Ein Museum digital erleben:
Kunstwerke per SMS

Wenn ein Museum digital Kunstwerke verschickt, sind vor allem Herzen gefragt.

Im Archiv des Museum of Modern Art in San Francisco (SFMOMA) schlummern mehr als 34.000 wahre Schätze. Umso trauriger, dass die Besucher von der Kunstwerksammlung bisher nur etwa fünf Prozent zu sehen bekamen. Die Ausstellungsräume bieten einfach nicht genügend Platz. Mit dem Projekt „Send Me SFMOMA” wollen die Verantwortlichen diesen Umstand ändern. Die Idee ist es, das Museum digital erlebbar zu machen, indem Kunstwerke per SMS verschickt werden. Gleichzeitig möchte man auf eine „lustige, neue und sehr persönliche Art” den Zugang zur Archiv-Kunst ermöglichen.

Send me sunshine!

Wer in den USA eine SMS mit dem Stichwort „send me” sowie einem Schlagwort, einer Farbe oder einem Emoji versendet, der erhält ein Foto eines dazu passenden Kunstwerks aus der Museumssammlung direkt auf das eigene Smartphone. Die SMS-Antwort auf ein rotes Herz kann beispielsweise ein herzförmiges Werk des US-Pop-Art-Künstlers Jim Dine sein. Einen “Kaffee” gefällig? Die Antwort: Die Fotografie “Where we come from (Marie-Therese)” von Emily Jacir. Die Abbildung zeigt eine gesellige Kaffeerunde. Auf die Kurznachricht „Schick mir deutsche Kunst“, wird mit einem Poster des Grafikdesigners Otl Aicher von der Münchner Olympiade reagiert. Selbst bei einer Nachricht wie “send me something pink” lässt sich ein Kunstwerk mit pinken Einflüssen finden. Zum Großteil erhält das Museum Anfragen rund um positive Themen wie Liebe und Glück. In Sachen Emoticons sind vor allem Tiere, Regenbögen, Blumensträuße und Roboter vertreten.

Als das Museum digital ging, wurde es zum SMS-Hit

Die Kunstaktion, welche vor wenigen Wochen startete, ist erfolgreicher als von den Initiatoren zunächst angenommen. Bereits in den ersten vier Tagen gingen etwa 12.000 SMS ein. Mittlerweile hat das Museum mehr als zwei Millionen Kunstwerke digital verschickt. Ziel sei es nicht, jeder Person jedes einzelne Werk vorzustellen. Vielmehr geht es bei der Kunstidee darum, unentdeckte Werke spielerisch zu verbreiten und neue Netzwerke entstehen zu lassen: “What we have seen, and hope to continue to see, are thousands of people connecting with artwork in fun, new, and very personal ways“.

Unikate von Unikaten

Dass jede SMS somit etwas Besonderes, fast ein Unikat ist, beschreibt das Museum auf der Projektseite: “When you say ‘Send me a landscape’ you won’t get 791 landscapes, you’ll get a landscape chosen just for you. You may one day be able to visit your landscape in SFMOMA’s galleries, or you may be the only person to see it for years to come”.

Keine Außerirdischen im Museum of Modern Art

Doch die Suche ist nicht immer erfolgreich. Eine SMS mit dem Inhalt „Wir konnten nichts Passendes finden” erhält man sogar bei Künstlernamen wie Picasso – obwohl sich seine Werke in der Museumssammlung befinden. Und auch ein Alien-Emoticon kann nicht zugeordnet werden. Doch dazu gibt es tatsächlich nichts Geeignetes im Universum des Museums of Modern Art: „Wir haben buchstäblich keine Außerirdischen in unserer Kunstsammlung”, sagte der Mitarbeiter Winesmith der „New York Times”. Trotzdem: Dass das Museum digital agiert, ist modern, bringt frischen Wind in die Museumslandschaft und erzeugt Aufmerksamkeit.

Web: sfmoma.org
Bild: @pixabay

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