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Drehort Herr der Ringe zum Artikel: Andrea David über Ihren Reiseblog: Die Welt der Drehorte

Andrea David über ihren Reiseblog:
Die Welt der Drehorte

In welchen Berg wirft Frodo den Ring der Ringe? Ist es wirklich so kalt in Winterfell? Von welchem Dach sprang James Bond? Und auf welcher Feuerleiter küssten sich Julia Roberts und Richard Gere im Happy End von Pretty Woman? Andrea David geht diesen und vielen weiteren Fragen auf ihrer Website und ihrem Reiseblog “Filmtourismus – Die Welt der Drehorte” nach. Mit dem Projekt verbindet die studierte Tourismusmanagerin ihr Interesse für fremde Orte und Länder mit ihrer Leidenschaft für Filme. Vom Großstadtrevier, über Walking Dead und Pumuckl, bis hin zu Game of Thrones : Andrea David sammelt seit 2014 in einer Art Online-Datenbank Drehortinfos zu mittlerweile mehr als 500 Filmen und Serien. Und die Reise geht weiter. Uns hat sie von der Idee erzählt und verrät wie magisch Filmorte wirklich sind.

Welche Filmschauplätze gehören zu deinen Lieblingsdrehorten und warum?

Besonders spannend finde ich die Orte, die auch nach Jahrzehnten noch Filmfans anziehen, zu meinen Favoriten gehören daher das Hotel aus „Dirty Dancing“, die Kleinstadt in der „Rambo“ einst einen Krieg mit dem Sheriff führte, und der Ort, in dem „Grüne Tomaten“ gedreht wurde. So unterschiedlich die Orte auch sind, alle drei profitieren auch heute von ihrer filmischen Vergangenheit.

Wie bist du auf die Idee einer Website und eines Blogs über Filmdrehorte gekommen?

Ich habe Tourismusmanagement studiert und als Filmfan meine Abschlussarbeit über Filmtourismus, also genauer gesagt den Einfluss von Filmen auf die Wahl der Reiseziele, geschrieben. Durch die vielen Recherchen und Praxisbeispiele bin ich auf den Geschmack gekommen und bin im Laufe der Zeit selbst zur begeisterten Filmtouristin geworden. Irgendwann wollte ich meine gesammelten Infos zu Drehorten bekannter Filme mit anderen teilen und habe hobbymäßig mit dem Blog begonnen. Als die Nutzerzahlen immer weiter steigen – heute sind es über 125.000 Leser im Monat – hatte ich vor vier Jahren schließlich den Mut aus meinem Hobby einen Beruf zu machen. Neben dem Reiseblog berichte ich heute auch auf Facebook und Instagram über Reisetipps für Filmfans.

Wonach wählst du die Filme und Serien aus?

Auf Filmtourismus.de geht es vor allem um spannende Drehorte von Kinofilmen und Serien. Fernsehfilme behandle ich aufgrund der Masse nicht, außer es handelt sich um bekannte TV-Reihen wie Tatort oder gut gemachte Dreiteiler. Nicht alle Filme spiegeln dabei meinen persönlichen Geschmack wieder, sondern sind vielmehr eine Auswahl an Filmklassikern und aktuellen Streifen, die hinsichtlich ihrer Schauplätze und möglichen Reisen dahin interessant sind. Neue Filme schaue ich mir nach Möglichkeit schon vor dem Kinostart in der Pressevorführung an und entscheide dann, ob sie auf die Seite passen oder nicht. Hin und wieder kommen aber auch alte Produktionen hinzu, z.B. wenn ich die Drehorte unterwegs entdeckt habe oder besonders viele Anfragen von Nutzern dazu bekomme.

 

Wo recherchierst du nach Informationen zu Drehorten? Ist es schwierig an diese Daten zu kommen?

Wenn ich Glück habe, bekomme ich Input zu den Drehorten von Tourismusverbänden, Sendern und Filmverleihern, mit denen ich häufig bei der Reiseplanung zusammenarbeite. Wenn es keine öffentlichen Informationen dazu gibt, ist es jedoch richtige Detektivarbeit: Filmstills mit Google Streetview vergleichen, immer wieder die Szenenfotos nach markanten Hinweisen absuchen und vor Ort viele Leute fragen. Netterweise schicken mir auch die Leser hin und wieder Infos zu Drehorten, die sie selbst entdeckt haben oder falls sich zwischenzeitlich etwas geändert hat, zum Beispiel ein Hotel oder Restaurant geschlossen hat. Das hilft mir die Seite aktuell zu halten.

Im Filmtourismus treffen Fiktion und Wirklichkeit aufeinander. Ist die Magie eines Films vor Ort zu spüren oder handelt es sich oft eher um eine Desillusion?

Da ich vor jeder Reise viel Zeit mit Recherchen verbringe, gibt es eigentlich selten große Enttäuschungen vor Ort, außer dass ich ab und zu mal vor Absperrungen stehe, wo ich nicht weiter kann oder darf. Meine Erfahrungen, was noch vom ursprünglichen Drehort zu sehen ist und was nicht, gebe ich direkt an den Leser weiter. So kann jeder selbst entscheiden, ob sich die Reise für ihn lohnt. Aber Gebäude und Landschaften, mit denen man eine vertraute Geschichte verbindet, haben einfach eine besondere Aura, sind sozusagen filmisch aufgeladen. Vor Ort erlebt man ein schönes „Wie-im-Film”-Gefühl, vorausgesetzt man lässt die Illusion auch bewusst zu und hat ein gewisses Maß an Vorstellungskraft. Da ist es dann auch nicht mehr so wichtig, dass jedes Detail genauso wie im Film aussieht.

Welche Drehorte möchtest du unbedingt noch besuchen?

Ganz oben stehen die Mittelerde-Schauplätze in Neuseeland, die alten „Star Wars“-Drehorte in Tunesien und die Movie Ranch auf Hawaii, die man vor allem aus „Jurassic Park“ kennt. Die Liste ist insgesamt noch sehr lang und ständig landen auch wieder neue Orte darauf.

Ihr seid auf den Geschmack gekommen? Lasst Euch von Andrea David’s Blog inspirieren.

bunte Farben zum Artikelthema Interview mit Andreas Fischer: Wie Digitalisierung den klassischen Kunstbegriff aufbricht

Interview mit Andreas Fischer:
Wie Digitalisierung den klassischen Kunstbegriff aufbricht

Andreas Fischer ist ein Künstler mit Sitz in Berlin, der sich auf digitale Kunst spezialisiert hat. In unserem Interview berichtet er über seine Zusammenarbeit mit Samsung für die IFA, wie eine Agentur seine Arbeit kopiert hat und warum der Trend zur Virtualisierung auch wieder zurückgehen wird.

 

Seit wann arbeitest du hauptberuflich als Künstler?

Ich würde sagen dass das ein langwieriger Prozess ist. Ich habe an der Universität der Künste Berlin studiert. In einer digitalen Klasse mit den Professoren Joachim Sauter und Jussi Ängeslevä. Das ist an sich ein Design Studium, beziehungsweise ein Teil von dem Grafikdesign Studium. Die haben eine Fachklasse mit Ausrichtung auf digitale Medien. Ich habe mich eigentlich gleich nach dem Studium selbstständig gemacht und angefangen zu freelancen. Gleichzeitig hatte ich eigene Arbeiten und Ausstellungen. Wobei ich am Anfang als Motion Designer gearbeitet habe. Es dauert ja auch eine Weile bis man eine Linie gefunden hat. Es wurde dann immer mehr eigene Projekte. Aber es hat schon ein paar Jahre gedauert.

 

 

Ilaria Nistri X ANF A/W 15/16 collection

 

Du hast schon mit vielen Marken wie zum Beispiel Samsung zusammengearbeitet und für eine Modedesignerin Stoffmuster entworfen. Wie sind diese Kooperationen entstanden?

Das meiste ist über das Internet gekommen weil Marken irgendwann meine Arbeiten finden und dann auf mich zukommen. Dann kommt man ins Gespräch und schaut was möglich ist. Ich mache kaum direkte Akquise oder sowas. Das heißt ich habe meine Online-Präsenz, meine Ausstellungen und Social Media aber ansonsten mache ich echt nichts. Die Kunden kommen eigentlich zu mir und das läuft ganz gut.

 

Was war das größte Projekt, das du gemacht hast?

Die Arbeit mit Samsung 2016 für die IFA war eins der Highlights und eines der größten Dinge, die ich gemacht habe. Da muss man dazu sagen, dass ich das nicht alleine gemacht habe. Sondern in Zusammenarbeit mit der Postproduktion und einem Designstudio. Ich war für einen Teil des Kreativen verantwortlich, also der Medienbespielung. Meine Aufgaben waren Konzeption und Art Direction, die Geschichte der visuellen Bespielung zu entwickeln und einen Teil der Produktion.

 

 

Photo by Christopher Bauder

 

Was steht bei dir in nächster Zeit Neues an?     

Über mein neues Projekt darf ich noch nicht so viel sagen. Ich arbeite mit einem Hersteller für Computerprozessoren zusammen, der auf künstliche Intelligenz spezialisiert ist. Die produzieren riesige Datensätze und es geht darum, diese in eine Form zu bringen und zu visualisieren.

 

Wie lange arbeitest du an einem Projekt?

Das kommt ganz drauf an. Es gibt kommerzielle Projekte, die nur ganz kurz sind. Bei eigenen Projekten verhält es sich meistens anders. Es kann sein, dass man in ein paar Tagen ein Konzept macht oder auch ein halbes Jahr an etwas arbeitet. Es gibt bestimmte Themen, die mich interessieren und Werkreihen, die ich immer weiter entwickle. Das hat keinen Anfang und auch kein Ende. Wofür ich mit am bekanntesten bin, sind diese generativen Zeichnungen und Videoinstallationen. Die Reihe heißt “Schwarm” und “V0ID” ist eine Weiterentwicklung davon. Ich habe vor zehn Jahren angefangen diese Software zu entwickeln. Einmal im Jahr oder wenn ich Lust darauf habe, setze ich mich hin, schreibe ein paar Sachen und produziere wieder neue Arbeiten. Im Moment mache ich viele Videos. Das Ganze basiert auf einer Software. Also ich filme, drehe und animiere nichts, sondern es ist eine rein textbasierte Software, die ich ablaufen lasse und mit der ich Videos erzeuge. In diesem Projekt ist die meiste Kontinuität drin. Das ist irgendwie ein Thema, das mich nicht so richtig los lässt oder wo ich immer wieder neue Facetten entdecke. Ich möchte eine andere visuelle Qualität aus dem gleichen System holen.

 

Was möchtest du mit deiner Kunst ausdrücken?

Das ist was womit ich mich immer ein bisschen schwer tue. Es gibt keinen konkreten Hintergrund. Was mich an meiner Arbeit fasziniert ist das, was man generatives System nennt. Da geht es nicht darum eine einzelne Arbeit zu machen, sondern darum ein System zu schaffen, das potenziell eine endlose Reihe an Arbeiten selber produzieren kann. Es ist ein Algorithmus, den ich vorgebe und innerhalb dieses Regelwerks hat die Software einen gewissen Entscheidungsfreiraum. Jeder Sekundenbruchteil wird ein kleiner Schalter umgelegt oder wird nicht umgelegt. Ich habe ein paar Millionen von diesen kleinen Schaltern und gebe eine Regel vor, wie die sich zu verhalten haben. Dadurch entsteht ein kohärentes Bild. Dieses Phänomen nennt man Emergenz. Das heißt, wenn man sich einen einzelnen Partikel angucken würde und der zeichnet eine Linie, dann sieht man halt eine Linie. Aber dadurch dass man eben so viele von diesen Partikeln hat, entsteht ein großes Ganzes. Das System wird dann erst sichtbar. Die Schwarm- und die V0ID-Reihe haben die gleiche Basis, die ich immer weiterentwickle. Ich nehme dann andere Farbkomponenten, neue Wege wie gezeichnet wird. Es ist nicht immer das gleiche aber eine Weiterentwicklung von dem Grundprinzip.

 

Könnten andere dieses Konzept kopieren?

Mich hat mal eine Agentur angefragt. Dann hat sie sich aus irgendeinem Grund dagegen entschieden mit mir zu arbeiten. Ein paar Monate später habe ich dann gesehen, dass sie meine Arbeit einfach kopiert haben. Man kann das System an sich nachprogrammieren aber was die Leute eben nicht schaffen, ist die gleiche visuelle Qualität zu erzeugen. Es ist ja auch sehr viel abhängig von der Farbgebung und welche Bilder man aus dem System auswählt. Also das kuratieren der eigenen Arbeit ist sehr wichtig. Das System spuckt sehr viel aus aber es hat nicht alles einen hohen ästhetischen Wert, was produziert wird. Ich suche aus was ich für gelungen halte – das ist dann die Arbeit an sich. Dafür bin ich in dieser Szene der digitalen Kunst letzten Endes auch bekannt. Aber diese Algorithmen sind nichts was ich erfunden habe, sondern es ist nur eine Variation und Weiterentwicklung davon.

 

 

V0ID V 02 by ANF

 

Ist man dann mehr Programmierer als Künstler? Was würdest du zu Leuten sagen, die meinen dass digitale Kunst keine Kunst ist?

Der Kunstbegriff ist eigentlich vollkommen aufgebrochen. Wenn man sich die zeitgenössische Kunst anschaut, geht es ja gar nicht mehr ums Handwerk. Das Handwerk machen andere. Natürlich gibt es noch Maler und Leute, die das alles selber machen aber da geht es eigentlich nicht mehr drum. Es geht um das Konzept und die Idee, die dahinter steckt und nicht mit welchem Werkzeug das jetzt erzeugt wurde. Video ist ein Thema, das stärker geworden ist in den letzten Jahren weil es mehr Displays und mehr Möglichkeiten gibt diese zu zeigen. Nicht nur Online sondern auch im Raum.             

 

Glaubst du digitale Kunst in ein Trend, der wieder abnimmt?

Durch die Digitalisierung ist man immer weiter von der Realität und dem Handwerklichen entfernt. Die meisten Leute verbringen den ganzen Tag damit auf den Display zu gucken, benutzten nur drei ihrer Sinne und gucken auf Sachen, die simuliert werden. Die sind natürlich in irgendeiner Form da, aber haben nichts mehr mit der physischen Realität zu tun. Dadurch entsteht bei den Menschen wieder das Bedürfnis zurück zum selbst machen, zum Erdigen und Natürlichen. Das kann ich beides nachvollziehen und das wird weiterhin parallel existieren. Die Virtualisierung greift weiter um sich und die Qualität der Simulation wird besser. Bis man irgendwann ein Implantat hat, das die Bilder direkt auf der Retina erzeugt und man kein Display mehr dafür braucht. Aber gleichzeitig haben wir noch unseren physischen Körper und unsere Sinne. Es ist ein biologisches Bedürfnis sich mit Menschen zu umgeben. Wenn man das nicht macht wird man unglücklich. Man ist immer noch ein Primat, zwar sehr hoch entwickelt aber nach wie vor durch Enzyme gesteuert. In jedem von uns steckt diese evolutionsbiologische Subroutine und die wird man nicht rausbekommen, auch nicht mit mehr Digitalisierung. Je weiter sie voranschreitet, desto mehr entfernen wir uns von dem Urzustand, auf den wir programmiert sind.   

 

 

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Stehpult zum Artikelthema Social Media Week 2018: Influencer Marketing, Community Building und mehr

Social Media Week 2018:
Influencer Marketing, Community Building und mehr

Du hängst den ganzen Tag auf Facebook, Instagram und Snapchat ab? Dann ist die Social-Media-Week 2018 in Hamburg genau dein Ding! Dort gibt es unzählige von Experten geleitete Workshops, die Hintergründe und Internet-Phänomene der Sozialen Medien thematisieren.

 

Mehr als 70 Veranstaltungen

In Hamburg dreht sich bald alles um soziale Medien. Die diesjährige Social Media Week findet unter dem Motto “Closer: Community vs. Individualismus” statt und bietet innerhalb von drei Tagen ganze 70 Veranstaltungen an. Vom 23. Februar bis zum 02. März gibt es demnach Vorträge, Sessions und Workshops im Altonaer Museum und der University of Applied Sciences Europe soweit das Auge reicht. Den Anfang macht das Panel „#Influencer #Marketing – Bullshit oder heiliger Gral?“, indem Torsten Panzer, Beirat der SMWHH und Vorstandsvorsitzender des PR Clubs Hamburg, über PR- und Medienkommunikation in digitalen Medien referiert.

 

SOCIAL MEDIA WEEK HAMBURG 2017 28. Februar bis 03. März 2017

 

Workshop über Influencer Marketing

Das Panel von Microsoft Deutschland trägt den Namen „Schlägt Netzwerk Hierarchie? Zeit für eine neue Führung – denn Chefs aus der Hölle haben ausgedient!“. Dort können sich Besucher über Themen wie Karriere und neue Arbeit informieren. Ein weiteres Panel diskutiert die Chancen und Risiken, die durch die Digitalisierung im Bezug auf eine neue Führungskultur entstehen. Wer sich fragt, wie man eine Community in sozialen Medien aufbaut und wie Internetnutzer am besten eingebunden werden können, bekommt auf der Social Media Week die passenden Antworten.

 

SOCIAL MEDIA WEEK HAMBURG 2017 28. Februar bis 03. März 2017

 

Die einzige Social-Media-Week in Deutschland

Der Studiengangsleiter für Communication & Media Management an der University of Applied Sciences Europe, Prof. Dr. Andreas Moring, veranstaltet den Workshop „BIDAC – Die 15 Regeln für erfolgreiches Online-Business“. Darin beleuchtet er unter anderem Geschäftsideen der Teilnehmer nach bestimmten Erfolgskriterien. Beirätin Andrea Frahm bietet den Workshop „Erfolgreich gründen als Frau – Sprechstunde mit Prelovee“ speziell für Start-Up-Gründerinnen an. Am 27. Februar startet das Event mit dem Pre-Opening-Abend im Mercedes me Store.

 

Hier gibt es weitere Informationen

Facebook-Event 

Tickets ab 49,00 €

Museumstraße, 22765 Hamburg

 

 

Titelbild: SOCIAL MEDIA WEEK HAMBURG 2017 28. Februar bis 03. März 2017

 

Menschen vor Mona Lisa-Gemälde zum Thema: Bilder allein zuhaus: Animierte Gemälde

Bilder allein zuhaus:
Lebendige Gemälde der Arte-Kurzfilmserie

Künstleragentur Media Talent, Bridget, guten Tag!? Hier ist Lisa! Lisa wer? Na Mona Lisa – die mit dem Lächeln. Kennst du noch eine andere? Die Dame auf dem berühmtesten Gemälde der Welt, ist heute etwas gestresst. Kein Wunder, immerhin musste sie Jahrhunderte lang still sitzen und freundlich schauen. Da kann es nun schon einmal vorkommen, dass die Nerven blank liegen und der Kiefer spannt. Laut eigenen Angaben käme sie sich schon vor wie ein Stofftier im Disneyland. Nun muss sie ihrem Ärger Luft machen! Es ist ein bisschen so wie in Harry Potters Zauberschule Hogwarts, wo Menschen durch Gemälde wandern: Die neue Kurzfilmserie von arte.tv, erweckt die Werke berühmter Künstler zum Leben. Als animerte Gemälde erscheinen die Bilder in einem ganz neuen Licht und stets mit einem Augenzwinkern.

Neue Kurzfilmserie zeigt lebendige Gemälde

Von René Magritte, über Grant Wood bis hin zu Norman Rockwell:
Die neue Dokuserie zeigt insgesamt zehn Gemälde berühmter Künstler der Malereigeschichte. Schauspieler wandeln uns bekannte Bilder in Bewegtbilder und Regisseure interpretieren humoristisch die Gefühlswelten der Abgebildeten. Dies ergibt durchaus lustige Storys. Eines der Meisterwerke ist Leonardo da Vincis weltberühmte Mona Lisa, aus der Zeit der italienischen Renaissance. 

Bilder allein zuhaus: Mona Lisa greift zum Smartphone

Wir als Zuschauer, sollten nun wirklich ein offenes Ohr für die junge Dame haben. So hat sie uns doch schon einige künstlerisch wertvolle Momente geschenkt. Doch niemand interessiert sich um ihr persönliches Wohlergehen. Immer perfekt aussehen und posieren – wer will das schon? Hinzu kommt: Sie ist völlig allein, im Bild leistet ihr niemand Gesellschaft. Jetzt reichts, denkt sie sich und ruft ihren Agenten an, um den Vertrag mit dem Louvre neu zu verhandeln. Doch den Ausreiseantrag in ein anderes Gemälde möchte ihr die Künstleragentur einfach nicht genehmigen. Das kann Lisa überhaupt nicht verstehen. Nicht einmal in Da Vincis Abendmahl darf sie wechseln – und das obwohl es doch der gleiche Künstlerverein ist. Dabei hätte sie da wenigstens jemanden zum Plaudern und sogar zum Flirten. „Was nützt es denn ein Megastar zu sein, wenn man sich nicht einmal wie einer aufführen darf“, kommentiert sie.

Ein Happy-End für die Kunst 

Letztlich kann Mona Lisa dann aber doch noch überzeugt werden, nicht in den Streik zu treten. Denn – oh Wunder – ihr wird eine Fortsetzung des Da Vinci Codes versprochen. Die Gute ist ein waschechtes Tom Hanks-Fangirl. Das zaubert ihr ein Lächeln zurück ins Gesicht. „Diesen Schauspielerinnen kann man aber auch alles erzählen und sie glauben es“, rutscht es dem Agenten am anderen Ende der Leitung noch heraus. Tja – zu früh gefreut. Dann also zurück zur Arbeit, in die von Leonardo da Vinci entworfene Mona- Lisa-Pose und Augen auf bei der Berufswahl!

 

 

Weitere lustige Storys von bewegten Gemälden sowie alle Sendetermine könnt ihr hier entdecken.

Gerahmte Bilder von Filmszenen von Sergei Eisenstein

Sergei Eisenstein:
Google Doodle ehrt Regisseur

Wer heute die erfolgreichste Suchmaschine der Welt nutzt, der stößt auf eine künstlerisch animierte Google-Grafik, deren Buchstaben sich aus einem langen Filmstreifen formen. Und mittendrin: Eine Figur von der niemand wirklich weiß, wer sie ist. Wir klären auf: Es soll sich um den sowjetischen Regisseur Sergei Eisenstein handeln, der heute 120 Jahre alt geworden wäre. Doch was genau macht die Kunst von Sergei Michailowitsch Eisenstein so besonders, dass ihm die Suchmaschine ein Google-Doodle widmet?

Google-Doodle-Was? 

Als Google Doodle wird die vielen bekannte grafische Veränderung des Google-Logos bezeichnet. Die Umgestaltung erfolgt  zu bestimmten Anlässen, wie Jahres- und Feiertagen oder zur Ehrung berühmter Künstler, Wissenschaftler und Pioniere. So feiert das Unternehmen heute den 120. Geburtstag eines sowjetischen Künstlers. Doch wer war der Regisseur Sergei Eisenstein?

Sergei Eisenstein: Father of Montage

Der 1898 in der lettischen Hauptstadt geborene Regisseur, ist ein Pionier der Videokunst. Er entwickelte eine revolutionäre Filmtechnik, die bis heute Verwendung findet. Die Filmmontagen bestanden aus kurzen, schnell aneinandergereihten Szenen. Dabei schnitt Eisenstein die Sequenzen so unvergleichlich präzise, dass er von Google als “ father of montage” bezeichnet wird. Diese Art künstlerisch zu arbeiten, ermöglicht eine Untermalung von thematischen Gegenüberstellungen und die Verdeutlichung von zeitlichen Abläufen.

Revolutionsepos als bester Film aller Zeiten

Nicht nur seine Filmtechnik war revolutionär: Sergei Eisenstein thematisierte in seinen Werken den aufreibenden und schwierigen Kampf von niedergeschlagenen Arbeitern gegen die herrschende Klasse. Anlässlich des 20. Jahrestages der “Volksrevolution von 1905” erhielt der damals junge Künstler den Auftrag einen Film zu drehen. Heute zählt das Revolutionswerk “Panzerkreuzer Potemkin” zu den Klassikern der Filmgeschichte. Mit propandagistischem Ausdruck bringt Eisenstein sein Publikum am Premierenabend zum Jubeln. Das Werk wurde 1948 und 1958 von internationalen Jurys zum besten Film aller Zeiten ernannt. Zu seinen bekanntesten Werken gehören ebenfalls: „Iwan der Schreckliche“ und „Oktober“.

 

Grafik Sergei Eisenstein
Sergei Eisenstein

 

Titelbild: @flickr: G Travels

Grafik: @flickr: Maria Zaikina

Kodak Rollfilm weißer Hintergrund zum Artikelthema Kryptowährung News: Kodak mischt mit KodakCoins den Markt auf

Kryptowährung News:
Kodak mischt mit KodakCoins den Markt auf

Wenn man Kodak hört, denkt man eigentlich an Fotografie und nicht an digitale Währungen. Das ist seit Dienstag anders: Denn das Unternehmen möchte mit sogenannten KodakCoins eine eigene Kryptowährung einführen. Was diese Neuigkeit für Reaktionen ausgelöst hat ist erstaunlich.

 

Aktienkurs steigt um 120 Prozent

Kryptowährungen sind im Moment das Thema in den Medien. Aus diesem Grund hat die Ankündigung des KodakCoins und der dazu passenden Plattform KodakOne großes Aufsehen erregt. Das Unternehmen möchte mit einer eigenen Kryptowährung die Autorenrechte von Fotografen absichern. Außerdem können auf diese Weise Bilder besser vermarktet werden. Als Reaktion auf diese Nachricht ging der Aktienkurs von Kodak gewaltig durch die Decke.  

 

Kryptowährung News

Im US-Handel konnte die Aktie ein Plus von 120 Prozent verzeichnen und liegt derzeit bei ungefähr sieben Dollar. Anscheinend haben Kryptowährungen und alles, was damit zu tun hat, eine sehr starke Anziehungskraft auf Investoren. Nicht ohne Grund haben sich mehrere Firmen Namen wie Crypto Company, Nodechain oder Blockchain gegeben – auch wenn gar kein Zusammenhang mit Digitalwährungen besteht. Als die Getränkefirma Long Island Iced Tee ihre Namensänderung zu Long Blockchain Corp bekannt gab, verdreifachte sich dessen Aktienkurs.  

 

Faire Vergütung für Fotografen

Kodak möchte mit der neuen Plattform verhindern, dass geschützte Bilder unerlaubt genutzt werden. Mit der Blockchain-Technologie ist der KodakCoin genauso abgesichert wie der medienpräsente Bitcoin. Firmenchef Jeff Clarcke betonte, dass Kodak schon immer daran gearbeitet hat, die Fotografie zu demokratisieren und Fotografen eine faire Vergütung zu ermöglichen. Das Unternehmen hat die Entwicklung der klassischen Fotografie maßgeblich geprägt. Mit der Digitalisierung von Bildern haben sie jedoch den Anschluss verloren. Trotz Insolvenzverfahren, gilt das Unternehmen heute als Spezialist für digitalen Druck.

 

Nacht Tunnel Handy Arm

Augmented Reality App:
Ausstellung setzt auf digitale Elemente

Heutzutage darf das Handy bei keinem Museumsbesuch mehr fehlen. Diese Tatsache hat die Künstlerin Felice Grodin darin bestärkt, Augmented Reality in ihre Ausstellung „Invasive Species“ einzubauen. Dafür wurde eine App entwickelt, mit der das gesamte Museumsgebäude Teil eines Kunstwerks wird.

 

 

 

Digitale Ausstellung

Passend zum Start der internationalen Kunstmesse “Art Basel” und der “Miami Art Week”, eröffnet das Pérez Art Museum Miami, kurz PMM, eine neue Ausstellung names „Invasive Species“. Um den Kunstwerken Leben einzuhauchen, hat die Künstlerin Felice Grodin an einer Kombination aus Realität und Technik gearbeitet. Der Einsatz von Augmented Reality, zu Deutsch „erweiterte Realität“, verleiht der digitalen Ausstellung virtuell interaktive Elemente.

 

Augmented Reality App PAMM

Augmented Reality ist eine computergestützte Erweiterung der Realitätswahrnehmung. Mithilfe der Kamera von digitalen Geräten, wie Smartphones und Tablets, können zusätzliche virtuelle Informationen eingefügt werden. Um sich die digitalen Kunstwerke der Ausstellung anzusehen, müssen Besucher die kostenlose PAMM App herunterladen. Ziel der Macher ist es, die erweiterte Realität mit der Architektur und der Umgebung des Museums interagieren zu lassen. Was dabei herauskommt ist ein digitales Gesamtkunstwerk.

 

Gefahren für das Ökosystem

Mit dem virtuellen Ausstellungsstück „Terrafish“ vereint die Künstlerin von der Museumsdecke hängende Pflanzen an der Außenfassade mit einer tierischen Spezies. Sie sollen eine nicht heimische Quallenart aus den Gewässern Süd-Floridas darstellen. Grodin möchte auf die zukünftige Instabilität des Ökosystems aufmerksam machen, was eine Gefahr für den Klimawandel und invasive Tierarten ist. Die Ausstellung ist Teil eines Pilotprojekts, das die John S. und James L. Knight Stiftung finanziert. Damit soll der hohen Nachfrage nach digitaler Erlebbarkeit im Kunstbereich entgegengekommen werden.

 

David OReilly, „Everything“ (Screenshot) zum Artikel über die Konferenz der Berliner Festspiele

Berliner Festspiele:
Die Konferenz INTO WORLDS

Videokunst, Sound-Installationen, Virtual Reality Experiences, Projektionsumgebungen von Planetarien – das alles und noch viel mehr, ist Gegenstand der am kommenden Wochenende stattfindenden Konferenz “INTO WORLDS”, eine Veranstaltung der Berliner Festspiele. Im Martin-Gropius-Bau treffen sich Künstler und Wissenschaftler, um gemeinsam mit dem Publikum alte und neue immersive Welten zu entdecken. Mit dabei sind Bekanntheiten, wie der Berliner Journalist und Aktivist Markus Beckedahl, sowie Videokünstler, die Werke aus der Julia Stoschek Collection präsentieren. Besucher können außerdem das neue Musik-Video von Björk „Notget“ als VR-Experience erleben.

Berliner Festspiele: Kunst, Wissenschaft und Ihr!

Versprochen wird den Besuchern, laut den Veranstaltern der Berliner Festspiele, ein Ein- und Auftauchen in und aus immersiven spannenden Welten: „Handwerkliche Körpertechniken, spektakuläre Unterhaltungsformate von Jahrmarktsattraktionen bis zur Virtual Reality, sowie spirituelle Mentalpraktiken zwischen religiöser Versenkung und meditativer Selbstoptimierung. Immersion zeigt sich dabei als ambivalente Bewegung. Sie steht einerseits für Selbst- oder Medienvergessenheit, geistige Übung oder Ekstase, ist jedoch andererseits Anlass für Distanznahme und kritische Reflexion: Wie, von wem und wozu werden die verschiedenen Welten gebildet, an denen wir täglich partizipieren? In welche Rollen geraten wir dabei und wie tragen wir zur Bildung dieser Welten bei?”

 

Ihr möchtet Antworten durch eine kreative Entdeckungsreise finden?

 

Dann besucht die Konferenz der besonderen Art, welche vom 19. bis 21. Januar stattfindet. Der Eintritt kostet am Eröffnungsabend 6 Euro / ermäßigt 4 Euro, ein Tagesticket am Samstag oder Sonntag 10 Euro, ermäßigt 6 Euro. Für 21 Euro, oder 12 Euro ermäßigt, sichert ihr euch ein Gesamtticket für alle drei Tage. Tickets sind hier erhältlich.

 

Titelbild: @Berliner Festspiele; Künstler: David OReilly, „Everything“ (Screenshot)

Mann in Kostüm silberne Röhren zu dem Artikelthema Die Maschine steht still nach E. M. Forster: Ist die Technik unser Untergang?

Die Maschine steht still nach E. M. Forster:
Ist die Technik unser Untergang?

Wer braucht schon frische Luft, körperliche Nähe oder einen tieferen Sinn im Leben, wenn einfach alles auf der Welt von nur einem Apparat aus gesteuert werden kann? Das Ergebnis kann man sich im Theater an der Parkaue in “Die Maschine steht still” nach E. M. Forster ansehen. Wir haben uns die Vorstellung angeschaut und geben euch eine Review zu der Dramatisierung.

 

Unterwerfung der Natur

Wie würde die Erde aussehen, wenn Maschinen das komplette Leben der Menschen bestimmen könnten? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Regisseurin und Videokünstlerin Evy Schubert in der Dramatisierung “Die Maschine steht still”. Die Maschine wird von Denis Pöpping verkörpert und steht im Zentrum des Theaterstücks. Sie ist der neue Lebensmittelpunkt der Menschheit geworden, nachdem diese die Natur vollkommen bezwungen hatte. Von der Erde geflohen, beschlossen die Menschen sich von ihrem alten Leben sowie ihrem religiösen Glauben zu lösen und dienten von dort an ausschließlich der Maschine.

 

 

Denis Pöpping in „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

Keine Erlebnisse, Emotionen, Erfahrungen

Von da an wurden zwischenmenschliche Beziehungen auf ein Minimum reduziert –  körperliche Nähe ist für die Menschen ein Fremdwort. Die meiste Zeit des Tages verbringen sie in ihren fast leeren Zimmern in der Maschine. Jeder arbeitet rund um die Uhr daran, sie mit Wissen zu versorgen, um sie zu stärken. Während die meisten Menschen mit ihrem eintönigen Alltag zufrieden sind, kommen einer Person langsam Zweifel: Kuno. Er möchte die Maschine verlassen und zurück zur Erde reisen. Seine Mutter Vashti, der er davon über den Kommunikationskanal der Maschine berichtet, ist von dieser Idee überhaupt nicht begeistert. Genauso wenig wie von Kunos Bitte nach einem persönlichen Treffen.

 

 

Ensemble „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

Anpassung oder Tod

Um zu ihrem Sohn zu gelangen, muss Vashti eine futuristische Version eines Zuges betreten, von dem aus man einzelne Länder der Erde sehen kann. Trotz ihrer Angst vor den ganzen ungewohnten optischen Eindrücken, schafft sie es zu ihrem Sohn. Dieser hat es inzwischen auf die Erde geschafft und ist sich nun sicher, dass die Maschine den Menschen mehr nimmt als nützt und nur aus eigennützigen Motiven handelt. Die Maschine stuft Kuno als Gefahr ein und beschließt, ihn, wie alle Andersdenkende, zu vernichten. Vashti glaubt ihrem Sohn nicht und stimmt zu, Kuno der “Heimatlosigkeit”, also dem Tod, zu überlassen. Doch die Maschine beginnt nach mehreren Systemfehlern nach und nach zusammenzubrechen. Alle Menschen, die nicht auf die Erde geflohen sind, sterben.    

 

 

Die Maschine in „Die Maschine steht still“ | Foto: Christian Brachwitz

 

M. Forster nah an der Realität

Die Dramatisierung basiert auf dem Roman “Zimmer mit Aussicht” des englischen Erzählers E.M. Forster (1879-1970). Die kurz darauf folgende Verfilmung der Anti-Utopie gewann drei Oscars. Der Roman erschien Jahrzehnte bevor der erste Computer erfunden wurde und skizziert eine frühe Version des Internets. Tatsächlich ist “Die Maschine steht still” sehr nah an der Realität. Nur die wenigsten kommen heute ohne Smartphone, Laptop und das Internet aus. Die virtuelle Welt scheint eine derart große Faszination auszulösen, die sich vor allem bei jungen Menschen zu einer starken Abhängigkeit entwickelt hat. Ein Leben ohne WhatsApp, YouTube und Instagram? Unvorstellbar! Die Dramatisierung von Evy Schubert zeigt in überspitzter Form, dass die komplette menschliche Hingabe zu technischen Geräten auch unser Untergang werden könnte. Maschinen erleichtern unser Leben enorm, aber sie können niemals die Einzigartigkeit der Realität ersetzen.      

 

 

Hier gibt es weitere Infos

Titelbild: Christian Brachwitz

 

Soundwave-Kette zum Artikel "Digitale Kunst: David Bizer verwandelt Töne in Schmuck"

Digitale Kunst:
David Bizer verwandelt Töne in Schmuck

Ob ein herzergreifendes Babylachen, eine lustige Sprachmemo von der letzten großen Sause, oder ein unerwartetes Liebesbekenntnis: Der Künstler David Bizer verwandelt deinen Sound via 3D-Druck in ein echtes Schmuckstück! Auf diese Weise werden Momentaufnahmen verewigt. Doch wie wird eine digitale Datei zu einem realen Accessoire? Im Interview verrät der Berliner, wie das Projekt Soundwave.love entstanden ist und warum ein Kunde bei ihm eine Sound-of-a-burp-Kette bestellte.

Was hat dich auf die Idee von Soundwave.love gebracht?

Ich habe Industriedesign studiert und mich in meiner Abschlussarbeit mit der digitalen Fabrikation, wie zum Beispiel 3D-Druck oder Lasercutting, beschäftigt. Ich habe darüber nachgedacht, wie die Entwicklung dieser Produktionstechniken neue Möglichkeiten für einen Designer bietet, individuelle Stücke zu schaffen. Mit einem digitalen Produktionsverfahren habe ich die Möglichkeit, aus einer File, die ich digital erstellt habe direkt on demand ein Produkt zu generieren. Besteht keine Nachfrage wird, außer der investierten Zeit, nichts verloren. In meiner theoretischen Arbeit wollte ich zeigen, wohin diese Entwicklung gehen kann.  Bisher wurde 3D-Druck hauptsächlich für Designmodelle oder Prothesen im Medizinbereich genutzt. 2008 war diese Produktionstechnik noch ziemlich teuer. Heute ist es deutlich günstiger. 

Warum wolltest du diese Techniken für die Herstellung von Schmuck nutzen?

Digitale Güter unterliegen den gleichen Gesetzen und Gefahren wie andere Güter. Meine Idee für diesen Produktbereich war ein individuelles Produkt, dass der, der es bestellt, theoretisch endlos vertreiben kann. Trotzdem bleibt es ein individuell angepasstes Produkt.  Dann habe ich verschiedene Beispielprojekte entwickelt. Eines davon waren diese Soundwave-Ketten. Schmuck war eine relativ logische Schlussfolgerung – auch wenn ich eigentlich keine große Affinität dazu hatte. Ein Schmuckstück aus Plastik kostet dann manchmal so viel, wie echtes Silber. Da muss man den Wert der Individualisierung sehen. Es ist ein Unikat. 

Wie wurde deine theoretische Arbeit dann Realität?

Meine ursprüngliche Idee in der Theorie-Arbeit war eher eine Online-Plattform zu schaffen, wo man verschiedene Designs sammelt und eine Produktion für unterschiedliche Designer anbietet. Ich habe dann aber relativ schnell entdeckt, dass es das im Bereich Lasercutting schon gab – eine australische Firma namens Ponoko. Bei denen habe ich dann mein Soundwave-Projekt hochgeladen. So konnte ich in meiner Präsentation zeigen, dass ich Produkte habe, die direkt schon bestellbar und verfügbar sind. Die Betreiber fanden die ganz cool und haben mich in ihrem Blog erwähnt. Da ist aber noch nicht viel passiert. Bis sich eine amerikanische Werbeagentur bei mir gemeldet hat, die mich für ein Projekt angefragt haben. Mit denen hatte ich dann aber noch einigen Ärger, weil die mich zunächst nicht als Designer erwähnt haben. Letztlich habe ich dadurch aber ein wenig Aufmerksamkeit erhalten.

Hat sich eine Produktion zu diesem Zeitpunkt schon rentiert?

Nein, mit konstanten Bestellungen ging es erst so richtig los, als ich bei einem Wettbewerb von Instructables mitgemacht habe. Das ist eine Website, wo man Do-It-Yourself-Tutorials reinstellen kann. Gewonnen habe ich leider nicht, aber die haben mich im Newsletter und auf der Website gefeautert, woraufhin ich dann plötzlich viel mehr Bestellungen und Seitenaufrufe an einem Tag hatte. Dann kamen plötzlich wieder so viele Bestellungen rein, dass es sich gelohnt hat. Durch die Anleitung konnten die Leute auch sehen, welche Schritte dahinter stecken und, dass sich der Preis rechtfertigt. Dadurch, dass es verschiedene Shops fast identisch verkaufen, muss ich mich aber auch durch ein höherwertiges Produkt absetzen.

Was für Audioaufnahmen erhälst du von deinen Kunden?

Meistens kommen die Leute nur einmal, weil man so ein Stück nur einmal verschenkt. Fast alle bestellen “I love you”. Als nächstes kommt dann sowas wie “Happy Birthday” , “Merry Christmas” oder Glückwünsche zum Muttertag. Manchmal ist ein Heiratsantrag dabei, aber meist sind es die Standards. Mein Favorit war ein Kunde, der für seine Freundin eine Kette bestellt hat mit “I love You” und darunter: “Actually I considering the sound of a burp”. Er hatte sich eigentlich überlegt zu rülpsen. Und zwei Jahre später hat er ihr dann als witziges Follow-up-Geschenk eine Original-Rülpskette geschenkt.

Vereinzelt bestellen die Leute auch Zitate von bekannten Persönlichkeiten oder aus der Bibel. Manchmal ist es ja auch ein Babylachen oder ein Herzschlag und keine Textnachricht. Musik geht eher schlecht, weil Musik meist gleich laut ist. Ein konstantes Level ist für die Verarbeitung eher ungünstig. Bei Background-Instrumenten sieht es dann wie ein Klotz aus. Sprache ist oft laut und leise. Was die interessanten Formen ausmacht, sind eigentlich genau diese Unterschiede. Wenn jemand nur a-Cappella singt, ergibt das eine schöne Form.

Wie läuft eine Bestellung ab? Was braucht es dafür?

Auf meinen Shop suchst du dir ein Modell sowie die Details aus. Zum Beispiel die Art der Riemen und, ob du ein Armband, oder eine Kette haben möchtest. Dann kommt immer eine Karte hinzu, die das Soundwave und eine Nachricht zeigt. Soll darunter stehen, was du gesagt hast oder möchtest du eine andere Nachricht drucken lassen? Auf der Rückseite befindet sich ein QR-Code. So kann die Nachricht immer wieder angehört werden. Auf der neuen Website gibt es eine direkte Vorschau, wie das Schmuckstück am Ende aussehen wird und, wo sich an welcher Stelle, welche Aussage befindet.  Die Top-Seller der Materialien sind Acryl und Holz. Insgesamt dauert die Herstellung ca. eine Woche. 

Wie sehen deine Zukunftspläne aus?

Jetzt gerade bin ich bei dem Rebranding. Außerdem möchte ich gerne die Produktion weiter automatisieren und selbst ein wenig davon wegkommen. Im Moment mach ich noch alles selber. Einerseits ist es gemütlich. Da sitze ich dann vorm Rechner und fädele Ketten auf und kann Hörbücher und Podcast hören, aber es kostet mich auch zu viel Zeit. Ich habe den Plan, die Produktion eher auszulagern. Dafür arbeite ich mit einer Behindertenwerkstätte zusammen, die langsam damit anfangen die Produktion der Ketten, beziehungsweise Materialien zu übernehmen. Dann habe ich auch wieder mehr Luft für neue Projekte. Ich habe auch schon einige Ideen, die ich dann umsetzen kann. Zum Beispiel Edelhölzer zu verwenden.

 

"I love you" - Vorschau einer Soundwave-Kette zum Thema "Digitale Kunst: David Bizer verwandelt Töne in Schmuck"