Chip unter der Haut: Bargeldlos in die Zukunft

Die Schweden zeigen es der Welt: Um die 2000 Menschen haben sich dort einen Mikrochip in die Hand implantieren lassen, um beliebige Daten darauf abzuspeichern. Egal ob der Zugangscode zum Hotelzimmer, zum Spind im Fitnessstudio oder zum Büro in der Firma: Der Chip dient vielen Schweden bereits heute als ein digitaler Schlüsselbund. Nun soll er auch die Brieftasche ersetzen. Seit Juni 2017 können sich die Fahrgäste der schwedischen Staatsbahn ihre Online-Tickets auf den Chip spielen lassen. Wenn der Kontrolleur kommt, reicht eine Handbewegung am Lesegerät. Gleiches lässt sich auch mit dem Boardingpass am Flughafen umsetzen. Bald soll der Chip auch mit dem Bankkonto verknüpft werden, um das bargeldlose Bezahlen zu ermöglichen. Die technischen Voraussetzungen sind der Theorie nach schon vorhanden.

Massentaugliche Implantate nur eine Frage der Zeit?

Die kontaktlose Übermittlung von Informationen über den Chip basiert auf der Nearfield Communication (NFC, deutsch: Nahfeld Kommunikation) – einem internationalen Übertragungsstandard für die Übermittlung von Daten durch elektromagnetische Induktion. Diese Technik wird bereits für kontaktlose Transaktionen in Geschäften mit NFC-Kartenlesegeräten eingesetzt. In Deutschland können Kunden bei Beträgen von bis zu 25 Euro ihre Kreditkarte an das Lesegerät halten und bezahlen, ohne dass sie eine PIN-Nummer eingeben müssen.

Gleiches soll nun bald per Implantat an der Kasse möglich sein – wenn es nach Hannes Sjöblad geht. Er ist Mitgründer des Clubs BioNyfiken, welcher die Chip-Innovation propagiert und sich für das Experimentieren mit der Technologie ausspricht. Immerhin zahlen bereits heute nur noch 2 % der Schweden mit Bargeld. Für Sjöblad ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein kontaktloses Bezahlsystem über Implantate massentauglich umgesetzt wird. Daher sollten sich die Menschen bereits heute mit der Technologie auseinandersetzen und lernen, verantwortungsvoll damit umzugehen.

Der Mikrochip ist so groß wie ein Reiskorn und wird mit einer speziellen Spritze in die Hand zwischen Daumen und Zeigefinger injiziert. Ein kräftiges Zwicken und dann ein Pflaster: Fertig ist das Implantat. Patrick Kramer ist Chef des Hamburger Unternehmens Digiwell und gilt als Pionier der Haut-Chip-Technologie. Bei ihm gibt es das Implantat schon für 49 Euro zu kaufen. Er schätzt, dass weltweit mittlerweile um die 50.000 Menschen ein Implantat besitzen. Er gibt sich zuversichtlich; das sei bloß der Anfang.

Datenklau und Überwachung sind Risiken, welche von Kritikern massiv bemängelt werden. So sei es zum Beispiel Hackern gelungen, die Chip-Daten im Vorbeigehen auszulesen. Kramer weist hingegen auf einen neuen Chip namens VivoKey hin, welcher es erlaubt, kryptographische Daten zu speichern und sich so vor Datenklau zu schützen. Wohin der Weg auch gehen mag, die Frage nach dem “ob” scheint sich niemand mehr zu stellen. Vielmehr arbeiten die Forscher an der technischen Optimierung und dem Schutz für den Nutzer.

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