Die Vitrinen werden immer leerer:
Ciao Echo!

Echo-Skandal

Auch wenn es schon ein paar Tage her ist, dass der Echo verliehen wurde, so hält die Empörung an: Jetzt hat auch die Dirigent-Legende Daniel Barenboim seinen Echo zurückgegeben und damit auf die Antisemitismus-Debatte reagiert.
 
Ausgerechnet an dem Gedenktag für die Opfer des Holocaust wurden die Rapper Fahrid Bang und Kollegah von der Phono-Akademie für ihr Album „Jung, brutal, gutaussehend 3“ mit einem Echo ausgezeichnet. Dabei enthalten ihre Songs unter anderem Zeilen wie: „Mach wieder mal ’nen Holocaust, komm’ an mit dem Molotow“ und „Mein Körper definierter als von Auschwitzinsassen“.
 
Der am 12. April ausgebrochene Antisemitismus-Skandal hatte unter anderem dazu geführt, dass der Präsident des Deutschen Musikrats, Martin Maria Krüger, seinen Rückzug angetreten hat. Schon zuvor ist der Präsident des Deutschen Kulturrates, Christian Höppner, aus dem Beirat des Echo ausgetreten. Und auch vor Barenboim hatten sich Künstler wie Marius Müller-Westernhagen, Peter Maffay und Klaus Voormann von ihrem Echo verabschiedet.

Wird das Konzept des Echo überarbeitet?

Der Bundesverband Musikindustrie hat sich daraufhin in einem Statement darauf bezogen, dass der Echo sich ja auf Verkaufszahlen stütze und schon seit seiner Entstehung ein Publikumspreis ist. Dennoch hat der Skandal etwas bewegt, denn so lautet es weiter:
 
„Dieses Grundprinzip des ECHO sowie alle mit der Nominierung und Preisvergabe zusammenhängenden Mechanismen werden wir nach den Erfahrungen aus diesem Jahr, die uns getroffen und erschüttert haben, in allen Details umfassend analysieren, entsprechende Konsequenzen daraus ziehen und ein neues, solides Fundament schaffen.“
 
Dies könnte der erste Schritt sein, politische und gesellschaftliche Fragen in der Kunst zu stellen und Konstrukte wie den ECHO zu hinterfragen.
Ob es als Statement reicht und nachhaltige Auswirkungen hat, seinen verstaubten Echo zurückzugeben, sei dahingestellt. Unserer Meinung nach, darf Antisemitismus auch im Raum der Kunst niemals legitimiert werden. Der ECHO-Klassik im Oktober stellt jedenfalls eine weitere Chance dar, die Debatte über Diskriminierung und Antisemitismus in der Musik und Rassismus in der Kunst fortzuführen.

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