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Die Fête de la Musique 2017 im Überblick:
digital und mit unseren Tipps für Berlin

Ob piano oder forte, ob Rock oder Pop, ob Solist oder Band, ob drinnen oder draußen, ob Profi oder Hobby-Musiker – bei der Fête de la Musique ist für jeden Geschmack etwas dabei! Alle Jahre wieder feiern Menschen weltweit, zum Sommeranfang am 21.06., das Fest der Musik, the Worldwide Music Day. In den Straßen der insgesamt 540 teilnehmenden Städte, davon 300 in Europa und 47 in Deutschland, finden sich Musikliebhaber zusammen und lassen sich von Klängen unterschiedlichster Natur treiben – den ganzen Tag, zum Nulltarif.

Auch Berlin zelebriert die Liebe zur Musik auf über 100 Bühnen in unterschiedlichen Spots, in allen 12 Bezirken der Stadt. In diesem Jahr sprechen die Veranstalter von einer Rekord-Beteiligung. So sind am Mittwoch über 25 neue Locations mit dabei. Da kann man schon einmal die Übersicht verlieren. Die kostenlose App FETEberlin (erhältlich für iOS und Android) versucht dem entgegenzuwirken. Wir haben sie getestet, verraten Euch, ob sich ein Download zur optimalen Vorbereitung auf Mittwoch lohnt und geben Euch alle weiteren Infos in die Hand, um den Tag musikalisch auskosten zu können.

App FETEberlin

Die App macht Angaben zur Geschichte des musikalischen Festes und klärt über die Regeln zur Straßenmusik auf: Wer darf wann, wie und was musizieren. Die integrierte FdM-Berlin Map verschafft dem Nutzer zunächst einmal einen Überblick über alle Bühnen sowie das jeweilige Programm vor Ort. Wird eine der Locations ausgewählt, so erhält man die wichtigsten Informationen: die Agenda, inklusive Uhrzeiten, Künstler sowie Angaben zum Gerne. Wer lieber direkt nach Bezirk, Bandname, Bühne, Stilrichtung (z.B. Hip Hop, Rock, Raggae, Indie) und/oder Eventart (z.B. Open Air, Indoor, Fête de la Nuit) filtern möchte, kann dies in einer gesonderten Suchmaske ebenfalls tun.

Die YouTube-Playlist FETE-Künstler 2017, auf welche die App verweist, ist gespickt mit den Musikvideos teilnehmender Künstler – so kann man sich bereits im Vorfeld erkundigen, welche Acts interessant und einen Besuch wert sind.

Mithilfe der App können sich die Nutzer einen guten Überblick über die musikalischen Highlights und die benötigten Informationen verschaffen – insbesondere für Kurzentschlossene eine schnelle und effektive Möglichkeit, sich musikalisch durch den Tag zu manövrieren. So findet jeder für seinen individuellen Musikgeschmack die richtigen Locations. Bedenken sollte man jedoch, wie bei allen Veranstaltungen dieser Größenordnung auch, dass in den Ballungszentren die benötigte Internetverbindung schwächeln kann.

Unsere Tipps für Eure Fête de la Musique 2017

Für den ersten Überblick geben wir euch schon einmal einige Tipps für die Fête de la Musique in Berlin mit. Bisher meint es der Wetterbericht gut mit uns, sodass sich die letzten Sonnenstrahlen beispielsweise gut im Birgit & Bier genießen lassen: Auf zwei Open Air Floors wird unter Beweis gestellt, dass auch an ein und demselben Standort unterschiedliche Geschmäcker auf ihre Kosten kommen können. So treten hier die Künstler The Blue Ones (Blues), Rosie and the Amateurs of Speed (Folk), B6BBO (Power Polka), SwingSchlampen (Swing), RasgaRasga (Gipsy, Balkan) sowie Mike Book, DirrtyDishes, Daniel Jaeger und Mr. Schug (Dance, Electro) auf.

Auch auf dem RAW-Gelände im “Badehaus x Cassiopeia Openair” gibt es einen bunten Musik-Mix: Von HipHop, Soul und Funk über Pop, Indie, Alternative oder Garage ist alles dabei.

Der Mauerpark ist jedes mal aufs neue Highlight der Fête de la Musique in Berlin. Im Programm der Red Bull Music Academy stehen Auftritte von Cuthead, Alis, Jameszoo, Dorian Concept, Thundercat und Flying Lotus. In der Vergangenheit besuchten die Mauerpark-Bühne ca. 15.000 Besucher. Leider bleibt uns dabei aber auch eine schlechte Nachricht nicht erspart: Kurz nach der Fête de la Musique beginnen im Mauerpark zwei Jahre andauernde Bauarbeiten. In diesem Zeitraum ist der Park zwar zugänglich, Veranstaltungen dieser Art können dort jedoch nicht mehr stattfinden. Ein Argument mehr, die Location auf dem Plan zu haben – so als Abschied.

Auch leise Töne

Fête de la Musique = laute Party-Sounds? Nicht nur! Schließlich lebt das Fest von seiner musikalischen Vielfalt! So kommen auch die leisen Töne nicht zu kurz. Wer möchte, kann sich zum Beispiel beim Event “Yoga meets Music at BeachMitte”, passend zum gleichzeitig stattfindenden internationalen Yoga-Tag, entspannen. Meditieren statt tanzen – auch das ist möglich.

Wer es lieber klassisch mag, sollte den Tag im Nikolaiviertel verbringen – hier spielen hauptsächlich traditionell klassische Musiker. Auch der Berliner Dom ist mit zahlreichen Chören ein geeigneter Anlaufpunkt – von Barock bis Filmmusik ist hier alles vertreten.

Bis die Wolken wieder lila sind

Um 22 Uhr muss das musikalische Erlebnis noch lange nicht vorbei sein. Beim sich anschließenden Fête de la Nuit kann bis in die Nacht hinein getanzt und musiziert werden. Insgesamt setzen 25 Standorte ihr Programm indoor fort, darunter: Gretchen, Yaam, Kesselhaus-French Night, Tresor Club, Ritter Butzke, Hafenbar Tegel, Mein Haus am See, Musik & Frieden sowie der Void Club Berlin.

 

Die Fête de la Musique Berlin – am Mittwoch, den 21.06.2017
Wetterprognose: sonnig, 25 Grad

– Musik in unseren Ohren!

 

Bild: @Fete berlin,  Fotograf: Dirk Mathesius

Die documenta 14 zwischen Kritik, Krise, Politik und Zusammenhalt

Von Athen lernen – so lautet das offizielle Motto der am Samstag in Kassel eröffneten documenta 14 – der weltweit größten und bedeutendsten Ausstellung zeitgenössischer Kunst. Bis zum 17. September 2017 können Besucher dort internationale Werke bestaunen. Wie das Motto bereits impliziert, findet die Ausstellung in diesem Jahr erstmals an einem zweiten gleichberechtigten Standort statt: in Athen. Der Kurator und künstlerische Leiter der documenta, Adam Szymczyk, gibt Aussicht auf einen “bedeutungsvollen und spannenden Lernprozess”, der uns helfen soll, die Welt um uns herum zu verstehen und durch unterschiedliche Perspektiven zu beleuchten.

Doch in Griechenland machte sich bereits zum dortigen Start der Ausstellung im April Protest breit. So begegneten dem internationalen Kunstpublikum in den Straßen Anti-documenta-Graffitis, wie “crapumenta 14”. Das “crap” in der Abwandlung von documenta, steht übersetzt für “Mist”, “Scheiß” oder “Unsinn”. Auf einer anderen Mauer fragt sich ein Sprayer: „The crisis of a commodity or the commodity of crisis?“ Der ehemalige Finanzminister Yanis Varoufakis lies in diesem Zusammenhang das Wort „Krisentourismus“ fallen. Der ehemalige Syriza-Abgeordnete Zoe Konstantopoulou geht noch einen Schritt weiter in Richtung deutsch-griechischer Vergangenheit und twittert vernichtend: „Die Nazis kommen wieder, nur mit anderen Mitteln.“

Kunst auf Kosten anderer? Missbrauch von Leid und Armut? Oder eine Bekämpfung eben dieser? – Was bedeutet die Wahl Athens als zweite Ausstellungsstadt der documenta 14? Wir haben einige Stimmen gesammelt.

Klingt der Leitsatz der documenta 14 im ersten Moment noch positiv und lehrreich, ist er im Nachgeschmack doch etwas irritierend, vor dem Hintergrund der aktuellen und internationalen gesellschaftlichen sowie politischen Situation, Griechenlands Schuldenkrise, der Flüchtlingsthematik und europäischer Instabilität, für manch einen gar provokativ. Ähnlich äußerte sich Bundespräsident Steinmeier in einer Rede zur Ausstellung: “(…) der Titel dieser documenta zielt auf die Gegenwart, auf die politischen und ökonomischen Gräben zwischen uns, die wir – so verstehe ich die Botschaft – zu überwinden haben.” Für Szymczyk, der das Motto formulierte, steht Athen für die globale Finanzkrise sowie die Krise Europas. Die documenta könne in diesem Zusammenhang die Teilung Europas erforschen und eine Kooperation auf Augenhöhe ermöglichen. Für ihn ist die Lage Europas viel zu heiß, als dass die documenta sie eiskalt ignorieren könnte und das internationale Publikum allein im beschaulichen und netten Kassel willkommen geheißen werden sollte.

Hier liegt auch der Ursprung für die Wahl der Hauptstadt Griechenlands als zweiten Ort der Kunstausstellung: „Ich wurde gebeten, einen Vorschlag für die documenta in Kassel einzureichen. Und das rief bei mir gleich viele Fragen hervor: Warum die documenta? Warum in Kassel? In mir waren plötzlich jede Menge Warums. Und ich wäre unzufrieden damit gewesen, eine irgendwie nette und intelligente Ausstellung für eine mir vorgegebene Stadt vorzuschlagen, während die Situation politisch und wirtschaftlich langsam heiß wurde – insbesondere im Süden Europas. Also begann ich, mich nach einer Möglichkeit umzuschauen, den ursprünglichen Spielort in Kassel beizubehalten und gleichzeitig auch einen ganz anderen Standpunkt zu finden, von dem aus man die Dinge anders sehen und lesen kann“, so der polnische Kurator Szymczyk.

Ein Widerspruch in sich?

Die Glaubwürdigkeit dieser Intention, einer Zusammenarbeit auf Augenhöhe, wird in Frage gestellt und stößt auf Gegenwind. 34 Millionen Euro stehen der documenta über einen Zeitraum von fünf Jahren als finanzielle Mittel zur Verfügung. Kritikern missfällt es, dass eine derartig kostspielige und noch dazu deutsche Kunstausstellung ausgerechnet mit dem von Finanznöten geplagten Griechenland und im Lichte der deutsch-europäischen Sparpolitik eine Kooperation eingeht. Doch vielleicht ist genau das ein einseitiges Vorurteil über ein angebliches Vorurteil, ein Tunnelblick, der Deutschland als aktiv und Griechenland als passiv betitelt. Bundespräsident Steinmeier verweist in seiner Rede auf das Symbol der documenta, die Eule: “Die Demokratie, davon bin ich überzeugt, lebt von einer Perspektive, die möglichst viel und mit großer Tiefenschärfe in den Blick nimmt, wie die Eule, die uns hier als Symbol der documenta allerorten begegnet. Die Eule kann ihren Kopf um 270 Grad drehen. Ich will diese Übung niemandem zur Nachahmung empfehlen. Aber wir können lernen, uns umschauen, einander wahrnehmen und genauer hinschauen – das können wir sehr wohl. Und das sollten wir auch, wenn wir asymmetrische, einseitige Beziehungen zwischen unseren Ländern vermeiden wollen.”

Flucht und Migration als internationale Themen

Auch wenn diese Ansicht fast schon simpel klingt, ist sie doch heute wichtiger denn je, auch wenn gegenseitige Unvoreingenommenheit selbstverständlich sein sollte, ist sie es heute immer seltener. Insbesondere aktuelle Themen, wie Flucht und Migration, die uns alle indirekt betreffen, erfordern eine gegenseitige Unterstützung der Länder und werden von der documenta aufgegriffen. So zeigt beispielsweise die Künstlerin Rebecca Belmore auf dem Philopappos-Hügel, gegenüber der berühmten Akropolis, symbolisch zum Thema Flucht ein Zelt aus Marmor. Ein Zelt kreierte auch Künstler Mounira Al Solh aus dem Libanon und beschichtete die Innenwand mit den Erlebnissen von Geflüchteten aus Unterkünften in Kassel. Diese Beispiele zeigen, dass das Leben und die Kunst keine Grenzen kennen und wie Geschichte, Kreativität und gesellschaftliche sowie politische Themen vereinbar sind.

International oder regional?

Neben der politischen Dimension sehen einige griechische Stimmen die Kunst des eigenen Landes nicht genug gewürdigt und unterstellen der documenta in Athen eine Art unglaubwürdige Parallelwelt zu sein, die der wahren Kunst Griechenlands keine Plattform bietet: „(…) natürlich gibt’s auf der documenta tolle Kunst zu sehen. Aber man muss sich mal das große Ganze angucken. Ich war bei der Eröffnung im Museum für Zeitgenössische Kunst: Da waren viele Leute aus der internationalen Kunstszene, mit ihren schicken Klamotten. Und vor den Türen des Museums: Da war das richtige Athen, mit seinen Gerüchen, seinen Geräuschen, seinen Problemen. Aber drinnen hat man davon rein gar nichts gespürt. Diese Ausstellung hätte genauso gut in Zürich, in Basel oder sonst wo stattfinden können”, so die die Künstlerin Poka-Yio.

Viele Griechen sind enttäuscht, dass vergleichsweise wenig griechische Künstler an der documenta teilnehmen. Sie gingen davon aus, die documenta würde vollkommen in die künstlerische Szene Athens eintauchen. Doch sie ist und bleibt eben eine internationale Kunstausstellung: „Die documenta gehört vielen Menschen jenseits der nationalen Grenzen.“, so Adam Szymczyk. Die Leiterin des documenta Büros in Athen, Marina Fokidis, entgegnet dem außerdem, dass die documenta für viele griechische Künstler eine große Chance darstellt, neue Kontakte und ein internationales Netzwerk zu knüpfen.

Eine Symbiose

Für die Galeristin Marina Athanassiadou kann die documenta in Griechenland neue Impulse geben und einen Fortschritt einleiten: „Ich glaube, es ist das erste Mal, dass hier in Athen die Straßen für ein Kunst-Event gesperrt werden. Sonst passiert das nur, weil wieder irgendwo demonstriert wird: Wenn’s um die Finanzkrise geht oder um die Europäische Union. Wir haben die Nase voll von diesen Demos. Und jetzt findet mitten auf dem Syntagma-Platz plötzlich eine Kunst-Performance statt. Das macht die Leute neugierig, weil es etwas Neues ist. Sie gehen hin und fragen, was da los ist. Und wer fragt, der lernt.“
Doch auch für das Herzstück der documenta und ihre Mutterstadt Kassel, kann Athen eine Bereicherung sein. Vinzenz Brinkmann sieht in Athen für die Kunstausstellung eine Chance: „Szymczyk rettet die Idee der documenta“. Der Archäologe spricht von zu überwindenden „Abnützungsfaktoren“. Seiner Meinung nach sei die documenta ursprünglich „aus der Irritation heraus“ entstanden. Dadurch, dass die Ausstellung durch den Ort Athen erweitert wurde, hat der Kurator „der Idee des Widerständigen neue Kraft gegeben“, sagt er. Statt Abstumpfung, Oberflächlichkeit und Event: Tiefe, Intention und ein Verlassen der Komfortzone. Statt Krisentourismus, Krisenbewusstsein und ein gemeinsames Reflektieren über mögliche Lösungen.

Demnach sollte nicht gefragt werden: Athen als zusätzlicher Ausstellungsort der documenta – ja oder nein? Und schon gar nicht: Kassel oder Athen? Auch sollte das Novum der aktuellen documenta 14 nicht als Wettbewerb zwischen Kassel und Athen angesehen werden. Zugegeben: das Motto “von Athen lernen” impliziert zunächst eine Ironie und für manch einen vielleicht sogar eine Demütigung der Griechen, sollte aber nicht als solche aufgefasst werden. Denn die Intention ist nach Betrachtung der Schilderungen eine andere: gegenseitige Bereicherung. Das klingt vielleicht etwas optimistisch und einfach. Aber manchmal liegt genau in diesem “weniger ist mehr” die Kunst.

Das dachte sich auch der kosovarische Künstler Sokol Beqiri und pflanzte im Rahmen der documenta eine kleine Eiche auf das Gelände der Technischen Universität in Athen, ein griechisches Bäumchen, veredelt mit den Ästen jener Eichen, die vor mehr als 30 Jahren von dem deutschen Künstler Joseph Beuys in Kassel gepflanzt wurden.

Die documenta 14
documenta14.de
Kassel: 10. Juni – 17. September 2017
Athen: 08. April – 16. Juli 2017

 

Bild 1: @Fanis Vlastaras; documenta 14; Künstlerin: Rebecca Belmore, Biinjiya’iing Onji (Von innen), 2017, Marmor, Filopappou-Hügel, Athen
Bild 2: @heb_beh
Bild 3: @Dimitris Parthimos; documenta 14; Künstler: Sokol Beqiri, Adonis, 2017, gepropfter Baum und Marmor, Polytechnion, Athen

Die re:publica 2017

Die Messe re:publica verspricht den Schwerpunkt auf genau genau das Thema zu setzen, das sich auch NeoAvantgarde zum Motto gemacht hat: digitale Gesellschaft und digitale Kultur. Unsere Redakteure Nora und Marie waren deshalb vor Ort und haben sich mit Ausstellern, Besuchern und Speakern unterhalten. Unsere Highlights haben wir für euch zusammengefasst.

Das Motto und Design

“Love Out Loud” lautete das Motto der re:publica 2017. Die Devise war also die Liebe, was zwar nicht gerade neu und innovativ wirkt, in Kombination mit dem LOL-Wortspiel und aktuellen Debatten über Hasskommentare in Sozialen Netzwerken aber den Zeitgeist trifft. Der Fokus der re:publica lag, wie die Organisatoren selbst sagen, darauf, Initiativen gegen Hass, Gewalt und Ungerechtigkeit zu präsentieren und zu unterstützen. Viele Vorträge drehten sich dementsprechend um Themen wie “Digital Equality”, “Fake News” oder “Berichterstattung für Flüchtlinge”, wobei der Leitsatz “positiv nach vorne denken” immer mitschwang. Viele Missstände wurden scharf kritisiert und trotzdem schwebte über der Messe eine positive Grundstimmung, die etwas verändern möchte – dabei aber dennoch für die Zukunft nicht schwarz sieht. Nicht nur das Motto, auch die Gestaltung der Messe traf den Zeitgeist unserer digitalen Gesellschaft. Insgesamt war es sehr bunt und ein auch bisschen selbstgebastelt. Damit setzte sich die re:publica von sterilen Messen ab und wirkte modern. Überall waren farbenfrohe, teils schrille Plakate, Aufsteller und Luftballons zu sehen. Auch an Discokugeln, Lichtern, Herzen und Einhörnern mangelte es nicht. Zusätzlich wurde dem Motto “Laugh out Loud” ein ganzer, sehr stylisch dekorierter Treppenaufgang gewidmet: Reichlich Material also für die nächste Instagramstory.

Virtual Reality

Ein Stichwort, das zwar jeder schon einmal gehört hat, aber die wenigsten schon einmal erlebt haben, wurde gleich von mehreren Ausstellern vorgestellt. Wir haben uns beim ZDF vorgestellt, sind ins Gespräch mit den Mitarbeitern gekommen und standen danach plötzlich auf einem Hochhaus, mussten springen und gleich darauf standen wir in einem römischen Kolosseum zwischen zwei Gladiatoren (am Ende wurde natürlich darauf aufmerksam gemacht, dass das Kolosseum heute als Monument gegen die Todesstrafe dient – Love Out Loud!). Wir waren sehr beeindruckt, wie immersiv Virtual Reality schon jetzt ist. Mitten auf der Messe, Menschenmassen um uns herum, die Kollegin macht einen Boomerang nach dem anderen, und trotzdem haben wir alles um uns herum vergessen und waren mitten in einem Gladiatorenkampf. Der Film hatte eine Länge von zehn Minuten, wurde zwei Monate lang produziert und lässt Virtual Reality nicht mehr als allzu ferne Zukunft erscheinen. Mindestens genauso beeindruckend war für uns der Sprung vom Hochhaus. Nachdem wir schon einige Zeit beobachteten, wie Besucher für Besucher den Sprung vom auf dem Boden liegenden Holzbrett abgebrochen hatten, wollten wir es erst recht wissen: Wie kann es sein, dass die Hürde zum Sprung so unüberwindbar ist, wenn doch rational klar ist, dass es sich um einen ‘Messestreich’ handelt? Brille auf, Kopfhörer auf die Ohren und schon standen wir in einem Aufzug, der uns ganz hoch auf ein Hochhaus brachte. Die Türen gingen auf und wir waren ausgesetzt auf einem Dach, hunderte Meter rechts und links von uns nichts als der tiefe Abgrund und ein schmales Holzbrett. Und tatsächlich: Eine von uns ist gesprungen, die andere hatte sich nicht getraut. Das ZDF präsentierte sich alles in allem auf der re:publica definitiv als innovatives und modernes Unternehmen. 

Podcasts als neues Contentformat

Nachdem wir den Dschungel an Veranstaltungen und Ausstellern sortiert hatten, entschieden wir uns für einen Vortrag zum Thema Podcast. Vincent Kittmann von den Online Marketing Rockstars erklärte in einer einstündigen Rede, wie viele Potenziale Deutschland aktuell in der Podcast Landschaft entgehen. Einer Onlinestudie von ARD und ZDF zufolge hören 13% der Online-Nutzer in Deutschland Podcasts, was solide ist, bedenkt man, dass 64% Audiofunktionen im Netz nutzen. Vor vier Jahren waren das noch 51%, was zeigt: Das Medium Audio kommt – und mit ihm die Podcasts. Klar, im Vergleich zu den USA, die bereits 300 Millionen Euro jährlich in die Vermarktung von Podcasts investieren, ist Deutschland in den Early Days, aber es deutet sich ein Medientrend in diese Richtung an. Hier ergibt sich ein riesiger Markt für Werbetreibende, die die Chance haben, die Stärken der Podcasts als erste zu entdecken und mit vergleichend wenig Aufwand und Budget einen Effekt bei dem Zuhörer zu hinterlassen. Spannend für uns ist, ob wir 2017 noch mehr Persönlichkeiten aus dem öffentlichen Leben in eigenen Podcast-Formaten sehen werden, wie sich die Produktion von Podcasts entwickeln wird, wenn sich Profis ans Werk machen und welche Formate in den Charts ganz oben ranken werden.

Zum Abschluss noch ein kurzes Resümee: Wir waren beeindruckt von der Dominanz an Institutionen des öffentlich-rechtlichen Rundfunks auf der re:publica, die sich allesamt als kreative Unternehmen präsentiert haben und viele technische Innovationen vorgestellt haben. Etwas weniger innovativ waren die großen Player, Google hat die Einstellungen bei “Mein Konto” erklärt und Microsoft Buttons gedruckt. Alles in allem haben wir trotz kurzer Zeit viel Inspiration mitgenommen, waren überfordert mit den vielen spannenden Vorträgen und sind am Ende des Tages erschöpft, glücklich und vollgepackt mit Messe-Goodies nach Hause gefahren.

Ein Blick in die digitale Zukunft – Die CeBIT 2017

Ende März ist es wieder soweit: Die CeBIT öffnet ihre Türen. Vom 20. – 24. März präsentieren über 3000 Aussteller, darunter über 450 Start-Ups und namenhaften Unternehmen, die neuesten technologischen Innovationen der letzten Monate. Partnerland ist in diesem Jahr Japan.

AI, humanoide Roboter, IoT und Virtual Reality – das sind die Kernthemen in diesem Jahr

Klar ist: Das Angebot der CeBIT an neuer Technik, visionären Ideen und aktuellen Forschungsergebnissen ist so umfangreich, dass es sich nicht in einige wenige Kategorien einteilen lässt. Dennoch bilden klare Schwerpunkte heraus.

Artificial Intelligence – Chancen und Risiken

Das Thema Artificial Intelligence begleitet uns schon einige Zeit und so scheint es nur folgerichtig, dass die Errungenschaften der Forschung in Bezug auf das Denken von Maschinen ein zentraler Punkt der diesjährigen CeBIT ist. Dabei finden auch Innovationen aus dem Bereich der Medizin einen Platz. Künstliche Intelligenz beschränkt sich längst nicht nur auf Aufwendungen im Alltag. Sie wird in Zukunft alle Lebensbereiche durchdringen und „erweitern“. Neben der Bewunderung dessen, was heute schon möglich ist, soll das Thema aber auch kritisch beleuchtet werden. Dazu haben die Organisatoren Experten auf dem Gebiet als Sprecher eingeladen. Bei ihren Vorträgen soll es auch um die Problematiken gehen, die sich in Zukunft aufgrund der neuen Errungenschaften zeigen werden. Wird unsere Arbeitskraft überflüssig? Schafft sich der Mensch selber einen intelligenten Feind?

Der Roboter als Freund und Helfer

Neben der Künstlichen Intelligenz zieht eine andere Technologie die Aufmerksamkeit auf sich: humanoide Roboter. In Deutschland sind diese im öffentlichen Leben noch kaum anzutreffen, in Japan hingegen gehören sie bereits dazu. Sie leiten Passagiere am Flughafen zum richtigen Gate und sind in der Lage Stimmen und Bilder so genau zu verarbeiten, das eine Interaktion ermöglicht wird. Auch in anderen Bereichen, etwa in der Altenpflege, sind Roboter auf dem Vormarsch.

Die vollständige Vernetzung – das Internet of Things

Auch die Möglichkeiten des vernetzen Leben sollen in diesem Jahr wieder zu bestaunen sein. Mit dem Internet of Things soll unser Alltag ein neues Gesicht bekommen. Neben Anwendungen die sich dem Smart Home zuordnen lassen, stehen zunehmend auch die Möglichkeiten in Bezug auf den Verkehr und Infrastrukturen im Fokus. Das US-amerikanische Unternehmen Cisco schätzt, dass 2015 mehr als 50 Milliarden Geräte mit dem Internet verbunden sein werden. Nun stellt sich zunehmend die Frage nach der Sicherheit einer so umfangreichen Vernetzung. Auch das Thema der Digital Security soll deshalb von Experten auf der CeBIT beleuchtet werden.

Virtual Reality – nicht nur für Spiele

Virtual Reality (VR) wird vor allem mit der Gamer-Szene in Verbindung gebracht. Auch im medizinischen Bereich werden die ersten Anwendungen getestet, die für die Ausbildung beispielsweise von Chirurgen genutzt werden können. Zunehmend erschließt nun noch eine andere Branche den Markt: der Tourismus. So können die Brillen auch genutzt werden um potenzielle Urlauber schon vorab durch die Hotelanlage zu führen. Einer Studie zufolge gehen über 70 Prozent der Unternehmen aus der Tourismusbranche davon aus, dass die Erkundung des geplanten Urlaubsziels vor der Buchung schon 2025 verbreitet sein wird.

Eine Erweiterung von VR stellt zudem die Augmented Reality (AR) dar. Bei diesen Anwendungen wird dem realen Umfeld noch etwas hinzugefügt. Etwa so, wie dies bei dem Augmented-Reality- Spiel Pokémon Go der Fall ist. Auch hier bietet die CeBIT eine Bühne für alle neuen Weiterentwicklungen.

Japan ist das Partnerland der diesjährigen CeBIT

Keine Nation ist so digitalisiert wie Japan. Das Land, das 127 Millionen Menschen zählt, präsentiert sich an der Spitze in Sachen Technik und Digitalisierung. Was bei uns noch als Zukunftsmusik gehandelt wird, ist in der japanischen Gesellschaft längst angekommen. Schon heute kommen in Japan 211 Roboter auf 10 000 Mitarbeiter. Die Japaner gehören zu den am stärksten Vernetzen Bevölkerungen der Welt und investieren jährlich Milliarden in die Forschung und Entwicklung neuer Technologien. Als drittgrößte Volkswirtschaft der Welt ist Japan auch für die deutsche Wirtschaft insbesondere im Hinblick auf neue Innovationen ein wichtiger Partner.

Inhaltlich wird es in jedem Fall einige interessante Beiträge von Seiten der japanischen Kollegen geben. So wird beispielsweise der Direktor des Intelligent Robotics Laboratory des Departments of Adaptive Machine Systems der Universität Ösaka einen Vortrag zu der vieldiskutierten Frage halten, ob der Mensch sich selber abschafft.

Vom Experten bis zum Neugierigen

Ein jeder, der sich auf dem Gebiet der Technik, IT und Digitalisierung bewegt, wird auf der CeBIT noch neue Erkenntnisse gewinnen können und die Möglichkeit haben, sich mit Gleichgesinnten auszutauschen. Aber auch all jene, die neugierig sind auf die neuen Entwicklungen und auf alles, was heute schon möglich ist, werden auf ihre Kosten kommen. Wie in den letzten Jahren, kann auch in diesem Jahr wieder für fünf Tage ein Blick in die nahe und ferne Zukunft geworfen werden.

Foto:@pixabay

Instagram: jetzt optimiert für Unternehmenskommunikation

Auf Instagram werden täglich etwa 60 Millionen Beiträge hochgeladen. Allein in Deutschland nutzen bereits mehr als 9 Millionen Menschen den Online-Dienst, mit dem Bilder und Videos geteilt werden können und weltweit gibt es sogar mehr als 500 Millionen User – Tendenz steigend. Darin steckt Potenzial für Unternehmen, Instagram in ihre Marketing-Strategie einzubinden. Anders als Facebook und andere Social Media-Netzwerke können auf Instagram jedoch keine externen Links auf Websites in Posts integriert werden, sodass kein Referral Traffic erzeugt werden kann – doch wie betreibt man effizientes Marketing mit Instagram dann?

Marketing mit einem regulären Instagram-Profil

Ein Unternehmen kann ein reguläres Profil anlegen und dort ein Profilbild – beispielsweise das Icon der Marke – und eine Biographie einstellen. Zu beachten ist, dass für die Biographie lediglich 200 Zeichen zur Verfügung stehen, man sollte sich also kurz und prägnant ausdrücken. Außerdem können auf dem Profil externe Links platziert werden, die direkt auf die Homepage des Unternehmens verweisen. Nach der Anmeldung kann direkt damit begonnen werden, Content hochzuladen.

Welcher Content ist für Instagram geeignet?

Es lohnt sich nicht, einfach nur Fotos von aktuellen Produkten zu posten, denn das ist für User eher langweilig. Beim Marketing mit Instagram steht vor allem der emotionale Kontakt zum Kunden im Vordergrund. Fotos sollten daher Insights in die Unternehmenskultur geben und einen vornehmlich privaten Charakter besitzen. Damit die Fotos im Newsfeed der Abonnenten oder bei der Suche herausstechen, sind Ästhetik und gute Qualität Voraussetzung. Außerdem sollte man versuchen, einen authentischen Charakter zu erzeugen und konstant beizubehalten, denn neben der Herstellung von direktem Kundenkontakt ermöglicht es Instagram auch, das Image des Unternehmens zu prägen.

Marketing-Agenturen können bisweilen wahrscheinlich nicht genug interessanten Content produzieren, um täglich ansprechende Bilder hochzuladen, die den Followern im Gedächtnis bleiben. Deswegen kann man durchaus auch Bilder von Instagram-Usern, die Produkte des Unternehmens verwenden, sharen oder rebloggen veröffentlichen. Oft wissen diese User besser, wie ein Bild aussehen muss, um sich von der Bilderflut abzuheben und besitzen selbst viele Follower – und genau das ist neben dem Content die zweite große Frage:

Wie erreicht man mit dem Content möglichst viele User?

Hashtags

Damit Inhalte durch User gefunden werden können, werden auf Instagram Hashtags verwendet. Welche Hashtags geeignet sind, ist sowohl vom Bild selbst, als auch vom postenden Unternehmen abhängig. Kurze Hashtags, wie der Name des Unternehmens und eines Produktes, sind einprägsam und können durch solche, die den Bildinhalt oder auch die Unternehmensphilosophie beschreiben, ergänzt werden. Zudem empfiehlt sich eine Mischung aus bekannten Hashtags, mit denen man eine breite Masse erreicht, und unbekannteren, die ein spezifisches Publikum ansprechen und aus weniger konkurrierendem Content besser herausstechen.

Auch kurze Kampagnen-Slogans oder Werbesprüche sind geeignet. Sie können das Image des Unternehmens bleibend prägen und laufende Kampagnen verlängern. #justdoit ist ein hervorragendes Beispiel dafür – oder denken Sie gerade etwa nicht an Sportschuhe?

Influencer

Influencer sind besonders aktive User mit vielen Followern, die durch das, was sie sharen und liken, Produkte und Unternehmen promoten und ganze Trends in Gang setzen können. Sie sind essentiell, um User zu erreichen und an Bekanntheit zu gewinnen. Die Zusammenarbeit mit Bloggern, Influencern und Stars zählt somit zu den wichtigsten Strategien, die Unternehmen für ihr Marketing mit Instagram verfolgen sollten.

Verbindung mit Kanälen

Der Instagram Account kann mit anderen Kanälen, beispielsweise Facebook und Twitter, verbunden werden und so als Verlängerung der Social Media-Aktivität dienen. Der Instagram-Account sollte aber immer auch Unique Conent bieten und nicht nur die Bilder anderer Accounts sammeln – wieso sollte man ihm sonst folgen

Besseres Marketing mit Business Accounts

Seit diesem Jahr bietet Instagram seine Business Accounts auch in Deutschland an und gegen Ende des Jahres soll das Feature sogar weltweit verfügbar sein. Mit einem Business Account können dem Instagram-Profil Kontaktdaten hinzugefügt werden und es ist möglich, Beiträge hervorzuheben und Statistiken über User einzusehen.

Kontaktdaten hinzufügen

Business Accounts können eine Adresse, E-Mail-Daten und eine Telefonnummer angeben. Über einen Kontakt-Button können User sich dann direkt mit dem Unternehmen in Verbindung setzen.

Statistiken sammeln

Damit das Unternehmen seine Zielgruppe besser verstehen kann, werden für Business Accounts Statistiken erstellt. Diese werten unter anderem aus, wie oft Beiträge in den letzten Tagen angeklickt wurden, wie sich das Alter oder das Geschlecht der User verteilt, oder wie oft und wann die User aktiv sind. Da Instagram angezeigten Content oft nach Aktualität sortiert, ist es hilfreich zu wissen, wann die Zielgruppe, die man ansprechen möchte, aktiv ist – und auch das ermöglichen die Statistiken.

Beiträge hervorheben

Die letzte Funktion des Business Accounts ist die (kostenpflichtige) Hervorhebung von Beiträgen. Das Unternehmen wählt aus, was es durch die Hervorhebung erreichen will und welche Zielgruppe angesprochen werden soll. Die Zielgruppe kann auch anhand der Statistiken von Instagram ermittelt werden. Je nachdem, wie viel Geld man in die Hervorhebung investiert, variiert die Anzahl der User, die den Beitrag sehen – und auch die Laufzeit.

Fazit

Durch seine Business Accounts geht Instagram bereits einen Schritt auf Unternehmen zu. Da die meisten Instagram-User zwischen 15 und 30 Jahren alt sind, können vor allem Unternehmen dieser Zielgruppe schon jetzt von Instagram profitieren, um zum einen ihr Image zu promoten und zum anderen Kontakt zu Usern herzustellen. Angesichts der wachsenden Beliebtheit der Plattform, sollten aber auch andere Unternehmen erwägen, Instagram in ihre Marketing-Strategie einzubeziehen. Denn die heutigen Instagram-Nutzer werden schon in einigen Jahren eine ältere Zielgruppe darstellen, die dann über den Online-Dienst erreichbar sind, den sie schon heute nutzen.

Foto: @pixabay