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No strings attached: Wie Dating-Apps unsere Beziehungsfähigkeit (nicht) fördern

“Die Liebe ist tot. Sie wurde durch neue emotionale Formen ersetzt.”, schreibt Eva Illouz, eine israelische Soziologin, im Hinblick auf das Miteinander im digitalen Zeitalter. Ob bei Tinder, Lovoo oder Friendscout: Die Meinungen über die Entwicklung der Beziehungsfähigkeit der modernen Gesellschaft polarisieren. Die einen verkünden euphorisch ein neues Zeitalter der vielen, schönen, kurzen Momente mit verschiedenen Partnern, die anderen beklagen eine Kommerzialisierung des größten Gefühls der Welt. Wer heute über Liebe spricht, bediene sich der Sprache der Marktwirtschaft, wägt zwischen Optionen ab und sucht nach dem emotionalen Mehrwert.

Wie in jedem anderen sozialen Netzwerk muss sich der Nutzer von Dating-Apps selbst segmentieren und in eine Schublade stecken – und macht sich damit vergleichbar; die Emotion gerät somit zu einer Ware. Der User muss sich präsentieren, sich selbst mit Labels versehen und in ein Raster vorgegebener Profileigenschaften einordnen. Erst dann kann es zu einem Match mit einer anderen Person kommen – dies erfordert allein schon der Algorithmus des jeweiligen Online-Dienstes. Experten bezeichnen die jungen Generationen inzwischen als Gefühlsunternehmer, für welche die Liebe zu einem berechenbaren Spiel oder ein kalkuliertes Shopping-Erlebnis geworden ist. Hin und wieder ergeben sich jedoch langfristige Beziehungen. Die Pärchen verfallen dann paradoxweise wieder in eine Argumentation der Romantik: Man habe sich doch irgendwie über die Weiten des Internets gefunden. Der Match wird mystifiziert. Dass es letztendlich ein Algorithmus war, welcher beide Personen zusammengeführt hat, fällt den meisten schwer zu akzeptieren.

Im Zeitalter der Romantik (welche aus historischer Sicht ebenfalls eine moderne Idee ist) könnte man meinen, dass sich niemand gerne in eine Schublade stecken lassen möchte. Die Systematisierung der Persönlichkeit funktioniert dennoch so gut, weil sie dem Narzissmus schmeichelt und gleichermaßen den Nutzer von seiner Unsicherheit befreit. Denn, und das scheint ein ganz entscheidender Punkt des Siegeszuges der Dating-Apps zu sein, der Nutzer muss keinerlei Verantwortung für die Beziehung übernehmen. Er muss weder seinen Mut zusammennehmen und jemanden ansprechen, noch muss er irgendwelche verbindlichen Versprechen machen oder gar in die Beziehung investieren. Stattdessen reicht ein Klick oder ein Wischen mit dem Finger, um zu sagen “I like you” – wenn das Gegenüber ebenfalls mag, dann gibt es einen Match.

“No strings attached” ist ein Motto, welches die wenigsten über ihr Leben deklarieren, nach welchem aber dennoch viele handeln. Eine Studie der Hochschule Fresenius in Köln ergab, dass die Mehrheit der User die App Tinder zum Zeitvertreib, unverbindlichen Amüsement und zur Erzielung von Bestätigung nutzen. Weder Romantik, noch die Suche nach einer ernsthaften Beziehung stehen im Zentrum der Nutzung. Vielmehr geht es um den Konsum. Das Ego diktiert die Intention. Der Erfolgsautor Michael Nast fasst das Lebensgefühl der Tinder-Nutzer in seinem Text “Generation Beziehungsunfähig” zusammen und meint: “Unser gesamtes Wertebewusstsein ist komplett verzerrt, wir sind eine Generation von Selbstdarstellern, auch vor uns selbst. Wir arbeiten die ganze Zeit an dieser Fassade, in den sozialen Netzwerken stellen wir uns nur in Höhepunkten dar. Durch dieses Perfektionsstreben sind die Leute extrem unzufrieden mit sich selbst.” Es scheint, dass die Gewinner in der Gesellschaft diejenigen sein werden, welche über Differenzen hinweg sehen,  zufrieden mit sich selbst und offen für den Unterschied sein können – auch wenn die Beziehung mal herausfordernd ist.

Berlin mit Hund – ein Wintermärchen

Von der digitalen Kultur zur interaktiven Map. NeoAvantgarde hat sich dieses Mal dem besten Freund des Menschen gewidmet und eine Karte mit den schönsten Spazierstrecken für Berliner Hundebesitzer erstellt. Anhand der Struktur des Berliner U-Bahnnetzes wird ein umfangreicher Überblick über mögliche Auslaufstrecken gegeben. Mit einem Klick können zusätzliche Informationen zu den Locations aufgerufen werden wie eine mögliche Leinenpflicht oder die Anbindung der Auslaufgebiete an die öffentlichen Verkehrsmittel. Gleichzeitig werden Plätze angegeben, die man mit Hund leider nicht betreten darf.

In verschiedenen Ansichten zeigt die Map zudem alle Anlaufstellen für Tierpensionen, Hundehotels und Tierheime. Und auch Hundeschulen und Freibäder, in denen die Vierbeiner willkommen sind, können mithilfe der Map ausfindig gemacht werden. So erkennen Hundebesitzer auf einen Blick, welche Ausflüge sie in ihrer Nähe mit Hund unternehmen können. Zu finden ist die Map hier und auf verschiedenen Webseiten für Hundeliebhaber.

The Internet of Things

Der Technologe Kevin Ashton benutzt 1999 als Erster den Begriff „Internet of Things“ (IoT). Folgende Idee verbindet er damit: Ashton geht davon aus, dass die Welt, in der wir leben, unsere Gesellschaft und Ökonomie von Dingen abhängen. Das Internet jedoch sei von uns so gestaltet, dass es nur Informationen und Ideen speichern und verbreiten kann, die wir ihm zuführen. Ein Internet, dass uns wirklich zugutekommen würde, so Ashton, sei hingegen eines, dass selbstständig Informationen sammelt – und zwar über Dinge. Dieses „Internet der Dinge“ könne unseren Alltag revolutionieren, indem es uns hilft, unsere alltäglichen Ressourcen zu überprüfen und zu regulieren, uns über Reparaturen informiert, selbstständig Optimierungen vornimmt und uns Arbeitsschritte abnimmt.

Was ist das Internet of Things?

Das Internet of Things bezeichnet die Vernetzung verschiedener digitaler Anwendungen. Dazu zählen unter anderem Smart Homes und Wearables. Anders als bei der Kommunikation zwischen verschiedenen Internetnutzern geht es beim Internet of Things vielmehr um die Kommunikation von Geräten untereinander. Eine Folge dieser Entwicklung ist die allmähliche Ersetzung des einfachen Computers durch andere Geräte. Neben Tablets und Smartphones gehören dazu vor allem alltägliche Gegenstände, die auch als Smart Devices bezeichnet werden. Dabei hat jeder Gegenstand eine eigene URL, ist also durch eine Internetadresse abrufbar und kann auf diesem Weg mit anderen Geräten verbunden werden. Ein Beispiel wäre hier ein über eine App gesteuerter Wasserkocher. Das gemeinsame Ziel: Die Anwendungen sollen das Leben noch einfacher gestalten. Je nach Ausrichtung werden dabei Ressourcen, Zeit und Geld gespart.

Schleichende Bekanntheit

Viele Gegenstände, die wir heute bereits nutzen, zählen zum Internet of Things. Dazu gehören smarte Hausgeräte aber auch Wearables wie Sportarmbänder, Fitness Tracker und Smart Watches. Dennoch kommt eine Umfrage zu dem Ergebnis, dass das Internet of Things nur wenigen ein Begriff ist. 88 Prozent der Deutschen können dem Wort derzeit noch keine klare Bedeutung zuordnen. Aber auch wenn sich der Begriff bisher nicht etablieren konnte, gewinnen Smart Homes, die die automatische Steuerung von Heizung und Beleuchtung ermöglichen und auch smarte Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, Mikrowellen und Waschmaschinen einschließen können, zunehmend an Bedeutsamkeit. Das Internet of Things ist darüber hinaus aber auch im Logistik- und Gesundheitsbereich längst angekommen, wo es vor allem für Prozesssteuerungen eingesetzt wird.

Eine wichtige Voraussetzung für das Internet of Things sind sogenannte Application Programming Interfaces (API). Diese ermöglichen die Übertragung von Daten zwischen Apps und Geräten. So ist es möglich, dass eine Wetterstation die Informationen zum aktuellen Niederschlag an eine „smarte“ Marquise schickt, die sich daraufhin dem Wetter entsprechend automatisch ein- oder ausfährt.

Leichtes Ziel für Hacker

Neben den vielen Vorteilen zeigen sich jedoch auch erhebliche Risiken. Erst im Oktober dieses Jahres hackten Unbekannte mehrere Internetseiten und legten diese für Stunden lahm – darunter große Anbieter wie Amazon und Netflix. Der Sicherheitsexperte Bruce Schneier, der im November vor der Kommission für Energie und Handel des US-Kongresses sprach, sieht darin noch einen harmlosen Eingriff. Gefährlich könne es jedoch werden, wenn es Hackern möglich wird, mit ihren Angriffen das Leben von Menschen zu bedrohen. Wenn Autos und Flugzeuge am Internet hängen, könne das fatale Folgen haben. Auf viel banalerer Ebene sind auch Szenarien wie ein Hausbrand durch eine sich selbst überhitzende Kaffeemaschine denkbar.

Bei den meisten bisherigen Angriffen handelte es sich um sogenannte Distribiuted-Denial-of-Service-Angriffe, kurz DDos. Bei dieser Art von Angriff werden massenhaft Anfragen an einen Server geschickt, der daraufhin überlastet zusammenbricht. Bei den Geräten, die die Anfragen senden, handelt es sich meist um ebenfalls gehackte Computer oder andere Devices wie IP-Kameras. Diese und andere Geräte, die zum Internet of Things gehören, sind häufig nur unzureichend geschützt. Standard-Nutzernamen und banale Sicherheitslücken erleichtern den Zugriff auf die Geräte und deren Missbrauch. Durch die Vielzahl der verkauften IoT-Geräte steigt dementsprechend das Sicherheitsrisiko. Die Hersteller kümmert dieses Problem bisher kaum. Zu überlegen ist nun, ob die Politik einschreiten und Sicherheit garantieren muss. Vorstellbar ist, dass andernfalls in Zukunft Privatseiten, die nur über eine geringe Serverkapazität verfügen, mithilfe ungeschützter IoT-Geräte massenhaft lahmgelegt werden – eine neue Art der Zensur im Netz.

Bild: @pixabay

YouTube: Ein Millionengeschäft

Seit rund zehn Jahren gibt es die Internetplattform YouTube, auf der täglich unzählige Videos aus unterschiedlichsten Bereichen hochgeladen, angesehen und kommentiert werden. Was als überschaubares Projekt für kreative Köpfe begann, hat sich über die Jahre zum Schauplatz für ein Milliardenpublikum entwickelt. Manche Kenner der Branche vertreten die Meinung, dass klassisches Fernsehen in fünf Jahren überflüssig geworden sein wird. Immerhin verzeichnet YouTube pro Tag mehr als eine Milliarde Nutzer. Kein Fernsehsender der Welt kann mit diesen Zahlen mithalten! Doch YouTube hält nicht nur eine schier unbegrenzte Unterhaltung für seine Konsumenten bereit. Die Plattform hat im Laufe der Zeit auch eine neue Berufsgruppe hervorgebracht: die YouTuber.

Vorgestellt: Der YouTuber

YouTuber sind junge Menschen, die das Erstellen und Hochladen von Videos zu ihrem Lebensinhalt gemacht haben. Ihre behandelten Themen sind vielfältig – von Beauty und Lifestyle über Videospiele bis hin zu Politik und Wirtschaft findet man alles, was als informativ und unterhaltsam erachtet werden kann. Die Zielgruppe der YouTuber ist begrenzt. Bei den über 25-Jährigen kennt sie kaum einer, denn sie sprechen hauptsächlich die „digital natives“ an. Doch gerade weil die Zuseher vor allem Jugendliche sind, haben YouTuber oft eine Vorbildfunktion. Die Fans haben ein großes Interesse an ihren Idolen und verfolgen deren Leben auf Schritt und Tritt. Dabei ist es zum Teil zweitrangig, was YouTuber in ihren Videos zeigen. Egal, ob sie ein Schminkprodukt, ihre Katze oder die Tageszeitung in die Kamera halten – die Person an sich steht im Mittelpunkt.

Auf Augenhöhe – YouTuber und ihre Fans

YouTuber distanzieren sich bewusst von Prominenten im herkömmlichen Sinne und betonen immer wieder, ganz normale Menschen zu sein. Es geht ihnen um authentisches Auftreten und die Nähe zu ihren Fans, von denen sie nicht als Stars, sondern als Freunde gesehen werden. Der aktive Austausch ist wichtig. YouTuber reagieren deshalb regelmäßig auf die Kommentare unter ihren Videos. Auch der persönliche Kontakt wird gefördert. Seit 2010 finden jährlich die sogenannten Videodays statt, bei denen YouTube-Stars ihre Fans treffen, Selfies machen und Autogramme geben.

Aber auch eine gewisse Distanzierung ist wichtig. YouTuber müssen sich gut überlegen, wie viel sie von ihrem Privatleben preisgeben. Die Webvideoproduzentin Dagi Bee beispielsweise erzählt in einem Interview, dass sie ihr Handy vor allem abends auf lautlos stellt. Twittert sie einmal „gute Nacht“, reagieren an die 5000 Fans darauf.

Geldquelle YouTube

Schon längst sind es nicht mehr nur die Werbeeinnahmen, aus denen YouTuber ihre Einnahmen beziehen. Für 1000 Klicks bekommen sie in etwa einen Euro. Immer wieder wird YouTubern deshalb vorgeworfen, reines Clickbaiting zu betreiben, also nur auf Reichweite und Klicks aus zu sein. Um von diesem Beruf leben zu können, müssen monatlich immerhin mindestens eine Million Klicks erreicht werden. Reißerische Videotitel und umstrittene Inhalte unterstützen die Klickgenerierung, doch leider geht dies oft auf Kosten der Qualität. Lukrativer als Werbeeinschaltungen sind Affiliate-Links, welche die Zuseher zu den Seiten großer Online-Händler führen. Kommt es über diese Links zu einem Kauf, erhält der YouTuber einen gewissen Betrag. Darüber hinaus bewerben manche YouTuber in ihren Videos eine eigene Kollektion. Ein- oder mehrmalige Fernsehauftritte steigern zusätzlich Einkommen und Bekanntheit. Darüber hinaus sind YouTuber immer wieder auch in den Kanälen anderer Webvideoproduzenten zu Gast. Konkurrenzdenken gibt es also kaum, dafür bieten solche Gastauftritte die Möglichkeit, neue Fans zu sammeln und somit den Verdienst zu steigern. Die Spitzenverdiener im deutschen Netz kommen monatlich auf eine sechsstellige, jährlich sogar auf eine siebenstellige Summe. Wie viel es wirklich ist, darüber will keiner von ihnen offen sprechen.

Wie Unternehmen profitieren

Die Werbung vor und nach den Videos wird von den Usern häufig als lästig empfunden und meist durch den Adblocker umgangen. Weit effektiver ist für Unternehmen die Produktplatzierung. Sie verpflichten YouTuber als Werbeträger und zahlen ihnen zwischen 40 und 80 Euro auf 1000 Klicks dafür, dass verschiedene Produkte in die Kamera gehalten und beworben werden. Nicht selten schenken Unternehmen YouTubern die Produkte oder sogar ganze Urlaube, solange die Online-Stars alles auf Video festhalten und ihren Millionen von Fans im Netz zur Verfügung stellen. Diese Art der Werbung ist meist nicht transparent, wird von den Usern aber im Allgemeinen eher akzeptiert als direkte Werbeeinschaltungen.

Fazit

Der Hype um die YouTuber hat sich in den letzten Jahren rasant gesteigert. Inzwischen gibt es auch im deutschsprachigen Raum viele junge Menschen, die hauptberuflich Videos produzieren, sich aber nicht als typische Promis sehen. Der Kontakt und die Nähe zu den Fans sind wichtig, das Privatleben wird oft bis ins letzte Detail offen gelegt. Jede Entscheidung muss gut überlegt sein, wenn mehrere Millionen anschließend ihre Meinung dazu abgeben. Ob YouTuber darauf aus sind, Videos mit echtem Mehrwert für ihre Fans zu produzieren oder lediglich von Profitgier geleitet werden, sei dahingestellt. Fakt ist, dass durch die Kommerzialisierung von YouTube ein Großteil der ursprünglichen Kreativität verloren gegangen ist.

Foto: @pixabay

Berlin Challenge: 24 Stunden kostenlos

Als eine der wenigen Ur-Berlinerinnen, die auch tatsächlich noch in Berlin lebt, kenne ich die Stadt vermutlich nicht mal halb so gut, wie die unzähligen Touristen, die voller Elan jedes Eckchen meiner geliebten Hauptstadt erkunden. Darum habe ich es mir zur ultimativen Herausforderung gemacht, in 24 Stunden so viel wie möglich in meiner Stadt zu erleben, ohne dabei Geld auszugeben. Gesagt getan – mein Wecker klingelt Samstag bereits um 6 Uhr früh. Müde mache ich mich auf den Weg zum Kreuzberg im Viktoriapark, von wo aus ich überraschenderweise einen atemberaubenden Ausblick über Berlin habe. Zugegeben, ich weiß nicht, wann ich das letzte Mal einen so schönen Start in den Tag hatte! Gut gelaunt schlendere ich weiter zum Wasserfall, der direkt vom Berg fließt. Ich bin jetzt schon völlig begeistert, was Berlin außerhalb meines gewohnten Kiezes zu bieten hat und mache mich euphorisch auf den Weg zum nächsten Highlight meiner Tour – dem David Bowie Haus. Hero´s  von Bowie hat definitiv meine Jugend geprägt und lässt mich nostalgisch wie ein alter Groupie seine Wohnung von außen betrachten. Schockverliebt in das Gefühl, welches dieses alte Haus bei mir auslöst, nehme ich mir fest vor nochmal herzukommen aber da ich heute gegen die Zeit spiele, mache ich mich schon wieder auf zur nächsten Sehenswürdigkeit. Mittlerweile ist es um neun Uhr, was an jedem anderen Samstag meine gewohnte Aufstehzeit wäre. Da die Daimler Contemporary Kunstausstellung erst gegen elf Uhr öffnet, entscheide ich mich spontan dazu, der Arminiusmarkthalle in Berlin Moabit einen Besuch abzustatten. Das imposante Bauwerk von Blankenstein und Lindemann zieht mich nicht nur aufgrund der Größe in seinen Bann, sondern vielmehr bin ich von der Idee begeistert, dass hier ein Ort für kulinarische und kulturelle Austauschmöglichkeiten geschaffen wurde. Mit einem frisch gebrühten Kaffee geht es weiter zum Potsdamer Platz, wo ich einen kurzen Blick in die aktuelle Ausstellung der Daimler Kunstaustellung werfe. Die dortige Kunst wechselt alle drei Monate und bietet Kunstinteressierten einen Einblick in immer neue Themenschwerpunkte. Bevor ich mir überlege, wohin es mich jetzt verschlägt, stelle ich fest, dass der halbe Tag bereits um ist und ich wahrscheinlich mehr von Berlin gesehen habe, als im vergangenen Jahr. Wahnsinn! Voller Elan mache ich mich auf zur Eastside Galerie, von wo aus ich einen Spaziergang entlang der Mauer, die parallel zur Spree verläuft, mache. Um mich vom ganzen Laufen ein wenig zu erholen, setze ich mich am Alexanderplatz in den 100er Bus und fahre bis zur Endstation am Zoo. Die rund 60-minütige Fahrt entlang der wichtigsten Sehenswürdigkeiten bietet eine super Alternative zu teuren Sightseeing-Touren. Da mein nächster Halt der Tränenpalast ist, fahre ich mit dem 100er Bus wieder zurück zur Friedrichstraße. Angekommen am Palast, schaue ich mir die rührende Dauerausstellung über die Grenzerfahrungen der Deutschen an und mir wird erst jetzt wieder bewusst, woher der Palast seinen Namen hat. Passend zur Stimmung besuche ich anschließend die nahegelegene Gedenkstätte der stillen Helden, bevor ich mich zum Volkspark Humboldthain aufmache. Dort angekommen, erwartet mich ein anstrengender Aufstieg aber der Blick vom Flakturm auf mein wunderschönes Berlin ist es wert. Nach einer kurzen Verschnaufpause geht es direkt weiter zum Salsa Workshop im Red Ballon. Zwar muss ich sagen, dass der Tag mich ganz schön müde gemacht hat, jedoch habe ich noch immer so viel Adrenalin von meiner Überdosis Berlin, dass ich nach dem Workshop meinen Tag bei einem der vielen kostenlosen Open-Air-Festivals ausklingen lasse. Punkt sechs Uhr falle ich völlig erschöpft aber glücklich ins Bett. Am nächsten Morgen stelle ich fest, dass ich verliebt bin – verliebt in meine alte und neue Heimat Berlin.

Bild: pixabay.

Social Media und der ewige Vergleich

Wer hat die schönere Wohnung? Wer den spannenderen Job? Wer trägt die trendigsten Outfits? Und überhaupt – wer ist der Glücklichere in seinem Leben? Täglich stellen wir uns selbst mehrmals unserem Umfeld gegenüber. Wir vergleichen uns – mit Freunden, der Familie, oder einem wildfremden Menschen in der U-Bahn.

Warum wir uns vergleichen wollen

Das ist natürlich. Und eigentlich (wobei die Betonung hier eindeutig auf diesen zehn Buchstaben liegen sollte) auch sinnvoll und wichtig für unsere eigene Entwicklung. Nicht umsonst stellt Festinger in seiner Theorie zum sozialen Vergleich fest, dass wir diese Art von Gegenüberstellung benötigen, um uns selbst als Individuum von der Welt abzugrenzen und zu definieren. Also vergleichen wir bereits im Kindesalter munter darauf los. Was relativ harmlos in einem stark begrenzten Umfeld beginnt – wer hat das bessere Pausenbrot, wer darf länger Fernsehen – steigert sich im Laufe unseres Lebens zu weitaus komplexeren Vergleichsprozessen. Die Zahl der Menschen, die an unserem Leben Teil haben, wächst und auch das Bedürfnis nach Orientierungspunkten wird immer größer. Klingt kompliziert? Es geht noch komplizierter. Gerade mit den sozialen Medien gelangt das Vergleichen auf ein komplett neues Level.

..es manchmal besser sein lassen sollten

Im Büro. Der Tag war bis jetzt wenig spektakulär, aber eigentlich ganz okay. Die meisten Aufgaben sind abgearbeitet, die Kollegen sind nett. Zeit für einen Kaffee.. und ein bisschen Instagram. Während wir an einem Keks knabbern, schieben sich die ersten perfekt ausgeleuchteten und gefilterten Bilder durch unseren Feed. Palmen und Meer von einer flüchtigen Bekannten, die gerade ihr Sabbatical in Costa Rica verbringt, Blumenarragements aus der Wohnung der Nachbarin, dutzende Fashionblogger in ihren neusten Designer Teilen. Und schon beginnen wir die Tatsache, dass wir arbeiten müssen, zu hassen, fragen uns, wann wir das letzte Mal in den eigenen Wänden überhaupt Staub gewischt haben und zupfen verschämt an unserem H&M Pullover aus der letzten Saison. Abwärtsgerichteter Vergleich – so nennt der Soziologe dieses Phänomen. Wir stellen uns Menschen gegenüber, die uns augenscheinlich in einem bestimmten Aspekt unseres Lebens überlegen sind. Und dieses Gefühl der Unterlegenheit führt zu einem Potpourri verschiedenster Emotionen – meist eher unangenehmer Art. Vor allem Neid folgt oft unmittelbar auf die mediale Selbstdarstellung Anderer. Interessanterweise haben wir mit diesem Gefühl auch dann zu kämpfen, wenn der Grund für diese Unterlegenheit kaum Bedeutung für das eigene Selbstbild hat. Das besagt zumindest eine Studie zum Thema Neid von Jan Crusius und Thomas Mussweiler der Universität Köln. Eigentlich haben wir uns in unserer Wohnung auch ohne Blumen immer sehr wohl gefühlt, aber die Tatsache, dass andere in einem wahr gewordenen Interior Traum leben, macht uns dann eben doch neidisch. In einer weiteren Studie nahmen Grace Chou und Nicholas Edge von der Utah Valley Universität das Phänomen des Vergleichs auf sozialen Plattformen genauer unter die Lupe. Und auch sie stellten fest, dass Unzufriedenheit proportional zum steigenden Nutzen – in diesem Fall von facebook – wächst. Besonders Nutzer mit vielen und ihnen kaum bekannten virtuellen “Freunden” klagten über eine Ungerechtigkeit des Lebens.

..und trotzdem nicht damit aufhören können.

Und eben diese Tatsache trägt konkret zur Problematik bei. Das Umfeld, mit dem wir uns vergleichen können, wird immer größer. Wo wir sonst nur das Outfit unseres einen, besonders modebewussten Freundes bewundern konnten, bekommen wir heute eine ganze Schar wunderbar angezogener Menschen frei Haus auf unser Handy oder unseren PC. Und nicht nur dieses “Überangebot” an Vergleichsmöglichkeiten ist es, das uns zu schaffen macht. Von einem einzigen Bild schließen wir auf ein komplettes Leben. Dass dieser Schnappschuss womöglich geplant, aufwändig durchgeführt und noch aufwändiger retuschiert wurde, ist uns klar. Und auch, dass die unschönen und langweiligen Aspekte des Lebens auf sozialen Plattformen keinen Platz finden, wissen wir.Aber genau das ist der springende Punkt: wir wissen das – und machen trotzdem weiter.

Bild: Milada Viderova, Unsplash

Wir stellen vor: Philipp Baer und die Fotografie

Weihnachten steht vor der Tür und somit auch das obligatorische und unausweichliche Foto vor dem Baum. Zauberhaft glitzern die Kugeln, warm schimmern die Lichter, die Kerzen flackern und tauchen alles in eine gemütliche und besinnliche Atmosphäre. Die Familie stellt sich auf, ein bisschen hin und her Gerutsche und Gezappel, alles steht. Das Festtagsgrinsen wird aufgesetzt und während man sich in Gedanken schon über ein aktuelles Porträt mit allen Lieben freut, klickt die Kamera. Perfekt!

Ein paar Wochen später dann die Ernüchterung: Die Abzüge der Fotos sind da. Papa hat die Augen zu, beim Rest der Rasselbande sind sie vom Blitz ganz rot. Irgendwie sieht das ganze so insgesamt auch ziemlich verschwommen aus und überhaupt, warum schafft man es nie, die warme Atmosphäre der Lichter einzufangen? In einem der neusten E-Books der NeoAvantgarde Redaktion nimmt uns der Fotograf Philipp Baer mit auf den Weg zum perfekten Familienfoto. Und perfekt bedeutet für ihn nicht nur, dass alle Beteiligten auch wirklich die Augen geöffnet haben. Er selbst liebt die Herausforderung, den Menschen in seiner Einzigartigkeit mit der Kamera festzuhalten und auf einem Bild Atmosphäre und Persönlichkeit in Einklang zu bringen. Aus seinem großen Erfahrungsschatz teilt er im E-Book zur Familienfotografie nun einige einfach umzusetzende Tricks und Kniffe. Er erklärt unter anderem, wie wichtig die passenden Suche nach einer Location und einem schönen Hintergrund ist, wie man dynamische Bilder am besten einfängt oder man mit unterschiedlichen Perspektiven spielt.  

Neben rein technischen Tipps findet man auch verschiedene Ansätze, eine möglichst entspannte und lockere Atmosphäre zu schaffen. Denn in seinen Augen ist einer der wichtigsten Voraussetzungen für ein gelungenes Portrait, dass sich alle Beteiligten wohlfühlen. Nur auf diese Weise kann ein natürlicher und unbefangener Moment für die Ewigkeit festgehalten werden.

Wer neugierig geworden ist, klickt sich einfach zum kostenlosen E-Book von NeoAvantgarde weiter.

Trennungen online oder: Wie wir zu digitalen Masochisten wurden

Den ultimativen Trennungs Grusel liefert uns WhatsApp mit den kleinen blauen Häckchen frei Haus auf das eigene Smartphone. Ob dieses Tool nun generell praktisch ist oder nicht lassen wir hier einmal außen vor – ist man jedoch frisch getrennt und hat in einem Anflug von Sehnsucht dem Ex-Partner getextet, kann diese Funktion zum wahren Folterwerkzeug werden. Hat er es gelesen? Ist er online? Im Zeitalter von Social Media werden wir mit dem Beenden einer Beziehung zu digitalen Masochisten. Und wir toben uns auf allen erdenklichen Kanälen aus. So werden fleißig der Instagram Account beobachtet und die Facebook Timeline studiert. “Lass uns Freunde bleiben” bekommt im digitalen Zeitalter eine ganz neue Bedeutung. Aus der abgedroschenen Phrase ist eine Grundsatzfrage geworden: In wieweit wollen wir unser Leben online mit dem Ex Partner weiter teilen?

Warum wir uns gerne selbst quälen..

Für immerhin jeden dritten Deutschen ist die Antwort klar: Social Media wird weiterhin genutzt, um einen Einblick in das Leben des oder der Verflossenen zu behalten. Das besagt zumindest die Studie eines der größten Online Portale zur Partnervermittlung. Laut den Verhaltensforschern Joe Walther und Stephanie Tong, erhoffen sich die frisch Getrennten hier vor allem Aussagen zum aktuellen Beziehungsstatus der Ex Partner, sowie generelle Informationen aus deren Leben. Grund für das Beobachten der digitalen Tätigkeiten, ist meist die große Frage nach dem “wieso”. Die Hoffnung nach einer Reduzierung der mit der Trennung einhergehenden Unsicherheit, scheint für viele eine stark treibende Kraft zu sein. Dabei ist das Aufrechterhalten der Beziehung online meist kontraproduktiv. So belegt eine Studie der britischen Sozialwissenschaftlerin Tara C. Marshall, dass sich der Heilungsprozess nach einer Trennung um das doppelte verlängern kann, wenn man ausschließlich in der realen Welt den Kontakt komplett abbricht. Denn: Die Selbstdarstellung im Netz gaukelt meist eine weitaus attraktivere Realität vor und schürt unschöne Gefühle, wie Neid und Eifersucht. Da dies ja nun auch nichts wirklich Neues ist, bleibt es dennoch fraglich, warum wir uns das digitale “Stalking” nach einer Trennung überhaupt so gedankenlos antun.

.. und was wir dagegen tun können

Womöglich liegt es einfach an der mangelnden Erfahrung. Nicht mit Trennungen an sich – denn diese gehören zum Leben dazu – sondern viel mehr mit der neuen Ebene, auf der sich diese nun abspielen. Vorbei die gute alte Zeit, in der man beim Entdecken des Ex Partners einfach die Straßenseite wechseln und sich im nächsten Hauseingang verkrümeln konnte. Oder man gemeinsame Erinnerungen einfach in eine Kiste packen und in der hintersten Ecke verstauen konnte. Heute gibt es mehr digitale Andenken, als wir früher analoge in einem Papierkorb hätten verbrennen können. Doch was stellen wir mit diesen Zeugen der vergangenen Liebe an? Und wie positionieren wir uns im Netz unseren Verflossenen gegenüber? Findige Unternehmer haben genau hier eine Marktlücke erkannt. So ist es möglich mit “Block your Ex” den eigenen Internetbrowser von eben diesem frei zu halten und die App “Drunk Dial” lässt erst eine Matheaufgabe lösen, bevor es möglich ist, den oder die Verflossene womöglich in unzurechnungsfähigem Zustand anzurufen. Auch große Konzerne haben das Problem bereits erkannt und legen hinsichtlich dieses Problems in ihrer Benutzerfreundlichkeit nach. So ist es möglich, bei Twitter den Tweet ausgewählter Personen für eine gewisse Zeit stumm zu schalten und auch Facebook bietet seit Neustem eine Trennungsfunktion an. Diese blockiert Nachrichten des Ex-Partners im Newsfeed und entfernt mit ihm markierte Bilder oder Beiträge aus der eigenen Timeline. Diese kleinen Helferlein sollen also das Ende einer Beziehung schmerzfreier und unkomplizierter gestalten.

Doch egal, ob technisches Hilfsmittel oder nicht: Letzten Endes ist und bleibt es – wie auch in der Vergangenheit – unsere eigene Entscheidung, wie wir mit einer Trennung umgehen können und auch wollen. Und das die Zeit irgendwann alle Wunden heilt oder zumindest vernarben lässt, gilt Gott sei Dank auch in Zeiten von Facebook, Instagram und Co.

Foto: flickr.

Geliehene Musik – geliehener Geschmack?

Musikalisches Konsumverhalten erfährt seit der Einführung und Etablierung des Musikstreamings einen drastischen Wandel. Unterschiedlichste Anbieter erschließen sich einen komplett neuen Markt und haben den Genuss von „gemieteter“ Musik nicht nur einfacher, sondern auch salonfähig gemacht. Über das Internet bietet sich eine fast unerschöpfliche Quelle an Künstlern, Alben und Genres, auf die jederzeit, überall und kostengünstig zugegriffen werden kann. Doch wie weit berührt und formt ein derartiges Konsumieren den individuellen Musikgeschmack?

Musikstreaming – ein Freiheitsgewinn?

Befürworter des Streamings sehen in dieser Art des Musikgenusses ganz klar einen immensen Vorteil. Durch den Zugriff auf einen derartig umfangreichen Pool an musikalischen Werken schaltet sich das Phänomen der Knappheit aus. Wo früher noch Plattenfirmen bestimmten, was auf dem Markt veröffentlicht wird oder Tonträger unbekannter Künstler als Raritäten gehandelt wurden, gibt es heute kaum noch Einschränkungen. Musik ist für jeden Nutzer gleichermaßen und unerschöpflich verfügbar und kann verschwenderischer denn je genossen werden. Beim Stöbern bekommen so auch unbekanntere und auf den ersten Blick vielleicht uninteressante Künstler eine Chance, in das persönliche Musikrepertoire zu gelangen. Im Gegenzug wird Musik, die den individuellen Geschmack nicht trifft schneller aussortiert und der eigene Stil Stück für Stück pointiert. Auch dem Bedarf nach dem Austausch untereinander kommen die Streamingdienste nach. Durch die Vernetzung der Nutzer untereinander bildet sich eine interessante Community zur kritischen Diskussion. Empfehlungen können hier direkt ausgetestet werden und eine kryptische Beschreibung der Musikstücke ist kaum noch nötig. In vielerlei Hinsicht bietet Musikstreaming also ein umfangreiches Angebot.

Für Kritiker avancieren Streamingportale durch eben dieses Überangebot jedoch mehr und mehr zum Schmelztiegel eines vereinheitlichten Musikgeschmacks. Um den Überblick nicht zu verlieren, greifen Nutzer hier immer häufiger auf vom Anbieter bereits vorgefertigte Playlists zurück. Das gezielte Suchen nach Musik, die den eigenen Geschmack trifft, erübrigt sich also zu einem Großteil. Wer Indie mag, klickt einfach die Indie Playlist an. Verschwenderischer Umgang wird hier mit einem oberflächlichen Musikgenuss gleichgesetzt. Denn wie soll eine kritische Auseinandersetzung mit Musik stattfinden, wenn alles, was auf den ersten Ton nicht ansprechend klingt, direkt weggeklickt wird? Spielraum für Reibung ist praktisch nicht vorhanden und es drängt sich die Frage auf, ob sich ein individueller Stil überhaupt ohne Kritik ausbilden kann. Fragwürdig bleiben also auch die vom Portal selbst gemachten Vorschläge zu neuen Künstlern oder Musikrichtungen. Diese werden anhand der Präferenzen des Nutzers generiert. Eine Maschine versucht also anhand des Nutzungsverhaltens die musikalischen Vorlieben des Users zu treffen. Ob etwas derartig Individuelles wie Musikgeschmack überhaupt von einem Algorithmus geclustert werden kann, wird gar nicht erst in Frage gestellt. Mit der Nutzung von Streamingdiensten geht hier also grundsätzlich die Angst vor Vereinheitlichung und Verlust des eigenen aber auch gesellschaftlichen Musikgeschmacks einher.

Doch egal ob Freiheitsgewinn, Bevormundung oder einfach nur eine unkomplizierte Art Musik zu genießen: Letztendlich muss doch jeder für sich selbst entscheiden, wie und ob er Online Streaming Dienste nutzen möchte.

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