Kategorie: Vernetzt

Wahlkampf 2017: Wenn Politiker chatten
und Merkel ihr Lieblings-Emoji verrät

Eine neue Whatsapp-Nachricht von Katrin Göring-Eckardt oder eine neue Facebook- Nachricht vom CSU-Chat-Bot Leo: Politiker setzen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mal mehr und mal weniger auf Chatrooms. So auch im Wahlkampf 2017. Das Potential sozialer Netzwerke liegt in der Interaktion mit den potentiellen Wählern. Doch wird dieses auch wirklich ausgeschöpft? Heiß diskutiert wurde in dieser Woche außerdem das Youtube-Interview mit Angela Merkel, in welchem sie ihr Lieblings-Emoji verrät.

Wie interaktiv sind die Parteien auf sozialen Netzwerken im Wahlkampf 2017?

Schaut man sich die Social Media-Profile der Parteien an, so lässt sich feststellen, dass der Großteil von ihnen – bis auf einige Kommentar-Reaktionen – eher  publiziert als interagiert. Dabei liegt genau darin der Mehrwert sozialer Medien, der somit ungenutzt bleibt: „Da haben die deutschen Parteien nicht verstanden, dass im Web 2.0 nicht einfach nur Platz für Pressemitteilungen ist, sondern, dass dort Gespräch stattfindet sollte“, sagt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler und Wahlkampf-Experte von der Universität Hohenheim. Natürlich ist klar, dass es Personal und Kosten erfordert, interaktiver zu werden. Es braucht große Teams, die sich mit den Fragen und Anregungen der Nutzer beschäftigen. Doch diese Investition könnte sich auszahlen.

Gute Ansätze, schwache Umsetzungen

Katrin und Cem als Whatsapp-Kontakte

Die Grünen rücken die Nummern von Katrin: +49 176 34365582 und Cem: +49 176 34345240 raus. Die potentiellen Wähler werden eingeladen mit den Spitzenkandidaten per Whatsapp zu chatten, Fragen zu stellen und Anregungen zu hinterlassen. Wir haben es mal ausprobiert, Katrin in unser Telefonbuch eingespeichert und das Gespräch – wie angegeben – mit einem “Start” begonnen. Wir erhalten direkt eine Begrüßungsnachricht von ihrem Team zurück. Eher eine Art Newsletter? Auf Fragen um die Bedeutung der sozialen Medien für die Partei, wird aber leider nur auf das Programm verwiesen. Und Cem hat unsere Statement-Bitte bezüglich eines Digitalministers bislang noch nicht einmal gelesen. Die grauen Häkchen verraten es: Er ist die ganze Zeit online, aber schreibt nicht. Anlass genug, um beleidigt zu sein?

CSU-Leo im Facebook-Messenger-Chat

Dann unterhalten wir uns doch einfach mal mit dem Chat-Bot der CSU: Leo. Leo wird als kleiner blauer Roboter im Messenger Chat von Facebook vorgestellt – natürlich im gewohnt modernen “graphic-design-is-my-passion-Look”. Nutzer können ihm Fragen zur Partei stellen. Leider erkennt er aber die Wenigsten davon. Hinter dem Ganzen sitzt ein Team, welches im Vorfeld Antworten auf bestimmte Stichwörter programmiert. Irgendwie werden wir nicht warm miteinander. Um uns besser kennenzulernen schlägt Leo mir ein Speedinterview vor. Na dann mal los. Auf mein Lieblingsessen folgt “I mog a g’scheite Schweinshaxn”, auf die Lieblingssendung ein “Also ich schaue am liebsten politische Talkshows, da geht’s immer richtig zur Sache 😉” und musikalisch gesehen kriege ich dann die Bayernhymne präsentiert. Kritik an der politischen Konkurrenz bleibt ebenfalls nicht aus: Fragt man nach einer anderen Partei, bekommt diese via Memes und GIF’s ihr Fett weg.

 

Durch stetige Nachfragen, wird auch zu politisch relevanten Themen-Antworten geleitet. Die Reaktionen verweisen auch auf andere Accounts der Partei – wie zum Beispiel Instagram. Insgesamt eher eine vorgefertigte nette Spielerei als eine wirkliche Interaktion.

Die Technik steht in Sachen automatischer Antworten-Generierung aber auch noch am Anfang. Eine umfassende zukünftige Nutzung von Social Bots lehnen CSU und andere Parteien hingegen ab.

Neues Format: YouTuber fragen…die Kanzlerin

Am Mittwoch stellte sich Angela Merkel den Fragen von vier jungen Youtubern – live aus dem YouTube-Space in Berlin. MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik bringen darin Themen zur Sprache, die sowohl eine politische Relevanz haben als auch die eigenen Erfahrungen abdecken. Durch YouTube will die Kanzlerin mit der Jugend ins Gespräch kommen.

Man sprach über ernste Themen und zog eine Schnute:

Und über Smileys:

“Haben Sie einen Lieblings-Emoji?” Merkel lächelt: “Smiley! Wenn es mit Hut kommt, dann noch ein kleines Herzchen dran. Und wenn mal nicht sowas Gutes war, dann kann man auch eine Schnute nehmen”.

Steht gerade mal kein Treffen mit der Kanzlerin an,  dann geben die YouTuber in ihren Videos Shopping-, Lifestyle- oder Technik-Tipps. Wie Merkel diesen Job auffasst, wird in folgender Anmerkung deutlich. Eine Twitter-Nutzerin kommentiert das Ganze dann auf ihre Art:

 

Twitter-Reaktionen als Bestandteil des Interviews

Unter dem #DeineWahl konnte auf Twitter und YouTube fleißig mitdiskutiert werden. Zwischen den Gesprächen haben die Moderatoren ausgewählte und auch kritische Kommentare vorgelesen und stellten die Ergebnisse, der von den Projektinitiatoren initiierten, Online-Umfragen vor. Diese wurden dann wiederum im Gespräch mit Merkel aufgegriffen.

Hier merkt eine Userin ebenfalls an, dass die Partei zwar neue Medien nutzt, um jüngere Generationen anzusprechen, aber dort keine wirklichen Inhalte platziert. Die Bundeskanzlerin bestätigt diese Zunahme und ermuntert dazu, sich auf Instagram oder Facebook zu melden, wenn Inhalte nicht ausreichen. Es kriegt fast jeder eine Antwort, der sich bei der Bundesregierung meldet, heißt es weiter.

„Deine Wahl“ zwischen Innovation und Kritik

Die Nutzerkommentare des YouTube-Interviews explodierten. In dem über 60-minütigen Video wurden allerdings nur wenige ausgewählte präsentiert. Bislang wurde das Video 1.175.103 Millionen mal aufgerufen. Das neue Format kommt bei einigen Nutzern gut an, wird allerdings vor allem von den Medien auch kritisiert. Bestand doch die Hoffnung, dass das Live-Event zu einem mutigen Kreuzverhör junger Menschen mutiert, so entpuppten sich die Fragen als Standardinhalte, die man auch tagtäglich im Fernsehen oder in der Zeitung zu sehen bekommt – so derenFazit. Zwar ist das Format ähnlich innovativ, wie die von uns vorgestellte Gesprächsrunde „Frag selbst„, weil es User-Kommentare direkt mit einbezieht sowie Interview, Video-Kommentar und Meinungen bündelt. Der Großteil der Fragestellungen sei aber bereits vielfach diskutiert worden und nichts Neues. Lieblings-Smiley und Lieblings-T-Shirt Druck bildeten die Ausnahmen, waren aber eher unterhaltend als nützlich.

Und was sagt es uns, dass genau diese Fragen am meisten kommentiert wurden?

 

Außenansicht der Uffizi Gallerie in Florenz zum Artikel Übersetzungsapps in Museen

Die Kunst der Sprache:
Übersetzungsapps in der Uffizi Galerie

Es ist August und wie jedes Jahr lockt die Toskana Touristenmassen aus aller Welt an. NeoAvantgarde war mit dabei und hat neben imposanter Kunst und leckerem Wein auch neue Übersetzungsapps entdecken können.

Ein Besuch in der Galerie der Uffizien

Es ist 8 Uhr, die Uffizi Galerie in Florenz soll in 15 Minuten öffnen. Der Innenhof ist bereits gefüllt mit zahlreichen Touristen aus aller Welt, Militär und einigen Mitarbeitern, die versuchen, schon mal etwas Ordnung zu bringen. Eine Sicherheitskontrolle und eineinhalb Stunden später bin ich drin. Gemeinsam mit den Massen ströme ich in die mit Gold verzierten Hallen der Galerie. Von ihren Wänden schauen die Ahnen der Medici-Familie auf einen herab. Los geht es im zweiten Stock, hier wird sich von oben nach unten gearbeitet. Die bekanntesten Künstler Italiens und der Welt hängen und stehen hier teilweise auf engstem Raum. Zu den Stars der Ausstellung gehören Botticelli’s Venus, der Medici-Liebling Michelangelo, Leonardo da Vinci und Caravaggio. Die Leute drängen sich mit ihren iPads, iPhones und Spiegelreflexkameras vor die Meisterwerke um diese festzuhalten: Für sich und ihre Facebook-Profile. Es ist fast eine Art Hobby von mir geworden, in Museen und Galerien nicht nur die Werke zu betrachten, sondern auch die Besucher zu beobachten. Neben einfarbig angezogenen Hipstern und Prada-Intellektuellen gab es auch einige asiatische Reisegruppen.

Übersetzungsapps in einem Museum – das neue Zeitalter der Kommunikation

Vor der besagten Venus von Botticelli konnte ich deshalb beobachten, wie eine Frau aus Korea ihr Smartphone zückte und es auf den Erklärungstext neben dem Bild hielt. Wir dachten zunächst, dass sie (wie erstaunlich viele Besucher) nun den Text abfotografiert. Dann bemerkte ich allerdings, wie sich der eingescannte Text auf dem Bildschirm ihres Smartphones, Zeile für Zeile in koreanische Schriftzeichen verwandelte. Am Ende eines jeden Satzes stellten sich die Satzzeichen dann in die (scheinbar) richtige Reihenfolge um. Sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich starrte wie gebannt auf den Bildschirm. Die App erkennt die Wörter und kann sie dann sinngemäß umstellen und richtig übersetzen. Einen ähnlichen Moment hatte ich in Rio, wo mir die Google-Sprach-App gezeigt worden ist. Diese erkennt das gesprochene Wort und gibt es dann in der gewünschten Sprache durch den Lautsprecher wieder. So steht dem Turm zu Babel heute wohl nichts mehr im Wege.

Solltet ihr demnächst auch mal auf eine internationale künstlerische oder kulturelle Erkundungstour gehen, dann geben wir euch folgende Apps mit an die Hand:

Mehr als nur Übersetzungsapps

Korean Talking Translator

Es klingt zwar so, als würde die App Korean Talking Translator nur koreanisch übersetzen, tatsächlich erkennt sie aber über 30 (Fremd)Sprachen. Zwischen ihnen lässt sich intuitiv und schnell wechseln. Außerdem ist eine Spracherkennung und Grammatikkorrektur integriert. On top gibt es immer ein Wort des Tages, wobei einem täglich aus jeder Sprache ein neuer Begriff, inklusive Beispielsatz, vorgeschlagen wird. Trotz kleinerer Übersetzungsmängel bei einzelnen Worten, ist diese Anwendung alles in allem eine umfassende und praktische Möglichkeit, fremdsprachliche und besonders auch umfassende Texte schnell und einfach entziffern zu können.

Scanner- & Übersetzer-App

Die App Scanner & Übersetzer kommt bereits in ihrem Namen auf den Punkt: Sie scannt via Foto alle gedruckten Schriftstücke mit Textbausteinen. Dies können zum Beispiel Dokumente, Urkunden, Bücher, Schilder oder Anleitungen sein. Die Worte werden dann automatisch erkannt und je nach Wunsch in eine von 90 Sprachen übersetzt.

Wie speziell für Museen entwickelte Apps einen Galeriebesuch nicht nur erleichtern, sondern auch highlighten, könnt ihr in unserem Artikel „Galerie to go: Wenn Museen digital gehen“ nachlesen.

Monoton, modern, moralisch fragwürdig:
Die Wahlplakate zur Bundestagswahl 2017

Auch wenn ihr ihnen vielleicht noch nicht begegnet seid: Spätestens in den kommenden Wochen werden euch wieder an zahlreichen Straßenecken Politiker von ihren Wahlplakaten entgegen lächeln. Zwar versuchen die Parteien die Gunst der Wähler zunehmend auch durch Online-Aktivitäten zu gewinnen, hauptsächlich setzt man aber immer noch auf die klassische Wahlkampfwerbung. Wir zeigen euch die doch erstaunlich aufschlussreichen Wahlplakate der Fraktionen und die bisherigen Reaktionen der Netzgemeinde.

CDU/CSU – alles beim alten

Im “real life” besucht die CDU momentan eine sechsstellige Zahl an Wahlberechtigten. Eine eigens dafür entwickelte Software zeigt der Partei an, wo sich ein Besuch lohnt. Was den Werbe-Etat betrifft, hält sich die Union bedeckt. In Sachen Plakatwerbung geht die CDU gewohnte Wege: Man nehme immer mal wieder ein Merkel-Porträt, die Kampagnen- und Deutschlandfarben schwarz-rot-gold und einen vertrauensvollen und netten Spruch wie „Sicherheit und Ordnung“, „eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit“ oder „mehr Respekt vor Familien”. Der CDU-Slogan zur Bundestagswahl 2017 “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist ebenfalls auf vielen Plakaten zu finden. Die Abbildungen vermitteln den Eindruck, dass alles seinen gewohnten und bewährten Gang geht. Ob das nun gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn die Kanzlerin im Fokus steht, darf ihre berühmte Halskette natürlich nicht fehlen. Auf einem der Plakate trägt sie schwarz-türkis-violette Quarzsteine! Dabei mag Schwarz für die Union stehen, Türkis vielleicht für die CSU. Nur, was hat es mit der Farbe Violett auf sich?

SPD – nah am Menschen

Für den Bundestagswahlkampf 2017 engagierte die SPD die Werbeagentur KNSK, zu deren Kunden unter anderem Evonik und der BVB zählen. Die Agentur begleitete bereits den Europa-Wahlkampf von Martin Schulz. Tobias Nehren ist verantwortlich für die Digitalkampagne, in der auch aktuelle Netztrends aufgegriffen und gekonnt für die SPD verarbeitet werden sollen. Um eine breite Masse zu erreichen, setzt auch die SPD nach wie vor auf klassische Werbung. Von TV-Auftritten über Kundgebungen, bis hin zu einer großen Haustürwahlkampfaktion, wird das gesamte Spektrum bedient. Auf den Themenplakaten der SPD dominieren Menschen: Arbeiter, Kinder und Rentner in Großaufnahmen. In der heißen Phase soll Martin Schulz mit dem Motto „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt“ in den Fokus gesetzt werden. Die SPD versucht mit Plakaten wie „Die Zukunft braucht neue Ideen“ und mit einem freundlich dreinschauenden Kanzlerkandidaten Sympathiepunkte zu sammeln. Auch die SPD macht keine näheren Angaben zum Werbebudget.

DIE GRÜNEN – hip statt Hippie?!

Eigens für den Wahlkampf der Grünen schlossen sich erfahrene Werber zu der Agentur “Ziemlich beste Antworten” zusammen. Das Budget umfasst 5,5 Millionen Euro. Den digitalen Wahlkampf will man insbesondere in der heißen Schlussphase noch einmal richtig ankurbeln. Zuvor wird unter anderem durch Wahlplakate versucht, eine breite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Vergleich zu 2013 verdreifachen sie die Zahl der großflächigen Plakate.

In Sachen Neon-Design sind die Grünen Vorreiter. Die Partei präsentiert sich peppig und modern. Auch textlich gelingt es, ernste Botschaften spielerisch zu verpacken. Mit dem Hippie-Image wird aufgeräumt. Die junge Zielgruppe diskutiert schließlich eher digital über Genderfragen, Cannabis-Legalisierung, Tinder und Co.. Der zentrale Wahlkampf-Slogan fehlt selbstverständlich auch auf den Plakaten nicht: „Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts“. Damit besinnt sich die Partei auf ihren Ursprungsgedanken und verpackt diesen modern.

DIE LINKE – kurz und bündig, aber auch anders?

Die Linke, will nach eigenen Angaben, neue Wege gehen und Überraschungsmomente kreieren. Passend dazu ist auf dem ersten Großplakat zu lesen: „Keine Lust auf Weiterso – Die Linke“. Leitagentur ist DiG Trialon. Der Wahlkampfetat beträgt 6,5 Millionen Euro, von denen 450.000 Euro für den Online-Wahlkampf eingesetzt werden. Die insgesamt geplanten 400.000 Plakate behandeln thematisch das Programm der Partei: Kinderarmut, gute Löhne, Frieden, Renten, Pflege und Gesundheit, bezahlbare Mieten, gegen Hetze von rechts sowie Pro-Millionärssteuer. Mit Großbuchstaben, Balken, bunten Farben und schmissigen Symbolen versucht man, die Themen-Agenda und Partei-Versprechen mit klaren Aussagen publik zu machen.

FDP – très chic

Ein Mann posiert mit Dreitagebart und weißem Hemd mal mit, mal ohne Sakko – in jedem Falle ohne Krawatte – auf einem schwarz-weiß-Foto. Huiuiui, eine neue Hugo Boss Werbung? Nein – ein FDP-Wahlplakat! Modisch, smart und kompetent – so präsentiert die Partei ihren Spitzenkandidaten Christian Lindner. Dieser ziert die Plakate wie ein bekanntes Model. Lindner soll der moderne und modische Held sein, der die FDP voranbringen soll. Für die Liberalen arbeitet die Werbeagentur Heimat. Ist Lindner mal nicht präsent, so gibt es beispielsweise eine Darstellung mit der Aufschrift „Denken wir neu“. Der Hintergrund füllt sich mit dem gesamten und kleingedruckten FDP-Programm. Auch die FDP bleibt bei Neonfarben und unterstreicht mit digitalen Bezügen und frischen Gestaltungsideen ihre Modernität sowie den Fortschrittsgedanken. Auf einem der Plakate heißt es: “Die Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?” Daneben: eine Auflistung digitalisierter Lebensbereiche und der zentralen Botschaft: Politik muss auch digital denken. Das Ganze wirkt wie die Rückseite eines Albumcovers – natürlich inklusive dem modischen Macher Christian Lindner.

AFD – ohne Worte

Von der AfD ist man ja schon einiges gewohnt – oder auch nicht. Mit ihren aktuellen Plakaten hat die Partei abermals bewiesen, dass sie nie müde wird, Debatten auszulösen. Auf einer der Abbildungen posiert Frauke Petry mit ihrem frisch geborenen Kind im Arm. Das Baby ist darauf deutlich zu erkennen. Dies löste im Netz eine Diskussion um die Persönlichkeitsrechte von Kindern und die Instrumentalisierung des Nachwuchses aus. Ein himmelblauer Farbverlauf und eine schützende Frauke Petry kommen zunächst im unschuldigen Gewand daher. Insbesondere die dazugehörigen Sprüche „Was ist Ihr Grund, für Deutschland zu kämpfen?“ und “Trau dich, Deutschland” bereiten vielen ein flaues Gefühl im Magen. In einem weiteren Plakat fordern sie ihre Wähler sogar dazu auf, die „neuen Deutschen“ lieber selbst zu machen.

Die Netzgemeinde reagiert entsetzt. Einige Nutzer versuchen, dem Ganzen mit Humor entgegenzutreten: “Sollte die Dame nicht hinter dem Herd stehen? Nach dem Wahlprogramm soll doch der Mann das Geld nach Hause bringen”. Die aus dem Fernsehen bekannte Deko-Queen Tine Wittler äußert sich auf Facebook ebenfalls kritisch: „Eine Instrumentierung, die wie in diesem Fall durch die etwaige familiäre Verbindung mit der abgebildeten Mutter ggf. auch noch nach vielen Jahren eine Identifizierung des Kindes möglich macht und im engen Zusammenhang mit einer politischen Haltung steht, die gelinde gesagt polarisiert, ist aber meiner Meinung nach von der Sache her problematischer […]“. „DIE PARTEI“ reagiert mit einer satirischen Nachstellung des Plakates, auf dem es nun heißt: “Irgendwas mit Deutschland”.

Die Kampagne unter der Überschrift „Trau dich, Deutschland!“ stieß sogar parteiintern auf Kritik. Die Spitzenkandidatin Alice Weidel empfand die Aussage dann doch als zu hart. Nach einer Auseinandersetzung im Bundesvorstand hat man beschlossen, unterschiedliche Plakatreihen zu entwickeln.

Die Neurologie-Kultur:
Wie der Mensch Geschmack und Identität durch das Internet neu programmiert

Die Neurologie-Kultur steht am Anfang der Kulturprodukte einer Gesellschaft. Kunst entsteht aus dem Denken des Menschen.  Was ist meine Identität? Was ist meine Rolle in der Gesellschaft? Was ist mein Wert? Während diese und andere Fragen in der Vergangenheit vorrangig im zwischenmenschlichen Umgang beantwortet wurden und sich in einem öffentlichen Meinungsbild einer Gesellschaft wiederfanden, funktioniert die Suche nach Antworten heute anders. Das soziale Verhalten und somit die Identitätsfindung werden durch die Digitalisierung neu definiert, denn Information sowie Informationstechnologie sind demokratisiert.

Der Neurowissenschaftler Gary Small von der Universität Los Angeles geht davon aus, dass durch die Kommunikation im Rahmen einer digitalen Vernetzung und das Internet bestimmte neuronale Bahnen gestärkt und andere geschwächt werden. Laut Smalls führt der verstärkte Umgang mit digitalen Medien zu einer “Schwächung der neuronalen Schaltkreise, die für den zwischenmenschlichen Kontakt zuständig sind“. Auf der anderen Seite profitiert der menschliche Verstand von der Mediennutzung: Die mentale Kapazität und die Schnelligkeit von Gehirnprozessen steigern sich. Inwieweit sich welche Charakteristiken bei dem einzelnen Menschen ausbilden, hängt von sozialen, emotionalen und genetischen Prädispositionen ab. In jedem Fall ist die Kunst um ein Motiv reicher geworden: Gemeinschaft in Zeiten der Isolation.

Es ergibt schon Sinn: Junge Menschen mit einem mangelndem Selbstbewusstsein suchen nach Bestätigung – und zwar dort, wo sich die eigene Peergroup aufhält. Und zwar am besten anonym und unnahbar. Der amerikanische Psychologe E. M. Clerkin erkennt in der Suche junger Menschen nach Anerkennung in den sozialen Medien einen Teufelskreis. Einerseits wird nach Bestätigung gesucht, andererseits wird durch die Isolation ein mangelndes Selbstwertgefühl verstärkt. Dass Menschen den sozialen Kontakt brauchen, um glücklich zu sein, hat bereits Susan Pinker in ihrem Buch “The Village Effect” öffentlichkeitswirksam festgehalten und kurzerhand die Botschaft verkündet: Das gute Leben liegt offline. Ebenso erklärt Small, dass eine übermäßige Nutzung digitaler Medien den Menschen in eine soziale Unbeholfenheit steuern würde; der Mensch verlerne, Informationen von anderen Menschen gleichermaßen anzunehmen, und Gesichtsausdrücke sowie Körpersprache zu interpretieren. Eine noch stärkere Isolation sei die Folge.

Die Hirnforschung hat längst erkannt, dass die kognitive und affektive Auseinandersetzung mit bestimmten Inhalten zur Manifestation von neuen Gedankenmustern führt. Dabei spielt nicht nur das Was, sondern auch das Wie eine wesentliche Rolle bei der mentalen Verarbeitung von Emotionen. Ohne ein soziales Netzwerk vergrößert sich die Dissonanz zwischen sozialem Bedürfnis und Verhalten. Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl sind besonders anfällig für ein starkes, emotionales Echo in den sozialen Medien, welches den Mangel an sozialen Kontakten kompensieren soll. Eine digitale Abwärtsspirale ist die Folge. Mit der Entwicklung neuer Gedankenmuster verändert sich die Wahrnehmung und Bewertung von Inhalten, Informationen und Ästhetik. Die Aufmerksamkeitsspannen werden kürzer; lediglich Inhalte, welche die Gedankenmuster bedienen, sind inspirierend. Trends müssen entsprechende Stimuli bieten, um sich dann zu einem kurzweiligen Hype zu entwickeln.

Wenn Kunstwerke Kulturprodukte einer Gesellschaft sind, welche dessen Werte und Weltbilder darstellen, dann spiegeln sie ebenso die menschliche Identität der jeweiligen Generation wieder. Mit der Digitalisierung ist die Sinnsuche individualisiert worden, die Wege der Meinungsbildung sind vielfältig. Jeder kann schreiben, sagen und ausstrahlen was und wo immer er will. Zeitgleich haben alle Kulturprodukte eines gemein: Der Mensch im Kontext seiner Umwelt. Sozialkritische und flüchtige Kunst ist das Ergebnis – so zum Beispiel bei Banksy oder Marina Abramović. Nicht nur in Social Media, sondern der Kommunikation insgesamt stellt sich das Bedürfnis nach wahrhaftigen Emotionen in den Vordergrund. Fakten geraten in den Hintergrund. Stattdessen dominiert das Empfinden bei der Wahrnehmung als Indikator für den Wahrheitsgehalt und die Relevanz einer Information. Gleiches scheint sich auch in der Politik widerzuspiegeln. Doch wie bei jeder Bewegung wird es vermutlich auch hier ein nüchternes Erwachen geben.

Skizze von Kanzlerin Merkel zum Artikel Wahlkampf 2017

Wahlkampf 2017:
Kreatives Ping Pong und digitale Zukunft

So langsam fahren die Parteien ihre Geschütze auf und werden im Wahlkampf 2017 online durchaus kreativ. Die Bürger können sich in zahlreichen TV-Gesprächen, Live-Events und Online-Befragungen ein Bild über die jeweiligen Ansichten verschaffen. In den sozialen Netzwerken sticheln sich die Parteien gerne gegenseitig ins Aus. Digital wollen sie alle sein.

Was gibt es Neues der Parteien im Wahlkampf 2017?

CDU: Digital und an der Ostsee


Lässig und mit Technik-Brille lächelt Angela Merkel für den digitalen Fortschritt in die Kamera. Die CDU geht thematisch in Richtung Digitalisierung und möchte unter anderem mit einem elektronischen Bürgerkonto punkten. Unter dem Motto “Chancen im digitalen Zeitalter nutzen”, wird der technologische Fortschritt zur Chefsache erklärt. So soll ein „Staatsminister für Digitalpolitik“ die digitale Zukunft Deutschlands gestalten.

Ansonsten ist auf Facebook der seltsame Hashtag #fedidwgugl (zur Kampagne „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“) immer noch präsent. Angies Geburtstag wird auch gefeiert und das CDU-TV begleitet sie auf ihrer Sommertour an der Nord- und Ostsee. Zwischen Strandmuschel und Hafen möchte die Kanzlerin mit den Urlaubern in entspannter Atmosphäre über die Themen des Regierungsprogrammes sprechen. Ihrer Meinung nach ist dieser Rahmen dafür besonders geeignet, da die Menschen in ihrem Urlaub über das Leben und ihre Zukunft nachdenken. Weiterhin haben diese wohl “etwas mehr Muße auch über diese Dinge nachzudenken, ruhig zuzuhören”. Auch hier verweist die Partei auf Facebook immer wieder auf die politischen Erfolge der letzten Jahre. Dabei wird auf Artikel der eigenen Website verwiesen. Das CDU-TV hat auch ein paar, natürlich ausschließlich positive Stimmen, von dem doch eher älteren Publikum eingefangen.

Auf kritische Stimmen zur Flüchtlingsthematik kontert die CDU fokussiert und sachlich: “Der Schutz der Außengrenzen Europas steht in unserem Regierungsprogramm. Nachzulesen auf Seite 56 zum Beispiel. Auch haben wir in der fast hinter uns liegenden Legislatur viel dafür getan – bei gleichzeitiger Verantwortung für Flüchtlinge!”. Doch hey, was ist denn das? Wir haben auch mal witzige Reaktionen der Social-Media-Verantwortlichen entdeckt, sogar ein Meme war dabei. Unter dem Post zur Wohnungsbauförderung und Mieter-Entlastung kommentiert der Nutzer Andre Schwirz: “Ja ist klar! Alles wegen unseren neuen ’Facharbeitern’! Vorher war kein Geld da! Komisch! Denke an Mütterrente etc. Was hat da die CDU gejammert!!! Also mit der Heuchelei seid ihr ‘SPITZE’! Unglaublich”. Die CDU kontert mit einem The Muppets-Meme in welchem die Figur Beaker sein bekanntes MIMIMI von sich gibt.

Die CSU: #CSUtv-Tipp, #graphicdesignismypassion #Familiengarantie

“Ois guade!” wünscht die CSU der Kanzlerin auf Facebook. Zum Thema Fernsehen hat die CSU ebenfalls einiges mitzuteilen. Ob Bayerns Finanzminister im ZDF, Angela Merkel in der ARD oder Bayerns Innenminister Joachim Herrmann im BR – Die CSU verteilt fleißig TV-Tipps. Außerdem verdeutlicht sie in Fotocollagen, welche Punkte sie in den nächsten Jahren in einem Regierungsvertrag verankern möchte. Jedes der Bilder wird mit einem entsprechen “Garantiestempel” versehen. Unter “Familiengarantie” findet sich beispielsweise ein Versprechen auf Kindergelderhöhung.

In einem Post kommt besonders gut zur Geltung, dass sich die CDU offenbar dem Hashtag #graphicdesignismypassion verschrieben hat – klassische Ein- und Überblendungen, minutiös ausgeschnittene Gesichter und das Logo der Partei hinter dem Grafik-Schein der aufgehenden Sonne.

SPD: “Das moderne Deutschland”

Im Fokus der SPD stand die Veranstaltung “Das moderne Deutschland. Zukunft – Gerechtigkeit – Europa”, bei der Martin Schulz und die Partei ihren Zukunftsplan vorstellten.  Dabei ging es unter anderem um die Chancen der digitalen Revolution. Das Event wurde live auf Facebook übertragen. Hier postet die SPD seitdem immer mal wieder einige von Schulz Statements als kurze Videos. In seiner Rede spielt er bewusst mit Aussagen der Kanzlerin. Auf Facebook werden die Formulierungen dann gegenübergestellt. Zum Beispiel: “Nicht fehlendes Geld ist das Problem, sondern die langsame Planung” (Merkel) vs. “Wenn es den Schulen ins Dach rein regnet, dann brauchen sie kein Planungsverfahren, dann brauchen sie einen Handwerker” (Schulz).

Die SPD weiß auch den Zwist der Schwesterparteien CDU und CSU für sich zu nutzen. Wenn zwei sich streiten, freut sich der Dritte, dachte sich die Partei wohl im folgenden Video:

FDP: Uni-Veranstaltung eskaliert – das Netz feiert Lindners Reaktion

Es ist kein Geheimnis, dass Christian Lindner das Zugpferd der FDP ist. In ihn setzen die Parteimitglieder die Hoffnung, wieder voll durchstarten und modernen Wind in die Fraktion bringen zu können. Seine Schlagfertigkeit bewies er erst kürzlich auf einer Veranstaltung der Uni Bochum.

Hier störten einige Studenten seine Rede, indem sie mit Transparenten in der Hand die Bühne stürmten und mit lauten Zwischenrufen ihrer Meinung Luft machten. Sie protestierten gegen die Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer in Nordrhein-Westfalen. Der Parteivorsitzende ließ sich davon nicht aus der Ruhe bringen, konterte geschickt und ließ das Thema einer gesunden Diskussionskultur aufkommen. So erinnert er die Protestler an das Prinzip der Toleranz gegenüber anderen Meinungen: “Wo kommen wir denn da eigentlich hin, dass ihr nur glaubt, andere Argumente niederbrüllen zu können? Wir sind in einer Demokratie. Da lassen wir uns nicht niederbrüllen”. Die Demonstranten blieben hartnäckig und fuhren Lindner immer wieder ins Wort. “Jetzt mal still. Wir sind hier nicht in Hamburg”, so der FDP Vorsitzende. Als die protestierenden Studenten einige Zeit später von der Bühne gehen, merkt Lindner an: “Wollt ihr nicht oben bleiben? Jetzt aber mal Durchhaltefähigkeit. Ich habe Toleranz gegenüber eurer Meinung, aber dass ihr euch eine andere Meinung noch nicht einmal anhören wollt, sondern gehen wollt, spricht nicht für euch. Ihr könnt euch ja abwechseln, die Plakate hoch zu halten, aber nicht runter gehen. Wenn man schon Veranstaltungen stören will, dann bitte richtig”. Es folgte Applaus und lautes Gelächter. Darüberhinaus entgegnet Lindner dem Protest mit sachlichen Argumenten und lenkt den Fokus auf das allgemeine Gerechtigkeitsproblem in Sachen Hochschulzugang. Er verweist darauf, dass Kinder, deren Eltern über weniger finanzielle Mittel verfügen, gegenüber Akademiker-Kindern schlechtere Chancen auf einen Studienplatz hätten. Die protestierenden Studenten wurden immer ruhiger, Zwischenrufe seltener. Nun meldet man sich oder schreibt die Anliegen auf die vorhandene Tafel.

Im Internet und in den Medien wurde seine Reaktion gefeiert, das dazugehörige YouTube-Video bislang über 300.000 Mal aufgerufen.

Witzig ist auch eine scheinbar neue Video-Reihe, welche die FDP in ihren Social-Media Kanälen teilt. Darin kritisiert die Partei die für den normalen Bürger offensichtlich unlesbaren und unverständlichen Gesetzestexte. Lindner befragt Alexa, den digitalen Amazon-Sprachassistenten, in Folge 1: “Was ist das Katasterfortschreibungsgebührenwiedereinführungsgesetz?”. Die FDP schreibt dazu “Wenn selbst Alexa Christian Lindner keine Antwort darauf geben kann, müssen nicht wir nachsitzen, sondern die Gesetzgebung”.

Die Linke: Wenig Online-Wahlkampf und dennoch stärkste Facebook-Partei

Sarah Wagenknecht stellte sich in dem neuen Social-Media-Format zum Wahlkampf “Frag selbst” bereits den Fragen der Nutzer. Das Gespräch ist online abrufbar. Ansonsten kritisiert die Partei  vor allem CDU und SPD für die Entwicklungen der letzten Jahre und die aktuellen Programme, schließt aber nach eigenen Angaben auch andere Parteien mit ein. Die Lösungsvorschläge der Linken werden mit Collagen illustriert. Eine davon: auf der Facebook Seite springt einem sofort ein Cannabis-Blatt ins Auge. Darunter das von Zigarettenschachteln bekannte Warnhinweiskästchen mit der Inschrift: “Die Erlaubnis zum Konsum von Cannabis gefährdet die Geschäfte der Drogenmafia”.

Da die Partei nach eigener Aussage keine Spenden von Unternehmen und Lobbyisten annimmt, ruft sie online außerdem zur Spende von 10 Euro auf. Von den gewünschten 10.000 Euro sind bisher 22%, genauer gesagt 2.209 Euro zusammengekommen.

Den Linken wirft man immer wieder einen desillusionierten, naiven, besserwisserischen, wenn auch wohlmeinenden, Glauben an das Steuerbare in der Welt vor. Die Welt titelt beispielsweise: “Die Linke, selbstgerecht wie der deutsche Spießer”. Die Zeit veröffentlichte nun online den Artikel“Warum es eine Linke braucht”. In einem Video plädiert der ehemalige Fraktionsvorsitzende Gregor Gysi für mehr Kompromissfähigkeit der Partei und sieht genau darin den Schlüssel für einen erfolgreichen Wahlkampf.


All zu aktiv scheint die Partei in Sachen Online-Wahlkampf nicht werden zu wollen. „Ich bin kein Online-Fanatiker“, erklärte Matthias Höhn, der Bundesgeschäftsführer und Wahlkampfleiter der Linken. Von dem Wahlkampfbudget in Höhe von 6,5 Millionen Euro sind für Online-Kampagnen nur 450.000 Euro vorgesehen. Ansprechen wolle man damit gut gebildete Großstädter unter 30. Diese bilden allerdings nur 6 % der Wählerschaft. Vom Medium Fernsehen versprechen sich die Verantwortlichen mehr. Dennoch ist man stolz darauf, die Partei mit den meisten Facebook-Fans zu sein.

Die Grünen: Winter is leaving und intelligent vernetzte Mobilität

Die Fraktion greift den aktuell wieder aufgeflammten Hype um die amerikanische Serie Game of Thrones auf, um spielerisch auf den Klimawandel und den notwendigen Schutz aufmerksam zu machen. So nimmt die Partei den Start, der von vielen so herbeigesehnten, neuen Staffel zum Anlass auf Facebook zu titeln: “Winter is leaving, Klimaschutz jetzt”.


Neben Forderungen zum Klimaschutz, dem Tierschutz und der Agrarpolitik, präsentiert die Partei ihr Konzept eines grünen Mobilpasses. In einem Erklärvideo zeigen sie wie ÖPNV, das Fahrrad und Auto miteinander verknüpft werden sollen und sie so für mehr Mobilität sorgen möchten. Eine App zeigt in Echtzeit Verbindungen mit allen für den Trip benötigten Verkehrsmitteln an. Diese sind dann in einem Schritt buchbar. Schüler, Senioren, junge Familien und Menschen mit wenig Einkommen sollen zusätzliche Vergünstigungen erhalten.

Die Grünen kündigen außerdem ihren Haustürwahlkampf an und laden zur Teilnahme ein.

 

Und so verteilen sich die aktuellen Likes auf Facebook:

CDU: 137.418 Personen

CSU: 178.488 Personen

SPD: 145.321 Personen

DIE GRÜNEN: 144.577 Personen

DIE LINKE: 199.391 Personen

FDP: 99.074 Personen

 

blaue Rubbellose in einem Automat mit dem Gewinn von Followern zum Artikel Likes kaufen

Von einer Kunstaktion zur Realität:
Mit einem Automaten Likes kaufen

Hauptgewinn: 25.000 Follower. Der Künstler Dries Depoorter möchte Kritik am Selbstdarstellungswahn nehmen und kreierte einen Rubbellosautomaten, bei welchem man die Chance hat, Follower für seine Social-Media-Accounts abzusahnen. Eine Kunstaktion, die nun – etwas abgewandelt – bittere Realität geworden ist. In einem Moskauer Shoppingcenter steht ein Automat, mit dem man Follower und Likes erwerben kann. Die Einkaufsliste für das Wochenende: Bananen, Taschentücher, das hübsche Hemd aus dem Schaufenster, Salz, Zucker, eine Zahnbürste und . . . ein paar Herzen und Follower, per App zum Mitnehmen? Sich Ansehen und Beliebtheit quasi im Vorbeigehen erwerben zu können, ist erschreckend. Für die einen sind diese Mitbringsel eine gelungene Investition, für uns ein Fehlkauf.

Ausbleibende Bestätigung in Zeiten von Social Media

Location und Outfit sind gewählt, das Licht passt, das perfekte Foto ist geschossen, mit einem idealen Filter veredelt, dazu eine Prise Hashtags und eine schmissige Beschreibung. Das Ganze zur richtigen Uhrzeit “gegart”, hochgeladen – und fertig ist das Social Media optimierte Foto. Da kann es ja nur “Gefällt mir” – Angaben regnen. Vielleicht springen ja auch ein paar neue Follower dabei heraus. Nachdem einige Minuten, sogar Stunden, vergangen sind und die Likes ausbleiben, stellt sich bei dem ein oder anderen schnell ein leises Grummeln in der Magengegend ein. Der Social Media und Selfie-Optimierungswahn führt dazu, dass ausbleibende “Gefällt mir” – Angaben bereits reichen, um am Selbstwertgefühl der Nutzer zu kratzen.

Kunstaktion übt mit einem Rubbelllosautomaten Kritik

Automat mit dem man sich Rubbellose ziehen kann. Gewinn: Follower; zum Artikel über Likes kaufen

Einige User versuchen, dies zu kompensieren, indem sie sich Likes und Follower kaufen. Der Medienkünstler Dries Depoorter wollte diese Möglichkeit in das Bewusstsein der Menschen rufen und konzipierte dafür eine Follower-Maschine. An dem im Trademark kunstenfestival in Belgien aufgestellten „Scratch and be popular!“-Automaten können Rubbellose gekauft werden. Als Gewinn winken Follower für Twitter und Instagram.  Neben dem Hauptgewinn gibt es auch Preise die 100 oder 1000 Follower umfassen. Das Kunstwerk impliziert Kritik an der Kapitalisierung des Sozialen.

Mit Snatap-Automaten Follower und Likes kaufen

Was in Belgien als eine Kunstaktion begann, wurde in Russland nun erschreckende Realität: Ein Snatap-Automat, an dem man sich im Einkaufscenter Likes und Follower für Instagram und das russische Facebook-Pendant VKontakte erwerben kann. Ausgestattet mit einem 42-Zoll-Display gibt die Maschine einen Überblick über die eigenen Fotos und Posts auf den entsprechenden Plattformen.

Die Konditionen für die neuen Freundschaftsdienste: 150.000 Follower und 1500 Likes pro Post für 850 Dollar. 100 Likes sind somit schon für umgerechnet 77 Cent, 100 Follower für nur 1,50 Euro erhältlich. Die Ergebnisse können direkt nach der Transaktion begutachtet werden. Aufgestellt werden die Automaten von der gleichnamigen Firma Snatap. Laut Unternehmen stecken hinter den Accounts keine Fakes, sondern echte Menschen, welche dafür entweder Geld oder Likes als Gegenleistung erhalten. Die Entwickler gehen deshalb nicht davon aus, dass dies gegen die Nutzungsrichtlinien der Sozialen Plattformen verstößt.

Polaroid-Maschine und Werbemittel

Der Verkauf von Herzchen und Likes macht aber nur einen kleinen Teil der Einnahmen aus. Zusätzlich können Nutzer von Instagram und anderen Netzwerken mithilfe des Automaten Fotos im Polaroid-Stil ausdrucken und auf Magnettäfelchen produzieren lassen. Zum Geschäftsmodell von Snatap gehört es, die Automaten zu vermieten. Einerseits sollen sie als Verkaufsstandort, anderseits als Marketing-Instrument dienen. Laut Pedestrian Daily liegt der Haken für die Nutzer darin, dass nach Anmeldung die eigenen Freunde hinzugefügt und Anfragen verschickt werden.

Bald auch in Deutschland?

Nach Angaben des Unternehmens existieren in Russland bereits etwa 20 Snataps, drei in der Ukraine, einer in Ägypten und einer im kanadischen Toronto. Noch in diesem Jahr sollen je zwei Automaten in den USA, Polen und ja, auch bei uns in Deutschland folgen. Wo genau ist noch unbekannt und möchte das Unternehmen nicht mitteilen.

Kapitalismus at it’s best and beyond

Eigentlich wollen wir das auch gar nicht wissen. Der Ausdruck von Social-Media Fotos im angesagten Polaroid-Look mag ja noch ganz nett sein, aber der Handel mit Likes und Followern gibt zu denken. Es ist nicht verwunderlich, dass das Geschäft nun eine Debatte auslöst. Ist es wirklich erstrebenswert, sich Anerkennung und Selbstdarstellung zu erkaufen? Ist es nicht viel schöner, Herzen zu erhalten, die auch von Herzen kommen? Der Optimierungswahn wird gefördert, Selbst- und Fremdwahrnehmung verzerrt und der Geldbeutel geschmälert. Das Geschäft mit sozialer Zustimmung mag lukrativ sein, ethisch ist es aber ein Reinfall.

Der Erwerb von Likes und Followern ist eigentlich nichts Neues. Mit dem Aufstellen von Snatap-Automaten eröffnet sich jedoch eine weitere Dimension: Soziale Zustimmung kann in sekundenschnelle, zwischen Toilettenpapier und Smoothie, erkauft werden. Der Mensch und seine Beziehungen werden nach diesem Prinzip zur schnellen Ware. Der russische Journalist Wassily Sonkin beschreibt diese Entwicklung wie folgt: „Willkommen in einer neuen Phase des Kapitalismus”. Traurig, aber wahr.

Bilder: @Kristof Vrancken (Fotograf), @Dries Depoorter (Künstler)

Video: @Louise Matsakis (YouTube)

Chip unter der Haut: Bargeldlos in die Zukunft

Die Schweden zeigen es der Welt: Um die 2000 Menschen haben sich dort einen Mikrochip in die Hand implantieren lassen, um beliebige Daten darauf abzuspeichern. Egal ob der Zugangscode zum Hotelzimmer, zum Spind im Fitnessstudio oder zum Büro in der Firma: Der Chip dient vielen Schweden bereits heute als ein digitaler Schlüsselbund. Nun soll er auch die Brieftasche ersetzen. Seit Juni 2017 können sich die Fahrgäste der schwedischen Staatsbahn ihre Online-Tickets auf den Chip spielen lassen. Wenn der Kontrolleur kommt, reicht eine Handbewegung am Lesegerät. Gleiches lässt sich auch mit dem Boardingpass am Flughafen umsetzen. Bald soll der Chip auch mit dem Bankkonto verknüpft werden, um das bargeldlose Bezahlen zu ermöglichen. Die technischen Voraussetzungen sind der Theorie nach schon vorhanden.

Massentaugliche Implantate nur eine Frage der Zeit?

Die kontaktlose Übermittlung von Informationen über den Chip basiert auf der Nearfield Communication (NFC, deutsch: Nahfeld Kommunikation) – einem internationalen Übertragungsstandard für die Übermittlung von Daten durch elektromagnetische Induktion. Diese Technik wird bereits für kontaktlose Transaktionen in Geschäften mit NFC-Kartenlesegeräten eingesetzt. In Deutschland können Kunden bei Beträgen von bis zu 25 Euro ihre Kreditkarte an das Lesegerät halten und bezahlen, ohne dass sie eine PIN-Nummer eingeben müssen.

Gleiches soll nun bald per Implantat an der Kasse möglich sein – wenn es nach Hannes Sjöblad geht. Er ist Mitgründer des Clubs BioNyfiken, welcher die Chip-Innovation propagiert und sich für das Experimentieren mit der Technologie ausspricht. Immerhin zahlen bereits heute nur noch 2 % der Schweden mit Bargeld. Für Sjöblad ist es nur eine Frage der Zeit, bis ein kontaktloses Bezahlsystem über Implantate massentauglich umgesetzt wird. Daher sollten sich die Menschen bereits heute mit der Technologie auseinandersetzen und lernen, verantwortungsvoll damit umzugehen.

Der Mikrochip ist so groß wie ein Reiskorn und wird mit einer speziellen Spritze in die Hand zwischen Daumen und Zeigefinger injiziert. Ein kräftiges Zwicken und dann ein Pflaster: Fertig ist das Implantat. Patrick Kramer ist Chef des Hamburger Unternehmens Digiwell und gilt als Pionier der Haut-Chip-Technologie. Bei ihm gibt es das Implantat schon für 49 Euro zu kaufen. Er schätzt, dass weltweit mittlerweile um die 50.000 Menschen ein Implantat besitzen. Er gibt sich zuversichtlich; das sei bloß der Anfang.

Datenklau und Überwachung sind Risiken, welche von Kritikern massiv bemängelt werden. So sei es zum Beispiel Hackern gelungen, die Chip-Daten im Vorbeigehen auszulesen. Kramer weist hingegen auf einen neuen Chip namens VivoKey hin, welcher es erlaubt, kryptographische Daten zu speichern und sich so vor Datenklau zu schützen. Wohin der Weg auch gehen mag, die Frage nach dem “ob” scheint sich niemand mehr zu stellen. Vielmehr arbeiten die Forscher an der technischen Optimierung und dem Schutz für den Nutzer.

Wahlkampf 2017:
Auf die Plätze…

Zugegeben, das Battle der Parteien zur Bundestagswahl 2017 ist im Alltag der Wähler noch nicht ganz angekommen. Der digitale Raum bildet hier keine Ausnahme. Doch die etablierten Parteien befinden sich in den Startlöchern. Mittlerweile haben fast alle ihre Wahlprogramme veröffentlicht. Heute ist der 79. Tag vor der Wahl – der Stichtag zum endgültigen Beschluss darüber, welche Fraktionen teilnehmen dürfen. Wir haben uns auf den Online-Plattformen von SPD, CDU und Co. umgeschaut und den aktuellen Stand der Dinge festgehalten.

#Ehe für alle

DAS Thema der letzten Tage ist natürlich das “Ja” der Mehrheit des Bundestages zur “Ehe für alle”. Die Freude über diesen Beschluss wird von den meisten großen Parteien geteilt und auf den Kanälen zelebriert. Da gibt Martin Schulz zum Frühstück Kuchen aus, die FDP schmeißt mit Hashtags wie #LoveisLove, #EheFürAlle, #LoveWins um sich und den Grünen ist es nochmals ein Bedürfnis, mit einem Bilderalbum zu betonen, 20 Jahre lang für diese Entscheidung gekämpft zu haben. Nur CDU und CSU strichen das Thema von der Posting-Agenda. Weder auf Twitter, noch auf Facebook sind die Parteien darauf eingegangen.

Die Online Auftritte der Parteien im Wahlkampf 2017

CDU und CSU: ein gemeinsamer Konsens

Minimalistisch und konservativ – so könnte der Social-Media-Auftritt der Parteien CDU und CSU beschrieben werden. Die CSU postet tagtäglich im blauen Look. In Sachen Wahlkampf ist hier allerdings noch nicht viel los. Ein Posting zu einer regionalen Umfrage und ein Video mit einer fünf Sekunden langen Zusammenfassung der Programminhalte ist alles, was auf Facebook zur Bundestagswahl zu finden ist. Betont wird in CSU-Tweets allerdings die Erfüllung vergangener Versprechungen sowie das zukünftige Vorhaben zur Digitalisierung und Sicherheit. Gemeinsam mit der CDU will man hier neue Wege gehen. Die CDU ist hingegen aktiver und postet in regelmäßigen Abständen Videos, in denen über das Parteiprogramm berichtet wird und sich Parteimitglieder dazu aussprechen. Die Partei präsentiert sich im Gewand der deutschen Nationalfarben. Lead-Agentur der CDU-Kampagne “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist Jung von Matt. So weit, so gut. Doch aus dem Claim ergibt sich der Hashtag #fedidwgugl, welcher im Netz, vergleichbar mit Trumps #covfefe, für Belustigung sorgte.

Einen weiteren Rückschlag in Sachen Online-Wahlkampf musste die CDU aufgrund eines Tweets des CDU-Generalsekretärs Peter Tauber hinnehmen. Dieser löste durch seine Aussage im Netz einen Shitstorm aus. Hintergrund war eine Diskussion über das Wahlprogramm von CDU und CSU mit dem Versprechen auf Vollbeschäftigung bis 2025. Ein Nutzer fragte auf Twitter: “Heißt das jetzt 3 Minijobs für mich?”. Taubers Reaktion fiel unglücklich aus. Er twitterte: “Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, dann brauchen Sie keine drei Minijobs”. Die Netzgemeinde reagierte empört, warf ihm Ignoranz und Arroganz vor. So schreibt zum Beispiel @luna_in_munich: “Wie überheblich & realitätsfern ist ihre Aussage denn bitte schön? Dass Minijobs existieren, ist das Unding!”. Der User @MagisterSinist kontert: “Sympathisch @petertauber. Es gibt Leute mit abgeschlossener Ausbildung, die in richtigen Scheißjobs stecken. Zum Beispiel in der Gastro”.

Peter Tauber entschuldigte sich nachträglich und bedauerte in einem Tweet, dass es aufgrund seiner unglücklichen Formulierung zu einem Missverständnis gekommen sei. Dass der Tweet allerdings nicht nur bei potentiellen Wählern ein grummelndes Gefühl hinterließ, sondern auch der politischen Konkurrenz unmittelbar neuen Stoff lieferte, zeigt wie machtvoll in diesem Zusammenhang auch die Online-Kommunikation von einzelnen Personen sein kann.

SPD: modern und vielfältig

Die Partei bewirbt sich und ihr Programm sehr vielfältig. Auf den Kanälen wird mit Interviews, Bildern, GIF’s und Verlinkungen gearbeitet. Im Fokus steht dabei immer wieder der Kanzlerkandidat Martin Schulz, der auch während, nach oder gar zwischen den Terminen begleitet wird.

Um sich positiv abzugrenzen, werden häufig Vergleiche zur Regierungspartei und Kanzlerin Merkel gezogen. Beispielsweise wurden in einem Bild Zeitungsausschnitte negativer Schlagzeilen zum CDU/CSU-Programm, wie “ohne neue Ideen” oder  “Trägheitsmoment”, zusammengetragen.  Zwar kommen wichtige Programminhalte zur Sprache, doch die SPD zeigt durch Out-of-the-topic-Posts ebenfalls ihren Sinn für Humor und Modernität. So denkt man hier beispielsweise mit einem Kuss-GIF-Posting an den Tag des Kusses. Die Nutzerin Manuela Kossmann kommentiert daraufhin: “In der Öffentlichkeit küsst man nicht. Es ist proletarisch, unerzogen und unhöflich”. Die SPD reagiert mit einem “Dicken Schmatzer.” Einem anderen User fehlt eine Kussszene aus “vom Winde verweht”, die die SPD doch direkt in einem GIF nachliefert. Charme zeigt auch Heiko Maas, indem er mit seinen Händen die berühmte Raute-Handgeste von Merkel zum Herz formt und dabei in die Kamera zwinkert. Dieses bunte animierte Herz ist der SPD anlässlich der “Ehe für alle”, ein Posting wert: “Wir sind für’s Herz”.

Was zusätzlich auffällt ist, dass die SPD im digitalen Raum nicht nur Wähler, sondern auch Unterstützer anwirbt. Insbesondere junge Menschen werden auf eine frische Art und Weise angesprochen, sich dem SPD-Wahlkampf anzuschließen und der Partei beizutreten.

In ihren Videos setzt die Partei außerdem auf Fraktionsmitglieder, Prominente, den ehemaligen Kanzler Gerhard Schröder sowie Gespräche mit Bürgern.

Der eigens für das Wahlprogramm entwickelte Trailer setzt auf inhaltliche Keywords sowie emotionale Bilder.

DIE GRÜNEN: reaktionsfreudig und aktiv

Die Grünen sind natürlich auch online grün unterwegs. Es werden Videos, Infografiken, TV-Berichte und vor allem viele Bilder von Events und Demos geteilt.

Wie alle Fraktionen beziehen sie sich in ihrer Öffentlichkeitsarbeit auf ihre Konkurrenz. Und das auch mal mit einem zwinkernden Auge: “Liebe CDU, liebe SPD, wenn ihr alle grünen Ideen vor der Wahl abräumen wollt, haben wir da prinzipiell nichts gegen. Da wo die #ehefueralle her kommt, gibt es noch viele gute, grüne, mutige Ideen für unser Land und eine lebenswerte Zukunft! Die komplette Liste schicken wir Euch gerne zu.” Zu diesem Facebook-Post erscheint ein Bild mit einer Liste, die unter anderem Klimaschutz und Lohngleichheit beinhaltet. Es folgt ein Kommentar, der die Social-Media-Aktivität der Partei kritisiert: “Euer Social Media Fuzzi macht viel, leider auch viele Sachen schlecht. Wenn ihr schon die CDU & die SPD direkt via FB ansprechen wollt, dann verlinkt sie doch entsprechend. Und euer Hashtag bringt auch nur was wenn euer Konto mit Twitter verbunden ist – dies ist leider auch nicht der Fall. Mann Mann Mann. #LegalizeIT, aber Dalli.”

Auch die Grünen finden ein GIF sagt mehr als tausend Worte und reagieren auf den Vorwurf mit einer ironisch klatschenden Jennifer Aniston.

Der Trailer zum Wahlprogramm der Grünen fokussiert das Spitzenduo und präsentiert sich dynamisch sowie bunt und modern.

DIE LINKE: straight

Auf der Facebook-Seite der Linken wird viel mit Infografiken, Hashtags und Bildern gearbeitet. Meist sind dort jedoch nur Politiker oder Statements abgebildet. Es wird demnach weniger durch Fotografien als durch Inhalte emotionalisiert. Der inhaltliche Fokus zeigt sich auch in Reaktionen der Partei auf Kommentare. Hier wird anstatt mit einem GIF in Sätzen, mit Erklärungen und Verlinkungen kommentiert.

Der Trailer der Linken ist laut, offensiv und direkt.

FDP: zukunftsgerichtet

Die FDP kommt in einem neuen flippig-hippen Design daher: ein strahlendes Gelb, kombiniert mit knalligem Pink und Himmelsblau. Modernität sowie das Erreichen neuer Wähler sind gewünscht. Christian Lindner soll die Partei zu neuen Erfolgen führen. Dementsprechend präsent ist er mit seinen Aussagen auch auf den Online-Kanälen der Partei. Hier arbeitet man mit Videos, Hashtags und vor allem mit vielen Infografiken, Zitaten und inhaltlichen Statements im modernen Look. Dies spiegelt sich auch in dem Video “100 Tage” (vor der Bundestagswahl) zum Wahlprogramm der Partei wieder.


Die Partei hat sich laut eigenem Post dazu entschieden, voll durchzustarten: “Wir setzen auf eine echte Zukunftsagenda 2030 statt auf Vergangenheitsfixierung und beziehen Stellung für Fortschritt und Bürgerrechte. Wir sind die Alternative für die ungeduldige Mitte”. “Die anderen machen Sommerpause. Wir nehmen Anlauf” – heißt es in einem Facebook-Post vom 01.Juli 2017.

Und so verteilen sich die aktuellen Likes auf Facebook:

CDU: 135.866 Personen
CSU: 167.498 Personen
SPD: 144.158 Personen
DIE GRÜNEN: 143.920 Personen
DIE LINKE: 198.724 Personen
FDP:  96.549 Personen

Bild: @unsplash, Peter Hershey

Ein digitaler Wahlkampf wird durch einen Screenshot Facebookseite der Bundesregierung veranschaulicht

#btw 2017:
Digitaler Wahlkampf in Deutschland

Der 24. September 2017 – Stichtag zur Bundestagswahl in Deutschland. Im Wahlkampf finden die Sozialen Medien dabei einen immer stärkeren Einzug. Diese haben auch während der amerikanischen Wahl in den Nachrichten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und am Ende standen wir vor einem überraschenden Ergebnis: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, wenn auch nur knapp. Was können wir auf den digitalen Kanälen der Parteien in Deutschland erwarten? Wird sich ein digitaler Wahlkampf entfachen? Der Trump-Schock ist noch groß, die Bundestagswahl nah – Anlass genug, um den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten kurz Revue passieren zu lassen.

Donald Trump: Wahlsieg durch Social Media-Aktivitäten?

Trumps Worte waren laut, emotional aufgeladen und provokant – und das vor allem im digitalen Raum! Er twitterte, postete und teilte, was das Zeug hielt. Die politischen Inhalte waren hingegen eher mau, die Wahlversprechen unrealistisch. Da stellt sich überspitzt die Frage: Hat sich Trump ins weiße Haus getwittert? In der Online-Kommunikation nahm der ehemalige Unternehmer jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er warf vor allem mit beleidigenden und übertriebenen Tweets, Hashtags und Facebook-Posts um sich. Dies waren nicht selten Trotzreaktionen aufgrund kritischer Stimmen. Kaum einer von uns konnte der Flut an Nachrichtenmeldungen darüber entgehen. Wenn Trumps Aussagen auch für Aufregung und Shitstorms sorgten, so erhielt er gerade dadurch eine immense Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Motto: Schlechte Presse ist besser als keine Presse. Seine Beiträge wurden zahlreich geteilt und kommentiert, eine virale Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Online-Präsenz sorgte somit auch offline für Gesprächsstoff.

Digitaler Wahlkampf: Denunzierung, Verschwörung, Fakenews

Eine entscheidende Rolle bei seinem Erfolgszug spielten auch diverse Denunzierungen politischer Gegner. Darunter waren in erster Linie natürlich der von Hillary Clinton und potentieller “Feinde”. Dafür nutzte er Fake-News und übte sich in Verschwörungstheorien. In einem dieser Vorwürfe, wettert er sogar gegen eben jene Medien, die ihm eigentlich als förderliche Lautsprecher und Plattformen dienen: „Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!“. Gleichzeitig inszeniert sich Donald Trump als Retter allen Übels. Seine Botschaft: #makeamericagreatagain. Ob der Online-Wahlkampf Donald Trumps ihm tatsächlich den kleinen aber entscheidenden Vorsprung ermöglichte, ist ungewiss. Die Resonanzräume, die er durch emotional aufgeladene Kommunikation eröffnete, legen eine Vermutung allerdings nahe. Ein Wahlkampf ohne das Netz dürfte für ihn schwieriger gewesen sein.

Digitaler Wahlkampf mit Facebook und Co.

Der amerikanische Wahlkampf hat gezeigt: Die Online-Kommunikation erhält auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert. Ein digitaler Wahlkampf hat das Potential, den Ausgang einer Wahl entscheidend zu beeinflussen. Er kann sowohl die Partei selbst als auch die Gesellschaft pushen oder schädigen. Es geht (leider?) nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck. Einzelne Figuren stehen im Fokus, die leicht zu Helden auserkoren werden können. Besonders Social-Media Profile ermöglichen eine individuelle Präsentation und Stilisierung von Personen. Politiker können sich modern und “volksnah” geben und so neue Zielgruppen erreichen. Insbesondere Digital Natives informieren sich zunehmend im Netz. Die elektronische Demokratie ist somit eine wichtige Ergänzung zu anderen Medien wie Print oder TV. Dementsprechend kämpfen die Parteien heute mehr denn je online und mit digitalen Mitteln um die Gunst der Wähler.

Bundestagswahl: Beobachtung des Online-Wahlkampfes

Wie wird der digitale Wahlkampf hierzulande ablaufen? Trumps Vorgehen ist – was die Erhöhung der Reichweite betrifft – beachtenswert. Doch wie gelingt es, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei reißerisch zu werden? Welche Strategien verfolgen SPD, CDU, Die Grünen und Co. und wie reagieren die potentiellen Wähler?

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns die Websites und Social Media Profile der etablierten Parteien anschauen und ihre Aktivitäten beobachten. Dabei interessiert uns der jeweilige Online-Auftritt. Wird eher auf Optik oder Inhalt wert gelegt? Wer wird wie angesprochen? Wer nicht? Was sagen die User? Wie reagiert man auf einen Shitstorm? #Mutti oder #Zeit für Martin? Welcher Kanzlerkandidat zeigt die stärkere Präsenz? Und welche Dynamiken entwickeln sich im heißen Endspurt? – mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, werden wir uns bis zur Wahl im September beschäftigen.

Es bleibt also spannend. Sobald wir wissen, wer die neue Führungsspitze Deutschlands bildet, können wir ein Fazit in Bezug auf den deutschen digitalen Wahlkampf ziehen. Welche Online-Strategien sind aufgegangen? Welchen Anteil am Erfolg haben die Aktivitäten im digitalen Raum möglicherweise gehabt? Ist die gewählte Partei auch in Sachen Social Media ein Vorreiter gewesen? Und was können wir daraus für die Zukunft mitnehmen?

 

Bild: @Bundesregierung (screenshot fb)

Mann Junge macht mit dem Smartphone ein Selfie Bild oder Video von sich

Tipps für eine gelungene Video-Bewerbung

Video- statt Passbild! Immer mehr Unternehmen und Ausbildungsstätten bieten Bewerbern die Option an, sich via Bewegtbild bei ihnen zu bewerben, einige verlangen es sogar. Eine von Talentcube in Kooperation mit AUBI-plus entwickelte App ermöglicht genau dies. Mittels der kostenlosen und unkomplizierten Anwendung können sich Ausbildungsinteressierte direkt via Smartphone-Kamera online bei dem gewünschten Betrieb bewerben. Doch auch für eine Initiativbewerbung kann ein Vorstellungsvideo eine Chance bedeuten, sich von anderen Anwärtern auf einen Job- oder Ausbildungsplatz abzuheben und der Firma quasi “direkt ins Auge zu springen”.

Es ist eine Art Werbefilm über sich selbst: du bist der Regisseur, der Drehbuchautor, der Protagonist und Bühnenbildner deiner eigenen Video-Bewerbung. Das bedeutet, du hast die Möglichkeit, dich als die Person, die hinter den theoretischen Bewerbungsunterlagen steckt, erlebbar zu machen, den Freiraum, dich kreativ zu entfalten und dich von deiner besten Seite zu präsentieren. Doch diese Freiheiten bergen mindestens genauso viele Gefahren. Mit diesen Tipps vermeidest du mögliche Fehlerquellen und Patzer.

Zeitmanagement

Einige Unternehmen geben dir eine Zeitspanne vor, innerhalb derer du die Vorstellung deiner Person beendet haben musst. Deshalb solltest du vor dem Dreh einen Probedurchlauf starten, die Zeit stoppen und dein Timing anpassen.
Gibt es keine zeitlichen Vorgaben, solltest du darauf achten, dass dein Video nicht zu lang wird. Dies birgt die Gefahr, dass sich der Betrachter schnell langweilt oder sich weder die Zeit nehmen will, noch kann.

Authentizität & Vorbereitung

In diesem Zusammmenhang ist eine gute Vorbereitung das A & O einer gelungenen Video-Bewerbung. Lege dir im Vorfeld zurecht, was genau du sagen möchtest. Hierbei achte darauf, nicht einfach nur das wiederzugeben, was dem Personaler aus deiner schriftlichen Bewerbung bereits bekannt ist. Vielmehr solltest du das Video als Zusatz sehen und einen Mehrwert bieten. Dafür kannst du bei den Fakten ansetzen. Zum Beispiel: “In diesem Praktikum konnte ich mich intensiv mit dem Bearbeitungstool XY auseinandersetzen. Durch die Arbeit im Team habe ich dann auch gemerkt, dass ich leidenschaftlich gerne die Rolle des Koordinators einnehme, der alle Fäden zusammenhält”. Sei dabei ehrlich und authentisch – einfach du selbst!

Um sich nicht hetzen zu müssen, gilt generell: lieber weniger, dafür aber relevanten Inhalt.
Aufgrund von möglicher Nervosität ist es ratsam, dass du dir dazu Notizen machst.

Stimme & Körperhaltung

Deine Gedanken solltest du allerdings nur grob formulieren und in Stichpunkten festhalten. Ansonsten besteht die Gefahr, dass du zum Ablesen tendierst. Wie in jeder anderen Präsentation auch, ist es immer besser, möglichst frei zu sprechen. Dabei stehst du – und das möglichst gerade: Brust raus, Bauch rein (aber bitte nicht verkrampft!). Dies vermittelt nicht nur dem Betrachter deine Präsenz und Tatkraft, sondern gibt auch dir ein selbstsicheres und positives Gefühl. Gleichzeitig ist der Klang deiner Stimme dadurch automatisch klar und souverän. Die Aussprache sollte deutlich, die Lautstärke normal und die Betonung der Sätze abwechslungsreich sein. Lass dich ebenfalls nicht dazu verleiten, durch den Text zu hetzen, um die Sache schnellstmöglich hinter dich zu bringen. Achte außerdem darauf, dass du einen Mittelweg zwischen wilder Gestikulation und unmotiviert herabfallenden Armen findest. Am besten handhabst du es in etwa wie “Angie”, die in ihrer bekannten Merkel-Raute-Handgeste ihre Daumen und Zeigefinger in Höhe der Taille zueinander führt (haargenau die gleiche Pose ist eventuell trotzdem nicht ratsam 😉 ). In jedem Falle ist aus der Psychologie bekannt, dass sich Arme und Hände bei einer Präsentation über den Hüften befinden sollten, um Kompetenz und Engagement auszudrücken. Wenn du dann auch noch Blickkontakt zur Kamera aufnimmst, freundlich schaust und dich authentisch präsentierst, kann nichts mehr schief gehen.

…wenn da nicht die Technik wäre

Ob du nun ein Technik-Nerd bist oder nicht, auch hier können potentielle Gefahrenquellen lauern.

Die Wahl des richtigen Mediums für deine Video-Bewerbung ist dir, sofern nichts anderes vorgegeben, letztlich selbst überlassen. Wenn du einen stabilen „Selfie-Arm“ hast und dich mit dem Smartphone wohlfühlst, dann nutze es. Die Entscheidung, ob du mit der Spiegelreflexkamera oder dem Smartphone filmst, sollte sich allerdings auch nach der Job-Position und/oder Branche richten. Wird ein Social Media Manager gesucht, so kann dich die Verwendung des Smartphones sogar auszeichnen. Für eine bessere Auflösung und Qualität sorgt die Verwendung einer professionellen Kamera. Daraus ergibt sich gleichzeitig die Frage, ob du den Selbstauslöser drückst oder dich von jemandem filmen lässt. Letzteres ist, wenn möglich, vorzuziehen, da du dich so voll und ganz auf deine Präsentation konzentrieren kannst. Stelle in jedem Fall im Vorfeld sicher, dass alles funktioniert und die Akkus ausreichend geladen sind. Weiterhin kann ein Stativ bei Kameranutzung für die gewünschte Stabilität sorgen. À propos Stabilität: erfolgt die Bewerbung via Internet, wird natürlich eine stabile WLAN-Verbindung benötigt.

Styling & Umgebung

Zu guter Letzt ist die Optik nicht zu unterschätzen – dies betrifft sowohl Frisur und Kleidung als auch die Umgebung, in der du dich befindest. Ziehe dir das an, was zur Branche und Position passt und worin du dich wohlfühlst. Dein Äußeres ist selbstverständlich gepflegt. Gleiches gilt für die Umgebung. Hierbei sollte die Wahl allerdings auf einen möglichst neutralen (du stehst im Fokus!) und vor allem ruhigen Ort fallen. Idealerweise drehst du bei dir Zuhause – schließe die Fenster, schalte nicht benötigte Medien aus, beziehungsweise stelle sie auf lautlos, gehe sicher, dass du keinen Paketboten erwartest oder deine Nachbarn Radau machen. Dann steht deiner gelungenen Video-Bewerbung nichts mehr im Wege.

And the Oscar goes to…

Bild: @pixabay