All articles written by: Julia

Vom Teppich zum GoT-Mantel:
IKEA macht einen Marketing Gag draus

Mit der kürzlich gestarteten und von vielen lang herbeigesehnten 7. Staffel von Game of Thrones, ist der Hype um die Serie wieder vollends entfacht. Nun tauchte ein altes Youtube-Interview mit der Chef-Kostümbildnerin auf, in dem sie verrät: Die zotteligen Mäntel der Nachtwache bestehen aus IKEA-Teppichen! Dies löste einen regelrechten Internet-Hype aus und verschaffte dem Möbelgiganten durch einen Marketing-Gag einen viralen Hit.

Kostümbildner bedienen sich in Teppich-Abteilung

Da staunten sowohl die Fans als auch das schwedische Unternehmen nicht schlecht als die Chef-Kostümbildnerin verriet:  „Die Mäntel sind eigentlich Ikea-Teppiche. Wir nehmen alles, was wir kriegen können. Wir haben die Felle zerschnitten, neu zusammengefügt und mit Lederriemen versehen.“ Dazu wurde der Zottel-Teppich außerdem gewachst und gefrostet. Beste Schauspieler, aufwendigste Kulissen und gigantische visuelle Effekte benötigten Millionen an Produktionskosten. Für das Kostüm von John Schnee, zog man hingegen die verhältnismäßig günstigeren Schafsfelle „Skold“ und „Ludde“ heran. 

Das entsprechende Youtube-Video mit dem Interview der Designerin im Getty Museum in Los Angeles, ist bereits über ein Jahr alt. Nun wurde es von den Nutzer entdeckt und verbreitete sich rasant in den sozialen Netzwerken.

Erfolgreicher Marketing-Gag mit Do-It-Yourself-Anleitung für einen John Snow – Mantel


IKEA berief daraufhin seine kernigsten, bislang typisch gelb-blau gekleideten, Mitarbeiter ein und degradierte sie mit “Skold”-Teppichumhang als Verkleidung zur Nachtwache. Die Fotos wurden auf Facebook geteilt. Zusätzlich reagierte das Möbelhaus auf den Internet-Hype mit einer Bastel-Anleitung zur Herstellung eines Nachtwachenmantels. Darunter – in Anlehnung an die Geschichte – folgender Spruch: „Sommer ist fast vorüber, der Winter kommt“. Ein Marketing-Gag, der den Verantwortlichen zahlreiche Likes und Shares einbrachte.


Eine andere Nutzerin nervt der Hype und fürchtet, dass sich dieser überträgt:

Ob der selbstgebastelte Mantel aus der IKEA-Teppichabteilung allerdings alltagstauglich ist?

Das vollständige Interview, in dem die Kostümdesignerin ihren Mantel-Insider verrät, könnt ihr euch hier anschauen:

Free the nipples: Eine liegende weibliche Silhouette, die sich die Hände vor die Brust hält

Free the Nipples:
Mit Kunst der Instagram-Zensur entgehen

Oberkörperfreie Männer sind auf Instagram zahlreich vertreten, oben ohne Fotos von Frauen eher seltener – diese werden zensiert. Nacktheit wird schnell als pornografisch empfunden, dabei kann sie sensibel und einzigartig schön sein. Die Kunst schafft nun unter dem Hashtag free the nipple nackte Tatsachen und zeigt, dass Brüste – ob nun groß oder klein, ob weiblich oder männlich – die schönste Leinwand der Welt sein können.

Nackte Doppelmoral auf Instagram

Ja – es gibt Millionen andere wichtige Themen auf dieser Welt als eine endlose Diskussion darüber, ob Nippel auf Instagram nun gezeigt werden dürfen oder nicht. Doch Gleichberechtigungs- und Gender-Fragen liegen auch vielen Nutzern, im wahrsten Sinne des Wortes, am Herzen. Schließlich zeigt sich Instagram mit seinen Richtlinien in Sachen Nacktheit nicht gerade fortschrittlich. Es mutet doch schon sehr skurril und antiquiert an, dass Männer auf dem Portal ihre Brustwarzen zeigen dürfen und Frauen nur nach einer Mastektomie und beim Stillen. Alles andere wird von dem Portal gelöscht. Auf Instagram gehen User wie auch Künstler mit dieser Einschränkung kreativ um und präsentieren auf ihren Accounts menschliche Kunstwerke – Nippelblitzer inklusive!

Free the nipples: Brustwarzen-Kunst auf Instagram

A post shared by Nipple Effect (@nipple_effect) on


Die Künstlerin Claudia Sahuquillo schmückt in ihrem Projekt „Skin is the new canvas“ (Deutsch: Haut ist die neue Leinwand) weibliche Körper mit Bodypaintings. Die Frauen sind nackt und wirken dennoch angezogen – jedoch nicht bekleidet sondern irgendwie umhüllt – in ihrer Natürlichkeit eingebettet. Damit zeigt Sahuquillo  die Ästhetik individueller Körper.

Kreative Instagram-Nutzer

Auf dem Instagram-Profil genderless nipples art findet sich eine Sammlung kreativer Brustwarzen-Kunstwerke. Ob mit oder ohne Piercing, ob behaart oder rasiert – hier werden Nippel bemalt, frisiert, umrandet und beklebt, was die Brust hält. Und jeder kann seinen Teil dazu beitragen, indem er oder sie die eigene Nippeltransformation einsendet.

 

Blitzeblank

Die Aktivisten versuchen es auf Instagram ebenfalls mit geschlechtsneutralen Brustwarzen. Dabei posten sie ausschließlich Nippel, die beispielsweise durch Zoom und Haarentfernung keinen Rückschluss auf das Geschlecht zulassen. Durch diese Reduzierung wird versucht, Instagram im Unklaren darüber zu lassen, ob es sich nun um männliche oder weibliche Brüste handelt. Durch die Verwirrung ist eine Zensur nach den Richtlinien der Plattform Ansichtssache.

Durch dieses – paradoxerweise – Nacktmachen sowie diverse Umstylings der intimen Zone, ensteht eine Legitmität für Instagram. Halleluja!

Aus“free the nipples“ ist eine ganze Bewegung  mit eigenem Instagram-Account geworden.

Die West Side Gallery Berlin:
Video- und Bildkunst auf 229 Metern Mauer

Die Berliner Mauer im August 2017: Auf der einen Seite Selfiestangen und hüpfende sowie posende Instagramfanaten vor bunten, aber gesellschaftskritischen Kunstwerken der East Side Gallery. Auf der anderen Seite: Eine angenehme Ruhe und ein paar Interessierte, die sich Zeit nehmen, die neue Open-Air Galerie zu bestaunen. Seit Sonntag bespielt der deutsch-amerikanische Künstler Stefan Roloff mit der Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ die West Side Gallery.

Aufnahmen einer Kleinbildkamera im Mauer-Format

Roloff zeigt auf 229 Metern Mauer Szenen aus Filmaufnahmen des DDR-Grenzgebietes sowie Zeitzeugenberichte in reliefartigen Porträts. Dem rbb sagte Roloff: „Ich will keine historische Darstellung der DDR machen, sondern ich will zeigen, was es heißt, eine Mauer zu bauen, Menschen voneinander abzugrenzen und gegeneinander aufzuhetzen und einzusperren“. Die Sequenzen hat der Künstler im Jahr 1984 selbst gedreht. Damit sind sie einige der wenigen Aufnahmen, die, von der Westseite aus, den Todesstreifen im Osten dokumentieren. Ursprünglich wollte der Künstler mit einer einfachen Kamera Alltagsszenen an der Mauer festhalten: “Grenzer patrouillierten wie Raubtiere, Kinder hatten sich auf dem Schulweg verlaufen, ängstliche Rentner trauten sich nicht, sich der Mauer zu nähern“. Die Standbilder der damals qualitativ minderwertigen Kleinbildfilme sind in Originalgröße sehr klein. Die Videostills aus den 80ern wurden deshalb durch eine spezielle und eigens entwickelte Technik gigantisch vergrößert.

West Side Gallery: Schicksale gekonnt inszeniert

Zwischen den Szenen werden SED-Opfer in drei verschiedenen Sprachen zitiert, welche ihre Erfahrungen und Erlebnisse von Flucht und Verhaftung teilen. Darin geht es unter anderem um gescheiterte oder gelungene Fluchtversuche mit Ballon und Boot bei Wind und Wetter, eine Haft mit mehr als 20 Insassen in einer Zelle, darunter auch NS-Verbrecher und eine junge Frau erzählt, wie sie sich durch eine Langhaarfrisur verdächtig machte. Markante Aussagen wie “es hieß, ich hätte Damenunterwäsche geklaut. Zu fetischistischen Zwecken”, wurden dabei in Silhouetten der Zeitzeugen platziert. Die Installation verweist via Links auf die entsprechenden Videointerviews. Der Künstler kommentiert die Wirkung dieses Zusammenspiels von vergrößerten Aufnahmen und künstlerisch eingebetteten Umrissen: „Es entstand ein Effekt, der von Nahem malerisch, aus der Entfernung fotorealistisch erscheint.“

Eine Mauer, die auch heute noch zwei Seiten zeigt

So wie die Betonwand bereits damals Welten teilte, können Besucher interessanterweise auch heute einen Unterschied zwischen der Touristenattraktion East Side Gallery und der historischen und nachdenklich inszenierten Installation auf der Westseite wahrnehmen. Auf der einen Seite versperren zahlreiche Touris den Weg und posieren mit Selfiesticks und Co.. Der Bürgersteig ist selbst zur Mittagszeit so überlaufen, dass sich die Fotografen nicht nur gegenseitig im Wege, sondern auch im Bilde stehen. Auf der anderen Seite ist weniger los. Dafür bleiben die Leute stehen und halten inne. Sie lesen, nehmen wahr und beschäftigen sich mit den Inhalten.

Pionier der digitalen Foto- und Videokunst

Der Künstler Stefan Roloff hat an der Hochschule der Künste Malerei studiert und wird als Pionier der digitalen Foto- und Videokunst bezeichnet. In seinen Arbeiten nutzt er häufig Motive aus der deutschen Geschichte. Das Projekt wird noch bis zum 09. November gezeigt – natürlich for free.

Einen Vorgeschmack gibt es in unserer Galerie!

Die Installation „Beyond the Wall – jenseits der Mauer“ des Künstlers Künstler Stefan Roloff

Sound und Videokunst von Susan Hiller, Lost and Found, 2016, Digitalvideo, Installationsansicht, Grimmwelt Kassel, documenta 14

Documenta ’17: Unbekannte Sprachen
in Schallwellen und Videokunst übersetzt

Mit “Lost and Found” präsentiert die Künstlerin Susan Hiller auf der documenta 14 in Kassel eine 20-minütige Videoinstallation. Darin setzt sie sich mit fast verschwundenen, vergessenen, gefährdeten, seltenen oder wiederbelebten Sprachen auseinander. Das akustisch Fremde wird durch sichtbare Schallwellen und Übersetzungen erlebbar gemacht – durch die Ansprache verschiedener Sinne vielleicht sogar vertraut?!

Neue alte Sprachen akustisch visuell entdecken

In der Videoinstallation “Lost and Found” auf der documenta 14 erklingen 23 unbekannte und besondere Sprachen. Die Redner entstammen der jeweiligen Kultur und erzählen von ihrer Herkunft, Familiengeschichte, der Sprache und ihrer Verbreitung. “Kaurna” ist zum Beispiel eine Sprache, die wiederentdeckt wurde. Der Redner heißt im Englischen Vincent Buckskin, in Kaurna wird er hingegen übersetzt “the Rock” genannt. So viel zum Hören. Sehen kann der Betrachter eine sich zum Sound bewegende Schallwelle auf einem schwarzen Bildschirm. Der grüne Graph eines Oszilloskop (elektronisches Gerät, das Spannung über einen zeitlichen Verlauf darstellt) folgt den Sound-Frequenzen durchgehend und schlägt entsprechend aus. Durch englische Untertitel wird dem Betrachter das Gesagte übersetzt.

Richard Grayson sieht in dem Werk eine “Technik, die die Stimmen der Toten vernehmbar macht. Werden sie gehört, so kehren sie unter die Lebenden zurück, um artikuliert zu werden, um die Kartierungen und Erfahrungen jener Welten zum Ausdruck zu bringen, die in diesen Sprachen enthalten und beschrieben sind”.

Videokunst: Screens des Kunstwerkes Lost and Found
Susan Hiller, Lost and Found (2016), Videoinstallation, Farbe, Ton, 20 min (Loop), © Susan Hiller/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, courtesy Susan Hiller und Lisson Gallery, London, New York, Milan

Susan Hiller verbindet Sound und Videokunst

Susan Hiller ist eine US-amerikanische Künstlerin. Sie widmet sich der Malerei, Objekt-Kunst, Installation sowie der Fotografie. In den Fokus ihres künstlerischen Schaffens gerieten zunehmend innovative Experimente mit audiovisuellen Techniken. Viele ihrer Arbeiten sind Multiscreen-Videos, die zahlreiche andere Künstler inspirieren. Thematisch beschäftigt sie sich vor allem mit den kulturellen Gegebenheiten und Veränderungen. Susan erforschte in ihrer Kunst unter anderem auch spirituelle und paranormale Aktivitäten. So zum Beispiel in der Audio-Skulptur “Witness”. Deren Gegenstand sind mündliche Aussagen von Menschen, die nach eigenen Angaben Außerirdischen begegnet sind und davon berichten. In der mehrkanaligen Videoinstallation “Channels” (bestehend aus 106 (Röhren-)Fernsehern, 9 Media Playern, 7 DVD-Playern u. A.) thematisiert sie im Flackern zahlreicher Medien Nahtoderfahrungen.

100 Protestsongs auf der documenta 13

Die Künstlerin war bereits 2012 auf der documenta vertreten. Dort zeigte sie das akustisch-optische Kunstwerk “Die Gedanken sind frei”. In der Installation war eine Musikbox mit einer persönlichen Zusammenstellung von Liedern integriert. Die Songtexte feiern die Freiheit und stellen einen Protest gegen das Vergessen und Aufgeben dar. Einer der Musiker: Johnny Cash, der für die unterdrückten Rechte der „American Indians“ singt.

Titelbild: @Susan Hiller, Lost and Found, 2016, Digitalvideo, Installationsansicht, Grimmwelt Kassel, Kassel, documenta 14, © Susan Hiller/VG Bild-Kunst, Bonn 2017, Foto: Liz Eve

Artur Kowallick fotografiert mit Camera Minutera; Artikel über analoge und digitale Fotografie

„Eine andere Magie“:
Artur Kowallick über analoge und digitale Fotografie

Bildermacher – so nennt sich der Fotograf Artur Kowallick, welchen wir Euch bereits in dem Artikel Die Top 5 Instagram Fotografen aus Berlin vorgestellt haben. Bei ihm ist der Name Programm: Er macht Bilder – mit der Camera Minutera, einem alten fotografischen Apparat. Sie ermöglicht die mobile Aufnahme von Porträts auf der Straße. Die Fotos können in wenigen Minuten entwickelt werden. Die entstandenen Werke veröffentlicht Artur unter anderem auf seinem Instagram-Account. Uns erzählt er von dem Zauber, den diese Kamera umgibt und was analoge und digitale Fotografie voneinander unterscheidet. Der Fotograf liebt sein iPad und spricht der Digitalfotografie ihre Daseinsberechtigung zu, sieht aber in den haptischen Bildern eine alte neue Wertigkeit.

Was ist die Camera Minutera und wofür wurde sie ursprünglich hergestellt?

Die Camera Minutera  ist über 100 Jahre alt. Seitlich sieht man die die Originalfotografien aus den 40er Jahren in Südfrankreich. Ursprünglich kommt sie aus dem indisch-afghanischen Raum. Die Kamera hat schon mindestens zwei Kriege erlebt. Was die auch schon an Menschen gesehen haben muss. Und das finde ich so schön, dass ich jetzt auch ein Teil dieser Geschichte bin. Und die Kamera nicht zum Beispiel bei einem Sammler gelandet ist, sondern ich sie dafür nutze, wirklich auf der Straße Bilder zu machen. Sie wird heute noch in Indien und Afghanistan verwendet, um Passfotos zu machen. Früher wurden zum Beispiel Touristen fotografiert. Man hat ganz gezielt Touristenattraktionen gesucht und die Leute dann dort fotografiert. Ich kenne auch einen Fotografen, der wohnt in Paris und der stellt sich beispielsweise vor das Centre Georges-Pompidou. In Berlin darfst du das aber nicht. Ich würde keine Genehmigung bekommen mit dieser Kamera in Berlin zu arbeiten, weil ich dann genauso unter Straßenhändler falle. Und das finde ich so absurd, weil ich glaube, das wäre so eine Bereicherung für das Stadtbild, wenn man sich vor das Brandenburger Tor stellt oder irgendwo anders und die Leute fotografiert. Das ist ja nicht Trash. Ich finde es schade. 

Ich wollte schon immer so eine Kamera haben. Ich fand einfach die Idee schön, zu sagen, ich kann jetzt hier auf der Straße stehen und ich kann Fotos machen, sie entwickeln und dir gleich geben, ich kann im Dschungel sein, ich kann in der Wüste sein. Am Anfang dachte ich mir so: “die Kamera ist der Star”, was sie immer noch ist. Und dann habe ich aber gemerkt, dass es mir auch keinen Spaß macht, nur nette Bilder zu machen. Es wird immer mehr zu meinem Projekt.

Wie kommen die Fotografien bei den Menschen an?

Über 90 Prozent der Leute sind total happy mit diesen Dingern. Was für eine Faszination das ist, das ist ganz komisch. Wenn ich mit der Kamera unterwegs bin, sind da teilweise Trauben von Leuten, die da rumstehen und gucken und etwas über die Kamera wissen wollen.

Manchmal habe ich auch Leute, die als Zuschauer stehen. Ich nehme immer eine Person, die ich for free als “face of the day” fotografiere. Wenn mir ein Gesicht einfach auffällt. Und das sind Sachen, die immer 100 Prozent klappen. Einmal hat mich sogar ein Mädchen gefragt “kann ich face of the day bei dir werden”? Ich finde das so niedlich und auch die Begeisterung der Leute für dieses Analoge. Und vor allem: Das findet ja in dieser Kamera statt. Das heißt, die Leute wissen eigentlich gar nicht genau, also wenn sie sich damit nicht auskennen, was dort eigentlich passiert. Und du holst dann nach so zweieinhalb Minuten plötzlich ein Negativ heraus. Das wird dann noch einmal abfotografiert. Und insgesamt 5 Minuten später ist dieses Bild fertig. Egal ob das Kinder sind, Erwachsene oder Jugendliche, das hat einfach eine ganz andere Magie, als wenn ich ich zum Beispiel mit dem Smartphone jetzt ein Foto von dir mache, dir das schicke und auf Instagram packe. Und das ist auch so ein unmittelbarer haptischer Vorgang. Ich selber fühle ja, gehe in die Chemikalien rein. Du riechst es ja auch.

Analoge vs. digitale Fotografie: Was macht für dich den Unterschied aus?

Ein Hauptargument dafür, dass die Bilder anders aussehen ist, dass ich zum Beispiel ganz bewusst möglichst lange Verschlusszeiten wähle. Bei den ersten Fotografien hatte man zwischen 15 und 30 Minuten Belichtungszeit. Das heißt du musstest eine Position einnehmen, die du halten kannst. Und ich mache das auch so , dass ich zwischen einer und  vielleicht sechs Sekunden belichte, den Leuten ganz klar sage, sie sollen nicht lächeln, sie sollen straight in die Kamera gucken und sich möglichst auch dessen bewusst sein, dass sie fotografiert werden. Ein Selbstbewusstsein in einem anderen Sinne, im Sinne von sich seiner selbst bewusst zu sein. Und das ist ja etwas anderes, als wenn ich digital oder mit dem Handy knipse. Zwei Freunde fotografieren sich: Smiley machen, in die Kamera gucken und das ist nice. Wenn die Leute fragen, warum sie nicht lächeln dürfen, sage ich: “Wenn du so ein Foto möchtest, dann kannst du es mit deinem Handy machen”. Ich möchte ganz klar ein anderes Foto. Es macht ja keinen Sinn zu mir zu kommen und die selben Bilder zu machen, die ich selber eigentlich machen würde. Die Leute haben ja meistens auch eine Erwartung, ein Bild von sich wie sie glauben, auszusehen.  Und ich versuche da eigentlich ein bisschen gegen zu bürsten. Manche wissen im ersten Augenblick auch gar nicht so recht wie sie es finden. Dann sage ich: “gucke es dir Zuhause einfach mal in Ruhe an. Du wirst schon noch verstehen worum es geht”. Beim Digitalen ist es so, dass man viel zu viel macht, gerade was Instagram anbelangt: Es ist einfach inflationär. Wenn ich ein Bild betrachte oder poste, guck ich es mir – wenn überhaupt – fünf Sekunden an. In dem Augenblick habe ich schon wieder die nächsten 100 neuen Bilder, die kommen usw.. 

Du beschreibst, dass mit einem klassischen Fotoapparat oft mehr starke Bilder entstehen, als unter 1000 Digitalfotos zu finden sind. Woran liegt das?

Du hast in einem Film 36 Bilder, der auch was kostet. Das heißt du wirst dir, auch wenn du vielleicht nicht viel Geld hast, pro Monat beispielsweise vielleicht zwei Filme kaufen. Du weißt du musst mit diesen beiden Filmen klar kommen. Dann hast du ja immer noch zwischen jedem Bild dieses Transportieren. Das ist nicht nur einfach drauf los knipsen. Und dann ist der Film ja auch irgendwann einmal fertig und dann musst du, wenn du den abgibst, zwei, drei Tage warten oder du entwickelst es selber. Viele freuen sich so diebisch, dass sie warten müssen. Mir hat mal ein junges Mädchen gesagt: “Ich freue mich, dass ich wieder warten muss”. Die treffen sich ja teilweise zum Filme abholen und sind total happy, diese Papierbilder in der Hand zu haben. Das ist ja was anderes, wenn ich diese “real pictures” in der Hand halte, oder ob ich mich mit Freundinnen treffe und wir switchen jetzt mit dem iPad hin und her. Das kennt man auch von früher, von den Eltern zum Beispiel: Wenn man sich getroffen hat und Bilder angeguckt hat, wurden die Bilder so rumgereicht. Man kommt zusammen und sagt „hier guck mal da und dies und jenes“. Und du hast auch wirklich was in der Hand. Ich liebe auch mein iPad, aber das ist einfach was anderes. Was ich auch am Film mag, ist, dass du den ja entwickelst und dann machst du diese Dose auf und hast einfach ein Negativ in der Hand und nicht irgendeine Speicherkarte. Wenn man das Samsung-Handy aufschraubt, sind die Bilder ja nicht wirklich da. Solange du digitale Dateien nicht ausdruckst, ist das ja sowieso verloren, weil man das in so und so vielen Jahren wahrscheinlich gar nicht lesen wird. Ein Bekannter von mir, der auch Fotografie und digital unterrichtet, der rät: Gib jeden Monat 50 Euro aus und printe die Bilder aus. Mache wenigstens Ausdrucke daraus, sodass du wirklich was in der Hand hast, pack es in den Schuhkarton und vergiss es. 

Vielleicht bekomme ich nur zwei, drei Bilder, wenn überhaupt, vielleicht auch nur ein Bild. Und dann habe ich aber ein Bild, das meiner Meinung nach viel stärker sein wird, als wenn ich, was weiß ich, nicht wie viele Fotos mache. Weil es einfach wieder konzentrierter ist. Das heißt, du überlegst dir zwischen jeder Aufnahme: Drücke ich ab? Drücke ich nicht ab? Gerade die Beschränkung: Wenn du dir nur zwei Filme im Monat  leisten kannst, gehst du damit ganz anders um, weil das bekommt ja wieder einen Wert.

Denkst du, diese Art alte Fotografie zu nutzen, erlebt ihren zweiten Frühling?

Ja, es gibt einen ganz klaren Trend. Und wenn ich auch bedenke, wie viele, gerade auch junge Leute, wieder analog fotografieren. Zum Beispiel die Polaroid-Geschichte, aber auch mit normalen analogen Kameras, Mittelformatkameras, Kleinbildkameras. Es gibt auch sehr viele junge Leute, die das teilweise auf dem Flohmarkt kaufen, vom Opa oder Vater geschenkt bekommen und es einfach geil finden.

Woran liegt das?

Ich glaube, dass es auch etwas damit zu tun hat, dass die Fotografie eine lange Geschichte hat. Gut man kann sagen, das ist jetzt ein anderer Träger geworden. Aber es ist etwas anderes. Ich glaube, dass die das Gefühl haben, dass es so “real stuff” ist. Das ist wie wenn du mit einer Frau zusammen bist, die perfekt und schön aussieht oder eine Frau die natürlich ist. Ich würde mich nie in das Perfekte verlieben. Du hast eine Vorstellung, aber: Du lernst eine Frau kennen und dann denkst du dir irgendwie “die ist es”. Das ist dieses Authentische. Kaffee ohne Koffein, Bier ohne Alkohol, es ist alles nur noch light und politisch korrekt und so weiter. Und Film hat ja auch so eine bestimmte Ästhetik und das gehört auch dazu. Beim Digitalen ist es, finde ich persönlich, sehr glatt. Und was ich ganz absurd finde ist, wenn Leute versuchen, mit irgendwelchen Photoshop-Plugins die analogen Filme zu simulieren, also das Korn, die Farbe. Aber da frage ich mich: Warum nehmen die denn nicht den richtigen Film? Wenn ich es fake, ist es ja nicht das Richtige. Das versucht was zu imitieren, was es nicht ist. Mich hat einmal ein Bekannter gebeten, ob ich für ihn eine Belichtung machen kann, dass er eine graue Fläche fotografiert hat, dass er das Korn nehmen kann von dem Film, um es über seine digitalen Bilder zu legen. Ich habe gesagt: “Warum fotografierst du denn nicht auf Film?”. Da hat er keine Zeit. Ich finde, wenn es digital ist, dann kann es doch digital aussehen. Dann hat das einen bestimmten digitalen Look. Dann ist es ja auch okay. Das wäre genauso, wie wenn du anders herum versuchen würdest, analog digital zu imitieren. Das ist einfach nicht das Richtige. Es ist ja was Haptisches und im Labor riecht es nach Entwickler, nach Fixierer, du arbeitest bei so rotem Licht und entwickelst zum Beispiel deine Filme und nimmst sie aus der Spule raus und hast dann diese Negative. Ich mache das ja 30 Jahre, aber ich finde es immer noch magisch.

Ich habe auch die Serie “happy client”, worauf man ein wenig dieses vorher/nachher und den Vergleich zwischen digitalem und analogem Foto sieht. So sehen die Leute in real aus. Ich finde es auch schön, wenn ich diese Repro mache, dann hat man auch noch diesen Rahmen von den Repro-Stellen noch zu sehen. Das heißt, man hat praktisch so ein Bild im Bild. Und es ist dann auch wirklich nur mit dieser Kamera gemacht worden und nicht mit anderen. Dann hat es noch einmal sowas Einmaliges. Das Schöne bei den Kameras ist auch, dass sie nicht in Serie gebaut wurden. Das heißt, es gab dieses Modell wirklich nur einmal. Es gibt keine Marke.

Findest du auch, dass die Kamera bestimmte Charakterzüge herauskitzelt – obwohl sie nicht wie die hochauflösenden aktuellen Apparate arbeitet?

Ja, es bekommt eine ganz komische Tiefe finde ich. Ich bin oft wirklich baff, ehrlich gesagt. Ich weiß eigentlich vorher, ob es gut wird, aber wie es dann 100% konkret aussieht, lässt sich sehr schwer abschätzen. Es verstärkt so sehr Charaktere und wirkt fast so, als ob es gemeißelt wäre. Es hat so eine ganz andere Präsenz.  Beim Digitalen müsstest du das erst manipulieren oder nachträglich was rausholen. Ich finde es aber auch schön, dass du die Bilder nicht manipulieren kannst. Die kommen so raus wie sie rauskommen. Ich kann sie vielleicht ein bisschen heller oder dunkler machen, wenn ich will. In der Dunkelkammer kann ich aber nicht wie bei Photoshop einzelne Partien bearbeiten. Das Bild kommt so raus wie es ist. Bis zu einem gewissen Grad bin ich offen für Kritik, wenn jemand sagt es gefällt ihm nicht. Dann mache ich es auch noch einmal. Aber ab einem gewissen Punkt sage ich den Leuten “es ist so wie es ist”. Jeder hat eine Vorstellung davon, wie man aussehen möchte, wo man sich gut fühlt, wo man seine Schokoladenseite hat.  Man möchte einfach einem Bild entsprechen, dass man von sich hat. Und ich sage häufig zu den Leuten, dass sie das möglichst als Bild, als eigenständige Fotografie sehen sollten und nicht unbedingt als Bild von sich selbst. Dann kriegst du glaube ich mehr Abstand zu dem, was du dort siehst und kannst es glaube ich auch eher annehmen. Ich habe einmal einen Mann fotografiert, der sich sein Foto angeguckt hat und meinte: “Sehe ich wirklich so aus?“ Also er sah auf dem Foto wirklich fertig aus. Er sah grundsätzlich fertig aus, aber auf dem Foto sah er noch 10 Jahre fertiger aus. Aber ich habe ihm auch gesagt “guck es dir Zuhause ab und zu mal an. Das Bild ist viel stärker als du”.

Und so ist es bei vielen dieser Fotos. Die Fotografien sind stärker. Das heißt nicht zwangsläufig, dass die Leute diese Präsenz im wirklichen Leben haben. Aber in diesem Moment bekommen sie mit dieser Kamera diese Präsenz, diese Kraft und diesen Ausdruck. Den müssen sie nicht zwangsläufig haben und das müssen sie auch gar nicht sein. Und das finde ich faszinierend, dass ich praktisch damit die Leute irgendwie überhöhe und zu etwas mache, was sie, wenn man es genau nimmt, eigentlich gar nicht sind. Das ist ganz eigenartig, aber es funktioniert irgendwie. Und das liebe ich.

Das ist das Interessante. Wenn man Fotos bekommt, so wie man aussieht: Das macht ja keinen Sinn, finde ich. Also wenn ich das als Fotograf mache. Wenn ich Schnappschüsse für meine Freundin oder meinen Freund mache, dann ist das ja auch gut. Dann muss es ja nicht mehr sein. Aber wenn du nachher auf den Bildern etwas siehst, was viel stärker ist als was du sonst glaubst. Irgendwo bist du das ja auch. Ich verstehe immer nicht wie das funktioniert, aber es ist so. Manchmal komme ich mir bei meiner eigenen Arbeit auch so vor, dass es eher mit Modellieren zu tun hat. Ich arbeite ja auch viel mit Tänzerinnen und Schauspielerinnen zusammen. Dadurch arbeitet man auch sehr körperlich. Ein Tänzer reagiert ganz anders als ein Normaler. Wenn man digitale Fotos machen würde, würdest du ständig alle paar Schüsse mit dem Modell auf das Display, den Rechner gucken und würdest gleich korrigieren usw.. Und so passiert es einfach. Man arbeitet drei, vier Stunden und hat erst einmal null Ergebnisse. Das heißt, du siehst gar nichts – außer, dass ich weiß, dass es im Kasten ist – aber auch wieder nicht. Und dann dauert die Entwicklung manchmal drei oder sechs Monate.

Es ist nicht das Eins zu Eins. Es geht darum, andere Ergebnisse zu bekommen.



Titelbild: @Andreas Waldeck

Bilder aus Emojis: Porträt von Rihanna aus Emoticons

Yung Jake bastelt Bilder aus Emojis.
Probiert selbst!

Wer künstlerisch aktiv ist und ein leeres Blatt füllen möchte, greift zu Stift, Pinsel, Feder und Co.. Doch habt ihr auch schon einmal mit Emoticons per Mausklick gemalt? Der amerikanische Künstler und Rapper Yung Jake macht es vor und gestaltet Starporträts komplett aus Emojis. Mit dabei sind unter anderem: Sängerin Rihanna, It-Girl Kim Kardashian, Rapper Wiz Khalifa und Comedian Jerry Seinfeld.

Miley Cyrus: Eine Ansammlung von Tieren, Nahrungsmitteln und Warnsymbolen

Jake sucht und platziert die kleinen Bildchen nicht zufällig, sondern mit Bedacht sowie hin und wieder mit einem zwinkerndem Auge. So besteht die Zunge von Miley Cyrus beispielsweise aus vielen kleinen Schweinen. Von süßen Tieren, über Cookies, bis hin zu Warnschildern und “vs.-Zeichen” nutzt er die Bandbreite der Emoticons, um dem Imagewandel der Sängerin und Skandalnudel gerecht zu werden.

Schon im 16. Jahrhundert gestaltete der Renaissancekünstler Giuseppe Arcimboldo seine Werke auf ähnliche Art und Weise. Die Bilder setzen sich aus Obst, Gemüse und Pflanzen zusammen. Bei Arcimboldo wird die Nase zur Kartoffel, bei Yung Jake zum Smiley.

Bilder aus Emojis online zeichnen

Jakes Werke entstehen mit Hilfe der Website Emoji.ink. Dort kann der Nutzer aus zahlreichen Piktogrammen und Symbolen wählen und drauf los basteln. Sogar die Größe kann individuell bestimmt werden. Nur im Internet Explorer funktioniert das Malprogramm leider nicht.

Wir von NeoAvantgarde haben es auch mal ausprobiert.

Bilder aus Emojis: neoavantgarde Logo aus Emojis mithilfe der Website Emoji.ink.

Die Emoji-Kunst von Yung Jake könnt Ihr auf Digg.com sowie auf seinem Twitter-Account bestaunen.
Titelbild: @Yung JAke

Scrabble Wort Like zum Artikel mit dem Thema: Neue Wörter im Duden 2017

Neue Wörter im Duden 2017:
berlinern und facebooken

Ketschup und Majonäse sind (in dieser Schreibweise) aus, jetzt gibt es Low Carb. Alle paar Jahre wird er aktualisiert, morgen ist es wieder soweit: Der neue Duden erscheint in der 27. Auflage. Das Nachschlagewerk wurde überarbeitet und um 5.000 neue Wörter erweitert. Diese drehen sich um die Gegenwartssprache, Veränderungen im Wortschatz sowie aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen. Vom “Selfiestick” über das “Kopfkino” bis hin zur “Flüchtlingskrise” und der “Filterblase” ist so einiges dabei. Für manche ist es, nach der Bibel, das wichtigste Buch, für andere einfach nur ein dicker Wälzer. Die Redaktionsleiterin Dr. Kathrin Kunkel-Razum sagt, dass man zeigen möchte, “was man mit Sprache alles machen kann – eben nicht nur relativ dröge Wörterbücher“.

“Besonders berlinisch”: Es ist nie zu spät für den Späti

Berlin erobert den Duden! Vielleicht liegt das auch ein wenig daran, dass die Redaktion des Nachschlagewerkes kürzlich von Mannheim in die Hauptstadt gezogen ist!? Wir Berliner und Brandenburger kennen ihn natürlich – unseren Späti. Doch für all diejenigen, die dabei an einen notorischen Zuspätkommer denken, denen erklärt der Duden nun gerne: Späti = eine Spätverkaufsstelle. Die Sprachwissenschaftlerin Dr. Kathrin Kunkel-Razum vom Dudenverlag ist ganz entzückt vom Berliner Wortschatz: „Das macht mir selber Spaß. Das gehört zu Berlin. Diese Abkürzung auf -i ist auch sehr schön, das klingt einfach nett“. Auch das das Wort “Icke” – nicht einfach nur irgendein dialektisches Personalpronomen, sondern Kult! Deshalb taucht auch diese Mundart nun im Duden-Verzeichnis auf. “Ick, betont oft icke (ugs., besonders berlinisch für ich)”, heißt es dort.

Neue Wörter im „Digi-Duden“: Die Reaktionen im Netz

Auch das Wörterbuch der deutschen Rechtschreibung kommt an der fortschreitenden Digitalisierung nicht vorbei – inklusive englisch-amerikanischer Bezeichnungen: Selfie, Selfiestick, Tablet, Social Bot, pixelig, Datenbrille, Emoji, Filterblase, liken, Cyberkrieg, facebooken, entfreunden, Livestream, Klickzahl und Darknet sind nur einige Beispiele.

Der Duden legt mit den Begriffen verpeilen, rumeiern, abgezockt, futschikato, Tüddelkram, runterwürgen, Honk und Ramschniveau auch zu einem lockeren Small-Talk auf. Die Netzgemeinde reagiert insgesamt gespalten auf Jumpsuit, Schmähgedicht, Veggie und Co.

Die einen finden es witzig…

Andere sind sogar überrascht…

Oder einfach nur erfreut…



Doch auch die „Hater“ bleiben nicht aus und sehen ihre „Work-Life-Balance“ gestört…




Dass die Begriffe im Duden nicht nur flüchtige Modewörter sind, weiß kaum jemand. Denn welche Wörter es in das Verzeichnis schaffen, liegt nicht in der Entscheidungsmacht einer Person und ist keine Frage des individuellen Geschmacks. Vielmehr bestimmt der alltägliche Sprachgebrauch die Auswahl: „Im Prinzip reden aber 80 Millionen Menschen mit“, so Kunkel-Razum. In eine elektronische Textsammlung werden unterschiedlichste Artikel, Gebrauchsanweisungen, Romane und anderes Material eingepflegt. Computerlinguisten filtern dann neue Begriffe heraus. Aus diesem Pool wiederum, bestimmen die Redakteure die finalen Kandidaten.

Duden – Die deutsche Rechtschreibung. 27. Auflage, 1264 Seiten. 26 Euro, ISBN 978-3-411-04017-9. Erstverkaufstag 9. August

P.S.: Neue Wörter gibt es natürlich auch online auf duden.de

Museen digital: Smartphone wird vor Gemälde gehalten

Galerie to go: Wenn Museen digital gehen

Verstaubt, langweilig, unnahbar und anspruchsvoll – so empfinden viele Menschen einen klassischen Museumsbesuch. Doch was passiert, wenn Galerien mit digitalen Erweiterungen arbeiten? Wenn sich Nutzer online zuschalten und historische Umgebungen virtuell betreten können? Immer mehr Museen und Kooperationspartner setzen auf neue digitale Erlebnismöglichkeiten. Sie bieten Apps, welche den Besuchern durch Bilderkennung, zusätzliche Infos, Videos und Interaktionen einen spielerischen Zugang zur Kunst eröffnen. Wir geben Euch Einblicke, wie Museen digital performen können.

Smartify – das Shazam für Museen und Kunstwerke

Museen digital: App auf dem Smartphone wird vor ein Kunstwerk im Raum gehalten
SMARTIFY ‘Black Shed Expanded’ by Nathaniel Rackowe, Sculpture in the City 2017

Die Anwendung Smartify funktioniert ähnlich wie die beliebte Musikerkennungs-App Shazam. Sie erkennt Kunstwerke auf Fotografien. Das funktioniert nicht nur im Museum. Wer auf der Straße ein interessantes künstlerisches Objekt entdeckt, vielleicht eine Statue oder eine Installation, der zückt die App und kann mehr erfahren. Die Software analysiert das geschossene Foto und liefert Zusatz-Informationen wie Größe, Jahr der Erstellung, Name, Details zum Autor, spannende Zusammenhänge, Audio- und Video-Kommentare der Museen und vieles mehr. Die Lieblings-Kunststücke können dann auf dem Smartphone in einer Art „Galerie to go“ gespeichert und bei Bedarf geteilt und kommentiert werden. Den Bewertungen einiger Nutzer zufolge, hapert es allerdings noch hier und da mit der technischen Funktionalität. Dies können wir bestätigen: Scan-Proben dauerten lange, oft ohne Ergebnis. Vielleicht liegt es daran, dass noch nicht viele Kunstwerke erfasst sind. Laut Hersteller will man zukünftig das künstlerische Netzwerk ausbauen und mit mehr Museen kooperieren. Vielleicht klappt dann auch die Bilderkennung besser.

Altes Handwerk und neuen „Homo Virtualis“ erleben

 

A post shared by Maria (@maria_che) on

Eine digitale Anwendung zur Bilderkennung gibt es jetzt auch in Russland. Die Tretyakov Gallery und das Pushkin Museum of Fine Arts integrieren eine neue App, welche die Kunstwerke digital erfasst und bei einem Besuch zusätzliche Infos liefert. Die Besonderheit hierbei ist es, den Entstehungsprozess der Werke virtuell zurückverfolgen zu können. So gibt es beispielsweise Vorher-/Nachher-Bilder von Restaurationen. An welcher Stelle des Werkes wurde Hand angelegt? Wo saß der erste Pinselstrich?

Im Pushkin Museum of Fine Arts widmet sich zur Zeit auch die Recycle Group der Digitalisierung unseres Lebens. “Homo Virtualis” heißt die Ausstellung, die dort noch bis zum 20.08. zu sehen ist. Die Künstler nutzen die Erweiterte Realität (augmented reality) und vollenden ihre Werke im Digitalen. In den Ausstellungsräumen sind Skulpturen zu sehen, die zunächst an die Werke alter Künstler erinnern. Jedoch bestehen die Objekte aus den modernen Materialien Polyurethane und Plastik. Sie sind sehr abstrakt, minimalistisch und meist einfarbig. Hält der Besucher die dazugehörige App vor das Werk, so verändert sich die Skulptur und wird virtuell erweitert. Körper werden komplettiert und beispielsweise im Stil einer Wärmebildkamera eingetönt. Der „homo virtualis“, ein digitales menschliches Gerüst, erscheint in typischer Smartphone-Pose. Mit der Verbindung von alten Darstellungsweisen und neuen Materialien sowie Techniken, wollen die Kuratoren zeigen “how art perception has been transformed in the age of mass media and social media”.

Städel Museum: Digitale Zeitreise in das Jahr 1878

Das Städel Museum in Frankfurt am Main ist, in Sachen digitaler Kunstgeschichte, ebenfalls ein Vorreiter. Auch hier besteht die Möglichkeit, sich den Museumsbesuch via App mit informativen und multimedialen Funktionen zu erleichtern. Favoriten können gespeichert und Themenlisten durchsucht werden. Das Museum sieht in der digitalen Erweiterung die Chance für „völlig neue Wege der Erforschung, Darstellung, Erzählung und Vermittlung von Kunst”. Für den Grimme Online Award nominiert ist der kostenlose Online-Kurs „Kunstgeschichte online – der Städel Kurs zur Moderne“ . Die Entwickler versprechen einen unterhaltsamen und neuartigen Einblick in die Kunstgeschichte. Er integriert Hintergrundinformationen zu Werken, Künstlern, Stilen, Filmen und historischen, kulturellen sowie politischen Zusammenhängen von 1750 bis heute.

Wie sah eine Galerie früher aus? Wie wirkte die Architektur auf die gezeigten Werke? Mit einer kostenlosen Virtual-Reality-Zeitreise- App, können Besucher außerdem die Museumsräume und ihre Vergangenheit erleben. Die historischen Sammlungsräume von 1878 sind via 3D Grafik und Virtual-Reality-Brille virtuell begehbar. Wenn Museen digital gehen, fehlt es oft noch an perfektionierter Technik und dadurch an virtueller Authentizität. Die Ideen machen aber Lust auf mehr.

Titelbild: @SMARTIFY  ‘The Laughing Cavalier’, The Wallace Collection

Monoton, modern, moralisch fragwürdig:
Die Wahlplakate zur Bundestagswahl 2017

Auch wenn ihr ihnen vielleicht noch nicht begegnet seid: Spätestens in den kommenden Wochen werden euch wieder an zahlreichen Straßenecken Politiker von ihren Wahlplakaten entgegen lächeln. Zwar versuchen die Parteien die Gunst der Wähler zunehmend auch durch Online-Aktivitäten zu gewinnen, hauptsächlich setzt man aber immer noch auf die klassische Wahlkampfwerbung. Wir zeigen euch die doch erstaunlich aufschlussreichen Wahlplakate der Fraktionen und die bisherigen Reaktionen der Netzgemeinde.

CDU/CSU – alles beim alten

Im “real life” besucht die CDU momentan eine sechsstellige Zahl an Wahlberechtigten. Eine eigens dafür entwickelte Software zeigt der Partei an, wo sich ein Besuch lohnt. Was den Werbe-Etat betrifft, hält sich die Union bedeckt. In Sachen Plakatwerbung geht die CDU gewohnte Wege: Man nehme immer mal wieder ein Merkel-Porträt, die Kampagnen- und Deutschlandfarben schwarz-rot-gold und einen vertrauensvollen und netten Spruch wie „Sicherheit und Ordnung“, „eine starke Wirtschaft und sichere Arbeit“ oder „mehr Respekt vor Familien”. Der CDU-Slogan zur Bundestagswahl 2017 “Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben” ist ebenfalls auf vielen Plakaten zu finden. Die Abbildungen vermitteln den Eindruck, dass alles seinen gewohnten und bewährten Gang geht. Ob das nun gut oder schlecht ist, bleibt jedem selbst überlassen. Wenn die Kanzlerin im Fokus steht, darf ihre berühmte Halskette natürlich nicht fehlen. Auf einem der Plakate trägt sie schwarz-türkis-violette Quarzsteine! Dabei mag Schwarz für die Union stehen, Türkis vielleicht für die CSU. Nur, was hat es mit der Farbe Violett auf sich?

SPD – nah am Menschen

Für den Bundestagswahlkampf 2017 engagierte die SPD die Werbeagentur KNSK, zu deren Kunden unter anderem Evonik und der BVB zählen. Die Agentur begleitete bereits den Europa-Wahlkampf von Martin Schulz. Tobias Nehren ist verantwortlich für die Digitalkampagne, in der auch aktuelle Netztrends aufgegriffen und gekonnt für die SPD verarbeitet werden sollen. Um eine breite Masse zu erreichen, setzt auch die SPD nach wie vor auf klassische Werbung. Von TV-Auftritten über Kundgebungen, bis hin zu einer großen Haustürwahlkampfaktion, wird das gesamte Spektrum bedient. Auf den Themenplakaten der SPD dominieren Menschen: Arbeiter, Kinder und Rentner in Großaufnahmen. In der heißen Phase soll Martin Schulz mit dem Motto „Die Zukunft braucht neue Ideen. Und einen, der sie durchsetzt“ in den Fokus gesetzt werden. Die SPD versucht mit Plakaten wie „Die Zukunft braucht neue Ideen“ und mit einem freundlich dreinschauenden Kanzlerkandidaten Sympathiepunkte zu sammeln. Auch die SPD macht keine näheren Angaben zum Werbebudget.

DIE GRÜNEN – hip statt Hippie?!

Eigens für den Wahlkampf der Grünen schlossen sich erfahrene Werber zu der Agentur “Ziemlich beste Antworten” zusammen. Das Budget umfasst 5,5 Millionen Euro. Den digitalen Wahlkampf will man insbesondere in der heißen Schlussphase noch einmal richtig ankurbeln. Zuvor wird unter anderem durch Wahlplakate versucht, eine breite Aufmerksamkeit zu erzeugen. Im Vergleich zu 2013 verdreifachen sie die Zahl der großflächigen Plakate.

In Sachen Neon-Design sind die Grünen Vorreiter. Die Partei präsentiert sich peppig und modern. Auch textlich gelingt es, ernste Botschaften spielerisch zu verpacken. Mit dem Hippie-Image wird aufgeräumt. Die junge Zielgruppe diskutiert schließlich eher digital über Genderfragen, Cannabis-Legalisierung, Tinder und Co.. Der zentrale Wahlkampf-Slogan fehlt selbstverständlich auch auf den Plakaten nicht: „Umwelt ist nicht alles. Aber ohne Umwelt ist alles nichts“. Damit besinnt sich die Partei auf ihren Ursprungsgedanken und verpackt diesen modern.

DIE LINKE – kurz und bündig, aber auch anders?

Die Linke, will nach eigenen Angaben, neue Wege gehen und Überraschungsmomente kreieren. Passend dazu ist auf dem ersten Großplakat zu lesen: „Keine Lust auf Weiterso – Die Linke“. Leitagentur ist DiG Trialon. Der Wahlkampfetat beträgt 6,5 Millionen Euro, von denen 450.000 Euro für den Online-Wahlkampf eingesetzt werden. Die insgesamt geplanten 400.000 Plakate behandeln thematisch das Programm der Partei: Kinderarmut, gute Löhne, Frieden, Renten, Pflege und Gesundheit, bezahlbare Mieten, gegen Hetze von rechts sowie Pro-Millionärssteuer. Mit Großbuchstaben, Balken, bunten Farben und schmissigen Symbolen versucht man, die Themen-Agenda und Partei-Versprechen mit klaren Aussagen publik zu machen.

FDP – très chic

Ein Mann posiert mit Dreitagebart und weißem Hemd mal mit, mal ohne Sakko – in jedem Falle ohne Krawatte – auf einem schwarz-weiß-Foto. Huiuiui, eine neue Hugo Boss Werbung? Nein – ein FDP-Wahlplakat! Modisch, smart und kompetent – so präsentiert die Partei ihren Spitzenkandidaten Christian Lindner. Dieser ziert die Plakate wie ein bekanntes Model. Lindner soll der moderne und modische Held sein, der die FDP voranbringen soll. Für die Liberalen arbeitet die Werbeagentur Heimat. Ist Lindner mal nicht präsent, so gibt es beispielsweise eine Darstellung mit der Aufschrift „Denken wir neu“. Der Hintergrund füllt sich mit dem gesamten und kleingedruckten FDP-Programm. Auch die FDP bleibt bei Neonfarben und unterstreicht mit digitalen Bezügen und frischen Gestaltungsideen ihre Modernität sowie den Fortschrittsgedanken. Auf einem der Plakate heißt es: “Die Digitalisierung ändert alles. Wann ändert sich die Politik?” Daneben: eine Auflistung digitalisierter Lebensbereiche und der zentralen Botschaft: Politik muss auch digital denken. Das Ganze wirkt wie die Rückseite eines Albumcovers – natürlich inklusive dem modischen Macher Christian Lindner.

AFD – ohne Worte

Von der AfD ist man ja schon einiges gewohnt – oder auch nicht. Mit ihren aktuellen Plakaten hat die Partei abermals bewiesen, dass sie nie müde wird, Debatten auszulösen. Auf einer der Abbildungen posiert Frauke Petry mit ihrem frisch geborenen Kind im Arm. Das Baby ist darauf deutlich zu erkennen. Dies löste im Netz eine Diskussion um die Persönlichkeitsrechte von Kindern und die Instrumentalisierung des Nachwuchses aus. Ein himmelblauer Farbverlauf und eine schützende Frauke Petry kommen zunächst im unschuldigen Gewand daher. Insbesondere die dazugehörigen Sprüche „Was ist Ihr Grund, für Deutschland zu kämpfen?“ und “Trau dich, Deutschland” bereiten vielen ein flaues Gefühl im Magen. In einem weiteren Plakat fordern sie ihre Wähler sogar dazu auf, die „neuen Deutschen“ lieber selbst zu machen.

Die Netzgemeinde reagiert entsetzt. Einige Nutzer versuchen, dem Ganzen mit Humor entgegenzutreten: “Sollte die Dame nicht hinter dem Herd stehen? Nach dem Wahlprogramm soll doch der Mann das Geld nach Hause bringen”. Die aus dem Fernsehen bekannte Deko-Queen Tine Wittler äußert sich auf Facebook ebenfalls kritisch: „Eine Instrumentierung, die wie in diesem Fall durch die etwaige familiäre Verbindung mit der abgebildeten Mutter ggf. auch noch nach vielen Jahren eine Identifizierung des Kindes möglich macht und im engen Zusammenhang mit einer politischen Haltung steht, die gelinde gesagt polarisiert, ist aber meiner Meinung nach von der Sache her problematischer […]“. „DIE PARTEI“ reagiert mit einer satirischen Nachstellung des Plakates, auf dem es nun heißt: “Irgendwas mit Deutschland”.

Die Kampagne unter der Überschrift „Trau dich, Deutschland!“ stieß sogar parteiintern auf Kritik. Die Spitzenkandidatin Alice Weidel empfand die Aussage dann doch als zu hart. Nach einer Auseinandersetzung im Bundesvorstand hat man beschlossen, unterschiedliche Plakatreihen zu entwickeln.

Pussy Riot Anhänger vor Gerichtsgebäude in bunte Kleidung verhüllt; Bild zum Artikel über immersives Theater - die Geschichte der Band

In ein russisches Gefängnis eintauchen:
Pussy Riot – Geschichte als immersives Theater

Sich für einen Moment in die Lage eines russischen Regimekritikers versetzen, in der Kirche vor einem Altar protestieren, vor Gericht angeklagt und in ein russisches Gefängnis eingesperrt werden – das alles könnten die Besucher durch ein geplantes immersives Theater bald hautnah miterleben. Die Kreml-kritische Punkband Pussy Riot möchte dem Publikum ihre Geschichte erlebbar machen und konzipierte ein immersives und experimentelles Theater-Projekt mit dem Titel „Inside Pussy Riot“.

Politische Kritik durch immersives Theater

Die Band ist für ihre regimekritischen Auftritte bekannt. Insbesondere das Punk-Gebet in einer Moskauer Kirche sorgte 2012 für weltweite Aufmerksamkeit. Pussy Riot protestierte dabei vor dem Altar gegen die Allianz von Kirche und Staat. Die Aktion kostete die Bandmitglieder zwei Jahre Haft. Die Frauen wurden jedoch vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Nach ihrer Inhaftierung kritisieren sie die dort vorhandenen schlechten Lebensbedingungen für Frauen und plädieren für einen humaneren russischen Strafvollzug. Mit einem immersiven Theaterstück möchte die Band nun zeigen, “was es bedeutet in Russland Regimekritiker zu sein“ – so Pussy-Riot-Mitglied Nadeschda Tolokonnikowa. Den Frauen ist es ein Anliegen zu verdeutlichen, warum es so wichtig ist, die eigenen Freiheiten zu schützen. Dies erzielen sie, indem sie ihre Erlebnisse mit den Zuschauern ungeschönt teilen: „Wir nehmen euch mit auf eine Reise, die vom Kirchenaltar bis in die Tiefen des Kremls selbst führt. Hoffentlich ist das eine Reise, die ihr nur einmal in eurem Leben machen müsst“.

Sich wie ein Angeklagter und Gefangener fühlen

Die Immersivität des Stückes, also die Partizipation des Publikums, wird weniger durch die Technik als durch eine Live-Performance erzeugt. Die in kleine Gruppen aufgeteilten Zuschauer werden in den nachgestellten Umgebungen, basierend auf den Erfahrungen der Band, wie russische Regimekritiker behandelt – inklusive Prozess im Gerichtssaal und Inhaftierungen in einsamen Gefängniszellen. Die Band erhofft sich durch die neue Plattform und die damit verbundene Abkehr von einer rein passiven Rezeption, ihre Anliegen in neue Dimensionen heben zu können:  “What if we combined the aesthetic effect of the immersive theater with our activist approach? Could it actually enhance our political agenda?”.

Auf, statt vor der Bühne

Inspiration holten sich die Mitglieder bei konzeptionellen Künstlern, wie Ilya und Emilia Kabakov, welche dem westlichen Publikum sowjetische, kommunale Lebensbedingungen aufzeigten. Auch der Künstler Ai Wei Wei und die Nachstellung seiner Gefangenschaft, gaben den russischen Musikerinnen Impulse für ein derartiges Projekt. Nicht zuletzt war das immersive Theaterstück ‚Sleep No More‘ aus New York eine große Inspirationsquelle. Bei dieser Aufführung fällt eine klassische 4-Wand-Raumaufteilung weg und der Zuschauer bewegt sich spielerisch in und mit den Kulissen.

Die interaktive Darstellung „Inside Pussy Riot“ soll gemeinsam mit der Theatergruppe Les Enfants Terribles entstehen und im November in der Saatchi Gallery in London aufgeführt werden. Das Projekt kann auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter unterstützt werden. Von den erhofften 60.000 Pfund, kamen bis jetzt 38.347 Pfund zusammen. Inwieweit die realen Bedingungen durch immersives Theater nachgestellt und nachempfunden werden können, bleibt abzuwarten. Die Idee klingt in jedem Fall spannend.