, Erinnerungen festhalten, der Außenwelt das Selbstbild präsentieren oder es gar abändern und so die eigene Wahrnehmung der Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Vielleicht aber auch einfach nur, um sich selbst zu finden?

From Selfie to Self-Expression

Jeden Tag werden ca. 93 Millionen Selfies geschossen. Damit sind die Smartphone-Bilder fester Bestandteil unserer visuellen Landschaft. In London präsentiert nun die Saatchi Gallery, eines der wichtigsten Museen für zeitgenössische Kunst, die erste Ausstellung weltweit, welche sich mit der Geschichte des Selfies befasst. Mit der Expression „From Selfie to Self-Expression“ hebt die Galerie Smartphone-Fotografien damit in künstlerische Sphären. Aufgrund des großen Besucherandranges und der vielen Interessenten, wurde die Schau bereits zum zweiten Mal verlängert. Noch bis zum 06. September kann auf zwei Etagen kostenlos die Welt der Selbstinszenierung bestaunt werden. Außerdem wird auf die medialen Effekte in den Bereichen Gesellschaft, Politik und Konsum eingegangen.

Die Ausstellung zeigt sowohl die alten Werke berühmter Künstler wie Frida Kahlo, als auch zeitgenössische Selfie-Kunstwerke. Die Art der Präsentation zieht sich wie ein roter Faden durch die Räume. Jede Abbildung ist in den typischen schwarzen Instagram-Rahmen, inklusive Like-Button eingebettet. Diesen kann der Besucher, wie im virtuellen Raum auch, je nach Geschmack betätigen. Bei den Gefällt mir Angaben lag Frida Kahlos „Selbstporträt. Gewidmet Dr. Eloesser“ von 1940 zeitweise ganz vorne. Die Ausstellung macht den Facettenreichtum von Selbstbildnissen sichtbar und begegnet diesen ganz offen. Von ironischen, ernsthaften oder waghalsigen Bildern, bis hin zu durch die Presse gejagten Promi-Gruppenselfies ist alles dabei. Ähnlich wie bei Rembrandt variieren auch hier die Darstellungsformen: Es wird mit zahlreichen Video-Installationen, Statuen, Porträts und natürlich Fotografien gearbeitet. Indem Nutzer ihre Selfies mit zahlreichen Filtern und Bearbeitungen überoptimieren, werden diese zunehmend zu einem Konstrukt und einem Werk. Einer der Unterschiede zu den alten Gemälden liegt darin, dass sich die Selbstdarstellungen massenhaft reproduzieren und teilen lassen. Christopher Bakers Installation „Hello World! Or: How I Learned To Top Listening And Love The Noise“ zeigt tausende von Online-Video-Tagebüchern, verteilt über drei gewaltige Leinwände, die die Bilderflut 2.0 unterstreichen. Die Ausstellung zeigt, dass Selfies in ihrer Grundform nicht unbedingt etwas Neues sind. Die Menschen porträtieren ihr eigenes Ich schon seit Jahrhunderten.

Durch einen Wettbewerb zum Galeristen werden

Im Jahre 2017 kann im Prinzip jeder Smartphone Besitzer zu einem Selfie-Kreateur werden. Diesem Motto folgend, startete die Galerie gemeinsam mit dem Sponsor der Ausstellung Huawei den Wettbewerb „#SelfExpression“. Im Rahmen dessen wurden insgesamt ca. 14.000 Smartphone-Bilder aus 113 Ländern eingereicht und die besten 10 künstlerischen Smartphone-Bilder ausgewählt. Der Gewinner hat die Aussicht auf eine eigene Ausstellung in der Saatchi Gallery. Dies entspricht dem Leitgedanken des Museums: Die Kunst einer breiten Masse zugänglich machen. Das Rennen machte Dawn Woolley aus Cambridge. Der Künstler fotografierte sich selbst im Bikini, reproduzierte sich und legte sich mit dem Ausschnitt seiner selbst in anziehender Pose auf eine Wiese. Diesen Moment hielt er wiederum auf dem Sieger-Selfie fest. Dawn beschreibt seine Arbeit und die Idee dahinter: “In the work I create a photographic copy of myself and place it in the real world instead of me. By creating artwork that establishes me as an object it could be argued that I produce photographs that reinforce stereotypical images of the female body, but with apparent exhibitionism. I create a substitute that renders my real body invisible”.

Mit sich selbst führt man die längste Beziehung

Selfies – gab es es sie nicht schon immer? Sind die alten Porträt-Malereien berühmter Künstler nicht auch irgendwo Selfies? Können Smartphone-Bilder Kunst sein? Und kann eine Selbstpromotion Kunst sein? Oder sind Selbstdarstellungen am Ende immer nur kommerzialisierte und das Ego polierende Profilierungen? Darauf gibt die Ausstellung keine direkten Antworten. Viel mehr regt sie zu weiteren Fragen an. Zumindest haben die Self-Expression-Selfies der Smartphones und die Selbstporträts der alten Meister einen gemeinsamen Nenner: Sie drehen sich um das Bedürfnis nach Selbstdarstellung, dem Umgang mit der eigenen Identität und der ewigen Suche nach Antworten auf die Fragen: Wer bin ich und wer will ich sein?

Titelbild:

Juno Calypso
Honeymoon Suite
2015
Archival Pigment Print
52 x 102 cm
Edition of 5 + 2 AP
Image courtesy of the artist
and TJ Boulting Gallery
Schwarz weiß Porträt zum Artikel Top 5 Instgram Fotografen aus Berlin

Die Top 5 Instagram Fotografen aus Berlin

Berlin ist vieles, nur nicht langweilig. Die Stadt und ihre Menschen sind kreativ und wandelbar wie ein Chamäleon. Kein Wunder also, dass sich die Berliner Instagram Fotografen von ihrer Umgebung inspirieren lassen. Ob professionell oder auf dem täglichen Weg zur U-Bahn, zeigen sie das Großstadtleben in all seinen Facetten und teilen ihre Berlin Fotografie mit der Netzgemeinde. Wir haben für Euch 5 der besten und interessantesten Künstler auf Instagram ausfindig gemacht.

Artur Kowallick: Instagram Charme mit historischer Kamera

Der Fotograf Artur Kowallick zeigt, wie alte und neue Medien Hand in Hand gehen. Auf seinem Instagram-Account finden sich Fotografien, welche mit einer originalen Camera Minutera geschossen wurden. Mit dem historischen Aufnahmegerät haben Fotografen im letzten Jahrhundert in vielen Ländern versucht, Kunden auf der Straße zu gewinnen. Denn die Kamera ermöglicht die Erstellung von großformatigen Porträts in kurzer Zeit. Mit seinem Instagram-Account gibt er der alten Handwerkskunst eine Plattform und ruft die einzigartige Schönheit dieser Aufnahmen ins Gedächtnis der Betrachter zurück. Im Fokus der Ablichtungen steht allein die jeweilige Person. Und dennoch erzeugen die Werke durch ihre Machart einen Charme und zeigen Persönlichkeiten – klar und doch tiefgründig. Wer möchte, kann auch sich selbst mit der Camera Minutera ablichten lassen. Auf Instagram ist auch ein Blick hinter die Kulissen möglich. Der Fotograf postet Bilder von seinem Marktstand und dem Handwerkszeug, das es für die Entwicklung braucht.

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Jörg Nicht: Alles eine Frage der Perspektive

Jörg Nicht lässt sich von Spiegelungen und Geometrie inspirieren. Auf seinem Instagram-Account experimentiert er mit Licht, Schatten, Perspektive und Bildsprache. Durch seine Fotografien kann man Berlin aus einem ganz neuen Blickwinkel erleben. Das Thema seiner Bilder sind die Bewegungen der Großstadt und ihrer Menschen. Als Motiv wählt er häufig lange Gassen, Straßenbilder und Gebäude unterschiedlicher Art. Selbst bekannte Sehenswürdigkeiten erhalten durch die interessanten Blickpunkte eine neue Eigenheit.

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Konrad Langer: Das i-Tüpfelchen der Berlin Fotografie

up and away w/ @vomstreunern – #berlin #socialnetwalk @shutocrew

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Architektur wird in den Bildern des Ur-Berliners Konrad Langer groß geschrieben: Berliner Häuser, Wolkenkratzer, alte und neue Gebäude – grau, bunt, klein, groß, davor, darunter und dazwischen. Mit dabei sind auch Motive anderer Städte wie München, Cottbus oder Chicago, doch sein Lieblings-Hashtag ist und bleibt #Berlin. Was besonders auffällt: Bewegung findet man hier kaum. Dafür können Besucher in den zahlreichen Betonlandschaften immer mal wieder, scheinbar wohl platziert und doch irgendwie spontan, eine junge Frau entdecken. Na gut, manchmal auch eine männliche Person. Menschen werden in jedem Fall spärlich eingesetzt, so als wären sie das i-Tüpfelchen architektonischer Meisterwerke.

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Michael Schulz: Mit Liebe zum Detail

Stay gold. #Berlin

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Ob Konfetti auf nassem Asphalt, Bewohner auf der Fensterbank des dritten Stockes, eine All-Hausfassade oder ein Mann, verloren auf dem Rasenmäher eines Fußballfeldes: Die Bildlandschaften von Michael Schulz sind detailverliebt. An jeder Ecke gibt es Neues zu entdecken. Wie Forrest Gump schon zu pflegen sagte, erkannte auch Schulz, dass das (Berliner) Leben wie eine Pralinenschachtel ist. Von beeindruckenden Landschaften, über Wolkenkratzer, bis hin zu den Geschichten kleiner Hinterhöfe, ist alles dabei. Zwar finden sich hier auch viele schöne Reisefotos, doch mit den Bildern Berlins zeigt er, wo das Herz der Stadt pulsiert.

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Benyamin Rahmani: Zwischen Kaisers und Museen im Großstadtdschungel

Benyamin Rahmani ist mittendrin im Großstadtdschungel. Zwischen einer vollkommen überfüllten U-Bahn, der Tristesse unterirdischer Kanäle, einem bunten Straßenleben, den grünen Ecken Berlins, zwischen Museen und einem Supermarkt, fängt der Fotograf tolle Momentaufnahmen ein. Dafür greift er vereinzelt auch zur Bildbearbeitung. Wenn er nicht gerade über Berlin postet, dann veröffentlicht der Künstler auch Porträts und travel photography. Da stellt sich eigentlich nur noch die Frage, warum er noch so wenig Follower hat. Wir finden: Daumen hoch!

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Titelbild: @Artur Kowallick