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schwarz angezogener Mann viele Gegenstände schwarzer Boden

Unternehmen ohne Büro:
Start-up-Gründer entwickelt neue App

Ein Schweizer gründet Start-Ups auf der ganzen Welt und braucht zum Leben nicht mehr als das, was in einen Koffer passt. Cédric Waldburger kauft keinen unwichtigen Krimskrams. Stattdessen entwickelt er lieber neue Apps, die seine Arbeit besser organisieren.           

 

Zuhause in der ganzen Welt

Er wohnt nirgendwo aber irgendwie auch überall: Cédric Waldburger ist ein Start-Up-Gründer von mehreren Unternehmen. Seine Wohnung hat er schon vor eineinhalb Jahren aufgegeben, die braucht er schließlich nicht mehr. Das, was er braucht, passt alles in einen einzigen Koffer. 64 Dinge reichen ihm aus, um die Welt zu bereisen. Fast alle Gegenstände sind, der Einfachheit halber, schwarz. Nur bei seinem Apple-Ladekabel und dem schweizer Reisepass musste er eine Ausnahme machen.    

 

Reisen, arbeiten und leben

Start-Ups faszinieren Cédric seit seiner Kindheit. Deswegen hat er auch gleich eins im zarten Alter von vierzehn Jahren gegründet. Heute sind seine Projekte auf der ganzen Welt verteilt. Egal ob San Francisco, Miami, Berlin, Frankfurt, St. Gallen oder Zürich: Alle diese Städte sind für Cédric Zuhause und Arbeitsplatz zugleich. Auf die oft gestellte Frage, wo denn sein Zuhause sei, antwortet er: “Zuhause ist da, wo ich Freunde treffe”. Was Cédric so interessant macht, ist seine moderne Lebensweise, die sowohl Mobilität als auch Minimalismus vereint.

 

Neue App erleichtert Organisation

Was mindestens genauso modern ist, sind Cédric Waldburgers Unternehmen. Eines davon ist eine Firma, die kein Büro braucht: Sendtask. Dabei handelt es sich um eine App, die Aufgaben organisiert. Dafür muss man nicht einmal registriert sein. Cédric wollte ein Tool kreieren, dass es zulässt, Arbeit ohne Beachtung von Raum und Zeit zu organisieren. Mittlerweile hat Sendtask neun Mitarbeiter aus ganz verschiedenen Ländern wie Mazedonien, Russland oder Schottland. Jeder von ihnen hat einen anderen Arbeitsrhythmus. Laut Cédric ist die zeitliche Flexibilität eine der größten Stärken von seinem Start-Up. Um trotzdem organisiert zu bleiben, nutzt das Team natürlich Sendtask.

 

Kunst 3 Bilder weißer Hintergrund zum Artikelthema DAM Gallery: Zwischen Historizität und Moderne

DAM Gallery:
Zwischen Historizität und Moderne

In Berlin kann in der DAM Gallery seit dem 15. November eine Ausstellung besucht werden, die das Thema Selfies völlig neu aufgreift. Die amerikanische Künstlerin Carla Gannis erschafft darin ein perfektes Zusammenspiel aus traditionellen Bildsujets und modernen Einflüssen aus dem 21. Jahrhundert. Genauso wie bei unserem letzten Besuch in der Gallery, fanden wir auch diese       Ausstellung unglaublich eindrucksvoll.    

 

DAM Gallery präsentiert “Until the End of the World”

Die DAM Gallery präsentiert die Einzelausstellung “Until the End of the World” von Carla Gannis. Sie ist eine in Oxford geborene Künstlerin, die heute in Brooklyn, New York lebt. 52 Wochen lang hat Gannis an einer Sammlung von 52 digitalen Zeichnungen, namens “The Selfie-Drawings”, gearbeitet. Dabei machte sie 2015 über das ganze Jahr Selfies von sich und setze diese in analoge und digitale Zeichnungen um. Innerhalb dieses Prozesses setzte sich die Künstlerin intensiv mit dem Thema “Selbst” auseinander. Die ,paradoxerweise, gezeichneten Selfies wurden außerdem Gegenstand eines neuen Projektes: “A Subjekt Self-Defiend”. Jedes Bild hat durch aufwendige Augmented Reality Anwendungen seine eigene 3D Wirklichkeit bekommen. Wer die Blippar App herunterlädt und sein Handy über die Zeichnungen schweben lässt, erlebt eine dynamische Animation auf dem Bildschirm.    

 

„Golden Shower“

DAM Gallery Carla Gannis „Golden Shower“

Das Bild namens “Golden Shower” zeigt eine Frau unter der Dusche, die von Bitcoins überschüttet wird. Obwohl es so aussieht, als ob sie in Selfie von sich machen will, sieht man auf dem Bildschirm des Handys ein altes Gemälde. Dabei handelt es sich um das historisches Gemälde “Danaë empfängt den Goldregen”. Danaë entstammt der griechischen Mythologie und wird von dem olympischen Gott Zeus verehrt. Weil sie sich für Zeus aufgrund seiner vielen Liebschaften nicht interessiert, beschließt er, Danaë auf anderem Wege Nahe zu kommen. Dafür verwandelt er sich unter anderem in Goldmünzen.

 

„Origin of the Universe“

DAM Gallery Carla Gannis „Origin of the Universe“

„Origin of the Universe” ist eine Anlehnung an Gustave Courbets Meisterwerk “Ursprung der Welt” aus dem Jahr 1866. Genauso wie bei dem Original ist das Gesicht der Frau verdeckt. Um die Skulptur in das 21. Jahrhundert zu transportieren, hat Gannis einen iPod hinzugefügt. Darauf befindet sich ein Video, das sich bewegende Formen in wechselnden Farben zeigt. Der besondere Clou zeigt sich im Dunkeln: Das Kunstwerk leuchtet.

 

„Electronic Graveyard/ The Upload“

DAM Gallery Carla Gannis „Electronic Graveyard/ The Upload“

Das Bild “ Electronic Graveyard / The Upload ” erinnert stark an einen Friedhof. Anstelle der Grabsteine befinden sich Smartphones auf dem Gras. Vor einem der Smartphones, steht eine Roboterfrau. Es ist eine Anspielung auf das Zusammenwachsen aller sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Systeme der modernen Gesellschaft in eine Software. Sie ist für Gannis der unsichtbare Leim, der alles zusammenhält. Das Wort “Persona” steht für die Identität, welche Menschen im Internet annehmen und anderen präsentieren. Auf dem Bild wird die “Persona” durch die Künstlerin selbst symbolisiert.

 

Ausstellung: 15. November – 20. Dezember 2017

Hier gibt es weitere Informationen

 

schwarze Kopfhörer, braune Holzkiste

Neuer Hype:
Podcast Apps werden immer beliebter

Wer dachte, dass Podcasts total out sind, der sollte jetzt genau hinhören. Egal ob Nachrichten, Lifestyle, Wissensblogs, Hörbücher oder Comedy: Podcast Apps sind unsere neuen praktischen Alltagsbegleiter, die Autofahrten und Sportsessions kurzweilig machen.  

 

Unterhaltung auf Abruf

Audio-Beiträge, die kostenlos gedownloaded werden können, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Zum Verwalten und Abspielen wird ein sogenannter Podcatcher benötigt. Das können reine Podcast-Programme wie Winamp oder gPodder sein. Apps aus dem Google Play Store und App Store, die den gleichen Zweck erfüllen, gibt es ebenfalls. Auch Musik Streaming Dienste wie Spotify und iTunes bieten Podcasts zu unterschiedlichsten Themen an. Podcasts, übrigens ein Kunstwort aus „iPod“ und „Broadcasting“, erinnern an eine digitale Radiosendung. Allerdings mit den entscheidenden Vorteil, dass sie sich On-Demand abspielen lassen. Die sowohl zeitliche als auch örtliche Unabhängigkeit und die thematische Bandbreite sind Gründe, warum Podcasts so im Trend liegen.

 

Podcast Apps für jeden Geschmack

Viele Podcasts werden von Radio- und Fernsehsendern angeboten, wie beispielsweise 1LIVE von der ARD. Nicht nur die Leitmedien, sondern auch Privatpersonen produzieren eigene Sendungen mit unterschiedlichen Themengebieten. Deswegen ist die Anzahl der Podcasts im vergangenen Jahr stark angestiegen. Für jeden Geschmack gibt es mittlerweile den passenden Podcast: Von Interviews mit Ernährungswissenschaftlern zum Thema Fleisch, Wissens-Podcasts wie “Stuff you should know” oder “IQ – Das Magazin” über “Coffee Break”, um in der Kaffeepause eine neue Sprache zu lernen.

 

Politik für Anfänger

Wer sich beim Joggen über die neuesten Geschehnisse in der Politik informieren möchte, kann sich über den Podcast “Lage der Nation” aus Berlin mit Philip Banse und Ulf Buermeyer freuen. Wöchentlich erscheint eine neue Ausgabe, in der über das tagespolitische Geschehen informiert wird. Aufgrund der detaillierten Hintergrundinformationen, verstehen auch Menschen ohne großes Hintergrundwissen die thematisierten Ereignisse. So ist man morgens im Büro perfekt für den Small Talk gewappnet und hat sich auch noch sportlich betätigt. Was will man mehr?  

 

Pärchen umarmt sich auf Berg zum Artikelthema neue Dating-Apps

Sehen, hören, dichten, lieben?
Neue Dating-Apps im Vergleich

Hachja, die Liebe – verworren und schön zugleich. Ob der Beziehungsstatus nun “es ist kompliziert”, “Single” oder “Mingle” lautet: Jeder sehnt sich früher oder später nach ihr. Dennoch gibt es in Deutschland mehr Alleinstehende denn je – Tendenz steigend. Wenn es dann unter den existierenden Partnerschaften heißt: “Und wo habt ihr euch kennengelernt”, hat man den Eindruck, dass immer öfter die Antwort “im Internet” fällt. Neue Dating-Apps versprechen auf kreative Art und Weise, die große Liebe zu finden. Die Anwendungen sprechen ganz unterschiedliche Sinne an. Dabei zählt meist der erste Eindruck: Wie ist es Menschen einzig und allein anhand der Stimme, einer Frage oder Antwort kennenzulernen? Kann daraus Liebe entstehen?

Wenn Menschen und Beziehungen zur Ware werden

Die wohl bekannteste und meistgenutzte Dating-App ist Tinder – vollkommen überlaufen und fast schon aus der Mode gekommen. Ihren Ruf als Plattform für schnelle Nummern hat sie bereits weg. Für viele ist die App auch nur ein Mittel zum Zweck, das eigene Ego aufzupolieren. Schuld daran ist nicht zuletzt die oberflächliche Funktionalität: Personen werden einzig und allein aufgrund von Fotos nach links oder rechts (weg)gewischt und bewertet. In Apps wie badoo wird es sogar so gruselig, dass die eigene Beliebtheit anhand von Ampelfarben angezeigt wird. Da sieht der ein oder andere nur noch rot… Anhand von Fotos können sogar Doppelgänger von Brad Pitt oder dem eigenen Nachbarn gesucht werden. Hier wird der Mensch austauschbar, er wird zur Ware in einem Massenmarkt. Und der Onlinedating-Markt? Boomt!

Neue Dating-Apps versprechen durch besondere Funktionen besondere Treffen

Zahlreiche Anbieter werben damit, anders zu sein als Tinder und Co.. Statt Massenabfertigung, versprechen sie Tiefgang. Sie versuchen, die Nadel im digitalen Heuhaufen auf kreative Art und Weise zu finden. Dafür besinnen sie sich wieder auf das Wesentliche: Slow-Dating statt Massenabfertigung, Kreativität statt Standartsprüche, mehr Sinneseindrücke statt standardisierter Bilder. 

Once: Du musst nicht viele Frösche küssen

Qualität statt Quantität ist das Leitmotiv der Dating-App Once. Hier werden dem Nutzer jeden Tag jeweils nur wenige, meist drei bis sechs Vorschläge, unterbreitet. Diese sind laut Entwickler das Resultat eines Matchmakings: „Erstmal trifft ein Algorithmus anhand von etwa 40 Kriterien – beispielsweise Alter, Standort und sexueller Orientierung – eine Vorauswahl von 15 bis 20 potenziellen Matchpartnern”. Das klingt erstmal nicht besonders innovativ. In einer ähnlichen Größenordnung können Nutzer dann jeden Tag andere User ’swipen‘. So ergeben sich bereits Matches. Doch noch ist die Kontaktaufnahme nicht möglich. Zunächst werden (aus datenschutzrechtlichen Gründen) ausschließlich Fotos an einen Matchmaker von Once übergeben. Dieser stellt dann anhand von Details oder dem optischen Eindruck die Paare zusammen. So bilden sich die wenigen Vorschläge, die einem dann unterbreitet werden. On top ist es auch möglich, dass ein guter Freund für einen auswählt. Ein Mix aus Algorithmen und Jemanden, der nach subjektivem Eindruck entscheidet, ob Menschen optisch gut zusammenpassen: Absurd? In jedem Falle ist es äußerst angenehm, nicht permanent mit Vorschlägen überhäuft zu werden.

Erhältlich für iOS  und Android

Candidate: Literarisches Frage-Antwort-Spiel

In Candidate wird es literarisch, gar poetisch? Das Swipen funktioniert anhand von Fragen. Je nachdem, ob diese einem, zusammen mit dem Bild und Profil des Kandidaten, gefallen, entscheidet man, ob man antworten möchte oder nicht. In weiteren Spielen entstehen die Matches ausschließlich anhand von Fragen. Bilder und Profildetails gibt es dann nicht. Stattdessen verleiht der Nutzer den Antworten eine Platzierung. Nach und nach werden so Kandidaten ausgeschlossen. Am Ende gibt es ein Match zwischen dem Fragesteller und der – anhand der Antworten – am besten zu ihm passenden Person. Was hier zählt, ist das geschriebene Wort. Allerdings mussten wir feststellen, dass nicht jeder ein Talent zum Schreiben hat. Viele Fragen sind einfallslos, oberflächlich oder nicht einmal zu verstehen. Bei manch anderem geht hingegen die Phantasie durch. Manchmal lassen sich jedoch auch Wesenszüge erahnen. Hier eine kleine Auswahl:

“Ist dein zweiter Zeh länger als der große?”

„Wir sind in einer Beziehung. Wie reagierst du, wenn ich dich ärger und mega Spaß dran habe?“

“Bier oder Bananenhefe mit Lemon?”

“Welchen Duft/Geruch liebst du am meisten?”

„Candelight-Döner mit Bier aus der Dose?“

“Würdest du lieber Tarzan oder Batman daten?”

„Als ich 6 Jahre alt war, war meine Schwester halb so alt wie ich. Jetzt bin ich 70. Wie alt ist meine Schwester?“

„Wenn ich ich bin und du du bist, wer ist dann cool?“

Erhältlich für iOS und Android

Whispar: Die Stimme als erster Eindruck

Sprich mit mir, heißt es bei whispar. Denn die Partnerwahl erfolgt anhand der Stimme. Zunächst können Nutzer das Foto der anderen Person nicht sehen, sie hören diese ausschließlich. Das Bild wird mit der Zeit immer klarer. Anschließend kann man entscheiden, ob man verbunden werden möchte. Bei whispar legt sich jeder User ein 30 sekündiges Stimmprofil an. Eine Stimmfarbe kann anziehend sein. Doch kann sie auch Charakter und Optik in den Schatten stellen? Phillip versucht es mit einem durchgängigen Flüsterton. Dabei wird jedoch nicht ganz klar, ob er nun Erotik versprühen oder sich einfach nur abheben möchte.

Erhältlich für iOS und Android

Bumble: Die Bienen entscheiden

Bei Bumble macht immer die Frau den ersten Schritt. Dafür hat sie 24 Stunden Zeit. Der ausgewählte Mann kann ihr dann ebenfalls innerhalb von 24 Stunden zurückzuschreiben. Die ganze App ist im Honigbienen-Stil gestaltet. Bis auf die festgelegte Regelung zur Kontaktaufnahme, gleicht die Funktionalität den klassischen Swiping-Apps. Fast alle Profile wirken aber seriös und vermitteln den Eindruck, dass hier Menschen angemeldet sind, die ernsthaft an einer Beziehung interessiert sind. Der Mann muss nicht immer den ersten Schritt machen. Nur schade, dass ihm diese Möglichkeit hier sogar verwehrt bleibt. Oder nicht?

Erhältlich für iOS und Android

OkCupid: Prozentualer Vergleich von Persönlichkeit und Interessen

Ob „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“: OkCupid erstellt und vergleicht Persönlichkeitsprofile. Dafür wird man in einer Art Interview zu Dating, Lifestyle, Religion, Sex, Ethics and Other befragt. Hier kann jeder jeden anschreiben und selbst entscheiden, wie viele angebliche Gemeinsamkeiten wichtig sind. Schnell mussten wir feststellen, dass die Fragen mitunter doch sehr unbequem und direkt sein können. Um den heißen Brei wird hier auf jeden Fall nicht geschwafelt. Bei uns gingen die Meinungen darüber, wie wir das finden, sehr weit auseinander. Hier ein kleines Beispiel dafür, was einen die App so fragt:

“Have you ever fantasized about hooking up with a co-worker?“

  • „yes, and I have acted on it“
  • „yes and I have not acted on it“
  • „no”

Übrigens hat man ebenfalls die Möglichkeit auszuwählen, was die andere Seite darauf antworten soll. Liegt man selbst zum Beispiel gerne unten, kann praktischerweise gleich angegeben werden, dass der Partner doch bitte das Gegenteil ankreuzen soll. Na dann dürfte ja wohl nix mehr schief gehen!

Was bringen neue Dating-Apps?

Letztlich verführt das Netz seine User allein durch die zahllosen Optionen dazu, wählerisch zu werden. Gibt es noch jemand schöneren, besseren, tolleren? Vielleicht kommt ja gleich ein noch geeigneterer Kandidat. „Was nützt dir die schönste Schüssel, wenn nichts drin ist“, lautet der Rat unserer Großmütter. Und sie haben recht. Vielleicht ist diese eine Person, die auf dem Bild so gar nicht dein Typ ist, ja in Wahrheit ein Seelenverwandter. Na klar sind die neuen Apps interessant, mehr als rein äußerliche Aspekte von einer Person zu erfahren. Wissenschaftlich ist es sogar bewiesen, dass beispielsweise die Stimme zur Anziehung beiträgt. Doch wo bleibt bei derartigen Apps das wirkliche Kennenlernen eines Charakters? Können wir das so überhaupt noch?

Eine Dating-App bietet die Chance, dass sich zwei Menschen kennen und lieben lernen, die sich im normalen Alltagsleben aufgrund von Schüchternheit, verpassten Gelegenheiten oder anderen Umständen vielleicht nie begegnet wären. Gleichzeitig eröffnet das Web eine Vielzahl an Optionen und Möglichkeiten immer wieder neue Personen kennenzulernen. Wenn man einzig und allein ein wenig Spaß sucht, okay. Jemanden wirklich KENNENLERNEN, kann man allerdings nur im wahren Leben. Vielleicht kommt es deshalb gar nicht so sehr auf die Frage nach der richtigen App, sondern auf unsere innere Einstellung an. Klingt komisch, aber eventuell sollten wir uns erst einmal mit unserem eigenen Ich daten: Denn nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben und begreift, dass es in Herzensangelegenheiten kein Besser oder Schlechter gibt.

Durchblick im Parteien-Dschungel?
Wahl-App im Tinder-Style und ein Musikomat

Wer die Wahl hat, hat die Qual, heißt es so schön. Oder doch nicht? Zahlreiche Apps zur Bundestagswahl 2017 versprechen die passende Partei zu finden, die die eigenen Werte und Vorstellungen vertritt. Der Klassiker unter ihnen ist der Wahl-O-Mat. Neue Anwendungen nutzen nun ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Eine von ihnen tindert: Die App WahlSwiper, erhältlich für iOS und Android, geht nach dem Auswahlprinzip der bekannten Dating-App vor. Leere Versprechungen oder ein Traum-Match? Und was hören die Politiker eigentlich so unter der Dusche?

Die veröffentlichten Programme der Parteien sollten die Grundlage für eine gut überlegte Wahlentscheidung sein. Doch die 113 Seiten der SPD oder die 75 Seiten der Union wirken allein durch ihren Umfang nicht besonders einladend. Wer liest sich schon gerne derartige Wälzer durch? Da fehlt einem dann doch meist entweder Zeit oder Muse. Diversen Apps gelingt es nun, mal mehr und mal weniger, Licht ins Programm-Wirrwarr zu bringen. Unterhaltsam sind die folgenden in jedem Falle.

Politisches Tindern mit neuer Wahl-App 

Der WahlSwiper nutzt das Prinzip von Tinder und vereinfacht den Entscheidungsprozess auf spielerische Art und Weise. Nacheinander werden dem Nutzer 30 Fragen aus unterschiedlichen Rubriken wie zum Beispiel Arbeit, Bildung, Umwelt, Außenpolitik, Gesundheit sowie Familie und Gesellschaft gestellt. Aus dem Themenfeld Internet erscheint die Frage: “Sollen soziale Netzwerke zur Löschung von Desinformationen wie “Fake News” gesetzlich verpflichtet werden?” Ein Wisch nach links steht für Nein, mit rechts bekundet man seine Zustimmung. Wem etwas unklar ist, dem wird die Frage in einem kurzen Video noch einmal ausführlicher erklärt. Wer sich “verwischt” hat, kann auch noch einmal zurück gehen und seine Wahl ändern. Und wer sich unschlüssig ist, der kann einzelne Fragen überspringen. Im Endergebnis wird dann ein Ranking erstellt, dass mittels prozentualer Gewichtung anzeigt, inwieweit die eigenen Vorstellungen mit den Plänen und Leitsätzen der einzelnen Parteien übereinstimmen.

Parteifilter nach Musikgeschmack: Was hören Merkel, Schulz und Co.?

Wer sich jetzt noch nicht verliebt hat, kann ja mal in sich horchen – und in die Playlisten der Parteien. Denn Deezer hat sich zur Bundestagswahl mit dem Musikomat eine kleine Spielerei ausgedacht. Auf der Website kann man herausfinden, mit welcher Partei der eigene Musikgeschmack am meisten übereinstimmt. Dafür beantworten die Nutzer Fragen rund um ihre musikalischen Vorlieben und Momente. Die zur Auswahl stehenden Antworten sind natürlich mit Beispielsongs unterlegt. On top wurde zu jeder Partei eine Playlist angelegt. Die Zusammenstellungen kommen von den Parteizentralen höchst persönlich. Der Musikstreaming-Dienst-Anbieter bat CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke je eine Playlist mit 17 Musiktiteln zu erstellen. Die Parteimitglieder waren eingeladen den Lieblingssong des Vorsitzenden, die Musik für eine Wahlparty und inoffizielle Parteihymnen anzugeben. Die CDU geht da schon mal „Atemlos durch die Nacht“, und die FDP mag Techno, die Linke Punk.

Hier eine kleine Auswahl was bei den Parteien sonst noch so läuft:

SPD

Auf Der Guten Seite – Sportfreunde Stiller
Sexy And I Know It – LMFAO
Angie (2005 Digital Remaster) – The Rolling Stones

CDU

Einigkeit und Recht und Freiheit – Berliner Philharmoniker 
Tage wie diese – Die Toten Hosen
Thunderstruck – AC/DC

Die Grünen

Haus am See – Peter Fox
We Are Family – Sister Sledge
BE DEUTSCH! – Jan Böhmermann

Die Linke

Im Zweifel für den Zweifel – Tocotronic
Ein ehrenwertes Haus – Udo Jürgens
We Are Your Friends (Original Mix) – Simian

FDP

Alles neu – Peter Fox
No Roots – Alice Merton
Despacito Luis Fonsi – Daddy Yankee

Das angebliche Lieblingslied von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir lieben die Stürme“ von Ronny. Martin Schulz hört laut SPD am liebsten „Penny Lane“ von den Beatles.

Außenansicht der Uffizi Gallerie in Florenz zum Artikel Übersetzungsapps in Museen

Die Kunst der Sprache:
Übersetzungsapps in der Uffizi Galerie

Es ist August und wie jedes Jahr lockt die Toskana Touristenmassen aus aller Welt an. NeoAvantgarde war mit dabei und hat neben imposanter Kunst und leckerem Wein auch neue Übersetzungsapps entdecken können.

Ein Besuch in der Galerie der Uffizien

Es ist 8 Uhr, die Uffizi Galerie in Florenz soll in 15 Minuten öffnen. Der Innenhof ist bereits gefüllt mit zahlreichen Touristen aus aller Welt, Militär und einigen Mitarbeitern, die versuchen, schon mal etwas Ordnung zu bringen. Eine Sicherheitskontrolle und eineinhalb Stunden später bin ich drin. Gemeinsam mit den Massen ströme ich in die mit Gold verzierten Hallen der Galerie. Von ihren Wänden schauen die Ahnen der Medici-Familie auf einen herab. Los geht es im zweiten Stock, hier wird sich von oben nach unten gearbeitet. Die bekanntesten Künstler Italiens und der Welt hängen und stehen hier teilweise auf engstem Raum. Zu den Stars der Ausstellung gehören Botticelli’s Venus, der Medici-Liebling Michelangelo, Leonardo da Vinci und Caravaggio. Die Leute drängen sich mit ihren iPads, iPhones und Spiegelreflexkameras vor die Meisterwerke um diese festzuhalten: Für sich und ihre Facebook-Profile. Es ist fast eine Art Hobby von mir geworden, in Museen und Galerien nicht nur die Werke zu betrachten, sondern auch die Besucher zu beobachten. Neben einfarbig angezogenen Hipstern und Prada-Intellektuellen gab es auch einige asiatische Reisegruppen.

Übersetzungsapps in einem Museum – das neue Zeitalter der Kommunikation

Vor der besagten Venus von Botticelli konnte ich deshalb beobachten, wie eine Frau aus Korea ihr Smartphone zückte und es auf den Erklärungstext neben dem Bild hielt. Wir dachten zunächst, dass sie (wie erstaunlich viele Besucher) nun den Text abfotografiert. Dann bemerkte ich allerdings, wie sich der eingescannte Text auf dem Bildschirm ihres Smartphones, Zeile für Zeile in koreanische Schriftzeichen verwandelte. Am Ende eines jeden Satzes stellten sich die Satzzeichen dann in die (scheinbar) richtige Reihenfolge um. Sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich starrte wie gebannt auf den Bildschirm. Die App erkennt die Wörter und kann sie dann sinngemäß umstellen und richtig übersetzen. Einen ähnlichen Moment hatte ich in Rio, wo mir die Google-Sprach-App gezeigt worden ist. Diese erkennt das gesprochene Wort und gibt es dann in der gewünschten Sprache durch den Lautsprecher wieder. So steht dem Turm zu Babel heute wohl nichts mehr im Wege.

Solltet ihr demnächst auch mal auf eine internationale künstlerische oder kulturelle Erkundungstour gehen, dann geben wir euch folgende Apps mit an die Hand:

Mehr als nur Übersetzungsapps

Korean Talking Translator

Es klingt zwar so, als würde die App Korean Talking Translator nur koreanisch übersetzen, tatsächlich erkennt sie aber über 30 (Fremd)Sprachen. Zwischen ihnen lässt sich intuitiv und schnell wechseln. Außerdem ist eine Spracherkennung und Grammatikkorrektur integriert. On top gibt es immer ein Wort des Tages, wobei einem täglich aus jeder Sprache ein neuer Begriff, inklusive Beispielsatz, vorgeschlagen wird. Trotz kleinerer Übersetzungsmängel bei einzelnen Worten, ist diese Anwendung alles in allem eine umfassende und praktische Möglichkeit, fremdsprachliche und besonders auch umfassende Texte schnell und einfach entziffern zu können.

Scanner- & Übersetzer-App

Die App Scanner & Übersetzer kommt bereits in ihrem Namen auf den Punkt: Sie scannt via Foto alle gedruckten Schriftstücke mit Textbausteinen. Dies können zum Beispiel Dokumente, Urkunden, Bücher, Schilder oder Anleitungen sein. Die Worte werden dann automatisch erkannt und je nach Wunsch in eine von 90 Sprachen übersetzt.

Wie speziell für Museen entwickelte Apps einen Galeriebesuch nicht nur erleichtern, sondern auch highlighten, könnt ihr in unserem Artikel „Galerie to go: Wenn Museen digital gehen“ nachlesen.

blaue Rubbellose in einem Automat mit dem Gewinn von Followern zum Artikel Likes kaufen

Von einer Kunstaktion zur Realität:
Mit einem Automaten Likes kaufen

Hauptgewinn: 25.000 Follower. Der Künstler Dries Depoorter möchte Kritik am Selbstdarstellungswahn nehmen und kreierte einen Rubbellosautomaten, bei welchem man die Chance hat, Follower für seine Social-Media-Accounts abzusahnen. Eine Kunstaktion, die nun – etwas abgewandelt – bittere Realität geworden ist. In einem Moskauer Shoppingcenter steht ein Automat, mit dem man Follower und Likes erwerben kann. Die Einkaufsliste für das Wochenende: Bananen, Taschentücher, das hübsche Hemd aus dem Schaufenster, Salz, Zucker, eine Zahnbürste und . . . ein paar Herzen und Follower, per App zum Mitnehmen? Sich Ansehen und Beliebtheit quasi im Vorbeigehen erwerben zu können, ist erschreckend. Für die einen sind diese Mitbringsel eine gelungene Investition, für uns ein Fehlkauf.

Ausbleibende Bestätigung in Zeiten von Social Media

Location und Outfit sind gewählt, das Licht passt, das perfekte Foto ist geschossen, mit einem idealen Filter veredelt, dazu eine Prise Hashtags und eine schmissige Beschreibung. Das Ganze zur richtigen Uhrzeit “gegart”, hochgeladen – und fertig ist das Social Media optimierte Foto. Da kann es ja nur “Gefällt mir” – Angaben regnen. Vielleicht springen ja auch ein paar neue Follower dabei heraus. Nachdem einige Minuten, sogar Stunden, vergangen sind und die Likes ausbleiben, stellt sich bei dem ein oder anderen schnell ein leises Grummeln in der Magengegend ein. Der Social Media und Selfie-Optimierungswahn führt dazu, dass ausbleibende “Gefällt mir” – Angaben bereits reichen, um am Selbstwertgefühl der Nutzer zu kratzen.

Kunstaktion übt mit einem Rubbelllosautomaten Kritik

Automat mit dem man sich Rubbellose ziehen kann. Gewinn: Follower; zum Artikel über Likes kaufen

Einige User versuchen, dies zu kompensieren, indem sie sich Likes und Follower kaufen. Der Medienkünstler Dries Depoorter wollte diese Möglichkeit in das Bewusstsein der Menschen rufen und konzipierte dafür eine Follower-Maschine. An dem im Trademark kunstenfestival in Belgien aufgestellten „Scratch and be popular!“-Automaten können Rubbellose gekauft werden. Als Gewinn winken Follower für Twitter und Instagram.  Neben dem Hauptgewinn gibt es auch Preise die 100 oder 1000 Follower umfassen. Das Kunstwerk impliziert Kritik an der Kapitalisierung des Sozialen.

Mit Snatap-Automaten Follower und Likes kaufen

Was in Belgien als eine Kunstaktion begann, wurde in Russland nun erschreckende Realität: Ein Snatap-Automat, an dem man sich im Einkaufscenter Likes und Follower für Instagram und das russische Facebook-Pendant VKontakte erwerben kann. Ausgestattet mit einem 42-Zoll-Display gibt die Maschine einen Überblick über die eigenen Fotos und Posts auf den entsprechenden Plattformen.

Die Konditionen für die neuen Freundschaftsdienste: 150.000 Follower und 1500 Likes pro Post für 850 Dollar. 100 Likes sind somit schon für umgerechnet 77 Cent, 100 Follower für nur 1,50 Euro erhältlich. Die Ergebnisse können direkt nach der Transaktion begutachtet werden. Aufgestellt werden die Automaten von der gleichnamigen Firma Snatap. Laut Unternehmen stecken hinter den Accounts keine Fakes, sondern echte Menschen, welche dafür entweder Geld oder Likes als Gegenleistung erhalten. Die Entwickler gehen deshalb nicht davon aus, dass dies gegen die Nutzungsrichtlinien der Sozialen Plattformen verstößt.

Polaroid-Maschine und Werbemittel

Der Verkauf von Herzchen und Likes macht aber nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus. Zusätzlich können Nutzer von Instagram und anderen Netzwerken mithilfe des Automaten Fotos im Polaroid-Stil ausdrucken und auf Magnettäfelchen produzieren lassen. Zum Geschäftsmodell von Snatap gehört es, die Automaten zu vermieten. Einerseits sollen sie als Verkaufsstandort, anderseits als Marketing-Instrument dienen. Laut Pedestrian Daily liegt der Haken für die Nutzer darin, dass nach Anmeldung die eigenen Freunde hinzugefügt und Anfragen verschickt werden.

Bald auch in Deutschland?

Nach Angaben des Unternehmens existieren in Russland bereits etwa 20 Snataps, drei in der Ukraine, einer in Ägypten und einer im kanadischen Toronto. Noch in diesem Jahr sollen je zwei Automaten in den USA, Polen und ja, auch bei uns in Deutschland folgen. Wo genau ist noch unbekannt und möchte das Unternehmen nicht mitteilen.

Kapitalismus at it’s best and beyond

Eigentlich wollen wir das auch gar nicht wissen. Der Ausdruck von Social-Media Fotos im angesagten Polaroid-Look mag ja noch ganz nett sein, aber der Handel mit Likes und Followern gibt zu denken. Es ist nicht verwunderlich, dass das Geschäft nun eine Debatte auslöst. Ist es wirklich erstrebenswert, sich Anerkennung und Selbstdarstellung zu erkaufen? Ist es nicht viel schöner, Herzen zu erhalten, die auch von Herzen kommen? Der Optimierungswahn wird gefördert, Selbst- und Fremdwahrnehmung verzerrt und der Geldbeutel geschmälert. Das Geschäft mit sozialer Zustimmung mag lukrativ sein, ethisch ist es aber ein Reinfall.

Der Erwerb von Likes und Followern ist eigentlich nichts Neues. Mit dem Aufstellen von Snatap-Automaten eröffnet sich jedoch eine weitere Dimension: Soziale Zustimmung kann in sekundenschnelle, zwischen Toilettenpapier und Smoothie, erkauft werden. Der Mensch und seine Beziehungen werden nach diesem Prinzip zur schnellen Ware. Der russische Journalist Wassily Sonkin beschreibt diese Entwicklung wie folgt: „Willkommen in einer neuen Phase des Kapitalismus”. Traurig, aber wahr.

Bilder: @Kristof Vrancken (Fotograf), @Dries Depoorter (Künstler)

Video: @Louise Matsakis (YouTube)

Immersion: Tragen von Virtual Reality Brille

Theater und Immersion, Innen und Außen:
Neue Erlebniswelten

Wenn sich das immersive Theater mit dem virtuellen Raum verbindet, eröffnen sich neue Erlebniswelten. Am Mittwoch Abend besuchten wir in Berlin eine Diskussionsrunde zum Thema “Immersives Theater und virtuelle Räume”. Mit dabei waren Kay Voges (Intendant Schauspiel Dortmund), Kay Meseberg (Projektleiter ARTE 360/VR), Mona el Gammal (Szenografin) und Thomas Oberender (Intendant Berliner Festspiele). Gemeinsam wurde anhand von den aktuellen Virtual-Reality-Projekten „RHIZOMAT VR“ und „THE MEMORIES OF BORDERLINE“ versucht, einen Blick auf die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der neuen Medien sowie ihren Einfluss auf das Theater zu werfen. Immersion im Theater beschreibt dabei eine partizipatorische Darstellungsform.

Rhizomat VR

Das Projekt „RHIZOMAT VR“ entstand in einer Zusammenarbeit von ARTE und den Berliner Festspielen. Der narrative Space basiert auf der Inszenierung “HAUS//NUMMER/NULL” der Szenografin Mona el Gammal. In der analogen Version hat das Projektteam in einem ehemaligen DDR-Fernmeldeamt ein “Institut für Methodik” (IFM) konstruiert. In dem erzählerischen Raum „RHIZOMAT” hat man die Welt eines monopolisierenden und über alles und jeden herrschenden Privatunternehmens inszeniert. Der Zuschauer kann die Zukunft einer überwachten und kontrollierten Gesellschaft erleben. Nach Anmeldung stellten die Berliner Festspiele ein Ticket mit einem Code zur Verfügung. Mit diesem konnte der Nutzer sich auf der IFM-Website anmelden, musste sich für eine “Standarduntersuchung” registrieren und sehr persönliche Fragen beantworten. Dann erhielt er vom IFM einen Code mit einer konkreten Zeitangabe, musste sich zu einer bestimmten Adresse begeben und hat 50 Minuten allein in diesem Gebäude in einer Geschichte verbracht. Im Verlauf bekam er einen handschriftlichen Code für den Zugang zu einem intrafiktionalen Forum. Dort konnte der Teilnehmende Informationen zum aktuellen Zustand der Gesellschaft einsehen sowie entsprechende Lösungsansätze finden.

360°-Virtual Reality-Film als neue Erzählform

Der narrative Ort wurde nun, zusammen mit ARTE, zusätzlich in den digitalen Raum verlängert. Dafür wurde gemeinsam mit INVR.SPACE ein 360° -Virtual Reality-Film produziert. Mittels der kostenlosen ARTE360-App sowie VR-Zubehör, kann der Zuschauer in das Experiment einer neuen filmischen Erzählweise eintauchen. Der Betrachter steht dem Stück nicht gegenüber, sondern tritt hinein. Auch wenn der Zuschauer viele Freiheiten hat, zum Beispiel individuelle Blickwinkel wählen kann, gibt es eine klare Regie. Diese ist allerdings als Live-Regie dem individuellen Tempo des Zuschauers angepasst. Denn jeder erlebt und bewegt sich anders. Jeder Zuschauer kommt mit einer eigenen Biografie und erlebt individuell. Es handelt sich demnach um einen Erfahrungs- und Konstruktionsraum.

Eine vollständige Immersion?

Das Problem ist laut Szenografin, dass im Gegensatz zur analogen Situation, Abstriche hinsichtlich der Sinneswahrnehmungen gemacht werden müssen. Es ist beispielsweise nicht klar und bestimmbar, was der Zuschauer riecht und fühlt. Ein weiteres Problem war, dass der Zuschauer sich nicht physisch im Raum bewegen konnte. Dies haben die Verantwortlichen gelöst, indem sich die Räume um den Besucher herum bewegen. Die VR-Brille wird sogar selbst zum Protagonisten. Es geht darum, die Brille abzunehmen, um wieder hinsehen zu können.

Der Projektleiter spricht von einem “Paradigmenwechsel. Weg vom Klassischen, eine Antenne und ganz viele Fernseher und die Leute sitzen davor, hin zu einer Reihe von Antennen mit verschiedenen Devices, Gegenständen und Bildschirmen, auf denen man das sieht. Und da wiederum ist VR und 360 Grad schon noch eine sehr exemplarische Technologie, weil das eigentlich das erste interaktive Medium ist, was auf verschiedenen Plattformen darstellbar und publizierbar ist”.

The Memories of Borderline

Ebenfalls zum Leben erweckt wird die Umgebung des VR-Theaterstückes „THE MEMORIES OF BORDERLINE“. Das Projekt wurde vom Schauspiel Dortmund in Kooperation mit CyberRäuber kreiert. Die Besucher können sich per Vive-Brille in einem visuell-akustischen 3D-Raum selbstbestimmt durch die Kulissen der Inszenierung “Die Borderline Prozession” von Kay Vogues bewegen. Das ursprüngliche Theaterstück zeichnet sich insbesondere durch seine runde, durch eine Betonwand getrennte, Bühne aus, um welche sich eine Kamera bewegt und immer wieder verschiedenste Blickwinkel auf die einzelnen Räume, auf das Innen und Außen, wirft. Die Bilder werden dabei über der Bühne mit Texten und anderen Elementen kombiniert und präsentiert. Für das VR-Werk kamen Laserscans des Bühnenbildes, eine volumetrische Aufzeichnung der Schauspieler, 360° und 180°-Filmaufnahmen sowie -Stills zum Einsatz. Bei diesem Projekt kann der Besucher auf und in die Bühne gehen und die Erzählregie selbst mitgestalten.

Die Zuschauer sind nicht mehr nur Zuschauer, die sich in ihrem Sessel zurücklehnen. Sie sind selbst Teil der dynamischen Inszenierung. Regisseure, Schauspieler und Publikum spielen gleichzeitig und mit einem direkten Live-Feedback. Die Initiatoren beider Projekte bezeichnen ihr Werk als unvollständig und in einem ständigen Prozess.

VR-Theater: Eine Revolution?

In dem Gespräch kommt das Thema der medialen Entwicklung auf. Kay Vogues vergleicht die aktuellen Entwicklungen mit der Revolution des Buchdruckes, oder der Fotografie. So führten diese zu Veränderungen verschiedenster Natur. Und immer gab es mehr oder weniger begründete Sorgen über mögliche Auswirkungen. Er führt fort: “Jetzt haben wir VR und wieder eine Sprache. Der Körper verabschiedet sich noch mehr. Er ist auf einmal wie herüber gebeamt in eine andere Welt, in eine andere Zeit und wieder ist es eine neue Sprache. Und das ist Pionierarbeit. Und ich habe das Gefühl, das ist so ein Moment wie beim Buchdruck. Jetzt sitzen wir da und fragen: Was ist die Möglichkeit, was kann diese VR geben, was wir nicht können”. Oft wird gefragt “wie nah eigentlich immer die Virtualität, der Traum und das Spiel so zusammenhängt und auf einmal hat man ein Medium gefunden, wo das zusammenkommt, was sehr nah am Theater ist”, so der Intendant.

Virtual Reality: Chance oder Risiko?

In der Diskussion fragen sich die Gäste, ob Virtual Reality demnach eine Chance oder ein Risiko darstellt. Mona el Gammal bezieht sich auf den aktuellen Hype, beschreibt, dass Künstler ihre Vorstellungswelten durch VR mehr denn je ausleben können. Sie gibt jedoch Bedenken hinsichtlich psychisch negativer Auswirkungen und/oder Missverständnisse. Dabei betont sie: “Ich möchte das Medium nicht einfach verteufeln, aber ich finde schon, dass Virtual Reality noch einmal ein anderer Schritt ist, weil mein Körper verschwindet, weil ich keine Referenz mehr habe. Da ist nicht mehr der Screen, ich bin nicht mehr im Raum, ich bin nicht mehr mit anderen Menschen da, ich bin da alleine, ich sitze da auch teilweise fest”. Die Technik ist im permanenten Wandel. Die Gäste überlegen: Noch erfordert der virtuelle Erlebnisraum eine Brille, irgendwann könnte auch sie für ein derartiges Erlebnis nicht mehr nötig sein. Momentan gibt es auf der Bühne Schauspieler, irgendwann könnten auch diese durch ein Hologramm ergänzt oder gar ersetzt werden. Ob das wünschenswert wäre ist allerdings fraglich.

Der Projektleiter von ARTE 360/VR, Kay Meseberg ist der Meinung, dass gerade die Ungewissheit und Neuartigkeit diese Immersion so interessant macht: “Wir schauen uns diese Technik an, solange sie interessant ist und solang man dieses Momentum hat, dabei zu sein, wenn da etwas entsteht. Wenn das irgendwann zum Standard oder einem Massenmedium wird, dann wird das wahrscheinlich irgendwann auch wieder uninteressanter sein. Bei VR ist sowieso die große Frage: In welcher Art und Weise wird sich das, was jetzt noch absolute Nische ist, überhaupt irgendwann einmal dahin entwickelt, dass man dort von einem Massenmarkt oder großen Markt sprechen kann”. Für ihn kann man Virtual Reality, aufgrund von fehlender Komfortabilität und fehlenden Inhalten, noch nicht auf eine Stufe mit Kino, Fernsehen, Game Industrie und Radio stellen.

Es bleibt ein spannender Prozess. Ein Blick in die Welt des Virtual Reality-Theaters lohnt in jedem Fall!

 

Bild: @unsplash, Andrew Robles

Videos: @arte, @Cyberräuber

Smartphone wird vor bunte Graffiti Wand gehalten, sodass Streetart online animiert wird

Streetart online:
Die App GIF-ITI Viewer macht’s möglich

GIF-ITI Viewer – eine App, mit der Straßenkunst zum Leben erweckt wird. Der Begriff „GIF-ITI“ wurde von INSA geprägt. Er ist einer der bekanntesten Graffiti- und GIF-Künstler aus Großbritannien. In der digitalen Kunstszene hat er sich mit seinen Animationen längst einen Namen gemacht. GIF-ITI umschreibt die Kombination aus Offline-Kunst und Online-Techniken. Denn INSA übermalt seine Kunstwerke immer wieder. Die einzelnen Etappen hält er auf Fotografien fest. Dadurch entstehen zahlreiche Schichten, welche dann zu einem GIF animiert werden.  Auf diese Weise verbreitet sich die Streetart online.

Streetart online als erweiterte Realität

Mit der GIF-ITI Viewer App (erhältlich für Android und iOS) können seine Kunstwerke nun gleichzeitig online und real als „augmented reality“ bestaunt werden. Der Begriff der „erweiterten Realität“ beschreibt die visuelle Ausweitung der Wirklichkeit durch computergestützte Funktionen. Demnach befindet sich der Nutzer in der realen Welt. Gleichzeitig ist er durch sein Smartphone oder eine entsprechende Brille virtuell unterwegs. Durch diese Vermischung entsteht demnach eine neue Wahrnehmung,  eine „erweiterte Realität“.

Die Graffitis sind in vielen Weltstädten wie Paris, Montreal oder Miami zu finden. Steht der Nutzer vor dem Streetart-Kunstwerk, erscheint dieses auf dem Smartphone-Display als finale Animation. Dadurch vermischen sich digitale und reale Räume unmittelbar. Wir hoffen, dass wir das Ganze bald auch in unserer Stadt Berlin anwenden können.  Zwar heißt es in der App, die Stadt sei mit auf der Liste, noch können wir Berliner-Streetart online aber noch nicht erweitern.

Doch keine Sorge, falls eure Stadt noch nicht mit dabei ist. In der App zeigen Videos beispielhaft, wie den Werken vor Ort Leben eingehaucht wird. Entsprechend groß ist die Vorfreude!

Bild: @pixabay,  BarbaraALane

Konzert Bühne Fête de la Musique Berlin Menschenmasse

Die Fête de la Musique 2017 im Überblick:
digital und mit unseren Tipps für Berlin

Ob piano oder forte, ob Rock oder Pop, ob Solist oder Band, ob drinnen oder draußen, ob Profi oder Hobby-Musiker – bei der Fête de la Musique ist für jeden Geschmack etwas dabei! Alle Jahre wieder feiern Menschen weltweit, zum Sommeranfang am 21.06., das Fest der Musik, the Worldwide Music Day. In den Straßen der insgesamt 540 teilnehmenden Städte, davon 300 in Europa und 47 in Deutschland, finden sich Musikliebhaber zusammen und lassen sich von Klängen unterschiedlichster Natur treiben – den ganzen Tag, zum Nulltarif.

Auch Berlin zelebriert die Liebe zur Musik auf über 100 Bühnen in unterschiedlichen Spots, in allen 12 Bezirken der Stadt. In diesem Jahr sprechen die Veranstalter von einer Rekord-Beteiligung. So sind am Mittwoch über 25 neue Locations mit dabei. Da kann man schon einmal die Übersicht verlieren. Die kostenlose App FETEberlin (erhältlich für iOS und Android) versucht dem entgegenzuwirken. Wir haben sie getestet, verraten Euch, ob sich ein Download zur optimalen Vorbereitung auf Mittwoch lohnt und geben Euch alle weiteren Infos in die Hand, um den Tag musikalisch auskosten zu können.

App FETEberlin

Die App macht Angaben zur Geschichte des musikalischen Festes und klärt über die Regeln zur Straßenmusik auf: Wer darf wann, wie und was musizieren. Die integrierte FdM-Berlin Map verschafft dem Nutzer zunächst einmal einen Überblick über alle Bühnen sowie das jeweilige Programm vor Ort. Wird eine der Locations ausgewählt, so erhält man die wichtigsten Informationen: die Agenda, inklusive Uhrzeiten, Künstler sowie Angaben zum Gerne. Wer lieber direkt nach Bezirk, Bandname, Bühne, Stilrichtung (z.B. Hip Hop, Rock, Raggae, Indie) und/oder Eventart (z.B. Open Air, Indoor, Fête de la Nuit) filtern möchte, kann dies in einer gesonderten Suchmaske ebenfalls tun.

Die YouTube-Playlist FETE-Künstler 2017, auf welche die App verweist, ist gespickt mit den Musikvideos teilnehmender Künstler – so kann man sich bereits im Vorfeld erkundigen, welche Acts interessant und einen Besuch wert sind.

Mithilfe der App können sich die Nutzer einen guten Überblick über die musikalischen Highlights und die benötigten Informationen verschaffen – insbesondere für Kurzentschlossene eine schnelle und effektive Möglichkeit, sich musikalisch durch den Tag zu manövrieren. So findet jeder für seinen individuellen Musikgeschmack die richtigen Locations. Bedenken sollte man jedoch, wie bei allen Veranstaltungen dieser Größenordnung auch, dass in den Ballungszentren die benötigte Internetverbindung schwächeln kann.

Unsere Tipps für Eure Fête de la Musique 2017

Für den ersten Überblick geben wir euch schon einmal einige Tipps für die Fête de la Musique in Berlin mit. Bisher meint es der Wetterbericht gut mit uns, sodass sich die letzten Sonnenstrahlen beispielsweise gut im Birgit & Bier genießen lassen: Auf zwei Open Air Floors wird unter Beweis gestellt, dass auch an ein und demselben Standort unterschiedliche Geschmäcker auf ihre Kosten kommen können. So treten hier die Künstler The Blue Ones (Blues), Rosie and the Amateurs of Speed (Folk), B6BBO (Power Polka), SwingSchlampen (Swing), RasgaRasga (Gipsy, Balkan) sowie Mike Book, DirrtyDishes, Daniel Jaeger und Mr. Schug (Dance, Electro) auf.

Auch auf dem RAW-Gelände im “Badehaus x Cassiopeia Openair” gibt es einen bunten Musik-Mix: Von HipHop, Soul und Funk über Pop, Indie, Alternative oder Garage ist alles dabei.

Der Mauerpark ist jedes mal aufs neue Highlight der Fête de la Musique in Berlin. Im Programm der Red Bull Music Academy stehen Auftritte von Cuthead, Alis, Jameszoo, Dorian Concept, Thundercat und Flying Lotus. In der Vergangenheit besuchten die Mauerpark-Bühne ca. 15.000 Besucher. Leider bleibt uns dabei aber auch eine schlechte Nachricht nicht erspart: Kurz nach der Fête de la Musique beginnen im Mauerpark zwei Jahre andauernde Bauarbeiten. In diesem Zeitraum ist der Park zwar zugänglich, Veranstaltungen dieser Art können dort jedoch nicht mehr stattfinden. Ein Argument mehr, die Location auf dem Plan zu haben – so als Abschied.

Auch leise Töne

Fête de la Musique = laute Party-Sounds? Nicht nur! Schließlich lebt das Fest von seiner musikalischen Vielfalt! So kommen auch die leisen Töne nicht zu kurz. Wer möchte, kann sich zum Beispiel beim Event “Yoga meets Music at BeachMitte”, passend zum gleichzeitig stattfindenden internationalen Yoga-Tag, entspannen. Meditieren statt tanzen – auch das ist möglich.

Wer es lieber klassisch mag, sollte den Tag im Nikolaiviertel verbringen – hier spielen hauptsächlich traditionell klassische Musiker. Auch der Berliner Dom ist mit zahlreichen Chören ein geeigneter Anlaufpunkt – von Barock bis Filmmusik ist hier alles vertreten.

Bis die Wolken wieder lila sind

Um 22 Uhr muss das musikalische Erlebnis noch lange nicht vorbei sein. Beim sich anschließenden Fête de la Nuit kann bis in die Nacht hinein getanzt und musiziert werden. Insgesamt setzen 25 Standorte ihr Programm indoor fort, darunter: Gretchen, Yaam, Kesselhaus-French Night, Tresor Club, Ritter Butzke, Hafenbar Tegel, Mein Haus am See, Musik & Frieden sowie der Void Club Berlin.

 

Die Fête de la Musique Berlin – am Mittwoch, den 21.06.2017
Wetterprognose: sonnig, 25 Grad

– Musik in unseren Ohren!

 

Bild: @Fete berlin,  Fotograf: Dirk Mathesius