Berlinale Talents Talk:
Meinung, Freiheit und Politik in der Kunst

Mischa Leinkauf Maike Mia Höhne zum Artikelthema Berlinale Talents Talk: Meinung, Freiheit und Politik in der Kunst

Der Künstler Mischa Leinkauf spricht in einem Talk der Berlinale Talents über die Möglichkeiten in Berlin, künstlerische Freiheit und politische Meinungen. Eines seiner Projekte hat ihm nicht nur ein Einreiseverbot beschert, sondern hätte auch im Gefängnis enden können.

 

Hooligans und Bengalos

Grölende Fußballfans, laute Explosionen und dichter Nebel – mit diesen Bildern wird der Berlinale Talents Talk “Crossing Bridges: Reinventing You Art Form” mit Mischa Leinkauf eröffnet. Bei dem Video handelt es sich um die neueste Installation von Matthias Wermke und Mischa Leinkauf, namens “4. Halbzeit”. Darin thematisiert das Künstlerduo die zentrale Rolle von organisierten Fußballfans in sozialen Bewegungen. Wermkes und Leinkaufs  Repertoire reicht von Film über Performances bis zu Art Exhibition. Der Talk wurde von der Berlinale Shorts Kuratorin Maike Mia Höhne moderiert.

 

“Wer in Berlin aufgewachsen ist, hat so viele Möglichkeiten mit der Stadt und der Architektur umzugehen”

 

Schaukeln in Berlin

Zu Beginn erzählt Leinkauf von dem ersten Projekt, dass er zusammen mit Wermke im Jahr 2005 gestartet hat. In “Die neonorangene Kuh” ist ein Mann zu sehen, der an den verschiedensten Orten in Berlin, auf einer transportablen Schaukel schaukelt. Egal ob in der U-Bahn, dem Potsdamer Platz, dem BVG-Gebäude oder der Oberbaumbrücke – überall haben sie die Schaukel aufgehängt. “Wer in Berlin aufgewachsen ist, hat so viele Möglichkeiten, mit der Stadt und der Architektur umzugehen”, sagt Leinkauf. In all ihren Arbeiten ist Wermke der Mann vor der Kamera. Zu diesem Entschluss seien sie gekommen, da nur Leinkauf eine Kamera bedienen könne.

 

 

© Bettina Ausserhofer, Berlinale 2018

 

Luftige Höhen

2011 ist die Kanal-Installation “Entscheidungen” entstanden, in der sich Wermke in luftige Höhen begibt. Darin hängt er unter anderem an einem Kran und einer Brücke. Filme, Kunst und Installationen zu machen, gebe Leinkauf die Möglichkeit, eine Form der Freiheit zu behalten. Er gehe auch ohne Genehmigung an Orte, die nicht betreten werden dürfen. Dabei bestehe oft die Gefahr, festgenommen zu werden. Trotz “hohen Sicherheitsvorkehrungen” wird deutlich, dass Wermke und Leinkauf mit ihren Arbeiten Risiken eingehen und dabei auch politisch werden wollen. “Symbolic Threats” aus 2014 ist ein passendes Beispiel dafür.  

 

“Jeder hat uns gesagt: Macht hier in New York nicht die selben Sachen, die ihr in Berlin macht. Sie werden euch ins Gefängnis stecken oder auf euch schießen”

 

Terrorismus oder Kunst?

Die Idee zu “Symbolic Threats” sei bereits 2007 entstanden, als sie nach New York eingeladen wurden. “Jeder hat uns gesagt: Macht hier in New York nicht dieselben Sachen, die ihr in Berlin macht. Sie werden euch ins Gefängnis schicken oder auf euch schießen”. Diese Warnung hat die Künstler nicht davon abgehalten, die zwei Flaggen auf der Brooklyn Bridge durch weiße Exemplare auszutauschen. Ihnen sei nicht bewusst gewesen, was sie damit auslösen würden. Die amerikanischen Medien haben die Aktion als Akt der Provokation und als terroristische Bedrohung eingestuft. Plötzlich sind die medialen Reaktionen ungeplant zum Teil des Projekts geworden.

 

 

© Bettina Ausserhofer, Berlinale 2018

 

Kritik an amerikanischer Politik

Wären Wermke und Leinkauf nicht sofort wieder nach Berlin zurückgeflogen, hätte ihnen ein Jahr Gefängnis gedroht. Der Austausch der Flaggen sei offensichtlich Kritik an der amerikanischen Politik gewesen, erklärt Leinkauf. Ganz ungestraft sind sie dann doch nicht davon gekommen. Kurz nach ihrem Projekt folgte ein Einreiseverbot. “Die Überwachungskameras haben die Aktion besser aufgezeichnet als wir selbst”. Kunst solle nicht nur aus kommerziellen Zwecken genutzt werden, sondern eine starke Meinung ausdrücken und auf die Realität eingehen. Auch er müsse von etwas leben, aber Leinkauf hat sich dafür entschieden, mit Institutionen zusammenzuarbeiten, die seine Arbeit zu finanzieren.

 

 

Titelbild: © Bettina Ausserhofer, Berlinale 2018

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