Kategorie: Vernetzt

#btw 2017:
digitaler Wahlkampf zur Bundestagswahl

Der 24. September 2017 – Stichtag zur Bundestagswahl in Deutschland. Im Wahlkampf finden die Sozialen Medien dabei einen immer stärkeren Einzug. Diese haben auch während der amerikanischen Wahl in den Nachrichten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und am Ende standen wir vor einem überraschenden Ergebnis: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, wenn auch nur knapp. Was können wir auf den digitalen Kanälen der Parteien in Deutschland erwarten? Der Trump-Schock ist noch groß, die Bundestagswahl nah – Anlass genug, um den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten kurz Revue passieren zu lassen.

Donald Trump: Wahlsieg durch Social Media-Aktivitäten?

Trumps Vorgehen, seine Worte waren laut, emotional aufgeladen und provokant – und das vor allem im digitalen Raum! Er twitterte, postete und teilte, was das Zeug hielt! Die politischen Inhalte waren hingegen eher mau, die Wahlversprechen unrealistisch. Da stellt sich überspitzt die Frage: Hat sich Trump ins weiße Haus getwittert? In der Online-Kommunikation nahm der ehemalige Unternehmer kein Blatt vor den Mund und warf vor allem mit beleidigenden und übertriebenen Tweets, Hashtags und Facebook-Posts um sich. Dies waren nicht selten Trotzreaktionen aufgrund kritischer Stimmen. Kaum einer von uns konnte der Flut an Nachrichtenmeldungen darüber entgehen. Wenn Trumps Aussagen auch für Aufregung und Shitstorms sorgten, so erhielt er gerade dadurch eine immense Aufmerksamkeit – ganz nach dem Motto: Schlechte Presse ist besser als keine Presse. Seine Beiträge wurden zahlreich geteilt und kommentiert, eine virale Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Online-Präsenz sorgte somit auch offline für Gesprächsstoff. Eine entscheidende Rolle bei seinem Erfolgszug spielten auch diverse Denunzierungen politischer Gegner, in erster Linie natürlich der von Hillary Clinton und potentieller “Feinde”. Dafür nutzte er Fake-News und übte sich in Verschwörungstheorien. In einem dieser Vorwürfe, wettert er sogar gegen eben jene Medien, die ihm eigentlich als förderliche Lautsprecher und Plattformen dienen: „Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!“. Gleichzeitig inszeniert sich Donald Trump als Retter allen Übels, seine Botschaft: #makeamericagreatagain. Ob der Online-Wahlkampf Donald Trumps ihm tatsächlich den kleinen aber entscheidenden Vorsprung ermöglichte ist ungewiss. Die Resonanzräume, die er durch emotional aufgeladene Kommunikation eröffnete, legen allerdings die Vermutung nahe, dass ein Wahlkampf ohne das Netz für ihn schwieriger gewesen sein dürfte.

Facebook und Co. als ergänzendes Mittel im Wahlkampf

Der amerikanische Wahlkampf hat gezeigt: Die Online-Kommunikation erhält auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert, eine immer größere Bedeutung, sie hat das Potential, den Ausgang einer Wahl entscheidend zu beeinflussen, sie kann (sowohl die Partei selbst, als auch die Gesellschaft) pushen oder schädigen. Es geht (leider?) nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck und um einzelne Figuren, die leicht zu Helden auserkoren werden können. Besonders Social-Media Profile ermöglichen eine individuelle Präsentation und Stilisierung von Personen. Politiker können sich modern und “volksnah” geben und so neue Zielgruppen erreichen. Insbesondere Digital Natives informieren sich zunehmend im Netz. Die elektronische Demokratie ist somit eine wichtige Ergänzung zu anderen Medien wie Print oder TV. Dementsprechend kämpfen die Parteien heute mehr denn je online und mit digitalen Mitteln um die Gunst der Wähler.

Bundestagswahl: Beobachtung des Online-Wahlkampfes

Wie wird der Online-Wahlkampf hierzulande ablaufen? Trumps Vorgehen ist – was die Erhöhung der Reichweite betrifft – beachtenswert. Doch wie gelingt es, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei reißerisch zu werden? Welche Strategien verfolgen SPD, CDU, Die Grünen und Co. und wie reagieren die potentiellen Wähler?

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns die Websites und Social Media Profile der etablierten Parteien anschauen und dabei ihre Aktivitäten beobachten. Dabei interessiert uns der jeweilige Online-Auftritt. Wird eher auf Optik oder Inhalt wert gelegt? Wer wird wie angesprochen? Wer nicht? Was sagen die User? Wie reagiert man auf einen Shitstorm? #Mutti oder #Zeit für Martin? Welcher Kanzlerkandidat zeigt die stärkere Präsenz? Und welche Dynamiken entwickeln sich im heißen Endspurt? – mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, werden wir uns bis zur Wahl im September beschäftigen.

Es bleibt also spannend. Sobald wir wissen, wer die neue Führungsspitze Deutschlands bildet, können wir ein Fazit in Bezug auf den deutschen Wahlkampf 2.0 ziehen. Welche Online-Strategien sind aufgegangen? Welchen Anteil am Erfolg haben die Aktivitäten im digitalen Raum möglicherweise gehabt? Ist die gewählte Partei auch in Sachen Social Media ein Vorreiter gewesen? Und was daraus können wir für die Zukunft mitnehmen?

 

Bild: @Bundesregierung (screenshot fb)

Internet-Institut in Berlin: Die Erforschung der digitalen Transformation

„Wir haben gute Chancen, dass sich hier ein Leuchtturm – nicht nur im deutschen Bereich – sondern auch international entwickelt.“, verkündet Bundesforschungsministerin Johanna Wanka. Sie bezieht sich dabei auf ein Prestigeprojekt der CDU und SPD, dessen Fundament bereits vor 4 Jahren im Koalitionsvertrag gelegt wurde. Nun ist es soweit: Das Bundesministerium für Bildung und Forschung ließ in einer aktuellen Pressemitteilung die Gründung eines staatlichen Forschungsinstituts verlauten. Das “Internet-Institut für vernetzte Gesellschaft” wird sich mit dem Internet aus gesellschaftlicher, wirtschaftlicher, politischer und rechtlicher Perspektive auseinandersetzen.

Besser spät als nie: Mittlerweile existiert das World Wide Web seit 28 Jahren. Nun erhält es in Deutschland eine eigene Forschungseinrichtung. Berlin hat den Zuschlag als Standort bekommen. Eine 12-köpfige Jury entschied sich für ein Konsortium aus fünf Universitäten: die Humboldt-Universität zu Berlin, die Technische Universität Berlin, die Freie Universität Berlin, die Universität der Künste Berlin und die Universität Potsdam. Zu dem Zusammenschluss zählen ebenfalls zwei Forschungseinrichtungen: Das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) und das Fraunhofer-Institut für Offene Kommunikationssysteme (FOKUS).

Experten begrüßten den Entschluss, bezeichneten ihn allerdings als überfällig. Elite-Universitäten wie Stanford, Harvard oder Oxford erforschen bereits seit Jahrzehnten die Vernetzung durch das Internet und den digitalen Wandel. Den Vorwürfen zum Trotz entgegnete das Forschungsministerium, mit dem neuen Institut auch einen neuen, noch nie dagewesenen Beitrag zur Forschung von internationaler Bedeutung zu schaffen. Man wolle nicht die Vorbilder kopieren, sondern den Faden weiterspinnen. Der Fokus des neuen Instituts liege auf einer intensiven, interdisziplinären Erforschung der Digitalisierung. Mit den Forschungs-Projekten sollten Fragen zur Nutzbarkeit des Internets zum Wohle der Gesellschaft beantwortet werden.

50 Millionen Euro Fördermittel werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) in den ersten fünf Jahren für das neue Institut bereitgestellt – im Vergleich mit den Budgets ähnlicher Einrichtungen in Deutschland ist dies eine relativ hohe Summe. Das HIIG (Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft), welches von Google finanziert wird, erhielt in den ersten drei Jahren bloß 4,5 Millionen Euro. Allerdings kann das Institut auch hier nicht mit den Mitteln der internationalen Spitzeneinrichtungen mithalten. Die Jury-Mitglieder erhoffen sich von dem neuen Institut dennoch eine Strahlkraft, welche Deutschland international zugute kommt. Zudem könne das Institut auch zu einem positiven Entwurf für den digitalen Wandel in der Gesellschaft beitragen – und somit die innergesellschaftliche Auseinandersetzung positiv mitgestalten. Der zuletzt eher pessimistische Diskurs in der Öffentlichkeit wurde von Problem-Themen wie Hate-Speech, Fake-News oder Radikalisierung im Netz dominiert. Das Institut soll sich jedoch den Möglichkeiten und Chancen der Digitalisierung widmen. Wanka erhofft sich Impulse, Antworten und Lösungen für eine zukunftsfähige Gesellschaft im digitalen Zeitalter. Im September sollen die ersten Stellen für das Institut ausgeschrieben werden.

 

Bild: @unsplash, Artem Sapegin

Die 4 Ebenen der digitalen Immersion: Wie virtuelle Realität psychologisch wirkt

Wo manche eine neue Form des Eskapismus befürchten, sehen andere Chancen für die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung. Das Eintauchen in fremde Welten habe es schon immer gegeben, so die Experten. Tatsächlich sei der Mensch darauf ausgelegt, sich in fremde Konzepte und Sachverhalte hineinzudenken, um zu erleben und zu lernen. Jedoch sehen Kritiker mit den neuen Möglichkeiten der Virtual Reality ein ungeahntes Ausmaß an Gefahren auf die Gesellschaft zukommen.

Der Begriff der Immersion bezeichnet den Prozess des Eintauchens eines Users in eine virtuelle Realität. Durch die visuellen Stimuli tritt das Bewusstsein des Menschen in den Hintergrund; stattdessen empfindet er die virtuelle Realität als real. Im Falle einer besonders starken Immersion wird der Status “Präsenz” genannt. Eine Immersion findet beim Anschauen eines Filmes zwar genauso statt, jedoch in geringerem Grad. Durch die Interaktion – beginnend bei Video-Spielen bis hin zu VR-Brillen – des Users mit einer virtuellen Realität, ist eine stärkere Intensität der Immersion möglich. Maßgebend für die Immersion ist dabei nicht die Realität, sondern die Erfahrung. Die Wahrnehmung des Users wird vom Erlebnis getrieben – es entsteht eine subjektive, alternative Realität.

Die US-amerikanischen Professorin für digitale Medien Janet H. Murray definiert den Begriff der Immersion beinahe poetisch: “Immersion ist ein metaphorischer Begriff, abgeleitet von der physikalischen Erfahrung des Untertauchens in Wasser. Wir suchen nach demselben Gefühl einer psychologisch immersiven Erfahrung wie wir sie von einem Sprung ins Meer oder den Swimming Pool erwarten: Das Gefühl, von einer vollständig anderen Realität umgeben zu sein, so unterschiedlich wie sich das Wasser zur Luft verhält, die unsere gesamte Aufmerksamkeit auf sich zieht, unseren gesamten Wahrnehmungsapparat.“

Der Grad der Immersion ist immer abhängig von der Attraktivität einer Interaktion. Der User muss die Möglichkeit, sich auf eine virtuelle Realität aktiv einzulassen, als interessant und natürlich empfinden. Gleichzeitig ist die Intensität abhängig von der Persönlichkeitsstruktur des Users. Oft kommt es vor, dass sich der Nutzer nach einem intensiven Eintauchen erst wieder an die reale Welt gewöhnen muss.

Richard Bartle ist Autor und Forscher von Computerspielen. Er unterscheidet bei der Immersion zwischen vier unterschiedlichen Stufen:

  1. Player: Die Spielfigur wird vom User als ein Mittel zum Zweck gesehen, um die virtuelle Umwelt zu beeinflussen.
  2. Avatar: Die Spielfigur wird vom User als eine Wiedergabe der eigenen Persönlichkeit gesehen, über welche sie interagieren.
  3. Character: Die User identifizieren sich mit der Spielfigur und sprechen über sie in der ersten Person.
  4. Persona: Der User sieht die Spielfigur als festen Bestandteil seiner eigenen Identität. Der User betrachtet sich selbst als einen Teil der virtuellen Realität.

Forscher aus der Neurologie und VR-Experten sprechen bereits von einer Virtual Psychology, denn durch die Immersion lassen sich Denkmuster und somit die Wahrnehmung von Realität verändern. Forscher haben herausgefunden, dass User, welche in der virtuellen Realität einer Minderheit angehören, danach ihrer Umwelt toleranter begegnen. Die Identifikation mit Superhelden wiederum führt nachweislich zu einem sozialeren Verhalten. Kritiker warnen vor einem unbedachten Einsatz von VR-Technologie – die Risiken des andauernden Einflusses von VR seien noch nicht bekannt und einschätzbar. Wie sollen Menschen bei einer zunehmenden Verschmelzung von VR-Technologie im Alltag zukünftig zwischen virtueller und tatsächlicher Realität unterscheiden? Was passiert, wenn die Technologie in die falschen Hände gerät und zu manipulativen oder gar zu Folter-Zwecken eingesetzt wird? Psychologen sehen bereits jetzt Erfolge bei der Anwendung von VR zur Behandlung von Phobien oder Traumata. Doch wo gelindert werden kann, könnte womöglich auch Schaden verursacht werden.

Die digitale Identität: die Wechselwirkung zwischen On- und Offline

Wer sich die Möglichkeiten der Selbstinszenierung On- und Offline betrachtet, muss sich die Frage stellen, welches “Ich” authentisch sein kann. Sind die Avatare im Netz ein wahrhaftiges Abbild unserer Identität oder bloßes Wunschdenken? Ist unserer Auftreten in der Realität realer, weil es unmittelbarer ist? Dazu muss zwischen den vielen Handlungs-Situationen unterschieden werden – unserem Auftreten im Kontext der Familie, Freunde, Beruf, Vereinen … oder wenn wir alleine sind. Womöglich ergibt die Summe unserer Denk- und Handlungsmuster eine unbewusste Identität.

In einer digitalisierten Welt ist der Mensch nicht nur Mensch, sondern auch User. Ob auf Facebook, Instagram oder Linkedin: Es bietet sich eine Vielzahl an Möglichkeiten für die Profilierung – mit unterschiedlichen Intentionen und Kommunikations-Codices. Kommunikationswissenschaftler haben ermittelt, dass sich der User dabei immer (unbewusst) an seinen Wunschbildern orientiert. Social Media ist ein Tool des Storytelling, und der User begreift sich als Erzähler seiner eigenen Geschichte. Er hat den Blick von außen auf sich Selbst erlernt und geht an seine Kommunikation mit folgender Prämisse ran: Welche Geschichte möchte ich erzählen und wie muss ich mich darstellen, damit ich Protagonist in dieser Geschichte sein kann. Das Selbstbild definiert sich im Netz also durch die eigene Identität und das soziale Selbstverständnis. Dieses Bild, welches im Social Media regelrecht konzipiert und strategisch kommuniziert wird, bietet dritten “Identitäts-Anbietern” – Influencern, Unternehmen, Menschen-Marken –  eine Projektionsfläche für die eigene Story. Das Geheimnis des Storytelling ist, Identitäten einen Kontext zur Identifikation und Weiterentwicklung zu bieten. So können Menschen Orientierung erhalten – gerade im Zeitalter des Informationsüberflusses.

Unabhängig von den Informationen, welche der User bewusst von sich preisgibt, bilden seine Meta-Daten eine objektive Komponente der digitalen Identität. Demografische Daten zu Orten und Zeiten, Nutzer-Geräten und Such-Anfragen ergeben ein sachliches Bild unserer Persönlichkeit, welches mehr oder minder von dem Selbstkonzept abweicht. Die Diskrepanz dieser beiden Bilder lässt auf Bedürfnisse, aber auch auf die Integrität des Users schließen. Im Netz lässt sich allerdings bloß ein digitales Verhalten erfassen und interpretieren. Experten streiten sich, ob es sich dabei um ein verzerrtes oder maximal authentisches Abbild unserer Identität handelt – gerade weil Menschen in keiner anderen Form so viele Informationen und Spuren hinterlassen, wie im digitalen Raum. Allerdings können auch hier bewusst Informationen gestreut und verfälscht werden. Die Medienkompetenz X.0 ist der Inbegriff der Wandelbarkeit des Menschen, welche nicht im digitalen Raum endet, sondern auch auf seine Offline-Identität zurück reflektiert. Wie wir uns darstellen, ist wie wir uns sehen, ist wie wir uns verhalten.

Was bedeuten also die Möglichkeiten der Selbstinszenierung für den Menschen? Offensichtlich ist die digitale Identität ein Ergebnis des Offline-Menschen. Dabei sind zwischenmenschliche Beziehungen der Schlüssel zum Selbstverständnis eines jeden Menschen. Sehnsüchte, welche durch die Selbstdarstellung im Netz komplementiert werden, ergeben sich aus den Erfahrungen und der Zufriedenheit des Menschen hinter dem Avatar. Alle diejenigen, welche ein bewusstes Storytelling im Netz betreiben und eine Community ansprechen, suchen dabei bewusst nach Sehnsüchten und Bedürfnissen, welche sie bedienen können. So gerät das Netz zu einem Marktplatz für Sinn und Bedeutung. Wer eine authentisch-schlüssige und emotional-ansprechende Botschaft stark kommunizieren kann, gewinnt das Vertrauen und den Glauben der Community. Wer sich seiner Identität nicht sicher ist, der meint im Netz zu gestalten, wird allerdings schnell Teil einer audience. Dabei sind die Grenzen zwischen Consumer und Producer fließend. Am Ende sind jene User initiative Producer, welche Offline stark vernetzt sind.

Nachhaltige Mobilität – E-Fahrzeuge auf dem Vormarsch

Zwei Entwicklungen zeichnen sich zurzeit sehr deutlich ab. Auf der einen Seite ist unsere Gesellschaft zunehmend durch eine wachsende Mobilität gekennzeichnet. Die Arbeit an verschiedenen Standorten, die Globalisierung des Marktes aber auch Fernbeziehungen und die Verteilung von Freunden und Familie über die ganze Welt rufen die Notwendigkeit eines feinmaschigen Verkehrsnetzes hervor, das sich über die Ländergrenzen erstreckt. Mobilität ist heute einer der Kernfaktoren für eine wachsende Wirtschaft, die moderne Industriegesellschaften prägt. Durch das wachsende Verkehrsaufkommen im Güter- und Personenverkehr verstärkt sich auf der anderen Seite aber auch die Belastung der Umwelt. Der Anstieg der Schadstoffbelastung und CO2-Emissionen bilden die Kehrseite der zunehmenden Mobilität. So macht der Verkehrssektor schon heute etwa 20 Prozent der CO2- Emissionen aus – Tendenz steigend. Diese Entwicklung schneidet sich mit einem zunehmenden Verständnis für Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Im Einkaufswagen landen regionale Bioprodukte, der Strom wird aus erneuerbaren Energien bezogen und in Neubaugebieten werden die neuesten Versionen an Plus-Energie-Häusern hochgezogen. Morgens steigt man dann in seinen abgasschleudernden Wagen. Das ist für immer mehr Deutsche nicht mehr zeitgemäß. In diesem Konflikt richtet sich nun die Aufmerksamkeit auf umweltverträgliche Alternativen zu fossilen Brennstoffen: die E-Mobilität.

Sauber und leise – E-Fahrzeuge

Als die ersten E-Autos vor einigen Jahren auf den Markt kamen, blieb der erwartete Erfolg aus. Die geringe Reichweite schreckte viele Käufer ab. Bis heute bleibt die Reichweite zumindest für Personen, die auf dem Weg zur Arbeit weite Strecken zurücklegen müssen, eine Hürde. Die meisten Modelle schaffen zwischen 100 und 300 Kilometer. Nur die Modelle von Tesla und wenige weitere Modelle bekannter Autohersteller schaffen über 500 Kilometer, liegen jedoch auch in einer klar gehobenen Preisklasse. So scheint es, dass die E-Mobilität sich zunächst auf die städtischen Ballungszentren fokussieren wird, wo die Wege kurz sind und der Anstieg an Abgasen für die Bewohner ein spürbares Problem darstellt. Zurzeit fahren etwa 25000 Elektrofahrzeuge auf deutschen Straßen. Das ambitionierte Ziel der Bundesregierung: bis 2030 sollen es sechs Millionen Fahrzeuge sein. Das Umweltbundesamt fordert sogar noch höhere Zahlen. Neben den umweltfreundlichen Elektroautos bieten insbesondere in den Städten weitere Konzepte und Verkehrsmittel eine Alternative zum Verbrennungsmotor.

Das umweltfreundliche Mobilitätskonzept

Zusätzlich zu Elektroautos für private Haushalte finden sich viele weitere Möglichkeiten der umweltbewussten Mobilität. CarSharing mit Elektroautos ist ein solches Konzept, das zunehmend an Zulauf gewinnt. Nach Angaben des Bundesverbandes CarSharing waren Anfang 2017 über 1,7 Millionen deutsche Autofahrer bei einem CarSharing-Anbieter angemeldet, was einen Anstieg um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr bedeutet. Hinzukommt, dass knapp 80 Prozent der angemeldeten Nutzer kein eigenes Auto mehr besitzen. Diese Entwicklung beeinflusst auch das Stadtbild. Ein CarSharing-Auto ersetzt bis zu 20 private Fahrzeuge, was zwischen 36 und 99 Meter freien Straßenabschnitt schafft. Platz, der für breitere Fahrradwege, Grünflächen mit Sitzgelegenheiten, Fahrradabstellmöglichkeiten und freien Platz zum Spielen genutzt werden kann. Diese Entwicklung würde gleichzeitig die Nutzung von Fahrrädern, E-Bikes und Lastenrädern begünstigen. Ein weiteres platzsparendes und umweltfreundliches Verkehrsmittel sind überdies E-Roller. In Asien wurden bereits 2013 über neun Millionen E-Roller verkauft. Heute fahren etwa 22 Millionen angemeldete Fahrzeuge auf Asiens Straßen. Zum Vergleich: In Deutschland sind es etwas über 5000 Fahrzeuge. Doch auch hier kommt der Trend langsam an. In Berlin und anderen deutschen Großstädten werden E-Roller nach und nach ins Sharing-Angebot mit aufgenommen und ersetzen die zum Teil bereits vorhandenen Zweitakter, die ein hundertfaches an Schadstoffen produzieren. Auch das E-Bike-Angebot und die Bereitstellung von Leihfahrrädern steigt seit einigen Jahren kontinuierlich an.

Nicht ohne Energiewende

Nicht zuletzt kann eine Mobilitätswende nur stattfinden, wenn ganzheitliche Konzepte entwickelt werden und die verschiedenen Sektoren aus Verkehrs- und Energiebranche zusammenarbeiten. Denn was bedeutet es für die Energieversorgung deutscher Haushalte, wenn Millionen Fahrzeuge aus eben diesem Netz mit Strom gespeist werden müssen? Der Ausbau der erneuerbaren Energien ist hier nicht nur zentral, um die Stabilisierung der Stromnetze zu gewährleisten, sondern auch fester Bestandteil, um das Konzept einer nachhaltigen Mobilität aufgehen zu lassen. Hinzu kommen Aspekte wie der Ausbau der Infrastruktur mit Ladesäulen und Stromtankstellen. Im Hinblick auf die für 2050 beschlossenen Klimaschutzvorgaben muss der Verkehr in den nächsten Jahrzehnten vollständig treibhausgasneutral werden. Dieses Ziel ist ambitioniert. Das muss es aber auch sein, wenn ein Wandel stattfinden soll.

Foto: @Pixabay

Der mobile Städteführer – Reisen mit Apps

Die Digitalisierung betrifft all unsere Lebensbereiche. Längst prägt sie auch unsere Reiseplanung. Der Weg ins Reisebüro ist schon länger nicht mehr der typische erste Schritt der Planung. Vielmehr gestalten sich Reisefreudige ihren Urlaub von zuhause. Eine Vielzahl von Online-Plattformen macht es möglich.

Reisebüro – nicht mehr zeitgemäß?

Die Buchung von Flug, Unterkunft und Mietwagen bedarf nur wenige Klicks. Dass ein Großteil der Urlaubsplanung genau auf diese Weise ihren Urlaub geschieht, zeigt eine repräsentative Studie des Digitalverbands Bitkom. Die Ergebnisse zeigen, dass 80 Prozent der Internetnutzer bereits online Flüge, Unterkünfte oder Mietwagen gebucht haben. Die Tourismus- und Reisebranche muss sich darauf einstellen, dass Online Plattformen in Zukunft noch mehr an Bedeutung gewinnen. Aber noch eine andere Anwendung gewinnt an Beliebtheit: Apps. Wer heute in der Stadt unterwegs ist und ein nettes Lokal sucht, der zückt sein Smartphone. Schnell den Standort angeben und schon erscheint eine Reihe von Lokalen ganz in der Nähe. Meist gleich mit Bewertung, Speisekarte und Öffnungszeiten. Ebenso verhält es sich mit Sehenswürdigkeiten und Unterkünften. Was im Alltag eine nette Hilfe ist, wird beim Reisen zu einem praktischen Stadtführer: Mit Städte-Apps werden Wochenendtrips in eine fremde Stadt zu einem stressfreien Kleinurlaub ohne viel Planungsbedarf.

Die App als Stadtführer

Nahezu jeder Smartphone User kennt und nutzt Google Maps. Schnell mal den Standort lokalisieren, den Weg zur nächsten U-Bahn-Station suchen, ein vietnamesisches Restaurant in der Nähe ausfindig machen. Vor allem dann, wenn man als Tourist in einer neuen Stadt unterwegs ist, sind Anwendungen wie Google Maps und Co. eine echte Hilfe. Viele Apps sind inzwischen so spezialisiert und ausgestattet, dass sie als digitalen Reiseführer durch die Stadt führen und dabei ganz auf individuelle Wünsche eingehen. Vorbei die Zeit, in der man vor einem Kurztrip noch schnell die örtliche Buchhandlung nach dem passenden Reiseführer durchforsten musste. Städte-Apps komprimieren alle wichtigen Informationen und Geheimtipps in einer Anwendung.

Planung spontan von unterwegs

Klarer Vorteil einer App: Schneller und direkter Zugriff auf die gewünschten Informationen. Und das unabhängig vom Standort einfach übers Smartphone. Als Expertin in Sachen Reisführer Apps haben wir Elisa Fliegner, Produktmanagerin der Top10 Berlin App, interviewt. Die App wurde letztes Jahr vom renommierten Touristikmagazin fvw zur besten Reiseführer-App gewählt. „Mehr als 60 Prozent der Zugriffe auf Top10 Berlin erfolgen mittlerweile mobil von unterwegs“, erklärt Fliegner. „Und gerade während eines Ausflugs in die Stadt möchten User nicht umständlich eine URL eingeben, sondern die gewünschten Infos schnell auf einen Blick erhalten.“

Top10 Berlin ist ursprünglich eine Website, die Touristen und Bewohner Berlins mit Tipps und Infos zu Essen, Sehenswürdigkeiten und Veranstaltungen in der Hauptstadt versorgt und jetzt auch als App zur Verfügung steht. „Nutzer können beispielsweise ganz einfach und schnell zwischen einer Karten- und der Listenansicht wechseln, wenn sie nach Berlin-Locations suchen. Die Angaben zu den Locations sind auf das Wesentliche reduziert und Nutzer bekommen nach wenigen Klicks die gewünschten Infos auf einen Blick. Mithilfe der Umgebungssuche können Nutzer direkt vor Ort schauen, welche interessanten Locations in ihrer Nähe sind und sich vom Standort zur Location navigieren lassen.“, beschreibt Fliegner die Vorzüge der App. „Sollte einmal keine Internetverbindung verfügbar sein, ist das gesamte Angebot der App auch offline nutzbar.“

Städte entdecken leicht gemacht

Berlin ist mit seinen knapp 13 Millionen Besuchern im vergangenen Jahr eine der am meistgefragtesten Städteziele Europas. Inzwischen findet man aber auch Apps, die durch kleine Städte führen – und das weltweit. Durch die Möglichkeit der ständigen Aktualisierung bleiben Reisende auf dem neuesten Stand. Städte auf der ganzen Welt werden so authentisch erfahrbar und ein Kurztrip umso lohnender.

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No strings attached: Wie Dating-Apps unsere Beziehungsfähigkeit (nicht) fördern

“Die Liebe ist tot. Sie wurde durch neue emotionale Formen ersetzt.”, schreibt Eva Illouz, eine israelische Soziologin, im Hinblick auf das Miteinander im digitalen Zeitalter. Ob bei Tinder, Lovoo oder Friendscout: Die Meinungen über die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit der modernen Gesellschaft polarisieren. Die einen verkünden euphorisch ein neues Zeitalter der vielen, schönen, kurzen Momente mit verschiedenen Partnern, die anderen beklagen eine Kommerzialisierung des größten Gefühls der Welt. Wer heute über Liebe spricht, bediene sich der Sprache der Marktwirtschaft, wägt zwischen Optionen ab und sucht nach dem emotionalen Mehrwert.

Wie in jedem anderen sozialen Netzwerk muss sich der Nutzer von Dating-Apps selbst segmentieren und in eine Schublade stecken – und macht sich damit vergleichbar; die Emotion gerät somit zu einer Ware. Der User muss sich präsentieren, sich selbst mit Labels versehen und in ein Raster vorgegebener Profileigenschaften einordnen. Erst dann kann es zu einem Match mit einer anderen Person kommen – dies erfordert allein schon der Algorithmus des jeweiligen Online-Dienstes. Experten bezeichnen die jungen Generationen inzwischen als Gefühlsunternehmer, für welche die Liebe zu einem berechenbaren Spiel oder ein kalkuliertes Shopping-Erlebnis geworden ist. Hin und wieder ergeben sich jedoch langfristige Beziehungen. Die Pärchen verfallen dann paradoxweise wieder in eine Argumentation der Romantik: Man habe sich doch irgendwie über die Weiten des Internets gefunden. Der Match wird mystifiziert. Dass es letztendlich ein Algorithmus war, welcher beide Personen zusammengeführt hat, fällt den meisten schwer zu akzeptieren.

Im Zeitalter der Romantik (welche aus historischer Sicht ebenfalls eine moderne Idee ist) könnte man meinen, dass sich niemand gerne in eine Schublade stecken lassen möchte. Die Systematisierung der Persönlichkeit funktioniert dennoch so gut, weil sie dem Narzissmus schmeichelt und gleichermaßen den Nutzer von seiner Unsicherheit befreit. Denn, und das scheint ein ganz entscheidender Punkt des Siegeszuges der Dating-Apps zu sein, der Nutzer muss keinerlei Verantwortung für die Beziehung übernehmen. Er muss weder seinen Mut zusammennehmen und jemanden ansprechen, noch muss er irgendwelche verbindlichen Versprechen machen oder gar in die Beziehung investieren. Stattdessen reicht ein Klick oder ein Wischen mit dem Finger, um zu sagen “I like you” – wenn das Gegenüber ebenfalls mag, dann gibt es einen Match.

“No strings attached” ist ein Motto, welches die wenigsten über ihr Leben deklarieren, nach welchem aber dennoch viele handeln. Eine Studie der Hochschule Fresenius in Köln ergab, dass die Mehrheit der User die App Tinder zum Zeitvertreib, unverbindlichen Amüsement und zur Erzielung von Bestätigung nutzen. Weder Romantik, noch die Suche nach einer ernsthaften Beziehung stehen im Zentrum der Nutzung. Vielmehr geht es um den Konsum. Das Ego diktiert die Intention. Der Erfolgsautor Michael Nast fasst das Lebensgefühl der Tinder-Nutzer in seinem Text “Generation Beziehungsunfähig” zusammen und meint: “Unser gesamtes Wertebewusstsein ist komplett verzerrt, wir sind eine Generation von Selbstdarstellern, auch vor uns selbst. Wir arbeiten die ganze Zeit an dieser Fassade, in den sozialen Netzwerken stellen wir uns nur in Höhepunkten dar. Durch dieses Perfektionsstreben sind die Leute extrem unzufrieden mit sich selbst.” Es scheint, dass die Gewinner in der Gesellschaft diejenigen sein werden, welche über Differenzen hinweg sehen,  zufrieden mit sich selbst und offen für den Unterschied sein können – auch wenn die Beziehung mal herausfordernd ist.

Cyborgs – der Mensch und die Maschine

Der Begriff des Cyborgs erinnert zunächst an eine Figur aus einem Fantasiefilm oder einem Online Game. Tatsächlich bezeichnet das Wort ein Wesen, dass sowohl Mensch als auch Maschine ist. Nun macht ein kleiner Chip noch keine Maschine aus. Trotzdem wird der Begriff immer häufiger für Personen gebraucht, die sich Chips oder auch andere kleinere Technik implantieren lassen und so zu einem Teil ihres Körpers machen. Genau genommen sind also auch Personen mit einem Herzschrittmacher Cyborgs. Nur können die mit ihrem implantierten Gerät kein Smartphone entsperren oder eine Tür öffnen.

Schnittstelle zwischen Körper und Technologie

In der Cyborg-Community geht es darum, den eigenen Körper so auszustatten, dass dieser sich mit seiner technologisierten Umwelt verbinden. Momentan sieht das meist so aus, dass ein kleiner implantierter Chip die Aufgabe eines Schlüssels übernimmt. Der etwa reiskorngroße Chip wird in einem kleinen Eingriff mithilfe einer Kanüle zwischen Daumen und Zeigefinger in die Hand implantiert. Der Eingriff wird ohne Betäubung durchgeführt, denn der Chip ist so klein, dass die Platzierung kaum Schmerzen verursacht.

Mit diesem Gadget unter der Haut können die Träger Türen öffnen, Smartphones und Laptops entsperren und diverse Geräte wie etwa Drucker einschalten. Grundsätzlich ist es auch möglich, mit dem Chip seine Kreditkarte zu ersetzen. In Schweden läuft zurzeit ein erstes Versuchsmodell zum bargeldlosen Zahlen mittels eigener Hand. Hier verdrängen Kartenzahlung und das Überweisen von Geld per Smartphone schon seit einiger Zeit das Bargeld. Biohacker, zu denen auch das schwedische Kollektiv BioNyfiken zählt, implantieren zunehmend auch Mitarbeitern großer Unternehmen einen Chip, mit dem sie Zutritt zu ihrem Arbeitsplatz erlangen. Gleichzeitig forschen sie an möglichen Innovationen, die den Chip noch vielseitiger einsetzbar machen.

Neues Einsatzgebiet für NFC

Die Chips funktionieren über Near Field Communication (NFC), also der gleichen Technologie, mit der die meisten Smartphones ausgestattet sind und die auch beim bargeldlosen Bezahlen angewendet wird. Die Übertragung der Daten wird mithilfe von elektrischen Wellen ermöglicht. Das Smartphone oder auch die eigene Hand mit implantiertem Chip müssen für die Übertragung der Daten nur nah genug an das entsprechende Lesegerät gehalten werden. Das gleiche Prinzip ermöglicht auch das Öffnen von Türen und das Entsperren von Geräten. In Zukunft könnte der implantierte Chip überall dort zum Einsatz kommen, wo eine Person einen Schlüssel oder ein Passwort benötigt oder sich ausweisen muss. Beim Einchecken auf dem Flughafen ebenso wie beim Starten eines Autos.

Cyborgs – auch in der Medizin verankert

Etwa 10 000 Menschen weltweit tragen bereits einen Chip unter der Haut. Aktuell handelt es sich dabei jedoch noch mehr um eine technische Spielerei als um einen wirklichen Einschnitt in die Funktionen des menschlichen Körpers. Anders verhält es sich bei Personen, die durch die Verschmelzung von Technologie und Mensch tatsächlich zuvor verlorene Fähigkeiten wiedererlangen. Darunter fallen Fähigkeiten wie zum Beispiel das Vermögen zu Sehen. Dem ersten anerkannten Cyborg gelang genau dies. Der britisch-irische Künstler Neil Harbisson sah von Geburt an seine Umwelt nur in schwarz-weiß-grau Tönen. Mithilfe eines Eyeborgs kann er nun Farben hören. Das Gerät, das über seinen Kopf verläuft und an seinem Schädelknochen angebracht ist, wandelt Farbfrequenzen in hörbare Frequenzen um. Jede Farbnuance aktiviert dabei einen anderen Ton, der über den Schädelknochen übertragen wird. Auf diese Weise hört Harbisson die Farben in seiner Umgebung.

Bei Cyborgs geht es also nicht immer nur darum, eine Funktion hinzuzugewinnen. Ein Cyborg zu sein kann auch bedeuten mithilfe von implantierter Technik fehlende oder verlorene Körperfunktionen zurückzuerlangen. So erhielt der Deutsche Enno Park durch ein Cochlea-Implantat sein Gehör zurück. Park selber lebt in Berlin und hat dort einen Verein für Cyborgs gegründet, mit dem er auf das Thema aufmerksam machen und Cyborgs eine Plattform bieten möchte.

Die Annährung von Mensch und Maschine

Die Entwicklung hin zu einer Gesellschaft, in der Cyborgs ein alltägliches Phänomen sein werden, verläuft zweigleisig. Zum einen forschen Unternehmen und Initiativen an Möglichkeiten, den Menschen mit seinen mobilen Geräten und seiner technischen Umgebung zu verbinden. Zum anderen ermöglicht es die Verschmelzung von Mensch und Maschine, die Medizin zu revolutionieren. Wenn fehlende Sinneswahrnehmungen durch Implantate wiederhergestellt werden können beziehungsweise wieder wahrnehmbar werden, bedeutet das einen enorme Entwicklung in der modernen Medizin.

Foto: @pixabay

Bot Accounts: Stimmungsmacher unserer Zeit

Wenn im Netz über ein Thema debattiert wird, dann entstehen leicht hitzige Kommentarverläufe, gemeine Tweets und jede Menge radikale Aussagen. Dass diese Inhalte nur von menschlichen Nutzern stammen, war einmal. Heute diskutiert noch jemand oder besser etwas Anderes mit – Social Bots. Mit provokanten Kommentaren mischen sie den öffentlichen Diskurs im Netz auf und bleiben dabei immer öfter unerkannt.

Social Bots – Meinung als Massenprodukt

Unter einem Social Bot – abgeleitet von Social Robot – versteht man eine autonom agierende Software, die eigenständig Kommentare und Tweets erstellt. Diese Fake-Accounts folgen anderen Nutzern und haben selber Follower. In ihren Anfängen waren Bots meist leicht zu enttarnen: Sie posteten 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und das nicht selten mit fehlerhaften Sätzen und unverständlichen Aussagen. Es brauchte nicht viel um festzustellen, dass hier kein Mensch hinter dem Profil steht. Inzwischen hat sich die Situation zugespitzt und die Enttarnung ist wesentlich schwieriger geworden. Verbesserte Algorithmen machen es möglich, dass Social Bots heute in der Lage sind, ihr menschliches Gegenüber zu täuschen. Für ihre Beiträge nutzen sie alle im Netz verfügbaren Informationen über Satzbau, geeignete Formulierungen und eingängige Keywords. Insbesondere auf Twitter ist es inzwischen eine echte Herausforderung die Bots zu identifizieren. Schätzungen zufolge könnten hinter bis zu 20 Prozent der Twitter-Nutzer keine Menschen, sondern eine Software stehen. Für die Erstellung braucht es nicht einmal mehr eine Person: Social Bots sind in der Lage, sich selber zu erstellen – und verwenden für ihr Profil unter anderem Bilder echter Nutzer.

Eine Software wird zum politischen Akteur

Social Bots sind insbesondere dort problematisch, wo sie Meinungen stärken und im schlimmsten Fall sogar formen. Vor allem im politischen Kontext können sie gezielt für Propaganda genutzt werden. Personen, die eine gefestigte Meinung vertreten, werden so durch Social Bots in ihrer Meinung bestärkt. Wenn eine solche Vielzahl an Nutzern der Ansicht ist, dass diese und jene Partei vertretbar ist und eine andere nichts taugt, wird das schon richtig sein – so der Gedanke. Ein Paradebeispiel dafür, wie ein Wahlkampf aussehen kann, der nicht nur durch menschliche Akteure geleitet wird, konnte im vergangenen Jahr eindrücklich in den USA beobachtet werden. Nach dem TV-Duell der beiden Präsidentschaftskandidaten Clinton und Trump war mehr als ein Drittel aller Tweets mit Bezug auf das Duell computergesteuert. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Oxford University, die sich schon seit längerer Zeit mit der Problematik der Fake-Accounts auseinandersetzt. Eine weitere Größe: Jeder dritte Follower der Kandidaten soll kein Mensch gewesen sein. Das Bild, dass dadurch über die Supporter der beiden Präsidentschaftsanwärter entsteht, ist in jedem Fall ein verzerrtes. Offen bleibt, ob und welchem Ausmaß die Social Bots Einfluss auf die Wahlentscheidung der US-amerikanischen Bevölkerung genommen haben.

Ist ein Verbot unumgänglich?

2017 werden auch in Deutschland die Wahllokale geöffnet. Vor diesem Hintergrund ist die Diskussion um Social Bots aktueller denn je. Nun wird darüber beraten, ob es den Parteien gesetzlich verboten werden sollte, Social Bots für ihren Wahlkampf zu nutzen. Dieser Ansatz ist sicherlich wichtig, reicht aber möglicherweise nicht weit genug. Denn wer kann schon kontrollieren, ob die Parteien die Erstellung von Social Bots selber in die Hand nehmen oder beauftragen. Wahrscheinlich ist, dass die Supporter einer Partei diese Aufgabe vielmehr auf eigene Initiative hin übernehmen und die Möglichkeit nutzen, um ihre Partei durch software-gesteuerte Accounts zu unterstützen. Nicht zuletzt, haben Social Bots nicht allein in der Politik einen wachsenden Einfluss. Auch in der freien Wirtschaft, im Hinblick auf Werbung und Imagebildung privater Unternehmen und Personen können sie einen Beitrag leisten. Insbesondere die Enttarnung der falschen Accounts stellt eine Herausforderung dar. Zurzeit untersucht unter anderem das Projekt Social Media Forensics der Universität Siegen die Manipulation durch Social Bots und den sich daraus ergebenen Schaden.

Foto: @pixabay

Der Mensch als Technologie

Künstliche Intelligenz ist in Form der Google-Suchmaschine bereits heute Teil des alltäglichen Lebens – kaum jemand beschwert sich und der User profitiert von einer optimierten Experience. Googles AI-System RankBrain wird von der Suchmaschine längst zur Bewertung von Webseiten herangezogen, um die Suchergebnisse zu interpretieren und dem Menschen einen Service möglichst nahe an seinen Bedürfnissen zu bieten. Ray Kurzweil, Chefingenieur von Google, geht gleich unzählige Schritte weiter: Er verspricht die Singularität, die Verschmelzung der menschlichen Intelligenz mit der künstlichen Intelligenz. Bereits im Jahr 2030 soll es so weit sein: Die menschliche Biologie soll ein Upgrade erleben.

Kurzweil gilt als Pionier und prominenter Verfechter des Transhumanismus mit einem beeindruckenden Profil: 19 Ehrendoktorwürden, Erfinder des Flachbett-Scanners und Sprach-Synthesizers sowie anerkannter Futurist. In den achtzigern konnte er korrekt den Zusammenbruch der Sowjetunion voraussagen. Heute arbeitet er bei Google entschlossen an der Abschaffung des Todes durch Maschinen und prophezeit, dass schon bald Nanobots, kleine Roboter im Blut, fester Bestandteil des menschlichen Immunsystems im Kampf gegen Viren, Krebszellen oder Bakterien sein werden. Sollte die ewige Jugend des menschlichen Körpers scheitern, so könne in Zukunft zumindest die Identität und Persönlichkeit eines Menschen heruntergeladen und auf Avatare übertragen werden, sodass das menschliche Bewusstsein nicht stirbt.

So beeindruckend die Ideen der Transhumanisten auch sind; die Kritiker lassen nicht auf sich warten. Wissenschaftler wie Stephen Hawking und Hugo de Garis warnen, dass die Umsetzung des Transhumanismus zum Ende der menschlichen Spezies führen wird. Während Transhumanisten die Verschmelzung von Mensch und entwickelter Technologie als logischen Schritt zur nächsten Evolutionsstufe betrachten, werfen die Gegner ihnen eine Ignoranz der ethischen Aspekte vor. Der Wissenschaftler Francis Fukuyama kritisiert, dass der Transhumanismus die menschliche Natur und die menschliche Gleichheit zu verändern versuche und somit die Ideale der liberalen Demokratie kritisch unterminiere. Ohne Zweifel ist die Motivation einiger Transhumanisten, das menschliche Leben zu verlängern und Krankheiten vorzubeugen, nicht verwerflich.

Die Frage lautet nicht, ob dem Menschen geholfen werden soll, sondern welche ethischen Veränderungen sich durch den Einsatz transhumanistischer Methoden einstellen werden und einen langfristigen Effekt auf die Lebensqualität des Menschen haben werden. Der Ursprung der Kontroverse ist zutiefst religiös und befasst sich mit der Frage, woran sich Menschlichkeit definieren lässt. Sind es Werte oder Funktionen? Wenn Wissenschaft und Gesellschaft versuchen, wertfrei zu bleiben, werden sie vermutlich die Funktion des Menschen als maßgebend für ihre Entscheidungen definieren und dabei ganz außer Acht lassen, dass die scheinbare Neutralität trotzdem zu einer Werteverschiebung führt. Kritiker fragen sich, welche Zukunft jene Menschen haben, welche nicht in das transhumanistische Weltbild passen und gegenüber dem optimierten Menschen benachteiligt sind.