#btw 2017:
Digitaler Wahlkampf in Deutschland

Ein digitaler Wahlkampf wird durch einen Screenshot Facebookseite der Bundesregierung veranschaulicht

Der 24. September 2017 – Stichtag zur Bundestagswahl in Deutschland. Im Wahlkampf finden die Sozialen Medien dabei einen immer stärkeren Einzug. Diese haben auch während der amerikanischen Wahl in den Nachrichten immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Und am Ende standen wir vor einem überraschenden Ergebnis: Donald Trump wurde zum 45. Präsidenten der Vereinigten Staaten ernannt, wenn auch nur knapp. Was können wir auf den digitalen Kanälen der Parteien in Deutschland erwarten? Wird sich ein digitaler Wahlkampf entfachen? Der Trump-Schock ist noch groß, die Bundestagswahl nah – Anlass genug, um den Wahlkampf des amerikanischen Präsidenten kurz Revue passieren zu lassen.

Donald Trump: Wahlsieg durch Social Media-Aktivitäten?

Trumps Worte waren laut, emotional aufgeladen und provokant – und das vor allem im digitalen Raum! Er twitterte, postete und teilte, was das Zeug hielt. Die politischen Inhalte waren hingegen eher mau, die Wahlversprechen unrealistisch. Da stellt sich überspitzt die Frage: Hat sich Trump ins weiße Haus getwittert? In der Online-Kommunikation nahm der ehemalige Unternehmer jedenfalls kein Blatt vor den Mund. Er warf vor allem mit beleidigenden und übertriebenen Tweets, Hashtags und Facebook-Posts um sich. Dies waren nicht selten Trotzreaktionen aufgrund kritischer Stimmen. Kaum einer von uns konnte der Flut an Nachrichtenmeldungen darüber entgehen. Wenn Trumps Aussagen auch für Aufregung und Shitstorms sorgten, so erhielt er gerade dadurch eine immense Aufmerksamkeit. Ganz nach dem Motto: Schlechte Presse ist besser als keine Presse. Seine Beiträge wurden zahlreich geteilt und kommentiert, eine virale Mund-zu-Mund-Propaganda. Die Online-Präsenz sorgte somit auch offline für Gesprächsstoff.

Digitaler Wahlkampf: Denunzierung, Verschwörung, Fakenews

Eine entscheidende Rolle bei seinem Erfolgszug spielten auch diverse Denunzierungen politischer Gegner. Darunter waren in erster Linie natürlich der von Hillary Clinton und potentieller “Feinde”. Dafür nutzte er Fake-News und übte sich in Verschwörungstheorien. In einem dieser Vorwürfe, wettert er sogar gegen eben jene Medien, die ihm eigentlich als förderliche Lautsprecher und Plattformen dienen: „Wow, Twitter, Google and Facebook are burying the FBI criminal investigation of Clinton. Very dishonest media!“. Gleichzeitig inszeniert sich Donald Trump als Retter allen Übels. Seine Botschaft: #makeamericagreatagain. Ob der Online-Wahlkampf Donald Trumps ihm tatsächlich den kleinen aber entscheidenden Vorsprung ermöglichte, ist ungewiss. Die Resonanzräume, die er durch emotional aufgeladene Kommunikation eröffnete, legen eine Vermutung allerdings nahe. Ein Wahlkampf ohne das Netz dürfte für ihn schwieriger gewesen sein.

Digitaler Wahlkampf mit Facebook und Co.

Der amerikanische Wahlkampf hat gezeigt: Die Online-Kommunikation erhält auch in der Politik einen immer höheren Stellenwert. Ein digitaler Wahlkampf hat das Potential, den Ausgang einer Wahl entscheidend zu beeinflussen. Er kann sowohl die Partei selbst als auch die Gesellschaft pushen oder schädigen. Es geht (leider?) nicht mehr nur um Inhalte, sondern auch um den Gesamteindruck. Einzelne Figuren stehen im Fokus, die leicht zu Helden auserkoren werden können. Besonders Social-Media Profile ermöglichen eine individuelle Präsentation und Stilisierung von Personen. Politiker können sich modern und “volksnah” geben und so neue Zielgruppen erreichen. Insbesondere Digital Natives informieren sich zunehmend im Netz. Die elektronische Demokratie ist somit eine wichtige Ergänzung zu anderen Medien wie Print oder TV. Dementsprechend kämpfen die Parteien heute mehr denn je online und mit digitalen Mitteln um die Gunst der Wähler.

Bundestagswahl: Beobachtung des Online-Wahlkampfes

Wie wird der digitale Wahlkampf hierzulande ablaufen? Trumps Vorgehen ist – was die Erhöhung der Reichweite betrifft – beachtenswert. Doch wie gelingt es, die benötigte Aufmerksamkeit zu generieren, ohne dabei reißerisch zu werden? Welche Strategien verfolgen SPD, CDU, Die Grünen und Co. und wie reagieren die potentiellen Wähler?

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir uns die Websites und Social Media Profile der etablierten Parteien anschauen und ihre Aktivitäten beobachten. Dabei interessiert uns der jeweilige Online-Auftritt. Wird eher auf Optik oder Inhalt wert gelegt? Wer wird wie angesprochen? Wer nicht? Was sagen die User? Wie reagiert man auf einen Shitstorm? #Mutti oder #Zeit für Martin? Welcher Kanzlerkandidat zeigt die stärkere Präsenz? Und welche Dynamiken entwickeln sich im heißen Endspurt? – mit diesen und vielen weiteren spannenden Fragen, werden wir uns bis zur Wahl im September beschäftigen.

Es bleibt also spannend. Sobald wir wissen, wer die neue Führungsspitze Deutschlands bildet, können wir ein Fazit in Bezug auf den deutschen digitalen Wahlkampf ziehen. Welche Online-Strategien sind aufgegangen? Welchen Anteil am Erfolg haben die Aktivitäten im digitalen Raum möglicherweise gehabt? Ist die gewählte Partei auch in Sachen Social Media ein Vorreiter gewesen? Und was können wir daraus für die Zukunft mitnehmen?

 

Bild: @Bundesregierung (screenshot fb)

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