Wenn Personaler das eigene Social Media-Profil stalken

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Ob das feuchtfröhliche Party-Bild vom letzten Wochenende, der aktuelle Beziehungsstatus, ein Bild des gestrigen Mittagsessen, oder kürzlich gelikte Personen, Marken und Unternehmen – tagtäglich teilen wir auf Social Media Plattformen mehr oder weniger Informationen über unser Leben. Doch sind wir uns auch immer wirklich darüber bewusst, wer in unserem Leben mitlesen kann? Freunde? Klar! Bekannte? Ja, wahrscheinlich. Die Außenwelt? Ja, es ist okay! Doch was passiert, wenn uns die Personalabteilung jenes Unternehmens googelt, bei welchem wir uns kürzlich beworben haben? Was ist öffentlich, was nicht? Was sagt das Profil über uns als Person aus? Und was bedeutet dies für den weiteren Bewerbungsprozess?

Personaler achten längst nicht mehr nur auf Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse. Sie bedienen sich der Möglichkeiten des Internets und der Digitalisierung. Immer mehr Firmen nutzen Social Media für ihre Unternehmenskommunikation. Doch Facebook, Twitter und Co. werden zunehmend auch für Recruiting-Zwecke eingesetzt. Nach einer vom Branchenverband Bitkom durchgeführten Studie informieren sich fast die Hälfte der befragten Personaler auf derartigen Plattformen über ihre Bewerber. 75 % sprechen dieser Verfahrensweise sogar eine zunehmende Bedeutung zu. Die in einer Bewerbung gelisteten Angaben können für die Verantwortlichen zwar aufschlussreich sein, geben allerdings wenig Auskunft über den Menschen dahinter. Nicht alle positiven oder auch negativen Eigenschaften lassen sich anhand einer schriftlichen Bewerbung ablesen. Insbesondere Soft Skills, wie die zwischenmenschliche Kommunikation, Ausdrucks- und Umgangsformen sowie Wertvorstellungen können wichtige Kompetenzen darstellen.

Zeig mir, wer du bist

Die Plattform Xing ist ein Beispiel dafür, wie Firmen und Interessenten bewusst aufeinander zugehen und Informationen miteinander teilen können. Die meisten Plattformen dienen jedoch privaten Zwecken und sind Ausdruck der eigenen Persönlichkeit in all ihren Facetten – zumindest dem Gefühl der meisten Nutzer nach. Sie sind private Räume, in denen User ihre Lebensereignisse teilen. Gerade deshalb geben sie interessante Aufschlüsse und tiefgründige Einblicke. So können sich allein schon im User-Namen Vorlieben und Persönlichkeitsmerkmale widerspiegeln. Werden Kandidaten wie “mickeymouse85” oder “chillpaule” dadurch vielleicht direkt aussortiert oder erhalten diese dafür sogar einen Pluspunkt in Sachen Sympathie und Kreativität? Doch auch ein Blick in Details wie Fotos, Profilbeschreibungen oder Postings können im Run um die Jobs entscheidend sein. Derartige Informationen geben der Person ein Gesicht und ermöglichen Personalverantwortlichen einen Blick hinter die Fassade. Ähnlich wie Profiler des Kriminalamtes können sie den “Fall” in umfangreichem Maße analysieren: berufliche Angaben können abgeglichen, Rechtschreibung überprüft, Ausdrucksfähigkeit beurteilt werden. Welche Prioritäten setzt der Bewerber in seinem Leben, was macht er in seiner Freizeit? Was ist ihm wichtig? Veröffentlicht er gar brisante Informationen über ehemalige Arbeitgeber? Was teilt er und vor allem: was nicht?

Die Frage ist, ob dieses Bild wirklich der Persönlichkeit des Bewerbers entspricht. Derartige Plattformen sind Räume der Selbstdarstellung und verleiten dazu, ein Idealbild von sich zu kreieren, welches letztendlich nicht der wahren Identität entspricht. Zwar wird hierbei häufig weniger an zukünftige Arbeitgeber, als an die allgemeine Öffentlichkeit oder Freunde und Bekannte gedacht, aber genau darin kann psychologisch gesehen zusätzlich ein ausschlaggebender Faktor für die Personalabteilung liegen. Ist der Bewerber authentisch? Oder handelt er eher sozial erwünscht? Was gibt er von sich preis, was nicht? Dies zu erkennen benötigt allerdings einen geschulten Blick das Profil im Zusammenhang zu betrachten und ist als Kritikpunkt an einer Bewerberauswahl 2.0 zu werten.

Wo hört Privatsphäre auf und wo beginnt Öffentlichkeit?

Das Netz vergisst nie, heißt es so schön. Doch wenn wir ehrlich sind, sind wir in den meisten Fällen selbst dafür verantwortlich, was auf besagten Seiten über uns zu finden ist. Letztendlich liegt es in unserer Hand: Datenschutz- und Sicherheitseinstellungen ermöglichen nur das ganz offiziell Preis zu geben, was auch gewünscht ist. Es benötigt das Bewusstsein darüber, was wir mit wem teilen. Würden wir jedem beliebigen Menschen auf der Straße unser Familienfoto in die Hand drücken? Ist es wirklich nötig, dass jeder weiß was wir gestern zum Mittag gegessen haben oder wann wir schlafen gegangen sind?

Wenn jene Dinge unserer wahren Persönlichkeit entsprechen und wir sie aus voller Überzeugung und mit gutem Gewissen teilen können: Warum nicht? Es kommt immer auf das Maß an, auf die Mischung, vor allem aber auf die Authentizität!

Konnten wir den gewünschten Job ergattern, gehen wir mit dem Unternehmen eine Art Beziehung ein. Spinnt man das Ganze weiter, dann verhält es sich ähnlich wie bei einer Liebesbeziehung: wer nicht authentisch ist oder dem anderen etwas vormacht, der riskiert eine zukünftige Partnerschaft. Denn über kurz oder lang zeigen sich so oder so die wahren Persönlichkeitsmerkmale – und sei es in der Kennenlern- oder Probezeit. Natürlich ist es möglich, dass es gar nicht erst in diese Phase übergeht, weil das Unternehmen dem Bewerber bereits aufgrund seines Social Media Profiles einen „Korb“ gibt. Möglicherweise ist aber gerade dies auch eine Chance für Bewerber, die sich authentisch präsentieren: es passt einfach nicht, beide Seiten hätten sich gegenseitig nicht bereichert. Letztlich kommt es auch immer auf das jeweilige Unternehmen an: was auf Firma X verrückt, undiszipliniert und chaotisch wirkt, kann Firma Y als Zeichen der Kreativität sehen und werten. Was den Erfolg des einen Jobs potentiell gefährdet, kann den anderen zu neuen Höchstleistungen treiben. Nur wenn beide Parteien auch wirklich harmonieren, können sie sich bereichern und einen erfolgreichen Output generieren.

Freundschaftsanfrage bestätigt!?

 

Bild: @pixabay

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