Kategorie: Vernetzt

Social Media im Wandel:
Gemeinsam gegen veraltete Schönheitsideale

Bilder von perfekt zurecht gemachten Frauen im Bikini, die sich nur von Green Smoothies und Salat ernähren gibt es bei Instagram wie Sand am Meer. Immer mehr User und Influencer setzen sich mittlerweile gegen unrealistische Schönheitsideale ein. Doch tragen sie damit auch zu einem Wandel der sozialen Netzwerke bei?

Influencer gegen oder für übertriebenen Schönheitswahn?

Die geschönte Online-Welt vieler Influencer beeinflusst über soziale Netzwerke wie Instagram hunderttausende, größtenteils sehr junge, Follower. Model und Influencer Stefanie Giesinger ist sich dessen bewusst und versucht ihren 2,6 Millionen Followern realistische Einblicke in ihr Leben zu geben. Der Instagram Star hat sich dafür einen zweiten Account erstellt. Dort postet sie Bilder, die sich stark von ihrer offiziellen Instagram-Seite unterscheiden: kein makelloses Styling, teure Designerklamotten oder gestelltes Bilder. Stattdessen zeigt sich Giesinger ungeschminkt, mit Doppelkinn und Schokolade zwischen den Zähnen. Damit wolle sie verdeutlichen, dass niemand makellos ist auch wenn ihre sonstigen Instagram-Posts diesen Eindruck vermitteln. Obwohl diese Aussage zunächst sehr positiv klingt, weist die Umsetzung jedoch einige Mängel auf. Wozu brauchen Influencer überhaupt einen zweiten Account, auf dem sie sich “authentisch” zeigen? Wenn sie ihren Followern wirklich vermitteln wollen, dass niemand perfekt ist, warum tun sie das nicht über ihren offiziellen Account? Schließlich würde damit eine viel größere Reichweite angesprochen werden. Das zweite Profil von Stefanie Giesinger ist mit Hunderttausend Abonnenten relativ unbekannt. Die Trennung der beiden Instagram Profile erweckt den Anschein, dass es Giesinger vielmehr um die Verbesserung ihres Images, als um die Aufklärung über verzerrte Schöheitsideale geht.

Das dicke Geschäft auf Instagram

Auf Instagram gilt: Je größer die Reichweite desto mehr Geld lässt sich durch Werbung und Product Placement verdienen. Vor allem im Modelgeschäft haben soziale Netzwerke stark an Bedeutung zugenommen. Models mit hohen Abonnentenzahlen werden demnach öfter gebucht als Models, die keine starke Onlinepräsenz haben. Wenn ein Unternehmen beispielsweise mit Stefanie Giesinger zusammenarbeiten will, ist der Grund dafür nicht zuletzt ihre große Fangemeinde im Internet. Denn 2,6 Millionen Follower sind 2,6 Millionen potenzielle Kunden. Damit die Abonnentenzahlen und die geschäftlichen Anfragen weiterhin hoch bleiben, müssen die Influencer in der Öffentlichkeit ein perfektes Bild von sich inszenieren – egal wie unrealistisch dies auch sein mag.  

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Kampf gegen Body Shaming und oberflächliche TV-Formate

Nicht nur Instagram-Stars setzen sich gegen unrealistische Schönheitsideale ein. Nachdem Heidi Klum dazu aufrief sich für ihre Castingshow “Germany’s Next Topmodel” zu bewerben, löste sie damit eine unerwartete Reaktion aus. Unter dem Hashtag “notheidisgirl” wurden über 2.800 Bilder auf Instagram gepostet, um sich gemeinsam gegen Body Shaming, Size Zero und Magerwahn einzusetzen. Frauen und Männer jeder Altersklasse halten auf diesen Bildern ein weißes Blatt Papier in die Kamera, auf dem neben dem Hashtag “#notheidisgirl” auch eine persönliche Begründung geschrieben steht, warum sie dieses TV-Format ablehnen. Die Instagram Userin na_trash begründete ihren Hashtag damit, wie gefährlich es sei jungen Frauen Anerkennung für “erfolgreiches Hungern” zu geben. In den Kommentaren gab es dafür großen Zuspruch. Im Bezug auf das Thema Schönheitsideale schrieb jemand: “Keiner muss hungern um gut auszusehen! Keiner muss Sport machen, um `viel zu erreichen´! Keiner muss Kleidergröße Zero haben um toll zu sein!”. Auf der anderen Seite kritisierten einige Kommentatoren, dass es viele Frauen gebe, die von Natur aus schlank seien und ungerechtfertigt als Magersüchtige abgestempelt werden.

Zwischen Schein und Sein

In sozialen Netzwerken wie Instagram wird das Thema Schönheit immer noch sehr stark thematisiert. Influencer wie Stefanie Giesinger versuchen mit einem zweiten Instagram Account ihren Abonnenten ein realistisches Bild von sich zu vermitteln. Darüber, ob dies nicht doch mehr Schein als Sein ist, lässt sich streiten. Trotzdem hat Instagram als Plattform das Potenzial dem oberflächlichen Perfektionismus entgegenzuwirken – wie #notheidisgirl beweist. Um sich nicht in negativer Weise von sozialen Netzwerken beeinflussen zu lassen, ist es wichtig sich einen bewussten und auch kritischen Umgang mit diesen Medien anzutrainieren. Denn Instagram Bilder zeigen nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Leben einer Person und Influencer entscheiden gezielt was sie posten. Schließlich ist es ihr Job sich selbst als Marke in Szene zu setzen. Nichts und niemand ist perfekt und daran wird auch Instagram nichts ändern.

Netzreaktionen
auf die Ergebnisse der btw2017

Deutschland hat gewählt. Gestern Abend sorgten bereits die ersten Hochrechnungen für die ein oder andere Überraschung, in erster Linie aber für Enttäuschung und Entsetzen. Während CDU und SPD große Verluste hinnehmen und damit eine ihrer schlechtesten Wahlergbnisse überhaupt einstecken mussten, konnten die kleineren Parteien neue Stimmen einsammeln. Die scheinbaren Gewinner der btw2017 sind demnach die Grünen, die FDP sowie zum Teil die Linken. Allen voran leider auch die AfD. Zum ersten Mal seit dem 2. Weltkrieg, zieht eine Partei mit zum Teil stark rechtspopulistischem Gedankengut in den Bundestag ein. Laut Umfragen entschieden sich die meisten AfD-Wähler nicht aus inhaltlicher Überzeugung, sondern aus Protest.  Im Netz sorgt das Wahlergebnis für hitzige Diskussionen.

Einige können dem Resultat nur mit einem Galgenhumor begegnen

btw2017: Das Glas ist nicht halb leer sondern halb voll?

Was nicht vergessen werden darf ist, dass sich rund 87% der Wahlberechtigten gegen die AfD ausgesprochen haben. Auf Twitter trendet daher momentan der Hashtag #87. Mit ihm bringen die User ihre Ablehnung zur AfD zum Ausdruck und äußern ihre Wünsche für eine friedvolle Zukunft Deutschlands.

Doch dies ist nur ein schwacher Trost

Spielen vielleicht gerade solche Abgrenzungen der AfD ihre Wähler zu? Fehlen den anderen Parteien klare Profile?

 

Von daher sollten wir einen Blick auf weitere Reaktionen werfen:

Unabhängig vom Wahlergebnis feiert das Netz die tapferen Wahlhelfer-Helden aus Basdorf (Rheinsberg).  In dem kleinen Ort waren 23 Bürger wahlberechtigt. Von ihnen wählten 18 per Brief. Auf die rerstlichen fünf konnte das Wahllokal dann 10 Stunden warten. Sehen ganz durchgefroren aus die Armen!

Ein kurzes Fazit im Online-Wahlkampf 2017

Ob  online oder offline: Der Wahlkampf 2017 war weitaus weniger markant und turbulent als die sich nun anschließende Diskussion der Wahlergebnisse und die neue Regierungsbildung. Gewaltige Shitstorms und erwähnenswerte Konfrontationen blieben in den vergangenen Wochen aus. An sich nichts Schlechtes, vermissten die Wähler jedoch immer wieder konstruktive Diskussionen um und mit vielfältig relevanten Inhalten. Im Online-Wahlkampf hatte man daher den Eindruck es gehe eher um Coolness und Optik (siehe FDP), zeitgemäße Spielereien (WhatsApp Chat mit den Grünen), oder klassische Öffentlichkeitskommunikation. Von Livevideos und Twitter-Interviews bis hin zu WhatsApp-Chats und YouTube-Diskussionen nutzten allerdings viele Parteien die volle Bandbreite  der Online-Kommunikation. Insbesondere die FDP, die Grünen und zum Teil auch die SPD schöpften diese Möglichkeiten aus und wussten die digitalen Möglichkeiten geschickt  zu nutzen.

Bundestag Sitze Saal zum Artikelthema Wahlkampf 2017

Die heiße Phase im Wahlkampf 2017:
Wer macht das Rennen?

Die Parteien widmen sich voll und ganz dem Endspurt im Wahlkampf 2017. Denn am Sonntag heißt es: Wählen gehen! Unentschlossenen bleiben nur noch zwei Tage, um sich zu entscheiden, wem sie ihre Stimmen geben möchten. Vielleicht hilft dem ein oder anderen ja der WahlSwiper, eine App im Tinder-Stil, von der wir bereits berichteten. Den Parteien ist bewusst, dass fast sich fast die Hälfte der Wahlberechtigten bis zum Schluss noch nicht ganz sicher ist. Im finalen Countdown geben sie auf den letzten Metern deshalb nochmal alles, mobilisieren Anhänger und liefern Argumente.

Endspurt CDU

Die CDU will nach eigenen Angaben in den letzten “100 Stunden – 100 % Wahlkampf” betreiben. Unter dem Hashtag #100hCDU berichten Anhänger auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. von dem Schlussspurt der Partei. Ob die Dokumentation von Hausbesuchen, Kundgebungen oder Brötchenverteilungen: Mit der Aktion möchte die CDU nochmal alle Kräfte mobilisieren.

Warum CDU?

Endspurt SPD

Die SPD zählt ebenfalls den Countdown runter und startete die Aktion #72hSPD. Darin heißt es: “Wach bleiben für mehr Gerechtigkeit”. Bis zur Schließung der Wahllokale am Sonntag um 18 Uhr stehen die SPD-Teams auf allen Kanälen für Fragen zur Verfügung. Via Telefon, E-Mails und Online-Aktivitäten, wie zum Beispiel Livestreams und Twitter-Interviews, wirbt die Partei in der heißen Phase um die letzten Stimmen potentieller Wähler.

Warum SPD?

Endspurt DIE GRÜNEN

Die Grünen nehmen es sportlich und läuten den Wahlmarathon “16 Bundesländer. 16 Stopps. 42 Stunden live” ein. Katrin und Cem touren auf den letzten Wahl-Metern mit Rad, Zug, Bus oder einfach nur zu Fuß durch Deutschland und beantworten die Fragen der Bürger. Nutzer können die Grünen bei Aktionen, Townhalls, Haustürwahlkämpfen und Kneipentouren durch die Nacht online verfolgen. „Die Grüne Pasta Party“ soll den Höhepunkt dieser 42 Live-Stunden darstellen. Die Stops ihrer Reise können auf der Partei-Website eingesehen werden.

Warum DIE GRÜNEN?

Endspurt FDP

Die FDP versucht ebenfalls nochmal alle Kräfte zu mobilisieren. Anhänger werden aufgefordert, ein letztes Mal aktiv zu werden. Zum Beispiel durch einen personalisierten Wahlaufruf in Sozialen Netzwerken. Dieser lässt sich auf der Website der Partei mit wenigen Klicks generieren. Dort können Nutzer aus den 400 Forderungen der FDP ihre Favoriten wählen und teilen. Die letzte Großveranstaltung wird außerdem in einem Livestream übertragen.

Warum FDP?

Endspurt DIE LINKE

Die Linke zelebriert den Auftakt zum 48-Stunden-Wahlkampf mit einem Wahlkampfabschluss-Programm in Berlin. Am Neptunbrunnen werden heute unter anderem Gregor Gysi, Katja Kipping und Sarah Wagenknecht sprechen. Für die musikalische Untermalung sorgt die Punk-Ikone Nina Hagen. In einem Post erklärt die Sängerin, ihr Engagement: “Ich finde es ausgesprochen gut, wenn sich auch prominente Künstler gesellschaftspolitisch zu Wort melden. Aber ein “ Weiter So ! “ der Regierungsparteien wird eine Verbesserung der Lebensumstände in unserem Land nicht zustande bringen, sondern immer nur weiter verhindern. Ich bin der Meinung , dass nur ein Politikwechsel unser Land und seine Lebensumstände verbessern können wird. Deswegen, und aus weiteren guten Gründen, z.B. #GOLBAL_ZERO , habe ich bei der Briefwahl wieder #DiELiNKE gewählt“.

Warum DIE LINKE?

Wahlkampf 2017: Prominenz trifft Politik

Auch andere etablierte Parteien können auf prominente Unterstützung zählen. Für Merkel sprechen sich unter anderem Uschi Glas, Lena Meyer-Landrut und Sophia Thomalla aus. Schulz erhält unter anderem prominente Hilfe von Iris Berben, Sebil Kekilli oder Leonard Lansink.

Wer wird das Rennen machen?

Die Umfragemethode des Meinungsforschungsinstituts YouGov berechnet nicht nur Zweit- sondern auch Erststimmen. Demnach wäre wohl die AFD nach der Union und der SPD, die drittstärkste Partei. Wer diese Wahlprognose fürchtet, sollte seine Stimme nutzen und bei einem Sonntagsspaziergang einen Abstecher ins Wahlbüro machen. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen. Es liegt in unserer Hand, wer am Sonntag die Bundestagswahl für sich entscheidet. 

Für Norbert Lammert markiert die Wahl ebenfalls das Ende seiner Laufbahn als Bundestagspräsident. Der Sympathieträger scheidet aus dem Parlament aus und richtet sich vor seinem Abgang mit einer Botschaft an die Bevölkerung: „Wer sich entschieden hat, sich nicht für Politik zu interessieren, hat sich entschlossen, anderen die Zukunft zu überlassen“. Seiner Meinung nach haben Nichtwähler „mindestens moralisch den Anspruch verwirkt, sich nachher zu beschweren“.

Pärchen umarmt sich auf Berg zum Artikelthema neue Dating-Apps

Sehen, hören, dichten, lieben?
Neue Dating-Apps im Vergleich

Hachja, die Liebe – verworren und schön zugleich. Ob der Beziehungsstatus nun “es ist kompliziert”, “Single” oder “Mingle” lautet: Jeder sehnt sich früher oder später nach ihr. Dennoch gibt es in Deutschland mehr Alleinstehende denn je – Tendenz steigend. Wenn es dann unter den existierenden Partnerschaften heißt: “Und wo habt ihr euch kennengelernt”, hat man den Eindruck, dass immer öfter die Antwort “im Internet” fällt. Neue Dating-Apps versprechen auf kreative Art und Weise, die große Liebe zu finden. Die Anwendungen sprechen ganz unterschiedliche Sinne an. Dabei zählt meist der erste Eindruck: Wie ist es Menschen einzig und allein anhand der Stimme, einer Frage oder Antwort kennenzulernen? Kann daraus Liebe entstehen?

Wenn Menschen und Beziehungen zur Ware werden

Die wohl bekannteste und meistgenutzte Dating-App ist Tinder – vollkommen überlaufen und fast schon aus der Mode gekommen. Ihren Ruf als Plattform für schnelle Nummern hat sie bereits weg. Für viele ist die App auch nur ein Mittel zum Zweck, das eigene Ego aufzupolieren. Schuld daran ist nicht zuletzt die oberflächliche Funktionalität: Personen werden einzig und allein aufgrund von Fotos nach links oder rechts (weg)gewischt und bewertet. In Apps wie badoo wird es sogar so gruselig, dass die eigene Beliebtheit anhand von Ampelfarben angezeigt wird. Da sieht der ein oder andere nur noch rot… Anhand von Fotos können sogar Doppelgänger von Brad Pitt oder dem eigenen Nachbarn gesucht werden. Hier wird der Mensch austauschbar, er wird zur Ware in einem Massenmarkt. Und der Onlinedating-Markt? Boomt!

Neue Dating-Apps versprechen durch besondere Funktionen besondere Treffen

Zahlreiche Anbieter werben damit, anders zu sein als Tinder und Co.. Statt Massenabfertigung, versprechen sie Tiefgang. Sie versuchen, die Nadel im digitalen Heuhaufen auf kreative Art und Weise zu finden. Dafür besinnen sie sich wieder auf das Wesentliche: Slow-Dating statt Massenabfertigung, Kreativität statt Standartsprüche, mehr Sinneseindrücke statt standardisierter Bilder. 

Once: Du musst nicht viele Frösche küssen

Qualität statt Quantität ist das Leitmotiv der Dating-App Once. Hier werden dem Nutzer jeden Tag jeweils nur wenige, meist drei bis sechs Vorschläge, unterbreitet. Diese sind laut Entwickler das Resultat eines Matchmakings: „Erstmal trifft ein Algorithmus anhand von etwa 40 Kriterien – beispielsweise Alter, Standort und sexueller Orientierung – eine Vorauswahl von 15 bis 20 potenziellen Matchpartnern”. Das klingt erstmal nicht besonders innovativ. In einer ähnlichen Größenordnung können Nutzer dann jeden Tag andere User ’swipen‘. So ergeben sich bereits Matches. Doch noch ist die Kontaktaufnahme nicht möglich. Zunächst werden (aus datenschutzrechtlichen Gründen) ausschließlich Fotos an einen Matchmaker von Once übergeben. Dieser stellt dann anhand von Details oder dem optischen Eindruck die Paare zusammen. So bilden sich die wenigen Vorschläge, die einem dann unterbreitet werden. On top ist es auch möglich, dass ein guter Freund für einen auswählt. Ein Mix aus Algorithmen und Jemanden, der nach subjektivem Eindruck entscheidet, ob Menschen optisch gut zusammenpassen: Absurd? In jedem Falle ist es äußerst angenehm, nicht permanent mit Vorschlägen überhäuft zu werden.

Erhältlich für iOS  und Android

Candidate: Literarisches Frage-Antwort-Spiel

In Candidate wird es literarisch, gar poetisch? Das Swipen funktioniert anhand von Fragen. Je nachdem, ob diese einem, zusammen mit dem Bild und Profil des Kandidaten, gefallen, entscheidet man, ob man antworten möchte oder nicht. In weiteren Spielen entstehen die Matches ausschließlich anhand von Fragen. Bilder und Profildetails gibt es dann nicht. Stattdessen verleiht der Nutzer den Antworten eine Platzierung. Nach und nach werden so Kandidaten ausgeschlossen. Am Ende gibt es ein Match zwischen dem Fragesteller und der – anhand der Antworten – am besten zu ihm passenden Person. Was hier zählt, ist das geschriebene Wort. Allerdings mussten wir feststellen, dass nicht jeder ein Talent zum Schreiben hat. Viele Fragen sind einfallslos, oberflächlich oder nicht einmal zu verstehen. Bei manch anderem geht hingegen die Phantasie durch. Manchmal lassen sich jedoch auch Wesenszüge erahnen. Hier eine kleine Auswahl:

“Ist dein zweiter Zeh länger als der große?”

„Wir sind in einer Beziehung. Wie reagierst du, wenn ich dich ärger und mega Spaß dran habe?“

“Bier oder Bananenhefe mit Lemon?”

“Welchen Duft/Geruch liebst du am meisten?”

„Candelight-Döner mit Bier aus der Dose?“

“Würdest du lieber Tarzan oder Batman daten?”

„Als ich 6 Jahre alt war, war meine Schwester halb so alt wie ich. Jetzt bin ich 70. Wie alt ist meine Schwester?“

„Wenn ich ich bin und du du bist, wer ist dann cool?“

Erhältlich für iOS und Android

Whispar: Die Stimme als erster Eindruck

Sprich mit mir, heißt es bei whispar. Denn die Partnerwahl erfolgt anhand der Stimme. Zunächst können Nutzer das Foto der anderen Person nicht sehen, sie hören diese ausschließlich. Das Bild wird mit der Zeit immer klarer. Anschließend kann man entscheiden, ob man verbunden werden möchte. Bei whispar legt sich jeder User ein 30 sekündiges Stimmprofil an. Eine Stimmfarbe kann anziehend sein. Doch kann sie auch Charakter und Optik in den Schatten stellen? Phillip versucht es mit einem durchgängigen Flüsterton. Dabei wird jedoch nicht ganz klar, ob er nun Erotik versprühen oder sich einfach nur abheben möchte.

Erhältlich für iOS und Android

Bumble: Die Bienen entscheiden

Bei Bumble macht immer die Frau den ersten Schritt. Dafür hat sie 24 Stunden Zeit. Der ausgewählte Mann kann ihr dann ebenfalls innerhalb von 24 Stunden zurückzuschreiben. Die ganze App ist im Honigbienen-Stil gestaltet. Bis auf die festgelegte Regelung zur Kontaktaufnahme, gleicht die Funktionalität den klassischen Swiping-Apps. Fast alle Profile wirken aber seriös und vermitteln den Eindruck, dass hier Menschen angemeldet sind, die ernsthaft an einer Beziehung interessiert sind. Der Mann muss nicht immer den ersten Schritt machen. Nur schade, dass ihm diese Möglichkeit hier sogar verwehrt bleibt. Oder nicht?

Erhältlich für iOS und Android

OkCupid: Prozentualer Vergleich von Persönlichkeit und Interessen

Ob „Gleich und gleich gesellt sich gern“ oder „Gegensätze ziehen sich an“: OkCupid erstellt und vergleicht Persönlichkeitsprofile. Dafür wird man in einer Art Interview zu Dating, Lifestyle, Religion, Sex, Ethics and Other befragt. Hier kann jeder jeden anschreiben und selbst entscheiden, wie viele angebliche Gemeinsamkeiten wichtig sind. Schnell mussten wir feststellen, dass die Fragen mitunter doch sehr unbequem und direkt sein können. Um den heißen Brei wird hier auf jeden Fall nicht geschwafelt. Bei uns gingen die Meinungen darüber, wie wir das finden, sehr weit auseinander. Hier ein kleines Beispiel dafür, was einen die App so fragt:

“Have you ever fantasized about hooking up with a co-worker?“

  • „yes, and I have acted on it“
  • „yes and I have not acted on it“
  • „no”

Übrigens hat man ebenfalls die Möglichkeit auszuwählen, was die andere Seite darauf antworten soll. Liegt man selbst zum Beispiel gerne unten, kann praktischerweise gleich angegeben werden, dass der Partner doch bitte das Gegenteil ankreuzen soll. Na dann dürfte ja wohl nix mehr schief gehen!

Was bringen neue Dating-Apps?

Letztlich verführt das Netz seine User allein durch die zahllosen Optionen dazu, wählerisch zu werden. Gibt es noch jemand schöneren, besseren, tolleren? Vielleicht kommt ja gleich ein noch geeigneterer Kandidat. „Was nützt dir die schönste Schüssel, wenn nichts drin ist“, lautet der Rat unserer Großmütter. Und sie haben recht. Vielleicht ist diese eine Person, die auf dem Bild so gar nicht dein Typ ist, ja in Wahrheit ein Seelenverwandter. Na klar sind die neuen Apps interessant, mehr als rein äußerliche Aspekte von einer Person zu erfahren. Wissenschaftlich ist es sogar bewiesen, dass beispielsweise die Stimme zur Anziehung beiträgt. Doch wo bleibt bei derartigen Apps das wirkliche Kennenlernen eines Charakters? Können wir das so überhaupt noch?

Eine Dating-App bietet die Chance, dass sich zwei Menschen kennen und lieben lernen, die sich im normalen Alltagsleben aufgrund von Schüchternheit, verpassten Gelegenheiten oder anderen Umständen vielleicht nie begegnet wären. Gleichzeitig eröffnet das Web eine Vielzahl an Optionen und Möglichkeiten immer wieder neue Personen kennenzulernen. Wenn man einzig und allein ein wenig Spaß sucht, okay. Jemanden wirklich KENNENLERNEN, kann man allerdings nur im wahren Leben. Vielleicht kommt es deshalb gar nicht so sehr auf die Frage nach der richtigen App, sondern auf unsere innere Einstellung an. Klingt komisch, aber eventuell sollten wir uns erst einmal mit unserem eigenen Ich daten: Denn nur wer sich selbst liebt, kann andere lieben und begreift, dass es in Herzensangelegenheiten kein Besser oder Schlechter gibt.

Reise-Collage, in welcher ein Paar die Arme um sich legt; aus der Fotokunst von Half Half Travel

Half Half Travel: Eine Fernbeziehung
als Fotokunst auf Instagram

Getrennt und doch zusammen: Die Fotografen Rebecca Siegel und Dan Gold führen eine Fernbeziehung, die es in sich hat. Beide umreisen die Welt – jedoch nicht zusammen, sondern voneinander getrennt. Eine Liebe auf Distanz aufrechtzuerhalten, ist alles andere als einfach. In ihrem Blog und gleichnamigen Instagram Account „Half Half Travel“, zeigt das Paar eine kreative Möglichkeit mit der räumlichen Trennung umzugehen. Die beiden lichten sich jeweils an dem Ort, an dem sie sich gerade befinden ab, halbieren die Fotografien in der Mitte und fügen die Hälften zu einem neuen Bild zusammen. Nicht trotz, sondern gerade wegen der Darstellung der unterschiedlichen Aufenthaltsorte, erschaffen sie so gemeinsam einzigartige Collagen.

Die Sehnsucht nach der Ferne

Rebecca und Dan lernen sich im Dezember 2015 in New York kennen und lieben. Beide haben den Wunsch für einige Zeit ins Ausland zu gehen. Er will ein Jahr lang durch Europa, Afrika und Südamerika reisen und dabei jeden Monat eine neue Stadt entdecken. Rebecca lebt aktuell in New York. Nachdem sie fast drei Jahre lang in Hongkong und China verbrachte, möchte sie nun noch mehr vom Rest der Welt sehen und diese auf eigene Faust erkunden. Zwei Menschen, zwei unterschiedliche Lebenspläne: Ist die junge Liebe dadurch von vornherein chancenlos?

Getrennt reisen, zusammen fotografieren

Für Rebecca und Dan nicht. Die beiden möchten – trotz der räumlichen Trennung – weder sich als Paar, noch ihre individuellen Träume und Wünsche aufgeben. In der heutigen Zeit hilft ihnen dabei das World Wide Web. Auf kreative und bezaubernde Art und Weise zeigen sie online, dass Liebe keine Grenzen kennt. Sie bedienen sich ihrer Reisebildarchive, wählen zueinander passende Fotografien aus und fügen diese durch digitale Bildbearbeitung liniengetreu zu einem neuen Motiv zusammen. Indem sich die Atmosphären der unterschiedlichen Orte zu einer Einheit verbinden, entstehen interessante Kombinationen. Was Rebecca und Dan über ihre Beziehung hinaus offensichtlich vereint, ist die Liebe zur Fotografie und zum Reisen. Was sie trennt, sind eben genau diese 1000 Kilometer Entfernung. In den Bildern verbinden sich die Welten von Rebecca und Dan. Durch ihre Fotokunst kommen sich die beiden wieder ein Stück näher.

Schwarz-weiß Bild zwei Boxer, Schiedsrichter hält einen Arm hoch, Bild zum Wahlkampf 2017 Artikel

Wahlkampf 2017:
Vom TV-Duell bis hin zum Cyberputsch

Der politische Wahlkampf wurde in dieser Woche wortwörtlich genommen. In diversen Duellen setzten die Parteien ihre Schachzüge: „Die Partei“ knackte die Facebook-Gruppen von AfD-Anhängern, die Kanzlerkandidaten trafen im TV-Duell aufeinander und auch Politiker anderer Parteien gaben sich im Fernsehen einen Schlagabtausch. Das Duell von Merkel und Schulz empfanden viele allerdings eher als ein schlechtes Duett. In den sozialen Netzwerken wurde hingegen heiß diskutiert und kommentiert – nicht selten mit einem zwinkernden Auge.

Spaß und Ernst zugleich: „Die Partei“ verschafft sich Kontrolle über AfD-Gruppen auf Facebook

Anfang der Woche sorgte “Die Partei” für großes Aufsehen im Netz. Die Satirepartei hat 31 AfD-nahe Gruppen auf Facebook gehackt. In den bis dahin geschlossen und geheimen Gruppen tauschten sich AfD-Anhänger aus. Die Namen der Facebook-Gruppen geben bereits einen Einblick in deren Inhalte: „Heimat-Liebe“, „Dr. Frauke Petry – FanCLUB“ oder „AfD 51 %“. Die Satiriker behaupten sogar, sie wurden ursprünglich mit Bots (Computerprogrammen) erstellt und künstlich mit Inhalten bestückt.

„Die Partei“ hat diese Gruppen nach eigenen Angaben über Monate hinweg infiltriert und sich das Vertrauen der Administratoren erschlichen. Diese warf man daraufhin raus und ernannte eigene Seiten-Administratoren. Der Modus wurde auf „öffentlich“ umgestellt. Nun kann jeder sehen, was dort geschrieben wurde. Die Partei ließ es sich außerdem nicht entgehen, weitere Veränderungen im Detail vorzunehmen: So wurde beispielsweise aus  der Gruppe „Antifa – Die Wahrheit!“,  „I <3 Antifa“, aus „Deutschland ohne Islam“ die Gruppe mit dem Namen „Kopftuchpflicht für Deutschland“. AfD-Anhänger sind von dieser Aktion natürlich wenig begeistert und weisen die Verantwortung von sich. So amüsant diese Aktion auch ist, offenbart sie erschreckende Inhalte. Einige davon stellt Shahak Shapira, Satiriker und Mitglied von „Die Partei“, in einem Bekennervideo auf Facebook vor:

Eklat in ZDF-Sendung zum Wahlkampf 2017

In der Live-Sendung „Wie geht’s, Deutschland?“ wurden Politiker mit Bürgerfragen konfrontiert, die aus einer Reportage stammen.  An der Diskussionsrunde im ZDF nahmen Ursula von der Leyen (CDU), Andreas Scheuer (CSU), Heiko Maas (SPD), Katja Kipping (Die Linke), Jürgen Trittin (Die Grünen),  Katja Suding (FDP) und Alice Weidel (AfD) teil. Letztere verließ nach einem Wortgefecht mit Andreas Scheuer abrupt das Studio. Dieser hatte zuvor AfD-Mitglied Björn Höcke als rechtsradikal bezeichnet.

 

Kurz darauf wetterte sie auf Twitter, insbesondere gegen die ZDF-Moderatorin Slomka. In den sozialen Netzwerken werten einige User Weidels Abgang als Inszenierung zum Zwecke der Aufmerksamkeitsgenerierung.

Merkel vs. Schulz im TV: Duell oder Duett?

Im Kanzlerduell ging es dagegen entspannter zu. Bereits vor dem Aufeinandertreffen von Angela Merkel und Martin Schulz waren die Erwartungen daran nicht sehr hoch. Die Grünen nutzten dies für einen belustigenden Post:

Für viele bestätigte sich dies. Denn ein wirklicher Schlagabtausch kam den meisten Nutzern zufolge nicht wirklich in Gange:

Das Netz spricht eher von einem Duett, statt von einem Duell. Ihrer Meinung nach, hielten sich die Meinungsverschiedenheiten der beiden in Grenzen.

Nutzer zeigten sich insbesondere von den Inhalten enttäuscht.

Kein Wunder, dass viele User nach dem Duell nur noch ratloser sind.

Durchblick im Parteien-Dschungel?
Wahl-App im Tinder-Style und ein Musikomat

Wer die Wahl hat, hat die Qual, heißt es so schön. Oder doch nicht? Zahlreiche Apps zur Bundestagswahl 2017 versprechen die passende Partei zu finden, die die eigenen Werte und Vorstellungen vertritt. Der Klassiker unter ihnen ist der Wahl-O-Mat. Neue Anwendungen nutzen nun ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Eine von ihnen tindert: Die App WahlSwiper, erhältlich für iOS und Android, geht nach dem Auswahlprinzip der bekannten Dating-App vor. Leere Versprechungen oder ein Traum-Match? Und was hören die Politiker eigentlich so unter der Dusche?

Die veröffentlichten Programme der Parteien sollten die Grundlage für eine gut überlegte Wahlentscheidung sein. Doch die 113 Seiten der SPD oder die 75 Seiten der Union wirken allein durch ihren Umfang nicht besonders einladend. Wer liest sich schon gerne derartige Wälzer durch? Da fehlt einem dann doch meist entweder Zeit oder Muse. Diversen Apps gelingt es nun, mal mehr und mal weniger, Licht ins Programm-Wirrwarr zu bringen. Unterhaltsam sind die folgenden in jedem Falle.

Politisches Tindern mit neuer Wahl-App 

Der WahlSwiper nutzt das Prinzip von Tinder und vereinfacht den Entscheidungsprozess auf spielerische Art und Weise. Nacheinander werden dem Nutzer 30 Fragen aus unterschiedlichen Rubriken wie zum Beispiel Arbeit, Bildung, Umwelt, Außenpolitik, Gesundheit sowie Familie und Gesellschaft gestellt. Aus dem Themenfeld Internet erscheint die Frage: “Sollen soziale Netzwerke zur Löschung von Desinformationen wie “Fake News” gesetzlich verpflichtet werden?” Ein Wisch nach links steht für Nein, mit rechts bekundet man seine Zustimmung. Wem etwas unklar ist, dem wird die Frage in einem kurzen Video noch einmal ausführlicher erklärt. Wer sich “verwischt” hat, kann auch noch einmal zurück gehen und seine Wahl ändern. Und wer sich unschlüssig ist, der kann einzelne Fragen überspringen. Im Endergebnis wird dann ein Ranking erstellt, dass mittels prozentualer Gewichtung anzeigt, inwieweit die eigenen Vorstellungen mit den Plänen und Leitsätzen der einzelnen Parteien übereinstimmen.

Parteifilter nach Musikgeschmack: Was hören Merkel, Schulz und Co.?

Wer sich jetzt noch nicht verliebt hat, kann ja mal in sich horchen – und in die Playlisten der Parteien. Denn Deezer hat sich zur Bundestagswahl mit dem Musikomat eine kleine Spielerei ausgedacht. Auf der Website kann man herausfinden, mit welcher Partei der eigene Musikgeschmack am meisten übereinstimmt. Dafür beantworten die Nutzer Fragen rund um ihre musikalischen Vorlieben und Momente. Die zur Auswahl stehenden Antworten sind natürlich mit Beispielsongs unterlegt. On top wurde zu jeder Partei eine Playlist angelegt. Die Zusammenstellungen kommen von den Parteizentralen höchst persönlich. Der Musikstreaming-Dienst-Anbieter bat CDU, SPD, FDP, Grüne und Linke je eine Playlist mit 17 Musiktiteln zu erstellen. Die Parteimitglieder waren eingeladen den Lieblingssong des Vorsitzenden, die Musik für eine Wahlparty und inoffizielle Parteihymnen anzugeben. Die CDU geht da schon mal „Atemlos durch die Nacht“, und die FDP mag Techno, die Linke Punk.

Hier eine kleine Auswahl was bei den Parteien sonst noch so läuft:

SPD

Auf Der Guten Seite – Sportfreunde Stiller
Sexy And I Know It – LMFAO
Angie (2005 Digital Remaster) – The Rolling Stones

CDU

Einigkeit und Recht und Freiheit – Berliner Philharmoniker 
Tage wie diese – Die Toten Hosen
Thunderstruck – AC/DC

Die Grünen

Haus am See – Peter Fox
We Are Family – Sister Sledge
BE DEUTSCH! – Jan Böhmermann

Die Linke

Im Zweifel für den Zweifel – Tocotronic
Ein ehrenwertes Haus – Udo Jürgens
We Are Your Friends (Original Mix) – Simian

FDP

Alles neu – Peter Fox
No Roots – Alice Merton
Despacito Luis Fonsi – Daddy Yankee

Das angebliche Lieblingslied von Bundeskanzlerin Angela Merkel: „Wir lieben die Stürme“ von Ronny. Martin Schulz hört laut SPD am liebsten „Penny Lane“ von den Beatles.

Wahlkampf 2017: Wenn Politiker chatten
und Merkel ihr Lieblings-Emoji verrät

Eine neue WhatsApp-Nachricht von Katrin Göring-Eckardt oder eine neue Facebook- Nachricht vom CSU-Chat-Bot Leo: Politiker setzen in ihrer Öffentlichkeitsarbeit mal mehr und mal weniger auf Chatrooms. So auch im Wahlkampf 2017. Das Potential sozialer Netzwerke liegt in der Interaktion mit den potentiellen Wählern. Doch wird dieses auch wirklich ausgeschöpft? Heiß diskutiert wurde in dieser Woche außerdem das YouTube-Interview mit Angela Merkel, in welchem sie ihr Lieblings-Emoji verrät.

Wie interaktiv sind die Parteien auf sozialen Netzwerken im Wahlkampf 2017?

Schaut man sich die Social Media-Profile der Parteien an, so lässt sich feststellen, dass der Großteil von ihnen – bis auf einige Kommentar-Reaktionen – eher publiziert als interagiert. Dabei liegt genau darin der Mehrwert sozialer Medien, der somit ungenutzt bleibt: „Da haben die deutschen Parteien nicht verstanden, dass im Web 2.0 nicht einfach nur Platz für Pressemitteilungen ist, sondern, dass dort Gespräch stattfindet sollte“, sagt Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler und Wahlkampf-Experte von der Universität Hohenheim. Natürlich ist klar, dass es Personal und Kosten erfordert, interaktiver zu werden. Es braucht große Teams, die sich mit den Fragen und Anregungen der Nutzer beschäftigen. Doch diese Investition könnte sich auszahlen.

Gute Ansätze, schwache Umsetzungen

Katrin und Cem als WhatsApp-Kontakte

Die Grünen rücken die Nummern von Katrin: +49 176 34365582 und Cem: +49 176 34345240 raus. Die potentiellen Wähler werden eingeladen, mit den Spitzenkandidaten per WhatsApp zu chatten, Fragen zu stellen und Anregungen zu hinterlassen. Wir haben es mal ausprobiert, Katrin in unser Telefonbuch eingespeichert und das Gespräch – wie angegeben – mit einem “Start” begonnen. Wir erhalten direkt eine Begrüßungsnachricht von ihrem Team zurück. Eher eine Art Newsletter? Auf Fragen um die Bedeutung der sozialen Medien für die Partei, wird aber leider nur auf das Programm verwiesen. Und Cem hat unsere Statement-Bitte bezüglich eines Digitalministers bislang noch nicht einmal gelesen. Die grauen Häkchen verraten es: Er ist die ganze Zeit online, aber schreibt nicht. Anlass genug, um beleidigt zu sein?

CSU-Leo im Facebook-Messenger-Chat

Dann unterhalten wir uns doch einfach mal mit dem Chat-Bot der CSU: Leo. Leo wird als kleiner blauer Roboter im Messenger Chat von Facebook vorgestellt – natürlich im gewohnt modernen “graphic-design-is-my-passion-Look”. Nutzer können ihm Fragen zur Partei stellen. Leider erkennt er aber die Wenigsten davon. Hinter dem Ganzen sitzt ein Team, welches im Vorfeld Antworten auf bestimmte Stichwörter programmiert. Irgendwie werden wir nicht warm miteinander. Um uns besser kennenzulernen, schlägt Leo mir ein Speedinterview vor. Na dann mal los. Auf mein Lieblingsessen folgt “I mog a g’scheite Schweinshaxn”, auf die Lieblingssendung ein “Also ich schaue am liebsten politische Talkshows, da geht’s immer richtig zur Sache 😉” und musikalisch gesehen kriege ich dann die Bayernhymne präsentiert. Kritik an der politischen Konkurrenz bleibt ebenfalls nicht aus: Fragt man nach einer anderen Partei, bekommt diese via Memes und GIF’s ihr Fett weg.

 

Durch stetiges Nachfragen, wird auch zu politisch relevanten Themen-Antworten geleitet. Die Reaktionen verweisen auch auf andere Accounts der Partei – wie zum Beispiel Instagram. Insgesamt eher eine vorgefertigte nette Spielerei als eine wirkliche Interaktion.

Die Technik steht in Sachen automatischer Antworten-Generierung aber auch noch am Anfang. Eine umfassende zukünftige Nutzung von Social Bots lehnen CSU und andere Parteien hingegen ab.

Neues Format: YouTuber fragen…die Kanzlerin

Am Mittwoch stellte sich Angela Merkel den Fragen von vier jungen YouTubern – live aus dem YouTube-Space in Berlin. MrWissen2Go, ItsColeslaw, Alexi Bexi und Ischtar Isik bringen darin Themen zur Sprache, die sowohl eine politische Relevanz haben als auch die eigenen Erfahrungen abdecken. Durch YouTube will die Kanzlerin mit der Jugend ins Gespräch kommen.

Man sprach über ernste Themen und zog eine Schnute:

Und über Smileys:

“Haben Sie einen Lieblings-Emoji?” Merkel lächelt: “Smiley! Wenn es mit Hut kommt, dann noch ein kleines Herzchen dran. Und wenn mal nicht sowas Gutes war, dann kann man auch eine Schnute nehmen”.

Steht gerade mal kein Treffen mit der Kanzlerin an,  dann geben die YouTuber in ihren Videos Shopping-, Lifestyle- oder Technik-Tipps. Wie Merkel diesen Job auffasst, wird in folgender Anmerkung deutlich. Eine Twitter-Nutzerin kommentiert das Ganze dann auf ihre Art:

 

Twitter-Reaktionen als Bestandteil des Interviews

Unter dem #DeineWahl konnte auf Twitter und YouTube fleißig mitdiskutiert werden. Zwischen den Gesprächen haben die Moderatoren ausgewählte und auch kritische Kommentare vorgelesen und stellten die Ergebnisse, der von den Projektinitiatoren veranlassten, Online-Umfragen vor. Diese wurden dann wiederum im Gespräch mit Merkel aufgegriffen.

Hier merkt eine Userin ebenfalls an, dass die Partei zwar neue Medien nutzt, um jüngere Generationen anzusprechen, aber dort keine wirklichen Inhalte platziert. Die Bundeskanzlerin bestätigt diese Zunahme und ermuntert dazu, sich auf Instagram oder Facebook zu melden, wenn Inhalte nicht ausreichen. Es kriegt fast jeder eine Antwort, der sich bei der Bundesregierung meldet, heißt es weiter.

„Deine Wahl“ zwischen Innovation und Kritik

Die Nutzerkommentare des YouTube-Interviews explodierten. In dem über 60-minütigen Video wurden allerdings nur wenige ausgewählte präsentiert. Bislang wurde das Video 1.175.103 Millionen mal aufgerufen. Das neue Format kommt bei einigen Nutzern gut an, wird allerdings vor allem von den Medien auch kritisiert. Bestand doch die Hoffnung, dass das Live-Event zu einem mutigen Kreuzverhör junger Menschen mutiert, so entpuppten sich die Fragen als Standardinhalte, die man auch tagtäglich im Fernsehen oder in der Zeitung zu sehen bekommt – so deren Fazit. Zwar ist das Format ähnlich innovativ, wie die von uns vorgestellte Gesprächsrunde „Frag selbst„, weil es User-Kommentare direkt mit einbezieht sowie Interview, Video-Kommentar und Meinung bündelt. Der Großteil der Fragestellungen sei aber bereits vielfach diskutiert worden und nichts Neues. Lieblings-Smiley und Lieblings-T-Shirt-Druck bildeten die Ausnahmen, waren aber eher unterhaltend als nützlich.

Und was sagt es uns, dass genau diese Fragen am meisten kommentiert wurden?

 

Außenansicht der Uffizi Gallerie in Florenz zum Artikel Übersetzungsapps in Museen

Die Kunst der Sprache:
Übersetzungsapps in der Uffizi Galerie

Es ist August und wie jedes Jahr lockt die Toskana Touristenmassen aus aller Welt an. NeoAvantgarde war mit dabei und hat neben imposanter Kunst und leckerem Wein auch neue Übersetzungsapps entdecken können.

Ein Besuch in der Galerie der Uffizien

Es ist 8 Uhr, die Uffizi Galerie in Florenz soll in 15 Minuten öffnen. Der Innenhof ist bereits gefüllt mit zahlreichen Touristen aus aller Welt, Militär und einigen Mitarbeitern, die versuchen, schon mal etwas Ordnung zu bringen. Eine Sicherheitskontrolle und eineinhalb Stunden später bin ich drin. Gemeinsam mit den Massen ströme ich in die mit Gold verzierten Hallen der Galerie. Von ihren Wänden schauen die Ahnen der Medici-Familie auf einen herab. Los geht es im zweiten Stock, hier wird sich von oben nach unten gearbeitet. Die bekanntesten Künstler Italiens und der Welt hängen und stehen hier teilweise auf engstem Raum. Zu den Stars der Ausstellung gehören Botticelli’s Venus, der Medici-Liebling Michelangelo, Leonardo da Vinci und Caravaggio. Die Leute drängen sich mit ihren iPads, iPhones und Spiegelreflexkameras vor die Meisterwerke um diese festzuhalten: Für sich und ihre Facebook-Profile. Es ist fast eine Art Hobby von mir geworden, in Museen und Galerien nicht nur die Werke zu betrachten, sondern auch die Besucher zu beobachten. Neben einfarbig angezogenen Hipstern und Prada-Intellektuellen gab es auch einige asiatische Reisegruppen.

Übersetzungsapps in einem Museum – das neue Zeitalter der Kommunikation

Vor der besagten Venus von Botticelli konnte ich deshalb beobachten, wie eine Frau aus Korea ihr Smartphone zückte und es auf den Erklärungstext neben dem Bild hielt. Wir dachten zunächst, dass sie (wie erstaunlich viele Besucher) nun den Text abfotografiert. Dann bemerkte ich allerdings, wie sich der eingescannte Text auf dem Bildschirm ihres Smartphones, Zeile für Zeile in koreanische Schriftzeichen verwandelte. Am Ende eines jeden Satzes stellten sich die Satzzeichen dann in die (scheinbar) richtige Reihenfolge um. Sowas hatte ich vorher noch nicht gesehen. Ich starrte wie gebannt auf den Bildschirm. Die App erkennt die Wörter und kann sie dann sinngemäß umstellen und richtig übersetzen. Einen ähnlichen Moment hatte ich in Rio, wo mir die Google-Sprach-App gezeigt worden ist. Diese erkennt das gesprochene Wort und gibt es dann in der gewünschten Sprache durch den Lautsprecher wieder. So steht dem Turm zu Babel heute wohl nichts mehr im Wege.

Solltet ihr demnächst auch mal auf eine internationale künstlerische oder kulturelle Erkundungstour gehen, dann geben wir euch folgende Apps mit an die Hand:

Mehr als nur Übersetzungsapps

Korean Talking Translator

Es klingt zwar so, als würde die App Korean Talking Translator nur koreanisch übersetzen, tatsächlich erkennt sie aber über 30 (Fremd)Sprachen. Zwischen ihnen lässt sich intuitiv und schnell wechseln. Außerdem ist eine Spracherkennung und Grammatikkorrektur integriert. On top gibt es immer ein Wort des Tages, wobei einem täglich aus jeder Sprache ein neuer Begriff, inklusive Beispielsatz, vorgeschlagen wird. Trotz kleinerer Übersetzungsmängel bei einzelnen Worten, ist diese Anwendung alles in allem eine umfassende und praktische Möglichkeit, fremdsprachliche und besonders auch umfassende Texte schnell und einfach entziffern zu können.

Scanner- & Übersetzer-App

Die App Scanner & Übersetzer kommt bereits in ihrem Namen auf den Punkt: Sie scannt via Foto alle gedruckten Schriftstücke mit Textbausteinen. Dies können zum Beispiel Dokumente, Urkunden, Bücher, Schilder oder Anleitungen sein. Die Worte werden dann automatisch erkannt und je nach Wunsch in eine von 90 Sprachen übersetzt.

Wie speziell für Museen entwickelte Apps einen Galeriebesuch nicht nur erleichtern, sondern auch highlighten, könnt ihr in unserem Artikel „Galerie to go: Wenn Museen digital gehen“ nachlesen.

Monoton, modern, moralisch fragwürdig:
Die Wahlplakate zur Bundestagswahl 2017

Auch wenn ihr ihnen vielleicht noch nicht begegnet seid: Spätestens in den kommenden Wochen werden euch wieder an zahlreichen Straßenecken Politiker von ihren Wahlplakaten entgegen lächeln. Zwar versuchen die Parteien die Gunst der Wähler zunehmend auch durch Online-Aktivitäten zu gewinnen, hauptsächlich setzt man aber immer noch auf die klassische Wahlkampfwerbung. Wir zeigen euch die doch erstaunlich aufschlussreichen Wahlplakate der Fraktionen und die bisherigen Reaktionen der Netzgemeinde.

CDU/CSU – alles beim alten

Im “real life” besucht die CDU momentan eine sechsstellige Zahl an Wahlberechtigten. Eine eigens dafür entwickelte Software zeigt der Partei an, wo sich ein Besuch lohnt. Was den Werbe-Etat betrifft, hält sich die Union bedeckt. In Sachen Plakatwerbung geht die CDU gewohnte Wege: Man nehme immer mal wieder ein Merkel-Porträt, die Kampagnen- und Deutschlandfarben schwarz-rot-gold und einen vertrauensvollen und netten Spruch wie „Sicherheit und Ordnung“, „eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit“ oder „mehr Respekt vor Familien”. Der CDU-Slogan zur Bundestagswahl 2017 “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist ebenfalls auf vielen Plakaten zu finden. Die Abbildungen vermitteln den Eindruck, dass alles seinen gewohnten und bewährten Gang geht. Ob das nun gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn die Kanzlerin im Fokus steht, darf ihre berühmte Halskette natürlich nicht fehlen. Auf einem der Plakate trägt sie schwarz-türkis-violette Quarzsteine! Dabei mag Schwarz für die Union stehen, Türkis vielleicht für die CSU. Nur, was hat es mit der Farbe Violett auf sich?

SPD – nah am Menschen

Für den Bundestagswahlkampf 2017 engagierte die SPD die Werbeagentur KNSK, zu deren Kunden unter anderem Evonik und der BVB zählen. Die Agentur begleitete bereits den Europa-Wahlkampf von Martin Schulz. Tobias Nehren ist verantwortlich für die Digitalkampagne, in der auch aktuelle Netztrends aufgegriffen und gekonnt für die SPD verarbeitet werden sollen. Um eine breite Masse zu erreichen, setzt auch die SPD nach wie vor auf klassische Werbung. Von TV-Auftritten über Kundgebungen, bis hin zu einer großen Haustürwahlkampfaktion, wird das gesamte Spektrum bedient. Auf den Themenplakaten der SPD dominieren Menschen: Arbeiter, Kinder und Rentner in Großaufnahmen. In der heißen Phase soll Martin Schulz mit dem Motto „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt“ in den Fokus gesetzt werden. Die SPD versucht mit Plakaten wie „Die Zukunft braucht neue Ideen“ und mit einem freundlich dreinschauenden Kanzlerkandidaten Sympathiepunkte zu sammeln. Auch die SPD macht keine näheren Angaben zum Werbebudget.

DIE GRÜNEN – hip statt Hippie?!

Eigens für den Wahlkampf der Grünen schlossen sich erfahrene Werber zu der Agentur “Ziemlich beste Antworten” zusammen. Das Budget umfasst 5,5 Millionen Euro. Den digitalen Wahlkampf will man insbesondere in der heißen Schlussphase noch einmal richtig ankurbeln. Zuvor wird unter anderem durch Wahlplakate versucht, eine breite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Vergleich zu 2013 verdreifachen sie die Zahl der großflächigen Plakate.

In Sachen Neon-Design sind die Grünen Vorreiter. Die Partei präsentiert sich peppig und modern. Auch textlich gelingt es, ernste Botschaften spielerisch zu verpacken. Mit dem Hippie-Image wird aufgeräumt. Die junge Zielgruppe diskutiert schließlich eher digital über Genderfragen, Cannabis-Legalisierung, Tinder und Co.. Der zentrale Wahlkampf-Slogan fehlt selbstverständlich auch auf den Plakaten nicht: „Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts“. Damit besinnt sich die Partei auf ihren Ursprungsgedanken und verpackt diesen modern.

DIE LINKE – kurz und bündig, aber auch anders?

Die Linke, will nach eigenen Angaben, neue Wege gehen und Überraschungsmomente kreieren. Passend dazu ist auf dem ersten Großplakat zu lesen: „Keine Lust auf Weiterso – Die Linke“. Leitagentur ist DiG Trialon. Der Wahlkampfetat beträgt 6,5 Millionen Euro, von denen 450.000 Euro für den Online-Wahlkampf eingesetzt werden. Die insgesamt geplanten 400.000 Plakate behandeln thematisch das Programm der Partei: Kinderarmut, gute Löhne, Frieden, Renten, Pflege und Gesundheit, bezahlbare Mieten, gegen Hetze von rechts sowie Pro-Millionärssteuer. Mit Großbuchstaben, Balken, bunten Farben und schmissigen Symbolen versucht man, die Themen-Agenda und Partei-Versprechen mit klaren Aussagen publik zu machen.

FDP – très chic

Ein Mann posiert mit Dreitagebart und weißem Hemd mal mit, mal ohne Sakko – in jedem Falle ohne Krawatte – auf einem schwarz-weiß-Foto. Huiuiui, eine neue Hugo Boss Werbung? Nein – ein FDP-Wahlplakat! Modisch, smart und kompetent – so präsentiert die Partei ihren Spitzenkandidaten Christian Lindner. Dieser ziert die Plakate wie ein bekanntes Model. Lindner soll der moderne und modische Held sein, der die FDP voranbringen soll. Für die Liberalen arbeitet die Werbeagentur Heimat. Ist Lindner mal nicht präsent, so gibt es beispielsweise eine Darstellung mit der Aufschrift „Denken wir neu“. Der Hintergrund füllt sich mit dem gesamten und kleingedruckten FDP-Programm. Auch die FDP bleibt bei Neonfarben und unterstreicht mit digitalen Bezügen und frischen Gestaltungsideen ihre Modernität sowie den Fortschrittsgedanken. Auf einem der Plakate heißt es: “Die Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?” Daneben: eine Auflistung digitalisierter Lebensbereiche und der zentralen Botschaft: Politik muss auch digital denken. Das Ganze wirkt wie die Rückseite eines Albumcovers – natürlich inklusive dem modischen Macher Christian Lindner.

AFD – ohne Worte

Von der AfD ist man ja schon einiges gewohnt – oder auch nicht. Mit ihren aktuellen Plakaten hat die Partei abermals bewiesen, dass sie nie müde wird, Debatten auszulösen. Auf einer der Abbildungen posiert Frauke Petry mit ihrem frisch geborenen Kind im Arm. Das Baby ist darauf deutlich zu erkennen. Dies löste im Netz eine Diskussion um die Persönlichkeitsrechte von Kindern und die Instrumentalisierung des Nachwuchses aus. Ein himmelblauer Farbverlauf und eine schützende Frauke Petry kommen zunächst im unschuldigen Gewand daher. Insbesondere die dazugehörigen Sprüche „Was ist Ihr Grund, für Deutschland zu kämpfen?“ und “Trau dich, Deutschland” bereiten vielen ein flaues Gefühl im Magen. In einem weiteren Plakat fordern sie ihre Wähler sogar dazu auf, die „neuen Deutschen“ lieber selbst zu machen.

Die Netzgemeinde reagiert entsetzt. Einige Nutzer versuchen, dem Ganzen mit Humor entgegenzutreten: “Sollte die Dame nicht hinter dem Herd stehen? Nach dem Wahlprogramm soll doch der Mann das Geld nach Hause bringen”. Die aus dem Fernsehen bekannte Deko-Queen Tine Wittler äußert sich auf Facebook ebenfalls kritisch: „Eine Instrumentierung, die wie in diesem Fall durch die etwaige familiäre Verbindung mit der abgebildeten Mutter ggf. auch noch nach vielen Jahren eine Identifizierung des Kindes möglich macht und im engen Zusammenhang mit einer politischen Haltung steht, die gelinde gesagt polarisiert, ist aber meiner Meinung nach von der Sache her problematischer […]“. „DIE PARTEI“ reagiert mit einer satirischen Nachstellung des Plakates, auf dem es nun heißt: “Irgendwas mit Deutschland”.

Die Kampagne unter der Überschrift „Trau dich, Deutschland!“ stieß sogar parteiintern auf Kritik. Die Spitzenkandidatin Alice Weidel empfand die Aussage dann doch als zu hart. Nach einer Auseinandersetzung im Bundesvorstand hat man beschlossen, unterschiedliche Plakatreihen zu entwickeln.