Kategorie: Digitale Kunst

Keyboard Musiker vor Sonne mit Display zum Artikel Kreatives Youtube Musikvideo erzählt Liebesgeschichte auf 14 Screens

Kreatives Youtube Musikvideo erzählt
Liebesgeschichte auf 14 Screens

Kreative Musikvideos gibt es viele. Mit der Digitalisierung eröffnen sich zusätzlich vollkommen neue Möglichkeiten der Darstellung. Von einem durch künstliche Intelligenz erzeugtem Clip berichteten wir bereits. Doch ein durchchoreographiertes digitales Musikvideo auf verschiedenen Screens gab es so noch nie. „Knock Knock“ heißt der Song der ukrainischen Band Brunettes Shoot Blondes. Das dazugehörige Video erzählt die Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau und einem Hasen. Zugegeben eine etwas ungewöhnliche Story einer Band mit einem ebenso bizarren Namen. Noch überraschender ist allerdings die kreative Darstellungsweise des Videos: Die Liebesstory wird auf 14 verschiedenen Bildschirmen unterschiedlicher Medien erzählt. So versucht der Hase über Smartphone, Tablet und Laptop seine Herzensdame zu erreichen und stößt dabei nicht nur einmal an die Grenzen des Bildschirmrandes.

Die Choreographie einer Liebesgeschichte

Die erste Begegnung findet auf zwei sich gegenüberliegenden Smartphones statt. Auf dem Ersten tritt ein Hase lässig, mit einem Blumenstrauß in der einen und einer Zigarette in der anderen Hand, in den Screen. Im anderen Bildschirm zeigt sich die Dame davon nicht sonderlich beeindruckt und macht sich auf den Weg in den dritten Screen. Dessen Rand fungiert nun als Tür, welche sie hinter sich abschließt. Der Hase versucht sich nicht beirren zu lassen, nimmt den technisch steinigen Weg auf sich und folgt in dem durchchoreografierten Musikstück seinem Glück. Dabei purzelt der Verehrer seiner großen Liebe von Medium zu Medium hinterher. Bei all den Wirrungen und Irrungen sei so viel schon einmal verraten: Es gibt ein süßes Happy End.

Musikvideo Performance mit 14 Screens in Echtzeit

Die große Herausforderung ist es, die Figuren und ihre Gestiken auf die Sekunde genau richtig zu programmieren und zu platzieren. Denn das Video läuft in Echtzeit. Dafür bedarf es einer ganzen Choreographie. Doch es muss nicht nur virtuell geplant werden. Für einen reibungslosen Ablauf ist es ebenfalls wichtig, dass alle Beteiligten das jeweilige Gerät zum richtigen Zeitpunkt und gleichzeitig an der richtigen Stelle platzieren. So beginnt der Clip mit einem Countdown, die Finger verharren bis zum Start auf den Displays.

Kreativer Youtube-Hit und Award-Gewinner

Im Netz wurde Kritik laut, dass es sich bei dem Video eventuell um verschleierte Werbung handelt. Schließlich sind die eingesetzten Medien durchweg Apple Produkte. Offiziell bestätigt ist dieser Zusammenhang allerdings nicht. So oder so handelt es sich um eines der wohl kreativsten Musikvideos – insbesondere hinsichtlich des Einsatzes von Medien. Der Youtube-Clip wurde bereits über 9 Millionen mal aufgerufen, namenhafte Medien wie Billboard, The Daily Mirror, Rolling Stone, the Huffington Post und viele andere berichteten bereits darüber. “Knock Knock” wurde für die innovative Arbeit belohnt und staubte im Jahr 2015 einen Berlin Music Video Award in der Kategorie “Best Concept”ab.

Und nun die ganze Liebesgeschichte mit allen ihren digitalen Brückenschlägen:

Ed Atkins Installation

Old Food von Ed Atkins:
Über Digitalträume & Wirklichkeitsabzocke

Schauen wird in Kapital konvertiert. Youtube vergütet tausend Views mit etwa einem Dollar – im Fernsehen liegt der Wert viel höher. Die Schlingranken des Marketings wuchern via Mail, Tracking, setzen Cookies, streuen Krümel wie Hänsel und Gretel, um dir zu folgen. Atkins’ Ausstellung ist der Köder, dich in den Museumskörper zu locken, mit seinen Sälen, Magen und Verdauungstrakt, deren Wände dich still durchkneten, Laser, die dich wie Zilien forttragen und einfangen – Zitat Ende. 

Mit diesen Worten werden die Besucher der heute begonnenen Ausstellung „Old Food“ von Ed Atkins  im Martin-Gropius-Bau begrüßt. Und tatsächlich: Der Künstler schafft es, den Betrachter mit seiner bildgewaltigen Installation emotional einzufangen, nur um ihm anschließend gerade dadurch wieder ein mumliges Gefühl einzuverleiben.

Ed Atkins und seine spezifische Videoästhetik

Der gebürtige Brite lebt momentan in Berlin und ist mit seinen experimentellen, computergenerierten Filmen, Animationen und Bildwelten ein Star in der jungen Kunstszene. Atkins beschäftigt sich mit der Allgegenwärtigkeit digitaler Medien. Bekannt wurde er durch Videoinstallationen mit CGI-Avataren. Diese animierte er mittels Motion-Capture-Technik und versah sie mit der Stimme des Künstlers.

Old Food: Digital einbalsamiertes Gammel-Essen?

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Für den Martin-Gropius-Bau und das Programm Immersion kreierte der Künstler nun seine bisher größte Installation: „Old Food“ . Wer jetzt denkt es gehe dabei um vergammeltes Essen, der irrt. Vielmehr erforscht der Künstler weiterhin die neuen Medien und versetzt den Betrachter in Gemütlsagen zwischen Verträumtheit  und Desillusionierung, Ekel und Nüchternheit. 

Museumsräume erzeugen bizarre Gefühlswelten

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Die Ausstellungsräume umgibt hingegen sehr wohl eine bizarre  Stimmung. Größeren und kleineren Videoinstallationen stehen jeweils zahlreiche Kostüme aus dem Fundus der Deutschen Oper Berlin gegenüber: Von  Don Carlos bis hin zu Aida. Das können die Besucher übrigens vom ersten Augenblick und vom ersten Raum an „riechen“. Viel seltsamer mag es für die Betrachter jedoch sein, auf Bildwelten zu treffen, die zunächst sehr idyllisch anmuten. Da steht ein Klavier inmitten einer grünen Blumenwiese, in einer Berghütte knistert der Kamin vor sich hin und es blicken einen altertümliche Wesen und niedliche Kinderaugen an.

© Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Doch nun kommt es: Die Figuren weinen, wirken verzweifelt, ihre Haut scheint sich zu verflüssigen. Auf dem Klavier spielt eine Hand, die sich durch diverse Plessuren von der sich im Instrument spiegelenden Natur abhebt. Seine Figuren sind in einer ewig langen Leidensgeschichte gefangen – ohne Anfang, Spannungsbögen und ohne Ende. Zugleich verwirrt die akustische Komponente: Es erklingen Kompositionen von Jörg Frey, die so gar nicht den klassischen Harmonien entsprechen. Die Disharmonien in Dauerschleife tragen ebenfalls dazu bei, dass die scheinbare Idylle aufgehoben wird. Den Besuchern überkommt ein ähnlich unwohles Gefühl wie bei der Betrachtung von verschimmeltem Essen. Nur mit dem Zusatz, dass sie sich ihrer eigenen Rolle in den neuen Medien und einer kommerzialisierten Welt bewusst werden. 

Ed Atkins möchte genau dies mit seiner Installation zeigen. Er erzeugt künstliche Digital-Romantik, um sie im nächsten Moment wieder zu zerstören. Dabei bezieht er sich auf die Hoffnungen, die in die CGI-Technik gelegt werden. Mit ihrer Hilfe sollen unsere Träume „real“ werden. Täuschend echte Figuren wirken dann aber doch wieder deratig aalglatt, dass sie ihre Wirkung selbst aufheben. Der ultimative Burger und die perfekte Bikini-Figur: Mit der Realität haben schmackhaft kreierte Photoshop-Werbebilder oft wenig zutun. Ed Atkins entblößt das Streben nach Perfektionismus, indem er der digital erzeugten Romantik auf bizarre Weise die Romantik nimmt (die sie ja eigentlich nie war).

Die Ausstellung läuft noch bis zum 07. Januar 2018.

Titelbild: @Ed Atkins, “Old Food”, 2017, Installation view, Martin-Gropius-Bau, Berlin, Photo: Mark Blower. Courtesy the artist, Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin, Cabinet Gallery, London, Gavin Brown’s Enterprise, New York, Rome and dépendance, Brussels

Masken-Kunst: "data masks" von Sterling Crispin

Digitale Geister:
Gesichtserkennung als Masken-Kunst

Das Phantom der . . . des Internets! Welches Bild haben Google, Facebook und Co. von ihren Nutzern? Wie sieht der digitale Mensch aus? Zugegeben, wie eine Mischung aus Lavalampe, Meteoroid und Tropfsteinhöhle. Der amerikanische Künstler Sterling Crispin hat im Rahmen seines Projektes “Data Masks”, digitale Gesichter in analoge Gips-Maskierungen verwandelt. Die Grundlage für diese Masken-Kunst bilden Gesichtserkennungs-Algorithmen, deren Analysen vom Menschen selbst, nicht mehr viel erkennen lassen: „Vor den Linsen der Maschinen verwandeln wir uns in digitale Geister“ erklärt der Künstler.

Die Beobachtung des Menschen als digitales Gesicht

Face Detection Masks: Zuck-Blister; Künstler: Sterling Crispin

Gesichtserkennungssoftwares, die mit lernfähigen Algorithmen arbeiten, gibt es seit den 90er Jahren. Seitdem werden diese immer wieder weiterentwickelt und optimiert. Eingesetzt werden die Programme unter anderem von der Privatwirtschaft und Geheimdiensten wie der NSA und der Privatwirtschaft. Dort durchforsten sie Bild-Datenbanken nach bestimmten Merkmalen und prägen sich die Details der menschlichen Gesichter ein. Die Maschinen lernen kontinuierlich dazu und werden immer besser in der Nachahmung des digitalen Ich’s.

Blick in den digitalen Spiegel: Wer oder was sind wir?

Face Recognition Masks: Obama; Künstler: Sterling Crispin

Sterling Crispin ist für seine unkonventionellen Kunstwerke bekannt und arbeitet viel mit digitalen Mitteln. Dabei versucht er stets, abstrakte Konstrukte visuell zu konkretisieren. So auch in “Data Masks”. Mit diesem Projekt möchte er gleichzeitig die Öffentlichkeit für das Thema des “Gläsernen Menschen” (Metapher des Datenschutzes) sensibilisieren: „Ich möchte, dass wir über unsere digitale Darstellung reden. Und das gelingt eher, wenn wir sie sehen und greifen können“. Dem Künster sind digitale Datensammlungen, Gesichtserkennungssoftwares und Kameraüberwachungen sowohl online als auch offline unheimlich. Sein kritischer Blick richtet sich in diesem Zusammenhang insbesondere auf die Verwendung von Gesichtserkennungsprogrammen, welche damit konsequent Ziele verfolgen, die nicht unbedingt immer in unserem eigenen Interesse liegen. Deshalb findet Crispin es „wichtig, dass wir ein Bewusstsein für unser Cyper-Ich bekommen. Und dass wir nicht nur irgendein Ding in den Weiten des Netzes sind, sondern Personen“. Eine von Ihnen: Obama, dessen Gesicht ebenfalls in einer digitalen Algorithmus-Maske Ausdruck findet.

Vom Fitness-Algorithmus zur Masken-Kunst

Doch von vorn: Hinter den Masken steckt ein komplizierter Prozess. Mit Hilfe eines frei verfügbaren sogenannten Fitness-Algorithmus durchsuchte Crispin zunächst eine riesige Bild-Datenbank mit menschlichen Gesichtern. Seinen Namen hat dieser Algorithmus, weil er ständig trainiert. Er lernt die menschliche Mimik kennen und vereint dieses Wissen im Anschluss auf einer abstrakten Ebene. Der Fitness-Algorithmus sortiert beispielsweise nicht nach Auge oder Ohr sondern nach Pixeln und Farbverläufen. Sterling Crispin nutzt den Algorithmus in seiner eigenen, speziell für das Projekt entwickelten, Software. So will er der Funktionsweise von Gesichtserkennungs-Algorithmen auf die Schliche kommen. Mit Hilfe seines Programms moduliert der Künstler 3-D Formen, die eine schädelähnliche Form haben. Per Zufall entstehen auf deren Oberfläche diverse Hervorhebungen. Jedes Mal, wenn sich die Schädel verändern, gleicht Crispins selbstentworfenes Programm diese mit den von dem Fitness-Algorithmus vermerkten Daten ab. Dieser Vorgang wiederholt sich solange, bis der Algorithmus ein Gesicht erkennt. Mit der Zeit kristallisieren sich die eingangs beschriebenen Tropfsteinhöhlen-Gesichter heraus. Der Prozess vom Fitness-Algorithmus bis hin zu Crispins Programm wird als genetischer Algorithmus umschrieben. Er entspricht jedoch nicht exakt den Algorithmen von Facebook und Co., denn diese sind geheim. Da sich die Bilddatenbanken jedoch ähneln, lässt sich erahnen, welches Bild die digitalen Maschinen von uns Menschen konstruieren. Die finalen 3-D Entwürfe werden im Anschluss in Gips gegossen.

Data Masks in Dresdner Ausstellung “Das Gesicht”

Den digitalen Masken kann aktuell auch in Deutschland begegnet werden. In Dresden werden sie im Rahmen der Sonderausstellung “Das Gesicht” im Deutschen Hygiene-Museum bis Februar 2018 gezeigt. Darin geht es um die Geschichte des menschlichen Antlitzes von den Porträts der alten Künstler bis hin zu medienübergreifenden Kunstwerke und Installationen, die sich mit der digitalen Verfügbarkeit und medialen Präsenz von Gesichtern beschäftigen.

„Die automatische Gesichtserkennung greift um sich – manche kaufen sich Masken, um die Algorithmen zu verwirren. Das Deutsche Hygiene-Museum in Dresden untersucht, was das für unsere Kultur bedeutet.“ Bernd Graff, Süddeutsche Zeitung

Collage King Kong am Fernsehturm/Alexanderplatz zum Artikel: Superhelden machen Berlin unsicher: Die Berlininja Fotomontagen

Superhelden machen Berlin unsicher:
Die Berlininja Fotomontagen

Hasta la vista Berlin! Mit seinem Instagram-Account Berlininja begeistert der aus Schweden stammende Künstler Duda seine Community. Rund 11,8 Tausend Follower sprechen für sich. Duda hat eine Vorliebe für alles Übernatürliche, Illusionen, Fiktionen und Superhelden. Dies verraten auch seinen witzigen Fotomontagen: Darin platziert er in Berliner Stadtansichten berühmte Helden wie Spiderman, Superman und Hulk. Ob Pippi Langstrumpf auf einer Simson, Mario beim Wasserski durch die Straßen Berlins, Fred Feuerstein beim Golfen oder die Scooby Crew vor einem Campingbus: Die Helden unserer Kindheit sind ebenfalls mit dabei und lassen den Betrachter fast schon nostalgisch werden. Uns hat der Instagrammer seine Superhelden-Geschichte verraten.

Ein Instagram Profil, das in anderen Sphären schwebt!

Die Anfänge seines Instagram Accounts gleichen den heute klassischen Foto-Profilen und ließen noch nichts Fiktives erahnen. Zunächst empfahl dem Insta-Neuling ein Freund, der ebenfalls erfolgreich auf der Plattform unterwegs ist, “to post pictures and write facts about them. My early pictures were simply only that”. Diesem Rat folgend, postete Duda interessante Fotografien aus dem Berliner Stadtleben. Doch sein Superheldenherz schlug mit der Zeit immer stärker und setzte sich schließlich durch: “I like everything that is not possible in ‘real life’ such as: Xmen powers, space travel with Star Wars or giant ninja Turtles. I decided to put those characters in my pictures. When I started to add these heroes, I got a good response from the Instagram community”.

Fotomontagen zwischen Realität und Fiktion

Fotomontage von Berlininja: King Kong klammert sich an Fernsehturm in Berlin
Fotomontage: King Kong am Berliner Fernsehturm; Künstler: Duda

Die Fotomontagen entstehen laut Duda ganz intuitiv: “When I see something nice for example a building, a tree, or just a nice view, I visualize: which superhero fits into this scenery? What could I add to this scene to make it more interesting? When I am editing the picture, I google that superhero and find a perfect match and add it”. Ob an Hochhäusern, in U-Bahn-Schächten oder Fotoautomaten: Der Gestaltungsspielraum des Künstlers ist sehr groß. Schließlich können Superhelden “für gewöhnlich” nicht nur sämtliche Kräfte entfalten, sondern auch klettern, beamen oder sogar fliegen.

Berlin! I think I spider!

Doch welcher Held passt denn nun besonders gut in die Berliner Luft und Landschaft? Duda’s Antwort fällt gleichzeitig auf seinen ganz persönlichen Lieblingshelden: “Spiderman! Specially for my Instagram project. Spiderman fits into ALL scenery’s such as tall building, busy crossroads, trains and simple abandon streets. He is perfect for the Berlin environment”. Ist Berlin prädestiniert für solch ein Superhelden-Projekt? Der Instagram Künstler lebt seit ungefähr einem Jahr in der deutschen Hauptstadt! Berlin ist bärenstark – klar! Doch KingKong auf dem Fernsehturm ist auch nicht ohne – denn tief im Inneren schlummern echte Superkräfte: “Berlin is a playground for photographers. Berlin has so many different styles: tall buildings at Alexanderplatz/Mitte, nature at Tiergarten/Tempelhof, charm in Kreuzberg/Schöneberg plus so much more. And not to forget the yellow trams, or as Instagramers call them: the yellow snakes. In comparison, NewYork has so many superheroes (DareDevil, Spiderman, etc) why do we not have any in Berlin?!”  

Na dann Berlin: Möge die Macht mit dir sein!

Ach und: Superheldinnen sind natürlich auch dabei!

 

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Bilder: @Duda, Berlininja

DAM Gallery: Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg; Kunstwerk Tank A Tank B

DAM Gallery:
Ausstellung Mirror Finish von Siebren Versteeg

Mit der Ausstellung “Mirror Finish” startet der New Yorker Künstler Siebren Versteeg morgen in der DAM Gallery sein Berlin Debüt. In den digitalen und internetbasierten Bildschirm- und Leinwandarbeiten setzt er sich mit den Verhältnissen von Mensch, Medien und Technologien auseinander. Dabei arbeitet Versteeg in erster Linie mit Algorithmen und Programmierungen. Unter diesen Rahmenbedingungen basieren viele seiner Werke demnach auf Zufällen. Was passiert, wenn ein Miniaturbild von Donald Trump nicht nur auf programmierte Pinselstriche, sondern auch auf Nacktbilder aus dem Netz trifft? Und welche Wirkung entfaltet diese Kombination auf Leinwand? Ist die Leinwand überhaupt eine Leinwand, oder ist all das nur eine digitale Illusion?

Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror)

Siebren Versteeg; Double Vision (Google Mirror, Yandex Mirror), 2017

Kann Google als ein Spiegel dienen? “Double Vision” besteht aus zwei Bildschirmen mit jeweils einer darüber montierten Kamera. Stellen sich die Besucher davor, wird in bestimmten Abständen ein Foto von ihnen aufgenommen und in die Google Bildsuche in Echtzeit eingegeben. Google Images ist die größte Bildsuchmaschine der Welt. Sie liefert nicht nur Fotografien auf bestimmte Stichworte. Mit ihrer Hilfe lassen sich auch Bilder mit Bildern suchen. Ist das effektiv? Versteht die Maschine mit ihren Algorithmen unsere Bilder? Versteht sie uns? Zeigt man Google auf dem Foto beispielsweise ein Peace-Zeichen, erscheinen mehr oder weniger erwartbare Ergebnisse, wie Hände, Finger und Beine. Dass die Technik den menschlichen Blick letztendlich dann doch nicht vollends nachahmen kann, beweisen Googles Nacktbilder-Antworten auf eine Frau in einem beigen Trenchcoat. Der Künstler geht noch weiter: Der gleiche Vorgang wiederholt sich auf einem zweiten Bildschirm, nur mit dem Unterschied, dass die Aufnahmen von der russischen Suchmaschine Yandex abgeglichen werden. Und tatsächlich ist es so, dass Google und Yandex, thematisch gesehen, tendenziell unterschiedliche Ergebnisse liefern.

Zufall und Spiegel der Gesellschaft zugleich

Siebren Versteeg; Split Open and Melt und Rust Sleeping; Algorithmically generated image printed on canvas, epoxy resin; 2017

Das Kunstwerk “Fake News”, zeigt in einem Bildschirm verschiedene neutrale Galerieräume. In sie werden Leinwände hinein projiziert, welche sich wiederum spontan, zufällig und in Echtzeit aus dem Netz sowie programmierten Vorgaben speisen. Es handelt sich um eine Bildsynthese, die individuelle und digital erzeugte Pinselstriche mit Bildschnipseln aus dem Internet kombiniert. Ähnlich gewollt spontane Mischungen ließ der Künstler in der Reihe “Today Series” auf Leinwände drucken. Einigen von ihnen stülpte er sogar erst im Nachhinein digital eine Leinwand-Optik über. So entsteht eine interessante Kombination. Die Bilder wirken in jeder Position des Betrachters neu.

Vom Digitalen ins Reale und zurück: Die DAM Gallery

Wer auf den Geschmack gekommen ist, der kann noch bis Anfang November die DAM Gallery besuchen und weitere Werke von Siebren Versteeg bestaunen. Auf Basis eines 1998 gegründeten virtuellen Digital Art Museums, rief Wolfgang Lieser in Berlin die Galerie ins Leben  und schuf mit ihr eine Bühne für digitale Kunst und Kultur. Von den Pionieren der digitalen Gestaltung der 60er Jahre, über Netzkunst, bis hin zu aktuellen virtuellen Arbeiten: In regelmäßig stattfindenden Ausstellungen werden die Werke von verschiedenen internationalen Digitalkünstlern präsentiert. Gleichzeitig ist sie ein Ort des Austausches und Dialoges. Fand die digitale Kunst anfangs noch kaum Beachtung, steht sie heute sowohl in der Kunstszene, als auch bei Kunstinteressierten hoch im Kurs.

Wie werden digitale Medien in der Kunstproduktion noch genutzt? Wir werden Euch auch zukünftig von den Schätzen der DAM Gallery berichten.

Wo? DAM Gallery, Berlin; Seydelstr. 30, 10117 Berlin

Wann? 20. September bis 4. November 2017

Öffnungszeiten? Mittwoch – Freitag: 13 – 18 Uhr; Samstag: 12 – 16 Uhr und nach Vereinbarung

 

Titelbild: Künstler Siebren Versteeg: Tank A, Tank B; Fine Art Print, each Edition 5, 2017

Zettelhochburg Berlin:
Joab Nist über seinen Blog Notes of Berlin

Optimismus heißt umgekehrt Sumsi mit Po. Das sollte mal gesagt werden, steht auf einem der vielen Zettel die Joab Nist tagtäglich auf seinem Blog Notes of Berlin digital konserviert. Ob überklebte Straßennamen, behangene Postkästen, bemalte Toilettenkabinen, oder Notizen an Haustüren und Klingelschildern: In der Stadt Berlin herrscht die reinste Zettelwirtschaft. An kaum einem anderen Ort hinterlassen Menschen so viele Botschaften auf ganz unterschiedliche Art und Weise. Wir haben mit Joab über die Faszination der lustigen Zettel gesprochen.

Wie bist du auf die Idee gekommen “Stadt-Zettel” zu sammeln und sie dann in einem Blog zu veröffentlichen?

Ich bin selber vor 12 Jahren von München nach Berlin gezogen. Ich fand es aufregend, durch die Kieze zu gehen und zu gucken, ob man da was findet, was Berlin für einen charakterisiert. Bei diesen Spaziergängen sind mir immer wieder solche Botschaften, meist Zettel, aufgefallen. Einige von denen waren für mich wie ein AHA-Effekt: Ja stimmt, genau das ist für mich Berlin. Das passt genau hier her! Das war für mich wie ein kleiner Reiseführer durch die Stadt – nur auf eine andere Weise erzählt.  Ich wollte immer mehr von diesen Zetteln entdecken. Dann habe ich mir gedacht: Wie spannend wäre das eigentlich, wenn ich Zettel finden und dokumentieren kann, die auch aus den Ecken der Stadt kommen, in denen ich mich nicht herum treibe? Da braucht es Mitstreiter. Außerdem fand ich, dass die Zettel eigentlich eine größere Öffentlichkeit verdienen. Die hängen ja nur kurz da und sind dann für immer weg. Eigentlich sind sie Originale und Unikate, wo irgendjemand eine Geschichte erzählt. Sie sollen relativ ungefiltert zeigen, was die Menschen hier bewegt. Dass das sehr oft skurril ist, liegt daran, dass die Protagonisten, die so einen Zettel schreiben, in dem Moment nicht so viel nachdenken. Es kommt halt einfach raus und das ist dann halt oft komisch, aber authentisch.

Was sind das für Botschaften?

Eigentlich die komplette Alltagskultur. Also alle Dinge, die einem so täglich in der Großstadt begegnen. Dass jemand gerade verzweifelt einen Job sucht oder jemanden irgendwo gesehen hat und ihn wiedersehen möchte. Die Stadt ist zu groß dafür, er muss einen Zettel schreiben. Oder man beschwert sich über seinen Nachbarn, der sehr skurril ist. Ganz viele Zettel kommen aus Hausfluren und großen Mietshäusern. In Berlin ist es irgendwie gang und gäbe, dass man nicht klingelt, sondern sich Zettel schreibt, um sich über etwas zu beschweren oder um eine Party anzukündigen. Auf der Straße ist auch die Liebe ein ganz großes Thema. Ganz viele Menschen sehen sich irgendwo, haben die Nummern nicht ausgetauscht, sich nicht angesprochen und wollen sich wiederfinden. In einem Ballungsraum wie Berlin musst du dann halt zum Beispiel einen Zettel schreiben und den da aushängen, wo du die Person das letzte mal gesehen hast, damit du sie wiederfinden kannst. Da bringt dir auch ein Post auf Facebook nichts. Du erreichst mehr Leute, aber nicht die Person, die zufällig auch in diesem Kiez wohnt. Neben Diebstahl ist Sex ein riesen Thema. Wir haben wahnsinnig viele Zettel, wo man die Nachbarn rummachen hört. Es gibt auch politische Botschaften. Lost and found ist natürlich auch ein Klassiker.

Hast du ein paar Beispiele beziehungsweise Highlights, die dir spontan einfallen?

Wenn jemand seinen Stoffbären verloren hat und dann steht auf dem Zettel: “Finderlohn 500 Euro”, dann denkst du dir: War das was drin? Oder ist der was wert? Es gibt auch genau das Gegenteil: “Katze verloren. Finderlohn: Sieben Euro”. Warum Sieben? Ist dir dein Tier nicht mehr wert? Der eine verliert sein Geld, der andere seine Steuererklärung, der Dritte seinen Hamster, den er kurz bei der Bushaltestelle abgesetzt hat, um mal eben in den Späti zu gehen. Dann war der Hamster weg.

Warum gibt es so viele Zettel in Berlin, obwohl vieles nur noch digital stattfindet? Wo liegt der Reiz?

Es ist ein Kommunikationsmedium, was du heute trotz Internet quasi als Gegenentwurf noch nutzt. Wenn du zum Beispiel jemanden suchst und im Internet postet, bringt dir das ja nicht so viel. Wenn du nur deine Leute im Kiez ansprechen möchtest – im Sinne von “mein Fahrrad wurde gestohlen, bitte haltet die Augen offen”. Dann macht es einfach Sinn, das noch auf die alte Art und Weise zu kommunizieren. Ich glaube trotz Apps und der Digitalisierung, sind wir ja alle noch mit Papier und Stift aufgewachsen. Und das wird auch die nächsten Jahre noch so sein und das sollten wir auch nicht verlernen. Ich glaube, dass sich das auch ein bisschen initiiert und zum Mitmachen einlädt. Es hat auf jeden Fall eine viel persönlichere Note, als wenn du einfach irgendwo bei WG-Gesucht dein Inserat aufgibst oder einen Facebook-Post machst. Und es sind die Themen, die wir alle kennen: Fahrraddiebstahl, Liebeskummer, nervende Nachbarn. Das ist eines der Geheimnisse, warum das Projekt so gut funktioniert: Man kann sich damit sehr einfach identifizieren. Du brauchst kein großartiges Vorwissen. Du musst auch gar nicht aus Berlin kommen. Du musst Berlin auch nicht mögen, du kannst Berlin hassen. Denn diese Themen gibt es  teilweise auch in anderen Städten. Die Idee ist aber schon, damit Berlin zu charakterisieren und nicht die Zettel an sich. Deshalb ja Notes of Berlin.

Warum denkst du, dass ausgerechnet Berlin so zugekleistert wird?

In Gesamtdeutschland ist Berlin das Mecker der Zettelwirtschaft. Im öffentlichen Stadtbild kann man hier und da mal etwas hinterlassen, ohne, dass das Ordnungsamt gleich um die Ecke kommt. Das ist in München zum Beispiel anders. Das ist eine sehr saubere Stadt. Da siehst du nicht an irgendwelchen Laternen oder Ampelmasten Sachen kleben. Das ist auch verboten. Hier in Berlin sind ja quasi Schichten von Jahren, die sich außen herumwickeln. Es gibt Streetart, Graffiti, Guerilla Gardening – alles so Sachen, wo man auch im öffentlichen Raum mitgestaltend tätig ist. Das prägt glaube ich auch schon so ein bisschen das Gefühl “okay ich kann dort auch einen Zettel hinkleben. Das macht doch jeder”. Alle machen hier irgendetwas. Und das hast du im Vergleich mit anderen deutschen Städten nicht in dem Ausmaß.

Was verraten die Notizen über die Menschen in Berlin?

Es gibt dir einen Einblick: Wovor haben die Menschen Angst? Was treibt sie um? Ist es die Wohnungsnot? Es gibt auch Leute, die sich darüber beschweren, dass das Haus immer internationaler wird. Dann kriegt man auch oft den Eindruck, Berlin ist die Stadt der Singles, Berlin ist einsam und anonym: Wieso suchen die sich alle? Wieso sprechen sie sich nicht an? Wieso hat niemand irgendjemanden? Man merkt auch, dass viele schon manchmal ein bisschen gestresst sind. Man reagiert oft ein bisschen über,  man toleriert vielleicht viel, aber irgendwann reicht es einem. Und man nimmt einfach kein Blatt vor den Mund. Wenn du irgendetwas zu sagen hast, dann sagst du es – auch ungefragt.  Und ich glaube das ist auch wichtig in so einer Großstadt wie Berlin, dass man sich halt irgendwie Gehör verschafft, auch wenn es anonym ist. Dass du irgendwie raus kannst, du brauchst irgendein Ventil.

Und das ist dann der Zettel?!

Genau, vor allem wenn wir von Beschwerden sprechen. Es zeigt aber auch, wie kreativ Berlin ist. Es gibt Zettel, die sind unfassbar talentiert gezeichnet, geschrieben, richtig um die Ecke gedacht und mit so viel Leidenschaft verfasst. Auch die Leute, die mit einem gewissen Ideal hier herkommen oder einen gewissen Lebensstil leben wollen, spiegeln sich in den Zetteln wieder. Und Naivität. Deswegen ist es wie ein Querschnitt durch all die verschiedenen Bezirke und Mietshäuser. Es sind nicht nur die Hipster aus Neukölln oder Kreuzberg, die da Texten. Was auch wieder zeigt, dass es nicht nur ein Phänomen von jungen oder alten Leuten ist, so einen Zettel zu schreiben. Es ist ein Gesellschaftsding.

Du verbreitest die Zettel auch auf Instagram und Facebook. Warum teilen die Nutzer deine Blog-Inhalte dort so leidenschaftlich?

Weil du die Situation oft nachvollziehen kannst. Das sind so radikale Alltagsthemen, eines davon trifft dich immer irgendwie. Dann willst du das auch mit anderen teilen. Deswegen läuft das so gut auf den sozialen Netzwerken. Leute kommentieren auch viel. Bei manchen Posts entstehen ganz lange Kommunikationsstränge. Das ist auch ziemlich spannend, weil du siehst, was die Menschen umtreibt. Sonst gibt es keine Möglichkeit oder keinen Grund, über solche Themen zu sprechen, weil es keine Plattform dafür gibt. Und weil es eigentlich zu alltagsbezogen ist. Wenn du aber Zettel quasi als Auslöser hast, dann kannst du das Thema auch ein bisschen mehr aufmachen. Deswegen ist es auch oft so, dass so ein Zettel manchmal eine Initialzündung ist. Da kommentieren auf einmal 50 Leute zum Thema zugezogen in Berlin oder zur Ghettofizierung, obwohl das gar nicht impliziert war.

Es gibt bereits Bücher und Kalender über das Zettelphänomen. Und auch ein Film wird kommen. Hast du noch weitere Zukunftspläne?

Neuerdings mache ich Live-Lesungen, mit einem „Best of“ der Zettel. Die werden auf Leinwand projiziert und ich interpretiere sie ein bisschen. Mir macht das auch noch mehr Spaß als zu posten, weil ich ja die Reaktionen der Menschen sehe. Dann wird es auch wieder Offline-Ausstellungen geben. Zum Beispiel hat das “The House” Projekt stattgefunden. Das war ein großes urban art Event in Berlin. Da hatte ich zweieinhalbtausend Zettel ausgedruckt und alle in einem Raum an die Wand geklebt. Was sehr spannend war, weil man den Zettel offline wieder dahin bringt, wo er eigentlich herkommt, er durch den Ausdruck wieder haptisch wird. Das ist auf ganzen Wänden gebündelt und du hast nicht wie im Internet einen Zettel, auf den du klickst. Das ist toll, wenn du spürst, wie die Leute dann darüber reden, sich hier und da anstupsen. Du bewegst dich in diesem Raum und da wo dein Auge hinfällt, liest du ein bisschen was, du musst aber auch nicht alles lesen. Du bist dann in so einem Kosmos gefangen.

Hier eine kleine Auswahl an amüsanten Zetteln:

Titelbild: @Leon Kopplow

Die Fotografin Cindy Sherman
inszeniert Selfie-Wahn mit trashigen Grimassen

Ob Kim Kardashian-West in Selfish, Buzz Aldrin im Weltall, Weltstars bei der Oscar Verleihung oder der Otto Normalverbraucher in sozialen Netzwerken: Selfies sind aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Eine Vorreiterin der Selbstporträts ist Cindy Sherman, eine der erfolgreichsten und teuersten Künstlerinnen der Welt. Sie wurde vor allem durch ihre feministisch provokanten Bildnisse bekannt. Jetzt ist die Fotografin mit über 600 Bildern auch auf Instagram aktiv. Scrollt man durch ihren Account so könnte man denken, in der Selfie-Hölle gelandet zu sein: Lauter verzerrt groteske Gesichter und Selbstinszenierungen. Eine Kritik am Schönheits- und Selbstoptimierungswahn? Wie provoziert eine Cindy Sherman 2.0?

Provokante Porträts damals und heute

Seit dem Vormarsch der Fotografie ist die Königin der Selbstdarstellung Cindy Sherman. Bekannt wurde die mittlerweile 63-Jährige US-Amerikanerin mit einer Serie von Schwarzweiß-Fotografien, den ‘Untitled Film Stills’ (1977). Jedes einzelne dieser 69 Fotos zeigt sie selbst, Cindy Sherman. Und doch könnten die Fotos nicht unterschiedlicher sein. Bild für Bild, Foto für Foto nimmt die Künstlerin eine andere Frauenrolle an. Mal ist sie Cindy, das trotzige Kind, mal Cindy, die Stenotypistin, mal Cindy, die Bibliothekarin. Auf diese Weise thematisiert sie neben der Identitätsfindung, den Feminismus und die Gender-Diskussion. Mit ihren Fotografien rückt sie außerdem das Spannungsfeld zwischen Künstlichkeit und Wirklichkeit in den Fokus: Was ist wahr und was Illusion?

Cindy Sherman übt Selfie-Kritik auf Instagram: Gruselig oder langweilig?

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Was damals bereits als provokant galt, wirkt im Lichte der von Cindy Sherman neu veröffentlichten Bilder harmlos. Auf ihrem kürzlich gestarteten Instagram-Account springen einem zahlreiche verzerrte Gesichter entgegen. Viele von ihnen wirken wie die Ergebnisse missglückter Schönheitsoperationen. Sherman nutzt diverse Bildbearbeitungsapps und dreht den Spieß um: Eigentlich sollen die Anwendungen Bilder optimieren, eine nachträgliche Modellation und das digitale Auftragen von künstlichem Make-Up ermöglichen. Indem die Fotografin die Bilder nun ausgerechnet mit einer Schönheitsapp entstellt, übt sie Kritik am Optimierungswahn und macht sich über den Selfie-Kult lustig. Auf einem der Bilder zerfällt ihr Gesicht in Einzelteile, auf dem Nächsten liegt sie im Krankenhausbett und sieht aus, als sei sie in den Schminktopf gefallen. Große Augen, kleine Ohren, verzerrte Lippen: Manche Selfies sind witzig, die meisten jedoch sehr verstörend – was typisch für die Werke der Künstlerin ist.

Selfies zwischen Kult und Narzissmus

Für einen gelungenen Schnappschuss muss man längst kein Experte mehr sein. Mit Smartphone und diversen Bildbearbeitungsprogrammen kann das digitale Selbstporträt im Handumdrehen erstellt, bearbeitet und geteilt werden. Doch woher kommt das allzu selbstdarstellerische Bedürfnis? Was bewegt Menschen dazu, mitten auf der Straße ihre Arm gen Himmel zu strecken, ein krampfhaft wirkendes Lächeln aufzusetzen und dabei beinahe den nächsten Laternenmast zu streifen? Selfies können schöne Momente festhalten, die man mit anderen oder mit sich selbst verbracht hat. Doch Fakt ist auch, dass das Schönheitsideal der heutigen Zeit immer mehr Menschen dazu verleitet, das eigene Bild perfektionieren zu müssen – sei es durch Schönheitsoperationen, Diätpläne, materielle Besitzgüter oder eben durch und mit einem Selfie.

Auch wenn Cindy Shermans Instagram-Bilder verstörend sind, so sind die Kritik-Momente an sich eigentlich nichts Neues. Deshalb erntet die Künstlerin auch kritische Stimmen. Das Fazit des Magazins monopol lautet deshalb beispielsweise: eher uncool. Und zum hübsch Ansehen sind sie schließlich nicht gedacht. Oder doch?

 

Titelbild: @Jan Zuppinger, flickr

Solange Knowles Porträt mit Haarklammern zum Artikel Die digitale Leinwand von Solange Knowles

Die digitale Leinwand von Solange Knowles

Die Sängerin und jüngere Schwester von Beyoncé, Solange Knowles, zeigt im Rahmen der Kunstausstellung “Soul of a Nation: Art in the Age of Black Power” im Tate Modern in London ein „Interactive Dossier“. Das virtuelle Skizzenbuch bewegt sich zwischen der Geschichte der Black-Power Kunstbewegung und gegenwärtiger Popkultur. Die Ausstellung kann auch in einer Online-Version bestaunt werden. Geht es hierbei um eine kreative Innovation oder doch eher um die Selbstinszenierung der Künstlerin?

Digitale Leinwand als künstlerische Innovation?

Das Webprojekt der Sängerin Solange Knowles ist eine Art Collage: Die digitale Leinwand setzt sich aus Songtexten, Gedichten, Bildern und Videos zusammen, die ineinander übergehen. Der Nutzer kann durch die Leinwand scrollen, dabei interaktiv agieren und auf Entdeckungstour gehen. Dabei wechseln sich Videoszenen, Gesangseinlagen, Fotostrecken und Textbausteine ab. Zwischen ihnen werden visuelle Verbindungen geschlagen.

Knowles entwickelte eine so noch nie dagewesene Form visueller Konzepte. In einem Interview verrät sie ihre Motivation hinter einer derartigen Darstellungsweise: “I wanted to create a specific scenography through movement and landscape to communicate my states of process through this record, I decided to do this through a visual language”

Art in the Age of Black Power

Die digitale Arbeit befindet sich in der Tate Gallery of Modern Art. Diese ist eines der weltweit größten Museen für moderne und zeitgenössische Kunst. Das Werk ist Teil der Ausstellung “Soul of a Nation: Art in the Age of Black Power”, welche sich mit Installationen, Filmen, Malereien und Skulpturen dunkelhäutigen Künstlern sowie der Protestkunst widmet. Thematisch bezieht sie sich auch auf ihr Album “A Seat at the Table”. Mit dabei sind bisher unveröffentlichte Aufnahmen einer früheren Performance der Künstlerin im Tate Museum, bei der eine Gruppe afroamerikanischer junger Frauen dort ausgestellte Skulpturen besetzte. Die Sängerin äußert sich in ihren Werken politisch, verarbeitet ihre Erfahrungen im heutigen Amerika und bezieht sich auf Identitäten und dunkelhäutige Vorbilder.

Immer mehr Museen und Galerien erkennen das Potential digitaler Erweiterungen und integrieren diese in die Gestaltung des Museumsbesuches. Beyoncés kleine Schwester zeigt mit ihrer digitalen Arbeit, was sonst noch so geht. Fraglich bleibt jedoch, ob sich die digitale Leinwand eher der Kunst oder der Selbstinszenierung zuschreiben lässt. Was meint ihr?

Die Ausstellung, die am 25. August startete, geht noch bis zum 22. Oktober.

Zur digitalen Leinwand.

Titelbild: @dani miller, flickr

Game of Thrones GIFs
Die Highlights der Serie in Minianimationen

Jubel, Trubel, Heiterkeit – das, kombiniert mit viel Schnee, Drama und Intrigen beschreibt so ziemlich genau, was die Kultserie ‘Game of Thrones‘ ausmacht. Nach lang ersehntem Warten der Fans, startete die deutsche Erstausstrahlung der 7. Staffel am 17. Juli – und jetzt? …ist das kurze Vergnügen auch leider schon wieder vorbei. Wir schauen daher noch einmal nostalgisch auf die viel zu kurze Staffel zurück und zeigen euch die Game of Thrones GIFs vom Künstler Eran Mendel, der pünktlich und ziemlich treffsicher zu jeder Episode ein „Highlight-GIF“ erstellt hat.

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*Wer es geschafft hat, sich alle Episoden bis zum Ende aufzusparen, sollte lieber noch etwas mit dem Lesen warten*

Mittelalter trifft auf Moderne

…und Fantasy auf Kunst: Schon während der 6. Staffel gab Eran Mendel seine GIFs an die Öffentlichkeit weiter. Der israelische Künstler hat es sich, unter Anderem, zur Aufgabe gemacht, die Kernaussage jeder einzelnen Folge in einer Minidauerschleife darzustellen. Da sich die Dramaserie nicht gerade durch fröhliche Ereignisse auszeichnet, wurden die Animationen auf eine eher leichte und lockere Art und Weise designet. So zeigt das GIF „50 Shades of Grayscale“, zusammenfassend für die zweite Episode der siebten Staffel, die Behandlungstherapie des von Grayscale (Grauschuppen) geplagten Ser Jorah Mormont (zugegebenermaßen ein Moment, bei dem sicherlich viele Fans kurz wegsehen mussten). Mendel jedoch hat es geschafft, den leicht ekelerregenden Augenblick lustig und modern zu verpacken.

Eran Mendel – Ep 02 „50 Shades of Grayscale

Spott im Austausch gegen Schwermut

Immer noch geschockt vom -mehr oder weniger- Tod des Drachen Viserion, kehrt mit dem GIF „Toying with the enemy“ eventuell doch ein kleines Schmunzeln in die Gesichter der Fans zurück. Während die Drachenmutter Daenerys selbstsicher auf den Erzfeind trifft, greift dieser zu drastischen Mitteln und erlegt eines ihrer „Kinder“. Ein dramatischer Moment für die Zuschauer, für Eran Mendel jedoch Grund genug, dem Tristen etwas mehr Ernstlosigkeit einzuhauchen.

Eran Mendel – Ep 06 „Toying with the enemy

Gekonnt verleiht Eran Mendel seinen Game of Thrones GIFs eine Prise Sarkasmus und Humor. Schließlich eröffnen sich nach Ausstrahlung der Fantasy-Serie oftmals große Diskussionsrunden, in denen viele nur so mit Emotionen um sich herum schmeißen und anscheinend schnell vergessen haben, dass es sich eben nur um eine Serie handelt.

HBO Art-Reihe

Der amerikanische Programmanbieter HBO (Home Box Office) selbst, bietet neben seinen zahlreichen künstlerischen Opponenten auch eine eigene Art-Reihe an – „Beautiful Death“. Ähnlich wie bei Mendel rekreiert der Künstler Robert Ball dabei ikonische Augenblicke der einzelnen Folgen.

Wir wollen mehr Game of Thrones GIFs!

Wer mehr von der GIF-Kunst sehen möchte, kann sich ja mal auf dem Dribble-, Facebook oder Instagram-Account von Eran Mendel oder aber bei uns umsehen. Gerüchten zufolge, soll die 8. Staffel erst gegen Ende 2018 ausgestrahlt werden – Grund genug, sich bis dahin anderweitig inspirieren zu lassen und sich so das Warten etwas zu verkürzen.

Frau schießt Selfie von sich. Regelungen auf der documenta

Selfies auf der documenta

Auch auf der documenta kommen Besucher nicht drum herum: Überall werden Fotos geschossen, überall sind Smartphonedisplays zu sehen. Eingefangen werden Selfies, Gruppenfotos und Kunstwerke für den nächsten Instagrampost. Man teilt die gesehene Kunst gerne mit seinen Freunden und möchte ihnen auch zeigen, dass man vor Ort ist: gebildet, hip und kunstaffin. Das will scheinbar jeder sein.

Der nächste Instagrampost von der documenta

Der Fotowahn kann durchaus den ein oder anderen Nerv derer Besucher rauben, die weniger an Instagram, Facebook und Co. interessiert sind. Besucher der documenta haben nämlich ständig das Gefühl, stehen bleiben zu müssen, um nicht durch die Bilder anderer zu laufen. Dabei stellt man sich schnell die Frage: Muss das sein? Können wir Kunst nicht besser wahrnehmen und auf uns wirken lassen, wenn wir sie erst einmal ansehen, ohne gleich darüber nachzudenken, ob sie „instatauglich“ sind oder nicht? Und: Darf man überhaupt Fotos auf der documenta machen?

Fotografieren auf der documenta: Was ist erlaubt?

Die ersten beiden Fragen sollte natürlich jeder für sich beantworten. Im Endeffekt ist Kunst etwas sehr Persönliches und sollte individuell wahrgenommen werden. Nur bei der Fotografieerlaubnis gibt es tatsächlich Einschränkungen. Laut documenta-Leitung darf in den Innenräumen nur ohne Blitz fotografiert werden und dass auch nur dann, wenn kein Schild das Gegenteil vorschreibt. Das Verbot kann schlicht von dem Besitzer des Kunstwerks ausgesprochen werden und sollte dringend respektiert werden. Die Rechte an den Bildern liegen übrigens immer beim Künstler oder dessen Erben. Die documenta hat damit erst einmal wenig zu tun.

Die letzten drei Wochen stehen bevor: Schnell noch hin!

Die Kunstausstellung geht in die letzte Phase. Jetzt sind es nur noch drei Wochen, in denen Besucher nach Kassel fahren können. Einige Skandale hat die documenta schon hinter sich. Kürzlich gab es wegen des Titels der Performance „Ausschwitz on the Beach“ der Künstler Franco Bifo Berardi und Sim Sampaio Furore. Der Vergleich sei makaber und geschmacklos sagten Kritiker, sodass diese kurzerhand abgesagt wurde. Auch der Veranstaltungsort in Athen hat ebenfalls für heiße Diskussionen gesorgt. Provokativ sei das Motto „Von Athen lernen“ hinsichtlich der Instabilität in Europa. Auch hierzu haben wir einen Artikel geschrieben. Etwas turbulent geht es bisher auf der documenta dieses Jahr zu, wir sind gespannt auf die nächsten drei Wochen und versorgen euch im Anschluss natürlich mit einem Fazit.